Ausgabe 
8.1.1925
 
Einzelbild herunterladen

1

Vor dem Zollkrieg mit Frankreich

hob sich

Churchill

täten weitergeführt werden sollen.

und Tagte er stimme den Ausführungen des französischen Finanzirrmisters vollauf zu. Man darf nicht außer Acht lassen, daß wir hier als Freunde und Kameraden zusammengebommen. sind und daß die Aufrechterhaltung dieser Kame­radschaft mehr Bedeutung hat, als die, ohne Zweifel wichtige, aber immerhin untergeordneten und begrenzten Resultate, die wir hier erzielen fönnen.

Hierauf sprachen noch Kellock (Amerika), Stefani (Italien) und Theurris (Belgien). Die Konferenz schritt dann zur Bildung von Unter­ausschüssen und vertagte sich. Clernentol und Churchill hatten eine kurze Besprechung, über das interalliierten Schuldens)rvblem.

gang der Konferenz und einer Lösung der ver- Lschiedenen Probleme zu rechnen. Darauf er=

Wilhelmshaven, 7. 3nn. (Wolff.) Auf der hiesigen Marinewerft ist heute der Kreuzer Emden", der erste Reubau der Rachkriegs­zeit, glücklich vom Stapel gelaufen. Das mit Tannengrün und Flaggenschmuck gezierte Schiff lag zum Stapellauf auf der Helling, von der der letzte große Kreuzer der Kaiserlichen Marine, derHindenburg", vom Stapel ge­laufen war. Dor dem Bug des Schiffes waren die Tribunen für die Ehrengäste errichtet. .Hm 4.40 llf>r traf der Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, auf dem Festplatz ein und schritt die Front der Ehrenkompagnie und der Ehrenabordnungen unter den Klängen des Prä­sentiermarsches ab. Auch Frau von Müllet, die Gattin des Kommandanten der alten ^.Em­den" und Kapitänleutnant a. D. von Mucke, waren erschienen.

Rach dem Abschreiten der Front führte Ad­miral von Zenker Frau von Müller auf die Tribüne, wo er

die Taufrede

Der Stopdlauf der Emden.

Das erste Schiff der Nachkriegszeit. Der 100. Bau der Wilhelms- Hafener Werft. Riesige Beteiligung. - Das Telegramm des Reichspräsidenten.

helmshaven ein, sondern auch aus den Städten und Dörhrrn der Umgebung war eine große Menschenmenge herbeigeströmt, insbesondere auch die S ch u l e n. So waren die auf dem Gelände der Marinewerft errichteten Tribünen und alle freien Plätze mit einer dichten Menschen­menge gefüllt. Die Arbeiterschaft selbst hatte zum Teil die Dächer der Werftgebäude be« setzt.

Rach dein Stapellauf wurde in der Werft­halle ein kleiner Imbiß eingenommen, wobei tne eingetroffenen

Glückwunschtelegramme

verlesen wurden. Zuerst das des Reichs» Präsidenten, das folgenden Wortlaut hatte:

Zum Stapellauf des Kreuzer«Emden- fenbe ich herzlichste Glückwünsche und Grütze. Möge der Geist opfermutiger Vaterlandsliebe und seemännischer Tüchtigkeit, der die alteEm­den" beseelte, auch aus diesem Schiffe fori- leben. Möge dem jüngsten Glied unserer auf­strebenden Reichsmarine allzeit eine glückliche Fahrt beschieben fein.

Auch Prinz Heinrich von Preußen sandte ein Telegramm. Der Oberbürger­meister von Emden, Dr. Mühelburg, benutzte die überaus kurz bemessene Zeit, um na­mens der Stadt Emden für die ihr durch die Ra» mensgebung des neuen Kreuzers bereitete Ehrung zu danken und der Beziehungen zu gedenken, die die Stadt Emden mit dem ersten Schiffe dieses Ramens verknüpften. Für die Werft war der Sta­pellauf infofern em besonderer Ehrentag, als es der erste Reubau für die deutsche Rachkriegsmarine und zugleich der hundertste Schiffsbau für die Wil­helmshavener Werft ist. Unter den von auswärts eingetroffenen Gästen war auch die Presse Süddeutschlands stark vertreten.

Neue Lage in Italien.

Mussolini von der Krone gedeckt?

Rom, 8. Jan. (TU.) Mussolini hat sich die zweite Ueberraschung geleistet. Die erste war die gänzlich unerwartete Ankündigung der Wahlrechtsvorlagc. Gestern hat er nun im Ministerrat erklärt, die Kammer werde sofort nach Annahme der Wahlrechtsvorlage auf­gelöst werden und es würden Reuwahlen aus­geschrieben. Zwischen der Kammerauflösung und den Reuwahlen müssen 45 Tage liegen. Da mit der Annahme der Wahlrechtsvorlage innerhalb dieses Monats gerechnet ist, tonnten die Reu- wahlen schon Ende April oder Anfang M a t siattsiadeii. Mussolini hätte diese Erklärung nicht abgeben können, wenn er nicht vorher der Zustimmung der Krone sicher gewesen wäre, deren Vorrecht die Bestimmung über eine Auflösung der Kammer ist. Somit wurde Musso­lini noch von der Krone gedeckt bleiben und die sogenannte nwralische Frage zurückgestellt sein, die in den Prozeß Matteotii ausläuft und von

Frankreich fordert die Möglichkeit, sämtliche deutsche Erzeugnisse durch einen techniAsn Beamten" nachprüfen zu lassen. Diese For­derung kommt einer

weitgehenden Wirtschaftsspionage gleich. Das Recht der Riederlassung von Gesell­schaften ist außerordentlich kompliziert geregelt.

Der uns im Text des Proviforrurns thevre- tisch gewährte Schutz des deutschen Eigentums wird dadurch sosort hinfällig, daß sich Frank­reich in einem weiteren Artikel des Provisoriums alle Rechte aus dem Versailler Der- t r a g vorbehält. Somit behält § 18 der Anlage zu Teil 8 des Versailler Vertrages auch nach Abschluß des Provisoriums seine Wirkung und Frankreich würde die Wglichkeit haben, sich jeder Zeit m den Besitz deutschen Privateigentums zu setzen. Dabei ist anzuführen, daß England, Belgien, Italien, und eine ganze Reihe andere Länder darauf ver­zichtet haben, sich diesen § 18 des Bersailler Übertrages nutzbar zu machen. WaS den Hand­lungsreisenden anderer Staaten von Frankreich zugeslchert ist, die Einreise und Ausent- haltsmöglichkeit ist uns versagt und nach dem Inhalt des Protokolls ist die Einreise deutscher Handlungsreisender usw. von einem P a ß w e s e n abhängig.

Der gesamte Tert des Provisorium« kommt somit der Herausforderung zu einem Zollkrieg gleich.

Trendelenburg in Berlin

Berlin, 8. Ian. (TU.) Der Führer der deutschen Wirtschaftsabordnung in Paris, T r en- delenburg, ist gestern abend in Begleitung verschiedener Sachverständiger hier eingetrvffen. Aus Kreisen, die über die Vorgänge der Pariser Wirtschaftsverhandlungen gut unterrichtet sind, erfährt die Telunion folgendes: Der Versuch der Pariser Presse, die politische Spannung infolge der Entwaffnungsnote mit der augenblick­lichen Schwierigkeit in den Wirtschaftsverhand­lungen in Verbindung zu bringen, ist nichts als ein Manöver. Die Delegatton hat, wie allen den zahlreichen in diesen Tagen nach Paris be­rufenen Sachverständigen genau bekannt ist, auf das strengste die Erörterung politischer Momente abgelehnt und sich auf diejenigen der rein wirtschaftlichen Fragen beschränkt. Es ist ferner gänzlich unrichtig, daß von der deutschen Dele­gation den Franzosen ein Provisor t u m an- geboten worden ist. Man hat im Gegenteil seitens der Delegation nie einen Zweifel darüber ge­lassen, daß uns an einem, möglichst schnel­len endgültigen Abkommen aber nicht an einem Provisorium gelegen sei. Die von der französischen 'Regierung ausgearbeiteten Vor­schläge für ein Provisorium sind von der deutschen Wirtschaft einhellig abgelehnt worden. Es muh immer wieder betont werden, daß Frank­reich durch seine mitten in den Verhandlungen auf den Tisch geworfenen, gerade für die uns interessierende Ausfuhr direkt prohibitiven neuen Minimalzölle die Verhandlungen in dieses kritische Stadium gebracht hat. Diese SÄe ließen selbst dem wärmsten Vertreter des Vertragsgcdankens Zweifel darüber aufkvmmen, ob die Aufrechterhaltung des Entwurfs irgendein Interesse für Deutschland nach Herbeiführung des Vertragszustandes noch besteht bei dem für uns nichts, für Frankreich aber alles zu gewinnen ist.

Die Pariser FinanMlnlsterkonferenz.

Die Eröffnungssitzung.

Paris, 8. Ian. (T. 11) Die interalliierte Finanzministerkonferenz wurde durch eine Rede des Finanzministers Clementel eröffnet Unter Hinweis auf das Dawesgutachten bemerkte er, bah Deutschland über seine Verpflich­tungen jetzt im Bilde sei. Man müsse zugeben, daß es diese bis zur Stunde getreulich S'cfüsllt habe, dagegen bestehe eine gewisse Unklarheit über die Verteilung der deut­schen Zahlungen unter den Gläubiger­staaten. Dank dem Gefühl der Solidarität, dos die alliierten Vertreter beseele, werde man die Debatte in einer Atmosphäre der Großzügigkeit ! führen. Es sei daher mit einem günstigen Aus­

hielt.

»Wir stehen heute vor einem bedeutungs­vollen Ereignis: Der erste Reubau der Reichs­marine soll seinem Elemente übergeben toerben. Roch nie wohl haben sich der Erbauung eines deutschen Kriegsschiffes so große Schwierigkeiten entgegengetürmt, wie diesem Schiff. Am 8. De­zember 1921 ist die erste Kielplatte gestreckt wor­den, heute erst, nach 3 Jahren, kann das Schiss die Helling verlassen. Die ganze große deutsche Rot dieser Jahre spiegelt sich in diesem Dau wider: die Erregungen, Irrungen und Wirrun­gen nach dem Umsturz, der Ruhreinbruch, die Katastrophe der Geldentwertung. Und dennoch ist das Werk gelungen und steht heute vor uns: ein Zeugnis neuesten technischen Ersinnens und Kön­nens und altbewährter, vortrefflicher Handfertig­keit Dank und Anerkennung sei daher allen aus­gesprochen, die in unermüdlichem Fleiß Kops und Hand in den Dienst dieses Werkes stellten.

Von besonderem Klange und die Gegenwart überzeugender Bedeutung ist für uns der Rame »Emden" durch den Kreuzer geworden, der zuerst diesen Ramen getragen hat. So oft Kunde zu uns drang von den Laten derEmden" da draußen im Indischen Ozean, haben die Herzen höher geschlagen voll Stolz ob der Kühn­heit dieses Kreuzers, dem auch die Gegner ihre Ächtung nicht versagten.

Uno nun gleite in dein Clement. Sei allzeit ein glückhaft Schiff, fest in Sturm und Wetter, sieghaft In Kampf und Gefahr. Jederzeit und allerorten aber, mag dein Weg auch durch Rot und Tod führen, mögen dich zwei Sterne leiten: des Vaterlandes Wohl und Deiner Flagge Ehre!"

Sodann vollzog Arart von Mütter die Taufe

mit dcn WortenIch taufe Dich Emdenl" Schiff lief kurz nach 11 11.hr glücklich zu Wasser. Zum Stapellauf sand sich nicht nur ganz Wll-

Die Prüfung des von der französischen Han- Delsdelegatton unterbreiteten vorläufigen Ver­tragsentwurfes, der inzwischen in Berlin ein» Svoffen ist, hat auch an amtlicher Stelle jede ffnung zerstört, daß es gelingen werde, die rhandlungcn mit Frankreich zu einem einiger­maßen befriedigenden Abschluß zu bringen. 6taat6fe£cetär Trendelenburg wird dem Reichstobinett heute über den gegenwärtigen Stand der Pariser Verhandlungen Bericht er­statten, das Kabinett wird dann darüber Be- fchluh fassen, ob es unter den gegebenen Umstän­den angebracht erscheint, die deutsche Delegation Xn Paris zu belassen. Ratürlich hat Der Mei­nungsaustausch zwischen Den Sachverständigen (feinen Fortgang genommen, auf deutscher Seite ist auch alles vermieden worden, was den Fran­zosen Anlaß geben könnte, von einemschlech­ten W i l l e n." . bei uns zu sprechen, mit dem sie bekanntlich immer sehr rasch bei der Hand sind.

Was aber jetzt von den Franzosen als vor- (läufige Regelung vorgeschlagen ist, ist für Deutsch­land, das mit dem 10. Januar seine Handlungs- ifreiheit wieder erhält, einfach unannehmbar, jauch wenn man in Betracht ziehen würde, daß 'die Reichsregierung unter Umständen bereit wäre, (Frankreich entgegenzukommen. Die Pariser Re­gierung verlangt nicht nur die Beibehaltung deS bisherigen Zustandes, wie er aus Dem Versailler Vertrage hergeleitet wurde, sie behäll sich sogar hinsichtlich der Höhe der Zölle völlig freie Hand vor, verlangt jedoch von Deutschland so­fortige Bindung und will dann noch das Provi­sorium bis zum 10. Januar in Kraft gesetzt wissen, obwohl es zahlreiche Bestimmungen enthalt, die die Reichsregierung nicht eher akzeptieren kann, als bis der Reichstag sie angenommen hat.

Die Situation ist Lurch das Verhalten der (Pariser Regierung, die auch durch die plötzliche Einführung unerhört hoher Schutz­zölle alle bisherigen Verhandlungsergednisso sabotierte, so verschärft worden, daß, falls man l» Paris nicht im letzten Augenblick zur Einsicht kommen sollte, nach dem 10. Januar ein ver­tragsloser Zustand eintritt, Der sich durch Len von Frankreich vom Zaun gebrochenen Zoll­krieg besonders auszeichnen wird. Da aber die schon erzielte Verständigung über dcn Warea- uab Zollverkehr für ein kurzes Zwischen- !ft abt um genügen würde, hätte sich die Zu- 'spitzung des dentsch-französifchen Verhältnisses leicht vermeiden lassen, wenn man in Paris von vornherein den aufrichtigen Wunsch gehabt hätte, mit Deutschland ein gut nachbarliches Verhältnis auf der Grundlage der gegenseitigen Meistbegün­stigung herzustellen.

Das Provisorium.

; Der der deutschen Regierung von Der fran­zösischen Regierung überreichte Entwurf eines Dreimonatlichen Provisoriums sichert den Franzosen die Möglichkeit der Verlänge­rung über drei Monate hinaus. Das Recht der zollfreien Einfuhr in das Saar- gebiet fällt fort. Die Franzosen verlangen die fristlose Verlängerung der elsah- lvt h'r ingischen Kontingente in voller Höhe. Das Recht dec Meistbegünstigung; wird nicht hergestellt. Außerdem verlangen sie Bindung unserer Zollsätze. Durch das Provisorium würde das Saargebiet völlig seinem Schicksal überlassen. Diesen maßlosen Forderuw- gen steht als Gegen lei st u n g von französischer Geite gegenüber, daß sie uns ihren Minimal­tarif für eine gewisse Anzahl von Waren cknbieten. Welche das sind, geben sie nicht be­kannt. Für eine zweite Liste von Waren werden uns sogenannte Zwischentarise angeboten, die zwischen dem Minimaltarif und dem Gene­raltarif liegen. Heber diese Liste lassen sie uns jedoch im Dunkeln, um uns zu einer gründ- sählüchen Stellungnahme zu bringen. Don Bedeutung Ist, daß sich Frankreich nicht verpflichtet, diese Sätze überhaupt rinzuhalten.

Sie gelten für Die jeweiligen Sähe des fran­zösischen Zolltarifes, d. h. Frankreich kann sowohl fernen Minimaltarif tote auch Die Zwischensätze jederzeit erhöhen. Umgekehrt verlangt man von uns nicht nur die volle Meistbegün­stigung, sondern auch die Bindung der Zoll­sätze und Aushebung Der Einfuhr­verbote nach dem Ruhrgebiet.

Preußen.

Das Zentrum für Braun. ----- Das Rumpfkabinett vor dem Landtag.

Berlin, 8. Ian. (TA.) Die Zentrum«- sraktton des preußischen Landtags nahm folgend« Entschließung an: Die Fraktion hall die Der- fassungsiechtliche Auslegung des Art. 45 der Preußischen Verfassung durch die Deutsche Dolls­partei, wonach Die Reuwäh -l des Land­tages Die Demissionierung d eS Kabi- nettes zu r Folge haben müsse, für un­richtig. Sie schließt sich Der Auffassung, ihrer Kabinettsmitglieder vollinhaltlich an.

Die Deiliner Presse hält es nun für fest­stehend, daß das Kabinett Draun ohne Die beiden volksparteilichen Minister vor den Landtag treten wird. Die Germania bemerlL dazu, die nächste Zell werde lehren, daß es auch ohne Volkspartei in Preußen gehen werde. Der Vorwärts teilt mit. daß die Ge­schäfte des preußischen Finanz- und des Unter­richtsministeriums von Den S taatssekre- täten weitergeführt werden sollen.

Neue Papyrusftmde.

Von Professor Dr. C. Fries.

Der Krieg hatte die deutsch-englischen De- tjiehungen auch auf dem Gebiet brr Aus^ra- bungdtütigEeit unterbrochen, und die b.iben be­kannten Archäologen Er nsell und Mu ll, die früher immer deutsche G.lehrte zur Aisdeutung ihrer Oxycrhy ch.r-s-Pa y i Heia ge o en, ve.- ließen sich jetzt auf sich selbst. Run sind diese Fäden wieder nngefnüpit und Die alle Arbeit kann mit neuer Kraft einfthm. In seien Papyri haben sich im letzten Jahr? toUfcer wichtige Lite- raturtexte g f-unben, die Obecstud.enrai Karl Fa W. S cy m i d t in denGöttinaer G -lehrt- n^An- zeigen" mit eignen Lextvecbefsecunzsn miUellt.

An theologischen Fragment.n gibt es ein Papyrusblcllt aus der Apologie des Aristides, etwas vom Hirten des H nnaS, Reste einer Pre'llgt aus der Zeit der Völk rwon. erung. Aach Von S^dom, Kain und Dal am ist die Rede, der Text ist unklar. Dann gibt es einen christ­lichen Hymnus mit Roten.

Bedeutender sind die klassischen Texte. Ein Pa/yrus auü Dem >-r tien Oaurijirnb rt nach Christus bringt sehr beschädigte Fragmente von Sappho, in denen sie ihres eigenen Ruhmes gedenkt. Er strahlt, soweit die Sonne leuchtet, und wirb auch im Hobes nicht vergessen. Andere äolische Lieder dürften von Mcäus herstammen, so Die Sch'lderung eine« vom Sturm gepeitsch-.en Schiffes.

Sin dorisches Fragment wird dem Ibykos zugeschrieben: es enthält das Lob der Helden, die nach Troja geigen sind. Einander Papyrus- fetzen enthält etwas aus einem Päan. Pincars, Der die delphische Tempellegende behandelt. Don KallimachoS ist ein SiegeSlied für S sibios er-. hallen, einen Offizier des König PtolemäuS Phi- labelphus, der einen Sportpreis erhalten hat.

Ein alexandrinisch es G richt ist ver­stümmelt erhalten, und auch D;r Dich.er ist nicht festzustellen. Ich gebe den Text dcs Bruche stückes in eigener liebeefdjung hier:

»Räher zu ihm hin trat ftc und sprach: Kind. Kind, cs geziemt nicht

Kalt an dem Kleinen vorüberzugehen; er bettelt um Brot nur,

Weiß er das Händchen auch nicht zur Ditte zu heben, die Stimme

Richt zu schicken und nicht des Mitleids Gabe zu heischen.

Ja, dies ist mein einziges Kind, tot ist der Erzeuger,

Lieh mit dieses zurück und eilte von hinnen. Ich Arme

Blieb einsam und im Jammer zurück, und die Hoffnungen brachen

Ferneren Lebensgewinns, hohl steht mit das Haus und verödet.

Wettetwendifche Lose des Glücks Den sterb­lichen Menschen!

Wie die Regel der Würfel im Spiel, so jene des Glückes.

Heute Den einen erheben dir Würfel mit win- fenbem Glücksstand.

Heben ihn hoch in die Fülle der Lust, und morgen den andern.

Reich wird heute der Bettler und morgen ein Bettler dec R.iche.

Also schleudert doS Glück die beweglichen Flü­gel im Kreise.

Heber den Menschen, bevorzugt diesen, ver­spottet den andern.

Ich war mir fefber einmal die Spenderin labenden Tranks und

Reicher Speise für viele, ja Wie du mich siehst hier in Lumpen.

Acker war mein und gesegnete Mur und prangende Gärten,

Schafe besaß ich in Herden, Das alles entriß mir das Elend

And die erbärmliche 2ll>t. Run irr' ich ver­lassen und bettle

Durch die bevölkerte und Keiner geleitet die A -me.

Die ergreifende Klage der unglücklichen Mut­ter mit dem Kind aus Dem Arm vor Dem reichen Jüngling dürfte aus sozialen Gedankengängen jener Zeit erwachsen sein. ES fehlt jede Möglich- kell, es literarisch zu lokalisieren.

Sin anderer PapyruS bringt ein botanisches Lehrgedicht. Zuerst ist von Cyklamen die Rede, einer ägyptischen Verwandten unseres Alpen­veilchens.

>»3a, wohl merkt sie den Rll, wenn er annaht, wann er verschwindet",

und dann zieht sie kräftig Wasser mit der großen knolligen Wurzel ein. Oder von der Dattelpalme ist die Rede:

Hoch steigt dann die Schwelle des Rils, hoch breiten sich ringsum

Korn und Früchte zu Häuf, der Strom schafft lachenden Wohlnanö,

Heber das ganze Land find reifende Früchte gebreitet."

Wie die Palmen Dann auf Deichen zur Be­festigung nach altem Herrenbrauch angepflanzt werden und vor Flut und Hungersnot schützen, lehrt DaS Folgende.

Von einem BaumPersia" oderPersea" ist dann Die R2de, der seine Früchte au5 dem Stamm hecaustreibt. In anmutigen, rhytrni.ch vollendeten Versen wird der Stoff wirklich poetisch behandelt, wie es jener zierlichen alexandrinischen Kunst eigen war und wie es auch die plastischen und kunstge­werblichen Reste so köstlich zeigen.

Hnter den Prosatexten findet sich ein anonymes Werk über Alexander den Gro­ßen fragmentarisch, ebenso eine Rede zur Ver­teidigung des wegen Hnterschleife angeklagten Redners Demosthenes. Eine Reihe von bunt durcheinander gesetzten biographischen Anekdoten über berühmte Männer und Frauen wirkt wie eine Schülerarbell, wie Schmidt meint. Es ist noch mancherlei erhalten, Glossare, dann auch viele Teile aus erhaltenen Klassikern, zum Teil in an­tiker Kurzschrift, tote sie bei den Römern bekannt- lich CiceroS Sklave Tiro erfunden hat, und Dialogstellen auS verlorenen Dramen. Der nächste Band foll byzantinische Urkunden bringen, Die vielleicht geschichtliche Nachrichten von Wert ent­halten.

Diese Papyrusbändc gehören immer zu den wichtigsten Publikationen Der ganzen Altertums­wissenschaft, und es ist unerfindlich, warum das große Publikum über diese Dinge fast nie unter­

richtet wird. Hier fami.man ja gerade Die Vorzeit unmittelbar an der Quelle studieren. Wir sehen direkt in bas Leben und Treiben vergangener Jahrtausende hinein, als wäre es durch ein plötz­liches Raturereignis unterbrochen worden.

Aus dem

Frankfurter Theaterlebsn.

Las alte Jahr beschloß das Operetten- Theater mit dem Mafsary - Gastspiel in der Strauhfchen OperetteDie Perlen Der Kleopatr a", Oskar Strauß erschien selbst am Dirigenlenpult, Das ganze aus verkaufte Haus wap in denkbar gehobenster Stimmung. Diesmal ist nicht nur die Bühne, sondern auch das Pu­blikum ein ausgezeichneter Rahmen, in welchem Die für die Operette transponierte Aegypter- Königin äußerst ausgiebig liebt. Drei Liebes­abenteuer lassen die Librekttsten Grünwald und Brammer ihre Kleopatra bestehen. Rummec eins Sllvius, Der sich jedoch später nach einem bürgerlichen Glöckchen mit einem kleinen Mädel sehnt, zweitens Prinz DeladoniS, ein schneidiger Junge, und zuletzt jetzt toiib die Sache geschichtlich Marc Antonius, dec fesche Toni, Jeder Der Drei bekommt Den historisch be­rühmtenPerlentranl" kreDenzt, Das Ganze hat einen stark parodistischen Einschlag und flotte Mtlieuzeichnung und vor allen Dingen Humor, Oskar Strauß übersetzte mit klangvollem Ge­schmack dos Textbuch in das Reich bet Tone, ct umspinnt die Handlung mit einem Retz musika­lischer Gedanken und Einfälle. Die Aufführung unter der Leitung Dr. Reinhard Bruck war in ihrer Gesamtheit ausgezeichnet, trotzdem war Fritzi M a s s a c y der Geist, der über den Wassern schwebte. Diese Frau würde selbst die echte Kleopatta an die Wand drücken. Eine prächtige Type in Spiel und Maske schuf Reul als Minister Pampylos. Parodistisch vorzüglich Direktor Dewalds Marc Anton. Richt enDen- wolle.rder Beifall rief Massary, Oskar Strauß und unsere hiesigen Künstler vor die Rampe.

L. W.