Fräulein Fob.
Roman von Anders G j e.
14. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Ich möchte so furchtbar gerne wissen, was bann nach unserem kleinen Souper bei Herrn Mumm im Hotel Savoy sich weiter zugetragcn hat..... Also, jetzt ist es herausgesagt!"
Fellips war auf diese Frage vorbereitet, und auch auf die Antwort. Cr lächelte, ohne jede Verlegenheit, und nippte am Wein.
„Fangen wir mit dem Abend an, der Ihrem kleinen Gastspiel folgte. Ich brachte diesen Abend nccen meine Gewohnheiten in einem Cafe zu. Wissen Sie, in welchem?"
„Imperial."
„Richtig."
„Sie suchten nach Fräulein Lisa?"
Fob kicherte vor Vergnügen.
„Stimmt. Ich suchte nach Fräulein Lisa. Es war meine Absicht, sie um Entschuldigung zu bitten, — um damit anzufangen. Ich lasse mich mutterseelenallein an einem Tisch nieder, mit einem Stotz Zeitungen als Reserve. Ich hatte absichtlich den Tisch in der Rähe der Kasse gewählt, um die Mädchen im Auge behalten zu können und wartete nun .....“
„Mich zu sehen?"
„Ich wollte an die Kameradinnen des Fräu« leins Lisa keine Fragen stellen. Man weitz, wie getratscht wird, und ich wollte feinfühlig sein wie ein katholischer Veichtvater. Also sitze ich da, lese Zeitungen, trinke Grog, rauche Zigarren. Es wird elf, nirgends ein Fräulein Lisa? Run, denke ich mir, Fräulein Lisa hat vielleicht ihren freien Abend Rümmer zwei, wenn sie sich nicht am Ende krank gemeldet hatte. Bei dieser zweiten Alternative fühlte ich Gewissensbisse, Fräulein Fob. Als es mir zu lange währte, beschloß ich, den Versuch tagsdarauf zu wiederholen. Ich bezahle und gehe, in einer Stimmung, die hätte besser sein können."
„Jetzt ist es an mir, Gewissensbisse zu spüren, Herr Fellips."
„Am Abend darauf saß ich schon um neun Ähr an meinem Tisch, und die Kassierin begrüßte mich mit einem Lächeln des Wiedererkennens, — etwas, das mir seit der Studentenzeit nicht mehr geschah. Diesmal war ich in das Revier eines der Keller geraten. Aber auch das half nichts. Ich entfalte eine Zeitung und forsche in den Saal hinab, ob sich zwischen den Säulen nicht das Fräulein Lisa zeigen werde."
„Gerade in diesem Augenblick war ich auf dem Wege nach Kairo."
„Danke. Leider war ich von dieser liebenswürdigen Tatsache nicht unterrichtet und blieb also auf meinem Wachtposten. Aber die Stunden verannen, — vergebens. Schließlich sehe ich ein, das; auch die Feinfühligkeit ihre Grenzen hat, ich suche mir eine der jungen Damen aus, die ein wenig diskreter aussieht als ihre Kameradinnen, und stelle an sie jene Frage, die mir schon seit Stunden auf der Zunge brennt. Ia, antwortet sie, gewiß ist Fräulein Lisa hier. Sie hat jetzt nur einen anderen Dienst."
„Run?"
„Rach einigem Herumreden erfuhr ich, daß Fräulein Lisa seit einigen Tagen ihre Wirksamkeit in den ersten Stock verlegt hatte, und es gelang mir auch, mein diskretes Fräulein dazu zu bringen, eine Begegnung zu arrangieren. Die Ärsache ihres belustigten Lächelns konnte ich mir erst später erklären, als ich Auge in Auge der Dame gegenüberstand, die ich für Sie gehalten habe. Wenn Sie sich ein Porträt der Königin Viktoria von England aus ihren älteren Tagen vorstellen, deren Züge von Kultur h.iö Intelligenz jedoch wegretuschiert, so haben Sie das Bild des Fräuleins Lisa vom ersten Stock."
Fob wurde schrecklich lustig. Das einzige, was ihr Vergnügen beeinträchtigte, war, daß Papa Fili nicht mit am Tisch sah, sondern sich mit dem Bericht über Herrn Fellips' Abenteuer aus zweiter Hand begnügen muhte.
„Die Geschichte wurde dadurch nicht gemildert," schloß er, „daß ich stets eine ausgeprägte Antipathie gegen die alte Mama des Königs Eduard hatte."
Fob entdeckte erst, als es schon zu spät war, daß ihre Absicht schändlich mißlangen war: den Bankier über den Verlauf seiner Auseinandersetzung mit der dritten Person des Dramas auszuholen. Als sie sich dessen entsann, hatte Herr Fellips ihr schon die Hand zum Abschied gegeben und das Versprechen erhalten, an einem der nächsten Tage bei Papa Fili den Tee nehmen zu dürfen.
V.
Bei den Sommergast en auf Carolhi.
Stell dir einen schmalen, mit kreideweißem Schneckensand bestreuten Fahrweg vor, der sich wie eine faule, freundlich gesinnte Riesenschlange zwischen smaragdgrünen Wiesen und topasglitzernden Getreidefeldern dahinringelt, da und dort von tief herabhängenden Älmenkronen väterlich beschattet. Wenn der Wagen von der großen
Landstraße mit ihrem gelben, erstickenden Staub und ihren unerträglichen Wassergräben nach dem Eisenbahnübergang, der dich ganz durcheinanderschüttelt, hier einbiegt, bist du — zerrädert und verärgert, gerade bereit, die ganze Reise auf- zugeben. Aber da beginnt der weihe Schneckenweg. Ohne daß du es erwartest, fangen d^e Räder wie vergnügte Katzen zu spinnen an, und der Wagen fliegt vorwärts wie ein Schiff auf einer niemals von Wogen aufgerührten See.
Die Pferde schnauben vor Entzücken über den starken Duft, der von den Feldern und Aeckern aufsteigt, sie wittern reichen Hafer im Stall. Die Hälse strecken sich und die silbernen Klöppel der Kandaren schlagen Millionen von Funken in der Sonne. Mit seinen in Stulpenhandschuhen steckenden Fäusten hält der Kutscher die feurigen Tiere im Zaum, — er hat ein feines Ohr für die Musik der Räder und duldet nicht, daß sie gestört wird. Der Reisende, dessen Trommelfell noch von den Tramwayglocken und den Auto- hupen zerrissen ist, vernimmt plötzlich ein nervenberuhigendes Saufen zu dem gedämpften Geklapper der Pferdehufe, und die Falte über den Augenwinkeln bekommt auf einmal einen minder starken Schatten. Er überrascht sich selbst bei dem Wunsche, der Weg möge bei der nächsten Biegung noch nicht zu Ende fein, — und er ist es auch nicht.
Droben am Waldrand steht das Gebüsch in festlichem Grün, und von dort herab verstreuen sich Eichen und Buchen — so wie losgelassene Stubenhocker im Frühling — in wachsenden Gruppen über den heiter gestreiften Kanevas des Wiesengrundes bis herab zum Weg. Gleichzeitig gibt ein unsichtbarer Dirigent von irgendeiner goldgesäumten Baumwollwolke herab sein Zeichen, — der Oboe - Ton unter den Wagenrädern ist der Auftakt zu einer rauschenden Kaskade von fliegenden Flageoletten im zwitschernden Dur irgendeiner sechsfach gestrichenen Oktave. Mit dem Buchfink auf einem anderen Baum spielt die Drossel eine Doppelkapriole des schönsten Dreiklanges, der Pikkolo des Zeisig hat die Flöte des Domherrn zu einem girrenden Duett herausgefordert, und die Kohlmeise hat ihre Verwandte, die Blaumeise, überredet, bei den Triolen der Sekondklarinetten mitzuhelfen, während ein halbes Dutzend Heimchen inbrünstig dabei ist, die pastorale Symphonie zu irgendeiner Zugnummer für ein amerikanisches Tingeltangel herabzuwürdigen.
Dann kriecht der Schneckensandweg um einen moosbewachsenen Felsenvorsprung herum, der im
Profil recht gefährlich aussieht, seine Brust aber für die Einfälle der Liebespaare entblößt hat. Auf eine Felsenplatte hat man plumpe Herzen gezeichnet, wohlgemeinte Amorpfeile und hochzeitslüsterne Initialen mischen sich mit den gro- teskesten Substantiven der Sprache. Diese phantastische, aber im Grunde unschuldige Orgie wird von einem, im grellsten Rot hingemalten „Ma- tilda" gekrönt, was jedenfalls Liebe für ewige Zeiten bedeuten soll, aber schon sind die Ränder angenagt und ist die Farbe im Verblassen.
Quer über den Weg howen die auf beiden Seiten emporkletternden Iasminhecken eine Mauer von schweren, lieblich einschläfernden Düften errichtet. Der Wagen dringt ein in Duft und Sonnengold und bewegt sich gegen eine riesenhafte Sturzsee von violett funkelnden Fliedersträußchen, die eine weihgestrichene Mauer überfluten, einen Leuchtturm in diesem Meer von Grün und Blumenpracht. Lieberschneit von den lichttrunkenen Reflexen scheint der kreideweiße Schneckensandweg hier sich den Blumen ergeben zu wollen. Der Reisende hat das Gefühl, als sähe er in einem Schiff, das geradeaus auf eine Klippe zufährt, — der Weg mutz hier unbedingt ein Ende haben. Aber gerade im letzten Augenblick öffnet sich ein Loch auf der Backbordseite, ein rasches Manöver mit dem Steuer, und es geht weiter in neue Sommerwunder.
Wie eine in der Mitte auseinandergeschnittene Riesenbirne breitet -sich. der Platz vor der Villa Carolyi aus. Ganz drohen am Hols der Birne haben sich die Kronen der Ulmen zu einem mächtigen Resonanzboden umarmt, der ei, ganzes Orgelwerk brausender Stimmen zurückwirft, wenn der Wagen hecangleitet. Es ist das pompöse Finale der Streicher in rasch steigendem Creszendo, unterbrochen vom Trompetenschall zweier vor Freude wahnsinniger Hunde, die vor und zwischen den Hufen der Pferde einen lebensgefährlichen Tanz aufführen. Wenn dann der Fußtritt des Wagens schon die Treppe streift und du ein blankes Silberstück in die erwartend hergestreckte Hand des mit der Peitsche salutierenden Kutschers gelegt hast, hat die Steifheit deine Knie vollständig verlassen, — belebt wie von einem leichten Moselrausch und mit einem Appetit auf alle guten Mahlzeiten der Welt nimmst du die Treppen in drei federnden Schritten und küssest der Wirtin die Hand, auch wenn du noch so gut weißt, daß sie solche Kavaliersgebräuche verabscheut.
(Fortsetzung folgt.)
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Internationale Mädchenhändler an der Arbeit
Im Laufe des vergangenen Jahres sind in Neu- york nicht weniger als
3000 Mädchen und Frauen spurlos verschwunden.
Die polizeilichen Nachforschungen wurden stets dadurch sehr erschwert, daß die Angehörigen der Verschwundenen sich meist erst nach längerem verzweifeltenWarten an die Polizei gewandt haben. Unverzügliche Meldungen bei dem nächsten Polizeiamt sind unbedingt erforderlich.
Die Neuyorker Polizei erläßt nicht nur diese Bekanntmachungen von Zeit zu Zeit in den ge- lesensten Zeitschriften und auf großen Plakaten. Sie hat auch an einem Riesen-Film mitgewirkt, der den Titel führt:
„Die Mädohenhändler von Neuyork“.
Der Verfasser dieses Films ist der ehemalige Polizeipräsident Richard Enright, der seit länger als einem Jahrzehnt als der bewährteste Verfolger und Entlarver der Mädchenhändler gilt. Er kennt alle ihre Schliche und Schlupfwinkel und hat schon Tausende von unglücklichen Frauen und Mädchen wieder in den Schoß ihrer Familien zurückgeführt.
Seinem Einfluß ist es zu danken, daß der
Polizei-Präsident von Neuyork
sämtliche KriminalbeamtederSecbs-Millionen-Stadt zur Mitwirkung an dem erwähnten Film befohlen hat. Mehr als viertausend Beamte sind bei Herstellung des Films tätig gewesen, der alle die für uns unglaublichen Macht- und Hilfsmittel veranschaulicht,über welche dieNeuyorkerPolizei verfügt
Das internationale Mädchenhändlertum
ist ein großkapitalistischer Trust mit festgefügter Organisation. Gewaltig ist auch seine Macht, weitreichend sind seine Verbindungen, und es ist charakteristisch, daß das reichste Land der Erde sich nur mit Aufgebot aller Kräfte dieser internationalen Verbrecher erwehren kann. Nun hat man aber eine Genoral-Offensive gegen die Mädchenhändler eröffnet und der von Polizeikommisser Enright geschaffene siebenaktige Film gibt die Mittel und Wege an Er hat für die ganze Welt das spannendste Interesse und wird von Donnerstag, 9 Juli, ab im Rahmen eines großen neuen Spielplanes im
„Lichtspielhaus“
zur Vorführung gelangen. 6650c
Astorla-Uchtsplele
6653c Heute große
Lustspielwoche
(3) am 5.f6.u.7. September 1925
Es sind auf dem Festplatz (Trieb) der Betrieb in der Festhalle, 5 Bierhallen und ein (Eaf£, außerdem verschiedeneDerkaufsstände, Waffelbuden usw. zu vergeben.
Meldungen sind bis zum 15. Juli d. I. bei unterzeichnetem Ausschuß einzureichen, woselbst die Bedingungen zu erfragen sind.
Der Wirtschafts-Ausschuß:
Der Vorsitzende: Der Schriftführer:
Ph. Herrmann. E. Stieber.
Meldungen sind an den Vorsitzenden, Selters- weg 12, Nebengebäude, zu richten. öööid
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Orte der Rabenau:
Londorf: Donnerstag, den 9. Juli l. I., nachmittags 2 Uhr.
Orte des Bnsccker Tals:
In Reiskirchen: Frei tag. den 10. Juli
l. I.. vormittags 7‘/2 Uhr:
in Grofien-Buseck: Freitag,den 10.Juli
I. I., vormittags 11 Uhr.
Schiffenberg und Umgegend:
Dienstag, den 14. Juli l. I.. mittags um
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Auf § 21 der Satzung wird verwiesen. Die Pferde find ohne Geschirr vorzuführen. Grünberg, den 6. Juli 1925.
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