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Max Brods neuer Roman
Max Brod, „Heübeni“, Fürst der Inden, ein Renaissanceroman. Kurt Wolf-Ber- lag, München.
Prag. 3m Ghetto. Der Knabe David liest: ..Und du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. — Hierzu bemerkt man: Mit deinem ganzen Herzen: das bedeutet: mit beiden Trieben, sowohl mit dem guten tote mit dem bösen Trieb."
..Wie mit dem bösen Trieb" — dunkles Wort, das den Knaben quält, foltert, dessen Erklärung
Erzählendes.
— Erwin Gros, Das leuchtende Haus. (Oranien-Berlag in Herborn.) Wir erleben in bewegter Anschaulichkeit, wie der Held Iroh Unverstand und Verfolgung, in Leid und Anfechtung sich bewährt, tote sein Haus für die Gemeinde Onsborn „Das leuchtende Haus" wird. Eine Fülle scharf umrissener Gestalten, eine bis zum Schlich auf die Höhe geführte spannende Handlung, ein bei allem Ernst sonniger Humor geben dem Buch seinen hohen Wert. 335
— Erwin Gros, E s geht eine dunkle W 0 ll' herein. (Oranien-Berlag in Herborn.) Was dem Buche den Titel gegeben hat, ist der Anfang eines Volksliedes aus dem Dreißigjährigen Kriege. Und einem alten Volks- licde gleicht das Buch selbst, so schwer und so süß singt es von Liebe und Treue, von Scheiden und Meiden, von Heldensinn und hohem Mute, von dunklem Schicksal und bitterem Sterben. 336 — Könige in Unterhosen. Das Buch der Anekdoten, herauSgegeben von Kurt Robit- schek. Umschlagzeichnung von Walter Trier.
wandtes Geisttum mündet. Michel ist in Hitldsklin sein Herold und Künder, wichtig nicht nur für das Heute, sondern für ein Jahrhundert, dessen röte seine glühenden Strahlen den Horizont herausi
Bret Harte, „Kalifornische Erzählungen" (Gustav *Kiepenheuer-Vcrlag, Potsdam, 549). Die Beziehungen zwischen Dichtung und Jour* nalismus smd in keinem Lande der Welt so eng wie in Amerika. Die Kurz Geschichte, die heute die angelsächsischen Länder beherrscht, die Washington Irving mit seinem „S k i z z e n b u ch" in die Lite- ratur einführte, bringt Bret Harte zu haher Blüle. In seinen Goldgräbergeschichten fördert er wahrhaftes Gold der Menschlichkeit, kostbare Dildev romantischen Erlebens zutage, jener verflossenen Ro* mantik, der wir uns als Kinder freuten, die es heute nicht mehr gibt und von der wir uns doch so gern immer wieder gefangen nehmen lasten. Paul Baudisch hat dvs gut ausgestattete Buch ins Deutsche übertragen und Rudolf Schlichter hat es mit Bildern versehen, flott und einfach, wie die Geschichten sind, und wie wir sie in der Schule verbotener Weise auf die Löschblätter gemalt haben.
e—s.
- Das Inselschiff. Eine Zeitschrift für die Freunde des Insel-Berlages. Das soeben er* schienene Herbstheft, das letzte Heft bei sechsten Jahrganges, enthält unter anderem die folgenden bemeäenstoerten Beiträge aus dem vergangenen und gegenwärtigen Schrifttum: Arthur Bechtold. Iohann Iakob Christoph von Grimmekhausen? Iohannes Bühler, Dir Hohenstaufen und ihy Erbe: Ricarda Huch, Silvio Pe'l.cv: Max Melk. Der Roman „Hans int Glück": Theodor Däubler. Mykonos: Otto Freiherr von Taube, Die Reiher' ferner Gedichte von Rudolf Tllexander Schroder und Alfred Walter Hehmel: außerdem auf Tafeln eine Handzeichnung von Goethe aus seiner ita*' Herrischen Reise tmb ein Porträt: WÜhelm Nsch- dein von Heinrich Ltps.
er finden muh. Richt beim Vater, dem frommen, kindlich-heiteren Mann, nicht bei Hirschel, dem „hungrigen" Lehrer, bei keiner Seele int Ghetto wird und kann ihm Antwort werden. Der dunkle Spruch reiht ihn ins Leben zu Monika, der blonden Ehristin: er wird schuldig, selig und unselig. Lind — Dunkelheit, die sich erhellt — seine Sünde erlöst sein Volk Dorrn sicheren Verderben. Doch das genügt nicht, nun erst recht hat der Spruch Gewalt über David: er will fern Volk völlig erlösen. Sie sollen teilhaben an dem Großen, Reuen da draußen in der Welt, sollen wieder aufrechte, schone und geruhige Menschen werden, David mit Monika fhept, und, seltsames Geschick, Gerson, der einstige Messias, jetzt verstohencr Bettler, gesellt sich zu den beides. Aber bald steht David ganz allem — nur seine Aufgabe und der Spruch begleiten den Mittellosen, Schmerzdurchwühlten ins Leben. — Venedig. Reubeni, der Gesandte König Iosefs von Chabor, so steht der Knabe David aus dem Prager Ghetto vor seinem Volk, fordert Hilfe, wird abgewiesen. — Rom. Papst Clemens,; Michelangelo, Arekino, sie alle zieht Reubeni an sich, zwingt sie. Dann erst kommen die Seinen, sie, die er liebt, die er erlösen will und muh. — Schließlich Portugal, Santarem, Höhepunkt der Macht. König Ioao mit ihm verbündet: vergöttert, geliebt von Molcho, dem Schönen, Reinen — und nun Sturz, Flucht, Gefangenschaft, Kerker, Elend, noch immer ans Werk glaubend wie der in Rom. Schließlich Regensburg mit Molcho, dem Sohn seines Herzens und das Ende — im Kerker der Inquisition verschollen ... — Alle Geheimnisse Prags, Qual und Rot der Iuden. leuchten in düsteren Farben im ersten Teil dieses Buches. Frühling und Licht, daneben Monikas helles, warmes Stübchen, ihr blonder Leib auf schwarzer Sammetdecke. Das Prag Max Brods lebt vor uns, bringt in uns ein, zwingt uns in seinen Bann. Was Meyrink und andere uns vorher davon erzählten, versinkt vor diesen glühenden Bildern. 3m zweiten Teil eine Fülle von Gestalten: Aretino, Mackiavell, Papst Clemens, und ihre Anhänger und Widersacher in Italien, Portugal ifttb Spanien. König Ioao und Salomo Molcho. Brod hat ihre Schatten mit Lebensblut gefüllt. Lind David-Räubeni? Ist nicht sein Kampf unser aller Kampf, seine Rot die unsere? — „wie mit dem bösen Trieb'. — „Gewiß, so ist es, kann ja gar nicht anders sein. Liber ich habe mich geschämt — als sei je etwas Großes ohne Sünde zustande gekommen". Dies Reubenis Geständnis, Schuld und Rechtfertigung. Das gibt uns, klarer Sprache, Gestaltungskraft und mut, das Buch Max Brods.
Sie schon einmal einen Mann gesehen, der eine vvibestahrende Lokomotive grüßt? Sehen Sie, das ist Chaplin! Ist er nicht der geborene Trick in Menschengestalt? Ist er nicht der lebende Hohlspiegel, in dem wir uns alle sehen? — Alle Besucher der deutschen und französischen und englischen und ame- ritanischen Theater sollen ihren Direktoren - die Häuser kaputtschlagen, wenn sie dieses Stück nicht spielten — und bann würde Chaplin kommen und mit seinem durchlöcherten Hut Gelder einsammeln und sich bedanken: im Namen der Direktionen.
Zwei Bücher von Wilhelm Michel
„Paradiesische Landschaf t", 1925
Roetherdruck, G. m. b. H., Darmstadt.) (404/405.)
Dieses neue Buch von Wilhelm Michel zeigt den klaren, in voller Reife stehenden Meister der Sprache. Es gibt heute in Deutschland niemanden, der mit derselben Vollendung einen Satz zu schreiben vermöchte wie Michel. Alle Dinge, die er in der Schale seines Wortes auffängt, fangen an zu klingen. Alles irgendwie Stoffliche fällt von ihnen ab und sie stehen in ihrer absoluten Reinheit da, unbeschwert, in dem seltsamen Zwischenreich zwischen Idee und Welt. Das Wort ist ihm Teil einer großen Symphonie, der Satz wird zum musikalisch-rhythmischen Gebilde, eingefügt in die Gesamtkomposition seines Werkes (um im Bilde zu sprechen).
Die Dinge, an denen er den Weiheakt der Namensgebung vollzieht, wachen auf zu weitestem Lebenswirken. Ihre Nähe beginnt zu schwingen wie die Fläche des Teiches, in die der Wurf eines Steines traf. Sie ziehen die Umwelt in ihren Bezirk und verweben sie sich. Wenn Michel das Wort „Heimat" ausspricht, so wird ihm das zum Erlebnis unvernünftiger, tiefer Seligkeit. Er front sie: Mutterland — Vaterland.
Am hellsten leuchtet in diesem Bande das Wort „Geheimnis der Morgen ft und e". Unbelastet mit Geschick, noch vor dem Sündenfall stehen alle Dinge richtig mitten in ihrem Sinn: fern noch von Tagessorgen und Nachtgedanken. — Der Zauber
Prcts 2 Mk. (Drei-Maslen-Derlag A. G., Berlin N 24.) Köstliche Perlen kleiner Erzählungen, Pikanterien und Witze hat Robitschek in diesem Buch vereinigt. Intimes von Potentaten, aus der Gesellschaft und vom Theater, Heine Geschichten von groben Leuten, Geschichtchen, die Könioe ohne Purpur, Dichter ohne Glorienschein, Komödianten ohne Schminke, Menschen der großen Welt ohne den Habitus ihres Ruhmes zeigen. 520
- - Giovanni Papini hat seit dem Erscheinen seiner „Lebensgeschichte Christi", die in mehr als einer Million von Exemplaren über die ganze Welt verbreitet ist. einen unbestrittenen Platz in der Weltliteratur errungen. Ein neues Werl de« Dichters: „E i n f e r t i g e r Mensch" wird Anfang Oktober in deutscher Sprache bei der Allgemeinen Verlagsanstalt in München erscheinen. In diesem Bekenntnisroman childert der Dichter in der Art einer Autobiographie seinen geistigen Werdegang.
Geschichte.
— Opitz. Tatsachen der Geschichte. Ein einheitliches Grund- und Hilfsbuch für den Geschichtsunterricht auf Mittel- und Oberstufen höherer Schulen (6- und 9klassigen Knaben- und RTädchenschulen). Mit 15 farbigen Geschichks- farten und 17 Kartenskizzen. R. Voigtsländers Verlag in Leipzig. Die jetzige Regel ist. daß das in neunklassigen Anstalten eingeführte Geschichts- Lehrbuch in je einem besonderen Teile in den Klassen IV, 111, U II, O II, LI I, O l angeschafft und gebraucht wird. Die Behandlung des Stoffes ist in der Mittelstufe (IV—il II) einfacher als in der Oberstufe (HU—01). Es wird also in dem Lehrbuche derselbe Stoff zweimal dargestellt geboten. Die alte Lehrer-Erfahrung ist, daß das aus der Mittelstufe Gelernte dem neugebackenen Ober- sekundaner nicht mehr „sitzt", also nochmals, aber nach einem neuen, schwierigeren Lehrbuche durchgenommen werden muß. Das ist bei dem Opitz- schen Buche von Grund auf anders. Feste Grundlage des ganzen Geschichtsunterrichts bildet der Stoff der Mittelstufe (linke Seiten), der auf dieser gelernt, auf der Oberstufe gefordert, nötigenfalls kurz wiederholt wird. Geaenüber (rechte Seiten) der für die Oberstufe bestimmte neue, erweiterte und vertiefte Stoff. Die leeren Räume auf vielen Seiten dienen den Schülern zu Ergänzungen des Stoffes nach Angabe des Lehrers. Weil die Tatsachen nicht mehr, wie bisher üblich, für die Oberstufe nochmals, nur in neuer Form dar- gestellt werden, so kann das Ganze viel kürzer gehalten sein als gewohnt. Weil dem Schüler das Buch stets ein Ganzes bildet, so wird er von Anfang an mit dem Gang der Geschichte vertraut: er erkennt den Zusammenhang der Lehrstufen und Klassenaufgaben. Also vollkommene Einheitlichkeit und Vereinfachung des Stoffes in allen Klassen. 516
— Geschichtsbuch für die deutsche I u g e n d. Von Studienrat Dr. B. Kum - st e l l e r in Verbindung mit Dr. 51. Hauke und Dr. B. Schneider. Oberstufe: Zweiter Teil. In Halbleinen 1,20 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Dr. Kumsteller mit seinen Mitarbeitern gehört mit zu den Männern, die führend und bahnbrechend an der Reform des seitherigen Geschichtsunterrichts arbeiteten. Er kehrt dem alten Leitfadenstil den Rücken und befleißigt sich einer ungemein packenden und lebensvollen Schilderung, die das ■Suftänb» liche, das Reben einander, nach Möglichkeit in ein Rach einander, in Handlung und Erlebnis umsetzt. Obwohl seine früher erschienenen Geschichtsbücher (Mittelstufe und Oberstufe l.Teil) für höhere Schulen geschrieben, ist auch die Volksschule nicht achtlos an ihnen vorübergegangen. Sein neuestes Werk (Oberstufe 2. Teil) behandelt auf knapp 82 Druckseiten die deutsche Geschichte nach großen Gesichtspunkten und kausalen Zusammenhängen. Es beginnt mit der Zeit der alten Germanen und endet mit der Auflösung des Deutschen Reickres. (443)
„Die Zeittafeln zur deutschen Kulturgeschichte von der Reformation bis zum Weltkriege" von Dr. Ernst Lentz sind weit mehr als skizzenhafte Zusammenstellung von Namen und Zahlen. Die Kulturelemente sind in ihrer weitgehendsten Verästelung erfaßt? alle Kulturzweige kommen zu Wort. Mit kräftigen Strichen wird überall das Bezeichnende heraus- gearbeitet, und doch ist die Darstellung farbig und bildhaft. Ein Werk, das zur Bereicherung des Wissens viel bietet, aber auch Achtung erweckt vor
der Ferne webt in den Gesang des „Blickes von der Höhe", Frühling, Blumen und Heimkehr finden ihren hymnischen Verkünder. Und die Augen einer häßlichen Bulldogge werden zum Mund des Lebens, das eine Beichte ablegt in feiner dunklen Verlassenheit: „Es kann von hier nicht mehr weit fein bis zum Glück."
Friedrich Hölderlin (Erich Lichtenstein, Verlag, Weimar), 1925.
In der großen Hölderlin-Rede bei der Gedächtnisfeier der Freien Literarischen Künstlerischen Gesellschaft in Darmstadt sprach Michel am 23. März 1920: „Hölderlin lebt und wächst vor unseren Augen. Es sind 77 Jahre her, daß sich das Grab über seinen sterblichen Resten schloß. Es find etwa 15 Jahre her, daß man ihn in einem Winkel des Deutschen Pantheons auffand und erkannte. Es find 6 Jahre her, daß die größten feiner Dichtungen, in denen die deutsche Sprache trotz Luther und trotz Goethe das kühnste hymnische Schreiten wagte, zum ersten Male ans Licht traten. Es sind 4 Jahre her, daß sein einziges Drama, der Tod des Empedokles, zum ersten Male aufgeführt wurde. Und ganz in der Zukunft liegt es, daß dieser Dichter, der einzige Deutsche, der mit jedem Wort tief aus dem raunenden Herzen des Deutschtums sprach, im deutschen Volke sich so strahlend, beherrschend, sonnenhaft auswirke, wie es dieser edlen Kraft gebührt.
An dem Leben und Wachsen dieses Großen hat Michel als der wichtigste Goldgräber auf dem Acker der ungehobenen Schätze gewirkt. Sein Verdienst ist es, den Geist der Hölderlinschen Sprache entdeckt zu haben. Sein andachtsvolles Aufnehmen geistigen Edelgutes hob die strahlende Leidenskrone jenes jungen Dulders an der Welt in das Licht unseres Bewußtwerdens, daß uns erschauerte.
So wird auch dieses Buch zu einem Dokument großer deutscher Gesinnung voller Bewußtheit und Tiefe, ein Wecker zu heidnisch-antiker Naturfröm- migkeit, naturhaftem Takt und Müßen, dos in ein unendlich groß geschautes, tiefes, Christlichem ver-
ftigen Auge des Lesers vorüber. In harmoni- cher Ausgeglichenheit ergänzen sich Volkstum und Ratur und in geschwisterlicher Verbundenheit mit der il'n umgebenden Tier- und Pflanzenwelt fühlt jede: einzelne unter unS das Geheimnis zur mneren Gesundung entschleiert. Ueberzeugend und packend in Sprache und Inhalt ringt sich das Werk zu einem Bekenntnis wahren Menschentums empor. 483
-- Rudolf Sied, Von der Land- chaft. (Eugen Salzer. Verlagsbuchhandlung Heilbronn.) Das Buch ist ein Meisterwerk der Reproduktionskunst! Originalgetreu sind diese zarten Aquarelle wiedergegeben. Die Stimmung Eichendorff'scher Lieder weht uns au« diesem Buch entgegen, das für jeden Freund deutscher Kunst und Landschast einen hohen Genuß bedeutet. Aus A. Stifter u. a. ist der Text dazu entnommen.
Literaturgeschichte.
— Zum 100. Todestag Iean Pauls erfcheint in der Deutschen VerlagS-Anstalt in Stuttgart von Friedrich Burschell da« Buch „Iean Paul, die Entwicklung eines Dichters . In Form einer lebendigen Erzählung schildert Burschell, wie Iean Paul, dieser Sonderling unter den deutschen Dichtern, zum Dichter heranreift. Burschell gibt ferner im gleichen Verlag eine vierbändige Iean-Paul-Ausgabe heraus, die -- für den modernen Leser bestimmt — eine Auswahl der herrlichsten, unvergänglichsten Schöpfungen des Dichters bringt.
— Hermann Stehr: Der Heiligenhof, 2 Bände (Verlag von Fr. Linz in Trier), der Vorläufer des „Peter Prindrisener", und toi«, dieser ein stark mystischer, visionärer Roman des seltsamen westfälischen Bauerntums. 1078
— Ioh. von Hessen: Augustinus und seine Bedeutung für die Gegenwart, (Verlag Strecker u. Schroeder in Stuttgart), ein Versuch, das augustinische Gedanken- werk von der phaenomen alogischen Richtung 6er modernen deutschen Philosophie aus zu interpretieren.
— Peter Katz, Nathan Söderblrm. ein Führer zur kirchlichen Einheit. Die erste Darstellung von Söderbloms Gedankenwelt. Mk. 3.-^ Erzbischof Söderbloms Name ist ein Programm? Wie war sein Werdegang? Unter welchen Einflüssen hat er gestanden? Auf welchen Gebieten hat er gearbeitet? Wie wächst all das in der EinheiH- betoegung selbst zur Einheit zusammen? Darauf gibt das Heft eine erste, auf Leben, Werke und (?ebewfvn’ richtungen Söderbloms eingehende Antwort auf Grund der schwedischen Originale. 493
MgEMLMSS.
— Dr. Humbert, Volkswirtschaft.^ liche Weckrufe. 1925. Breslau, I. AI. Kems Verlag. Preis 3,50 Mk. Von überparteilichen? Standpunkte aus sucht der Verfasser den <tfrn- punkt unserer wirtschaftlichen Rvt dem allgemeinen Verständnis ^äher zu bringen, auf ein gegenseitiges Versteh«, der zu eigenem Unzeit einander so scharf widerstreiteichen Parteien unseres Volkes hinzuarbeiten. Auf das Berell- stellen von ausreichender 'Ware in der für ae Volksgesamtheit förderlichsten Form kommen dis einzelnen Abhandlung«, des Buches über Dme- rung, Aus- und Einfuhr, Lcchn, Arbeitszeit, uier Verbrauch und Verbrauchssteuer immer hinaus. Die den Staat und die Wirtschaft tMlu| bedrohenden Gefahren eines im Verhältnis yw volkswirtschaftlichen Gesamtleistung zu gtota Verbrauches werden eindringlich geschildert. SÄ
— Der von jedem Inserenten und Interessenten des Zeitungs- und Anzeigenwesens seit Jahrzehnten geschätzte Z e i t u n g s t a t a 10 g der An n on- cen-Expedition A la -Haasenstein & Vogler (Berlin W. 35) ist wieder erschienen. Die Ala hat bei der Schaffung dieses Werkes neue Dege eingeschlagen, einmal hat sie dem Katalog ein neues handliches Format gegeben, zum andern aber seinen Inhalt außerordentlich bereichert. Besonders ist es zu begrüßen, daß zum ersten Male in diesem Katalog bei den deutschen Zeitungen und Zeitschriften für das Ausmaß der so unendlich verschiedenen Zeilen das jedermann geläufige metrische System zur Anwendung gekommen ist. Der Katalog präsentiert sich auch äußerlich in geschmackvollem Gewand. Er gibt auch im Auslandteil zum ersten Male eine hervorragende Unterrichtung über die PraduktianS» : und Aufnahmefähigkeit der einzelnen Ausl««»« ■ floaten. __
Drei Bücher von Melchior Bischer
Der Gustav Kiepenheuer -Verlag in Potsdam (213/15) hat sich die dramatische Produktion eines jungen Dichters gesichert, von dem in diesem Theaterwrnter wohl noch des mehreren zu reden fein wird.
Mir liegen drei Dramen-Bücher vor: „Cha- p l i n", Tragigroteske in sechs Bildern (1924) — „Fußballspieler und Indiane r", für die alte Welt eine Tragödie, für die neue Welt eine Komödie und umgekehrt, in acht Aufzügen (1924) — „2) e bu r e a u", ein Theaterstück in acht Bildern (1924). Sie sind, einzeln und im ganzen, Spiegelbild der Zeit. Am wichtigsten scheint die groteske Zeichnung unsres Zustandes in dem großen Spiel „Fußballspieler und Indiane r". Hier wird der Spiegel zur Geißel und die Geißel zum Instrument erkenntnisschwerer Durchdringung. Im tollen Wirbel ewigen Kreislaufs schaut Vischer die absolute Leere und das gähnende Nichts, das nur durch toll zu- packendes Erkennen gefaßt werden kann. Es ist prächtiges, wirbelndes Theater in diesem Buch.
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„Debureau", Dorstadtkomödiant, der auch im Leben Theater spielen muß. Grelle krasse Kulissen stellen zwei Scharfrichter, ein Leichenkutscher, ein Henker, Diener und andere Stützen der Gesellschaft. llosa-Limonaden-Hentimentalifät — aber verteufeltes Theater. Leckerbissen für die Bühne. In ungeheurer Leere ragt in der Mitte dieses Stückes das Debureau- Lied:
De — bu — reau---De — bu — reau
Das war so--— — — — das war so
Hi — ha — hooo--7--hi — ha — hoooo —
Debureau — — Debureau
Ho — ho — hooo — ho — ho — hooo
Das haft du fein gemacht. Das hast du brav gemacht, Debureau, ho — ho, hoooooo.
Wer ist Chaplin? Chaplin ist der Mann, der eine oorbeifahrende Lokomotive grüßt. Haben
der Größe dessen, was die deutsche Kultur geschaffen hat. (Verlag Franz W. Goebel, H. Sievers & Co. Nachfolger, Braunschweig.) 551
Erziehung und Unterricht.
— Die Ausbildung der höheren Lehrer an der Universität. Denkschrift der Friedrich-Wilhelm-Llniversität Berlin. 32 S. Geb. 1 Mk. (Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.)
In einer Zeit, wo Bildung unseres Dolles Rettungsmittel sein soll, sehen sich auch unsere älniversitäten in der Ausbildung der Lehrer ür höhere Schulen vor neue Ausgaben gestellt. Diesen gerecht zu werden, hat die Berliner Universität in einer Denkschrift die Richtlinien ausgestellt. die für die Ausbildung bestimmend sein sollen. Rach tote vor soll die Wissenschaft der Schwerpunkt der Lehrerbildung sein. Eine Teilung zwischen Wissenschaft und Praxis wird abgelehnt, dagegen auf wertvolle Grundsätze für Die Studienpläne des angehenden Lehrers verwiesen. Kein Lehrer, welcher Schulgattung er auch angehöre, sollte achtlos an dieser Denk- chrift vorübergehen, weil sie eine Fülle von Anregungen zu ernstem Rachdenken gibt. 436 — Die Schule der Gemeinschaft. 3m Auftrage des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht herausgegeben von Oberstudien- direktor Dr. H. Deitors. 175 Seiten. Preis in Leinenband 6 Mk. (Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.
Das geschmackvoll ausgestattete Buch hat inhaltlich mit der Gemeinschaftsschule im Sinne des Reichsschulgesehenttourfs nichts zu tun. „Die Schule der Gemeinschaft" ist vielmehr der pädagogische Ausdruck für die Gesamtbewegung der Gegenwart, die zur Gemeinschast drängt. Von Männern der Theorie und Praxis, deren Ramen einen guten Klang haben, wird hier gezeigt, wie auf dem Gebiete der Wirtschaft, Dichtung, Iugendbewegung, Kunst und Werktätigkeit der Geineinschaftsgedante sich auf die Schule aus- wirkt. Das Werk ist geeignet, klärend und fördernd zu wirken und jedem Erzieher eine Fülle neuer Gedanken und Anregungen zu bieten. 43-1 — D i e Eidetik und die typologische Forschungsmethode. Von Prof. Dr. E. R. Iaenfch. 94 Seiten. Geh. 4 Mk. (Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.)
Die Forschungen des bekannten Marburger Psychologen Prof. Iaensch erschlossenen einen neuen Zweig der Psychologie, die Eidetik, die Lehre von den sogen. Anschauungsbildern. Aus verhältnismäßig engem Raume führt uns der Verfasser in das für die Kenntnis des jugendlichen Seelenlebens so wichtige Gebiet der Eidetik ein, zeigt ihre Bedeutung für den Aufbau der Wahrnehmungswelt unter Darlegung bewährter Methoden, die zur Ermittelung jugendlicher Eidetiker führen. Die bedeutsame Schrift verdient die ernsteste Beachtung all derer, die sich mit der Kindesseele ^u befassen haben. 444 — Das Problem einer nationalen Kultur. Von Prof. Dr. Erik Rolting. (Verlag von Quelle u. Meyer, Leipzig.) Die 58feitige Schrift ist die Zusammenfassung dreier Vorträge, die die zeitgemäßen Fragen behmrdeln: Was heißt nationale Kultur, welche Gefahren bedrohen und wie wahren und erhöhen tvir sie. In klarer Sachlichkeit, weitab von übertriebenem Pessimismus oder Optimismus, beleuchtet der Verfasser die heutige Kulturkrise mit ihren Erkrankungs- und Zersetzungserscheinungen, ohne sich das vernichtende Urteil Oswald Spenglers zu eigen zu machen. Rur die entschiedene Hebung des Lebensniveaus der breiten Volksmassen könne die Beständigkeit und Sicherung unserer nationalen Kultur bewährleisten. 518
Heimat.
— Hans Wolfgang Behm, Heilige Erde. Ein Heimatbuch vom Schauen und Erleben (in R. Voigtländers Verlag, Leipzig). In diesem Buche hat der bekannte Ratur- sorscher und Dichterphilosoph Hans Wolfgang Behm seine hohe Kunst edler Darstellung zu besonderer Meisterschaft entwickelt. Die gesamte Kapitelfvlge „Blick in die Zeit", „Erlösende Ratur", „Von Frühling zu Frühling", „2m grünen Herzen", „Grenzen des Erlebens", „Sinfonie der See", „Einsames Land", „Mald- geheimnis", „Stille Feste", „Ausklang" gleitet wie eine Kette verklärender Beglückung am gei-


