Ausgabe 
6.7.1925
 
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im zu erfahren, ob die holländische Regierung bc- , tit sei, als Gastgeber einer internatio- »alen Konferenz über die Sicherungs- rage im Herbst zu fungieren, sobald die Dor- »erhandlungen zwischen Deutschland und den Al- Herten erfolgreich abgeschlossen seien

Das Schicksal des Dawes-Plans.

London, 4. 3u(i. (Sil.) Der Korrefpon- ent desOutlook' erklärt, aus der Rede Z t a m p f s in Brüssel gehe klar hervor, daß Deutschland nicht in der Lage sei. die nach dem Üawes-Plan vorgesehenen 2 500 000 000 Gold­lack zu zahlen, solange nicht die ganze übrige Delt groye Quantitäten deutscher Waren auf- :ehme. Deutschland könne nur Reparationen ahlen aus einem Exportüberschub. Um en Dawes-Plan zu erfüllen, habe die Welt len doppelten Wert von Waren von Deutsch- ind zu übernehmen, die sie von Deutschland -or dem Kriege übernommen habe, oder das Zierfache des heutigen Exports Deutschlands. Me Gläubiger-Rationen, also die Bereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich, hätten isher alles getan, um solche Uebernahme zu erhindern. Wenn man die Türe gegen die lebernahme von deutschen Waren zuschlietze. so labe man damit noch lange nicht seine eigene kndustrie gerettet. Deutschland würde dadurch »diglich seinen Wettbewerb auf den neu­ralen Märkten verstärken, wo die »läubigernationen sich ebenfalls im Wettbewerb efinden. Die Gläubigernationen könnten nicht leide Wege beschreiten. Entweder mühten sie deutsche Waren aufnehmen oder auf Reparationen erzichten. Die wirkliche Bedeutung der Er- lärung Stampss sei, dah er als der Haupt- rheber des Dawesplanes heute davon überzeugt »i, dah dieser in der beabsichtigten Weise nicht ausführbar wäre.

Die deutsch-spanischen WirtschaftsverhandLungen. Madrid. 6. 3uli. (LU.) Seitens der kata- onischen Grohindustrie und derjenigen von Dil- >ao macht sich eine geheime Opposition ge- I e n die bevor st ehenden deuts ch- panischen Wirtschaftsverhandlun- len geltend. Die aus Deutschland eingegan- lene Meldung über eine mögliche Kündigung des «utsch-spanischen Handelsvertrages hat einen un- künftigen Eindruck hervorgerufen.

Die deutsch-lettländischen Beziehungen.

Berlin. 5. Juli. (WTB.) Der lettländische lußenminister empfing gestern in der lettländischen Gesandtschaft die Vertreter der deutschen und der usländischeir Presse. In Beantworwng an ihn erichleter Fragen äußerte sich der Minister über die olitischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Lett- mds. Eine formale Erweiterung des lettisch-estni- hen Bündnisses durch die Einbeziehung weiterer Staaten sei in nächster Zeit nicht vorgesehen, um ) weniger, als die Beziehungen zu Rust­and eine solche Erweiterung nicht erforderlich er- ijeinen ließen. Diese optimistische Auffassung der läge finde ihre Berechtigung in den inneren Verhältnissen Lettlands, die soweit ton« Dlibiert seien, daß von einer kommunistischen Ge- ihr nicht gesprochen werden könne.

Die Durchführung der Agrarreform würde ls innerstaatliche Angelegenheit Lettlands ange- »hen werden. Nachdem aber die Klage der enteigne» rn deutschen Grundbesitzer dem Völkerbund über­eicht worden sei, werde die Entscheidung in Senf erfolgen. Die Wirtschaftspolitik Lettlands sei uf den Ausgleich feiner Handelsbilanz gerichtet, und iefem Zweck dienten auch die Handelsoer- rüge, die Lettland mit einer ganzen Reihe von Staaten abgeschlossen habe und abzuschließen im Be- riffe stehe. Die lettisch-deutschen Ver­handlungen hätten zu einem grundsätz- i cf) e n Einvernehmen geführt. Zum Schluß ;ab der Minister seiner Freude und seiner Befrie- igung über den überaus freundlichen Empfang lusdruck, den er in Berlin in amtlichen und privaten kreisen gefunden habe.

Die Einreise Deutscher nach Polen

Berlin, 4. 3uli. (TU.) Von zuständiger Stelle wir mitgeteilt, dah im Zusammenhang mit >en gegenwärtigen wirtscha.tl.chen Verhanvlun- ,e nmit Polen die Einreise Deutscher rach Polen von der polnischen Regierung ruherordentlich erschwert worden ist und praktisch nur in den seltensten Fällen gestattet vird. Diese vollkommen ablehende Haltung Po- ens wird deutscherseits m t mit entsprechenden Segenmahnahmen beantwortet werden.

painleve über die Schulden- hrage und Marokko.

Paris, 5. Jul. (WB.) Rus Anlaß des amer 'an schon Unabhängigk itsfeste- fand in der imerikanischen Handelskammer in Paris ein Ball statt, an dem außer dein ameri­kanischen Botschafter auch der augenblicklich in Paris we lende ©ollicitor General Back und Ministerpr V den! Painlcvö teilnahmen Pain- ievL ergr ff bei dieser Gelegenheit das Wort zu ? ner Rede, in der er auch zu der Schul.)enfrage Stellung nahm.

Er erklärte. Frankreich verlange von dem amerikanischen Volke, dah die Grenzen des Möglichen festgesetzt würden und zwar mit dem Wirklichkeitssinn, der dem amerikanischen Volke eigen sei. Als Geschäftsleute kennen Sie, so wandte fich Painledg an die Anwesenden, die Schwierigkeiten der Transferierung grober Reich­tümer eines Volkes auf ein anderes Volk. Man hat davon viel im Zusammenhang mit dem Da- wesplan gesprochen. Die wirtschaftlichen Be­ziehungen der Welt sind heute, wenn sie auch normal sind, äußerst verwickelt. Man kann sie mit dem Laufe eines großen Stromes vergleichen, der, wenn er sich einen gewaltigen Umweg bahnt, beträchtliche Crdmengen stromabwärts mit sich fuhrt Diese Frage der Transferierung ist be­sonders heikel und man muh die Mittel für ihre Verw rklichung studieren. Ich beschränke mich auf die Betrachtung,

dah ein Doll, um viel zahlen zu können, auch diel ausführen muß

und daß es eine Art Zurückziehung der Völker auf sich selbst gibt, um diesen Export zu behindern.

3d) bin sicher, dah es genügt, zu Ihnen von diesen Fragen zu sprechen, damit Sie darüber nachdenken. Mit dem guten Willen, der Sie auszeichnet, und mit gegenseitigen vollem Vertrauen werden wir bei der schwerwiegen­

den Frage der interalliierten Schulden eine Lösung zu finden wissen, die den beiden interessierten Völkern das Gefühl gibt, daß sie recht und billig ist. Das ist aber nur eine Episode. Sogar der große Krieg, so schmerzlich er gewesen sein mag, ist auch nur eine Episode in der Geschichte der Menschheit. Wir haben auch noch andere Pflichten. Mit diesem Satz leitete Painlevtz über zu einem kurzen Hinweis auf die Vorgänge in Marokko. Er erklärte: Wir müssen die Völker, die noch nid)t unseren Grad der Zivilisation erreicht haben, bei der Hand nehmen. Wenn wir in Marokko kämpfen, so wollen wir keine Unterdrückung, sondern wir find Soldaten der Zivilisation.

Schwedischer Floltenbesuch in Kiel.

Kiel, 5. Juli. (WTB.) Die zu einem mehr­tägigen Besuch Kiels angekündigte schwedische F l o 11 e n a b t e i I u n g ist heute früh gegen 8 Uhr unter Abfeuern des Landessalutes im Kieler Hafen eingetroffen. Voraus fuhr das LinienschiffGu­stav V." mit dem Flottenchef Konteradmiral Riben an Bord. Dann folgten in langer Kiellinie ein klei­neres Linienschiff, Torpedobootzerstörer, drei Tor­pedobootsdivisionen, zwei Minensuchdivisionen und drei Unterseebootsdivisionen mit den dazu ge­hörigen Begleitschiffen, Flugzeugen und einem Flug­zeugmutterschiff mit einer Besatzung von insgesamt 2300 Mann.

Tausende von Zuschauern begrüßten an den Ufern und auf zahlreichen Barkassen die nordischen Gäste. Ueberall zeigt sich reicher Flaggenschmuck in schwedischen, deutschen und schleswig-holsteinisd)en Farben. Gegen 10 Uhr vormittags hatten alle Schiffe an Bojen festgemacht. Die Stadtverwaltung Kiel, die deutsche Marine und die Bevölkerung Kiels werden den schwedischen Gästen durch ein reichhal­tiges und festliches Programm herzliche Gastfreund­schaft erweisen.

Aus aller Welt.

Einbruch in die Schatzkammer von St. Peter.

Rom, 5. Juli. Außerordentlich ortskundige Diebe drangen in der Rächt zum 4. Juli von dem oberhalb der Sakristei gelgenen Saal des Kano- nikais von St. Peter durch ein in den Boden ge­schlagenes Loch in die Schatzkammer ein. in der sich der sehr wertvolle Schah befindet, darunter der Krönungsmantel Karls des Großen, der silberne Leuchter Lellinis und kostbare Ornate.

Die historischen Schätze selbst blieben un­angetastet, dagegen wurde der Fingerring der Pe- trusslatue, ein kostbares Brustkreuz, ein Geschenk des Königs von Spanien, ein vergoldeter Silberkelch mit Rubinen und mehrere andere Juwelen geraubt.

Der Wert der entwendeten Gegenstände beläuft sich nach den Blättern auf mehrere Millionen Lire. Die Polizei ist der Mei­nung, daß die Täter unter den 30 Arbeitern zu suchen sind, die in den angrenzenden Räumen Reparaturarbeiten auszuführen hatten und zum Teil im Kanonikat selbst schliefen.

Da die Mauern sehr dick sind, muß das Loch nach der Schatzkammer in mehreren Rächten her- gestellt worden sein. Die Diebe ließen am Tatort zahlreiche Einbruchswerkzeuge und elektrische Taschenlampen zurück. Da die Diebe mit Hand­schuhen gearbeitet haben, konnten keine Finger­abdrücke gesunden werden.

Der Papst ließ dem Kardinal von St. Peter anläßlich des Einbruches sein Mitgefühl aus­sprechen. Bezüglich des gestohlenen Petrusrrnges ist noch zu bemerken, dah der Vatikan erst vor kurzem eine vollkommene Rachblldung dieses Ringes anfertigen ließ, die der Petrusstatue im Dom am Peter- und Paul-Tage angesteckt wurde, während das Original in der Schatzkammer ver­blieb. 3n dieser wurde auch eine zerschlagene Monstranz ausgefunden, die die Diebe zurück­gelassen hatten, nachdem sie sich überzeugt hatten, daß sie nicht aus echtem Golde war.

Zu dem Einbruch in die Schatzkammer in der Peterslirche wird noch bekannt: 3n den Räumen oberhalb der Schatzkammer wurden in einem Fach Ziegel und Mauermassen gefunden, die von dem Einbruchsloch herrühren. Darüber war eine Kiste gestellt, in der die Arbeiter, die in der Sakristei beschäftigt waren, ihre Werkzeuge aufbe­wahrten. Vorgestern hatten sie den Auftrag er­halten, die Räume, welche für die Wohnung des Kanonikus bestimmt waren, zu räumen und vor allem den Fußboden freizumachen. Sie antwor­teten, daß das erst am nächsten Tage möglich sein werde. Einige Tage vorher war von dem Plafond der Schatzkammer der farbige Anstrich teilweise abgefallen. Die Bauleitung befürchtete einen Dau- schaden durch die Arbeiten oberhalb der Kammer.

Die Maurer aber erklärten, sie hätten dort bei den Arbeiten auch abgelocht und dabei Holz gespalten, wodurch eine Erschütterung entstanden sei. Die Polizei fahndete bisher vergeblich in allen römischen Garagen nach dem Auto, das zu ungewohnter Rachtzeit bei der Sakristei von St. Peter vorgefahren ist, ohne es zu finden. Von den Arbeiter.' find sieben in Gewahrsam ge­nommen worden.

Der 3nnenminifter sandte gestern einen Beamten zu Kardinalstaatssekretär Merrh del Dal, um ihm mitzuteilen, dah er sich persönlich für die Llntersuchung interessiere. Unter dem geraubten Gut dürfte das wertvollste Meßgerät des Kardinals Merry del Val fein, das er vor einiger Zeit dem Papst geschenkt hatte.

Der Empfang Amundsens in Oslo.

Oslo, 5. 3uli. (WB.) Der heutige Emp­fang der Polarflieger erfolgte bei strah­lendem Sonnenschein. Oslo war rcidj beflaggt. Längs der Straßen, die die Polarslieger pas­sieren sollten, hatten sich mehrere Stunden vor ihrer Ankunft zahllose Menschen versam­melt. Ungefähr ein Viertel vor eins flogen fünf Flugzeuge über die Stadt. Es waren Militär­flieger von Kjelle, die die Polarflieger be­grüßen sollten. Etwas später sah man 6 Flug­zeuge über dem Fjord näherkommen, unter denen man N 25 erkennen konnte. Sie flogen sehr niedrig und madjten eine Schleife über der Stadt. Darauf flieg N 25 ein kleines Stück über Dhna Fyr herab und näherte sich durch ein Spalier von flaggengeschmückten Motorbooten langsam der Hobnoerbrücke. Die Königin, die sich an Bord eines der Motorboote befand, fuhr bis zum N 25 und begrüßte die Polarflieger. Als N 25 über den Hafen flog, ertönten Salutschüsse von Akershus und vom englischen Geschwader. Alle Schiffe im Hafen liehen ihre Sirenen

ertönen. An der Hobnoerbrücke bestiegen die Polarflieger die Schaluppe, in der sie ans Ufer gerudert wurden.

Die Begeisterung der Zuschauer war g r o ß. Ueberall wurden Tücher geschwenkt. Der Storthingpräsident Lykke hieß die Polarflieger in einer Ansprache willkommen.

Warschau unter Wasser.

Warschau, 6. Juli. (TU.) Die Ueber- fchwemmungsgefahr in Warschau wird von Stunde zu Stunde größer. Um 4 Uhr nachmittags war die Weichsel bereits um 4,56 Meter über ihren gewöhnlichen Stand gestiegen. Die Stadt Star im Kreise Gavorin ist vollständig überschwemmt. Meh­rere Personen sind ertrunken. In Warschau hat man gestern in der Weichsel zum erstenmal verschie­denes fortgeschwemmtes Inventar beobachtet. Abends um 8 Uhr drang das Wasser in die Straßen der Stadt. Einige Boulevards in der Weichselnähe wurden überschwemmt. Die Panik ist unbeschreiblich. In der Vorstadt Praga erwartet man eine große Katastrophe. Die Bevölkerung hat sich in Sicherheit gebracht.

Schwere Einsturzkatastrophe in Boston.

Boston, 4. 3uli. (WB) Anläßlich des heutigen amerikanischen Rationalfeierta­ges veranstaltete ein hiesiger Klub einen Aus­flug, an bem hundert Gäste teilnahmen. Während der festlichen Veranstaltung, wobei auch getanzt wurde, stürzte eine Wand des Tanz­saales ein und begrub viele Festteilnehmer unter ihren Trümmern. 18 Personen konnten gerettet werden. Die anderen liegen zum Teil noch lebend unter dem Mauerschutt. Die Ursache des Unglücks ist bisher noch nicht festgestellt.

Zu dem Unfall erfahren wir noch folgende Einzelheiten:

Etwa hundert Personen nahmen an einer Vorfeier teil, die der hiesige Picknick-Club aus Anlaß des amerikanischen Rationalfeiertages in seinem Gebäude veranstaltete. Durch den Ein- stürz der Seitenwand des fünfstöckigen Hauses, der in der frühen Morgenstunde erfolgte, wurden die Festgäste verschüttet. Man fürchtet, daß

acht Menschen umgekommen

sind. Etwa 30 sollen noch unter den Trümmer- massen begraben sein. Zahlreiche Personen wur­den verletzt. Die eingestürzte Wand war durch Ausgrabungen, die durch eine nebenange» legene Baustelle verursacht waren, bereits ge - s d) w ä ch t. Der Einsturz erfolgte, als das Or­chester gerade zum Tanz aufspielte. 3nfolge des Einsturzes der Wand krachten die drei unbewohn­ten Oberstockwerke und Telle des zweiten Stock­werks herunter.

Der ganze Tanzboden gab nach und stürzte in das Erdgeschoß, wobei er die Mehrzahl der Anwesenden unter den Trümmern begrub.

Die ersten geretteten Personen, etwa 18, wurden teils schwer verletzt.

Da Gefahr bestand, daß auch die anderen Wände einstürzten, wurde das Rettungs­werk ernsllich behindert und zog sich durch meh­rere Stunden hin. Einem Manne mußten die Finger amputiert werden, da er nicht anders be­freit werden konnte. Aerzte krochen in die Trümmerhaufen hinein und gaben schwer verletz­ten, zwischen den Trümmern eingekeilten Perso­nen schmerzlindernde Einspritzungen.

Bluttat einer Zigeunerbande in Huesten.

Aus Hamm wird gemeldet: Eine schwere Bluttat hat sich in Huesten zugetragen. Dort waren in einer Wirtschaft Zigeuner und Korb­flechter eingekehrt, die miteinander in Streit gerieten; dabei kam es zu einer Schießerei, in deren Verlauf der an dem Streit völlig unbet'iligte Geschäftsführer ©ruben aus Hue­sten einen Kopfschuß erhielt, der kurze Zeit darauf den Tod herbeiführte. Der Schirmflicker Klein erhielt einen Bauch- und Armschuh. Zwei Zigeuner wurden lebensgefährlich verletzt. Ebenso wurde ein Zigeunerweib durch einen Schuh er­heblich verletzt.

Rach der Schieberei ergriffen die Zigeuner die Flucht, konnten aber von der Polizei entdeckt und dingfest gemacht werden. Der Haupttäter, der den Geschäftsführer Gruben er­schossen hat, ist ein Zigeuner namens Wagner, der schon seit langer Zeit wegen der Er­schießung eines Landjägers steckbrieflich verfolgt worden ist. 3n dem Wohnwagen der Bande wurden zahlreiche Revolver und andere Waften gesundem

Sturmschaden bei Mailand.

Rom, 5. 3uli. (WTB.) Heber ©refeen- zago bei Mailand ist heute ein schwerer Wol­kenbruch und Sturm niedergegangen und hat von einigen Werkstätten die Dächer herunter3 gerissen, so daß sich über die Arbeiter ein wahrer Dachregen ergoß. Mehrere Arbeiter sind mehr oder weniger schwer verletzt worden. Der Sturm hat große Bäume entwurzelt und in einzelnen Wohnhäusern starken Schaden an- gerichtet.

Eine südamerikanische Stadt eingeäschert.

Berlin, 6. 3uli. (TA.) Wir hören aus Reuhork: Rack) einer Meldung aus Bogota (Kolumbien) ist die Stadt Manicales, die 65 000 Einwohner zählt, durch eine Feuersbrunst, die bei einem Farbhändler ausbrach, voll­ständig zerstört worden.

©rubenunfall in Oberschlcsien.

Berlin. 6. 3uli. (TA.) Wie wir aus Breslau hören, ist in der Rächt zum Sonntag auf der ZecheKonkordia" in Hindenburg (Ober­schlesien) ein Schacht in einer Ausdehnung von 150 Meter eingebrochen. Zwei Arbeiter konnten nur als Leichen geborgen werden, em dritter Arbeiter erlitt schwere Kopfverletzungen.

Große ExPlosionSkatastroPhe in Rußland.

Wilna, 6. 3uli. (TU.) 3n Polvnk (Sow­jetrußland) explodierte eine der größten sow­jetrussischen Munitionsfabriken. Es waren dort 300 000 Kg. Dynamit untergebracht. Cs ist ungeheuerer Schaden angerichtet worden.

Döhmensahrt des Berliner Lehrergesangvereins.

Der Berliner Lehrergesangver- e i n, der erst vor kurzem von einer Rheinland­reise zurückgekehrt ist, ist nad) der Tsche ch o - s l o w a f e i abgereist, wo er anläßlich des Sän­gerbundfestes der Sudetendeutschen in Aussig drei Konzerte geben wird.

Wettervoraussage.

Zunehmende Bewölkung, westliche Winde, warm, strichweise Niederschläge.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 6.3uü 1925.

* * Der Kreisausschuß hält während der Zeit vom 15. 3uli bis 15. September Serien. 3n dieser Zeit kommen nur besonders schleunige Sachen zur Verhandlung. Auf den Lauf der gesetzlichen Pflichten sind die Ferien ohne Einfluß.

* * Der Prozeß gegen den Mörder Anger st ein von Haiger beginnt heute vor dem Schwurgericht in Limburg a. d. L. Zu der Ver­handlung sind über 150 Zeugen und 27 Sach­verständige geladen. Der Prozeß dürfte voraus­sichtlich die ganze Woche aussüllen. DerGie­ßener Anzeiger" wird bei der ganzen Ver­handlung durch einen eigenen Bericht­erstatter vertreten sein, der durch langjährige fachliche Erfahrungen für große Prozesse beson­ders geeignet ist.

0 Krafträder und Kleinkraft­wagen im Dienst von Außenbeamten. Der Verkehrsentwicllung folgend, soll auch in Hessen den Beamten, deren Tätigkeit haupt­sächlich in auswärtigen Geschäften besteht, die Beschaffung von Krafträdern und Kleinkraft­wagen durch Gewährung von Ankaufsvorschüssen erleichtert werden. Rach den vom Reichsfinanz­ministerium ausgearbeiteten Grundsätzen ist die dienstliche Verwendung von Kraftfahrzeugen überall da zu fördern, wo die Dienstverrichtung günstig beeinflußt, insbesondere Zeitersparnis, Vermeidung sonst notwendiger Persxnalvermeh- rung erzielt wird, wo das Wegenetz hinreichend ausgebaut ist und wo der Aufwand für Be­schaffung, Unterhaltung und Betrieb des Fahr­zeugs im Vergleich zu den Kosten der bisherigen Beförderungsmittel und zu den erstrebten Vor­teilen in vertretbaren Grenzen bleibt.

* * Personalien. Ernannt wurde der Strafanstaltswachtmeister auf Probe bei der Zellenstrafanstalt Butzbach, Karl Heinrich Gon - ter, zum Strafanstaltsoberwachtmeister bei dieser Anstalt mit Wirkung vom 1. 3uli ab. Ver­seht wurde am 1. 3uli der Amtsvorstand des Forstamts Büdingen, Forstrat Hugo Kirch­ner zu Büdingen, in gleicher Diensteigenschaft in das Forstamt Dudenhofen. 3n den Ruhestand getreten ist auf Grund des Altersgrenzegesetzes der Rektor Heinrich Muhl an der Volksschule zu Vilbel.

* * Der Hessische Genofsenschafts- verband Darmstadt hielt mit den Rechnern der Kreditgenossenschaften in dem Bezirk der Gießener Kreisstelle in dem Eisenbahnhotel Hopfeld eine Besprechung ab, an der 56 Rechner teilnahmen. Der Leiter der Kreisstelle referierte über die Behandlung des Wechsels, der sich jetzt auch auf dem Lande immer mehr einbürgert. Ferner wurde über Zinspolitik, Halbjahres­abschluß und die Lage des Geldmarktes ge­sprochen.

* * Wohnungseinbruch. Der Polizei­bericht meldet: Am Samstag vormittag zwischen 93/i und 103A, Uhr wurde in einem Hause in der Crednerstraße, während der Wohnungs­inhaber nach dem Wochenmarkt gegangen war, ein Wohnungseinbruch ausgeführt. Gestohlen wurden 40 Mk. und eine silberne Taschenuhr mit großgliedriger Kette. Als Täter kommt ein Mann in Frage, der ungefähr 2530 3ahre alt und mittelgroß ist. Er trug braunen Anzug mit feinen Streifchen und Filzhut. Sachdienliche Mit­teilungen über den bezeichneten Täter nimmt die Kriminalpolizei entgegen.

"Herrenlos. Auf dem Polizeiamt sind einige zweirädrige Handkarren und einige Wägelchen als herrenlos sichergestellt. Sie können von den Eigen­tümern abgeholt werden.

* * Zur Richtigstellung. 3n der am Samstag veröffentlichten Ankündigung des Wohl­tätigkeitskonzerts von Wilhelm Sd)ättlers Schule am kommenden Mittwoch abend im Singsaal des Realgymnasiums ist ein Sehfehler unterlaufen. StattSchule für höheres Klavier­spiel", wie fälschlich zu lesen war, nruh er rich­tig heißenSchule für höheres Violin spiel". Man beachte im übrigen die heutige Anzeige.

* * Aus dem Gießener Standes­amt s r e g i st e r. Cs verstarben in der Zeit vom 18. bis 30. 3uni: 18. Georg Friedrich 3ordan. Kaufmann, 59 Jahre alt, Moltkestvaße 26. 19. Wilhelmine Emilie Harries, geb. Prüfe, 44 Jahre alt, Asterweg 35. 20. 3ohannette> Schreier, geb. Zammert, 57 3ahre alt, Kirchen­platz 11. 20. Katharine Decht, geb. Raumann, 31 Jahre alt, Drandgasse 5. 21. Elisabeth Marga­rete Dickhardt, geb. Kroh, 31 3ahre alt, Schott­straße 7. 22. Johann Friedrich Diehl, Müller. 79 3ahre alt, Licher Straße 74. 24. Auguste Fuhr, Kontoristin, 40 3ahre alt, Ostanlage 38. 24. Anna Drück, Dienstmädchen, 29 3ahre alt, Bahnhofstraße 52. 25. Sophie Doeck, geb. Ctling, 85 Jahre alt, West anlag e 46. 25. Gustav Ludwig Schlie, Oberpostsekretär, 55 3ahre alt, Ludwig- straße 64. Friedrich Wilhelm Schupp, Heizer. 48 3ahre alt, Ederstrahe 4. 28. Dr. Adolf Vossius, Tlniversitätsprofessor i. R., 70 3ahre alt, Frankfurter Straße 48. Georg Konrad Diehl. Rangiermeister i. R., 76 3ahre alt, Licher Straße 74. 29. Johann Christoph Martin Balser, Mon­teur, 54 3ahre alt, Landgraf-Philipp-Platz 6. 30. Lisette Marx, geb. Hirsch, 69 Jahre alt, Bahnhofstraße 39. 30. Adam Cröhmann, Feld- schütz, 84 Jahre alt, Ludwigsplah 4. 30. Kaspar Fehl, Schuhmachermeister, 59 Jahre alt, Wolf- straße 21.

"AuftriebausdemheutigenFrank- furter Schlachtoiehmarkt: 521 Ochsen, 477 Dullen, 1095 Färsen und Kühe, 524 Kälber, 137 Schafe, 4031 Schweine.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag: 6 Uhr Stadthaus: Mitgliederversammlung des Kunstoereins. D. D. A.: 8| Uhr Hotel Köhler Vortrag überDie flämische Frage". Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Tropenpracht". Astoria- Lichtspielc:Schneller als der Tod .

Akademische Wettkämpfe finden morgen, Dienstag, ab 4 Uhr nachmittags, auf dem Turn- und Spielplatz am Schützenhaus statt. Räheres im heutigen Anzeigenteil.

Deutsche Volkspartei. Man schreibt uns: In der Juli-Monatsverfammlung der Deut­schen Volkspartei, die am Mittwoch, 8. d. M., abends 8i Uhr, im Saale des Gewerbehauses ftattfinbet, spricht Prof. Roloff überDie deutsch-französi­schen Beziehungen in den letzten 100 Jahren". An- aesichts der jetzt stattfindenden Tausendjahrfeiern im Ryeinland und der politischen Diskussion, die zwi­schen Deutschland und Frankreich zur Zeit stattfindet, dürfte dieser Vortrag aus berufenem Munde von ganz besonderem Interesse fein.