Ausgabe 
7.7.1925
 
Einzelbild herunterladen

Der Prozeh gegen Angerstein.

Die Aussagen des Angeklagten.

(Eigner Bericht desGießener Anzeigers". Nach­druck, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe gestattet.)

* Limburg, 6. Juli 1925.

Dor dem Schwurgericht Limburg be­gann heute der Mordprozeh gegen den Hand­lungsbevollmächtigten Fritz Heinrich Anger - st e i n aus Haiger. Das Gerichtsgebäude ist poli­zeilich abgesperrt: nur Personen mit Einlaßkarten und Pressevertreter mit Ausweisen dürfen das Iebäude betreten. Den Vorsitz führt Landge- cichtsrat Roth, als Vertreter der Aicklage sun- gieren Oberstaatsanwalt Dr. Bac meister und Ierichtsassessor Dr. Hofmann. Die Derterdr- ;ung des Angeklagten führen Rechtsanwalt D i l l m a n n aus Limburg als Offizialvertei­diger und Rechtsanwalt Dr. Herzfeld aus Lssen als Wahlverteidiger. Wegen der Lange der Verhandlung ist ein Ergänzungsgeschworener ;ugezogen.

Der Angeklagte wird an den Händen ge­fesselt kurz vor Begum der Sitzung in den 5aal geführt. Hinter ihm nehmen auf der An- 'lagebank zwei Polizeibeamte, neben ihm ein 9efängnisbeamter Platz. Vor dem Richtertisch verden auf einein großen Tische die Äeberfüh- mngsstücke aufgebaut. Darunter befinden sich das )tm dem Angeklagten bei der Tat benutzte Veil, der Hirschfänger, die Denzinbehälter usw.

Punkt 91/» Ähr vormittags betritt der Ge- üchtshof den Sitzungssaal, dem Angeklagten Iper» >en die Fesseln abgenommen. Zu der heutigen Verhandlung sind als Sachverständige Professor Dr. Popp aus Frankfurt a. M., Professor Dr. Jahrmärker aus Marburg, Professor Dr. Raecke aus Frankfurt a. M., Kreismedi- inalrat Dr. D e n b a u m aus Linrburg geladen. Ferner teilt die Verteidigung mit, daß sie von ich aus unmittelbar den Äniverfitätsprofessor Dr. Herbertz aus Vern geladen habe.

Der Angeklagte wird nachdem die Be­eidigung der Geschworenen erfolgt ist zunächst ,ur Person vernommen. Er gibt an. am 3. Jan. 391 in Dillenburg als Sohn des Hüttenarbeitevs Angerstein geboren zu sein, seine Kindheit in Dillenburg Äs zu seinem 14. Lebensjahr verlebt md die Seminarschule besucht zu haben. Er ist >ann sechs Jahre lang in dem Landmesserbureau n Dillenburg tätig gewesen. Im Herbst 1913 sei r mit einem Gehakt von 65 bis 70 Mark monat- ich bei der Rassauischen Bergwerks-Gesellschaft ils technischer Beamter beschäftigt gewesen. Im Februar 1917 ist er nach Haiger gekommen und )ort bei der Firma van der Zypen als Hand- ungsbevollmächtigter tätig gewesen. In Erledi-- ;ung von Grundbuchsächen habe er von der Firma Deneralvollmacht gehabt.

Im Jahre 1911 habe er the Barth ms Wetzlar geheiratet. Wegen der zu frühen heirat hat er sich mit seinen Eltern entzweit, llus der Ehe sind keine Kinder hervorgegangen, »agegen habe seine Ehefrau 5 Fehlgeburten ge­labt. An Vermögen hat Angeklagter bei Ein­gehung der Ehe gegen 1000 Mk. gehabt. Der llngellagte behauptet, mit seiner Ehefrau in glücklicher Che gelebt zu haben. Dis zu seinem 0. Lebensjahr will der Angellagte stets gesund gewesen sein, erst später habe er Augen- und llasenkrankheiten, sowie solche des Kehlkopfes gehabt, deretwegen er seit 1905 bis 1906 dauernd n ärztlicher Behandlung war. Er behauptet, an eine Firma einen Anspruch von 3040000 Mk. u haben an rückständigem Gehalt usw.

Es erfolgt nunmehr die Verlesung des Er- 'ffnungsbeschlusses. Dem Angeklagten wird in »iesem

Unterschlagung, schwere Urknnden- sälschung, Urknndenvernichtung, Mord in 8 Fällen, Brandstiftung und Meineid

:ur Last gelegt. Sämtliche Straftaten fallen in das Zahr 1924, der Mord, Urkundenvernichtung. Brandstiftung und Meineid in die ersten De- embertage 1924. Es werden nun zunächst die Fälle der Unterschlagung mid schwerer Irkun-enfälschung behandelt.

Der Angellagte, der seine Erklärungen im . Flüstertöne abgibt und vom Vorsitzenden wieder- lolt aufgefordert wird, lauter zu sprechen, gibt u, Belege fingiert zu haben, um Fehlbeträge u decken. Er erblickt aber hierin keine straf- iare Handlung, da es sich um Ausgaben für iie Firma handelte. Rach den vorgelesenen Be- egen handelt es sich um Beträge von 30 bis 500 Mark, und zwar alle im ersten Halbjahr 924. Im Ganzen handelt es sich um 8900 Mark. Der Angeklagte gibt auf Vorhalt zu, sich einen Wandschrank für Rechnung seiner Firma haben infertigen zu lassen. Er behauptet, Gelder für Seamtenbestechungen und sog. SHmiergelder im Interesse der Firma ausgezahlt zu haben. Auf >ie Frage, an wen diese Gelder gezahlt worden ind, verweigert der Angeklagte die Aussage. Drotz des Vorhalts des Vorsitzenden, daß eine olche Weigerung Rückschlüsse zulasse, erklärte >er Angeklagte, daß er seine Helfershelfer nicht lenne. Später seien dann Gelder von ihm er» >reßt worden unter Ausnutzung der angeblichen mlauteren Machenschaften der Firma. Bezüglich >er zweiten Hälfte 1924 gibt A. an, fortlaufend betrüge aus der Kasse der Firma genommen u haben. Er selbst habe für sich Grundstücks» äufe getätigt und dafür etwa 4000 Mark au-8» gegeben. Als dem Angeklagten bezüglich der An- aben nach dieser Richtung hin seine früheren Aussagen vorgehalten werden, erklärt er, daß eine heutige Auslassung richtig sei. Außerdem ab er an, im Jahre 1916 auf ein Lotterielos iner außerpreußischen Lotterie, deren Ramen er ächt kennen will, 32 000 Mark gewonnen zu >aben.

Runmehr tritt das Gericht in die Erörterung er einzelnen Mo rdtaten ein und man merkt »em Angeklagten eine innere Erregung an. Den Geschworenen werden die einzelnen Lichtbllder »orgelegt, daraus sie sich von den Verletzungen ind der Lage der Getöteten ein llares Dlld nachen können. An der Wand hinter der An­lagebank hängt ein Plan von .der Villa des Angeklagten, ferner liegen dem Gericht 3 Tafeln ron dem Grundriß der einzelnen Räumlichkeiten n>r.

Der Angellagte erklärt, daß er am Samstag >or der Tat die Löhne und Gehälter der Angestellten ausgezahlt Hube. Sein eigenes Ge­walt habe 390 Mark monatlich betragen, außer­

dem habe er freie Wohnung usw. gehabt, so daß nach seiner eigenen Schilderung von einer Rot- läge gar keine Rede sein kann. Am Rachmittage sei er in Dillenburg gewesen und erst gegen 8 Uhr abends nach Haiger zurückgekehrt. Da er Kopfschmerzen hatte, habe er Aspirin ge­nommen und sei dann schlafen gegangen. Am Tage selbst habe er mit dem Prokuristen Rix, der hinter die Delegfälschungen gekommen war, eine Auseinandersetzung gehabt. In der Rächt seien dann in der Rähe des Hauses mehrere Schüsse gefallen. Er sei aufgestanden, habe das Haus von oben bis unten durchsucht, aber nichts gefunden. Seine Ehefrau habe sich aber in einer furchtbaren Erregung befunden, und am folgenden Tage, dem Sonntag, stellten sich bet ihr Herz­krämpfe und Darmkatarrh ein.

Er selbst sei am Sonntag um 3 Ähr Dorrn, aufgestanden. Gegen 11 Ähr sei er dann zur Post gegangen, um die Postsachen abzuholen. Den ihm Begegnenden erzählte er von der nächt­lichen Schießerei, und bei seinem Rachbar Müller erfuhr er dann, daß dessen Söhne einen Geburts­tag eingeschossen hätten. Er sei dann nach Hause gegangen und habe seiner Frau erzählt, was er von seinem Rachbarn gehört hatte. Die Er­regung bei seiner leidenden Frau war aber einmal da und damit auch die damit zusammen­hängenden Begleiterscheinungen. Da er auch Kopfschmerzen gehabt habe, sei er am Rachmittag eine Stunde spazieren gegangen. Als er nach Hause zurückgekommen sei, fetzte er sich mit seiner Schwiegermutter zusammen an das Bett seiner Frau und unterhielt sich mit dieser. Abends legte er sich zu Bett, nachdem er sich noch ver­gewissert hatte, daß alles gut abgeschlossen war.

Der Angeklagte gibt weiter an, daß am Freitag vor der Tat er in das Zimmer seiner Frau gekommen sei und diese dabei angetroffen habe, wie sie etwas verstecken wollte. Auf seine Frage, was das zu bedeuten habe, erklärte ihm seine Frau, sie habe ihren letzten Wunsch nieder­geschrieben und legte den Umschlag auf dieWäsche, wo ihn der Angeklagte später gefunben hat. Dieser Brief gelangt zur Verlesung. Er beginnt mit den Worten:Letzte Ditte an meinen ge­liebten Mann." Dann schrieb die Frau des Angeklagten, daß sie so jung sterben müsse, bittet ihren Ehemann, ihre Mutter und Ella, die t^hwester. nicht zu verlassen und trifft Anord­nungen über ihre Beerdigung und Chorgesang an ihrem Grabe. Der Angellagte behauptet, daß er im Jahre 1921 schon einmal einen ähnlichen Abschiedsbrief von seiner Frau erhalten habe, in dem seine Frau zum Ausdruck brachte, daß sie in den Tod gehen wolle, damit er von ihr befreit werde und glücklicher werden könne, da sie ihm das von ihr erhoffte Glück nicht bringen könne. Damals hätten sie beschlossen, beide ge­meinsam ins Wasser zu gehen, und er habe schon seine Frau zu diesem Zwecke auf dem Arm gehabt, als, wie der Angellagte angibt, eine Männer­stimme das Liedjenseits des Stroms" fang und er dadurch von seinem Vorhaben abgebracht wurde.

Am Sonntagabend gegen 10 Ähr legte sich der Angellagte zu Bett, mit heftigen Kopf­schmerzen und Darnckatarrh. Gegen 2 Ähr ist er plötzlich aus dem Schlafe aufgeschreckt worden, seine Frau sei in äußerster Erregung gewesen und die Mutter zu ihr heruntergekommen. Er wollte zum Arzt gehen, was die Mutter aber nicht zuließ. Hinter der Tür hätte er gehört, wie sich die beiden Frauen von einem Brief unterhielten, den sie von Wetzlar erhalten hatten und der unerfreuliche Rachrichten enthielt. <2*cr Angellagte will sich nun in höchster Erregung be­funden haben, zumal er selbst krank war, das Leiden seiner Frau bald nicht mehr ansehen konnte und zu dem Entschluß kam, mit seiner Frau aus dem Leben zu scheiden. Er holte aus dem Schreibtisch im Herrenzimmer einen Revol­ver und will ihn unschlüssig eine Stunde lang in der Tasche herumgetragen haben. Als et dann schließlich die Waffe auf seine Frau anlegte und losdrücken wollte, entrang ihm die Frau den Revolver und sank ohnmächtig zurück. Jetzt wollte der Angeklagte mit einem Hirschfänger seinem Geben ein Ende machen, holte diesen in der Scheide herbei und legte ihn zu sich auf daS Bett. Rach einer kurzen Weile stach er auf seine Frau, die quer im Bette lag, blindlings mit dem Hirschfänger ein, er hörte noch seine Frau sagen:Sein eigenes Weib, Vater, vergib ihm. Fritz, vergib mir". Runmehr lief er entsetzt in sein Arbeitszimmer, wo zwei geladene Re­volver lagen, um sich zu erschießen. Da die Re­volver aber nicht losgingen, legte er sie in den Schreibtisch zurück und ging in den Keller, nm ein Beil zu holen und sich die Hand abzu-' schlagen.

Plötzlich hörte er seine Schwiegermutter, die sich schon längere Zeit vorher in ihr Zimmer begeben hatte, schreien. Der Angelagte erklärt, daß jetzt plötzlich eine Erregung über ihn kam durch die Erinnerung daran, daß seine Schwiegermutter sei­ner Frau schon manchesmal Unrecht getan habe. Er stürzte mit dem Beil in der Hand aus dem Keller hinauf und schlug seine Schwiegermutter nieder. Das war zwischen 2 und 3 Uhr nachts. Nachdem er die Schwiegermutter, die mitten im Schlafzimmer lag, niedergeschlagen hatte, dachte der Angeklagte, daß seine Frau sich doch einmal aufrichten könnte, und versetzte ihr nochmals mehrere Beilhiebe.

Bezüglich der Krankheit seiner Frau gibt der Angeklagte an, daß ihr Gewicht zum Schluß 72 Pfund betrug. Um seine Frau in die Meinung zu versetzen, daß sie auf dem Wege der Besserung sei, legte er bei dem wöchentlichen Wiegen der Frau immer ein besonderes Gewicht auf die Wage, um damit eine Gewichtszunahme vorzutäuschen.

Der Angeklagte gibt zu, keine zwingenden Gründe gehabt zu haben, seine Schwiegermutter zu töten. Auf Vorhalt gibt er zu, daß es bereits im Jahre 1923 zu einem Auftritt mit seiner Schwieger­mutter gekommen sei, weil diese den Reisbrei für feine Frau habe anbrennen lassen. Seine Frau sei damals infolge des Streites fortgelaufen, während sich die Schwiegermutter in ihr Zimmer einschloß. Er habe damals geäußert, als er seine Frau suchen ging, er werde seine Schwiegermutter nieder- schießen, wenn er seine Frau nicht finde.

Er gibt weiter zu, daß er auch einmal wegen eines angebrannten Reisbreis seine Schwieger­mutter ins Gesicht geschlagen habe.

Als er die beiden Frauen erschlagen hatte, be- nieilte er, daß das Dien st mäbchen Stoll die Treppe heruntergekomen war. Als sie den Ange- Ilagten mit der Axt in der Hand sah, flüchtete sie

auf den Speicher. Der Angeklagte folgte ihr und erschlug sie dort mit dem Beil. Auch hier gibt ber' Angeklagte zch keinen Grund gehabt zu haben, das Mädchen zu töten

Hierauf ging er in die Küche und wusch das blutige Beil am Wasserhahn ab. Vorher war er noch einmal in das Schlafzimmer gegan- gen^und hatte noch einmal auf Frau und Schwie­germutter eingeschlagen. In der Küche setzte er sich auf eine Holzkiste und schlief ein, es kann inzwischen 3 oder 4 morgens geworden sein. Das Beil hatte er in der Küche hingestellt. Der Angeklagte erwachte erst, als es am Morgen in der Dämmerstunde schellte. Es war der Düro- gehilfe Heinrich Kiel erschienen, den er wie­der weg schickte, um Brötchen zu holen. In­zwischen hatte der Angellagte mit dem Zeugen Schauß, der angekommen war, eine geschäftliche Sache erledigt. Der Angeklagte ging nunmehr vom Bureau aus nach oben und mußte sich auf dem Klosett übergeben.

Der Gärtnergehilfe Geis war inzwischen erschienen und bat um Kaffee. Da in der Küche kein Kaffee vorhanden war, ging der Angeklagte in das Schlafzimmer, wo noch eine halb ge­füllte Kaffeekanne stand, um sie für Geis zu holen. Als er die dort liegenden Leichen sah, kam wieder eine solche Erregung über ihn, daß er in die Küche zurückging, das Beil ergriff und den Geis, mit dem er in ein Ringen tarn, vor der Küche auf dem Flur niederschlug. Er sah nun plötzlich den Dureauangestellten Dit- te r t vor sich stehen. Dieser wich entsetzt zurück und flüchtete nach dem Herrenzimmer. Der An­geklagte verfolgte ihn und schlug ihn im Herren­zimmer nieder. Als Dittert erschlagen war, hörte der Angellagte, daß Geis noch stöhnte, und er schlug daher nochmals auf ihn ein, bis dieser stumm war.

Der Bureaugehilfe Kiel war inzwischen mit den Brötchen angekommen, sah Dittert im Herren­zimmer liegen und flüchtete in das Eßzimmer, wohin ihn der Angellagte verfolgte und eben­falls niederschlug. Auf die Frage, ob er Kiel auch mit dem Hirschfänger gestochen habe, er» klärte der Angellagte, er wisse das nicht.

Nunmehr reinigte ber Angeklagte roieber bas Beil in ber Küche unb setzte sich in bas Herrenzim­mer, wo er ben Kopf in bie Hänbe stützte. Es bau­erte nicht lange, als feine Schwägerin Ella Barth von einem Ausflug zurückkehrte. Er hörte sie nach bem Mäbchen rufen. Darauf schloß er bie Haustür ab, ging nach oben unb erschlug seine Schwägerin auf ihre Frage, wo bas Mäbchen sei. Diese Leiche beberfte er mit ber von ber Schwägerin mitgebrach­ten Decke, ba er nach seiner Angabe bie Leiche bes Kinbes nicht sehen konnte. Der Angeklagte gibt bie Möglichkeit zu, seiner toten Schwägerin zugerufen zu haben:Auch bu hast große Sünbe an Käthe getan." Der Angeklagte reinigte bann bas Beil unb ließ es oben an ber Tür zum Speicher stehen. Enb- lich erlebigte er noch ein Telephongespräch mit ber Güterabfertigung, bie ihn angerufen hatte. Weiter hatte er noch eine geschäftliche Angelegenheit mit bem Fuhrmann Theis erlebigt. Danach holte sich ber Angeklagte aus bem Keller einen Apfel.

Als er roieber zurückkam, war ber Gärtnergehilfe Darr in bie Wohnung gekommen. Nach kurzem Ringen erschlug er biefen burch Beilhiebe. Sodann hatte ber Angeklagte mit bem Zeugen Dämme- r i g eine kurze Besprechung unb schloß, als bieser weg war, bie Dorbertür ab, währenb er bie Hin­tertür offen ließ.

Dann, so gibt der Angellagte an, sei ihm die Erinnerung an die von ihm gefälschten Be­lege gekommen und er habe diese nun ver­brannt. Inzwischen war der Maschinenmeister Ebert erschienen, um eine elektrische Leitung zu legen. Diesem hat er noch einen an seinen Bruder gerichteten Brief zur Besorgung über­geben. Während Ebert noch da war, kam auch der Däckerjunge und brachte zwei Brote, ferner kam der Postbote und brachte eine Zustellung vom Finanzamt. Den an Ebert übergebenen Bries will der Angeklagte schon am Samstag ange­fangen, aber erst am Montag beendigt haben. In dem Brief, der zur Verlesung gelangt, kün­digt der Angellagte seinem Bruder den Besuch seiner Frau für Freitag an. Der Angellagte gibt zu, den Sah:Die Damen kann man nicht nachts alleine lassen" erst am Montag ge­schrieben zu haben, als die Tat bereits ge­schehen war.

Es folgt nunmehr die Verlesung der Aus­sage des Zeugen MaschinenmeisterEbert, der zur Zeit krank in der Gießener Klinik liegt. Aus der Aussage geht hervor, daß es dem Zeugen Ebert auf fiel, daß die Eingangstür zum Hause Angerstein an jenem Tage verschlossen, was sonst nicht der Fall war. Auch ist dem Zeugen das aufgeregte Benehmen des Ange­klagten aufgefallen.

Als Ebert fort war, wollte der Angellagte die Leichen vom Blute reinigen. Er holte zu diesem Zwecke eine Kanne Benzin aus dem Keller, gab aber sein Vorhaben auf, da es ihm zu viel Arbeit war. Der Angaklagte gibt weiter an, er habe gewußt, daß der Vater des er­schlagenen Darr in Haiger arbeitete, und wollte diesem erzählen, daß er seinen Sohn erschlagen habe. Der Angeklagte bestreitet, das Wasserbassin abgelassen und das Benzin ausgegossen zu haben. Der Angeklagte ging dann, nachdem Evert weg war und er die Absicht des Waschens der Leichen aufgegeben hatte, in die Stadt und erledigte verschiedene Besorgungen.

Nach seiner Wohnung zurückgekehrt, faßte er ben Entschluß, seine Villa inBranbzu st e ck e n. In bem Keller, wohin er sich zunächst be­gab, schlug er noch ben einen Schäferhund), ber sich bort befanb unb ihm in bie Beine lief, nieber. Dann zünbete er an verschobenen Stellen bas ausge­gossene Benzin an, so baß bie Flammen hoch auf» loderten. Als bies geschehen war, lief ber Ange­klagte aus bem Haufe hinaus unb brachte sich oer­schiebene Stichverletzungen in Arm unb Brust bei. Er bestreitet, Kassette unb Löffel in ben Garten mit­genommen zu haben.

Der Angeklagte kam bann, wie bekannt, in bas Krankenhaus, wo er oerbunben würbe. Am nächsten Tage, als Zeuge über ben Vorfall vernommen würbe, tischte er bann bas Märchen von bem Raub­überfall auf feine Behausung auf. Diese Aussage hat ber Angeklagte auch beschworen.

Gegen 5 Uhr nachmittags wurde die Verhand- lung unterbrochen unb bie Fortsetzung auf Diens­tag vormittag 9 Uhr vertagt.

Bürgermeisterwahlen im Kreise Gießen.

* Trohe, 6. Juli. Bei der gestern statte I gehabten Bürgermei st erwähl wurde der seitherige Bürgermeister Schmidt mit 6/e aller abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Der Gegenkandidat H. W. B r ü ck erhiell 29 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war sehr stark, es haben 95 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch ge­macht.

1*1 Allendorf a. d. Lahn, 6. Juli. Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Volk wieder­gewählt.

m. Hausen, 6. Juli. Bei der gestrigen Bürgermei st erwähl machten von 359 Stimmberechttgten 333 ( 93 Proz.) von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Bürgermeister Ludwig Happel I. wurde mit 202 Stimmen wieder- gewählt, sein Gegenkandidat Karl I o st er­hielt 123 Stimmen. Die übrigen 3 Stimmen waren zersplittert, bzw. ungültig. Am Abend wurde dem Bürgermeister ein Fackelzug und Ständchen gebracht.

T Langsdorf, 5. Juli. Auch hier fand heute Bürgermei st erwähl statt. Als Kan­didaten waren aufgestellt der seitherige Bürger­meister Wilhelm Bender H. und als Gegen­kandidat Hermann Kneipp IL Letzterer trug mit 429 gegenüber 138 Stimmen für Dender den Sieg davon. Mit dem Wahlergebnis sind die kühnsten Erwartungen der Partei Kneipp über­troffen, vermochte doch der seitherige Bürger­meister noch nicht V4 der abgegebenen Stimmen auf sich zu vereinigen.

* Bellersheim, 6. Juli. Gestern wurde Bürgermeister Georg Friedrich Müller einstimmig zum Bürgermeister wieder­gewählt. Ein Gegenkandidat war nicht auf­gestellt. Von 419 Stimmberechtigten stimmten 315 ab.

* Mus chenheim, 6. Juli. Die gestrige Bürgermei st erwähl ergab die Wieder­wahl des bisherigen Bürgermeisters Becker mit 221 Stimmen. Sein Gegenkandidat Heinrich E i s e r erhielt 151 Stimmen. Wahlberechtigt wa­ren 395 Personen, davon machten 372 von ihrem Stimmrecht Gebrauch.

* Inheiden, 6. Juli. Bei der gestrigen Bürgermei st erwähl wurde unser bis­heriger Bürgermeister Otto Reih mit 234 Stim­men wiedergewählt. Ein Gegenkaichidat war nicht ausgestellt. Am Abend wollte der etwa 30 Jahre alte Arbeiter Otto Rupp einen Freudenschuh anläßlich des Wahlausganges abfeuern. Er benutzte dazu einen Spreng­stoff, der aber vorzeitig explvd'ierte und dem Manne die rechte Hand am Hand­gelenk abriß. Der Bedauernswerte, der ver­heiratet ist und drei umnündige Kinder hat, wurde in das Krankenhaus nach Hungen ver­bracht.

* Queckborn, 6. Juli. Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl wurde Bürgermeister Albert einstimmig wiedergewählt. Von 416 Stimmberechtigten wählten 285. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt.

* Geilshausen, 6. Juli. Bei der hie­sigen Bürgermei st erwähl wurde der seit­herige Bürgermeister Ludwig Wagner ein- ] stimmig wiedergewählt.

Schöffengericht Gießen.

* G i e ße n , I.Juli. Der Landwirt unb Bür» germeifter St. in R. hatte sich wegen intellektueller Urkundenfälschung unb wegen Abgabe wissentlich falscher Erklärung vor bem Registergericht, Vergehen gegen § 147 bes Genossenschaftsgesetzes, zu verant­worten. Er war Direktor ber Molkereigenossenschaft, würbe aber mit bem ganzen Vorstanb in ber Gene­ralversammlung vom 1. Juli 1924 feines Amtes enthoben. Am 3. Juni erschien er vor bem Amts­gericht Friebberg unb legte eine Austrittserklärung mit einem weit zurückliegenben Datum vor mit ber Behauptung, er habe biefe Erklärung versehentlich in seinem Tisch liegen lassen; tatsächlich habe er seinen Austritt zur früheren Zeit erklärt. Die Staats- anwaltfchaft steht auf bem Stanbpunkt, bie Aus­trittserklärung fei erst nachträglich schriftlich feftgetegt ' worben unb falsch. Nach längerer Beweisaufnahme gelangte bas Gericht zur Freisprechung; es hielt bie Möglichkeit für gegeben, baß bie Austritts­erklärung richtig fei.

Die mehrfach vorbestraften Arbeiter M. H. unb S. M. werben wegen Rückfallbiebstahls zu Gefängnis st rafen von 1 Jahr unb 1 Jahr 6 Monaten verurteilt. Sie finb über« führt, mit einem zur Zeit flüchtigen britten An­geklagten in ber Heil- unb Pflegeanstalt in Gießen, in welche sie sich nachts unter Anwendung von fal­schen Schlüsseln eingeschlichen hatten, eine größere Anzahl von Kleibungsstücken gestohlen zu haben, biefe haben sie bann in Frankfurt a. M. an Hehler abgefetzt. Der eine Angeklagte hatte ein umfassendes Gestänbnis abgelegt.

Turnen, Sport und Spiel.

Sport im Dienste der Menschenliebe.

Von Gustav Putzte, Berlin.

Es ist noch nicht lange her, baß bei bem Wort Sport" von fast allen beutfchen Mitbürgern nur an Rekorde unb Silberhumpen gebucht mürbe. Die Vereine unb Verbänbe haben viel Aufklärungs­arbeit leisten müssen, bis erkannt würbe, baß ber Wert ber sportlichen Betätigung in her Stärkung unb Pflege des Körpers unb bamit ber Hebung ber Gesunbheit liegt.

Wer aufmerksam burch bas Leben schreitet unb auf frühere Jahre zurückzublicken versteht, ber wirb gesehen haben, baß sich ber Typ z. B. bes höheren Schülers völlig veränbert hat.

Einst krumme, brillengeschmückte, bleichwangige Gestalten, zu 50 Prozent vom Turnen bifpenfiert. Heute schlanke, wohlgebaute, flaräugige Jungen unb Mäbchen. Das hat bie burch bie Werbearbeit ber Verbänbe herbeigeführte unb lange genug von ben Schulverwaltungen bekämpfte sportliche Betätigung ber Jugenb herbeigeführt.

Gesunb unb stark wollen wir unsere Jugend machen, mit klaren Augen soll sie in bas wirtschaft­liche Leben treten unb wohlausgerüstet ben Kamps um bas tägliche Brot aufnehmen können!

Trinkt ,Schwalbacher-Stahlbrunnen

Das vorzügliche natürliche kohlensaure Mineralwasser. 6559J)

|6<!ieTQn'P'S ß<r

Da «wahrer ben Ä bring'*

- !>' f

L-A) Miken- sgnbe. E>n erholen immer - '-er Mer tfpSi

StzS ! Ten ^Sn ifeinb fei ad-r 2 uebungsge "Ms

Rimmer konnte e «WM Xe MitrrentwicklunS , MM mehr äufne i beMgen tonnen-

?n her »nMichel über auch die ®ur* imttmchts. Solange ' men in du lange wrrd die W I bem. . ...

Die Jugend will nicht an geeigneter en habet unb schwimmt l< unb kümmert M m 3ugerrbem loden ®eia

So wirb es klar, da Mn/chentiebe erzieht, erjagen muß. So mu durch des Schwimens Dpsern führen.

hier fetzt nun ein Schwimmern huvvrge Deutschen Schwimm- Dumerschait getragen Mtungs-GeMchast. tu jammen, denen durch Ertrinken zu morden ist.

3n Wort unb 6 ? M Rumpfe fiepen l iiin durch Sfuftlänn Wjrpönpe M 'Mill si ganz Deutschland üt Im gefährdeten Stelle lo zu können. Schon Deutschen Lebens-M Rittern das Leben.

hier stellt sich ber C Webe.

Vom

Lom HereinUfert Weben:

schon im Bericht o an dieser Stelle unsere kritiker dahingehend n Vgen Rudervereinen wi arbeitet werde. Die h Wtten, bei denen die Mnen beteiligt wäre,

>5 erbracht, daß he erbeutet

EMainimTchkier nnöbei der am A.» veranstalteten 2t. Bu ? hefige Mergele * um ben Lab ft ?,e«r fiegreid ' schort 1913, Gj V ? a beteiligt war

W die überlegene ""/kommen fon ober anerkc

Ä

J öranfiurt q w reich, x ferner < Win ? ^tzt Ne ft" l^furt »fe M.r V°"er j Nchb' (!e beiden Nen.^n h er ? IP0« Deutlich l ^tgt ,,en ebenS^ (Er man nf/NN , VQUa en(S "Na

5 Astr K weiter ?^ner 9tuh?en beo 1 'M Lj,!., 191,3

'5«

1