30.
(Dachdruck verboten.)
60 Fortsetzung.
ten
Es sie
Beamten-Kundgebung im Biebertal.
Von Beamtenseite im Biebertal werden wir um den Abdruck dieses Berichts gebeten. — D. Red.
Die rote Kaschgar
Roman von Fedor von Zobeltih.
..Du muht dir Llarmachen, wie alles sich entwickelte, Gert. Der Tod deines Vaters traf -ungefähr mit der Entlassung Thedas aus dem Sanatorium zusammen. Das telegraphierte dir Geisbach unt bat dringend um deine sofortige Rückkehr. Die Depesche erreichte dich nicht mehr in Peking, und von da ab warst du überhaupt nicht zu fassen, schriebst auch nicht, obwohl du In deinem letzten Briefe an Ge'sbach uns noch eine Dachricht aus Kalqan angekündigt haltest — ich glaube, so hieß das Rest."
„Stimmt. Geschah auch. Aber in dem Wirrwarr der Zeit ... ich bin sowieso ein Faultier mit der Feder, Lexe — ich hasse die Driefschrei- 6 er ei — und dann kamen doch Jahre der Gefangenschaft ohne jedwede Postverbindung . . . aber nachher habe ich «euch geschrieben, ich sagte cs dir ja schon — an Hellmut sowohl wie an Frehe — mit der russischen Post — da herrscht freilich eine verdammte Lotterwirtschaft!"
„Jedenfalls steht fest, daß wir völlig im unklaren über dich waren. Es steht fest, daß wir dich als verschollen betrachten muhten, utu> dies Derschollensein ließ sich nur durch den Anter- gang eurer Expedition erklären."
„Da ja — also ... da suchte sich Theda eben einen anderen Mann. Wen denn nun eigentlich?"
Doi sicht, rief Alexe sich zu. In den Humor Gerts schien sich jetzt doch schon ein bitteren Beigeschmack zu mischen.
„Versetze dich in die Lage ThedaS", fuhr sie fort, ..versuche cs — psychologisch, auch reii physisch. Du warst ihr angetraut worden —"
„Sozusagen. Das war aber nicht viel. Dann wurde ich entlassen. Es war eine elende Komödie."
„Kannst du nicht verstehen, daß Theda ahn- .ich empfunden hat, als sie nun wieder kerngesund an Leib und Seele geworden war?"
Sie mag schön auf mich geschimpft hoben!"
R o d h e i m a. d. B., 5. Febr. Zu der am ... Januar in Rodheim a. d. B. tagenden Hauptversammlung des Ortskartells des deutschen De° amtenbundes Rodheim a. d. B. und Amgebung war der erste Vorsitzende des Provinzialkartells
Er schlug mit der flachen Hand auf seinen Schenkel. „Hcllmut!" rief er. „Sa hört doch 'frie Weltgeschichte auf! Den sanften, korrekten Hellmut!"
„Dein, das hat sie nicht. Sie hei 'dich betrauert Sie hat in Groß-Ponar sogar eins Totenfeier für dich veranstaltet"
„Aller Ehren wert Ich bin schon beweint worden. Habt ihr mir nicht auch ein Denkmal gesetzt?"
„Das noch nicht Aber bei der Feier haben wir deine Büste ausgestellt — die der kleine Trübner damals modelliert hat."
„Ach die", rief Gert amüsiert, „da sehe ich wie der junge Heine aus! Da — wenn ihr nur an mich gedacht habt! . . ." Die Gedanken spielten schon weiter... „Sag' mal, also die Theda ... die Thrda ist wieder ganz auf dem Posten? Das hätte man doch gar nicht für möglich gehalten. Wie sieht sie denn aus?"
„Gut Dick wie eine Dudel."
„Es ist die Möglichkeit! Sie erwartet wohl schon -?"
„Dein", entgegnete Alexe heiter, „die Hochzeit war ja erst vor sechs Wochen!"
„Erst vor sechs Wochen — ? Da hätte ich mich mit der Rückreise mehr beeilen müssen. And wen hat sie denn nun eigentlich geehelicht? Das weitz ich immer noch nicht"
„Kannst du dir das nicht denken?"
Gert sann nach. „Hoffentlich nicht den Lümmel, den Kempten", sagte er.
„Dein. Hellmut."
Hessen-Nassau
jpd. Frankfurt a. M., 5. F»r. W langjährigen Zuchthausstrafen haben den 58jährigeu Zimmermann Hermann Junk aus Griesheim nicht gebessert. Wenn Jung aus dem Zuchthaus entlassen wird, beginnt er seine verbrecherische Laufbahn von neuem. Vor einigen Monaten erhielt er abermals zwölf Jahre Zuchthaus zu- diktiert. Weitere Straftaten sollten im nahen Vilbel abgeurteilt werden. Doch vor dem Termin brach Jung aus dem dortigen Gefängnis aus und begann sein Einbrecherhandwerk wieder in ganz großem Mahstabe. 3n der letzten Dacht wurde er bei einem Einbruch in Bockenheim überrascht und f e st g e n o m m e n. Seit seinem Vilbeler Ausbruch hatte er nicht weniger als 15 Einbrüche verübt. Jung ist in der hohen Schule der Einbrecherkunst ein Meister ersten Ranges und als Fassadenlletterer berühmt. Wie er feine Sachen unterbrachte, zeugt außerdem von. gewissem Humor. Wenn ihm ein Hehler für das Diebsgut nicht genügend gegeben _ hatte, dann stahl er ihm die Sachen in der nächsten Dacht prompt wieder, um sie am anderen Tage zu besseren Preisen anderweitig zu verkaufen. So kam es hier mehrfach vor, dah er gestohlene Sachen wiederholl „umsetzte" und bei bieten Geschäft erhebliche Gewinne erzielte. — Auf der Braunkohlenzeche der Gewerkschaft „Gustav" in Dettingen kam man um f ang- reichen Kohlenschiebungen auf die Spur. Dicht weniger als sieben Angestellte, die sich in den Erlös aus diesem schwarzen Schieben- geschäft teilten, kamen zunächst in Haft.
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„Andre Männer hat sie kaum lernten gelernt, ergab sich von selbst, dah Hellmut viel um war. Er war ihr Generalbevollmächtigter." „Datürlich. And sie sind glücklich."
..Sie planschen in Seligkeit."
Die Droschke hielt vor dem Hotelportal.
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zu helfen, diese hätten abgewirtschaftet.
könne da nur die Schaffung einer Partei, v« gegründet auf einer bewährten ^e£tanj<bauung Sem ganzen Volk in allen seinenSchichten gerecht werde. Dazu führte der Redner noch t^i- spiele aus der höfischen Politik der leh^i Jahre an. die in evangelischen Kreisen.^öafte Befürchtungen hervorriefen. Die großem Parteien, die zu Wahlzellen immer versprechen, die ctxmge- lischen Belange zu vertreten, hatten praktisch in denwichtigsten Fragen versagt Deswegen gründete sich im vor. Jahre die „Evang. Volks- a em ein schäft". Den zwetten Vortrag hielt Pfarrer Weidner- Oberlais über „Religion und Politik". Redner zeigte, wie Religion und Polllik keine sich ausschl eßenden Gegensätze sind sondern wie eine sittliche Religion flrraöe bie Politik beeinflussen muß. Er verwes dw Anschauung früherer Kirchenmanner, welche den Geistlichen die aftifre Mitarbeit Politik
verwehrten. Der Herr Prälat der hessischen Landeskirche zeige ^ch die Tat «ne neuzeitlichere Auffassung. Der-Ü>e der Geistlich sieht in die Döte des Volkes hinein. Ein um wieviel besseres Arteil kann er sich dann bilden von den Röten aller Dolkskreise als meist in den Städten wohnende Berufspolitiker. Aber nicht nur die Pfarrer, sondern jeder evangelische Ehrt st habe die Pflicht, am sozialen Ausbau irreres Volkes mitzuarbeiten. RÄ>ner empfahl die chnst- lich-sozialen Grundsätze Der Evang. VFsgemein- schaft In der folgenden lebhaften Aussprache wurden Dann hauptsächlich Organisationsfragen über Kreisverein und Landesorganisatton sowie das Verhältnis zu der Desorganisation besprochen. Man sah, daß diese neue Bewegung auf politischem Gebiete viel Leben enthält und eiiro große Zukunft verspricht.
Kreis (Schotten,
e EichelSdorf, 5. Febr. Bei der vorgestrigen Drennholz-Dersteigerung des hiesigen Forstamts wurden folgende Durchschnittspreise gelöst: Duchenscheiter 1. Kl. 13,85 Mk., 2. Kl. 15,45 Mk., Buchenknüppel 1. Kl. 9,15 Mk., 2 Kl. 7,10 Mk., Eichenknüppel 1. Kl. 6,70 Mk., 2. Kl. 5,20 Mk.. Birkenknüppel 5,30 Mk.. Erlen- knüppel 4.55 Mk., Lärchenknüppel 5 M., Fichtenknüppel 5.65 Mk., Duchenreisig 1,60 Mk., Fichten- reisig 0,95 Mk., Buchenstöcke l.Kl. 6,95 Mk., 2 Kl. 4,20 Mk.. Eichenstöcke 3.20 Mk.. Fichtenstöcke 1. Kl. 2 Mk., 2. Kl. 2.75 Mk. je Raummeter.
<> Schotten, 4. Febr. Anter Teilnahme eines Vertreters des Kreisamts Schotten fand heute im Gasthaus zur Traube die Gründungs- Versammlung der Zwangsinnung für das Däckerhandwerk statt. Die Mehrzahl Der Bäcker hatte sich für die Errichtung bezw. Um- Wandlung der früher freien Innung zur Zwangs- irmung erflärt. Der Vertreter des Kreisamts machte auf die wichtigsten Bestimmungen des Jnnungsstatuts aufmerksam, worauf die Wahl des Vorstandes vorgenommen wurde. Als Obermeister wurde Bäckernteister Da uer aus Schotten einstimmig gewählt, der bereits die Geschäfte Der Freien Innung $ur vollen Zufriedenheit führte. Auch die übrigen Vorstandsmitglieder sind geblieben. — Wie man hört, ist nun auch in Schotten die Errichtung eines Kriegerdenkmals geplant. Als Standort ist der hergerichtete Platz vor dem Pfarrhaus auf der Platte vorgesehen. In der Kirche befindet sich bereits eine Kriegerehrung. Auch Gedern und Michelbach planen die Aufstellung von Kriegerdenkmälern. Dur die Ausstellungsorte bereiten noch einige Schwierigkeiten. ES Dürften dann nur noch wenig Orte Ded Kreises Schotten ohne Kriegerehrungen sein. — Der Kirchenvorst <1 nd und Der Gemeinderat von Schotten haben die Anschaffung einer weiteren Gl ocke beschlossen. Die Mittel hierfür sollen durch eine Sammlung aufgebracht werden.
)—( Ruppertsburg. 5. Febr. Kürzlich ging durch die Zeitungen Die Mitteilung über einen Diebstahl von Rup per t s b u rg er Arkunden. Diese Arkunden wurden von Dem betreffenden Handwerksburschen einem Lehrer im Taunus nicht nur 5um Verkauf angeboten, sondern tatsächlich verkauft, so daß also für Die Gemeinde die Möglichkeit besteht, Die Schriftstücke wieder zurückzuerwerben. — Der Kriege rb erei n Ruppertsburg hielt bei Gastwirt Wagner am Bahnhof seine Generalversammlung ab. Der Verein wird schon viele Jahre von Lehrer E i ch e l m a n n geleitet und zählte im abgelaufenen Jahre 98 Mitglieder,
Hessen-Dassau-Süd, Kollege R e u s ch aus Frankfurt a.M., als Hauptredner gewonnen. In seinem Vortrag ging er in der Hauptsache auf Die Punkte ein, welche für jeden Beamten heute im Brennpunkt des Interesses stehen. And was liegt den Beamten, beamtenpolitisch betrachtet, heute mehr am Herzen als eine gerechte Besoldung. In seinen Ausführungen beleuchtete der Redner zunächst die Besoldung vor dem Kriege und maß das Einkommen des Beamten am jeweiligen Volkswohlstand. Während dieser immer zunahm, verringerte sich das Einkommen der Beamtenschaft. So verhiell sich das Gehalt eines Beamten 1880 zum Gehalt des Beamten 1914 wie 10:6. Also schon vor Dem großen Kriege, in der Zeit, da Deutschland finanziell einzig dastand. hat man Den Beamten in ungerechter Weise das vorenthalten, was ihm eigentlich zukam. Aber am deutlichsten zeigte sich die Angerechtigkeit, mll welcher der Staat feine treuen Diener behandelt, nach Dem Am- stürz 1918. Was wäre damals aus dem deutschen Vaterland und Volk geworden, wenn die Beamtenschaft in dieser Zeit versagt hätte? Don dem neuen Staat hatte man erwartet, daß er von dem begonnenen Anrecht an seinen Beamten etwas gutmachen würde! Aber nur schlechter stellte sich die wirtschaftliche Lage Der Staats- Diener. Die Erwähnung der Inflationszeit löste bet den Zuhörern nur einen tiefen Seufzer aus und dieser gab der Erinnerung den richtigen Ausdruck. Wie verfuhr die Regierung mit Den Spihenorganisationen, welche zwecks Desoldungs- Verhandlungen ins Reichsfinanzministerium berufen wurden nach dem erpreßten Ermächtigungsgesetz? Ihre Forderungen wurden gehört, auch scheinbar verhandelt und dann die Ergänzungen des Besoldungsgesetzes diktiert und keinerlei Rücksicht auf die warnenden Stimmen des geknebelten Reichstags genommen. Als Begründung für eine derartige Erledigung wurde seitens der Regierungen immer behauptet, daß der Staat kein Geld habe. Zu gleicher Zeit konnte aber Der Reichspostminister landfremden Grohschiebern Millionenkredite zur Verfügung stellen. Der Beamte ober, der dem Staate diese Gelder erarbeitet und erhungert hatte, und um ein Darlehn oder einen Vorschuß von 100 Mk. bat, wurde abgewiesen. Ein solches Gebühren ist
rrauenoero'T. unter Leitu-n» ton Lehrer Graulich leinen diesjährigen FamMenabsid. Der Vorsitzende gab zunächst einen Aeberbtick über Die Entwicklung. Die der hn Krieg gegründete Frauenverein im letzten Jahr genommen hatte. Darauf erzählte der Ortsgeistliche. Pfr. Schorlemmer von Lich, von feinen Erlebnissen als Feldgeistlicher in Rumänien. Eine Fülle von meist heiteren Vorträgen und flott gespielten Aufsührungen, unter Denen einige in vberhessischer Mundart besonders stürmischen Beifall fanden, und eine längere Kaffeepause machten Den Abend zu einer abwechslungsreichen Unterhaltung.
Kreis Friedberg.
am. Diederflorstadt. 4. Febr. In Der Woche vom 25. bis 31.Januar ließ Die Wetter a u e r Kraftwagenbetriebsgesell- fchaft einen Kraftwagen probeweise über Staden, Stammheim, Bönstadt, Assenheim, Bruchenbrücken nach Friedberg laufen. Bei dem schlechten Wetter war Der Wagen täglich gut besetzt. Ob aber auf Die Dauer diese Rundfahrten beliebt fein werden, ist sehr sraglich. Diel notwendiger wären jedenfalls Kraftwagen auf der Strecke, Die früher von den Postkraftwagen befahren wurde. Diese Wagen liefen von Friedberg über Florstadt, Staden, Mockstadt nach Ranstadt. Es war Damit eine VerbinDung zweier Bahnstrecken hergestellt. Hoffentlich läßt es sich bald ermöglichen, daß diese vor Dein Kriege ausprobierte Strecke auch von Der Betriebsgesellschaft aufgenommen werden kann. Man erwartet jedenfalls auf Dieser Strecke ebenfalls eine Probewoche.
spd. Vilbel. 5: Febr. Der hiesige Gesangverein „Lieder kranz" plante aus Anlaß seiner im Juni sta «findenden 70jähngen Jubelfeier die Abhaltung eines Sängerkrieges und lud dazu nicht weniger 016 500 — fünfhundert — Vereine ein. Auf dem am letzten Sonntag ab gehaltenen Delegiertentag fanden sich von Den 500 geladenen Vereinen ganze sieben Vereine zur Mitwirkung bei dem Sängerkrieg ein. Es wurde bekanntgegeben, daß in Der Wetterau im Laufe des Sommers 1925 nicht weniger als fünfzig Gesangs wett streif veranstaltet werden oder geplant sind. DaS ist doch ein bißchen viel.
Kreis Büdingen.
„?" Didda, 2. Febr. Der starke Frost im vorigen Winter hat eine außerordentlich hohe Zahl von Ob st bäumen, insbesonders Apfelbäume, vernichtet. Allein an Den Kreisstraßen des hiesigen Bezirks mußten über 400 Apeslbäume und 50 Birnbäume, Die überwiegend ein Opfer des Frostes wurden, gefällt werden. An diesen Zahlen läßt sich ermeßen, wie groß der Schaden fein muß, Der dem landwirtschaftlichen Besitz durch den Frost erwachsen ist. Auffällig ist, daß Die Obstbäume Der eigentlichen Wetterau in höherem Maße gelitten haben als die in den geschützteren Tälern des südlichen Vogelsberges angebauten.
y. Büdingen, 3. Febr. Am Samstag veranstaltete der Richterve rein Der Kreise Büdingen und Schotten in Didda im Gasthaus zum Darmstädter Hof zu Ehren des seitherigen Amtsanwalts Dr. Hornberger, der von hier nach Lampertheim als Amts^richtsrat verseht worden ist, eine Abschiedsfeier. Der Scheidende erfreute sich bei seinen Kollegen, bei Der hiesigen Bürgerschaft und bei allen. Die ihn naher kennen lernten, großer Hochachtung und Deliebcheit.
am. Stockheim, 4. Febr. In der Gast- wirtschaft von Hartmann fand eine Kreisver- fanunlunq der „Evangelischen Volksgemeinschaft in Hessen" statt. Der über- still« Raum zeigte, welch große Anhängerschaft Diele Bewegung im Kreise Büdingen bes tzt. Dach Werten der Begrüßung und der Freude über den guten Besuch hielt Pfarrer Hamburger- staben Den ersten Vortrag über: „Warum muhte die Evangelische Volksgemeinschaft in Hessen gegründet werden?" Redner erklärte, daß die Politik der Parteien nicht mehr vorn ideallstischen Programm st andpuntt aus, sondern von rein materialistischen Beweggründen aus getrieben werde. Hierdurch erkläre sich Die Zersplitterung des Volkes in so viele Splitterparteien, well jeder Stand seine Interessen abgesondert von den anderen vertreten wissen wolle. Rückkehr zu einer klaren politischen Weltaaschauung könne da nur helfen. Den alten Parteien sei da nicht mehr
am Leben? — Lexe. glaube mir, es stieg zuweilen etwas wie Haß gegen sie in mir auf. Das ist heute natürlich vorbei. Aber ich litt weih Gott unter melancholischen Anfällen — ich, Der ich stwch nie zu den Schwerplütlern gehörte! . . .** Er leerte sein Glas.....Dun bin ich wieder
der Alte. Sozusagen Der Alte, denn das Feld meiner Tätigkeit muh ich natürlich verlegen. Theda und Hellmut sind noch in Groß-Pvnar?"
„Ja. Vorläufig."
„Können auch bleiben, bis Die Desihfragq geregelt ist. Die liegt ja sehr einfach."
„Durchaus. Groß-Ponar ist inzwischen durch die Erschließung der Kaligruben ein Objekt von hohem Wert geworden."
„Am so besser. Dach dem Müßiggang Deo letzten Jahre spüre ich einen verdoppelten Drang nach Arbeit. Wann willst du zurück?"
„Das hängt von Dir ab. Ich begleite dich." „Akzeptiert. Aber ich will dir etwas sagen.
Ich komme aus den Tropen und hatte gern noch ein paar Tage Aebergansluft geschluckt. Es ist jetzt wonnig an Der Riviera — Du sprachst schon davon. Ist es dir recht, wenn wir uns noch ein bißchen in San Remo oder Dvrdighera Der* schnaufen?"
„Ganz einverstanden. Zu versäumen haft b» ja nichts. Hellmut verwaltet Groß-Ponar nach wie vor, und Du weißt, wie tüchtig er ist. Auch landwirtschaftlich ist das Gut in den Jahren deiner Abwesenhett gewaltig aufgeblüht — du hast nichts verloren, sondern gewonnen."
„Aber Hellmut und Theda haben verloren. Theda wäre meine Erbin gewesen, wenn die Tcdeserllärung Gülligkett behalten hätte."
„Du lieber Gott, Gert, Der Reichtum ist so groß, dah es nicht Darauf ankommt!"
„Richtig. Ja, du — was mir dabei einfällt. Die Frcye wird nun auch eine reiche Frau. Sic hat doch nicht etwa die Dummheft begangen, sich in der Zwischenzeit zu verheiraten?"
„Dein. Sie war verlobt — mit einem Missio» mar, Dem Bruder Dorotheas — aber nur für bestimmte Zeit gebunden, und der Mann fdyeint ebenfalls verschollen zu fein — wenigstens glaubt das Freye."
l Fortsetzung folgt)
Darunter 6 Ehrenmitglieder. — Auch hier wurde ein Schützenverein unter Zugrundelegung der Satzungen des Laubacher Schützen-Vereins gegründet.
• Gedern, 3. Febr. Dieser Tage sand im Stiebelingschen Saale dahier ein Dele°- giertentag Der Vogelsberger Sängervereinigung statt, auf dem 14 Bundes- Vereine durch 31 Delegierte vertreten waren. Es wurden folgende Defchlüsfe gefaßt: Im Mai soll ein Wertungssingen in Gedern stattsin- Den, bei Dem jeder Verein einen mittelschweren Chor vortragen soll. Das diesjährige Bunde s s e st übernimmt Der Männergesang- verein „Eintracht" Glashütten am 7. Juni. Bei Der Ersatzwahl Des Vorstandes wurden Lehrer Strötzinger-Ober-Lais als Bundespräsident, Z i n h - Gedern als BundesDirigent, Hoffmann- Gedern als Rechner, Lehrer I u - dersleben - Glashütten als Schriftführer gewählt. Die seitherigen VorstanDsrnitglieDer G r e u I - Gedern, stellvertretender BundesDiri- gent und Langlitz - Steinberg, Beisitzer, bleiben in ihren Aemtern. Dach Der Erledigung Der Tagesordnung trug Liede r krau z-Ge- D e r n noch einige trefflich geschulte Chöre vor.
Kreis Lauterbach.
rr. Schlitz, 3. Febr. Etwas neuartiges im wirtschaftlichen Leben auch unserer Gegend sind die seit etwa Iahresftist immer zahlreicher webenden kleinen Kraftwagen, die von größeren Handelsfirmen in ihren Betrieb eingestellt werden und mü Denen ihre Vertreter Die Kundschaft in Stadt und Land besuchen. Diese Art Der Kundenbesuche soll sowohl eine große Geld- wie Zeitersparnis bedeuten, Da die Reisenden dadurch an keinen Zug gebunden sind, ihre Geschäftstouren rascher erledigen und auch bequem bis ins entlegenste Gebirgsdorf ihre Fahrten unternehmen können.
Starkenburg und Rheinheisen.
* Darmstadt, 4. Febr. Am 7. Juni veranstaltet Der Verein Der Hundefreunde von Darmstadt unD Amgegend im städtischen Saalbau eine Ausstellung für Hunde aller Raffen.
-I- Offenbach, 4. Febr. Das hiesige Handwerkerkartell nahm in einer gut- besuchten Versammlung nach einem Vortrag des Syndikus Dr. H ö h l b a u nf über „Die Besteuerung des selbständigen Mittelstandes" folgende Entschließung an: „Die vorn Handwerker- kartell, E. V., Offenbach a. M. einberufene öffentliche Versammlung, in Der alle Berufe von Handwerk. Gewerbe und Einzelhandel aus Stadt und KreisOffenbach vertreten sind, fordert im Interesse der Eristenzerhaltung des selbständigen Mittelstandes und unter dem Zwang, Der weiteren Proletarisierung dieses Standes entgegentreten zu müssen, daß in Der kommen- D en Reichs st euergesetzgebung Die folgenden Grundsätze zur Durchführung gelangen: 1. Aufbau Der Reichseinkommensteuer auf den Reineinkommen unter Sicherung eines Existenzminimums und Berücksichtigung der Zahl Der Familienangehörigen. 2. Fortfall Der allgemeinen Amsatzsteuer als einer Zweiten Einkommensteuer, welche Die Leistungsfähigkeit nicht in Betrag zieht und wirtschaftlich untragbar ist. 3. Fortfall Der Steuer Vorauszahlungen, Zahlung endgültiger Steuersummen in größeren Zeitabschnitten. 4. Vereinfachung des Steuersystems. 5. Gesetzliche Bindung des Reiches dahingehend, daß bei starker Aeberschreitung des Steuersolls Durch Die Steueraufkommen sofort angemessene Steuerermäßigungen vorgenommen toerDen müssen. 6. Gesetzliche Bindung der Länder und Gemeinden dahingehend, daß sie eine den Grundsätzen Der Einfachheit, Gerechtigkeit und wirtschaftliche Tragbarkeit entsprechende Steuerpolitik betreiben müssen. Die Versammlung beauftragt Das Kartell, diese Mindestforderungen des in seiner Existenz bedrohten selbständigen Mittelstandes D.m maßgebenden Behörden und Personen zur Kenntnis zu bringen." In Der Aussprache, Die sich sehr lebhaft gestaltete, wurde u. a. Der Vorschlag gemacht, daß Der selbständige Mittelstand schon jetzt Darauf hinarbeiten solle, zu Den im Dovember stattfindenden Wahlen nur eine einheitliche bürgerliche Liste herauszubringen, an der die Wirtschaftsgruppen und Die bürgerlichen Parteien gleichmäßig beteiligt sind.
so ist das immerhin ein Zwiespalt Der Datur, über den man erst hinwegglitschen muß. Bei dem Glitschen mußt Du mir hilfreich sein. In einem halben Stündchen, nicht wahr? . .
Als Alexe nach diesem halben Stündchen den Gaitensaal betrat, sah Gert bereits an einem Ecktischchen, vor sich einen Strauß Marschall-Diel- Rosen, in der Hand Die Weinkarte, und verhandelte mit dem Kellner.
„AN right", sagte er, „das Frühstück ist bestellt. Die Rosen gehören dazu."
Sie nickte dankend und nahm Platz. Der Kellner brachte den Heidfteck, begann zu servieren und zog sich zurück. Gert hatte einen Platz gewählt, Der etwas abseitig von Den übrigen Tischen lag. Man konnte zwanglos miteinander plaudern. Gr hob fein Glas.
„Zunächst ein herzliches Dankwort, Lexe", sagte er. „Es ist lieb von dir, daß du mir entgegenreistest, eS ist auch gescheit. Wenn ich ahnungslos nach Groß-Ponar gekommen wäre, ich weiß nicht, ob ich den ganzen Krempel so wenig elegiich auf gefaßt hätte. Man konnte ja immerhin auch von einer gewissen Tragik sprechen. Oder doch mehr von Tragikomik, nicht wahr? Es ist eine Tragikomödie, und ich bin ihr trauriger H-ld, Der geprellte Ehemann, Der Hanswurst. Aber gegen diese Rolle verwahre ich mich. Ich bin sehr zufrieden, daß alles so gekommen ist. Ich lache. Denn ich bin ja nun wieder Ich geworden. Ich bin einer Kette ledig, die mich gewaltig gedrückt hab. Ja, Lexe, das muß ich ehrlich zugestehen: Der Gedanke an die blödsinnige Trauung hat viel Ditterkeft in mein Lieben gebracht."
„Ich habe es nicht anders erwartet. Die Väter dachten klug zu handeln, sie schauten aber nicht in die Herzen der Kinder."
„Laß die Herzen beiseite, sprich nicht einmal vom Ethischen: diese Verkuppelung an ein krankes Kind war ein widerlicher Schacher Ihr habt euch gewundert, daß ich so selten schrieb Cs kostete mich immer Mühe, ich fand nicht Den rechten Ton. Dicht gegen Vater und Schwiegervater. am wenigsten gegen Theda. And nachher, nach meiner endl öq
noch an Theda s noch
„Lcß sie planschen", sagte Gert und sprang aus dem Wagen. In Der Halle küßte er Alexe wieder die Hand.....Wir frühstücken zusam
men, Lexe. Ich will mich bloß umlleiden. And eine Brause nehmen. Der Kopf brummt mir ein bißchen. Weißt Du, wenn man lebt und sich verheiratet glaubt, und es stellt sich auf einmal heraus, daß das eigentlich gar nicht wahr ist,


