Aus Stadt und Land.
Giehen, den 8. Mai 1925.
Der Groschen.
Früher hatte ein Groschen zehn Pfennige, das heißt zehn einzelne Pfennige, und die meisten Zunder, die für ihre Sparbüchse sammelten, mußten mit den allerkleinsten Münzen ansangen und erhiellen einen Kupferpfennig oder höchstens einen Zweier, wenn sie einen Beitrag für die Sparbüchse 6:tarnen. Damals konnte man allerdings für dieses kleine Geld mehr laufen als heute, und die kleinen Münzen waren mehr geachtet als jetzt, wo wir als Volk viel ärmer sind als früher und eigentlich immer noch in aller- härtestem Dingen um die einfachsten Existenz- mittel überhaupt stehen. Wie ist das möglich?
Ich kann mir das nur so erklären, daß wir durch die Inflallonszell das rechte Augenmaß für Zahlen verloren haben und uns mit den lleinen Werten nun nicht mehr zurechtfinden tonnen. Vor zwei Jahren ging.,.es nur nach Hunderttause den. dann nach Mi's onen und Milliarden, sogar nach Blll onen. Der Illillen- wahnsinn brachte uns um jedes Zahlenverständnis und zwang uns zu einer gefühlsmäßigen Einstellung den Zahlen gegenüber, auch diejenigen, die durch die lange Tradll'on einer ruhigen Entwicklung feste Zahlen begriffe mitgebracht hatten, die gerade vrelleicht am meisten, weil die Grundlagen ihres rechnerischen Denkens dadurch erschüttert wurden.
Wer es miterlebt hat, daß eine Sache heute hunderttausend Mark, morgen vierhunderttausend, in drei Wochen drei Millionen kostete oder noch mehr — und wer von uns hätte diese Zeit nicht mit Grausen miterlebt! —. der konnte sich unter Zahlen einfach nichts mehr denken, sie waren lediglich zu Worten geworden, die leine Bedeutung mehr hatten. Den Kindern ist es auch so gegangen, nur daß diese die festen Vorstellungen dafür nicht mitgebracht hatten. Es ist überhaupt wie ein Wunder, wie to;r alle wieder so schnell und so bestimmt uns an die kleinen festen Zahlen gewöhnt haben.
Freilich nicht an die ganz kleinen Ein Groschen besteht heute für die allermeisten Menschen aus zwei Fünfpfennigstücken, für wenige aus fünf Zweipfennigern, nur für manchen Kassierer beim Geldwechseln aus Einzelvfennigen, Zweipfennigstücken und einem Fünfpfenniger. Man kann es erleben, daß sich die Leute entschuldigrn. wenn sie mit Kupfer bezahlen, oder daß sie auf Herausgabe der restlichen Kupferpfennige verzichten. Wenn es Mühe macht, sie aus der Kasse zu- sammenzusuchen. Dies^ Groß-ügigkeit ist ein höchst ungesunder Zug und zeigt immer noch das Schwankende der älebergangszeit an.
Früher sagte man: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert: man ehrte den Pfennig, hatte den Taler, sparte die Taler Zusammen und die Summen, die die Inflation mit räuberischer Hand ausplündern konnte.
Es wird uns nichts übrig bleiben - - wir müssen wieder mit dem Pfennig rechnen lernen.
E. V.
Gießener Wnchcnmarktpreise.
am 7. Mai (Händlerpreise).
Es kostete auf dem heutigen Wochemnarll das Pfund Butter 200 bis 220, Matte 40, Käse 65 bis 70. Wirsing 40. Weißkraut 20, Rotkraut 40, gelbe Düben 20, rote Düben 12, Spinat 30, Dömischkohl 15, Spargel 150, Anterkohlrabi 6, Grünkohl 20, Feldsalat 150, Tomaten 150, Zwiebellt 25, Meerrettich 50 bis 100, Schwarzwurzeln 60, Rhabarber 25, Kartoffeln 5, Aepfel 20 bis 30, Dörrobst 35, Honig 40, junge Hahnen 100, Suppenhühner 120; das Strick Eier 10 bis 11, Blumenkohl 100 bis 180, Salat 35, Sakat- gurlen 100 bis 120, Lauch 5 bis 10, Sellerie 15 bis 80; das Bund Radieschen 20 bis 25.
Boriwtizen.
Tageskalender für Freitag Marineverein: 8 llfjr Aula der ilniocrfitäi Lichttbildervortrag des Kapitäns Schmehl. - Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Hochstapler wider Willen".
** Z u m S ch rßh der Vögel weist bas Polizeiamt Giehen im neuesten Amtsverkündi- gungsblatt darauf hin, daß das Zerstören und Ausheben von Restern ober Brutstätten der Vögel, das Zerstören und Ausnehmen von Eiern, das Ausnahmen und Töten von Jungen verboten ist, in gleicher Weise ist das Feilbieten und der Verkauf der gegen dieses Verbot erlangten Eier uird Jungen untersagt. Zuwiderhandelnde werden mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft bestraft. Diese Strafe trifft irrsbesondere auch denjenigen, der es unterläßt, Kinder oder andere unter seiner Gewalt stehende Personen, welche seiner Aufsicht untergeben sind unb zu seiner Hausgonossenschaft gehören, von solchen Zuwiderhandlungen abzuhalten. Das Aussichts- Personal ist angewiesen, auf die Befolgung der Bestimmungen ein scharfes Augenmerk zu haben und jede Zuwiderhandlung behufs Herbeiführung der gerichtlichen Bestrafung zur Anzeige zu bringen.
** D ie Hessische Bild stelle, die vom Staat unterstützt wird, beabsichtigt in Hessen medizinische Filnrwochen einzuführen. Die erste dieser Vorführungen findet für die Aerztcschaft Darmstadts statt. Es werden Operationen von Prof. Krogh aus Kopenhagen und Geh. Rat Pros. Küttner aus Breslau gezeigt.
!'! Der Verband der Regiments - vereine ehemaliger 1 16er hält am nächsten Sonntag in Marburg seine diesjährige Vertreteroerscunmlung ab. Die Vereine aus Affeld. Lauterbach, Frankfurt, Gießen. Friedberg, Offenbach. Darmstadt usw. werden erwartet. Hauptpuntt der Tagesordnung ist die Errichtung des 1 16er Denkmals in Gießen, dessen Enthüllung im August stattfinden soll.
!*! Eine Arbeitsschultagung s and am Dienstag in der hiesigen Höheren Mädchen- schule statt, .lieber 200 Lehrer und Lehrerinnen von den höheren Schulen und öen Volksschulen hatten sich eingefunden, so haß die Turnhalle kaum ausreichte. Frau Rekkor Weitzel begrüßte die Rednerin des Tages, Frl. Lotte Müller. Leipzig, die im Sinne der Arbeitsschule eine Muster- und Probeunterrichtsstunde
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dem wirtschaftlichen Aufschwung Bayerns, der Wohlfahrt des Deutschen Reiches und dem gemeinsamen friedlichen Fortschritt der Völker wid- men werden unb daß Ihnen immer zahlreichere tätige Kämpfer erstehen. Unfern Dank und unsere Wünsche fassen wir zusammen in den Rus. in den ich Sie einzustimmen bitte. Oskar v. Miller und seine Helfer am deutschen Museum: Sie leben hoch!
Im weiteren Verlause des Festnrahls richtete
Seen Zedin
folgende Ansprache an 1 ic Festversammlung: Ein Tag der Freude ist es. der mich vom hohen Dorden zu den Türmen der Frauenkirche geführt hat. ein Tag der Erfüllung für das Deutsche Museum unb seinem genialen Schöpfer Oskar von Miller, ein Tag der Dankbarkeit für die ehrwürdige Isarstadt, diese Hochburg der Wissenschaften, der Kunst unb Kultur, ein Tag des Stolzes für das gesamte Bayern land, dessen Tradition es ist, die Großen des Geistes zu fördern, ein Tag des Triumphes für Deutschland, das heule einen friedlich errungenen Sieg feiert, ein Tag der tiefsten inneren Genugtuung für diejenigen auch, die draußen jenseits der deutschen Grenzer, auch in dunklen Stunden nie einen Augenblick in ihrem Glauben wankend wurden, und endlich ein Tag der Dewund erung für die ganze Welt, die sich glücklich schätzen muß. baß im Herzen Europas dank bet sittlichen Kraft des deutschen Volles ein festgefügter Bau des Geistes im Dienste der Menschheit geschaffen wurde, well Chaos herrschen würde, wenn dieses Voll nicht seiner großen unb für alle Böller der Erde segensreichen Mission sich gewappnet grllihlt hätte. Die geniale - Schöpfung des Deutschen Museums ist ein hohes Lied jener Ernigkeit, zu der die Stimme aus Haimover mahnt, d i c Stimme des großen Mannes, den das deutsche Volk als die Verkörperung seiner besten Eigenschaften erkannt und zu seinem Führer erkoren hat.
Das deutsche Volk braucht wcd:r wegen des heute avisierten Schuldspruches noch wegen des anderen Angemachs d.n Kopf Höngen (affen! Man hat euch Geld unb Gut unb Gebiete wrg- aenommen, aber eure 21 r beit, die hoben Jitt= lichen Werte, die. wie das Rheingold in der Tiefe dss deutschen Stromes, in her deutschen Seele schlummern, hat man euch nicht verbieten können! Der denkende Geist, die schaffende Hand unb die sittliche Kraft sind die drei Säulen, die Deutschlands Zukunft tragen.
Mir ist um feine Zukunft nicht bange! Das Schlimmste ist überstanden, und mit verringertem Ballast und mit frischem Sinn zieht das deutsche Schiss smne Dahn. Wie Z.D. li! unter Eckeners Führung das Weltmeer überquerte und fein Ziel erreichte, so wird jetzt das deutsche Schiff unter b er Führung feines besten Mannes im Sturm und Wo^enprall der Weltgeschichte seine ihm von der Vorsehung gesetzte Mission erfüllen. Aus ganzem Herzen rufe ich: G lückl iche Fahrt!
Die Rede Sven Hedins wurde von der Festverfammlung mit stürmischem Beisal s unterstrichen unb bedankt.
Wenig später ergriff
Reichskanzler a. D. Cuno das Wort und führte aus: Mir ist der will- fbmmene unb ehrenvolle Auftrag geworden, aus diesem festlichen Anlaß, der bas Lebenswert Oskar von 'Millers krönen soll, in Dank unb Anerkennung aller derer zu gedenken, die dem unvergeßlichen Tage der ©roffming des Deutschen Museums Leben und Farbe verliehen haben. Das Deutsche Museum, auf das Bayern, Reich und Ausland, wie Sie soeben von meinem Freunde Sven Hedin gehört haben, mit gleicher Bewunderung blicken, ist rein sachlicher Samnller- und 8erÜberarbeit in Wissenschaft und Technik er- ftanben Cs würde, wie sein monumentaler Bau der Eröffnungsfeier das strenge Gepräge jener Arbeit gegeben haben, wenn nicht die Kun st in ihrer liebenswürdigen, heiteren und ergreifenden Art sich dem mit sorgender Hand angenommen und im Herzen und Gemüt das Lebenswarme verliehen hätten, wie es nur hier in Bayern möglich ist. Sie fragt ihre Jünger nicht, woher sie kommen und wie sie politisch gesonnen, sondern was sie können Hierbei trifft sich die Kunst mit der im Deutschen Museum verkörperten Wissenschaft und Technik und wird zu einem genialen Wahrzeichen für die Arbeit des gef amten deutschen Volkes beim Bau des Hauses, in Gegenwart und in Zukunft. Wir wollen, so oft wir das Deutsche Museum mit staunenden Augen bewundern, uns der Kunst erinnern und den Dank zu fruchtbarer Tat werden laffen, indem wir, wie unsere Künstler es getan, allezeit in unterem Leben und Wirkungskreis eigene Interessen und unterschiedliche Denkart hinter dem Bestrebt harmonischen unb lebensvollen Zusammenwirkens zurücktret er. laffen zum wohlverstandenen Besten unseres Volles und so den Wunsch des Baumeisters in Gerhard Hauptmanns Festspiel verwirllichen helfen: Aber möchten alle deutschen Werke so erstehen, geboren aus der Einigkeit unb in dem gleichen Geist gewachsen unb vollendet!
Das Festmehl wurde von Orgel- und Kla- viervorträgen sowie von musikalischen Darbietungen des Birtigt-Quartekts. des Solo-Quartetts des Lehrergefangvereins und der Münchener Dläservereinigung stimmungsvoll umrahmt. Das Festbankett wurde offiziell um 4.30 Ahr geschlossen. Die Festgäste blieben aber noch lange über die Zeit hinaus beisammen. Die Mitglieder der Aeichsregierung und der bayrischen Regierung waren noch bis zum Abend anwesend und hielten ein Cercle ab. Die Reihe der Feierlichkeiten beschloß am Abend eine Fest Vorst e l l u n g im Rationaltheater mit Beethovens Reunter Symphonie und den ..Ruinen von Athen" unter Leitung von Knapperts- busch und Strauß.
Ein Fackelzug für den Reichspräsidenten.
Hannover, 7. Mai. (2VTB.) Zu Ehren des neuen Neichspräfidemen v. .Hindenburg fand heme ein Fackelzug mit den studeniilchen Korporationen an der Spitze statt, denen die Schützen, Militär-, Krieger-, Bürger-, Turn-, Ruder- und Gesangvereine, sowie die Handwerkerinnungen, die Schulen und die vaterländischen verbände folgten. Ter Zug marschierte unter den 5tlängen von 'UiufirfapcUen und dem Gesang vaterländischer lieber durch die van Tausenden von Menschen eingefäumten Straßen unb Plätze zur Villa Hindenburgs. Der
Generalfeldmarschall nahm vom Fenster seines Hauses den über 14 Stunden dauernden V o rbei- marsch entgegen. Der Fackelzug verlief in v o l l- ft e r Ordnung ohne Zwischenfall.
Die Korridorkataftrophe.
Deutsche Klage
beim Danziger Schiedsgericht.
Berlin, 7. Mai. (Wolff.) Die Reichsregierung hat aus Anlaß des Eisenbahnunglücks bei Stargard an das deutsch-polnische Danziger Schiedsgericht für den Durchgangsverkehr in Danzig einen Antrag gerichtet, in dem um die Fest stellung ersucht wird, daß die polnische Regierung durch mangelhafte Anterhaltung der der polnischen Staatsbahn unterstehenden Durchgangsstrecke D i r sch a u-M a r ien- burg schwere Gefahren für die Durchführung der E i senbahntrans - Porte herbeigeführt und dadurch ihre nach dem Abkommen zwischen Deutschland, Polen und der Freien Stadt Danzig über den DurckgangSverkehr obliegenden Pflichten verletzt hat. Ferner wird um sofortige Beweiserhebung durch Besichtigung der Durchgangsst recke .Di schau-Marienburg, insbesondere um sofortige Besichtigung der Alnglücksstelle unter Zuziehung von Sachverständigen und Zeugen ersucht.
Die Dernachläffigung der Polen obliegenden Pflichten der ordnungsmäßigen Unterhaltung der Durchgangsstrecke wird damit begründet, das) das Schwellen material nicht rechtzeitig erneuert unb die durch das außergewöhnliche Hochwasser der Weichsel 1924 weg- geschwemmte Sicherung der P s e i l e r f u n- bamente der Eisenbahnb üae b~i Dirschau nickt wieder hergestellt wurden. W allere An- gaben in dieser Richtung behält sich die deutsche Regieru^ vor.
Zu der Ursache des Eisenbahn- unglucks bei Stargard wird in der Begründung d"s Antrags der Stand Punkt vertreten, daß die Annahme eines Attentats abzulrhnen. vielmehr der mangelhafte Z u fta n b der Eise n bahn st r ecke hierfür verantwortlich zu macheil fei. Selbst wenn sich nicht mit Sich-rollt feststellen lasse, ob das ilnglüd auf ein Attentat oder eine ander' ilr- .lach' v-rückzuführen fei, so sei in jedem Falle für den Verlauf des üinglückö entscheidend, daß
das Schwel^n^aLerial an der t^gll'rcksstelle nachweislich vermorscht
war. Die Gefahr, die der Zustand d: Durchgangsstrecke für das Lebrn und die Sicherheit d:utscher Reichsang:'br: bedeute, stelle die deutsche Regierung v >r bi" Rotwendig'eit, durch den von ihr gestellte Antrag sofortige Klarheit über die Durchführung der Verpflichtung der polnischen Regierung zu schaffen. Am Schluß der Begründung werden weitere Anträge an das Schiedsgericht, die sich aus dem ülnglücks- fall selbst oder aus etwaigen Feststellungen des Schiedsgerichts ergeben, ausdrücklich Vorbehalten.
Frankreich und die Alliierten.
Pariser Kritik ander Rede Houghtons.
Paris, 7. Mai. (WB.> Die Rede des amerttanischen Botschafters in London, Hough- ton, beschäftigt immer noch die französische Presse und wird zum Teil in wenig liebenswürdiger Weise abgeldhnt. So weist die „Information" heute abend darauf hin, daß Botschafter Hough- ton, als er die amerikanische Botschaft in Berlin verließ, die vollkommene Entwaffnung Deutschlands proklamiert habe. Der englisch? General Morgan, der vielleicht besser unterrichtet sei, habe sich schon der Aufgabe unterzogen, dieses wenig stichhaltige ülrteil zu Dementieren. Hough- tons politischer Instinll lönne angezweifelt werden. Aber fein Amt zwinge, seine rednerischen Kundgebungen ernst zu nehmen. Es fei ihm gleichgültig, ob die Fetzen Papier sich vermehrten und es fei ihm gleichgültig, daß hinter dem Rheiri und an der Weichsel das wiederhergestellte deutsche Heer manövriere. Man dürfe sich nicht täuschen: Die Rede im Pilgrims Club fei eine W a rnung für Frankreich. Das könne man beklagen: aber man müsse damit rechnen, wenn Frankreich frei fein wolle. In feiner Außenpolitik müsse es zwei Pflichten erfüllen. Die erste bestehe darin, Maßnahmen zu ergreifen, um die Schulden zu bezahlen. In zweiter Linie müffe man Amerika aufklären. Hätten die Alliierteir schon vor drei Monaten den Bericht der Militärkontrollkommisiion in Deutschland veröffentlicht, dann würde Frankreich es nicht nötig hoben, feine Anschuld vor einem Aeropag zu beweisen, der schon aufgeklärt wäre.
Das „Journal des Debats" sagt: Warum hört man immer noch in Großbritannien Kritiken gegen die angebliche französische Herrschast oder Hegemonie? Warum will man dort Frankreich nicht verstehen? Warum betrachtet man öie augenblickliche Macht Frankreichs nicht als die solide st e Garantie für den Frieden und die Ordnung in Europa? Man bezeichnet sie vielfach als eine Bedrohung, weil die alten Befürchtungen ags der Zell der Rivalität und der traditionellen Anhänglichkeit für Deutschland in den Geistern fortbestehe, die sich rühmten, dem britischen Reich die Rolle eines Schiedsrichters in der Welt zuschreiben zu wollen.
Das deutsch-französische Kalrabkommen.
Paris, 8. Mai. ( Wolf. Funkspruch.) Gestern vormittag ist das Kaliabtommen zwischen der deutschen und französischen Kaliindustrie unterzeichnet worden. Die besondere Bedeutung beb Abkommens kommt darin zum Abdruck, daß es nach langen Verhandlungen gelungen ist, einen Ausgleich zwischen der deutschen und der elsässischen Kaliindustrie zu schassen. Das Abkommen regelt zum besten der Interessen der beiden Industrien den Verkauf von Kalidünger in allen Ländern der Welt, so daß die beiden Industrien sich nicht mehr auf den internationalen Märkten Konkurrenz machen, die Interessenten sich im Gegenteil zu einer gemeinsamen 'üropdganlxi verstehen, um den Gebrauch von Kalidünger in allen Kulturen die ihn noch nicht g>. rauchen, anzuregen. "Das Abkommen v.rmin- bert auch die Gefahr der Derteuerrmg des Kalis. Es ist das erstemal feit dem Kriege, daß ein direktes 21 6 t o m m c n zwischen der franzö- 'llchen und der deutschen Industrie abgeschlossen
Aus dem ginmzausschutz der hessischen Landtags.
D a r m st a d t, 7. Mai. Der Finanzausschuß des Landtags setzte heute f:ine Beratungen bei Kap. 27 (Ministerium des Innern- fori; es kam hierbei zu langen erregten Debatten. Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) hatte den Antrag gestellt, folgende Stellen nur auf den Inhaber zu bewilligen: 1 Staatsrat, 2 Ministerialräte. 2 Oberregierungsräte, 2 Räte als Hilfsarbeiter. 1 Rat als Ministerialamtmann, 1 Rat als Polizeihilfsreferent, 1 Regierungsrat, 1 Referentin für Polizeiwesen 1 Oberrechnungs- rat, 3 Rechnungsräte, 2 Ministcrialoberreviforen, 10 mittlere und 10 Unterbcamten. Im Laufe der Verhandlungen änderte Abg. Dr. Leuchtgens seinen Antrag dahin ab. daß die sämtlichen hier genannten Stellen zu streichen sind. Abg. Dr. Werner (Dnll.) hat die nachstehenden Anträge gestellt:
1. Die Regierung soll eine Ausstellung machen über die Polizeilasten, die dem Land erwachsen iinb durch Aebernahme der Dlaum Polizei auf den Staat.
2. Eine Aufstellung über die Volksschul - last en vor der Verstau.'lichung der Volksschulen.
3. Eine Aufstellung über die Steuererträge, auf die der Staat verzichten kann, wenn die Gemeinden dem Staat die Kosten für die Blaue Polizei und die Volksschulen wieder abnehmen und der frühere Zustand wieder hergestrllt wird.
Weiter wurden folgende Ausstellungen verlangt:
1. über sämtliche vorhandenen Aemter, Gerichte. Schulen, örtliche und Zentralbehörden Hessetrs,
2. sämtliche Hess. Beamte, nach Besoldungsgruppen geordnet.
3. die Gefanllaufwendungen an Besoldungen nach der Besoldmigsordnung. ebeafalls nach Gruppen geordnet.
4. die Vergütungen der Deanlleit. Ruheständler und Hinterbliebenen und das Wohnungsgeld,
5. die Ortssonderzulagen unter Angabe der Summen.
6. bi.- Gesamtzahl der Staatsdienftanwärter und Assist:nten. deren Vergütung der von Beamten gleich oder ähnlich ist.
In der Abstimmung wurden die 2Inträge Dr. Leuchtgens gegen 3 Stimmen, die Anträge Dr. Werner gegen 5 Stimmen abgelehnt. Das ganze Kapitel 27 wurde gegen 5 Stimmen angenommen.
Zn Kap. 28 (Stellvertretungen und Aus- hilfslosten) hat Dr. Leuchtgens den Antrag gestellt. die geforderte Summe um 5 0 Proz. herabzus etz-en. Der Antrag wurde abge= lohnt und das Kavllll gegen 5 Stimmen angenommen. Bei Kap. 29 (Postgebühren) verlangte ein Ani ag Dr. Leuchtgens eine Herabsetzung d e r Gebühren auf 100 000 Ml. Ter Antrag wurde abgelchnt und das Kapitel gegen 5 Stimmen angenommen. Kap. 30 (Re- gierungs- und Reichsgefetzblatt) wurde angenommen. hierauf wurde das zurückgestellte Kap. 19 (Staatspräsident) beraten.
Anträge der Abg. Dr. Werner und Dr. Leuchtgens. die entweder die Aufhebung des selbständigen Staatsministerrums oder einer Reihe von Stellen wollten, wurden abgelehnt. Ein Antrag Dianl-Heinstadt. der verlangt, daß die Stelle eines Legatjonsrates unb eines Rechnungsdirektors auf den Inhaber zu bewilligen und 4 Beamtens! ellen zu streichen seien, wurde mit 7 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Rach der Geschäftsordnung gilt ein Antrag als abge= lehnt bei Stimmengleichheit. Eine Regierungsvorlage auf Stellung eines 'Autos wurde einstimmig abgelehnt. Ein Antrag Reiber-Stork ersucht die Rsgierung, zu prüfen, ob die Stellen eines Rechnungsdirektors und eines Direktors der Registratur nicht vereinigt werden kömren und die Stelle eines Assessors nicht in Wegfall kommen könnte. Der Antrag wurde einftiinmig und das ganze Kapitel gegen 5 Stimmen angenommen. Das Kap. 22 (Oberrechnungskammer) wurde, einschließlich eines Rachtrags, gegen zwei Stimmen genehmigt.
Kleine politische Nachrichten.
Die politische Lage in Belgien ist noch immer ungeklärt. Der Nationalrat der liberalen Partei kam überein, an dem ursprünglichen Beschluß festzuhalten, nach dem die liberalen jede Beteiligung an einem Kabinett ab l e hne n.
In Sofia wurden 3 Priester der Kathedrale Soetla Nedelja verhaftet, denen nachgewiesen werden konnte, daß sie dem am Ackentot mitschuldigen 5lirchendiener Sagorski Beistand geleistet haben.
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Der Erzbischof von Köln, Kardinal Schulte, ist gestern nach Rom abgereist. Als Protektor der deutschen Seelsorge in Italien wird er gleichzeitig die deutschen katholischen Gemeinden in Mailand, Florenz und Neapel besuchen.
2Sus aller Welt.
Das Baden-Badener Schachturitier.
Die 16. Runde des internationalen Schachmeisterturniers hatte solgetrdes Ergebnis: Spiel- mantt (Oesterreich) gewann eine Wiener Partie gegen Thomas (England) in 47 Zügen. Bogol- jubow (llfratne) verlor gegen Pates (Englaitb) in 65 Zügen. Grünfeld (Oesterreich) verlor eine holländische Partie gegen Torre (Mexiko) in 13 Zügen. Carl (Dcutschlaird) gewann eine eng» Uschc Partie gegen Te Kokste (Holland) in 32 Zügen. Renis mürben die Partien Rubinstein (Polen) gegen Dr. Tarrasch (Deutschlanbst Tarta- kower (Oesterreich) gegen Colle ('Belgien) und Roselli (Italien) gegen Aljechin (Frankreich). Abgebrochen wurden die Partien Mieses (Deutschland) gegen Reti (Oesterreich), Rabinowitsch (Rußland) gegen Trejbal (Tschechoslowakei) und Marshall lAmcrlla) gegen Riemzowitsch (Dänemark). Spielfrei war Samisch (Deutschland).
Wettervoraussage.
Keine wesentliche Aenderung.
Durch Temperaturunterschiede bedingt, haben sich gestern Randbllrungen der irischen Depres» fixi.i ostwärts vorgeschoben und nach tagsüber heiterem Wetter ziemlich starken Regenfall verursacht. Während sich der Kern des Wirbels wenig verflacht hat, reichen Teilausläufer noch weit in den Kontinent hinein. Rlorgen wird der bestehende Witteruvgscharaktcr im wesentlichen erhalten bleiben.
Schlank sein heisit funq fein!
Uebermäßige Körperfülle macht alt und seht das Wohlbefinden herab. Wir raten Ihnen, in der Apotheke 60 oder 30 Gramm echte Toluba-Keme zu kaufen, die unschädliche Stoffe von settzehrender Wirkung enthalten. Sicher: Ülniversitäts-Apotheke ,Zum goldenen Engel" 2992A


