Dringt cs im Devetn mit dem lebhaften Rah- und Ortsverkehr mit sich, daß bei trockenem Wetter die Staubwolken und in nassen 'Tagen die Sch la mm assen zu einer fast unerträglichen Belästigung bis in die Häuser und Stuben hinein werden. Zwar will die Kceisverwaltung hier 21b» Hilfe schaffen durch eine Kleinpflasterung der Ortsdurchfahrt in einer Breite von fünf Meter Fahrdamm, während die Gemeinde ein Drittel dieser Kosten, ferner die längsseitlichen Rest- slöchcn und die spätere Hnterhaltung der ganzen Anlage übernehmen soll. Da aber dieser St ratzenumbau gleichzeitig noch weitere Arbeiten notwendigerweise im Gefolge haben mühte, wie Hm» bzw. Reupflasterung der ©tragenrinnen, Reu- verlegung der Masserleitun^sanschlüsse u. ä., so hat sich bis ietzt die Gemeindeverwaltung nicht dazu entschliehen können, die hierher zur Last fallenden hohen Kosten auf die Gememdekasss zu übernehmen, zumal zur Zeit auch noch andere notwendige Aufgaben zur Ausführung drängen.
* Lang-Göns, 6. Jan. Hier ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Sperrbezirk ist die Gemarkung Lang-Göns. Beobachtungsgebiet die Gemarkung Große n-Linden.
sk. L i n d e n st r u t h . 7. Jan. Der Wiese n g r u n d zu beiden Seiten unseres Dorfes, zwischen Bahn und Staatsstratze, bietet ein t r d st- loses Bild. Bom Sommer bis tief in den Herbst hinein stand er unter Wasser. Das Grummet konnte zum größten Teil nicht abgeerntet werden, und braun und schmutzig steht ein großer Teil der Wiesen da. Der- Wasserlauf liegt zu hoch, um das von den Feldern abströmende Wasser aufnehmen zu können. Wenn nicht bald eingegriffen wird,, droht die Versumpfung des ertragreichen Wiesengrundes. Die Gemeinde hat sonst keine Wicsenflächen, und somit bedeutet der Verlust eines Grasschnittes eine große Schädigung der Landwirtschaft. Die einzige Mög- '.ichkeit zur 2lbhilfe scheint die zu sein, daß der Wasserlauf bedeutend vertieft wird. Dies kann jedoch nur durch ein planmäßiges Arbeiten geschehen.
'f Grünberg, 6. Jan. Gestern nachmittag fand eine Dekanatssitzung unter Leitung des Dekans Böschen im Hotel Hirsch Hierselbst statt. 16 Geistliche waren in dieser Versammlung zugegen. Pfarrer S ch i ck - Queciborn hielt einen Vortrag über das Deutsch in der Lutherbibel. Es wurde eine Entschließung gefaßt, die an das Landeskirchen amt geschickt werden soll, damit bei einer zukünftigen Revision der Lutherbibcl die dem modernen Sprachempfinden nicht mehr entsprechenden Ausdrücke beseitigt werden sollen. — In der Pfarrei ® rünberg, zu der auch die Gemeinden Stangenrod und Lehnheim gehören, fanden im Jahre 1924 54 Taufen statt, und zwar in Grünberg 39. Stangenrod 8, Lehnheim 7. 21 Trauungen wurden vollzogen, und zwar in Grünberg 13. Stangenrod 3. Lchnheim 5. An Beerdigungen fanden 32 (in Grünberg 29, Stan- aenrvd 3) statt. In diesen 3 Gemeinden sind an Kollekten-Gabrn für Vereine und Anstalten 2175 Mark erhoben worden. 3m Lause des Jahres haben 7621 Männer. 10 346 Frauen und 4340 Kinder die Kirche besucht. Hiervon kommen auf Grünberg 6253 Männer. 8749 Frauen und 3156 Kinder, auf Stangenrod und Lehnheim 1368 Männer. 1627 Frauen und 1188 Kinder. Am heiligen Abendmahl haben zusammen 618 Männer und 739 Frauen teilgenommen. Hiervon entfallen auf Grüüberg 305 Männer und 411 Frauen, auf Stangenrod und Lehnheim 313 Männer und 328 Frauen. In der Gemeinde Lumda, die zur 2. Pfarrei Grünberg gehört, fanden im ver- t flossenen Jahre 7 Trauungen, 23 Geburten und • 7 Beerdigungen statt, 9 Kinder wurden konfir- ? miert Den Gottesdienst haben 3371 Erwachsene • und 1375 Kinder besucht, am Abendmahl haben ' 422 Personen teilgenommen und an Kollekte gingen 217 Ml. ein. — Auf das Drängen vieler Wähler aus allen Ständen Grünbergs hat sich der jetzige Beigeordnete Fulda t bereit erklärt, zu der am 25. d. M stattfindenden Bürg erweist erwähl zu kandidieren. In entgegenkommender Weise hat dieser Kandidat versprochen, daß er vom Amt zurücktreten werde, wenn der neugewählle Gemeinderat im Laufe der Zeit sich für einen Fachbürgermeister entschließen sollte.
rt L i ch. 7. Jan. Run hat auch Lich den berühmten Bethel - Film gehabt. Die Vorführung fand gestern abend in der Turnhalle statt unb wurde für die zahlreichen Besucher zu einer rechten Feierstunde. Der Pvsaunenchor begleitete einige der gemeinsam gelungenen Lieder. Am Rachmittag fand eine besondere Vorführung für die Schullinder statt, zu der auch auswärtige Schulen der Umgegend emgeladen waren. Um das Gelingen der Vorführungen hat sich Herr Photograph Hisgen sehr verdient gemacht, der mit freundlicher Bereitwilligkeit seinen Filmapparat und seine Hilfe zur Verfügung gestellt hat.
* Lich, 6. Jan. Die Maul- und Klauenseuche ist hier erloschen. Die Schutzmaßnahmen würben wieder aufgehoben.
df. L a n g s d o r f, 6. Jan. Am Samstag fand hier em Lichtbildervortrag der Liga Sum Schutz der deutschen Kultur statt. Ingenieur E r t e I schilderte uns. art Hand von etwa 100 eigenen Aufnahmen feine auf genauer Sachkenntnis beruhenden Erlebnisse in Rußland. In einer vorausgehenden Ansprache beleuchtete er die Verhältnisse in Rußland und kam zu dem richtigen Schluß, daß wir von dort nichts Gutes zu erwarten haben, to-ehcr in wirtschaftlicher noch in militärifcher Hinsicht. Der Vortrag war sehr gut besucht. Wie wir hören, steht uns ein ähnlicher Abend bevor. Ein Herr, dec China bereiste, wird uns in Kürze seine Eindrücke und Erlebnisse aus diesem Lande schildern, das ja im letzten Jahre von sich reden machte. Möchte ihm ein gleicher Erfolg beschert sein wie Herrn Ingenieur Ertel'.
Kreis Friedberg.
4' Dad-Rauheirn, 7. Jan Wie wir schon berichteten, wird laut Beschluß der Stadtverordneten das 5. Ziel der städtischen Sonder st euer vom bebauten Grundbesitz nicht erhoben. Für die Hausbesitzer und auch sür die Mieter wurde damit für den Januar eine wohl tuende Er leichtei-ung gebracht. Ob das 6. Ziel auch ganz oder ieiltoeii'c erlassen werden kann, darüber werden die Stadtverordneten noch zu beschließen haben. Auch die ft ä d t. vorläufige Gewerbe st euer wird für diejenigen Umsätze. die vom 1. Dezember 1921 an getätigt worden sind, nicht erhoben. — Die Volks bank hat mit dem 1. Januar die alte Einrichtung der P f en n i g s p ar kasse wieder aufleben lassen und mehrere Sammelstellen bei
offenen Geschäften in den verschiedenen Stadtteilen eröffnet. Dolksbank und Annahmestellen arbeiten ehren amtlich. — Die Wintermonate sind von jeher für unsere einheimische Bevölkerung eine Zeit der Ausspannung und Erholung, nachdem in der Saison in verhältnismäßig kurzer Zeit alle Kräfte aus den Erwerb eingestellt werden müssen. Erholung sucht unsere B.völlerung auch aus geistigem Gebiete, vor allem duich gute Unterhaltung und Vorträge, zumal es den wenigsten Einheimi- chen vergönnt ist, sich im Sommer an den guten Veranstaltungen der Kurverwaltung nach Herzenslust beteiligen zu können. Das führte schon vor dem Kriege zur Gründung zweier wichtiger Vereine, des Vortrags - und M u s i k v e r e i n s lind des Bild ungsver eins, die den geistigen Bedürfnissen aller Bevölkerungskreise Rechnung tragen. Sie haben ihre Hauptbetätigung in die Wintermonate verlegt. Der DortragS- und Musik- verein steht bereits mitten in seiner Arbeit drinnen. Einer Reihe hochwertiger musikalischer Andachtsfeiern, worüber wir schon berichtet, folgt am Donnerstag ein Vortragsabend. Prof. Dr. Hans Halm aus Irkutsk (Sibirien) wird einen Lichtbildervortrag über Sibirien gestern und heute" halten. Weitere Vorträge sind noch vorgesehen. Der Bildungs- Verein leistet mit seiner reichhaltigen Bibliothek, die durch Hnterstützung dec Stadt jährlich beträchtlich vergrößert werden kann, unter der achkundigen Leitung seines Bibliothekars, Lehrer Wehr he im, durchs ganze Jahr hindurch im stillen eine äußerst fruchtbare Arbeit. Während des Winters wird die Bücherei naturgemäß sehr stark in Anspruch genommen. Daneben veranstaltet der Bildungsverein im Winter alljährlich eine Reihe von allgemeinbildenden Vorträgen. 'Die dieswinterliche Reihe, die er jetzt ankündigt, wird in den nächsten Tagen der Altertumsforscher und Denkmalpflege c für Oberhefsen. Prof. Helmke (Gießen) eröffnen. Sein Vortrag über „Römer und Germanen bis zur Schlacht im Teutoburger Walde ist als Fortsetzung des vorgeschichtlichen Vortrags gedacht, den vor Jahresfrist der Gießener Museumsassistent Dr. Kunkel hier hielt. Weiter werden dann im Lause des Winters noch sprechen: Oberst udien- birettor- Altendors (Frkedberg) über „Die Eiswelt der Berner Alpen und Zermatts": Studienrat W a l d l über „Die Melancholie, Ritter Tod und Teufel und Hieronymus in Griffelkunst und Dichtung: Aeallehccr Staubach über „Am Lebensquell der Sprache": Prof. Keller(Friedberg) über „Vom neuen Sehen, ein Beitrag zum Verständnis der- Kunst der Gegenwart". Mit Ausnahme des Vortrags Staubach werden sämtliche Vorträge durch Lichtbilder erläutert. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, die unter Leitung von San.» Rat Dr. Hahn wieder mit einem Ausbildungsund Wiederholungskursus begonnen hat, will sich auch mit einte Vortragsreihe an die breite Oeffentlichteit wenden. San.-Rat Dr. Hahn wi'-'d zum 50 jährigen Jubiläum des Roten Kreirzes in mehreren Vorträgen, zu denen auch die reifere Jugend eingeluven ist, über „Ziele und Aus- gaben des Roten Kreuzes" sprechen. So stehen uns für den Rachwinter noch schöne anregende Dortragsveransdalrungen in Aussicht, sür die weite Kreise der Bevölkerung den genannt :n Vereinen dankbar sind. Auch den einigen Hundert Kurgästen, die in den Wintermonaten immer hier anwesend sind, wird damit Abwechselung und belehrende Unterhaltung geboten, zumal die Veranstaltung en fast ausnahmlvs im Kurhause stattfinden. Richt zu unterschätzen ist neben alledem auch die Bedeutung die die täglich im Kurhaufe stattfindenden Konzerte für das geistige Leben unserer Stadt während der Win- termonalc haben. Sie werden sehr zahlreich auch von den Einheimischen besucht, d-nen während dec Sommerarbcit die Teilnahme an den Kurveranstaltungen nur selten möglich ist.
Kreis Büdingen.
„?" Ridda, 7. Jan. Am 18. Januar findet dahier hn Gambrinussaale die Vertreter- Versammlung des Ridbat-alsänger- b und es statt. In dieser Versammlung sollen die gesanglichen Deranstallungen fü- das Dun» desjahr 1925 festgelegt werden. A.ßerdem werden die Vertreter der Bundesvereine Gelegenheit haben, ihre Stellungnahme zu dem neuge- gründeten Hess. Sängerbünde zu bekunden.
Kreis Spotten.
B. Schotten, 7. Januar. Wie verlautet, will der Kreis zur Hebung der Verdien st Möglichkeit Maßnahmen ergreifen. Das Kreisamt hat die Bereitstellung von weiteren Staatsmitteln für die Fortsetzung der Meliorationsarbeiten zur Gewinnung von Hutweiden beantragt. Auch ist beabsichtigt, alsbald an die Vorarbeiten zur Beschaffung der Steine für den Klein schlag auf den Kreis st raßen heranzutreten, um den notleidenden Schichten der Bevölkerung mit dem Drechen und Kleinklopfen der Steine Erwerbs- gclegenheit zu geben. — Gestern tagte hier die P f a r.r ko n f o r enz des evangelischen Dekanats Schotten unier Leitung von Dekan Dolz- Laubach. Der frühere Missionar und jetzige Pfarrer Jttmann von Mittel-Seemen hielt einen Vortrag über „Heidnische Sprichwörter", in dem eine Fülle von wertvollen Deobachtungea und Erlebnissen aus der Tätigtcit der Missionare in Kamerun geboten wurde. Die Konferenz einigte sich aus Gedern als Tagungsort für die diesjährige Dekanatssynode.
b. Schotten, 7. Januar. Seit heute ist Schneefall eingetreten, der besonders auf den Höben stark ist. Der Hoherodslopf und Ober- Wald zeigen sich zur Freude aller Wintcrsportler im schönsten Winterkleid. — Das frühere, in Touristenkreisen bekannte G a st ha u s „T raub e" ging durch Deckaus guf Herrn G. Goldschmidt von Einartshausen üb^r.
Aus dem Vogelsberg, 6. Jon. Unter Sturm und Regenschauern hat sich das alte Jahr verabschiedet, Stürme und Regenschauer begleiten daS neue Jahr seit seiner Werdestunde. Trotzdem erreichte die Heft gleit deS Slu'nnes in unserer gebirgigen Well nie die Stärke, wie sie uno aus den flachen Gegenden unseres Doterlandes berichtet wirb, iln* ferc Wälder brechen feine Macht und unsere Berge zermürben ihn, ba& wir ihn in den Tälern nicht mehr zr fürchten brauchen. Waren hie Regelfälle auch ost sehr heftig, so bauerten sie aber im allgem. i nei nicht lange, Hochwasser trat nicht auf, hie Bäche und Flüßchen haben feinen sonderlich Holm Dasseistand. Die äußerst ungefmibc Witterung hat Di c l Krankheite n im Gefolge, so daß die Aeczte eben recht beschäftigt sind»
* Einigung über die Rentenbankobligationen derJndustrie. 3m Reichs- wirtschaftsrat ist eine Einigung über die streitigen 25 Mill. Mark Jndustrieobligationen zu« stände gekommen. Die nicht landwirtschaftlichen Kreise haben bekanntlich gegen die Zahlung her fälligen zweiten Zinsrate (April bis Oktober 1921) protestiert. Es ist jetzt veschlossen worden, diese zweite Rate in der Höhe von 16,6 Mill. Mark der 3ndustrie zu erlassen und weitere 8,4 Mill. Ml in bar auszuzahlen. Heber die Verteilung dieser Summe auf Industrie, Handel und Danken sollen sich diese Gruppen selbst einigen.
■ Auslandsaufträge für d ie deutsche Industrie. Wie verlautet, bat sich
Kreis Alsfeld.
«ü Alsfeld. 7. Jan. 3m abgelaufenen Jahre 1924 betrug die Zahl der Geburten in der Stadt Alsfeld 114 (im Jahre 1923: 106), Eheschließungen fanden 19 statt (im Jahre 1923: 36). Sterbefälle ereigneten sich 63 (im Jahre 1923 : 68). Am auffallendsten ist der Rückgang der Eheschließungen, die seit dem Jahre 1920 ständig abgenominen haben, nachdem sie in diesem Jahre ihren höchsten Stand mit 61 Eheschließungen erreicht hatten. 1921 gab es 59 Eheschließungen. 1922 40; 1923 36, 1924 19. In diesen Ziffern spiegeln sich die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse und die brückende Wohnungsnot deutlich wieder.
Kreis Lauterbach.
LT. Schlitz, 6. Jan. Aus dem kirchlichen Leben unserer evangelischen Gemeinde im letzten Jähre ist folgendes zu bemerken: Getauft wurden 46 Kinder (53 im Vorjahr); tonfirniiert 54 Kinder; kirchlich getraut 19 Paare; kirchlich beerdigt 23 Personen. Dom 20.-23. März sprach Misstons- sekretär Harder aus Wernigerode int Auftrag des Misfionsbundes: ..Licht dem Osten". Am 15. Juni fand hier aus Schloß Derleburg ein stark besuchtes Bezirksfest des „Vereins der Freundinnen junger Mädchen" statt. Dom 3.-8. Rovember hielt die Volksmissionann Fil. Hardt eine sehr gut besuchte ..Frauen - Woche" ab. Am 16. Rovcmber feierte man schließlich einen ©emeinbeabenb im dicht besetzten Guntiumschrn Saalbau, wobei unter anderem das Festspiel „Luther in Oppenheim" zur Aufführung kam. — Bei furchtbarem Sturm, der aber verhältnismäßig wenig Regen mit sich brachte, trat in dec Rächt zum Samstag unerwartet mit unheimlicher Schnettig».eit Öle Schlitz über bic Hf er; in den frühen Morgenstunden bildete ihr Flutztal und das der nahen Fulda einen einzigen großen See. Da der Wächter brr hiesigen großen Bleichereien statt zu wachen, den „Schlaf des Gerechten" schlief, wurden auch die großen, zum Bleichen ausgelegten Leinenbestäiidz völlig unter Wasser gesetzt; erst in den Spätnachmittagsstunden des eoamstag konnten sie geborgen werden, wenn auch zum Teil in recht beschädigtem Zustand. Auch tonnte der Wächter s i ch retten, der also nicht, wie dem „Lauterbacher Anzeiger" sälschlich berichtet wurde, dem Hochwasser zum Opfer gefallen ist.
Hessen-Nassau.
dh. Rodheim a. d. Bieber, 7. Januar. Wahrend der großen Wirtschaftskrisis des vergangenen Jahres hat die G e w e r t f ch a f t D u - berus auch hier zwei ihrer Gruben, nämlich Morgenstern und Friedberg, ft iIIgelegt. Morgenstern, eine Roteisensteingrube, ist wohl als ausgebeutet zu bezeichnen; aus ihr wurde alles Material, taS noch irgendwelchen Wert besah, ausgebaut und der Schachteingang mit Beton verschlossen. Die Grube hat wohl keine Aussicht, noch einmal in Betrieb genommen zu werden. Friedberg dagegen, eine Brauneisenstein- und Mangangi. übe, ist mit Dem neuen Jahre aus ihrem einjährigen Schlafe geweckt worden. Zunächst follen nur die auf dec Halde liegenden Erze nach Wetzlar befördert unb dort verhüttet wecken. Dec Eisenmarkt bat sich dermaßen belebt, daß die Sophienhütte Wetzlar ihren dritten Hochofen wieder in Betrieb setzt. Hoffentlich bedeutet dies nicht nur ein Aus flackern uif.rcr Industrie, sondern einen Dauerzustand. Dann würde vielleicht bic junge Grube Friedberg, in welcher bis heute in der Hauptsache nur Aufschlußarbeiten geleistet wurden, endlich einmal ein voller Betrieb. Mögen ihre Erze auch nicht besonders hochprozentig fein, so versprechen sie in der Teufe immer besser zu werden. Ebenso besteht die Aussicht, daß der Kieselschiefer» welcher die Verhüttung der Erze wesenllich verteuert, sich in der Teufe vermindert, und anstatt des erdigen Brauneisensteines mehr Stückerze gefordert werden kann. «
bt. Dillenburg. 7. Jan. Im Eisenberg bau unseres Kreises ist leider bis heute noch keine Besserung eingetreten. Don der Reichsbahiverw altung wurden wiederholt Fragebogen an die einzelnen Grubenverwaltungen gesandt, ohne daß jedoch etwas positives zu erreichen war. Wenngleich eine Besserung der Jndustrielage bei den Fabriken und damit eine Herabminderung der Erweröslvsenziffer eingetreten ist, so würde die Arbeitslosigkeit ganz verschwinden, wenn die Dergwcrksrndustrie wieder aufbiühte. — Das vergangene Jahr brachte au dem Gebiet des Sanitätswesons in unserem Kreise eine bedeutende Förderung. Die in den 3 Städten bestehenden Sanitälsmlonnen tonnten den Anforderungen nicht mehr genügen. Don der Kreisverwaltung wurde darauf gedrungen, daß das Retz vergrößert wurde. In 3 weiteren größeren Gemeinden des Kreises sind nun neue Kolonnen entstanden, die sich bereits als sehr
segensreich erwiesen haben.
spd. Frankfurt a. M. 7. Jan. Der Magistrat beschloß den Ausbau des R e b st 0 ck s zu einem Zentral-Flughafen Das Gllände, das dcm Weißfrauen- und Katharinenflift gehört, ist durch Erbpacht auf fünfzig Jahre gesichert. Ferner soll der H 0 f Re bst ock mit rund 15 003 Quadratmetern erworben wecken. In seinen Gcbäuden sollen die Detriebsanlagen Hnteikunst sinden. Die Verwaltung des Platzes übernimmt eine städtische Gesellschaft. Im übrigen soll sich die Flugplatzgesellschaft selbst erhalten, nachdem ihr für den Anfang ein verzinsliches Darlehen von 200 000 Äkl. von der Stadt gewährt worden ist. Die Kleingärtner, die auf dem Platze noch ihre Garten haben, sollen anderweitig unlergebracht werden; hierfür beantragt der Magistrat die Bewilligung von 75 000 Mark. — 3m Polizeibezirk Frankfurt kamen im Monat Dezember 1773 Fälle kriminalistischer Vergehen und Verbrechen zur Anzeige. Hiervon entfielen zwei auf Totschlagversuche, vier auf Raub, einer auf Hehlerei und 134 auf einfache Diebstähle. An Einbruchsdiebstählen kamen 180 zur Anzeige, kleinere Eigentumsvergehen 268. Betrugsfälle wurden der Behörde 197, Unter» schlagungen 120 und Münzvergehen und -verbrechen 63 gemeldet. Mit Sittlichkeitsvecgehen und -verbrechen beschäftigte sich die Polizei in 151, mit Sitllichkeitsüberiretungen in 291 Fällen. Wegen Wuchers schritt man 120mal, wegen Schleichhandels 20mal ein, Rahrungsmittelfäl- schungen kamen 17 vor. Üleun Selbstmorde kamen zur Anzeige. Insgesamt kamen 724 Personen wegen krimineller Straftaten in Hast, darunter 43 steckbrieflich gesuchte. — In dec Schnurgasse kam es zu einer M a s s e n s ch l ä g c r e i, bei der ein Spengler am Kehlkops durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt wurde. Als Beamte der Schutzpolizei eingreifen wollten, wurden sie tätlich angegriffen, so daß sie schließlich mit ihren
Wirtschaft.
Konjunktur und Geldmarktlage.
Die feit dem Spätherbst allmählich ein- fetzende Belebung der Konjunktur hat in den letzten Wochen Fortschritte gemacht. Zweifellos wird aber das Ansteigen der Konjunkturkurve durch die sortbestehende Kapital- unb Kredit- knappheit gehemmt. Zwar sind gewisse Anzeichen dafür vorhanden, baß die inländifche Kapital- neubilbung in bescheidenem Umfang wieder in Gang gekommen ist. Sie Zahl der bei den Sparkassen neu eröffneten Konten nimmt von Monat zu Monat zu. und auch die Sparanlagen weisen ein stetiges Anwachsen auf. Das gleiche gilt für die Depositenemlageri der Banken, deren Bestand gegenüber dem Anfang 1924 im Durchschnitt minoestens eine Verdoppelung erfahren hat. Allerdings ist auch hier wieder die Einschränkung zu machen, daß nur ein geringer Teil dieser Gelder wirtliches Sparlapital barstellt, der Hauptteil vielmehr immer noch aus kurzfristigen Guthaben privater und öffenllicher Stellen unb aus reinen Girogeldern besteht. Der Mangel an Sparkapital tritt vor allein in Gestalt des Fehlens langfristiger Gelder in Erschei nung. Der Durchschnittscharakter der fremden Gelder der Danken hat sich — unter dem Gesichtspunkt der praktischen Derwendbarckeit für Kreditzwecke betrachtet - gegenüber der Vor kriegszeit start verschlechtert. Die Einlagen bedeuten heute nicht ohne weiteres dasselbe mir entsprechende Vorkriegsbetrage, well die kurz friflig eingelegten Gelder in viel größerem Maße jederzeit fällig sind. Mit der kürzeren Geld unb Kapitaldecke sind die Dispositionen schärser geworden, unb bic knappen Betriebsmittel lassen nicht zu, daß vorübergehend überschüssige Beträge sich auf längere Zeit bei den Danken „setzen". Sie Banken müssen daher ihrerseits an» gesichts des beschränkten Umfanges echter Dc- pofitengelder sich in der Hereinnahme von Wech- fein eine gewisse Reserve auferlegen, zumal auf Grund 6et Kreditpolitik der Reichsbank auch nicht mit der Möglichkeit beliebiger Rediskontierung zu rechnen ist. Die Folge ist, daß der Markt sür kurzfristige Gelder reichlicheres Angebot erhält und vielfach eine Flüssigkeit aufweist, bür zu der eigentlichen Lage im Widerspruch steht, und — so eigenartig es klingt — in Wirklichkeit geradezu eine Folge der Kapitalknappheit ist.
Das Kapitalangebot fz. D. für Zwecke bei Hypothekenanlage) könnte heute bereits aus reichender sein, wenn viele öffentliche und halb- öffenlliche Institute ihre Gelder für langfristige Realkredite zur Verfügung stellen würden, anstatt damit Bankgeschäfte oft recht spekulativen Charakters zu betreiben Ganz abgesehen von der Gefahr, die sich sür die Währung aus einem Zu viel von Instituten, die Kreditgeschäfte betreiben, ergibt, müssen wir uns in unserer Kceditwirt schast wie in der Produktion darauf einrichten, die vorhandenen Bestäicke möglichst rationell und der gegebenen Lage angepaßt zu verwerten. Die gegenwärtige Gestaltung der 'Verhältnisse am Geld- und Kreditmarkt läßt diese notwendige Rationalisierung noch sehr vermissen. Daß wir von der Wiederherstellung normaler Kreditver» hältniffe weit entfernt find, kommt u. a. in dem Festhalten der Reichsbank an der strengen Kro- ditkontingentiecung zum Ausdruck. Das Kontingent ist nur knapp 10 Proz. höher, als cs im April 1924 war. Charakteristisch für bic unzureichende Ausstattung der Wirtschaft mit flüssigen Betriebsmitteln sind die außerordentlich scharf gesteigerten Ansprüche, die neuerdings jeweils am Monatsende an die Reichs bank gestellt werden. Die Stärke dieser stoßweisen Ansprüche, deren Eintreten vor dem Kriege durch Erhöhung des steuetfreien Rotenkontingents Rechnung getragen war. hat offenbar im Zusammen hang mit der Belebung der wirtschafllichen Tätigkeit erheblich angenommen. Eine Rückwirkung dieser Erscheinung zeigt sich u. a. in dem gesteigerten Rotenumlauf, der jetzt einschließlich der Hartmünzen ca. 4 Milliarden ausm-acht.
t c vw affen bte brUgelluftigen Leute auiefev anbertreiben muhten. — Der 31jährige Kaufmann Adolf Sichel hat bei auswärtigen Firmen große Bestellungen auf deckungslose Wechsel gemacht. Rach den bisherigen Feststel langen belaufen sich die Schwindeleien auf mehr als 10000 Mk. Jedoch scheint Sichel noch weit größere Gaunereien verübt zu haben. — 3m Scheckämt pirschte sich ein Herr an einen Lehrling, der sür eine Sachsen Häuser Firma 800 Mk. abgehoben hatte, heran, stellte sich ihm als Postbeamter vor und sagte ihm, daß sich in dem Geldpaket Falfchscheine befänden. Gr veranlaßte den ahnungslosen Lehrling wieder zur Rückkehr in das Haus unb ging mit ihm in den vierten Stock, wo er bem Jungen das Geld entriß und verschwand.
* Hanau, 7. Jan. Der Haupt- und Jnnungsausschuh des HanbwerkSamts- bezirkes Hanau hat In seiner Delegiertensitzung den Beschluß gefaßt, im Sommer 1925 in Hanau eine große Handwerks- unb Ge - w e r b e a u s st e 11 n n g zu veranstalten. Die Ge- schäftsleituna hat bereits mit den Vorarbeiten begonnen. Es durften nach bem Projekt zirka 5000 bis 6000 Quadratmeter Bodenfläche als AusstellungSvaum in Frage kommen, hiervon 2500 Quadratmeter von massiver Bauart, während der andere Teil Hallenbauten unb freies Gelände sind. Die Ausstellung gliedert sich in drei Teile, um) umfaßt: 1. Handwerkliche Erzeugnisse (hier kommen zirka 50 bis 60 ausstellende Gruppen in Frage). 2. Industrielle Hntemeh- mungen. soweit sie sich mit der Herstellung von hilfstechnischen Maschinen zur Verwendung im Handwerk und Kleingewerbe befassen. 3. Rohstoffe. Soweit sich heute iibersehen läßt, wird seitens der beteiligten Kreise bereits jetzt schon ein sehr großes Interesse für diese Ausstellung gezeigt.


