Ausgabe 
6.3.1925
 
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Mittag, 6. März 1925

175. Jahrgang

ür. 55 Lrster Blatt

5328»

Das Schicksal Kölns

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Wir wohnen viel zu nahe Chamberlain, um nicht von nisten berührt zu werden. Gröhe für eine friedlich:

am Festland, sagte den dortigen Ereig- Hnfere Macht und Lösung der Frage Verwicklungen an-

amtenkabinetts wird in den parlamen'arischen Kreisen der Rechtsparteien der frühere Sntwals- nungskommissar Staatssekretär a. D. Peters genannt.

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cufzubieten, die kommende

kündigt und uns an die noch vor wenigen" Jahren herrschenden Schrecken erinnert.

Wicklung freundschaftlicher Beziehungen

lichen Deamtenkabinelts bezeichnet, so­lange das Zentrum nicht bereit sei. -: - parteimäßiges Kabinett aus bürgerlichen Parteien zu bilden. Marx behielt sich vor, zu dieser Anregung Stellung zu nehmen. 3n Verbindung mit Gedanken der Bildung einer überpa i-teilchen Vc

Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags.

Beilagen:

GießererFamilien b I älter Heimat im Bild.

Dlonaii»lejr.f$trel«: 2 Doldmark u. 20 Bold- psennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fer nsprech-Anschlüsse: Schriftleitung 112, Ver­lag undGelchüftsstellebl. Anschrift für Drahtnach­richten LnzelaerOteße». po6|dfedionto: granlfurt a. M. 11688.

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gesamte Gebiet nach fünfzehn Jahren g: werden würde. Man habe vor einiger Zeit fahren, daß Deutschland im Verzug war und daß es nicht berechtigt war, die Räumung am

fordere für Deutschland eine wirtschaftliche Verständigung mit Frankreich Auch Polen gegenüber strebe die Sowjetregierung eine Verständigung an. doch habe zunächst Polen

D in der Regelung des weiteren Schicksals des Rigaer Vertrages und der Wirtschaftsbeziehun­gen das Wart. Der japanisch-russische Vertrag zeige das Bestreben Japans, sich den Rücken zu decken, zugleich bedeute aber der Ver­trag auch eine bemerkenswerte Lockerung in der Einheit der Entente. Der Vertrag leite weitere Anitäherungen ein.

Die Reichrpräfidentemrahl.

Berlin, 6. März. (Priv.-Tel.) Zur Frage der Neuwahl des Reichspräsidenten äußert tue 3 eit die Vermutung, daß sowohl die So­zialdemokraten wie die Demokraten selbständige Kandidaten au stellen wer­den. Als Anwärter für die demokratische Kandi­datur nennt das Blatt den Hamburger Bür­germeister Petersen und den badischen Staats­präsidenten Dr. H e l l p a ch. Aus Zentrums­seite sie die Aufstellung von Dr. Marx so gut wie sicher. Was die Parteien rechtS vom Zentrum anbelange, so werde es hier aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer gemein­samen Kandidatur kommen, und zwar sei bereits innerhalb eines Ausschußes, der die Ent­scheidung vorbereiten soll, eine engere Wahl getroffen worden, so daß eS sich nur noch um die Entscheidung zwischen vier Per­sönlichkeiten handelt. Anter d e'en befinde sich, wie das Blatt betont, Reichskanzler Dr. Luther nicht, der auch kaum die Neigung besitzen dürfte, sich für den Posten des Reichs* Präs benten zur Verfügung zu fiel en. Der Rrich5- auöschuß der Deutschen D o l k S p a r t e i werde wahrscheinlich für Anfang nächster Woche e nberusen werden, um zur Präsidentenneuwahl Stellung zu nehmen.

Die Nachricht von einer Gammelkandidatur der Rechten wird bestätigt durch eine Meldung der Telegraphenunion, nah der in der Sitzung der deutschnalionalen ReichStagSfraktion mitge­teilt wurde, daß die Deutfchnaiionale DolkSP artet, die Deutsche Dolks- partei, die Bayerische DolkSpartei und die Wirtschaftliche Bereinigung sowie die in Frage kommenden Verbände miteinander wegen eines gemeinsamen Kandi­daten für die Reichspräsidentschaft Fühlung ge­nommen haben. Die Besprechungen befänden sich erst in den ersten Anfängen. Personenfragen feien noch nicht erwähnt worden. Die Bespre­chungen würden in der nächsten Woche im Beisein aller Führer der beteiligten Parteien in Berlin fortgesetzt werden.

linaüme von Anzeigen für öte logttnummtr bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbtndlichkeit.

Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite 6rtli<b8, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne» Klame-Anzeigen v 70 m Brette 35 Goldpfennig, Plotzoorfchrift 20" .Aup schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: l)r Friedr Witt) Gange; für den übrigen Teil: ErnstVlumschein;für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Zur Kölner Frage sagte Chamberlain, über die Grundsätze, die die britische Regierung bei der Prüfung dieser Angel.g mheit geleitet hätten, könnten keine Zweifel bestehen. Die Be­setzung des gesamten Gebietes sei auf 15 Fahre festgesetzt worden mit dem Vorbehalt, daß das Kölner Gebiet nach fünf Jahren geräumt werden solle, wenn Deutschland seine Dertragspsticht er­fülle. Grundsatz sei die fünfzehnjährige Be­setzung. aber mit der Erleichterung, daß. wenn Deutschland seine Verpflichtungen jährlich er­fülle. ein Drittel des Gebietes nach fünf Zähren, ein anderes nach weiteren fünf Zähren und das

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Wie die Blätter weiter melden, scheinen die Sozialdemokraten und die Demo­kraten ein besonderes Gesetz über

die Stellvertretung des Reichspräsidenten

bis zum Amtsantritt des neugewählten Präsi­denten für notwendig zu halten DerVorwärts" erklärt dazu, daß diese Frage sehr ernst zu prüfen sei und verweist auf Äußerungen des Abg Er­kelenz in derVoss Ztg ", in der eine solche Stellvertretpny gefordert wird. DieZeit" glaubt allerdings, daß bei den übrigen Parteien die Ansicht bestehe, daß für die bevorstehende kurze Lleberganaszeit der Reichs- kanz lcr weiter die Stet Vertretung sühien könne. Ein Stellvertretungsgeseh habe also vor­läufig keine Ansicht auf Annahme. Wenn sich jedoch aus irgendeinem Anlaß die Notwendigkeit einer besonderen Stellvertretung ergeben sollte, so scheine man in diesem Falle den Reichs- gerichtspräsidenten Dr. Simons als geeignete Persönlichkeit für die Lieber nähme der Stellvertretung zu betrachten.

Die preußische Krisis.

Die Minifterpräsidentenwahl am DienStaq. Marx unb die Dentschnati analen.

Berlin. 6. März. (TLl.) 3m Aeltesten- rat des preußischen Landl,aes wurde v m Zen­trum angeregt, die Wahl des preußischen Mi­nisterpräsidenten b i s n a chch der Wühl des Reichspräsidenten zu verschieben. Dieser Derschlag traf auf den Wider st and der Deutschnationalen. der Deutschen D o l k s p a r t e i und der Demokraten. Es bleibt bei dem vorgesehenen Termin für die Wahl des preußischen Ministerpräsiden' n die also am kommenden Dienstag vorzunehmen ist.

Ministerpräsident Dr. Marx am

Donnerstagnachmittag eine neue Bespre­chung mit den Deutschnationalen. 3n der Besprechung wurde die kleine Koali­tion. bestehend aus den Demokraten und dem Zentrum, von deutschnationaler Seite a b ge­lehnt. Wenn es nicht, was nach Ansicht der Deutschnationalen dringend zu empfehlen wäre, zu einer Landtagsauflösung komme so würde als einziger Ausweg von den Deutsch- nationalen die Bildung eines überpartei-

Sowjetunion in der Türkei und im Orient störe. Frankreich rüste. Zn der Zukunft seien Lieberraschungen nicht ausgeschlossen. Italien strebe eine nationale Ervaiuion im Mittelrneere an. Das Verhältnis der Sowjetunion zu diesem Lande sei freundschaftlich. Die Beziehungen zu Deutschland seien unverändert freundschaft­lich, obwohl auf dem Wirtschaftsgebiete oft zahl­reiche Reibungen und Mihverhältniste über­wunden werden müßten.

Gerade in jüngster Zeit würde in der deut­schen öffentlichen Meinung und in Wirtschafts- kreisen ein Stimmungswechsel zu Gunsten der Sowjetunion beobachtet. So sei z. B. von Ost­preußen eine Abordnung nach Rußland zwecks Wiederanknüpfung alter Beziehungen abgegan­gen. Zn den

HandelsvertragSberhandlungen

stünden größere Schwierigkeiten bevor, doch werde beiderseits die Notwendigkeit einer Verständigung vollkommen anerkannt. Die Sowjetregierung be­stehe darauf, daß die asiatischen Staaten, mit benen sich der Handel unter besonderen Ver­hältnissen abspiele, von der M.'istbegünstigungs- forme! ausgeschlossen würden. Die von der deut­schen Delegation erhobene Forderung der Aus­schließung aller aus dem Friedensvertrage sich ergebenden Meistbegünstigungsbestimmungen gehe zudem viel weiter als die Forderung der Sow- jetbelcgation. Es sei notwendig, einen Kompro­miß zu finden, wobei>och das Außenhan­delsmonopol der Sowjetunion unange­tastet bleiben müsse. Die objektive Lage er-

GiehenerAnzeiger

General-Rnzeiger für Oberhessen

vnuk und Verlag: vrühl'sche Universtlätr-Vuch- und Steinörucferei R. Lange in Gießen. Schriftleltung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

Die Botschafterkonferenz, die am DienStag angeollch enbaülllg über den Sntwass- nungsbericht sich schlüssig machen wollte, hat wieder einen Dorwand aesunden, die Entschei­dung zu vertagen und eine Woche Zeit zu gewinnen. Für sie ist Deutschland immer noch nur Objekt der ganzen europäischen Politik, auf unsere Wünsche, auf unser Recht glaubt offenbar niemand Rücksicht nehmen au müssen. Da muß doch einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden, daß dies Verfahren weiter nichts als ein ganz ungeheuerlicher R e ch t S b r u ch ist.

Am 10. Januar sollte die gesamte erste Zone nach dem Versailler Vertrag geräumt sein und zwar nach dem Buchstaben wie auch nach dem Geiste dieses Vertrages. Daran hat auch niemand so recht herumzudeuteln gewagt, des­wegen wurde die AuSrede gebraucht, daß durch die Schuld der deutschen Regierung die Militärkontrolle nicht rechtzei­tig hätte zu Ende geführt werden können, deren befriedigendes Eraebnis die Voraussetzung für die Räumung sein sollte. Davon steht zwar in dem Qkrfalller Vertrag nicht daS Geringste drin, aber selbst einmal angenommen, daß diese Motivierung richtig wäre, ist eS dann unsere Schuld, wenn die Kontrolleure nicht rechtzeitig fertig werden? Frankreich stützt sich daraus, daß während des R u h r k a m p s e s die aus- führenden Oigane der Kontrollkommission ihres AmteS .nicht hätten wallen können". Daß aber auch England diese Auffassung deckt, muh doppelt Wunder nehmen, nachdem die englische Regierung im Sommer 1923 ein Krongutachten veröffentlicht wurde, worin sestgestellt wurde, daß der Einmarsch in die Ruhr mit dem Vertrage von Versailles nicht in Liebereinklang zu brin­gen wäre. Lind so ergibt sich denn die logische Deduktion, daß England zwar Frankreichs Ein­marsch in die Ruhr juristisch verurteilt, aber doch und die Schuld für die Folgen zu- schiebt. Eine schärfere Kritik an der inneren Haltlosigkeit der englischen Politik als diese ein­fache Feststellung läßt sich eigentlich nicht gut üben. Frankreich beherrscht die Stunde und macht von seinem Liebergewicht rücksichtslosen Gebrauch.

Die ganze Konstruktion der Kontrollorgane ist ja den französischen Wünschen entsprechend eingerichtet. Die Kontrollkommission, die ihren Sih in Berlin hat, berichtet an das Militär- Komitee in Paris, dieses Militär-Komitee be­richtet wieder an die Botschafterkonferenz, die ihrerseits wieder an ihre Regierungen berichtet, und rückwärts ebenso. Aber schließlich sind es doch immer dieselben Menschen, die in der ersten und in der letzten Instanz ihren Ein­fluß geltend machen, die also von oben herunter den Bericht der Militär- tommifrion und schon vorher der Komrollkommisfion entsprechend beeinfLuffen kön­nen. so daß er ihren Wünschen gemäß frisiert wird, eine Möglichkeit, von der vorher schon hinreichend Gebrauch gemacht worden ist. denn der Behauptung, daß der ursprüngliche Bericht ganz anders ausgesehen habe, ist nie widersprochen worden. Was jetzt in ihm enthalten ist, wird ängstlich geheim ge­halten, wir erfahren nur, daß er dreihun­dert Seiten stark ist und daß Herr F o ch einen Extrakt von elf Seiten daraus herausdestil­liert habe. Wie dieser Auszug ungefähr aus- sehen wird, das können wir uns denken, er wird so einseitig sein, daß er auf den Stimmen­fang und die moralische Rechtfertigung eines unentschuldbaren Rechtsbruches berechnet ist, um so mehr müssen wir verlangen, daß der unge­kürzte Bericht schleunigst veröffentlicht wird.

Denn das ist doch auch in den mittelalter­lichsten Verfahren immer Brauch gewesen, daß bre Anklageschrift dem Angeklagten bekanntge- geben wird' und in die Rolle des Angeklagten hat man uns ja glücklich hineinmanöveriert. Wir haben deswegen kein schlechtes Gewissen, wir können uns rechtfertigen, dürfen sogar den Eindruck haben, je mehr man sich müht, den Bericht geheim zu halten, daß er gar feine greifbaren -Unterlagen bringt, sondern nur mit allen möglichen Klatschgeschichten arbeitet. Was bisher darüber betannl wird, deutet jedenfalls darauf hin, daß die gesamte Schnüffelkommifsion nichts gefunden hat und infolaedesfen mit dem Gespenst der deutschen Revanche arbeiten muß. über das jeder vernünftige Mensch lacht. Ist es nicht lächerlich, daß wir heute noch imstande sein sollen, so und foDiele Geschütze täglich fertig­zustellen ? Wo doch das Liebergewicht der Fran­zosen im Luftkamvf so groß ist. daß sie sämtliche deutschen Fabrüen zusammenbombardieren, ehe überhaupt noch das erste Rohr gezogen werden kann. Wo zudem männiglich bekannt ist. daß Deutschland fcir 1918 noch nicht eine einzige Granate Herstellen konnte, nicht einmal das be­scheidene Quantum, das uns nach dem Versailler Vertrag zusteht.

Man hat sich über die mangelnde Aktivi­tät der deutschen Regierung bcflagi. Soweit wir wissen, z u Ll n r e ch t. die deutsche Diplomatie arbeitet mit Hochdruck daran, den ganzen Fragenkrinplex zu entwirren, der sich um }ie französischen Sicherheitsfor­derungen Herumgel gert hat. Lln) vielleicht tft das ja auch der einzige Weg. wie wir zum Ziele kommen können. Inzwischen aber hat jeder Deutsche die Pflicht, alle Wege zu benutzen die ihm ins Ausland geöffnet sind, um zu zeigen, wie die Siegerstaaten mit Recht und Verträgen Schindluder spielen, sobald es sich darum han­delt. daß die bescheidenen Ansprüche, die wir

10. Januar bzw. vor der Gutmachung seiner Verzüge zu beanspruchen.

die Veröffentlichung de6 162 Seiten umfassenden Berichts der Kontrolllommission

betreffe nicht allein die britische Regierung, son­dern müsse in Beratungen und in Hebereinftim- mung mit den Alli ec.cn erwogen werden. Wenn die Regierung gezögert habe, fo sei das nicht deswegen, weil sie irgend etwas verbergen wolle, sondern weil sie nicht sicher war, ob die Ver­öffentlichung des Dokuments, das jeden Verstoß, gering oder groß, auseinandergeseht und keinen Unterschied zwischen wichtig und unwichtig ge­macht und nicht versucht hat, Dinge zu sichten, die als zu unbedeutend überleben werden könnten, oder die von ernstlicher Bedeutung seien, wirklich zu dem Zweck, den man vor Augen habe, bei­tragen werde. Das Ziel der britischen Regierung sei, zum frühestmöglichen Zeitpunkte von der deutschen Regierung die Erfüllung dessen zu erhal.en, was gerechterweise nach dem Vertrage ver.angt werden könnte, damit die in Aussicht genommene Räumung der Besetzungs­gebiete so bald wie möglich in Kraft treten könne.

Zu der Frage der Verwaltung des Saargebiets i.b.rgehend, sagte Chamberlain, er sei unter Berücksichtigung aller Umstände zu dem Entschluß gekommen, daß man nichts Besseres tun könne, als den jetzigen französischen Vorsitzenden der Saarkommission auf sei­nem Posten zu belassen. In der Dan­ziger Frage solle man nicht von ihm er­warten, daß er sich durch eine Aeußerung bin­den werde, die ihn daran hindern könnte, sich der gemeinsamen Entschließung nach gemeinsamen Beratungen anzuschließen. Er teile den Wunsch Fishers, daß die wiederhergestellte Republik Polen in guten Beziehungen zu ihren Nach­barn leben könne, und daß sie durch ihre Macht und Größe zur Erleichterung der allgemeinen Lage und zur Vermeidung unnützer Schwierig­keiten beitragen möge.

Polens Sorge um die Sicherheit.

PariS. 6. März. (TU.) Zu den Verhand­lungen über einen Sicherheitspakt erklärte der polnische Außenminister demQltatin, die von vielen und für viele übernommene Sicherheit fei das einzige, mit dem man rechnen könnet. Auf keinen Fall dürfe ein Schiedsspruch den auf dem Versailler Vertrag beruhenden Status quo Europas und die Verträge in Frage stellen, nach denen sich das neue Leben Europas vollziehe. Von der Garantie der West grenze Polens sei der endgültige Frieden abhängig. Ein sran'ö'üchr Mili ärschrift- steller habe die Lage treffend charakterisiert, in­dem er sagte:Die Verteidigung beginnt weder in Calais noch nm Rhein, sondern an den Usern der Weichsel." Er sei fesst davon überzeugt, daß die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der französischen und der polnischen Regierung dazu beitragen, die Aussprachen über bi' Sicherheit unter Berücksichtigung der Reali­täten forlzuschen. Polen wünsche den Frieden für direkte Beziehungen mit feinem Nachbar auf der Grundlage der bestehenden Vertrage.

Rußlands Außenpolitik.

(£hic Rede Tschitscherins.

Tiflis. 5. März. (WTD.) Im Ze.itral- erekutivkomitee hielt b*r Außenkommiisar Tschi­tscherin eine außenpolitische Rede über die gegenwärtige Weltlage, in d:r er u a. ausführte, England bleibe die einflußreichste Weltmacht in militärischer und finanzieller Beziehung. Die allerorts zu beobachtenden Zusammenstöße zwi­schen Großbritannien und der Sowjetunion mach­ten den Abschluß eines weitgehenden Abkommens erforderlich. Dies werde bald geschehen. Frankreich sei der finanziellen Macht Englands untergeordnet, was die Ent-

auS dem Versailler Vertrag haben, anerkannt werden.

Wir wollen einmal den Spieß um- drehen und von uns aus Anklage erheben gegen eine diplomatische Raubgenossenschaft, die uns erst entwaffnet hat und den deutschen Boden nicht verlassen will, um nicht ein Iota ihrer im­perialistischen Eroberungspolitik räumen zu müssen, wollen ihnen aber auch sagen, daß sie es sind, die den europäischen Frieden aufs schwerste gefährden, wenn sie nicht endlich sich dazu bekennen, daß sie Köln und die ganze erste Zone unverzüglich zu räumen haben.

Chamberlain zur ßrage der Räumung und Sicherheit.

Die deutschen Garantievorschläqe. Der Auszug der Arbeiterpartei.

London, 5. März. ($11) 3m Unterlaufe hielt der Staatssekretär des Auswärtigen, Chamberlain, heule seine langerwartete außenpolitifche Rede. Er sagte, daß er feiner­lei Geheimverhandlungen führe. Es sei unmöglich, daß eine Regierung eine Außenpolitik führe, die nicht den nationalen Interessen ent­spräche. Das Land müsse daher über alle Vor­fälle unterrichtet werden. Er habe vor einigen Wochen streng vertrauliche Vorschläge der deutschen Regierung erholen. Er habe dazu bemerkt, daß er keine Vorschläge an­nehmen könne, über die er nicht im Parlament sprechen dürfe.

Hie rtourbe Chamberlain von dem Abgeord­neten der Arbeiterpartei Kirkwood mit einer Bemerkung über den Sinowjew-Drief unter­brochen. Der Vorsitzende warnte Kirkwood, daß Unterbrechungen durch Ausschluß von der Sitzung bestraft würden. Unmittelbar darauf machte sich Kirkwood einer zweiten Unter­brechung schuldig Der Vorsitzende forderte ihn zum DerlassenderSitzung auf. Als Kirk- Wood der Aufforderung nicht folgte, ersuchte ihn der Sprecher, das Haus zu verlassen, da Cham­berlain deswegen vorstel ig geworden sei. Darauf erhob sich Macdonaid und sagte, daß ein Ab­geordneter nur wegen anhaltender und böswilli­ger Obstruktion ausgeschlossen werden dürfe. Der Sprecher entgegnete, daß er vom Vorsitzenden beauftragt sei, und wiederholte seine Aufforde­rung, an Kirlwood.

Daraush n verließen sämtliche Abgeordnete der Arbeiterpartei unter Führung Macdonalds den Sihungsraum.

Chamberlain fuhr fort, die Sicher­heit s f r a g c sei von unerm hlicher Bedeutung. Während seiner kurzen Amtsdauer sei er sich dessen bewußt geworden, daß der größte Feind Europas d^r allg ntei-'e Mangel an Sicher­heit wäre. Ohne eine nach allen Richtungen gewährleistete Sicherheit könne es weder einen politischen noch einen wirtschaftlichen Wieder­aufbau geben. Aus die Frage Fishers, ob Deutsch­land gewisse Vorschläge für ein Bündnis gemacht habe, entgegnete Chamberlain, daß Herriot bereits das französische Komitee für auswärtige Angelegenheiten über solche Dor- fchläge in Kenntnis gesetzt habe. Auch er habe vor wenigen Wochen Vorschläge streng vertrau­licher Art erhalten. Er sei zuerst durch den ver­traulichen Charakter der Vorschläge mißtrauisch geworden. Der deutsche Gesandte habe ihm jedoch versichert, daß die deutsche Regierung schon lange die Absicht gehegt habe, ähnliche Vorschläge in Paris. Brüssel und Rom zu machen. Da das jetzt geschehen sei. könne er nur den Schritt der deutschen Regierung begrüßen und ihm die größte 'Bedeutung beimessen. Da der Mei­nungsaustausch zwischen den verbündeten Regie­rungen eben angefangen habe, könne er Einzel­heiten nicht mitteilen. De deutschen Vor­schläge seien mit der größten Aufmerksamkeit zu behandeln, da sie

weitgehende Möglich'eiten für Frieden und Sicherheit

in dcr Welt böten. Aus ihrer Grundlage könne tatsächlich der Wiederaufbau Europas erreicht werden. Die britische Regierung hoffe, daß dieser freiwillige Schritt der deutschen Regie­rung eine Drücke von der unglücklichen Vergan­genheit zu einer besseren Zukunft bilden möge.

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