fölngldt, teils haben sich Die DeschästigungSver- HÄtnisfe verschlechtert. 3m allgemeinen hielt sich der Beschäftigungsgrad auf der Höhe der vorigen Derichtswoche. doch lassen sich in einigen Be- rufen Anzeichen einer 'Berschlechterwra erkennen. Ties tritt Im Baugewerbe, in der Zellstoff- und Papierherstellung und Verarbeitung, in der Lederindustrie und im Holz- und Schnihstoffge- werbe besonders in Erscheinung. Dagegen bewegte sich die Entwicklung in der Tabcckindustrie. der 'Däscheindustrie. im BervielfältigunasHewerbe und in den technischen Berufen in aufsteigender Linie. Es waren 56 766 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen, gegen 58 356 der Vorwoche. Darunter befanden sich 44 017 (44 219) männliche und 12 749 (14 137) weibliche Personen. Llnterstührmg bezogen 24 100 (23 288) männliche und 5541 (5462) weibliche, insgesamt 29 641 (28 750) Personen. Die Zahl der zu gemeinnützigen Pflichtarbeiten ilebettoiefenen betrug 137 gegen 526 der Vorwoche.
*6prozentige hessische Braun- kohlen-Aoggenanlcihe. Bei Anwendung der AnleihcbLdingungen für die 6prozentige hessische Braunlohlen-Roggenanleihe hat die Hess. Staatsschuldenverwaltung die am 1. Februar 1925 fälligen Zinsen, unter Zugrundelegung der Durchschnittspreise für eine Tonne gesiebte Fördrr- braunkvhle und einen Zentner Roggen in den Monaten Oktober 1923 bis einschließlich März 1924. auf 0,50 Rmk. für eine Einheit festgesetzt. Da die Schuldverschreibungen der Anleihe auf i j. i'2, 1. 2 und 5 Einheiten lauten, so entfallen auf die jetzt fällig werdenden Zinsscheine Beträge von 0,13. 0,25, 0,50, 1,00 und 2,50 Reichsmark.
Berliner Borke.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 5. 3an. Die Bors» eröffnete die neue Woche in nicht ganz einheitlicher Stimmung, doch war die Grundtendenz wft'e hin fest. Die Rachrichten aus der Industrie blevcn zwar sehr zurückhaltend, doch lassen sie Anssich'en auf allmähliche Besserung der Konjunktur erkennen. Man bemerkte wieder Auslandkäufe in erster Linie für ho läid schr und Schw t er Rechnung. Auf der anderen Seite ging die Spekulation, namentlich am Montan-Aktienmarlt zu Verkäufen über, augenscheinlich, um sich an der Bewegung am Kassamarkt zu beteiligen. Sehr lebhaft verkchrtcn Schiffahrtsaktien, von denen Hapag, Hamburg-Süd und L.oyd für ha 's^atllche Rechnung aus dem Markte genommen wurden. Auch der Kali-Aktienmarkt liegt weiter fest bei lebhaften Umsätzen am Markte der unnotiertea Werte. Im Vordergründe standen Krügershall urtS Riedersachsen. Wre zu erwarten wa-, haben verschiedene Meldungen über die A rhö ung von Finanzleuten tn der Frage der Aufwertungsgesetze ftimuherenb am Markt der heimischen Renten gewirkt. R:cht nur K eg.anleihen, sondern vielmehr in den alten deutsch m Rächs- und preußischen Staatsanl.ihen war reges Geschäft bei ft’tgenben Kursen zu ver eichn n Auch die 21 nleiben der verstaatlichten Eisenbahnen waren gesucht. Am Geldmarkt blieb die Lage unverändert. Am internationalen Devisenmarkt war das englische Pfund wieder befestigt.
Frankfurter Abendbörse.
Frankfurt a. M., 5. Ian. Im Einklang mit der Verstimmung, die an der Rachbörse infolge der Lieberreichung der Rote des Botschafter- rat es wegen der Räumung der Kölner Zone ein- fet)te, verkehrte auch die heutige Abendbörse in schwächerer und unsicherer Haltung. Dazu kam noch ein stärker ausgeprägtes Realisationsbedürfnis, so daß nach der andauernden Festigkeit der letzten Wochen die 2Cbgabeneigimg überwog. Die Kiwsrückgänge hielten sich jedoch in engen Grenzers da der Markt widerstandsfähig blieb. Das GePhäft blieb ziemlich lebhaft und allgemein wird die Ansicht vertreten, daß die Llbschwächung nur eine vorübergehende Erscheinung fern wird. Der Anleihemarkt war erneut etwas gedrückt. Der Montanmarkt hatte teilweise wieder stärkere Kurseinbutzen zu verzeichnen. Der Dankaktien- marft war ziemlich gehalten mit Ausnahme von Berliner Handelsgesellschaft, die zirka 1,75 Proz. nachgaben. Am Markt der Chemischen Papiere betrugen die Rückgänge zirka 0,5 Prozent, wahrend Die Verluste des Elektromarktes unwesentlich blieben. Von Schifsahrtsaktien muhten Hapag den gtobten Teil des heute erzielten Gewinnes wieder hergeben. Deutsche Anleihen: 5prozentige Kriegsanleihe 0,93—0,92 , 4prozentige Preußische
Die rote Kaschgsr.
Roman von Fodor von Zobeltih.
34 Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Es war ein großer vierschrötiger Mensch von plumpem Aeuß'rn, ein Bauer wie Prießnitz und Schcokh, die Begründer des Raturherlver- sahrens. Als Geisbach sein todkrankes Töchterchen zu ihm brachte, erschrak er förmlich vor diesem groben Mann, dem er die kleine Leidende anoertiauen sollte. Unb er mußte sich auch fügen, als Staehle ihm sagte: „Herr Geheimrat, ich mache Ihre Tochter wieder gesund. Aber vor acht Wochen dürfen Sie mir nicht in die Quere kommen..Rach acht Wochen, pünktlich auf Öen Tag, erschien Geisbach in Goslar. Doch da durfte er Theda nicht sprechen, nur ihre frühere Pflegerin, die starke, große Schwester, die sie mitgenommen hatte. Sie berichtete: „Herr Geheimrat, zuerst war es sürch^er ich. Die ewige Bettruhe ist ganz softgefallen. F übmorqend eine 'Massage, bei der die Frau Gräfin schrie und brüllte, so schmerzhaft wirkte sie. Dann immer abwechselnd Sonnenbäder und Lehmpackungen, Wassergü se und Spazieraänge, nackt unter einer Wo'llutie, die besonders für sie angel ertigt wurde, Freiübungen und die berühmte Dewegungslur Staehles, bei her die Kranken hopsen müssen. Dazu eine verrückte Diät, Milch, ein schauerlicher Kräutertee und viel Kartoffeln in allen Formen. Manchmal dachte ich, es ginge mit der Frau Gräfin au Ende. Abeer dann kam auf einmal ein älmschwung. Herr Geheimrat, die Frau Gräfin ist jetzt erst so recht Weib geworden. Das war eine stürmische Zeit, und sie ist noch nicht vorüber. Herr Staehle mochte Sie noch nicht vorlassen, aber die Frau Gräfin wird Ihnen schreiben, wenn er es erlaubt..."
Das war nun so toette. Als Geisbach den großen Vordergarten des Sanatoriums durchschritt. an den sich rückseitig ein schöner, umfangreicher Park schloß, fühlte er ein verstärktes Herzklopfen. Man hatte seine Kleine einer wahrhaften Pferdekur unterworfen, formte sie geglückt fein? In einer medizinischen Zeitschrift war erst kürzlich wieder vor dem verdrehten
Krmiois IS5O, 3,Sprozentige Preußische Konsols 1475, 4prvzentiae Bayern 1625, 4prozentige Baden 1,6. Ausländische Renten: Zollturken 10,12. Montanaktien: Gelsenkirchen 94. Mannesmann 66. Mansselder 4,9. Oberbedarf 14. Caro 13, Phönix 59,5, Rheinische Braunkohlen 45,25, Rheinstahl 55,75, Rombacher Hütte 29,5, Tellus 3,5, Laurahütte 7,25, Kali Westeregeln 26,5. Chemische Aktien: Badische Anilin 34—33,90, Chemische GrieSheim 27.5, Scheideanstalt 26,12, Elberfelder Farben 28,25, Th. Goldschmidt 24.12, Höchster Farbwerke 28,12—28—28,12. Holzverkohlung 11,37, Rütgerswerke 21,5. Elektroaktien: AEG. 12,4, Bergmann 21,5, Licht und Kraft 9,9, Reiniger 3,75, Schuckert 69. Bankaktien: Barmer Bankverein 1,7. Berliner Handelsgesellschaft 170.5, Darmstädter Bank 13,75, Deutsche Bank 13,62, Diskonto 18,25, Dresdner 9,12, Metallbank 21,25, Oesterreichifche Kreditaktien 10,5, Rheinische Kreditbank 3,5, Wiener Bankverein 6,55. Transport- werte: Hapag 30,37—30,25, Rordd. Lloyd 4,15 bis 4,05, Schaniung 3,20. Sonstige Industrie- aktien: Kleyer 3,5, Aschaffenburger Zellstoff 33,5, Bingwerke 4,4, Daimler 4,1. Etzlinger Maschinen 10,5, Dyckerhoff 5,25. Holzmann 6,55, Inag 2, Gebr. Iunghans 14.25, Spinnerei Hammersen 24, Hirsch Kupfer 26,25. Reckarwerke Stamm 8,8, Mönus 3,15, Julius Sichel 3.25, Chemische Mainz 12,1, Karlsruher Maschinen 4.3, Krauß Lokomotiv 5, Fuchs Waggon 1,62, Waytz & Frehtag 3,9, Peters Union 1,9, Zucker Heilbronn 4,25. Die Abendbörse schloß in unsicherer Haltung.
Dörsenkirrsr.
Zur R01iz: Die Berliner Wertpapier» borse notiert nach folgenden Grundsätzen:
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Freiarzt gewarnt worden. Man hatte Geis- abch die Rümmer mit dem rot angestrichenen Artikel in das Haus geschickt.
Er fragte zunächst nach der Pflegerin. Mit dem groben Staehle unterhielt et sich nicht gern.
Die Pflegerin kam und begrüßte freundlich den alten Herrn.
„Wollen Sie die Frau Gräfin besuchen, Herr Geheimrat?' fragte sie.
„Ja, natürlich. Schwesteer. Heut.geh ich auch nicht wieder weg, eh' ich sie nicht gesehen habe."
„Ich werde sie holen. Sie spielt draußen Tennis."
Geisbach fiel beinahe um. „Was?" rief er. „Die Theda spielt Tennis? Ist das denn menschenmöglich?"
„Ci freilich. Herr Geheimrat. Sie werden Ihr blauees Wunder erleben. Die Frau Gräfin ist Herrn Staehles Renomierpatientin. Run ist siee so gut wie gesund. Herr Stachle hatte seine Absichten dabei, sie Ihnen nicht früher zu zeigen. Es soll die Antwort auf irgendeinen Angriff gegen ihn in einer wissenschaftlichen Zeitschrift sein."
„Staehle hin. Staehle her", rief Geisbach ungeduldig, „holen Sie mir meine Thedal..."
Er setzte sich in das Wartezimmer und blätterte in einem alten Jahrgang der „Illustrierten". Und dann wurde die Türe aufgerissen, und hereinsprang ein dickes Geschopfchen, schrie stürmisch „Papa" und fiel dem Alten um den Hals.
Da tröpfelte es aus seinen Augen. Er herzte die Tochter ab und schob sie bann mit beiden Armeen in größere Sichtweite.
«Es ist nicht zu Tagen", staunte er, „bist du es denn wirklich? Du hast ja einen ordentlichen Busen bekommen... entschuldige die taktlose Aeußerung — aber ich kann mir nicht helfen: es ist alles so augenfällig an dir!"
—heda lachte. „Ja. Papachen", sagte sie, „ich muh wieder schlanker werden."
„Um GotteSwillen". rief Geisbach, „vorläufig bleibst du so, wie du btftl Und wie fühlst du dich denn? Richt mehr so matt und schläfrig Wie früher?"
1. für Aktien und Anteile, a) die noch man 1 auf Goldmark umgestellt stnd, in „Reichsmark für 100 Papiermark", b) die bereits aus Gold- mark unbestellt sind, in „Reichsmark für 100 Goldmark";
2. für festverzinsliche Werte, a) soweit fie nach der bisherigen Roterungsart über 15 Milliarden Prozent notierten, in „Reichsmark für 100 Papiermark", b) soweit sie bis 15 Milliarden Prozent nach der bisherigen Rotierungsart notiert sind, in „Reichsmark für eine Million Papier» mark", c) 8—15 Prozent Reichsschahanweisungen
von 1924 in „Reichsmark für eine Milliarde Papiermark":
3. für die festverzinslichen wertbeständigen Anleihen, die bisher in „Mark für eine Goldmark" notiert wurden, in „Reichsmark für 100 Godmark";
4. für die Anleihen, die auf Dollar lauten, tn Prozenten:
5. für die nach Sachwert v?rzinsl':chen Pfandbriefe und Schuldverschreibungen, die bisher in Billionen notiert wurden in „Reichsmark".
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Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M.. 3. Jan. (Drahtbericht des „Gieß.wer Anzeigers".) Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 21,50 bis 24,50 Mk.. Roggen, inländischer 22 bis 24, Sommergerste für Brauzwecke 25,50 bis 31,50. Hafer, inländischer 18 bis 22,50, Mais (gelb) 21,75 bis 22,75, Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 39 bis 41,75, Roggcm- mehl 34,50 bis 38,50, Welzenkleie 13.75 bis 14, Roggenkleie 12,75 bls 13, Erbsen 30 bis 38, Linsen 45 vis 50, Heu, süddeutsches, gut, trocken 10, Weizen- und Rogg'mftroh 6 bis 6,50, Treber, getrocknet 21,25 bis 21,75. Tendenz: fest.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
(Eigener Dlahtbericht des „Gießener Anzeigers".)
Frankfurt a. M, 5. Jan. Auftrieb: 1004 Rinder, darunter 357 Ochsen, 32 Bullen, 615 Färsen und Kühe, 837 Kälber, 291 Schafe, 3465 Schweine. Rinder: Ochsen: vollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 52 bis 58, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 43 bis 50, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 33 bis 40; Dullen: vollst, ausgemästete Färsen höchsten öchlachtwerts 45 bis 50, vollfl. jüngere 38 bis 44; Färsen und Kühe: vollfl. ausgemästetc Färsen höchsten Schlachtwerts 50 bis 58, vollst, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 40 bis 50, wenig gut entwickelte Färsen 38 bis 49, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut ent
wickelte jüngere Kühe 30 bis 39, mäßig genährtz- Kühe und Färsen 20 bis 30, gering genährtch Kühe und Särfen 14 bis 19; Kälber: feinste Mast kälber 64 bis 68, mittlere .Mast- und beste Saugkälber 56 bis 62, geringere Mast- und gute Saugkälber 48 bis 55, geringe Saugkälber 34 bis 46; Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 37 bis 42, geringere Masthämmel und Schafe 28 bis 36. mäßig genährte Hammel und Schafe (Merzschafe) 20 bis 25; Schweine: vollfl. von 80 bis 100 Kg. 76 bis 78, unter 80 Kg. 70 bis 75. von 100 bis 120 Kg., von 120 bis 150 Kg., Fettschweine über 150 Kg. 75 bis 78, unreine Sauen und geschnittene Eber 60 bis 70 Mk. pro 100 Pfd. Lebendgewicht.
Frankfurter Pferdemarkt.
fpd. Frankfurt a. M., 5. Jan. Der heute auf dem Gelände des Landwirtschaftlichen Vereins abgehaltene Pferdemarkt war mit etwa 600 Pferden beschickt und von Käufern sehr gut besucht. Es wurden bezahlt für Pferde schwerster Sorte 2000 bis 2500 Mk., für kräftige junge Pferde belgischen Schlages 1200 bis 1600 Mk., für gute Arbeitspferde mittlerer Jahre 600 bis 1000 Mk., für geringere gute Arbeitspferde 300 bis 600 2M., für Schlachtpferde 50 bis 150 Mk. Das Geschäft in besseren Pferden war rege, das Geschäft in mittleren und geringeren Tieren war schleppend.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 5. Ian. Der Produktenmarkt eröffnete bei geringem Geschäft ruhig. Die Tendenz war lustlos und leicht abgeschwächt. Es notierten je 1000 Kg.: Weizen (märt.) 234 bis 240, Weizen (März) 273 bis 271, Weizen (Mai) 281 bis 280, Roggen (märt) 229 bis 234, Roggen (März) 264 bis 260,5. Roggen (Mai) 270.5 bis 269.5, Gerste (märf) 263 vis 285, Gerste (neue) 200 bis 214. Hafer (märf.) 175 bis 185. Hafer (fromm.) 165 bis 176, Hafer (Mai) 217.5 bis 2171/1, Mais (La Plata) 219 bis 221, Rafrs 400, Leinsaat 425; für je 100 Kg.: Weizenmehl 32.50 bis 35.00, Roggenmehl 32.00 bis 35.00, Weizen° flete 15.75 bis 15.80, Roggenkleie 14.75 bis 14.80, Viktoriaerbsen 29.00 bis 31.00, kleine Erbsen 21.00 bis 22.00, Futtererbsen 19.00 bis 20.00, Peluschken 15.00 bis 16.00, Ackerbohnen 19.00 bis 20.00, Wicken 16.00 bis 17.50, Lupinen (blau) 11.50 bis 13.00, Lupinen (gelb) 15.00 bis 16.00, Serradelle (alt) 10.00 bis 12.00, Serradelle (neu) 16.00 bis 17.00, Rapskuchen 17.70 bis 18.00, Leinkuchen 25.80, Trvckenschnitzel 9.60, Torfmelasse 9.60 bis 10.00, Kartoffelflocken 19.40 bis 19.60,
Rundfun.-Programm
des frankfurter Senders.
(Aus der „Radio-Umschau".)
Mittwoch, den l. Januar:
11,55 ilfjr: Zeitangabe. 12 ilfjr: Rachrichten» dienst. 4.30 bis 6 ilftr: Rundfunknachmittag in Musik und Wort. 6 älhr Wirtschaftsmeldungen. 6 bis 7 älhr: Märchenstunde für große und kleine Kinder, veranstaltet von der Märchentante unter Mitwirkung von Fräulein Kiliane Müller. 7 älhr: Stenographischer Fortbildungskursus für alle Systeme (Diktat von 80 Silben aufwärts). 7,30 ckkhr. Funkhochschule Paul Dekker: „Musik- geschichtliche Wandlungen" (Ein Lieberblick übet die Geschichte der Musik von den Anfängen bis zur Gegenwart), 4. Vortrag. Beginn der Mehr- ftimmmigteit. Rotenschrift. Französische Meister. Die Ars nova. (11. bis 13. Jahrhundert.) 8 älhr: Vortragszyklus der philosophischen Vereinigung Frankfurt (Dozent: Pfarrer Taesler), 10. Vortrag: „Kants Erkenntnis- und Ideenlehre". 8,30 älhr: Moderne ausländische Tanzkvmfrosftionen. 1. Dalletmusit aus der Oper „Die Fürsten Ho- vansky" (Mussorgskh). 2. Zwei spanische Tänze (de Falla). 3. Polowetzer Tänze aus der Oper „Prinz Igor" (Borodin). 4. Aus den „Saudades do Brazil" (Mllhaud). Ausführende: Ein Kammerorchester, am Flügel Dr. Reinhold Merten von der Frankfurter Oper. 9,30 Ufir: Rachrichten, Wettermeldung, Sportbericht. 9,40 Uhr: Die Spätankündigung: „Hab' mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben!" 9,55 älhr: Zeitvorbereitung. 9.56 11hr: Drei Minuten der Hausfrau. 10 älhr: Zeitangabe. 10 bis 11 Ahr: Die Lokaldichtung. (Frankfurter Dichtungen aus alter und neuer Zeit.) 8. Abend: Aus Friedrich Stolhes gefam* Hielten Werken (Fortsetzung). Ausführende: Lens Obermeher und Hans Rernng, beide vom Frankfurter Schauspielhaus.
„I bewahre, ich bin quietschvergnügt. Ich konnte Bäume ausreißen. Fühl' mal die Muskeln an meinem Arm! Aber eine Schinderei war diese Kur. Der Meister massiert, daß man annimmt, seine Knochen zusammenlesen zu müssen, ilnb dann die Lehmgeschichte, diese fürchterliche Kleisterei, immer auf den Unterleib — und die Diät, egalweg Mehlpampe und Kartoffelbrei — du siehst ja, wie das angeschlagen hat! Ich sollte durchaus fett werden, und das hab' ich auch glücklich erreicht!"
Es ließ sich nicht bestreiten. Theda sah wie ein kugelrunder Backfisch aus. Auch das Gesicht war voll geworden und gebräunt — sie war nicht mehr so hübsch wie in ihrer ätherischen Schlankheit, aber sie stand doch nun fest auf den Füßen, und über den Pausbacken lach- ein paar gesunde, strahlende Augen.
„Wann kann iH dich holen?" fragte der Vater.
„In vier Wochen, Papa. Die Rachkur ist das Langweiligste. Siehste du. es trifft genau so ein, wie ich Gert beim Abschiede vorausgesagt habe. Uebers Jahr auf Wiedersehn. Run kann er kommen ...“ Und mit leicht schämigem Erröten fügte sie hinzu: „Run kann ich seine Frau fein. Der Faulpelz schreibt so selten. Ich denke, der Krieg in China wird bald aus sein. Dann kehrt er doch sicher zurück."
„Zweifellos. Ich schicke morgen eine Depesche an ihn ab. Rämlich, Thedachen, ein Trauersatt ist eingetreten. Dein Schwiegervater ist plötzlich gestorben."
Theda zeigte eine bedauernde Miene, brach aber nicht in Tränen aus. Der alte Graf hatte ihr immer ziemlich fern gestanden. Man sprach noch über allerlei. Theda setzte sich dem Vater auf die Knie, und auch dabei spürte er ihre Gesundung. Sie war gewichtig geworden. Ihr drittes Wort war Gert. Sie wollte ihn endlich wiederhaben. Und das wiederholte sie, weniger liebevoll als hartnäckig. Sie verlangte gewifser- matzen nach ihrem Eigentum. Er gehörte zu ihr. Ec sollte seinen Abschied nehmen und Groß- Ponar bewirtschaften. Rach Schwichelde wollte sie gar nicht mehr. Sie fragte auch nach den neuen Kaligruben — dec Vater mußte ihr viel erzählen, bis die Stunde des Aufbruchs schlug.
Aber vor der Rückfahrt ließ er sich noch einmal bei Staehle melden.
„Ra, Herr Geheimrat", begrüßte ihn der, ,,was sagen Sie nun?"
„Ich bin zufrieden", erwiderte Geisbach und zog sein Scheckbuch aus der Tasche. —
--Rach der Herrnhuterkolonie Kappietsch war die Kunde von dem Tode des Grafen Hora früher geflogen, als die Traueranzeige Freye erreichte.
Sie lebte noch mit ihrer Mutter in dem Hause auf der Höhe, aber die alte Frau war fast stumpfsinnig geworden und ging mählich ihrer Auflösung entgegen. Doch sie war eine gutherzige Kranke, ihr Eigensinn war gewichen, sie quälte Freye nicht wie früher mit ihren Erinnerungen, sie sprach nie mehr von Ger! und seinem Vater und fragte nur zuweilen, in den lichteren Airgenblicken ihres Dämmerzm stands, nach Bruder Dorotheus.
Das war der erwählte Bräutigam Freyes. Vor dem Rai der Aeltesten hatte sie sich mit Karl Ferdinand Grafen von Auftien durch Handschlag versprochen, doch der Weltname blieb Geheimnis des Rats, und der Anschlag am Gemeindehause verkündete lediglich das Verlöbnis des Bruders Dorotheus Fiedler mit der Schwester Freye von Elstern. Damit war bem Wunsche der kranken QHittter Genüge geschehen. Ihr Wusnch ging zweifellos nur darauf hinaus, von Freye zu erfahren, wer sich hinter dem Decknamen des Bruders verberge. Sie wollte Klarheit haben über die Zukunft ihrer Tochter. Aber nach der Satzung der Gemeinde, die sich durch ihre starre Anhänglichkeit am Altüberlieferten wesentlich von anderen Kolonien unterschied, war das Verlöbnis wie eine Bindung vor dem Altar. „Es spricht, der solches zeuget: Rur der Tod soll uns trennen“, hieß die Formel.
Es war eine bloße Formel, es war weder für Bruder Dorotheus noch für Freye eine Bindung für immer. Dorotheus hatte ihr gesagt: ..Ich kenne mein Schicksal nicht. Vielleicht reise ich meinem Untergang entgegen. Setzen wir den fünften Oktober nächsten Jahres als Endziel. Hören Sie bis dahin nichts mehr von mir, so sind Sie frei — auch wenn ich noch lebe...“
(Fortsetzung folgt.)


