Ausgabe 
7.3.1925
 
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«e Vinsüyrung eine« amtlichen Stimmzettels fiir die Präsidentenwahl zu dringen. Die Fraktion hält eS für wünschenswert, daß möglichst ein einheitlicher republi­kanischer Kandidat aufgestellt werde. Die Personenfrage wurde noch nicht berührt. Die Fraktion wird erst die Stellungnahme der So­zialdemokratie abwarten, die sich am Samstag entscheiden wird.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 7. März. Präsident Lobe verliest bei Eröffnung der Sitzung Beileidsschreiben, die aus Anlaß des Todes des Reichspräsidenten dem Reichstag zugegangen sind von den Parla­menten von Oesterreich, Ungarn, der Tschecho­slowakei, Ialien, der Türkei, Peru, Lichtenstem, Danzig, Salzburg und dem Landtag von Mecklen­burg-Schwerin und von Mecklenhurg-Strelitz.

Bor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Stöcker (Komm.), der Reichstag möge sich sofort mit der Reuwahl des Reichspräsi­denten beschäftigen. Als der Redner erklärt, der verstorbene Präsident Ebert habe seine Macht ausschließlich für die Bourgeoisie ausgenuht, ver­lassen viele soz'aldemokrarische Abgeordnete den Saal. Reichskanzler Dr. Luther habe auf dem Wege des kleinen Staatsstreichs eigenmäch­tig das Amt des stellvertretenden Reichspräsi­denten an sich gerissen. Der Reichstag dürfe das nicht dulden. Die kommunistische Fraktion ver­lange die sofortige Beratung eines Gesehent- wurfes, wonach der Reichstag einen stellver» t retenden Reichspräsidenten wählt.

Präsident Lobe teilt mit, dah der Aeltcsten- rat sich morgen mit den Fragen beschäftigen werde, die mit der Stellvertretung und der Reuwahl des Reichsprä i". e-.len zu^a nmenhängen.

Abg. Fehrenbach (3) befreitet, daß der Reichskanzler mit der Uebernahme d.r Stel.v.r- trStung die Verfassung verletzt habe. Zu den mit der Präsidentenstellvertretung zusammen­hängenden Fr?gen mühten die Fraktionen noch Stellung nehmen. Der Redner erhebt Cillp uch gegen die sofortige Beratung des kommunistischen Antrages. Damtt ist dieser Antrag für die heu­tige Sitzung gefallen.

Auf der Tagesordnung steht die erste Be­ratung des Gesetzentwurfs über

die Zusatzesteigecung von Renten aus der Inbal'denberslHerung.

Die Dorlage wird dem Sozialpolitischen Aus­schuß überwiesen.

Präsident Lobe erklärt zu der auf Grund von Mitteilungen im Reichsrat erschienenen Pressemitteilungen,

er habe nicht d.e Absicht, den Reichstag während der Vorbereitungen zur Präsidentenwahl a u f längere Zeit zu vertagen.

Hieraus wird die zweite Lesung des Etats des Reichsverkehrsministeriums fort­gesetzt.

Abg. Groß (3.) wendet sich gegen die Ab­sicht, das Speditionswesen zu monopolisieren.

Beim Kapitel der Wasserstraße verlangt Abg. Dr. Most lD. Dpt.) eine einheitliche, klare und zielbewußte Wasserstrahenpolitik in den Händen des Reiches. Es sei ein unhaltbarer Zu st and, daß jetzt das Reich die Derantwortung für die Derwaltung der Wasserstraßen hätte, die Durchführung der Maßnahmen aber in den Händen der Beamten dec Länder liege. Die Rheinschiffahrt erhoffe doch besonders dringend eine klare Wasserstraßenpolitik des Reiches zur Abwehr gewisser französischer Kanalpläne.

ReichSverkehrsminister Dr. Kröhne weist darauf hin. daß eine Differenz zwischen der R iKswnfserstratzenverwaltung und den Ländern übez den Umfang der Organisationsbefugnisse die ^Durchführung der Derwaltung von vornherein gehindert habe. Die Reichsregierung habe daher zur 'Schaffung einer klaren Rechts­grundlage vor kurzem den Staatsgerichtshof angerufen. Die allseitig anerkannte Rotwendig­keit, sämtliche Verkehrsmittel nach Abtrennung der Reichsbahn einheitlich straff zusammen- zufassen, sei nur zu erreichen, wenn Verwal­tung, Bau und Betrieb in eine kurze, klare Ordnung gebracht würden.

Abg. Dietrich-Baden «Dem.) äußert im Interesse der Länder verschiedene Bedenken gegen eine st raffe Zentralisierung Der Reichswasserstraßenverwaltung. Es müsse nötig fein, eine Verständigung zwischen Reich und Ländern herbeizuführen. Das Reich müsse mit größter Wachsamkeit die Ententepläne über bi? deutschen Wasserstraßen verfolgen, damit in dieser Frage die wenigen durch den Versailler Vertrag Deutschland belassenen Rechte nicht noch weiter geschmälert werden.

Der Ctattitel wird genehmigt.

3n der Einzelberatung bespricht Abg. Höl- lein (Kom.) den

Streik der Eisenbahner in Sachsen.

Dieser Streik sei ein Aufbäumen der Eisenbahner gegen die Zustände, die sich nach der Auslie­ferung der deutschen Reichsbahn an das inter­nationale Kapital entwickelt hätten.

Abg. Schumann (Soz.) erklärt, die Sozial­demokraten hatten im vorigen Jahre der Unv> Wandlung der Reichsbahn nur zugestimmt, nach­dem die bindende Zusage gegeben worden war, das die Rechte de r Eisenbahner nicht geschmälert ^würden. Die Kommunisten da­gegen hätten sich bemüht, die Organisation der Eisenbahner zu zerschlagen. Dec Aeichsverkehrs- minister sollte sich um eine Verständigung bemühen, damit der Streik nicht eine weitere Ausdehnung annimmt, und die deutsche Wirt­schaft gefährdet.

Abg. Tremmel (Z.) schließt sich diesem Wunsche an. Die Eisenbahner der unteren Be- soldungs- und Lohngruppen bedürften dringend einer Aufbesserung ihrer Bezüge, besonders im besetzten Gebiet. <

Abg. von Richthosen (Dem.) erklärt zur Tagesordnung, der Reichsjustizminister habe sein Versprechen m einer früheren Sitzung, binnen drei Wochen den Entwurf eines neuen Aufwertungsgesehes den gesetzgebenden Körperschaften vorzulegen, nicht gehalten. Die demokratische Fraktion beantrage daher die Vor­lage eines solchen Entwurfes.

Abg Keil 'S) unterstützt den demokra­tischen Antrag und ergänzt ihn durch die Hinzu­fügung eines sozialdemokratischen Antrages, der genau dem im vorigen Fahr von den Deutsch' nationalen gestellten Antrag entspricht. Danach soll die Dritte Steuernvtverordnung am 31. März dieses Jahres aufgehoben und ein neues Aufwertungsgesetz er­lassen werden. Der Redner kündigt an, daß seine Freunde nötigenfalls den von den deutsch­

nationalen Abgeordneten ausgearbeiteten Geseh- entwurs als eigenen Antrag einbrin- g e n würden, wenn die Deutschnationalen dazu nicht bereit seien. _ ,

Abg. Dr. Wunderlich (S.Dpt.) erklärt sich durchaus damit einverstanden, daß die Auf- Wertungsfrage morgen besprochen wird.

Abg. Schulz-Dromberg (D-ttl.) betont die Rotwendigkeit, morgen zunächst den Der- kehrsetat zu erledigen. Dann könne die Auf­wertungsfrage gründlich erörtert werden.

Mit den Stimmen der Rechten und des Zen­trums wird beschlossen, den Verkehrsetat an die erste Stelle der morgigen Tagesordnung zu sehen. Als zweiter Punkt sollen ohne Debatte Amnestie­anträge dem Ausschuß überwiesen werden.

Unter großer Heiterkeit beschließt das Haus dann einstimmig, die Aufwertungsan- träge der Demokraten und Sozialdemokraten als dritten Punkt der Tagesordnung zu be­handeln.

Preußischer Landtag.

Das Dortmunder (Grubenunglück.

Berlin, 7. März. Bei der Fortsetzung der Beratung der Anträge und Interpellationen z:m Dortmunder Grubenunglück schildert Oberberg- hauptmann Schanz die Matz.rah len, mit denen die Bergbehörde bis jetzt der Entstehung von Grubenexpl finnen Vorbeugen wollte. In erster Linie ist Wert darauf gelegt worden, die Berg­leute durch Lehrfilme und auf andere Weise aufzullaren über die Gefahren, die besonders beim Schießverfahren vorliegen. Die D:- hörde wird hierauf eine Einschränkung der Verwendung von Schwarzpulver und anderen Explosivsto'fen im Betrieb anordnen. Die Gefahren der Kohlenstaubexplosion werden am besten durch die Verwendung des Gesteinsstaub­verfahrens beseitigt. Wir werden es in grö­ßerem Umfange als bisher einführen. Die Derg- verwaltung lasse sich in der Sorge um das Wohl der Bergleute von niemand übertreffen. Den in den Anträgen geäußerten Wünschen werde die Verwaltung im Rahmen des Möglichen ent- gegenkrmmen.

Ministerialrat Hatzfeld vrm Handelsmrm- sterium verbreitet sich dann über die EnNchun-s- geschichte des Unglü is nach dem bisherigen ^Er­gebnis der Untersuchung. Die Wettersüh- r u n g sei in Ordnung gewesen. Man habe alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die genaue Ursache der Explosion wäre nicht mit Sicherheit festzustellen. Die Vermutungen hierüber wären sehr zahlreich. Das Steinst uoversahren ist des- b'.fb bisher noch nicht allgemein zur Durch­führung gebracht worden, weil auch die Verg­är b e i t e r s ch a f t ihm w i d e r st r e bt fj be, das habe sich aber jetzt geändert. Die M 'glichk.it der Schaffung von Rettungskammern oser Fluchtwegen wird zu prüfen fein. Die früher mit den ersteren gemachten Erfahrungen sind freilich nicht besonders ermunternd.

Abg. Otter-Bochum (Soz.): Auch die elek­trische Grubenlampe bietet keine absolute Ga­rantie gegen Schlagwetter. Die Strecken müssen durchweg verbessert werden. Auf der ZecheMi­nister Stein" haben unglaubliche Mißstände kon­statiert werden müssen, namentlich hinsichtlich der Wetterversorgung, in striktem Gegensatz zu den bergpolizeilichen Vorschriften, und das anschei­nend mit Genehmigung des Bergamtes, welches in diesem Falle an der Katastrophe mitschuldig wäre. Aus dieser Zeche sei die Kohlenstaub­gefahr unglaublich leichtfertig behandelt worden. Das Prämiensh st em habe hier wahre Orgien gefeiert. Die Verwaltung der Zeche habe tatsächlich die Betriebsräte am Einfahren zur Kontrolle verhindert und das aus Sparsamkeits- gründm.

Abg. Martin (Dntl.) spricht die Erwartung aus, daß die Zechenverwaltungen, der Staat und die Gemeinden für die Hinterbliebenen sorgen werten. Die Sternstaubmühlen seien zu spät an- geliefert worden, weil das Ruhrgebiet von den Franzosen abgeschnitten war. Der Redner emp­fiehlt Maßnahmen zur Belehrung, um tun­lichst Katastrophen vorzubeugen.

Abg. Krämer (D. Dpt.): Meine Freunde treten dafür ein. die vorliegenden Anträge auf ihre praktische Brauchbarkeit zu prüfen. Gegen die Behauptung, daß die Gefahr im Bergbau im Steigen fei, spricht die Statist.k. Die Gruben­kontrolleure nehmen ja ab, weil sie feine ent­sprechende Vorbildung haben. Ebenso sind wir gegen ein Vorschlagsrecht der Ge- wr/sch:.ften bei Einstellung von Bergrevier- inspektoren. Die Hauptträger des Gruben- sicherheitsdienstes werden auch in Zukunft die Grilbensicherheitskommrssivnen, die Betriebsräte und die Bergbehörde fein. Wenn behauptet wor­den ist, daß die ZecheMinister Stein" eine besonders gefährliche Zeche sei, so sprechen die tatsächlichen Ergebnisse der Untersuchung dage­gen. Die Untersuchung hat bisher ergeben, dah weder Arbeiter, Beamte noch die Verwaltung eine Schuld tragen. Die Ursache ist in einem Knappschuß zu suchen. Die Gefahr dieser Schüsse ist erst jetzt erkannt worden. Schon ist es gelungen, diese Gefahr durch die Herstellung nun unuerorennoaren Umhüllungen des Sprengstoffs und durch Umkonstruktion des Zünders zu begegnen.

Präsident Bartels schlägt vor, die nächste Sitzung am Dienstag, 10. März, nachmittags 2 Uhr, abzuhalten mit der Tagesordnung: Wahl des Ministerpräsidenten.

Jur Regierungsbildung in Preußen.

Berlin. 6. März. (TU.) Ministerpräsi­dent Mars hatte Besprechungen mit der Deut­schen Vollspartei über die Regierungs­bildung. Die Frage, ob die Partei die sogenannte kleine Koalition des Zentrums und der Demokraten tolerieren würde, wurde verneint. Auch auf die weitere Frage, ob die Deutsche Volkspartci mit dem jetzigen Kabinett einver­standen sei, wenn Minister S e v e r i n g aus ge­sundheitlichen Gründen ausscheide, und durch einen anderen Sozialdemokraten er» setzt würde, erfolgte eine verneinende Ant­wort.

Zeit" undLokalanzeiger" sprechen von der Möglichkeit der Bildung eines überpartei­lichen Beamtenmini st eriu ms, in wel­chem auch der sozialdemokratischen Richtung Rech­nung getragen werden soll, etwa durch Aufnahme des früheren Finanzministers Dr. S ü d e i u m in das Kabinett. Eine solche Lösung dürste auch bei den Deutschnationalen, der Deutschen Volks- Partei und der Wirtschaftlichen Vereinigung kei­nen Widerstand finden.

Der Tschekaprozetz.

Leipzig, 6. März. (WTD.) 3m Tscheka- Prozeß wurde nach dreitägiger Unterbrechung die Verhandlung wieder aufgenommen. Diener bekundet, er sei Anfang Dezember 1923, nach­dem er sich bis dahin von jeder Parteiarbeit ferngehalten hatte, von dem Genossen Luer für die Kurie rtätigkeit angeworben worden. Er habe jedoch nur zwei Briefe be­fördert, da die Genossen in der Kurierstells mißtrauisch gegen ihn wurden. Anfang Januar sei er in den Rachrichtendienst eingetreten. Seine Aufgabe fei die Sammlung von poli­tischen und wirtschaftlichen Rach­ri ch t e n gewesen. Außerdem habe er wegen der damals in der KPD. herrschenden Kor­ruption, die zu großen Unterschlagungen ge­führt hätte, eine Kontrolle über verdächtige Ge­nossen ausüben sollen. Dabei habe er aus Briesen Kenntnis von der Taktik und der militäri­schen Organisation der Partei erhalten. Die Erwerbslosen sollten zu blutigen Demon­strationen mißbraucht werden.

Um für die Zukunft derartige Vorgänge zu verhindern, habe er am 17. oder 18. Januar der politischen Polizei telephonisch Mitteilung davon gemacht. (Bewe­gung.) Er fei sich bewußt gewesen, dah er von diesem Augenblick an ein Spitzel der Po­lizei war. Er habe aber nie etwas von der Polizei erhalten. Davon, dah Wetzel und Schlosser erledigt werden sollten, will Diener nichts wissen. Reumann habe davon gesprochen, daß Wetzel ein Spitzel sein sollte. Wetzel sei aber kein Spitzel gewesen, sondern nur ein Verräter geworden (Heiterkeit), weil ihn die Partei schlecht behandelte. Jedenfalls habe er unter allen Um­ständen verhindern wollen, dah Reumann den Aufenthalt Wetzels erfuhr. Aus diesem Grunde habe er der Polizei den belastenden Bries, der eine Antwort auf ein Telegramm Reumanns nach Frankfurt wegen Wetzel war, in die Hände gespielt. Als er dann selbst als Spitzel verdäch­tigt wurde, habe er den Plan gefaßt, alle Wsichten der Gruppe Reumann zu durchkreuzen. Auf Vorhalt des Vorsitzenden, daß er doch keine Schritte dazu unternommen habe, erwidert der Angeklagte, daß er seiner eigenen Sicher­heit wegen die Leute der Polizei nicht habe ans Messer liefern wollen. Sein Plan sei ge­wesen, den Angeklagten König bei der (Aruppe zu belassen, um tiefer in ihre Arbeit ein- zudringen.

Die Enteignung deutschen Besitzes in Polen.

Rach den Berichten polnischer Zeitungen sind bisher 93 OOO Anmeldungen zur Enteignung deut­schen Besitzes in Polen erfolgt. Von den Ob­jekten sind bereits 9000 enteignet worden, dar­unter besonders große Besitzungen und landwirt­schaftliche Ansiedelungen, städtische Häuser und Grundstücke, industrielle Anlagen und Verkehrs­unternehmungen. Von dem großen ländlichen Be­sitz sind bisher 80 Betriebe im Umfange von 66 000 Hektar, von dem Heineren ländlichen Besitz 1800 Änsiedlungen mit 28 000 Hektar enteignet worden. Ferner wurden 779 städtische Grund­stücke und 170 industrielle Unternehmungen liqui­diert. 3eht unterliegt der Enteignung noch eine Fläche von 150000 Hektar.

Einen größeren Raub am Gute anderer hat noch kein Volk durchgeführt. Wird die Welt, die dieser Schmach ruhig zusieht, es dem deutschen Volk übel nehmen, wenn es Immer und immer wieder sagen wird: Wir werden es nicht Der» gessen?? __

Macdonald

gegen einen ©arantiepafct.

London, 7. März. (£. U.)Daily He- ralb bringt einen Artikel Macdonalds, in dem er sich gegen jet>en Garantiepakt mit Frankreich ausspricht. Die Arbeiter würden sich mit allen Kräften einem Garantiepakt wider­setzen, denn dieser würde nur zum Kriege führen. Wird der Garantiepakt unterzeichnet, so bleibe nichts anderes übrig, als die Rüstung i n verstärktem Maße zu betreiben.

Kleine politische Nachrichten.

Das Reichsarbeitsministerium, das mit den Vorarbeiten für eine gesetzliche Reurege- I u n g der Arbeitszeit beschäftigt ist, be­absichtige die mahgebenden Verbände der Ar­beitgeber und Arbeitnehmer der wichtigsten In­dustriezweige schon zu der Vorbereitung der Ent­würfe für die künftige Arbeitszeitregelung heran­zuziehen. Zunächst werde ein paritätischer Ausschuß aus je sechs Vertretern der Arbeit­geber und Arbeitnehmer noch im März über die Arbeitszeitregelung in der Groh-Eisen-Industrie beraten.

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Der Rechtsausschuß des Reichstages beschäf­tigte sich mit der Aenderung des Gesetzes über die Erstattung von Rechtsanwalts­gebühren in Armensachen. Der Aus­schuß beschloß, dah an die Stelle der vollen Gebühr bei einem Wert des strittigen Objektes von 200 bis 500 Mark 12 Mark, von mehr als 500 bis 1000 Mark 20 Mark, von mehr als 1000 Mark 30 Mark treten. Das Gesetz soll am 1. April in Kraft treten.

In Thüringen hat der Minister des Innern die drei kommunistischen Zeitungen Thüringens: dieReue Zeitung", Jena, dieOstthüringische Zeitung" in Altenburg und dasThüringer Volksblatt" in Göthe auf die Dauer von zwei Wochen verboten, weil die Blätter den Aufruf der Zentrale der K. P. D., in dem der verstorbene Reichspräsi­dent beschimpft wird, abgedruckt haben. Auch die BerlinerRote Fahne" ist von Minister Severing verboten.

Lord Curzon hat einen schweren Blut- stürz erlitten. Sein Zustand ist zwar nicht be­unruhigend, doch wird möglicherweise eine Ope­ration erforderlich fein.

Die sozialistische Partei brachte in der hol­ländischen Zweiten Kammer eine Gesetzes- Vorlage zur Abrüstung ein, die der dänischen Abrüstungsvorlage nabgebilöet ist. Es wird die Verminderung der Rekruten von 19 500 auf 3000 1 Mann für das Heer und auf 1000 Mann für

die Marine verlangt. Die Militärdienstzeit soll auf vier Monate herabgesetzt werden. Sie for­dert die Demobilisierung aller diensttuenden Leute im Alter von 30 Jahren und darüber.

In Sofia wurde der kommunistische Abg. Haralambi Stojanoff ermordet. Der Mörder, dessen Persönlichkeit noch nicht feftaefteHt werden konnte, ist verhaftet worden.

Der französische Präsident des Appellations­gerichtshofs für Ausländer ist in seinem Hause in Aleppo furchtbar verstümmelt ermordet ausgesunden worden. Die Ermordung scheint nicht auf politische Motive zurückzuführen zu fein.

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In San Antonio sind zwei Militär­flugzeuge in der Höhe von 4000 Fuß zu- sammengestohen. Die Apparate, die fyst zusammenhingen, stürzten brennend zur Erde. Aber beide Piloten konnten mit Fallschirmen ab= springen und sind, ohne Schaden auf dem Erd­boden angekommen.

Studentische Wirtschaftslagen.

München, 6. März. (WTD.) In einer Versammlung der Darlehnsbasse der Deutschen Studentenschaft teilte Geheim rat Erich. Direktor der Dresdner Dank, mit, daß das Vermögen der Darlehenskasse 1,3 Millionen betrage. Das Reich stellte im Etat rür 1925/26 1 350 000 Mark zur Verfügung: die Länder werden außer­dem etwa 500 000 Mark beitragen. Der Bedarf der Darlehenskasse für ein Jahr betrage 2160000 Mark.

Den zweiten DerhandlungStag der Studentt-- schen Wirtschaftsvereinigung eröffnete Dr. Scheurer mit einem Referat über die Weiter­führung der Ausgaben und Ziele der studentischen WirtfchaftSarbeit. Redner befürwortet« die Ein­richtung und den weiteren Ausbau von Der- trauensausschüssen an den Hochschulen. Hoff­mann- Tübingen wies auf die Bedeutung der Sinzelfürsorge nach dem Zurücktreten der Derk- ftubentenarbeit hin.

Am Abend sprach Dr. D u b owh (München) im Auditorium der Maximilian-Universität über die Wirtschaftsla ge der Studentenschaft. Rach Stabilisierung der Mark und Einführung der neuen Hochschulgebühren sei die Zahl der Studierenden in Deutschland von 120 000 auf 93 000 gefallen. Der sozialen Herkunft nach seien 27.4 v. H Söhne von hohen Beamten und freien akademischen Berufen, 19,5 v. H. Söhne von In­dustriellen, Großgrundbesitzern, Grohlausleuten sowie Privatbeamten in leitenden Stellungen, 27,6 v. H. Söhne von mittleren Staatsbeamten sowie oberen und mittleren Privatbeamten, 21,5 v. H. Söhne von unteren Beamten, kleineren Kaufleuten und Handwerkern und nur 7 v. H. Söhne von kleinen Bauern und Arbeitern. 9,9 v. H. der Studenten mußten im letzten Jahre ihr Studium aus wirtschaftlichen Gründen unter­brechen. Don den Studierenden, die nicht bei ihren Eltern wohnen und auch keinerlei Unter­stützung durch Pakete, Freitische, Stipendien usw. erhielten, hatten 9,8 v. H. einen Monaiswechsel bis zu 60 Mk., während 26,8 v. H. noch nicht einmal über das Existenzminimum verfügten.

Aus aller Welt.

Ein intimes Theater in Frankfurt.

Frankfurt a. M, 6. März. (WTB.) Der langgehegte Wunsch des Publikums nach stär­kerer Pflege des sogenannten Gesellschaftsstücks und die damit gegebene Möglichkeit, dem um­fangreichen Künstlerpersonal des Schauspielhauses ein größeres Feld der Betätigung zu geben, ha­ben zur Schaffung einer Reinen, intimen Bühne geführt, die heute abend in festlicher Weise vor einem geladenen Publikum der Oef- sentlichkeit übergeben wurde. Es ist zwar nicht gelungen, ein eigenes Gebäude für diesen Zweck zu beschaffen ;aber aus dem Umbau der Loge Carl am Mozartplah ist ein wirk­lich intimer Theaterraum entstanden, in dem die Ziele der städttschen Theaterverwaltung wohl ihrer Verwirklichung entgegengeführt werden kön­nen. Ansprachen des DerwaltungsdirektorsMül­ler-Wieland, den auch noch weitere Pläne für einen Ausbau der. städttschen Bühnen be­schäftigen und des Intendanten Weichert in launischem Plauderton leiteten über zu der Auf­führung des Shakespeareschen Frühwerksßie- beslust und -Lei d", das in der geschickten Inszenierung von Fritz Peter Buch und bei­zenden Bühnenbildern von Ludwig Sievert einen Abend voll köstlicher Laune bot, zu dellen Gelingen die Damen Brod, Daub unb Ove» h o f und die Herren O d e m ar, Toni Impe­koven und Engels in erster Linie beitrugen. Die musikalische Leitung lag in den bewährten Händen von Hans Avril.

Sin neuer Flugrekvrd.

Der deutsche Aero-Lloyd teilt mit: Das neueste Dornier-Ganzmetallflugzeug des Deutschen Aero-Lloyd durchflog die 620 Km. lange Strecke Friedrichshafen-Zeppelin- toetft bis Berlin ohne Zwischenlandung in der Rekordzeit von 31/* Stunden. Dieser Maschinentyp wird mit Beginn der Flugsaison einer der Hauptträger des transkontinentalen Luftverkehrs im Dienste des Aero-Lloyd-Kon- zerns werden. Er weist neben einer luxuriös ausgestatteten Kabrne, wie dieser Flug zeigt, hervorragende ärodynamische Eigenschaften auf.

Die letzten Opfer von Dortmund.

Erst gestern, Freitagvormittag, konnte das letzte Opfer der Grubenkatastrvphe auf der ZecheMinister Stein" geborgen werden. Die feierliche Beerdigung fand nachmittags auf dem Rordfriedhof statt.

Dergmonustod.

Aus Hannover wird gemeldet: Im Stein­kohlenbergwerk D wsingh eusen wurden heute mit­tag durch Herabstürzen eines Kippwagens drei Bergarbeiter schwer verletzt, von denen kurz darauf einer gestorben ist.

Verschärfung im Berliner Mllchstreik.

Der Konflikt, der aus einer ganz gering­fügigen Urfache in der Meieret D->lle entstanden ist, wirkt sich von Tag zu Tag für die Bevölke­rung Groß-Berlins unangenehmer aus. Die Milchbelieferung großer Teile der Berliner Bevölkerung ist ins Stocken geraten und bei einer Fortdauer des Streites, der allem An­schein nach ausprinzipiellen Gründen' geführt wird, müssen sich erhebliche Gefahren für die Gesundheit zahlreicher Kinder und Kranker er-