Ausgabe 
6.7.1925
 
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Nr. 155 Erstes Ltau

175. Jahrgang

Montag, 6. Juli (925

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Kein deutsch-französisches Provisorium.

Paris, 5. Juli. (XU.) Handelsminifier Chaumet und Staatssekretär von Trende­lenburg hatten gestern eine weitere Unter­redung, die völlig ergebnislos verlies. Beide Herren sind zu der Erkenntnis gelangt, daß es nicht möglich ist, vor den Parlamentsserien .ein provi­sorisches Abkommen zu treffen.

Am Montag findet eine Schlußsitzung zwischen Trendelenburg und Chaumet statt, aus der bestimmt werden soll, was weiter geschehen wird. Am Dienstag wird sodann die deutsche Abordnung wahrscheinlich die Rückreise nach Deutschland an- treten.

Der Grund für den Abbruch der Verhand­lungen soll darin bestehen, daß von deutscher Seite die französische Forderung aus Meistbegünstigung für Weine und Textilien definitiv abgelehnt werden mußte. Die Unterzeichnung eines provisorischen Ab« komens vor Schluß der Liammersession, die be- kannllich am 16. Juli stattfindet, war völlig unmög­lich. Da die Franzosen im Lause des Winters eine völlig neue Zolltarifoorlage einbringen wollen, be­steht Grund zu der Annahme daß die Verhand­lungen voraussichllich nicht vor März näch­sten Jahres wieder ausgenommen werden.

Die deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen. Paris, 4. Juli. (WTB.) Das franzö­sische Handelsmini st erium verbreitet über das Ergebnis der heute nachmittag zwischen Staatssekretär Dr. 'Trendelenburgund Han­de lsminister Chaumet geführten Verhandlungen folgendes Kommunique:

Nach Empfang der letzten französischen Vor­schläge bezüglich der Parisierungsbedingungen wie der allgemeinen Klausel des vorgeschlagenen Han« delsabkommens hat der Führer der deutschen Dele­gation dem Handelsminister die Gründe ausein­andergesetzt, aus denen es die Berliner Regierung für unglücklich erachtet, das Abkommen so recht­zeitig abzuschließen , um die Billigung des deut­schen und französischen Parlaments vor Schluß der Session erhalten könne.

Deutschland sieht sich nicht in der Lage, den französischen Weinen eine Meistbe- günstigung zu gewähren, d. h. den Vorzug er« mäßiater Zölle, wie es ihn Spanien und Italien gewährt hat. Es kann auf ihn nur eine höhere als die von Frankreich gewünschte Parisierung anwen­den. Ebenso kann es nicht, trotzdem die französische Regierung ihre frühere Forderung bezüglich der Be- willgung einer Borzugsbehandlung für elsäs­sische Textilwaren aufgegeben hat, für diese Produkte die Tarife bewilligen, die die französische Regierung fordert, sondern nur durchschnittlich 40 bis 90 Proz. höhere Zölle als die gegenwärtigen deutschen Zölle und 150200 Prozent höhere als die französischen Zölle für die gleichen Produkte. Deutschland erwäge andererseits nicht, daß die letz- ten französischen Angebote trotz der Konzessionen, deren Bedeutung es nicht bestreite, ihm auf dem französischen Markt einen gleichwertigen Platz zu­sicherten, wie Deutschland ihn auf dem [einigen dem französischen Export reserviert glaubt. Es ist daher der Ansicht, daß es unmöglich sei, vor Schluß der Sessionen der beiden Parlamente zu einem Ab­schluß zu kommen, und schlägt vor, die Verhand­lungen aufzuheben, indem man jedoch im Hinblick aus spätere Unterhandlungen Fühlung behalte. Da Hondesminister Chaumet der Ansicht ist, daß bezüglich der allgemeinen Grundlagen des Abkom­mens keine Differenz bestehe, und daß die stritti­gen Parisierungssragen sich aus nur wenige allerdings wichtige Punkte beschränken, hat er der deutschen Delegation die Unzuträglichkeiten ange­deutet, die sich aus einem weiteren Aufschub des von ihm übrigens als kurz bevorstehend geglaub- ten Abschlusses des Abkommens ergeben würden, das die beiden Länder seit vielen Monaten erwar­teten. Er hat mit Staatssekretär Dr. Trendelenburg für Montag abend eine Zusammenkunft verein­bart, um zu untersuchen, wie der Kontakt im Hinblick auf spätere Verhandlungen aufrecht er­halten werden kann.

Die Räumung der Ruhr.

Dortmund, 4. Juli. (WTB.) Wie uns berichtet wird, ist den Stadtverwaltungen von Recklinghausen und Gelsenkirchen von den Orts­kommandanten der Besatzung mitgeteilt worden, daß alle von der Besatzung in Anspruch ge­nommenen Räume einschließlich der Massen- quartiere in Recklinghausen dis zum 14. Juli und in Gelsenkirchen bis zum 15. Juli geräumt wer­den. Daraus darf wohl der Schluß gezogen wer­den, daß die Besatzungstruppen bis zu den genannten * Terminen aus diesen Städten abge­zogen fein werden.

Schurman über Deutschland und Amerika.

Berlin, 5. Juli. Am Samstagabend wurde im Hotel Adlon der Jahrestag der amerikani­schen Unabhängigkeitserklärung ge­feiert, und zwar zu Ehren des neuen Botschafters, Prof. Jakob S ch u r m a n s. Neben den Miegliedern der amrikanischen Botschaft hatte sich die Gattin des deutschen Botschafters in Washington, von M a l tz a y n, eingefunden, sowie die hier weilenden Mitglieder der amerikanischen Handelskammern.

Der Präsident der amerikanischen Handelskammer in Berlin, Freidr. W. King, toastete zuerst auf den Präsidenten C o o l i d g e und dann auf den Reichs­präsidenten v. Hindenburg. Schurman betonte

Französische Niederlagen in Marokko.

Abfall der Stämme. Beruhigungsversuche Pain!ev6s. Ein neuer Oberkommandeur.

Paris. 6. Juli. (III.) Die Nachrichten aus IHarotfo lauten außerordentlich ungünstig. ftadj einem Bericht der Radioagentur sind weitere Stämme die seither noch an der Seite der Fran­zosen standen. zu Abd cl Krim übergetre­ten. Die wenigen noch treuen Eingeborenen zeigen eine große Blödigkeit und Unentschlos­senheit. Das französische Oberkommando wird von den Eingeborenen verdächtigt, sein Versprechen nicht gehalten zu haben, daß die von Abd el Krim besetzten Gebietsteile rechtzeitig zurückerobert wür­den. damit die Ernlearbeiten noch beendet werden könnten. Statt des angesagten Vormarsches seien die französischen Truppen immer weiter zurückge­gangen. ,

Die mohammedanischen Führer erklären ganz offen, daß, wenn nicht durch eine große Offensive das verlorene Terrain wieder zurückerobert würde, sie für die weitere Franzosenfreundlichkeit der Stämme die Verantwortung nicht übernehmen könnten.

Ein Kommunique des Kriegsministeriums.

Paris, 6. Juli. (TU.) Die Presse-Berichte über die ungünstige Kampflage in Ma­rokko und die sich ständig ausbreitende Abfall­bewegung der bisher treug.bli.'benen Stämme hat in Varis große Erregung hervor­gerufen, so daß sich im Verlaufe der Rächt das Kriegsmini st erium zu einer Richtigstel­lung veranlaßt sah. Es heißt darin, daß der (Betrat einzelner Stämme eine bei einem Kolonialüneg unvermeidliche Episode fei, die keine (Beranlaffung zu einer Beunruhigung gäbe. Der Feind fei besser bewaffnet, als vor zehn Jahren, greife häufiger und geordneter auf einer sehr ausgedehnten Front an und beherrsche bei ge­schickter Ausnutzung des Geländes ganz moderne Kampfmethoden. Es bestehe kein Grund, nervös zu fein, wenn lokale Rückwärtsbewegungen und Umgruppierungen vorgenommen würden, weil auf sie heftige Gegenstöße erfolgen würden.

P a i n l e v e ergänzte den amtlichen Bericht durch einen längeren Artikel imMatin": Die Schwierigkeiten im Marokko-Feldzug beständen in der Unmöglidtfeit, europäische Kriegstaktik an­zuwenden. Die ausgedehnte Front verhindere die Abwehr von üleberfällen. Trotz des Verrates der Stämme und der Erfolge Abd el Krims fei Fez nicht bedroht. Painleve hebt weiter den günstigen Fortgang der fpanifch-sranzösischen

Verhandlungen

hervor und erklärte, bei den gemeinsamen Frie­densbedingungen müsse selbstverständlich das

in seiner Ansprache, er glaube an die Wiederherstel- lung und Erstarkung Deutschlands. Die endgültige Befriedung Europas und die Herstellung eines herz­lichen Freundschaftsverhältnisses zwischen Deutsch­land und Amerika zu vollenden, das werde unter allen Umständen von seiner Seite geschehen, und er wisse sich in dieser Aufgabe eins mit dem ganzen amerikanischen Volke.

Die englisch-russischeKrise.

London, 5. Iuli. (1DIB3 DieSunbat) Times" veröffentlicht einen Bericht, in dem es heißt: Die englisch-russischenBeziehungen befinden sich jetzt an einem kritischen Punkt. Die Lage wird vom Kabinett für so ernst angesehen, daß die Möglichkeit eines Abbruchs der diplomati­schen Beziehungen in der am Freitag ab- gehaltenen Kabinettssihung erwogen wurde. BJahr- scheinlich wird, bevor eine drastische Aktion erfolgt, eine nachdrückliche Warnung an die Sowjetregie­rung gerichtet und eine Erklärung ihrer feindseligen Tätigkeit und deren Einstellung gefordert werden.

Das Blatt fügt hinzu, der Abbruch der englisch- russischen Beziehungen würde nicht den Krieg be­deuten, sondern nur die Rückkehr der Lage vor dem Zeitpunkt, in dem Macdonald die Sowjetregierung anerkannt habe. ImO b s e r v e r" weist Garvin darauf hin, daß die Beziehungen zwischen Tokio und Moskau jetzt weniger freundschaftlich sind als noch vor einigen Monaten, und bemerkt: Groß­britannien kann nicht den offenkundigen Mißbrauch der von ihm der Sowjetregierung gewährten diplo­matischen Anerkennung dulden. Es ist anzunehmen, daß Tschitscherin ein Staatsmann ist, der die Torheit der gegenwärtigen Herausforderungen ein­sieht. Aber Sinowjew hat mehr Macht als er, und er verwendet diese, als ob er die Absicht hätte, die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien zu zerstören, ebenso wie er die Aussichten auf eine Anleihe vernichtet und den Sturz der englischen Ar­beiterregierung verursacht hat.

Eine Protestnote Tschitscherins

M o s k a u. 4. Juli. (Wolff.) (Russische Tele­graphen agentur.) Tschitscherin erhob in einer Rote an den britischen Geschäftsträger in Mos­kau Einspruch gegen die Verhaftung des Vertreters des Raphtasyndikats der Sowjetunion in Hongkong, Dosser, duych die britischen De- hördßn und gegen dessen auf Anordnung des britischen Richters in Schanghai erfolgte Aus­lieferung an ein gemischtes Gericht. Tschitscherin bezeichnet das Schriftstück, auf Grund dessen Dos­ser angeklagt wurde, als plumpe Fälschung und erinnert bei dieser Gelegenheit an frühere Vorstellungen der Sowjetregierung und Ra­kowskis über die böswilligen Machenschaften von

Prestige Frantreichs bei ben Stammen unversehrt bleiben. Diese würde i nicht nur von der Friedfertigkeit, sondern auch von dem tat­sächlichen Siege Frankreichs überzeugt w:r.>ea. Truppenverstärkungen.drn heute nach Ma­rokko abgehen, außerdem halte es die Regierung für notwendig, im Einverständnis mit Marschall L i a u t h e y an die Spitze der französischen Streitkräfte einen Oberkommandierenden zu sehen, der die Verantwortung für sämtliche Kampfhandlungen ü emehmen müßte. Der Ober- kommandierende werde beut? vom Kriegsministe­rium ernannt werden. Die Blätter nennen ü5er- einstimmend den Targas.

Friedensvorschläge"

der Madrider Konferenz.

Paris, 6. Juni. (5U.) Wie der Madrider Berichterstatter desJournal" in einer Unter­redung mit Malvy erfahren hat, hat sich die französisch-spanische Konferenz in ihrer letzten Sitzung mit der Abfassung von Friedensvorschlägen für Abd el Krim beschäftigt. Es handelt sich um ein öffentliches Friedensangebot und nicht offiziöse Vorschläge, die durch Mittelspersonen überbracht werden sollen. Die Vorschläge seien die folgenden:

Abd el Krim und der Rifbevölkerung wer­den die wirtschaftliche und administrative Frei­heit unter der Oberhoheit des Sultans inner­halb der festgelegten Grenzen garantiert.

Abd el Krim werde ferner der rein shm- bolischen Bedeutung halber nicht das ge­samte Waftenmaterial, sondern nur 50 000 Schnellfeuergewehre abtreten.

Malvh fügte hinzu, die französisch-spanische Verständigung Eoirnte als vollzogen angesehen Werdern

Der Botschafter Po rett i erklärte, daß, wenn Abd el Krim die Vorschläge Frankreichs und Spaniens nicht annähme, große gemein­same Operationen erforderlich würden. Primo de Rivera wird nach der Konferenz nach Afrika zurücktehren.

Neue Kreditforderungen für Marokko.

Berlin, 6. Juli. (DU.) Wie wir aus Paris hören, wird im Verlauf dieser Woche die Regierung der Kammer das neue Kredit­begehren für Marokko unterbreiten. Rach den Blättern gift schon jetzt als feststehend, daß die Sozialisten diese Kredite ablehnen werden.

Fälschern sowjetistischer und kommunistischer Schriftstücke. Er fordert Riederschlagung des Ge­richtsverfahrens und Entlassung Dossers aus der Haft, indem er sich weiterhin das Recht auf Schadenersatz vorbehält.

Tschitscherin gegen die polnischen Grenzübergriffe.

Moskau, 4. Juli. (WTB.) Rufs. Tel.°Ag. Tschitscherin hat heute an den polni­schen Gesandten eine Protestnote gegen die Grenzüberfälle von polnischen Soldaten auf russisches Gebiet bei Lepeschowka-Schilicha am 28. Juni berichtet. Er fordert darin sofortige Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Grenz­sicherheit und Bildung einer gemischten paritäti­schen Kommission zur Untersuchung der Zwischen­fälle. Gleichzeitig behalt er sich das Recht vor, Schadenersatzansprüche zu stellen.

Der Moskauer Studentenprozeh

Berlin, 4. Juli. Wie die Blätter hören, ist der deutsche Botschafter in Moskau beauf­tragt worden, bei der Sowjetregierung Ein­spruch gegen die Vollstreckung der gegen die beiden deutschen Staatsangehörigen gefällten T o - desurteile zu erheben.

Weiter wird berichtet, daß der Anwalt Ditt­mers ein Begnadigungsgesuch für seine Mandanten eingereicht hat.

Protest gegen das Moskauer Blururteil.

Die Deutsche LigafürMenschenrechte hat an den Rat der Volkskommissare in Moskau folgendes Telegramm gerichtet: Die Deutsche Liga für Menschenrechte nimmt gegen die Regie­rung das primitivste Recht des Menschen auf sein eigenes Leben wahr. Sie appelliert an die russi­sche Regierung auf Richtvollstreckung der Todes­urteile gegen die drei Deutschen, um so mehr, da niemand durch die Verurteilten zu Schaden ge­kommen ist und Sowjetruhland die Todesstrafe als legales Mittel abgeschafft hat.

Deutschland unterzeichnet die internationale Waffenhandelskonvention.

Genf, 5. Juli. (TU.) Der deutsche Delegierte bei der internationalen Waffenhandelskonferenz, v. E ck h a r d t, hat heute die internationale Konven­tion über die Ueberwachung des internationalen Waffenhandels unterzeichnet.

63/4 UMiionea Deutsche.

DieVolkszäftlunq im Deutschen Reiche.

Berlin, 4. Juli. (WTB.) Rach den Zu­sammenstellungen des 6.a.i\ii.,cn ReichSam'.eS über das von den Gemeinden und statistis' en Lande^ämtern ermitte .cn vorläufigen Er- gebnis der Volkszählung vom 16. C .\x beträgt die Bevölkerung i'c5 Druti hen T. I s ohne Saargebiet 62,5 Millionen. Re. met an auch noch das Saargebiet, in dem wegen seiner vorübergehenden Lostrcn.iung von der deuts' en Verwaltung nicht gezählt werden konnte, i.üt seinen rund 750 000 Einwohnern hinzu, so be­ziffert sich die

Oefamtbcbö.Lervng des Le tf en Reiches auf 63,25 Uli I onen Einwohner.

Das ist etwa die gleiche Bevölkerungszahl, wie sie das Deutsche Reich früheren Llmsangs bc- retts Ende 1908 aufzuweisen hatte. Bei Aus­bruch des Weltkrieges zählte das Deutsche Reich bereits 68 Millionen Einwohner. Für das Reich innerhalb seiner heutigen Grenzen, jedoch ohre Saargebiet, hat sich nach der Zählung vom 16. Juni gegenüber der Zählung vom 8. Oktober 1919 eine Zunahme dec BevöÜerung um rund 3,3 Millionen oder 5,6 Prozent ergeben. Im vorhergehenden Zählungszeitraum, 1910 bis 1919, betrug infolge der Kriegsverluste die Zunahme der Bevölkerung im heutigen Reichsgebiet ledig­lich 1,4 Millionen oder 2,4 Prozent. Gegenüber der letzten Vorkriegszählung, am 1. Dezember 1910, hat sonah die Zählung vom 16. Juni 1925 eine Zunahme von rund 4,7 Millionen oder um 8,1 Prozent ergeben.

Auf dem heutigen Reichsgebiet, jedoch ohne Saargebiet, wurden gezähft insgesamt: am 16. Juni 1925: 62 468 762 Einwohner, davon 30168 033 männliche und 32 300 729 weibliche: am 8. Oktober 1919: 59178 185 Einwohner, davon 28171 980 männliche und 31006 205 weibliche: am 1. Dezember 1910: 57 798 369 Einwohner, davon 28 489 817 männliche und 29 308 552 weib­liche.

Der Streit

um die Exterritorialität.

Tokio, 5. Juli. (WB.) Reuter. Obgleich die japanische Regierung nicht abge­neigt ist, der A'bsa-a ffung deS exterri­torialen Rechts in China zuzustimmen, hält dws japanische Auswärtige Amt eine Be­sprechung dieser Angelegenheit während der Dauer der augenblicklich herrschenden Llnruhen für un­möglich und betont, daß die Entschließungen der Washingtoner Konferenz die Einberufung einer besonderen Konferenz zur Erledigung dieser Frage vorsehen, sobald die Lage es gestattet. Im japanischen Auswärtigen Amt wurde erklärt, man habe keine Kenntnis von irgendeinem amerikanischen Vorschläge zur Ein­berufung einer Konferenz der betei­ligten Mächte in be-ug auf China, von der in Preffemeldungen aus Washington die Rede war.

Keine amerikanische Vermittlung im China-Konflikte

Paris, 4. Juli. (Wolfs.) Rach einer Sonder­meldung desReuyork Herold" aus 2D a f h in g f o n sagt eine offiziöse Ankündigung der Regierung der vereinigten Staaten, daß man sich mit keinem Vorschlag beschäftige, eine internationale Konferenz einzuberufen, um die Frage der Ex­territorialität in China, wie sie durch die 5. Reso­lution des Jahres 1922 vorgesehen ist, zu beraten.

Neuordnung in China.

Kanton, 5. Juli. (WB.) Reuter. Rach- dem die neue Zentralregrerung am ver­gangenen Mittwoch feierlich eingeführt worden war, ist gestern die neue Provinzialre- g ier u n g nut dem Sohne des verstorbenen Sunhatsen als Kommissar für den Wiederaufbau eingesetzt worden. Dr. Wu hat das Amt eines Kommissars für Kanton übernommen. Es wird angenommen, daß die neue Regierungskommission an die Stelle des bisherigen ZivilgvuverneurS treten wird.

Der amerikanische Konsul in Kanton, J e n - k i n s, sagte in einem Interview mit einem Vertreter des Reuterbüros auf die Frage, ob er von den chinesischen Behörden zur Teil­nahme an der von diesen eingeleiteten 11 n t e t« suchung über d ie Zwischenfälle in Kanton eingeladen worden sei, er habe eine Einladung zu einer Zusammenkunft erhalten, an der er am 25. Juni tei(genommen habe. Er habe dann erklärt, er könne ohne besondere Be­vollmächtigung seitens seiner Regierung nicht handeln, sondern nur a l s inoffizieller Beobachter zugegen fein. Er. Jenkins, hoffe, daß Mittel und Wege gesunden würden, um Verhandlungen zwecks Wiederherstellung der freundschaftlichen Beziehungen ein- zuleiten. Der Stellvertreter des deutschen Generalkonsuls gab dem Vertreter des Reuter­bureaus eine ähnliche Erklärung ab.

Die Lage in Kanton ist im allgemeinen ruhig: jedoch werden die Verteidigungsanlagen um das Fremdenviertel Schameen von Tag zu Tag verstärkt.

Sicherheitskonferenz im Haag?

Berlin, 5. Juli. (TU.) Aus London wird beerichtet:: In hiesigen politischen Kreisen ver- berichtet: In hiesigen politischen Kreisen ver­lautet, daß der deutscheGesandte im Haag am Samstag im holländischen Außen­ministerium eine Demarche unternommen hat.