Das Dortmunder Grubenunglück.
Aus dem Preußischen Landtag.
Am RegierungStisch: Handelsminister Dr. Schreiber.
Anträge Der Deutschnationalen, des Zentrums, der Deutschen BoWpartei und der Demokraten über die Auflösung der Seminare werden dmi Unterricht-ausschuß überwiesen.
Auf der Tagesordnung steht dann die erste Beratung der Anträge über die Aufbesserung deS Dien st einkomme ns der evangelischen und katholischen Pfarrer.
Nachdem noch der Abg. Voß (Ratsoz.) die Zustimmung seiner Partei zu den Anträgen erklärt und der Abg. König- Swinemünde (Soz., sich gegen die Anträge ausgesprochen hat, überweist ^is Haus die Anträge dem Ausschuß für Deamtenfragen.
Das Haus beschließt nach dem Ausschutzantrag. '
Es folgt sodann die gemeinsame Beratung der etwa 25 großen Anfragen und ücanträge aller Parteien aus Anlaß des Dortmunder Grubenunglücks.
Aba O st e r o t h iSoz.) empfiehlt dem Landtag. enotief) den zahllosen Versprechungen, daß alles Menschenmögliche getan werden müsse, um die Wiederkehr solcher Unglücksfäkle zu verhindern. die Tat folgen zu lassen. Die schauerliche Tragödie von Dortmund Hobe nicht nur die 135 Opfer, sondern noch schlimmer die überlebenden Angehörigen 6 treffen. Wo"er sollten angesichts solcher entsetzlichen Katastrophen der Bergmannsberuf Freudigkeit und A beits- eifer hernehmen? Hoffnungslose VerAweiflungs» stimmung müsse ihn erfassen. Es müsse wieder eine menschliche Arbeitsweise auf den Gruben Platz greifen. Die in den letzten Tagen viel zu groh angelegten Steigerreviere mutzten beträchtlich verkleinert werden. Hier und in der Heber- schichten wirtschaft und Vermehrung der A.beils- zeit liege ein großer Keim der Schuld an dem gräßlichen Unglück.
Abg. Effert (Ztr.) tritt dafür ein, daß die Grubenaussicht in dem früheren verschärften Blaße wieder eingeführt werden müsse. Ferner müsse man mit den Rettungstammern zur Beseitigung von Gefahren Versuche machen.
Abg. S o b o t t k a (Komm.) wirft den Grubenverwaltungen vor, daß sie durch das zunehmende Antreiben der Arbeiterschaft die Schuld an derartigen Unglücksfällen hätten. Er fordert Ausbau der Grubensicherheitskommiss-onen und begründet sodann einen Antrag auf Verkürzung der Arbeitszeit in den Bergwerken.
Abg. Hein- Barmen (Dntl.) verlangt, daß die Sicherheit in den Gruben auf die denkbar größte Höhe gebracht werden müsse. Der Redner wünscht Vervollkommnung des Berieselungswesens, sowie Anlegung geeigneter Sicherheits- räume bei Gasgefahren usw.
Abg. Riedel (Dem.) rät schließlich, die verschiedenen Anträge einem besonderen Ausschuß zu überweisen.
Handelsminister Dr. Schreiber: Erste Sache der Regierung werde es sein, die Rot der Hinterbliebenen bei der furchtbaren Grubenkatastrophe zu lindern. Zur Behebung der ersten Rot hatte die Regierung sofort 100 000 Mark ausgesetzt, und dann sind aus privater und öffentlicher Hand reiche Spenden geflossen, für Die die StaatSrc^ierung an dieser Stelle allen Gebern, den großen wie den kleinen, herzlichen Dank ausspricht. (Beifall). Zur Verteilung der Gaben ist ein besonderer Ausschuß eingesetzt, der etwa 670 000 Mark zu verteilen hat. Ein betonterer Beirat prüft die Frage, wieweit es notwendig ist, für die Hinterbliebenen neben der KnLpvschr.ftsVersorgung dauernd eine Hilfe' i stung zu gewähren. 30 000 Mark sind abgezweigt worden für diejenigen, die am Rettungswerk beteiligt waren. (B ifalL) Untere Hauptsorqe muh es aber fein, datz die Lebenden im Bergbau vor künftigen Gefahren geschützt bleiben. (Beifall.) Der Untersuchungsausschuß, dessen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, wird mit aller Schärfe durchgreifen und Schuldige zur Verantwortung ziehen. (Beifall.) Ich habe das Oberberyamt angewiesen, festzustellen, in welchen Zschenteilen das Schiehversahren sofort eingestellt werden muh. Ferner habe ich das Oberbergamt in Dortmund angewiesen, sofort eine Verordnung auszuarbeiten, durch die das Gestein st aubverfahren in den gefährlichen Gebieten, obligatorisch eingeführt wird Dieses Verfahren hat sich als sicherstes Mittel gegen die Kohlenstaubexplosionen erwiesen Die Zahl der Aufsichtsbeamten werde erhöht und ihre Auswahl so getroffen werden, daß sie auch das Vertrauen der Belegschaft be- xkitzen. Jeder Raubbau ist verwerflich. Darum auch der an der Arbeiterschaft, die das wertvollste Gut des Deutschen Volkes ist. (Lebhafter Beifall.)
Darauf werden die Beratungen abgebrochen.
Vertagung des Reichstags?
Berlin. 6. März. (Priv.-Tel) 3n der Vollsitzung des Reichsrates am Donnerstagabend wurde mitgeteilt, daß der Reichstag Ende der nächsten Woche sich vertagen wird, um erst nach der Wahl des Reichspräsidenten wieder zusarnmenzutretm. D.swegen können wederderEtatfür 1924 nochder Etat für 1 925 bis zum 1. April verabschiedet Werden. Deshalb ist wieder ein neues Gesetz erforderlich. das vom Reichsrat nächste Woche verabschiedet werden soll. — Der „Vorwärts" bezeichnet die Mitteilung übet die Vertagung des Reichstags als ä u h e r st befremdend. Die Entscheidung über eine Vertagung des Reichstags liege beim Reichstag selbst. Außerdem sei der Präsident des Reichstags Löbe von Berlin abwesend. Auch der Ältestenrat habe sich noch nicht mit dieser Frage beschäftigt. — Auch die „3eit" bezeichnet es als bedauerlich, wenn sich der Reichstag auf zwei Monate vertagen sollte. Der Reichstag habe außer dem Etat eine Reihe von wichtigen und dringenden Aufgaben zu erledigen Es gehe nicht an, daß er sich ihrer entziehe und datz man die ganze parlamentarische Arbeit mit Rücksicht auf die Präsidentenwahl ff i I [ e g c.
Das hessiche Schulgeld.
Darmstadt, 5. März. (Eig. Ber.) Die Abgeordneten Birnbaum, Dr. Keller und die Fraktion der Deutschen Volkspartei haben wegen des Schulgeldes an den höheren Schulen nachstehende Anfrage im Hess. Landtag eingebracht: Womit will die Hess. Regierung
dte fortwährende Hinaufschraubung des Schulgeldes unserer höheren Schulen rechtfertigen? Weitz sie, datz ihre Schulgeldsätze im schroffen Gegensatz zu denen sämtlicher Rachbar st aaien stehen und für die Mehrzahl der Eltern eine kaum erträgliche Belastung, aber auch für den Besuch der höheren Schulen selbst eine schwere Gefahr darstellen?
Der sächsische Eisenbahnerstreik.
In Berlin finden feit einiger Zeit Verhandlungen über die Reuregelung der Lohn- Verhältnisse bei der Reichsbahn A.-G. statt, die bisher natürlich noch zu keinem Ergebnis führen konnten, da das letzte Wort dem Reichstag Vorbehalten ist. Trotzdem ist in Sachsen ein wilder Streik vom Zaune gebrochen worden, den man jetzt auch auf das rheinisch- westfälische Industriegebiet zu übertragen versucht. Ist es an und für sich schon bedauerlich, datz die sächsischen Eisenbahner aus- aebrochen sind, so ist es um so unverantwortlicher, datz sie nun auch noch versuchen, der Lohnbewegung eine besondere Schärfe zu verleihen, die der Reichsbahn unnötige Schäden bereiten und zu Tariferhöhungen führen wird, auch wenn die schwebenden Derhandlu gen ein negatives Ergebnis haben sollten. Die Reichs- bahn-A.-G., in der Ausländer heute den m ch- gebenden Einfluß besitzen, wartet nur auf eine günstige Gelegenheit, um die Frachttarife zum Rachteil der deutschen Wirtschaft weiter in die Hohe zu treiben, da dieses Verfahren die beste Gewähr dafür bietet, datz die dann noch schwerer belastete deutsche Industrie nun erst recht als Konkurrenz vom Weltmarkt fern- gehalten wird.
Die Lage in Sachsen.
Berlin, 6. März. (Wolft.) Die gestrigen Verhandlungen zwischen der Hauptverwattung der Deutschen Reichsbahn und den Eifenbahnergewerkschaften über Lohn- und Arbeitszeitfragen haben zu keinem Ergebnis geführt und sollen morgen fortgesetzt werden. Rach einer Mitteilung der Rcichsdahndirektion Dresden erfuhr der Eisenbahner streik in Sachsen im Laufe des Tages noch weitere Ausdehnung. Außer den Dresdener und Chemnitzer Dienststellen legten auch noch einige andere, u. a. in Reichenbach i. Vgtld., in Riesa und Engelsdvrf, die Arbeit nieder. Die Detriebslage hat sich hierdurch aber nicht verändert, da arbeitswillige Ersahkräfte eingestellt werden konnten. Insbesondere konnte der Personenverkehr ungestört durchgeführt werden. Die Reichsbahndireftion Dresden bezeichnet in einem Aufruf an das Personal das Verhalten der Streikenden, die ohne vorherige Ankündigung die Arbeit nieder g e t e g t haben, als pflichtvergessen und warnt davor, sich zu dem gleichen pflichtvergessenen Verhalten verleiten zu lassen, ©ie fordert die Eisenbahner auf, alle Kräfte auszu- bieten, datz der Betrieb in vollem Umfange aufrechterhalten bleibe. Den Streikenden wird eine Frist bis heute nachmittag 2 Uhr zur bedingungslosen Wiederaufnahme der Arbeit gestellt. Richterschienene gelten als entlassen.
Kampfansage der westdeutschen Eisenbahner.
Elberfeld, 6. März. In einer Funk- tionärversammlung des Deutschen Eisenbahnerverbandes Elberfeld wurde einstimmig eine Ent- fchliehung angenommen, worin den streikenden Eisenbahnarbeitern des Bezirks Sachten volle Unterstützung zugefichert wird. Die von der Bezirksleitung und dem Dezirtsvorstand Beauftragten werden gemeinsam mit den Bezirksleitungen K>ö l n; urß Essen in Verhandlungen' darüber treten, welche Mahnahmen zur Durchführung der Lohn- und Gehaltsbewegung notwendig sind.
Weine politische Nachrichten.
Ter deutschnationale Parteitag Hessens, der auf den 21. und 22. März an» beraumt war, ist auf unbestimmte Zeit vertagt.
In den Verhandlungen über die Reubildung des Hamburger Senats unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Dr. Petersen haben sich die Sozialdemokraten, die Demokraten und die Deutsche Volkspartei über die sachliche Führung der Geschäfte zwischen den drei Parteien geeinigt. Bei der Verteilung der Senatssitze entfallen auf die Sozialdemokraten sieben, auf die beiden anderen Parteien je vier Sitze.
Die Moskauer Stadtverwaltung bestellte bei einer deutschen und einer englefthen Firma zusammen 100 Autobusse.
Der mexikanische General Iuan Merigo hat dem spanischen Direktorium den Vorschlag gemacht, zwei Bataillone Fremdenlegion aufzustellen, die aus 1200 ehemaligen Soldaten des mexikanischen Heeres bestehen würden. Die Soldaten, die vollständig ausgerüstet und ausgebildet sind, sollen unter dem Befehl von zwei me.ikanischen Generalen kämpfen.
Aus aller Wett.
Zwölf Tote in Reinsdorf.
Wie die Direktion der Westfälisch-Anhalti- fchen Sprengstoff A.G. auf eine Anfrage mit» teilt, wurden bei der Explosion in Reins, dorf sechs Personen sofort getötet und ferner Swei Personen vermißt, mit deren Tod zu rechnen ist. Weitere vier Schwerverleh e sind im Paul. Gerhardt-Stift verschieden. Bisher sind 12 Tote zu verzeichnen. Außerdem wird mit öem Ableben einer schwerverletzten Arbeiterin gerechnet. Der Ve.rieb der Fabrik erleidet keine Unterorechung. D e Ursache des Unglücks war die her noch nicht f e st z u st e l l e n , da die im Pru erhaus Beschäftigten, in welchem die Ex. plosion erfolgte, nicht mehr unter den Lebenden weilen,
Wirtschaftshilfe der deutschen Studentenschaft.
München, 5. März. (WB) De Wirtschaftsh ilse der Deutsch enStudenten- schäft, die als wirtschaftliche Spitzenorganisa
tion die Wirtschaftsinteresfen Der gesamten deutschen Studentenschaft vertritt, eröffnete ihre diesjährige Tagung in München mit einer Sitzung des Derwaltungsrates unter der Leitung ihres ersten Vorsitzenden, Geheimrats Profesivr Schmidt-Leipzig, der zunächst des Hinscheidens des Reichspräsidenten gedachte. Rach den Ansprachen des R e k t o r s der Universität München und des ersten Bürgermeisters ven München drückte 0taat2r.it Hauptmann namens des Bayrischen Ministeriums für Kultur und Unterricht seine Genugtuung darüber aus, daß im Jahre 1921 durch den Zusammenschluß von Studenten, Dozenten und Männern des öffentlichen Wirtschaftslebens gemeinsame Arbeit erfolgt sei. Darauf erstattete der Hauptgeschäfts- führer. Prof. Dr. Schairer, den Geschäftsbericht für die Iahre 1923 bis 1925. Aus diesem Bericht ergibt sich, daß die für die Arbeit der Wirtschaftshilfe erforderliche Mittel in der Inflationszett in Form von Geld und Raturalspenden aus dem Auslande, aber auch in nicht geringem Matze aus öem Inkande, vor allem vom Reich, tarnen. Das Reich bewilligte der Wirtschaftshilfe und der Darlehenskasse der deutschen Studentenschaft im letzten Iahre l,i Millionen Goldmark. Der Gesamtwert der von 1923 bis 1925 bei der Wirtschaftshilfe einge- grngenen und an den Wirtsch rstslorper weitergeleiteten Geld- und Äaturalspenden beträgt 4 503 000 Mark.
Die neue Universität von Ltambul.
Die türkische Regierung hat das alte- Se - raskierat, das frühere Kriegsministerium, in Stambul als Universität eirgerich.et, und wenn auch infolge der geringen Mittel ein Ausbau des Gebäudes nicht möglich war, so bietet es doch mit seinen vielen Räumlichkeiten und langen Korridoren eine recht stattliche Unterkunft für die Hochschule. Wenn erst der frühere Paradeplatz in einen Garten umgewandelt sein wird, dann dürfte die Stambuler Universität jedenfalls an einem der schönsten Plätze der Welt liegen.
133 Professoren und Dozenten vertreten die vier Fakultäten, unter denen die medizinische und die juristische als d e beiden ältesten den größten Zuspruch haben. 53 der Lehrer gehören der medizinischen, 23 der juristischen, 45 der philosophischen und 12 der theologischen Fakultät an.
Die Bezahlung der Professoren ist fthr schlecht; viele von ihnen müssen sich auch noch einen anderen Erwerb suchen und können sich daher nicht sehr viel um ihre Studenten kümmern. Trotzdem aber hat der Besuch in dem letzten 3ahr außerordentlich zugenommen und ist von 2000 auf 3150 Studenten gestiegen. Da man hofft, datz für die Universität größere Mittel bewilligt werden, so erwartet man auch einen Ausschwung für diesen Mittelpunkt aller Bildungsbestrebungen des neuen türkischen Reiches.
Internationale Duchausstellung Florenz 1925.
Am 25. April wird in F l o r e n z die zweite internationale Buchausstellung eröffnet werden. Auf Grund der bisher eingegangenen Anmeldungen ist zu erwarten, datz die Beteil gung sehr rege sein wird. Mit der Messe wi d in.' Ausstellung graphischer Maschinen und eine solche typographischer Schulen verbunden sein. Besonders interessant verspricht die Ausstellung (katholischer) religiöser Bilder und Bücher zu werden, zu der bereits zahlreiche und vielversprechende Anmeldungen vorliegen, und deren Protektorät der Kardinalerzbischof von Florenz Mons. Mistrangclo persönlich übernommen hat. Im Laufe der Ausstellung können die einzelnen beteil gten Rationen Vorträge und dergleichen veranstalten: zu diesem -Zwecke ist für jede Ration je eine Woche reserviert. Die „Deutsche Woche" wird vom 11. bis 16. Mai stattfinden.
Todesstrafe für O-Zug-Attentater.
Das Schwurgericht zu Schneidemühl verurteilte den ehemaligen rusl.schon K i q'' e'ange» nen Iasielfki, der am 20. Ianucr 1920 gemeinsam mit den Kriegsgefangenen Woyzyk uad dem Eisenbahnarbeiter Perleberg den D - 3 u g Schneidemühl—Berlin im Höllengrund bet S ö- wen zum Entgleisen gebracht hatte, wodurch 18 Menschen getötet und 29 verletzt wurden, zum Tode. Perleburg wurde bereits hingerichtet, Woyzyk verstarb bereits vor seiner Verurteilung. Iasielfki, dem es gelungen ist. nach Polen zu entkommen, wurde dort festgenommen und auf Antrag der deutschen Iustizbehörde an Deutschland ausgeliefert.
Derurte 1 er Muttermorder.
Vom Schwurgericht Harburg wurde der 22jahrige HanUungsgehille Kar Isen us H-r- bürg wegen Ermordung seiner Mutter zum Tode verurteilt. Die Mordtat hat der Angeklagte am 25. Dezember vorigen Iahres dc bt. Um die Tat zu verdecken, hat et die Leiche in Tücher gehüllt, sie ins Bett gelegt und dann mit Petroleum übergossen und an - gezünde t.
Flugzeugabsturz in Schweden.
In der Provinz Dalarne stürzte ein schwedisches Militärflugzeug aus 1030 Meter Höhe mit solcher Kraft auf die eisbedeckte Ober» fläche des Sees, daß das Eis zerbrach. Der Führer und ein Fliegeroffizier wurden getötet
Starker Schneeball in Württemberg.
In der Rächt vom Dienstag auf Mittwoch setzte in ganz Württemberg starker Schneefall ein, der bis in die gestrigen Abendstunden anhiekt. Der Fernsprechverkehr ist vielfach unterbrochen. Die Schneedecke, die sogar in den Tälern eine Decke von 12 Zentimeter cruitoeift, hat insbesondere in den Wäldern großen Schaden angerichtet.
Milde, zeitweise schwächer bewöllt, vorwiegend westliche Winde, stellenweise leichte Riederschläge.
Die von Rordosten her vorstoßende Tief- öruefftörung hat mit Ausläufern auf den Kontinent übergegriffen und den dort lagernden hohen Druck schnell verdrängt. Die gleichzeitig einströmende wesentliche Luft bedingt geringe Rieder fchläge. Der Kern der Tiefdruckstörung, die südöstliche Zugrichtung anzunehmen scheint, lagert heute morgen über dem Baltikum, während unser Gebiet auf seiner südwestlichen S itc liegt. Das Zuströmen von vorwiegend westlicher Luft hält an, so datz der Witterungsch-arakter morgen wenig Aenderuna erfaßren dürfte.
Aus Stadt und Land.
G i e h e n, den 6. März 1925.
Zum Gedenken an den Reichspräsidenten Ebert.
Dem Andenken an den verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert war eine Trauer-Gedächtnisfeier gewidmet, die unter sehr starker Beteiligung aus allen Tellen der Bürgerschaft, auf Einladung des Republilani- fchen Reichsbundes, gestern abend im Stadttheater statisand. In der Mitte der Bühne war auf dunklem Hintergrund ein großes Bild des entschlafenen ersten Reichspräsidenten angebracht, darüber die Reichs,arben: Blatt- Pslanzendekoration, flvrumhüngte Beleuchtungskörper und dunkler Stofsbehang gaben der Bü.-ne ein würdiges Aussehen und damit dem B lde des Heimgegangenen die gebührende feierliche Umrahmung. Harmoniumsprel leitete die F ier ein, darauf sprach Karl Iuhnke vom Stadt- theater eine dem Toten zugeeignete Widmung. Rachdem der Arbcilergesangvercin „Eintracht" unter Leitung seines Dirigenten Meyer- Wieseck die feierliche Weise „Wie sie so sanft ruhn" gesungen, hielt Unioersitätsprofessor D. Rade von Marburg die Gedächtnisrede. Wieder einmal, feit 3k Iahren, habe das deutsche Volk ein Staatsoberhaupt zu Grabe gebracht. In dem Heidelberger Friedhof, auf dem F iedrich Ebert jetzt zur Ruhe gebettet wurde, habe das deutsche Volk, die deutsche Seele einen neuen Wallfahrtsort. Der Redner erinnerte an die vielen Ehrungen, die dem Entschlafenen an der Dahre vom Inlande, auch von den politischen Gegnern, und vom Auslande zuteil wurden, wies auf das vom Anfang bis zum Ende reiche Leben Friedrich Eberts hin und betonte, feit 1918 habe Deutschland viele Erperimente gemacht, die nicht alle geglückt seien, aber em Experiment sei geglückt: Friedrich (Sbert Sc habe, als einfacher und schlichter Mann des Volkes aus dem Arbeiterstande bis zur höchsten Staatsspitz« emporgestiegen, dem deutschen Volke keine Schande gemacht. Das deutsche Volk müsse diesem Großen dankbar sein. Er wünsche, daß niemand sich mehr der Ehrfurcht und der Dankbarkeit gegenüber dem Präsidenten Friedrich Eberl entziehen könnte. Sein Aufstieg unter unerhörtem Glück sei auf Schritt und Tritt begleitet von den bitteren Zügen des Schmerzes, der Enttäuschung, der Sorgen und auch des erzwungenen Verzichtes. Diese Leiden gehören dazu, daß das deutsche Volk ihn ganz verstehe, ihn ganz liebe und ihn ganz verehre. Aus dem Herzen unseres Volkes werde sein Andenken nicht herauszureihen sein, ja, es werde sogar noch stärker hineinwachsen, und dadurch werde er erst nach feinem Tode dem Volke sein Größtes und Bestes geben. Seine Zuverlässigkeit, feine strenge Sachlichkeit und die Selbständigkeit dieses Mannes an seinem Platz hätten ihn zum ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht gemacht. Das Zi?l seines Handelns sei stets die Wahrung der Interessen des deutschen Volkes gewesen. Friedrich Ebert habe dem deutschen Volke ein heiliges Erbteil hinterlassen. Die Zahl derer, die sich auf die Behütung dieses Erbes einstellen, müsse groß sein. „Gott behüte unser Volk und Vaterland, Gvlt behüte unseren Staat", mit diesen Worten fchloh der Redner seine Ansprache. Mit einer Rezitation Karl Iuhnkes und einem nochmaligen Männergesang der „Eintracht" fand die schlichte Feier ihren Abschluß.
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** Eine öffentliche St adtvevord- netensitzung findet morgen, Samstag, vormittag 10Vs ilpr im Stadtverordneten-Sitzungs- saale statt.
** D ie Dierteljahrszahlung der Veamtengehälter. Der Reichsrat nahm in seiner öffentlichen Vollsitzung am Donnerstag abend einen Gesetzentwurf über die vierteljährliche Gehaltszahlung an. Am 1. April d. I wüde nach dem Aufhören der Ermächtigung der Regierung zu einer anderweitigen Zahlung automatisch die Gesetzesbestimmung über die vierteljährliche Gehaltszahlung an die Beamten wieder in Kraft treten. Der Gesetzentwurf sieht vor, daß der Regierung die Ermächtigung gegeben wird, mit Zustimmung des Rttchsrats und des zuständigen! R'ichstagsausschusscs den Zeitpunkt für daS Wiederinkrafttreten der vierteljährlichen Zahlung festz"setzen. Die Gründe dafür sind, daß ein automatisches Wiederinkrafttreten am 1. April taffen* technische Bedenken haben würde und ferner für die Beamten selbst wirtschaftlich nicht vorteilhaft sein würde.
Personalien. Ernannt wurden der Kanzlist beim Amtsanwalt zu Gießen Karl Grünewald zum Kanzleiassistenten und 'der Bersorgungsanwärter Iohannes Stalh auS Alsfeld zum Amtsgehilfen bei dem Kreisamt Schotten, beide mit Wirkung vom 1. März ab.
* Vereinigung ehern. Angehörigerder Unteroffizierschulen. In einer am Mittwoch abend im Postkeller stattgehabten Versammlung wurde eine „Vereinigung ehemaliger Angehöriger der Unteroffizierschulen und Vorschulen" für Gießen und Umgebung gegründet. Den Anlaß hierzu bildete dte Teilnahme an dem vom 6. bis 8. Iuli in Potsdam statt» findenden Unterofsizierschülertag, verbunden mit Denkmalseinweihung für die im Weltkriege gefallenen Kameraden.
** Christlicher Ba hnhossdienst. Als Ergänzung zur Evangelischen Bahnhossmift sion für die allein reisenden jungen Mädchen hat die „Gesellschaft zur Fürsorge für die zu- ziehende männliche Iugend" einen „Christ! cher Bahnhofsdienst" eingerichtet, der ausdrücklich von den Eifenbahnbehörden genehmigt ist. Dic Helfer tragen auf Bahnhöfen eine weihe Dindc mit der Aufschrift: „Christlicher Bahnhofsdienst". Diese erteilen den Iugendlichen Rat und Auskunft über die örtlichen Verhältnisse und stellen sich auch sorgenden Eltern, Vormündern, Geistlichen, Lehrern, Iugend» und Wohlfahrtsämtern zur Verfügung. Bei der Anmeldung zur Abholung empfiehlt sich die Angabe eines Erkennungszeichens. Del Feststellung der Wohnungen von unbekannt gewordenen Iugendlichen ist nur Vor- und Zuname, Geburtstag- und »fahr, sowie der Geburtsort erforderlich. Anfragen sind zu richten an die „Gesellschaft zur Fürsorge für die zuziehende männliche Iugend". Berlin, Sophienstraße 19. Von dort ist auch ein „Ratgeber für junge Männer" kostenlos zu beziehen, »der sechs kurze Ratschläge für die Fremden und die Adresse von etwa 80_ Vertrauensleuten in den größeren deutschen Städten enthält.
RDV. Brückengeld für Kraftfah r- rcuüc? Ein bemerkenswert^ U'tteil MS ***


