Ausgabe 
8.6.1925
 
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Aus dem Reiche der Frau.

Pünktlichkeit.

SS heißt: Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige sie ist aber auch die Höflichkeit jedes vornehm und pflichttreu eingestellten Menschen. Wer nicht pünktich ist, versäumt seine eigenen Pflichten, denn verlorene Zeit ist unwiderbringlich dahin und nie wieder einzuholen. Er schadet aber auch andern durch seine ä^npürrktlichkeit, läßt sie warten und kostbare Zeit verlieren:Denn welcher unsre Zett uns nimmt, bestiehlt uns, und du sollst nicht stehlen".

Besonders uns Frauen wird der Fehler der Änpünklichkeit immer wieder vorgeworfen. Wenn wir ehrlich sind, werden wir zugeben, nicht ohne Grund. Fast sprichwörtlich geworden ist die Frau, die mit dem Anziehen nicht fertig ist, wenn der Mann zur festgesetzten Stunde mit ihr ausgehen will, oder die Hausfrau, die sich bei Besorgungen verschwatzt, zu spät heimkommt und dann mit der Hausarbeit nicht pünktlich fertig wird. Wir Frauen haben freilich die Enschuld-gung, daß gerade auf uns eine solche Fülle von Kleinarbeit ruht, daß es schon vernünftiger Einteilung und guter Organi­sation braucht, um allem und allen seine Zeit und sein Recht zu geben auf die Minute pünktlich zu sein.

Unk doch hängt von unserer Vorarbeit und Fürsorge so unendlich viel ab. Die Mutter, die nicht früh genug aufsteht, um die Kinder recht­zeitig zur Schule zu besorgen die Hausfrau, die das Essen zu spät und ungar auf den Tisch bringt, wird Unruhe schaffen, schlechte Laune sehen und Winfrieden ernten.

Pünktlichkeit ist Ordnung und Regel in be- zug auf die Zeit. Zn Haus und Leben ist sie ebenso unentbehrlich wie Reinlichkeit und Ord­nung, die in Beziehung zum Raum ganz dasselbe bedeuten wie die Pünktlichkeit in bezug auf die Zeit. 4lnd da wir nun einmal in Raum und Zeit leben, ist als Lebensgrundlage eine Harmonie in diesen beiden Grundbedingungen unabweisbar wichtig. Ein gut Teil der Harmonie alles Men­schenlebens beruht darauf, daß wir uns richtig einstellen.

Merkwürdig ist es, daß sogenannte gute.d. h. tüchtige und saubere Hausfrauen, sich oft so schwer an eine geregelte Zeiteinteilung, an Pünktlichkeit gewöhnen können. Sie legen viel zu viel Wert auf Reinemachen und ähnliche häusliche Tugenden und übersehen, wie sehr sie auf der anderen Seite sich und den Ihren durch Unpünktlichkeit schaden. Wieviel Eheglück ist schon beim Warten auf das Mittagessen verloren gegangen, wieviel gute Laune durch Unpünktlichkeit der Hausfrau und Mutter abhanden gekommen!

Im allgemeienen sind die Männer durch ihre Berufsarbeit mehr zur Pünklichkeit erzogen als wir Hausfrauen. Jede Frau, die im Berufe steht, wird hier lernen müsen. Ze gehetzter und schwieriger dre Lebensbedingungen werden, je mehr konnnt es auf pünktliche Ausnutzung der Zeit an. Manche Hausfrauen meinen freilich immer noch sie brauchen nicht mit der Minute zu rechnen. And doch ist für ihren Beruf die größte Pünktlichkeit erforderlich. Hängt doch von der Leitung des Haushalts Gesundheit und Er­holung, di-7 richtige Ausnutzung der Arbeits- i kraft und der Freistunden, Frohsinn und Gemüt- »lichkeit aller Hausgenossen ab. Die Frau, die sich Schier nicht zur rechten Zeit schult, wird bitter - unter dem eigenen Mangel cm Pünktlichkeit leiden ' und andere leiden lassen.

Sehr leicht artet Anpünktlichkeit dann in An­zuverlässigkeit aus. Wer öfter Zeit und Wort nicht einhält, wird das Vertrauen anderer verlieren. Zu der Treue im Kleinen, und wer im Kleinen nicht treu ist, der wird auch im Großen nicht treu sein, gehört sicher die Pünktlichkeit.

Auch in der Erziehung, als. Beispiel für un­sere Kinder bedeutet es unendlich viel, ob sie in geregelter Zeiteinteilung mit dem Beispiel stren­ger Pünktlichkeit aufwachseül Lavater

sind gerade Ordnung und Pünklichkeit Eigenschaf­ten, die durch Gewöhnung zu gewinnen und zu fördern sind.

Vor allem schafft der pünktliche Mensch sich selbst Zeit. Das Geheimnis des Zeithabens, das in unserer verhetzten Zeit so wenige kennen, beruht nicht zum wenigsten darauf, daß alles zu einer Zeit getan und die Mußestunden inne­gehallen werden. Richts trauriger und uner­quicklicher für die Amgebung als eine abgehetzte, ruhelose Hausmutter, die nie fertig wird. Richts wohltuender als die Frau, die in Harmonie mit ihren Pflichten, ihrer Zeiteinteilung lebt, die Zeit für die Zhrigen und die eigene Seele hat.

Das Bild einer solchen Frau gibt uns Sa­lomo in seinemLob eines tugendsamen Weibes"

mit dem schönen Schlußwort: And ihres Mannes Herz kann sich auf sie verlassen.

Klara Prieh.

Das einzige Kind.

Von Kinderarzt Dr. G u st a o T u g e n d r e i ch, Berlin.

Schon in den letzten Jahren vor dem Kriege machte sich auch in Deutschland ein Jahr um Jahr stärker in Erscheinung tretender Rückgang der Ge­burtenzahl bemerkbar. Jmmerbin war für den Volkswirt ein Grund zu augenblicklicher Beunruhi­gung nicht vorhanden. Denn die Zahl der Geburten juar immerhin noch so groß, daß oie Beoölkerungs- ziffer jährlich nicht unerheblich wuchs. Wenn trotz­dem schon vor dem Kriege der Geburtenrückgang Gegenstand ernster Sorge für den Bevölkerungs- polttiker war, so deshalb, weil die Erfahrung und der Vergleich mit anderen Ländren lehrte, daß die Geburtenziffer, wenn sie einmal ins Abwärtsgleiten geraten ist, nur schwer wieder aufzuhalten oder gar aufwärts zu rollen sei. Gewöhnlich macht sie erst halt bei einem Tiefstand, der den Volksbestand ernst­lich gefährdet. Besonders bedenklich mußte machen, daß der Geburtenrückgang in einer Zeit wirtschaft­licher Blüte einsetzte. Daß nun aber der Krieg und die Nachkriegszeit, die eine gewaltige Verarmung unseres Volkes herbeiführtc, die Geburtenziffer mächtig herunterdrücken mußte, war von vornher­ein zu befürchten. Die Tatsachen haben auch schlimme Erwartungen übertroffen. In Groß-Ber­lin z. B. wurden lebend geboren. ' '

im Jahre 1921: 53 901, im Jahre 1922; 45 686, im Jahre 1923: 38 924.

Im Jahre 1880 kamen in Alt-Berlin auf je 1000 Frauen im Alter von 1550 Jahren noch 236 eheliche Geburten, im Jahre 1919 nur noch 87.

Ein solcher Geburtenrückgang ist nur möglich, wenn das sogenannte Zwei- oder gar Einkinder- system nicht mehr das traurige Vorrecht der besitzen­den Klassen ist, wie es vor dem Kriege der Fall war, sondern wann auch die breite Masse des Vol­kes in großem Umfange künstliche Geburtenbe­schränkung treibt. Tatsächlich lehrt die Erfahrung der Fürsorgestelle, die ja fast nur von Arbeiter­frauen mit ihren Kindern ausgesucht wird, daß der früher übliche Kinderreichtum nur noch selten an­zutreffen ist, daß anderseits die früher in der brei­ten Volksschicht kaum je vorhandene Einkinderehe heute schon ziemlich häufig ist. An dieser Stelle soll nun nicht über die volkswirtschaftlichen Folgen des Geburtenrückgangs gesprochen werden, wohl aber sollen vom kinderärztlichen Standpunkte aus die Gefahren beleuchtet werden, die dem ohne Ge­schwister aufwachsenoen Kinde, dem einzigen Kinde in seelischer wie leiblicher Hinsicht drohen. Das ein­zige Kind stellt eine Abart des normalen dar, weil es unter unnatürlichen Bedingungen aufwächst. Die geistige und sittliche Entwicklung des Kindes nimmt nur dann ihren ungehemmten natürlichen Verlauf, wenn das Kind unter Geschwistern auf­wächst, fremde Spielkameraden bieten keineswegs vollen Ersatz, weil die Einstellung der Eltern und des Kindes zu fremden Kindern anders ist und weil das Zusammensein des Kindes mit feinen Spiel­gefährten nicht dauernd ist.

Die Einstellung der Eltern zu dem einzigen Kinde ist besonders durch die übergroße Sorge um Gesungheit und Leben des Einzigen gekennzeich­net. Das einzige Kind ist ein Sorgenkind. Unge­teilt kreist die elterliche Liebe um das eine Kind, das den Mittelpunkt des Familienlebens bildet. Die Sorgfalt und Sorge, mit der die Eltern ihre Kinder betreuen, wird dem einzigen Kinde gegen­über unnatürlich, übergroß, ausartend inAengftlich- keit und Furcht. Sind es doch ohnehin nicht eben die lebenstüchtigen, nervenstarken Eltern, die vor einer großen FzchpßuPZ, bfff umlhw rdgo um wie oft hängt Glück, ja Bestand der Ehe von dem einen Kinde ab! Daher wird das einzige Kind ver­zärtelt, verweichlicht, körperlich wie seelisck. Vor jedem Lüftchen wird es ebenso ängstlich behütet, wie ihm jeder Wunsch sogleich erfüllt wird. Nun ist ober das Ziel aller Erziehung die Vorberei­tung auf das selbständig aesührte Leben. Und das Leben nimmt keine Rücksicht darauf, ob der Mensch nureinziges Kind" war oder nicht. Es ist nicht möglich, dies Leben ohne Kampf, ohne Wider­stand zu führen. Dazu gehört aber in erster Reihe eine gewisse körperliche wie seelische Abhärtung, die nur in der Kindheit erworben wird. Denn die Eierschalen der Kindheit hängen uns durchs ganze Leben an.

Daher geht eine Erziehung, die nur darauf ab­zielt, dem Kinde jedes Hemmnis, jede Unbequem­lichkeit, jeden Luftzug fernzuhalten, in die Irre. Un­möglich ist es, dem Körper alle drohenden Ge-

Don der Vorfreude und vom Plänefchnneden.

Von Clara Prieh.

Wir Deutschen sind immer ein Volk der Reise­sehnsucht gewesen. Die harten Kriegs- und Entbeh­rungsjahre lassen uns jetzt um so mehr nach Er­holung und anderen Eindrücken ausschauen. Freilich, die Rentenmark ist rar, das Ausland durch die hohen Paßkosten verschlossen um so mehr heißt's, das Mögliche an Reifeplänen zu prüfen. Es gibt freilich auch einen kleinen Prozentsatz Bevorzugter, die zu jeder Zeit und überall Hinreisen können, die schon im Januar zum Wintersport ins Engadin und im März an die Riviera reisen. Aber entbehren sie nicht gerade das Beste vom Reisen, jenes V o r f r c u e n und Plänes chmieden, das uns andern, die wir mit Beruf und Geldbeutel, mit Haushalt und Sommerferien zu rechnen haben, schon die Monate vorher füllt und verklärt? Jeder und jedes Haus treibt dies Hoffen und Planen nach feiner Eigenart. Da sind die Optimisten, die schon vor Weihnachten an eine Mittelmeerreise oder eine Nordkapfahrt denken und ganz zufrieden sind, wenn's später für Friedrichroda langt. Da find die Pessimisten, die die es Jahr sicher kein Geld und feine Zeit haben werden und doch das Pläneschmieden nicht lasten können. . .. , .

Wie verschieden an Straft und Umfang und Sehnsucht diese Reisewünfche auch fein mögen sie fehlen niemals vollständig. Nur daß die wenigsten von uns wissen, was sie eigentlich in ihren Ferien brauchen, was sie planen und nach Möglichkeit zu verschaffen suchen sollten. Wir sprechen hier natür­lich nicht von denen, die eine bestimmte Kur brau­chen und deren Reisewege vom Arzt bestimmt wer­den. Wir meinen feier die Hunderttausende, die

immer den weitaus größten Teil des Reisepublikums ausmachen, alle, die nur irgendeine Erholung und Ausspannung brauchen. Denn unsere harte Zeit ver­braucht unsere Nerven und Kräfte rascher als die der Generationen vor uns.

Was soll uns allen die Sommerreise fein und bedeuten? Eine Erlösung von der Unruhe des Alltags, ein Ausspannen aus dem gewohnten Joch, ein Gegengewicht zu dem ermüdenden Einerlei der Arbeit in Beruf, Haushalt und Familie. Je klarer wir uns hierüber sind, je bester wir uns selbst und unsere Umgebung verstehen, um so bewußter wer­den wir das richtige Reiseziel für uns und die Un­seren suchen.

Freilich machen sich die allerwenigsten klar, daß eben im Gegensatz zum täglichen gewohnten Leben die beste Erholung und Anregung und der feinste Reiz des Reisens liegt. Und doch sollte die Erkenntnis die Grundlage aller Reisepläne sein, von der aus dann weiter mit allen übrigen Faktoren und Verhältnissen gerechnet werden muß. Auf dieser Grundlage lassen sich aber auch schon mit bescheide­nen Summen Pläne machen. Denn was wir heut­zutage alle mehr oder weniger für unsere Ferien brauchen, ist ein ruhiges Leben in einfachen Formen und Verhältnissen, in und mit der Natur als Gegengewicht zu den komplizierten, unruhigen Lebensbedingungen, die uns daheim in Arbeit und Familie umgeben.

Von diesem Standpunkt aus haben's die reichen Leute recht schlecht und langweilig auf Reisen. Sie schleppen ihre eleganten Lebensgewohnheiten, ihre Ansprüche wie ihre zahllosen Koffer mit sich, wohin sie auch kommen, und finden immer wieder dieselbe Umgebung von Eleganz und Luxus und immer wie­der nur ihresgleichen zur Gesellschaft, so daß ihren Reisen von vornherein ihre beste Würze fehlt. Manch einem, der es das ganze Jahr hindurch knapp und mager hat, wäre freilich als Ausgleich und (Segen­

fahren fern zu halten, Krankheitskeime finden sich fast überall, die Möglichkeiten, einen Unfall zu er­leiden, sind zahlreich. Es gilt also, den Körper zu stählen, ihn widerstandsfähig, ihn gewandt zu machen, daß er den Gefahren ausweichen kann, und daß er, wenn ihn eine Krankheit befällt, sie sieg­reich überwindet.

Ganz das gleiche Ziel hat die Erziehung des Charakters. Der Wille muß gestählt werden, das Kind muß leinen, auch die Gefühle des Unbe­hagens, der Unlunft tapfer zu ertragen, ja zu unterdrücken. Die Nachgiebigkeit, die dem einzigen Kinde gegenüber häufig geübt wird, stärkt feinen Hang zur Tyrannei, zum Egoismus. Die jedem Menschen innewohnende Selbstsucht der gesunde Egoismus übersteigert sich. Es fehlt eben der ausgleichende Widerstand durch die Geschwister. Es fehlt der Zwang zur Ein- und Unterordnung. Mit Recht hat man ja die Familie die Urzelle des Staates genannt. Wie der Staat nur bestehen kann, wenn seine Bürger Einordnung und Unter- ordung gelernt haben, so kann nur durch diese Eigenschaften in der kinderreichen Familie der fiausfriebe gewahrt werden. Im Kreise der Ge­schwister, im Spiel mit ihnen, durch die Eingliede­rung in einen großen Familienkreis lernt das Kind sozial fühlen, sozial handeln. Hier lernt es ertragen, daß die älteren Geschwister gewisse Vorrechte ge­nießen, (ernt auf manchen Wunsch zugunsten der Geschwister verzichten; und wie die Liebe der Eltern alle Geschwister gleichmäßig umfaßt, so er­kennt und fühlt sich das Kind als Glied einer Kette. Mindestens so wichtig, so eindrucksvoll wie die Erziehung durch die Eltern, ist die Erziehung durch die Geschwister. Jeder Arzt, jeder Erzieher weiß, wieviel leichter sich gewöhnlich die nachge­borenen Kinder erziehen lassen, als das Erstge­borene, weil diese das Beispiel der ältesten vor Augen haben. Und jede Erziehung ist wirksam we­sentlich durch das Beispiel. Das Beispiel der Ge­schwister ist aber dem Kinde oft leichter verständ­lich und eingängig, oft nachahmenswerter, als das der Eltern, weil das Kind dem Kinde näher steht, ihm mehr Verständnis entgegenbringt als den Er­wachsenen. Was der große Bruder tut, ist dem Kinde weit öfter das Ideal als das ihm unverständ­liche Gehaben der Eltern. Andererseits, wie natür­lich können sich bei der älteren Schwester die weib­lichen, mütterlichen Triebe entwickeln bei Betreu­ung der jüngeren! In ständigem Vergleichen mit den Geschwistern entwickelt das Kind seine Eigen­schaften, seine Nächstenliebe, seinen Mut und findet an feinen Geschwistern unbestechlichere Kritiker als an den Eltern. Die großen Nachteile und Gefahren, die das ohne Geschwister aufwachsende Kind ernst­lich bedrohen, können nur schwer gemildert werden. Für die ersten Lebensjahre, die für die körperliche und seelische Entwicklung gerade die wichtigen, oft entscheidenden, sind, gibt es überhaupt nur die Möglichkeit, daß die Eltern in klarer Erkenntnis der Besonderheit des einzigen Kindes zielbewußt alle Schäden meiden und bekämpfen. Die Erfah­rung lehrt, wie schwer diese Absicht durchzufüh­ren ist.

Für das ältere einzige Kind, etwa vom dritten Lebensjahre an, ist der Kindergarten dringend zu empfehlen, falls er gut eingerichtet und geleitet ist. Die Zahl der Kinder, die von einer Kindergärt­nerin geleitet wird, darf nicht zu groß fein, etwa fünfzehn bis zwanzig; der familienartige Charak­ter der Erziehung muß durchaus gewahrt werden. Hier findet das Kind gleichartige Kskneraden und lernt im eigentlichen wie im übertragenen Sinne mit ihnen in Reih und Glied marschie­ren. Leider scheuen die Eltern der einzigen Kinder aus Furcht vor der Uebertragung von Krankheiten usw. oft zurück, ihr Kind dem Kindergarten anzu­vertrauen. Sie überschätzen die Gefahren der Kin­derkrankheiten, sie unterschätzen die Gefahren der unnatürlichen Aufzucht des einzigen Spindes. Später bietet die Schule Gelegenheit zu einigem Ausgleich. Aber einmal ist beim Eintritt ins Schulalter schon viel versehen und verdorben am einzigen Kinde; anderseits sind gerade die Eltern einziger Kinder geneigt, den guten Einfluß der Schulzucht durch un­verständiges Benehmen im Familienkreise wieder aufzuheben.

Am wirksamsten befreit man das einzige Kind aus feiner unnatürlichen Lage, indem man ihm Geschwister an die Seite gibt. Gewiß sprechen bei der bedrängten wirtschaftlichen Lage, in der sich unser Land befindet, die Kosten, die mit der Aufzucht jedes Kindes verknüpft sind, ein gewich­tigeres Wort als ehedem. Die Eltern müssen sich aber deutlich bewußt fein, daß die Beschränkung der Kinderzahl, das Genügen an einem einzigen Kinde, nicht nur ein wirtschaftliches Problem ist, sondern daß dem einzigen Kinde, weil es das ein­zige ist, mehr körperliche und seelische Gefahren drohen.

gewicht so ein gutes Leben vier Wochen lang zu gönnen.

Erst recht schwierig und kritisch steht es mit den Reifeplänen da, wo es in einer Familie viele Kovfe und viele Sinne gibt und ihre Ansprüche mit der Leistungsfähigkeit des Geldbeutels in Einklang ge­bracht werden sollen. In den allermeisten Fällen wird hier die Hausfrau und Mutter mit Takt und Weisheit versuchen müssen, das Richtige und Beste für sich und die Ihrigen herauszufinden. Vor allen Dingen gilt's, den Mut der Wahrheit zu haben. Man soll nichts Großartiges und Kostspieligeres wollen, als die Verhältnisse erlauben, und sich nicht von überschwenglichen Reiseplänen anderer Leute beeinflussen und anstecken lassen. Man sei aber auch ehrlich den inneren Verhältnissen und Beziehungen gegenüber und reife nur miteinander, wenn wirk­liche Erholung und Erfrischung und Freiheit für die einzelnen dabei zu hoffen ist. Gar oft schleppt man bei solchen Familienreisen den Alltag, die täglichen Sorgen und Schwierigkeiten mit und kommt dar­über nicht zum Genuß der neuen Eindrücke.

Für die Kinder ist ein wirklichesReisen", d. h. ein Wechsel von schönen und großartigen Na­tureindrücken überhaupt ein Unding. Sie haben wenig Verständnis dafür und keinen Gewinn an Leib und Seele. Sie gehören in ein ganz einfaches Stückchen Natur, das sie mit allem, was da kreucht und fleucht und blüht, gründlich kennen lernen und zu ihrem Spielplatz machen können. Für kleinere Kinder bleibt immer ein Aufenthalt an der See das allerbeste, und ein Sandstrand ist nun einmal die schönste Freiluft-Kinderstube. Glücklich die Mutter, die dort ihre Kinder nach Herzenslust spielen und patschen lassen kann und es versteht, alle Haushalts-, Alltags- und Toilettensoraen in dieser Ferienzeit von sich und ihnen fernzuhalten.

Mit der Heranwachsenden Jugend ist's schon schwieriger. Es gibt da immer Zeitpunkte, wo alles

Für Haus und Küche.

Reinigung von Dettfedern. *

Man weicht die Federn drei bis vier $age in einer schwachen Lösung von kohlensaurer« Ratron (Soda) ein, dann wirft man sie auf ein Sieb, läßt die Flüssigkeit abtropfen, wäscht die Federn mit reinem Wasser und trocknet sie auf Retzen. Die gewaschenen Znletts werden vor dem Einschütten der Federn gewachst. Roch einfacher ist folgendes Verfahren: Man wäscht die ganzen Bettstücke in heißem Wasser wie gewöhnliche Wäsche aus und trocknet sie im Freien, am besten in der Sonne. Bei öfte­rem Wenden und Schütteln trocknen die Betten leicht und die Federn werden locker und schön.

Fettflecke auf Tapeten.

Um Fettflecke aus Tapeten zu entfernen, streicht man einen Brei aus Pfeifenton und kaltem Wasser auf den Fleck, aber ganz leicht, ohne ihn in die Tapete einzureiben und laßt ihn über Nacht dar­auf liegen. Am andern Morgen wird die einge­trocknete Masse mit einer reinen Bürste abgebürstet; der Fleck ist verschwunden, wenn er nicht zu alt gewesen war.

Unsaubere Gummimäntel zu reinigen.

Ist der Gummimantel tüchtig getragen worden, so bekommt er ein wenig schönes Aussehen, ja, er wirkt mitunter unsauber. Um diesem Uebel abzu­helfen, stellt man eine Mischung von Wasser und Salmiakgeist her und reibt damit den ganzen Mantel ab. Ein weicher Schwamm erleichtert diese Arbeit wesentlich. Der Stoff gewinnt dadurch nicht allein an gutem Aussehen, auch die Haltbarkeit wird unterftütjt.

Gummimäntel und alle sonstigen Gegenstände aus Gummi dürfen niemals in fefer kalten Räu­men aufbewahrt werden, weil sie dann leicht hart und brüchig werden. Zur Erhaltung der Geschmeidigkeit empfiehlt sich öfteres Abreiben mit Salmiakgeist.

Oeffnen von Schraubdeckeln.

Wenn der Schraubdeckel des Marmeladen­glases festsiht, nützt selbst das Anpacken mit einem Tuch oftmals nicht; nimmt man ein Stück Sandpapier statt des Tuches, oder man klopfe leicht mit einem Holzhammer von allen Seiten gegen den Deckel, bis er sich leicht öffnen läßt,

Akazienschnitten.

Man nimmt die Akaziendolden, die man frisch abgeschnitten hat, legt sie auf ein Sieb und stzült dieselben mit Wasser ab. Sodann bereitet man mit etwa 2 Eiern, Vr Liter Milch, Vs Pfund Mehl, etwas Salz und Zucker einen Cierkuchenteig. Zn denselben taucht man die Dolden und bäckt sie in heißem Fett schön gelbbraun. Die gebackenen Dolden werden mit Zucker bestreut und als Akazienschnitten zu Tisch gegeben. Mit einer Zugabe von Obst dient es als Dessert; jedoch können die Schnitten auch als Kaffeegebäck genossen werden. Niemals dürfen Dolden der farbigen Akazie oder des Goldregens verwendet werden, sondern nur die­jenigen der weißen Akazie. E. R.

Frisches Fleisch mürbe zu machen.

Frischgeschlachtetes Fleisch mürbe oder alt­schlachten zu machen. Scheint ein Braten, der am nächsten Mittag gegessen werden soll, noch zu frisch und hart, dann stellt man ihn recht warm. Hat man ihn schon vom Tag vorher, so stellt man ihn den ganzen Tag neben den Herd oder (im Winter) auf einen Stubenofen, und sobald der Bratofen nicht mehr zu heiß ist, kommt er da hinein, wo er bis zum nächsten Morgen bleibt; dann kommt er wie­der neben den Herd, bis er gebraten werden soll. Ebenso macht man es mit Geflügel, das am nächsten Mittag gebraten werden muß (bei plötzlicher Be- fuchsanmeldung). Federvieh muß vor dem Warm­stellen ausgenommen werden. Das Fleisch wird auf diese Art zart.

Fisch mit geschlagener Tunke.

Ein beliebiger Fluß- ober Seefisch wird sauber vorbereitet, in Portionsstücke geschnitten und nach leichtem Einsalzen in langsam kochendem Wasser gar gesotten. Einen Ehlösfel gehackter Zwiebeln läßt man, ohne daß sie sicy gelb färben, in Butter an­braten, fügt einige Pfefferkörner, ein Stückchen Lorbeerblatt, einige Gewürzkörner hinzu, gießt dann 1 Liter Weißwein, i Liter Fischsud daran, läßt die Flüssigkeit eine Viertelstunde kochen und gießt sie durch ein Sieb zum Klarwerden. Drei Eidotter werden nun mit der Brühe verquirlt, Salz und Zitronensaft oder Kräuteressig und eine Spur Zucker zugesetzt. Dann schlägt man die Tunke mit der Schneerute bis zum Dickwerden. Einen Eßlöffel frische Butter rührt man zu Sahne, fügt einen Tee­löffel Fleischwürze darunter und gibt die Butter­menge zur Tunke und gießt sie über die Fischstücke.

Spielen und Graben im Sande nicht mehr genügt, wo allerlei Unruhe und Eigenwille in ihnen steckt und die Harmonie des Famllienlebens auch während der Ferien bedroht. Wohl dem, der bannin Dorf ober Stabt einen Onkel wohnen hat", bem bas be» treffenbe Familienmitglieb für einige Zeit anoer­traut werben kann. Ober man sucht irgenbeine billige, vernünftige Pension in einem ßanbaufent- halt. Es tut immer gut, wenn man in biefen Werbe­jahren seine Füße einmal unter frember Leute Tisch strecken unb etwas höflicher unb bescheibener als baheim sein muß. Vor allen Dingen gehören biese Halbwüchsigen auch zu ihresgleichen. Da finb bie Schüler- unb Wanbervogelfahrten, solange sie Maß unb Ziel halten, burchaus gesunb unb angebracht. Solange bieFlegeljahre" nicht überrounben finb, ist das System ber getrennten Serienreifen billiger, für alle Teile erfreulicher unb bekömmlicher als gemeinsames Reisen.

Es gibt abgearbeitete, nervöse Väter, bie zu ihrem eigenen unb ihrer Familie Besten gut tun, wenn sie ganz allein reisen. Unb ich kenne Mütter, bie gern zu Hause bleiben unb es verstehen, bann ganz für ihre Kinder zu leben, Entbeckungsreisen mit ihnen runbum ins Lanb zu machen unb ben Reiz bes Besonberen, Feiertäglichen über biese Serien» wochen baheim legen.

Freilich ist bas nicht jebermannns Sache unb Gabe. Eine anbere Mutter hat vielleicht auch auf ihre Art recht, wenn sie jedes Jahr vierzehn Tage allein ins Hochgebirge geht, um sich bort von ihrer Familie zu erholen und dann neu gestärkt für bie Anforderungen bes Lebens baheim roiebertommt.

Frische Kraft für bie schweren Anforberungen bes Lebens möchten uns allen bie fommenbe Zelt ber großen Serien bringen unb möchte boch jeber von uns auf feine Weife ben rechten Weg bazü finden!

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