Ausgabe 
7.4.1925
 
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Borah für zuruckyaktenoe Europapolitik.

Washington, 7. April. (TU.) Senator ^torah hat in Chicago eine Rede gehalten, in der er feine alle Tl)ese verfocht, daß die Vereinigten «taa- len nicht allzu starken Anteil an den Geschicken Eu­ropas nehmen sollten. Amerika habe schon mehr <t (5 genug getan. Seine Soldaten hätten den Sieg im Weltkrieg errungen und wir haben für Diesen Dienst weder Reparationen noch A n n e r i o n e n beansprucht. Ferner Hobe 2Ime^ rita durch den Dawes-Plan die tödlich vernich­tende Wirkung des Versailler Vertrages, den Eu­ropa in einer Stunde des Wahnsinns sich selbst als Lebensgesetz auferlegt Hal. erleichtert. Dennoch mache man den 'Amerikanern den Vorwurf, sie interessier­ten sich nicht genügend für das, was außerhalb ihrer eigenen Grenzen vorgehe, und schloffen sich in egoi­stischer Isolierung ab. Demgegenüber wolle er be­tonen. daß Amerika zuerst und vor allem an sich selb st denken müsse. Die internatio­nalen Verpflichtungen müßten anerkannt werden. Dabei dürfte man jedoch nicht zu weit gehen, die eigenen Interessen zu vernachlässigen. Rur ein freies unabhängiges Amerika könne mithelfen beim 'Aufbau eines neuen internationalen Rechtsoerfahrens zur Sicherung des Welt­friedens, damit ein für allemal das Recht an Stelle der Gewalt trete.

Stillstand in den Sicherheits- paKt-Derharrdlungen.

London. 7. April. (T. U ) In den Verhand­lungen wegen des deutschen Sicherheitspoktvor- schlages ist, wie dos nicht anders zu erwarten war, ein gewisser Stillstand eingetreten. Einerseits sind durch die Krise in Frankreich irgend­welche entscheidenden Beschlüsse unmöglich, ander­seits ist dis erwartete Rote der französi­schen Regierung bisher noch nicht eingetroffen. Weitere Verzögerungsoründe liegen in der jetzt be­ginnenden größeren Unterbrechung der politischen Arbeiten durch die P a r l a m e n t s s e r i e n zu Ostern und zu Pfingsten. Bis yir Parlamentsver- togung gegen Ende Juli mühten die gesamten Probleme durchberaten und entschieden werden, wenn am 15. August die R ö u m u n g d e s R u h r- g e b i e t s durch die Franzosen erfolgen soll.

Italien sür den Garantiepakt.

Paris, 7. April. (1. U.) fta<h Vlättermel- düngen aus Rom wurde offiziell bekonntgcgebeu, daß Italien die Unterzeichnung eines Garantie- Paktes Zwischen England, Frankreich, Belgien, 3ta* lien und Deutschland befürwortet und Vorschläge, sofort in Verhandlungen zwischen Rom, London, Paris und Brüssel zur Unterzeichnung des Garan­tiepaktes einzutreten.

Rakowski wieder in London.

London, 7. April. (WTB. Funkspruch.) Rakowski, der russische Botschafter in Lon­don, ist nach dreimonatiger Abwesenheit wieder in London eingetroffen. Seine erste Handlung ist ein Besuch beim F o r e i g n Office gewesen. Cs ist aber nicht bekannt, ob dies dazu berechtigt, von neuen englisch-russi­schen Verhandlungen zu sprechen. Die Sowjetregierung sieht sich durch den Druck der Umstände gezwungen, ihre Politik gegen das Kapital zu andern. Es besteht Grund zu dev Annahme, daß Rakowski gesagt haben wird, die englische Regierung sei vollkommen bereit, Puhland eine Anleihe in Großbritannien auf» nehmen zu lassen. Die augenblickliche Lendenz Aht aber dahin, politische Fragen nicht aufzu­werfen. Rakowski wisse dies.

Die belgischen Uammerwühlen.

Der Wahlsieg derbelqischenLozialisten

Paris. 7. April. (TU.) Der Wahlsieg der Sozialisten hat die kühnsten Erwartun­gen übertroffen. Richt nur die Liberalen haben eine schwere Niederlage erlitten, sondern auch die K a t h o l i k e n sind mit starken Verlusten aus dem Wahlkampf hervorgegangen. Rach dem BrüsselerTempo" Korrespondenten hoben die So­zialisten nach vorläufigen Schätzungen 7 Sitze ge­wonnen. Die Liberalen verlieren 56 Sitze, die Katholiken 2. Die Separatisten gewinnen,soweit bis­her feststeht, 1 Sitz. Besonders liefen Eindruck macht die Einbuße der Katholiken, die schon einen großen Sieg hatten verkünden lassen. Die neue Kammer wird wahrscheinlich aus 77 Sozia­listen, ebenso viel Katholiken und ungcsähe 26 Li­beralen sowie 6 andern Abgeordneten sich zusam­mensetzen. Man rechnet hier mit zwei Möglichkeiten:, die Bildung eines k a t h o l i s ch - s o z i a l j st, > ch liberalen Konzentration s k a b i n e t t s ober dem Zustandekommen einer sozialistisch- liberalen Koalitionsregierung.

Ein belgisches Kriegsgerichts- urtett.

Das Kriegsgericht von Brabant hat den Kommandeur der Bremer' Schutzpolizei. Oberst Caspari, früheren Hauptmann im Infanterie^ Regiment Rr. 75 wegen Erschießung eines belgischen Geistlichen aus Antgar-- d e n in contumaciam z u m T o d e v e r u r t c i (t. Zu diesem Urteil veröffentlicht Oberst Caspari eine Erklärung über den Feuerüberfall auf das Infanterie-Regiment Rr. 75 bei dem deutschen Vormarsch am 18. 8. 1915. Danach fragte vor­dem Einmarsch der Truppen in das belgische Städtchen Antgarden der damalige Hauptmann Caspari den Ortsgeistlichen, ob die Ortschaft, von d e r Z i v i l b e v 6 (t e v u n g g e r ä u m t sei. Dar Geistliche bejahte diese Frage, woraus das Regiment mit dem Geistlichen an ibev Spitze in den Ort einstig. Bei einer Degebiegung cmae-- sich^s einer errichteten Barrikade versuchte der Geistliche zu entkommen, was ihm jedoch nicht gelang. Darauf setzte ein heftiger Feuernder fall auf das Regiment ein. Als erster fiel der Geistliche den Kugeln feiner eigenen Landsleute zum Opfer.

Entscheidungskampf im Kurdenausstand.

Angora, 7. April. Die Regierungstruppen sind in Drei Kolonnen, aus verschiedenen Rich­tungen marschierend, tief ins Aufstandsgebiet ein­gedrungen und haben di« Haupt st ütz-- punkte der Rebellen eingenommen. Büie verlautet, ist es gelungen, die Rebellen zum entscheidenden Kampf um ihve letzten Positionen zu zwangen. Augenblicklich ist ein verzwei

fettes 'Jungen ttn t^angc. dessen '«ausgang als das Ende der Ausstandsbewegimg bc^ich- net wird.

Der Ausstand in Südwestafrika.

K -p st adt, 6. April. (WTB.) General H e r tz o g gab bekannt, daß die Rädelsführer des inzwischen ohne Kamvf beendeten Auf st and cs im Rehobothgebiel bestraft würden. Die Aufständischen haben sich mit ihren 'Waffen ergeben. Eine gerichtliche ^Inwisuchnng wird sich mit der Lage des Rehobvthstammen befassen.

Das Kabinett Braun.

Berlin, v. April. (1.1L) Amtlich wird mit- geleilt, daß der preußische Ministerpräsident Braun das Kabinett in feiner bisherigen Z u - fammenfehung neu ernannt hat.

Der Tschekaprozeh.

Leipzig, 6. April. (WTB.) In der Rach- mittagssitzung des Tfchekaprozesfes begonnen die Plädoyers, Rechtsanwalt S d) u m ichen erklärte für den Angeklagten Diener, daß dessen Tätig­keit der Polizei bekannt gewesen und infolge­dessen nicht strafbar. Der Verteidiger Reu­manns, Rechtsanwalt Goldstein, wendet sich dagegen, daß die Grupps Reumann mit der russischen Tscheka gleichgestellt werde. Reumann selbst halte er für völlig unzurechnungsfähig, da­gegen sei er in bestimmten Augenblicken infolge feiner labilen Willensveranlagung anders zu be­urteilen als ein normaler Mensch. Die Fortsetzung der Plädoyers findet am Dienstagvormittag neun Uhr statt.

Die EeVerkschastsvettketer beim Kanzler.

Berlin. 6. April. (LA.) Auf Antrag der Spitzengewertschaftrm wurden heute vormittag die führenden Persönlichkciten aller gewerkschaftlichen Richtungen durch den Reichskanzler in Gegenwart des Reichswirtfchaftsmini-- stors. des Staatssekretärs Dr. Geib sowie von Bertretern der anderen Reichsxessorts emp­fangen. Bon Len Gewerkschaftsvertretern wurde die Wirtschafts- und sozialpolitische Loge vom Standpunkt der Arbeitnehmer ausführlicv dar- gelegt. Es trat dabei die Befürchtung zutage, daß die politische Entwicklung in einer Rich­tung verlaufe, die infolge zuweitgehender Scho­nung des Besitzes wichtige Belange der Arbeitnehmer, insbesondere auf dem Gebiete der Sozial-- und Steuerpolitik gefährde. Die Vertreter der Äeichsregierung nahmen die Ausführungen der Gewerkschaftsvertreter zur Kenntnis und stellten eine Prüfung der vorge- tragenen Wünsche In Aussicht. Insbesondere er­klärte box Reichskanzler. dc.'ß die Reichs- regleiung nach wie vor den Erfordernissen der Sozialpolitik vollstes Ber st ä n d« wird sich mit der Lage des Rehobothstammes den Arbeitnehmer kreisen in den schwebenden Fra­gen weiterhin in Verbindung zu bleiben.

Das Hernsr Eisenbahnunglück vor Gericht.

Herne, 6. April. (BSD.) Vor dem erwei­terten Schöffengericht Herne begann am Mon- tagvormittag der auf zwei Lage berechnete Her- ner Hisenbalmprozeß. Es handelt sich dabei um das am 13. Januar im Ba hnbof Herne vorgesallene E i s e n b a h n - TI n g l ü ck. bei dem 23 Personen getötet und weit über 60 verletzt wurden. Angeklagt ist wegen fahrlässiger Gisen-- bahntianspoitgesährdung, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung der Lokomotiv­führer H a b e r k a m p aus Hamm. Dieser ver­harrt bei feiner Vernehmung entschieden bei der schon in der älnterfuchung gemachten Bekundung, daß be ider Einfahrt des l)-Zuges im Bahnhof Herne sowohl das Vorsignal wie auch das Haupt- signal ans Fahrt frei gestanden und daß er das hierfür erforderliche grüne Licht gesehen habe. Er sei bei dem dichten Rebel mit gerin­gere'. Fahrt geschwindigleit in den Bahnhof eins gefahren. Die Anklage hält diese Angaben für unzutreffend und durch die Feststellun­gen als widerlegt. Sie kam zu dem Schluß, daß beide Signale in Wirklichkeit auf Halt standen und von Haberkamp überfahren wor­den seien. Zudem sei er trotz dichten Rebels mit großer Geschwindigkeit In den Bahnhof ein- gefahren. Die Verhandlung wurde hierauf auf 3 LIhr nachmittags vertagt.

Dev Lokomotivführer des O--Zuges, Haver­kam p. gab an. daß er am Tlnglückstage seine TI hr vorschristsmäßig in Hamm g e ft e I l t und mit der Zugführeruhr verglichen habe. 3 nDort- mund habe der Rebel begonnen. Das Vorsignal habe auf Halt gestanden, ebenso das Hauptsignal. Er habe rechtzeitig gebremst und fei nicht zu früh in Herne eingofaffren. Er behauptet, daß die älhren verschiedener Bahnhöfe voneinander abweichen.

Die Verteidigung beantragt die Be? Weiserhebung darüber, daß schon Fälle vorge­kommen. daß der M e ch a n i s m u s des Stell­werks versagt habe. Sie macht sich anheischig, 19 solcher Fälle unter Beweis zu stellen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft ist dagegen, so daß das Gericht beschloß, hie Sachverstän­digen zu Horen. Reichsbahn-Oberrat Rudol­phi hält ein Versagen bei mechanischen W ichen- anlagen für möglich, nicht aber bei elektrisch betriebenen Stellwerken. 3m Gegensatz zu diesem Getachten stellt der Gutachter Lokom-üivsührer H o h a u s unter Beweis daß fünf Tage nach dem Hemer .Unglück in Köln auch ein Visagen ves elektrisch betri-edenen Meck,^n'smus stattge­funden habe. Es wird bie Möglichkeit eainer Schuld des Fahrdienstleiters erwogen.

Der Dank

des Reichswehrmmi^ers,

Darmstadt, ö. April. (TU) Auf das Bei- leidstelegramm des L a n d t o g s p r ä f i b e n t e n Adelung an den Reichsmehrminister Dr. Geß- ler aus Anlaß des Unglücks non Beltheim ging folgendes Antworttelegrnmm des Reichswehr- Ministers ein:

Ihnen und dem Hessischen Landtage sage ich für den Ausdruck des Beileids zum Un­glücke von Veltheim immens der Reichswehr tief­empfundenen Dank. Ich habe ihn den beteiligten Truppen übermittelt. Reichswehrminister Dr. Geßlsr."

Aus aller Welt.

Ein Film des Roten Kreuzes.

3n Anwesenheit von Vertretern der Reichs­und Landesbehörden und der Stadt Berlin, des Chefs des Heeressanitätswesens und des Präfi- denten des deutschen Roten Kreuzes, v. hinter» feldt. fand heute nachmittag die Üraufsiihrung des LehrsilmSErste Hilfe hei Unglücksfällen" in der Urania statt. Der Film, der in ganz Deutschland gespielt werden soll, zeigte in er­greifender Weise, wie mit geringen Mitteln bei schweren Unfällen, fei es im Verkehr, im Beruf oder im Sport, geholfen werden kann. Er zeigte deutlich, wie auch der Laie leicht sachverständige Hilfe geben rann. Der Film fand den ftärtften Beifall der großen 'Versammlung, in der sehr viele Aerzte, Sanitäter und Krankenschwestern anwesend waren.

Trauerftier

für die Opfer dcS Böhlener Bauunglücks.

Am Montag vormittag fand aus dem Fried­hof zu Medewihsch bei Dresden die Stauer» feier für die Opfer des Böhlener Dau- u n g I ü ck s statt. Rach Gedächtnisreden der katho­lischen und evangelischen Geistlichen sprachen Ver­treter der Hauptverwaltung, des Aussichtsrats ber Aktiengesellschaft Sächsische Werke, der gesamten Belegschaft, der Amtshauptmannschaft Borna, der Kreishauptmannschast Leipzig und der bauaus­führenden Firma. Dio Toten sollen in ihre Heimat ubergesührt werden. Die letzten zwei noch unter den Trümmern liegenden Verunglückten hofft man sehr bald bergen zu fömien.

Bisher 44 Opfer des Weserunglücks geborgen.

Wie der Telunion von amtlicher Seite mit» geteilt wird, sind bis Montag abend 44 Opfer des Weserunglücks geborgen worden.

Genickstarre-Epidemie im Saargebiet.

3m Ortsteile Papiermühle der Gemeinde Schwa Ibach (Kreis Saarlouis) ist eine Ge­nickstarre-Epidemie ausgebrochen. Dis jetzt sind im ganzen drei Todesfälle zu verzeichnen, während 5 Ertränkte nach Saar­louis bzw. Wadgassen (Kreis Saarlouis) ins Krankenhaus gebracht werden mußten- Die K i n= ber des betroffenen Ortsteiles von Schwalbach dürfen die Schule nicht besuchen und die Ar­beiter nicht zur Arbeit gehen. Auf diese Weise ist die Epidemie l o k a l i j i c i t und eine Aus­dehnung auf andere Teile der Gemeinde so gut wie ausgeschlossen.

Waldbrand bet Berlin.

Am Sonntag entstand durch Ausflügler in der Wuhlheide bei Köpenick ein Waldbrand, dem der Baumbestand auf einer Fläche von 3000 Quadratmeter zum Opfer fiel. Auch am Wandlitzsee von Berlin brach durch Unvor­sichtigkeit von Ausflügler» ein Walddrand aus. Ferner werden aus den Kreisen Teltow und Ricderbarnim Wald- und Wiesenbrände ge­meldet.

Mord und Selbstmord.

Rach einer Meldur« aus Berlin, hat der 43iähriste Spielbankvireiror Hoffmann, der mit seiner 25 3ahre jüngeren Frau in Scheidungsklage lebte, in einem Berliner Hotel sich und feine Frau, die er 411 einer letzten Zusammenkunft gebeten hatte, erschossen.

Wieder ein Eisenbahaunglück in Frankreich.

Der Schnellzug von Chalons zur Marne nach Rouen stieß auf der Strecke mit einem anderen Zugezusammen. Der Lstvmotiv- führer und ber Heizer wurden getötet. Zehn Fahrgäste erlitten schwere Verletzungen. Das ist innerhalb weniger Tage das fünfte Eisenbahn­unglück in Frankreich.

Erdbebenkatastrophe in Mexiko.

Aus Meriko-Cith wird gemeldet, daß Gua­dalupe Viktoria Manurillo in Mexifo mehrmals von Erdbeben heimgefucht toorben sind. Man spricht von Taufenden von Flüchtluchen. Dor Sachschaden soll ungeheuer groß fein, jedoch keine Menschenopfer, da das Erdbeben größtenteils unterirdisch und ohne Erruptionen verlies.

Dieder ein Wirbelsturm.

Durch Funkspruch wird aus M i a m i (Flo­rida) gemeldet: Ein Tornado zerstörte 75 Hau­ser in den benachbarten Ortschaften. Es gab drei Tote und 23 Verletzte.

Entschädigung für die Erben HelsferichS.

Zwischen der Direktion der schweizerischen Bundesbahnen und den Erben des bei dem Eisenbahnunglück von Bellinzona verunglückten Staatsministers a. D. Dr. H e l f s e r i ch wurde, wie ein Berner Telegramm meldet, eine Ent­schädigung von 250 000 Franken vereinbart.

Graf Äeyfer'.ing in Rom.

Der Darmstädter Philosoph Graf Keyser­ling hat in Rom in den letzten Tagen drei Vor trage über Weltanschauung vor einem zahlreichen Publikum gehalten, die große Beach­tung in der römischen Presse gefunden haben.

Karfrettagsprogramm des Rundfunk: ^Parfifal".

Am Karfreitag wird unter der Leitung von Professor Max Schilling von der Sende­spielbühne der Funkstunde in Berlin das Dühnenweihefeslspisl ^P a r f i f a I von Richard Wagner Gufgcfübrt werden. Das Festspiel wird von bet Station Könisswusterhausen aus Wells 74 8 0 über die ganze Welt gesandt werden.

Londons Lrlephonberbindungen.

London, 7. April. (WTB. Funkspruey.) TRornmg Pvjt" berichtet, daß führende Beamte des Post-Ministeriums in den letzten Wochen Versuche unternahmen, die. wie man hofft, bald zu einem Telephon-System führen werden, das ßon&on mit den Großstädten Euro­pas und Asiens verbinden wird. Ver­suche. mit Stockholm. Turin und B e r I i n zu sprechen, waren erfolgreich.

Feuer auf einem Dampfer.

3n Brindisi ist ber Triester Dampfer Candiano" unmittelbar noch seiner Ankunft aus Fiume in Brand gerat eit Gr war nach Tripolis mit einer Holzlavimg unterwegs. Der Dampfer mußte ins Meer geschleppt nyd durch Schüsse versenkt werden.

Wettervoraussage.

Meist trocken, teilweise wolkig, tagsüber warm.

Das westliche Tief zeigt Neigung sich auf.zu- fülley und gewinnt deshalb keinen stärkeren Ein­fluß auf die Wetterlage. Zeitweise stärkere Bewöl- fung und schwache Regenfälle stehen jedoch noch in Aussicht.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 7. April 1925.

Grauen-Geheimnisse.

'Wer hat mehr Geheimnisse, die Frau odee der Mann? 3R es wahr, was ORensrbenksnner behaupten, daß es Geheimnisse geben mässe, selbst für solche Menschen, die sich eigentlich nichts zu verbergen hätten? Klingt es nicht ein wenig romantisch, wenn man hört, daß kluge Frauen manchmal künstlich Geheimnisse ichafßrn. nur um dem Gatten interessant zu bleiben ?

Von Haus aus neigt die Frau mehr zo Geheimniskrämerei als der Mann, das liegt ganz in ihrer Wesensart begründet: sie ist mehr auf Gefühl, als auf Verstand eingestellt, und gibt sich in bet Regel viel leichier zufrieden, wenn sie die gedanklichen Zusanimei-Hängo nicht gleich auf den ersten Blick durchschaut. Ueberhaupt wird sie durch das Geheimnisvolle angezogen Die okkulte Wissenschaft findet ihre Verehrer hauptsächlich in den Reihen der Frauen; meist sind ja auch Frauen die besten TRe'cürn.

Die Frau glaubt lieber, als daß fit wissen will. Sie sucht das Wunder und läßl sich überzeugen, daß bas" Wunder schöner und reizvoller ist. als die nüchterne Auflösung.

3m alltäglichen Leden kann sie vielfach auch nicht ohne Geheimnisse sein. Wenn man z. B. Backfische beobachtet, erstaunt man, was sie alles sür Geheimnis haben und haben müssen; und wehe, wer da mit harter Hand hmcingreift; er soll sich davor hüten, wenn ihm ihre Freundschaft wert ist. Der Zauber der Frau besteht zum greifen Teil darin, daß sie in gewisser Art ge­heimnisvoll ist. schweigen kann und den Anscheir erweckt, daß vieles in ihr verborgen sei. Mcn scheu, die olles sagen und keinerlei Zweifel, mehr übrig lassen, sind uns gleichgültig, dos wissen dis Frauen sehr wohl. Es ist der Hauptzug ihrer Taktit, zu reden und schlau zu schweigen

Der kluge Mann stört ihre kleinen Manöver nicht, ja er begünstigt sie sogar, wenn er ihres Herzens sicher ist. Sie mag ruhig vor ihm das eine ober andere verbergen, wenn ile nur ihre Liebe zu ihm nicht verbirgt. Ist er dieser gewiß, so gewinnt für ihn alles andere dadurch nur um so größeren Reiz.

Rur ist es meistens mit den Geheimnissen der Frauen so. daß sie sie nicht lange tragen können, es wird ihnen schwer, sie in sich zu ver­schließen: fic verplappern sich leicht und wolle, dann doch nicht, daß man cs merk'. auch tkid ist eine Schonung die sie unbedingt verlangen. Hie spielen eben meist ein Spiel, von dem sie gern wünschten, daß man es ernst nimmt, aber nicht zr eins. beim es soll uns Männer ja nur be« schäftigett, 2. B.

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Gies;euor Wochenmatttpreise.

am 7. Mürz (Händlerpreifc).

C- rosteten auf dem heutigen Wochenmarkt Butter dos Pfund 220. Matte 35, Käss 65 btt 70. Wirsing 30. Weißkraut 20, Rotkraut 30 gelb? Rüben tO. rote Rüben 10. Spinat 40, Unter Kohlrabi S. Mrfchgemüse 20, Grünkohl 25. Rosen kohl 70, Feldsalat 100, Endivien 80, Tomaten 130 Zwiebeln 30, Meerrettich 60 bis 100, Schwarz­wurzeln 70. Kartoffeln 5, Aepfe! 15 bis 20 Birnen 12. Dörrobst 35, Honig 40, junge Hahnen 100, Suppenhühner 120. Russe 80 Ps.. (Ster das Stuck 12, Blumenkohl 60 bis 150, Salat 40. Salat gutfen 150, Lauch 5 bis 10. Sellerie 20 bis 80, Radieschen Bd. 30 Ps.

Bornotizerr.

- Tageskalender für Dienstag Stadttheater: Zi'2 4lhr ..Wenn wir Toten er­wachen". - S. C. 1900: Leichtathl. Abtg. 8 Uhl Kaufmännisches Bereinshaus Versammlung. -- Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: «Großmutters 3unge".

Vom Ortsausschuß b0V Genos­senschaft Deutscher Bühn 0 n - Ange­hört g en wird uns geschrieben: W'o in früherer Jahren, findet euch diesmal ein Künstlerfest statt und ztvor am Samstag. 18. April Das Fest hat den UntertitelEine Rächt in Peking" und ist im Stadttheater selbcb, waS einen besonderen Rei^ auf das Publikum ausüben dürfte. 3n den näch­sten Tagen erschrint eine Anzeige im »Gießener Anzeiger" *

Entgleisungen eines Güter» zuges. 3n ber Rächt zum Sonntag entgleiste auf der Main-Wesor-Bahn zwischen Biehra unb Treysa ein Güterzug, wodurch die Strecke für mehrere Stunden gesperrt wurde. Die Schuellzüge nach Hamburg und Berlin erlitten hierdurch größere Derspätuiigem LRenschen sind bei dem XlnfaH nicht zu Schaden gekommen. Der Ma- terialschaden ist nicht bedeutend. Als Ursache des Unfalls wurde Achsenbruch festgestellt. Auch fctei hat sich die bei den Güterzügen emgeführte Luft- biurtbrcmfe wieder bewährt, da es dank dieser Einrichtung gelang, den Zug schnell zum Steh« zu bringen.

D i c V v l k s b a l l e. Der Finanzausschuß für den Volksballe-Bau wendet sich in unserem heutigen Anzeigenteil mit einer wichtigen Mit- teilung an die Bürgerschaft, bereit Aufnterksonv sqmkeit wir hiermit besonders auf jene Veröftenb' Uchung bildenten möchten.

vi Da» (Sin bauen der (Aavteu- Wa! sermesser betrifft eine Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil, die wir brr Aufmerksamkeit der 3ntereffenten empfehlen.

d. Städtische B1 e n n h 01 z v e r st e i - gerung. 'Bei der gestrigen Brenntzolzverstsi- gerung der Stadt Gießen würden folgende Durch schnittspleise erzielt: Buchenscheiter 20 Mk, Cichenscheiter 13 Mk.. Buchenknüppel 14 Mt. Kiescimknüppel 8.50 Ml-, Fichtenlnüppcl 7 Mk- Buchenstöcke 9 Mk.. Fichten stocke 3 Mk. je Rm. Fichtenstangen l. Kl. 35 Mk.. 2. Äl 25 Ml Fichtemeisstangen 1. Kl, 19217?. je Fstm . Buchen' reisig 40 Mk.. (Sidxmrcifig 36 M5. Al Pen reisig 28 Mk. Lindenreisig 35 Mk. je 100 Wellern

tv Personalien. Ernannt wurden. be'- StratanstaltsobeNvachtmeistcr bei der Zellenstraft anftalt in Butzbach, Heinrich Klee, zum Straf' anstoltshauptwachtmeister bei dem Landeszucht' Haus Marienschloß: ber Lehrer Richard Ulrich zu Michelbach. Kreis Schotten, zum Lehrer <u der Volksschule zu Schotten; der Schulamts-' onwärter Otto Weitz aus Reichelsheim, Kreis Friedberg, zum Lehrer an her Volksschule zr Vilbel, Kreis Friedberg; ber Schulamtsanwärter Karl Krüger aus Reichelsheim, Kreis Fried' berg, zum Lehrer an der Voltsschule zu Sceheim.