Ausgabe 
8.1.1925
 
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Rr.b Zweites Blatt

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, 8. Zamar 1925

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36. Fortsetzung.

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And wieder formt sich der derselben Reihenfolge zurück, Mittelschiff von Sankt Peter

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non Sankt Peter und die beiden Komitees das Anno Santo. Dazwischen die wenigen ladenen, die Glücklichen, Dielbeneideten.

Rach und nach füllt sich der Raum.

diesem Saal, die Guardia Palatina, in franzö- Uscher Uniform und Käppi an den Treppen die Ehrenwache. Päpstliche Kammerherren in spani­scher Hoftracht, schwarzer Samt und weihe Karre Halskrause, auf der Brust die breite güldene Ordenskette, weisen mit unermüdlicher Liebens­würdigkeit den Zuströmenden die Plätze. Gegen halb zehn sind die Tribünen voll beseht. Diele Goldstickerei und Orden in der Diplomaten-Loge, schwarze Toiletten und schwarze Schleier und Frack, dazwischen das Scharlachrot der Malteser und die Weihen Mäntel der Ritter vom Hei­ligen Grab. In der Königlichen Loge die griechi­sche Königsfamilie, und die beiden belgischen Prinzessinnen Stephanie und die Gräfin von Flandern, die geborene Fürstin von Hohcn- zollern-Sigmaringen. Dielleicht haben aus den­selben Plätzen Christine von Schweden gesessen, der Clemens X. die königlichen Ehren erwies, trotz ihres Derzichtes auf den schwedischen Thron, oder die beiden romantischen Königinnen von Cypern und Rhodos, die zum Jubeljahr von 14Z5 nach Rom gekommen waren. Vielleicht hat auf dem Sessel, auf dem heute Prinz Konstan­tin von Griechenland sitzt, einst der Herzog von

Santa. And wieder braust der Jubel auf, und unablässig mit gleichmäßig rhythmischer Geste segnet der Papst die knienden Reihen.

Wie ich endlich auf den Stufen zur Vorhalle stehe, liegt helle warme Mittagssonne auf dem immensen Platz. Rur der Boden ist ganz schwarz von drängenden Menschen. Sie schieben sich wie ein Laoastrom die Stufen hinauf, der von dem weiten Tor aufgefogen wird, sich flaut, verengt, und langsam durch die Heilige Pforte einquillt, die Pius XI. der Christenheit wieder öffnete, an der Christvigil 1925.

riragenht der fMelle des Sinz. >0M litigeS, ehr-

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Die rote Kaschgar

Roman von Fedor von Zvbeltltz.

Sie hatte neben der österreichischen die fährdetste Lage und war auf zwei Seiten den Barrikaden der Boxer umgeben, die in kleinen Gaffe neben der Legation sogar ein paar

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und breit erzählen will. Rur tur^: die Savary, eine Jugendfreundin der Dicomtesfe Kodama, hatte sich durch alterbanb unterirdische Bekannt­schaften verdächtig gemacht, man hatte sie auch der Sp onage überführt und wollte sie nach Frank­reich, ihrer Heimat, zurückschassen doch der Aufstand trat dazwischen. Zu trauen war ihr also nicht. Hier lag der Fall aber so, daß ein Betrug, eine Lüge ganz zwecklos gewesen wäre. Dir mußten notgedrungen unser Frikassee unD den Heidsicck im Stiche lassen und machten uns eiligst nach der französischen Gesandtschaft auf

(Rachdruck verboten.)

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Schweizergarde in ihrem historischen Wams dem Galakürah, Helm und Hellebarde bildet in

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Porta Santa.

Don unserem rbmischen Berichterstatter Dr. Fred D. Hardt.

Rom, Christvigil 1925.

Die Oeffnung der Heiligen Psorte in Sanit Peter ist die eigentliche Einweihungsfeierlichkeit für das Anno Santo. Don diesem Tage an kann die indulgenna plenaria der geistige Gehalt des Heiligen Jahres von allen Gläubigen erlangt werden.

Die Zeremonie ist sehr alt in den Gebräuchen her Kirche: doch die heutige Heilige Pforte in iSanft Peter ist erst von Aleander XVI. einge­mauert, da man in der alten Konstantinischon Basilika die von Bonifaz IX. geschlossene Tür nicht finden konnte, und für alle Zeiten durch eine Marmorverkleidung kenntlich gemacht. Im vorigen Jahrhundert ist sie nur zweimal geöffnet und geschloffen worden, von den beiden Leo, \>in xll. und dem XIII , im Jubeljahre von 1825 und 1900. Die napoleonischen Kriege hatten den VI. und VII. Pius an der Jahrhundertwende an Der Feier verhindert, die revolutionären Wir­ren von 48 Pius IX. aus Rom vertrieben, und als er zurückkehren konnte, wurde er bald daraus der(befangene im Vatikan", und hielt cs für angemessen, das Anno Santo von 1875 ohne äußerlichen Pomp zu begehen.

Ein anderer Pius, der XL, hat nun an Der Christvigil von 1925 die Pforte wieder geöffnet.

Es ist noch frühkühl, und leichter Rebel gibt nur die Silhouette ter Stadt, da ich gegen neun ilbr durch die Straßen fahre, aber als der Wagen über die Engelsbrücke in den Borgo einbiegt, schmeichelt die Sonne den Rebel weg. und der grandiose Platz vor Sankt Peter liegt in voller Helle, geborgen in der steinernen Umarmung der Bernini-Säulen. Ich schlüpfe durch das 'Bronze-Tor ein, und gehe die Stufen zur Scala Reggia hinaus, an Konstantins Reiterstandbild nach links, und bin in der Vorhalle von Sankt Peter. Verkleidungen und Damastdraperien ha­ben Den Teil Der Vorhalle, bis zur köstlichen florentinischen Bronzetür, in einen geschlossenen Saal verwandelt, in Dem Die eigentliche Fe>er ftattfinDet. Dicht neben Der Heiligen Pforte ist der päpstliche Weihe Thron auf Stufen aufge­stellt, im Rechteck umgeben von den gobelinge­schmückten Bänken für Die Kardinäle, die Qua- Dratura Sacra, dahinter Die Sitze Der Erzbischöfe, Patriarchen und Bischöfe. Dem Thron gegen­über Die Tribünen für die Mitglieder König­licher Häuser, Die Souveränen Ritter von Malta und die Ritter des Heiligen Grabes, das diplo­matische Korps, Die päpstliche Familie und das römische Patriziat. Den Abschluß bilden die Plötze für die römische Prälatur, das Kapitel

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Zimmer stürzte und uns zurief: .Meine Herren, ich höre foeoen, daß Der Feind die französische Gesandtschaft unterminiert ha-, und Drüben weiß man noch nichts davon!'

Du kannst Dir denken, wie wir in die Höhe fuhren Teufel, das war eine erfreuliche Rach- richt! Am Petang, Der französischen Mission, hatten die Chinesen fünf Minen gelegt und die Kathedrale in die Luft gesprengt. Bei uns aber war Der Boden für Derartige Experimente zu wenig geeignet, immerhin lag Die Möglich­keit vor. daß die Savary nicht unrecht hatte. Wie tarn sie zu ihrer Behauptung? Eine kleine christliche Chinesin, ein Mäde.'chen aus einer (Sing» sanghalle, Die sich bei Beginn des Aufstandes zu uns gefluchtet, hatte in der Rächt die Ge­räusche Der Minierarbeit gehört. Ra'.ürlich konnte sie sich auch getäuscht haben, jedenfalls muhten aber die Franzosen gewarnt werden. Wie kam nun wieder das Singmädel zu Fräulein Savary? Das ist ein förmlicher Roman, den ich nicht lang

Peking scheint ja nie so recht zu schlafen. Unter den Catemcnrcifjcn Der Straßen tobt auch zur Rachtstunde das Leben auf und ab, doch jetzt war Der dumpfe Widerhall Der tausend verwor­renen Geräusche zu einem einzigen großen Schrei geworden, einem Schrei von Tausenden, aber gleichsam vereinigt zu einem Himmelanrufenden Klagelied. Da wußten die Belagerten, daß im Christenviertel Die Metzeleien begonnen hatten. Leuchtkugeln schwirrten durch Die Lust tote bei einem satanischen Feuerwerk. Scheinwerfer schleu­derten weißes Licht in Wolkenhöhe, unaufhörlich prasselnden Schüsse und ballerten Die Kanonen. Dann reckten sich schwefelgelbe Flammen, und verdunkelten den Horizont, aber glührot hing Der Himmel im Zenit. Der Wind trug die Flammen weiter, garbcnweise schossen sie in die Luft, ganze Fcuerströme muhten schon durch Die Strw- 6en wandern...

2ln allen Den Einzelkämpfen. in denen die Belagerten um ihr Leben kämpften, beteiligte Gert sich gemeinsam mit seinem neuen Freunde Gordon Murray. Besonders eingehend schilderte er in seinem Briefe an Geisbach einen Sturm­angriff, den Die Chinesen gerade an dem Abend, da den Gesandtschaften ein Waffenstillstand an­geboten worden war. auf den Tennisplatz und die Klubhäuser versuchten, Der kräftig abgeschla­gen wurde. Dem aber noch ein anderes seltsames Abenteuer folgte.

...Wir feierten unfern Sieg," schrieb Gert, ein Stündchen später in Der japanischen Ge­sandtschaft. wohin der Militärattache Oberstleut­nant Schiba Munxay und mich gebeten hatte. Er kommandierte Die Freiwilligentruppen. Der auch Murray sich angeschlossen, und Da er auf Schmuggelwegen zwei Hühner und sechs Eier bekommen, auch noch ein paar F'afchen Hetdsicck aufgeftöbert hatte, so erwartete uns ein in diesen Zeiten immerhin ungewöhnliches Souper. Wir setzten uns zu Tifch, und die Diener trugen das Frikassee auf, das der Gesandtschastskoch aus Hühnern unD Eiern unter Zutat von Reis und einer Büchse Krabben kunstgerecht zusammenge­stellt hatte, als hastig Die Tür aufgerissen wurde, und Fräulein Savary, die Gesellschaftsdame der Gräfin Kodama, in höchster Erregung in das

Mitte August, zwei Tage nach Der Entsetzung des Gefandtschaftsviertels in Peking durch die cinrückenden Hilfstruvpen. schrieb Gert an seinen Schwiegervater. Er saß dabei nicht in seinem cinst sp hübsch eingerichteten Pavillon int Gc° sandtschaslsgarten, Der durch chinesische^ Brand­raketen schon vor zwei Wochen in einen a,rummer- baufen verwandelt worden war. sondern in einem Unterstand am alten Klubhause auf einer leeren Portertonne und vor einem Tische, Dellen uicrteä gebrochenes Dein man mit einem. Handtuch kunst­gerecht verbunden hatte.

Cs schrieb sich schlecht nut Der verdickten Tinte, in Der Die Feder zuweilen eine tote Fliege auf spießte, aber der Brief wurde doch ziemlich lang, weil er möglicherweise der letzte wcu', den er für Die nächste Zeit nach Hause schicken tonnte. Gert schilderte zunächst die Vorbereitungen, Die man notgedrungen gegen die nahenden cturm» wellen Der Dorer treffen muhte, den Darrikaden- tau, für den man sogar das Hausgerät opferte, kostbare Möbel, Klaviere, die gestickten chine­sischen Seidenstoffe, Brokatdecken. Vorhänge, 2. ep- piche. all das bei den Pekinger Gaunern mühselig Erhandelte, das nun mit Stroh, Erde, Matratzen, Steingeröll, Sandsäcken kunterbunt zusammenge- stopft wurde. Auch ein großes Grammophon war darunter, das bet Den ersten Schüssen in Die Darrikc^e zu dudeln begann und geraume Zeit das Pfeifen der Geschosse mit der Melodie: Komm herab, o Madonna Theresa" begleitete, bis eine barmherzige Kugel ihm das Maul zerriß.

Anfänglich hatte man noch mit Sicherheit auf die Watrosendivision des Admirals Seymour ge­rechnet. Aber sie traf nicht ein. Die Doxer hatten ihr den Weg verlegt. Die überschwemmten be­reits die Stadt und hatten sich mit Den Truppen vereinigt. Im Gesandtfchaftsviertel sah man das durch die Ferngläser und merkte es an Dem Hdüenlärm, Der auch in Der Rächt picht erstarb.

W M Wen ibet gesucht. Krug, bigftra&e 37 gesundes

Aus Der Provinz.

Landkreis Gictzcn.

L Wicfeck. 7. Ian. Wie an dieser Stelle schon berichtet, beschloß der Gemcinderat in feiner letzten Sitzung Winterbeihilfen an Die E rwcrbslosen *,ur Auszahlung zu bringen. Für Diele soziale Hilfe, die boflcntlid» ihre Wir­kung nicht verfeblt hat. wurden 1970 Mark ver­ausgabt. Außerdem (amen an Die Sozial rentner zu gleichem Zweck 1015 Mark und an die Kleinrentner 380 Mark auv Aus­zahlung Gegenüber Dem Dormrmat hat sich Die Zahl Der aus Der Erwerbslofenfür- sorge Unterßützlen wiederum verringert. Am 31. Dezember zählte man 34 Vollerwerbslose gegenüber 43 am 30. Rovernber. An unter- stützungsberechligten Angehörigen waren 41 (1Z Ehefrauen und 24 Kinder» gegenüber 46 (12 Ehefrauen und 34 Kinder) vorhanden. 53 So­zialrentner und 19 Kleinrentner waren aus Der Sozialfürsorge zu unterstützen. Diese Zahl hielt sich gegenüber Dem Vormonat auf unveränderter Hohe - Am Samstag abend wurde im Kriegerschen Saale nach einem Vor­trage des Lehrers Wilhelm Ziegler aus Darmstadt, einem geborenen Wieseckcr. eine Orts­gruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold gegründet Recht lebhafte Klagen sind in letzter Zeit über das mangelhafte elek­trische Licht laut geworden Einem Teil Der Verbraucher ist es in kurzer Zeit wiederholt passiert, daß am frühen Abend das Licht plötz­lich verlöschte und erst am folgenden Tage Die Stromversorgung wieder einsetzte. Wohl ober übel muß Dann das verstaubte Petroleumlämp­chen beroorgebolt werden. Es ist ohne weiteres zu begreifen, daß Störungen irgendwelch.'r Art einfcyen können, erwarten muß man aber, daß diese sofort beteiligt und nicht große Der- braucherkreife rücksichtslos ganze Rächte ohne Licht gelassen werden. Auch sonst lassen Die Licht- Verhältnisse viel zu wünschen übrig. Trüb und flackernd leuchten die Lampen, so daß es kaum möglich ist. abends irgendwelche Arbeiten vor- zunehmen. zu denen man genauer sehen muh. Eigentümlicherweise ist dieser Mißstand nicht am ganzen Ortsnetz zu beobachten, sondern nur an einzelnen Leitungen. Der Wunsch nachMehr Licht!" ist also berechtigt und verhallt hyfsentlich nick.t erfolglos, Dena wer sich seine Ware be­zahlen läßt, muß bestrebt fein, auch seine Kun­den einwandfrei zu bedienen.

y. Lollar. 7. Jan. 3n letzter Zeit sind wieder in hiesiger Gegend einige Dieb­stähle, die noch der Aufklärung harren, vor­gekommen. So wurde in der vorigen Woche im benachbarten Rutteris Hausen während Der Rächt Kinderwäsche, Die in einer Halle aufgehängt war. samt Dem Seil entwendet, in Kirchberg in den Hühnerstall des WirtcS Fischbach cingebrochcn mtD mit Sachkenntnis zwei Hahnen und fünf junge Hühner gestohlen, während man die älteren Tiere un­geschoren lieh. Dagegen hat Der vor einiger Zeit gemeldete Einbruch in Den Konsumverein zu Staufenberg seine Aufklärung gefunden. Die Täter sind Fremde, deren Spezialität Diebstahl von Tuch war. Sie wurden in Köttingen, tot sic ein Diebslager hielten, und wohin sie die zuletzt auch in Hohensolms gestohlenen Sachen brachten, entdeckt und festgenommen.

-o- G r o ß e n - Li n d en . 7 Jan. Unsere n e u e G a r t e n st r a ß e im Dnhnhofsvieriel steht zur Zeit im Zeichen des Tiefbaus: Wasser­leitung und Kanalisation ich ei.ea lüftifl vorwärts, wohl auch zur Freude der angrenzenden Moltlcstraßc, deren Anwohner seil Jahren mit den Wasscimassen zu kämpfen batten. Die sich bei Regenweitcr und besonders im F.ühjahr bei Der Schneeschmelze auf dem undurchlässigen Gelände zu einem See stauten, der feine Ausläufer in Die Hausgärten und Äetlenäume entsandte. Wenn es auch noch möglich wird, DieBtsmarck- st r a ß e ticfbaulid) an die Durgstraße anzu- schließen, so wäre Dem höchstgelegenen Teil un­seres Ortes das Wohnen und Dauen wesentlich erleichtert. Eine ähnliche Last haben unsere Mitbürger im untersten, alten Ortsteil zu tragen. Dort zieht die große Derkehrsstrahe GießenFrankfurt durch unseren Oct, und ihr starker Verkehr, insbesondere durch Autos,

gegen den

HeinrichErb

Don Leitern in der Wirtschaft m Germania laufiae- lmochenen Beleidi- flunfle« u. Ver/eum. dünnen nehme ich hiermit mit demAuS- druck lieiitrn Bedau­erns als unwahr zu­rück. 0231

Otto Stein.

Federdoa auid.2elier?ivegii. b>}rniiliunergir.u. Viebioftr verloren. Geg. Belohn, abzug. 011 iiiiblfiilt 62 L

Geschütze aufgestellt hatten. Ursprünglich war auch sie Der Palastkomplex eines chinesischen Großen gewesen, aber man hatte Die alten Bau­lichkeiten meist durch moberne ersetzt, deren un» prakt sche Anordnung dem Feinde günstige Ziel­punkte bot. Ratürlich waren Die Herren Fran- -ofen über unsre Mitteilungen gewaltig über­rascht, doch sie kannten ihre Landsmännin, Die Savary, zu genau, um nicht zu wissen, daß

man die Geschichte ernsthaft nehmen müsse. Daß Fräulein Savary ftc nicht direkt gewarnt, lag Daran, daß man sie auf der japanischen Gesandt­schaft interniert hatte sie konnte sich also ran; an uns wenden. Aber wir hatten sie mitge­nommen. Das kleine chinesische Singmädel war dagegen verfchwunden. Wir suchten auch gat nicht nach ihr, es kribbelte und wimmelte Im Quartier von chinesischen Flüchtlingen, Die zu bunten Hausen überall umherlagen, und in dem Gewühl hätten wir das Mädel sowieso kaum finden tonnen.

Rach dem letzten Angriff aus Die Klub­häuser war es merlwürdig still geworden. Es hieß sogar, bei Den Engländern habe sich wieder ein Parlamentär gezeigt, ein Beamter des Tsungli- Damen, Sicherheit Darüber war aber im Augen­blick nicht zu erlangen. Auch Die Feuersbrunst schien erloschen zu fein, schwarz hing Der Himmel über Den Brandstätten, und jeder Windzug wehte Den beizenden Qualm aus verglimmender Glut zu uns herüber.

Es handelte frch zunächst Darum, ouszutund- schäften, von welcher Seite die Chinesen mit Den Minierst ollen vor gegangen sein konnten. Der Wahrscheinlichkeit nach von Osten. Der einzigen Seite, Die leidlich standfähigen Boden zeigte, und auch hier war an eine Daueranlage kaum zu denken. Wenn überhaupt, so hatte der Feind sich jedenfalls mit einfachen Flatterminen be­gnügt.

Ich erbot mich, das gefährlrche Terrain mir einer elektrischen Taschenlaterne abzusuchen, Demi es war möglich, an Der Dodenbeschafsenheck zu erkennen, wo Eingrabungen erfolgt waren. Die Franzosen wollten meine Htlfe nicht annehmen, aber nun erklärte Die Savary, sie selbst wolle das Gelände sondieren und habe sich bereite Darauf dotbereitet. Und da sie dies sagte, ge­schah etwas Verblüffendes. Sie warf ihr ÄlcxD ab und stand, vom Kopf bis zu den Füßen in schwarzes Trikot gehüllt, vor uns. Wir waren natürlich erstaunt, verstanden aber ohn? weiteres Den Zweck bet Kostümierung. Das Schwarz der Trikotage sollte Dem Dunkel der Rächt sich un< passen. Es war eine geschickte Mimikry,

(Fortsetzung folgt)

der Kirche geformt hat in Jahrhunderten, ein jedes einem jeden Anlaß angevaht. mit Ver­gangenem und Ewigem durchwebt.

Währenddem waschen die Pönitentiarc von Sankt Peter die Stufen und Die Marmorumfal- fung der Heiligen Pforte mit geweihtem Waller. Der Papst intoniert das Antifon jubilate Deo vmnis terra Die Sänger der Siktina nehmen das Antifon auf und leiten es in die wunderianien Melodien Palestrmas über. Pius XI erhebt sich, und, in der Linken durch einen golddurchwirkten Handschuh geschützt, die- hohe brennende Kerze haltend, in der Rechten das große goldene Hreut. durchschreitet er als erster Die Heilige Tür. Langsam, sehr langlam. Rach ihm die Kardinale. Difchöfe und Der ganze reiche Zug.

Auch ich kann endlich Die Pforte durchschrei­ten und nach Sankt Peter einDringen. Rach Dem langen Verweilen in Dem Halbdämmern der Vor­halle. bin ich wie geblendet von dem vollen Licht, das durch Die Kuppel und Die hohen Fenster cinfäfli. Durch Balustraden, mit rotem Damast überzogen, ist ein Gang freigehalten von der Porta Santa bis zur Ccnfesfio und von dieser bis zur Kapelle der römischen Mär­tyrerin Petronella, wo Der Papst jetzt das aus­gesetzte Allerheiligste aDoriert. Wie viele Tau­fende mögen hinter Den Balustraden gedrängt, stundenlang geduldig gewartet haben! Und doch spürt man Diele Menge kaum, alles verrinnt in Dielen ungeheuren Räumen. Menschen können diese Dimensionen nicht verwischen.

Ich stehe dicht neben Der Confessio. Gelbes Licht kommt wie Kerzenschein ans dem rieftgen Rundfenster über Der Kathedra. die im bronzenen Barrckmantel Berninis den alten römifchen Bi- fchossstuhl umhüllt. Gelbes Licht strahlt aus den goldbrrnzenen Lampen, die die Confessio zieren. Und tief unten, noch tiefer als Die Krypten ber­eiten konstantinischen Basilika, eingebettet in einem Brvnzeblock, ruht Sankt Peter, Dem die Schlüssel übergeben wurden.

Aber ich will an nichts mehr denken, will nichts mehr schauen,' schließe die übermüdeten Augen. Doch, Da kommen wieder die Töne des 5c Deum Laudamus" aus her Petronella-Ka­pelle. Die Sedia Gestatoria wird wieder sichtbar und- der ganze Zug geht in feierlicher Prozessions­ordnung hinter mir vorbei, und taucht bei der Dronzetür wieder auf. Alles so weit, so fern. Der Papst erscheint wie eine Heiligenfigur, leb­los, starr. Durch eines Der hohen Fenster fällt ein breiter Lichtstreifen ein und baut einen flim­mernden Steg, und wie die Gestia Sedatoria über den Lichtsteg schreitet, bekommt, alles Leben und Farbe. Ausslammen Die edlen Steige an der Tiara, Die Stickereien an Dem weißen Mantel gleisen und glitzern und fließen wie geschmolzenes Gold am Papst herab eine byzantinische Gold- mosaik. Und ein Jubeln und Brausen erhebt sich tote ein Sturm, und umbraust Den Papst, rollt ihm voraus und jubelt ihm nach.

In der Dorhalle war alles gedämpft, Töne und Licht Mystik. Hier im vollen Schein, in Den weiten hellen Räumen, vom Jubel umrauscht, ist Gegenwart Ecclesia Triumphans.

Dor der Confessio ist ein. damastüberzogenes Podium ausgestellt. Dort senkt sich Die Sedia Gestatoria, und nunmehr nimmt der Papst auf einem roten Faltstuhl Platz. Die beiden assistierenden Kardinäle verlesen die Ritual- formet Der Indulgentia Plenaria. Dann erhebt sich Der Papst, und hochausgerichtet erteilt er

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Dtt PchumavN' abend 11U16 Flli tag; den S. 1. u. Mag, d.16.1.

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Gloster Der Zeremonie zugeschaut, die Könige von Rcapel oder der Sächsische Herzog. Dem Urfcan X III. Den goldenen Hammer Ichenkie. mit Dem er Die Porta Santa geöffnet hatte. Viel­leicht saß Dort, wo heute Die goldgestickte Uni» form irgendeines Diplomaten glänzt, Coperni- kus. Den Der Vf. Alexander cingelaben hatte, oder Tasso. Michelangelo und Ignaz von Loyola, Die zum Anno Santo von 1550 Der Feier beu wohnten? Vielleicht? Hier verwischt sich so leicht Das Gegenwärtige, alles Persönliche, und wird Historie.

Gegen cinhall» elf kommen aus Dem Innern des vatikanischen Palastes Die Töne eines psal° meDicrenDcn Gesanges. Der Papst hat feine Pri- vatgernächer verlassen, und legt in Der* Äula Dei Pramenti Die Zeremonial-Gewänder an. Stärker wird Der Gelang, klarer das Virni Orcator Dann schmettern Die silbernen Tuben Die jubelnde Wucht Des päpstlichen Marsches, und auf Den obersten Stufen erhebt sich Die weihe baldachingefchmückte Gestia SeDatoria Der Papst wirD sichtbar: ganz fern noch. Die Stufen herab kommt Farve unD Gleißen und gleitet in feierlicher Ruhe an uns vorbei. Voran Der päpstliche Hof, Rot unD Hermelin, rote und graue Pelze. Die Protonotare, Die Procuratoren Der Orden, die Konsistorial-Advokaten. Die Dus- folanti, in kirschrotem Samt mit Der schweren sil­bernen Bussola. Zwei Kapellane tragen auf weißen Kissen Die Mitra Preziosa und Die ede!- fteinfunlelnDe Tiara. Die Orbenägeneiälc, Erz­ähle und Olebtc, Die Bischöfe. Erzoischöfe 60 an ter Zahl Patriarchen, im weißen Pluviale und weißer Mitra, Dann 27 Kardinäle. Hoch^ aufgerichtet Der achtzigjährige Chrle. Der greife Merry Del Bal. dem noch Der XIII. Leo den Purpur gereicht hatte, rechts von ihm der Kar­dinalstaatssekretär Gasparri und links der Bel­gier Mercier. Auch Die Kardinäle in weißer Mitra, eine brennende Kerze in der Rechten. Während das Te Deum laudanlus von der Six- tinischen Kapelle intoniert wird, und Der Zug an uns vorübergleitet, wächst Der Papst auf der SeDia Gestatoria unD gleitet wie eine Erscher- nung Die Stufen herab und schwebt über den Köpfen Der KnierrDen vorbei. Mit gemessener Geste spendet Der Papst den Segen, ein jedes Auge sucht ihn, wie Weihrauch steigt um ihn auf Die Inbrunst der Gläubigen. Vorbei in Der Sacra QuaDratura senkt sich Die Sedia Ge­statoria; Der Papst verschwindet einen Augenblick unseren Blicken, Dann wird er wieder sichtbar auj Dem Thron.

Pius erhebt sich und schreitet Die Stufen zur Porta Santa hinauf. Ein ungeheures Schweigen ist im Raum. Das fast körperlich wirkt. Ein Recken und Schauenwollen. Ich sehe, wie Der Papst Dem KarDinal Bisleti Die Kerze übergibt, Die er in Der Rechten hält, und vom Groh- pönilentiar, Kardinal Giorgio etwas Funkeln­des entgegennimmt, Den golDenen Hammer.

Der Papst steht auf Der letzten Stufe, er­hebt Den Arm. Deutlich unD klar feine Stimme-. Aprite mihi Portas justitiae. Ein Schlag gegen Die Tür. Die Sixtinischen Sänger fallen ein: ingrefsus in eas confitebo Dom ine. Ein zweiter Hammerschlag. und die Stimme des Papstes: Ich gehe ein in Dein Haus, o Herr und Der Chor: Ich bete Dich an in Deinem Haus. Ein Dritter Hammerschlag. kräftiger als Die beiden ersten, und des Papstes Stimme flehender: - Oesfnct mir Die Pforte, Denn der Herr ist mit mir. Das bronzene Kreuz in Der Mitte Der weißen Marmorplatte, die die Tür schließt, zerspringt, klirrend fallen Die Stücke zu Boden, und mählich senkt sich, wie von Gei­sterhänden bewegt, die mächtige Marmorplatie nach innen. Ein Brausen kommt aus der Oefs- nung. wie aus einem Schacht. Und wie die Tür der Gerechtigkeit sich öffnet, jubeln alle Glocken Roms. So mächtig Die Große Glocke von Sankt Peter, daß ein Vibrieren über uns niederriesclt. sie jubeln und jubeln Aperta est Porta justitiae. Es ist elf Uhr fünfundzwanzig.

Der Papst hat wieder auf dem Thron Platz genommen, mit geschlossenen Augen, ganz in sich versenkt. Dann knien die assistierenden Kardi­näle vor ihm, und halten die goldenen Leuchter und einen großen Pergament-Folianten. Der Papst liest die uralten Gebete, die die Liturgie