Ausgabe 
5.11.1925
 
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Die Entschließung des Zentrums.

Berlin, 4. Nov. (WTB.) Die Zentrums- fraktion trat heute hormittag unter der Leitung deS Reichskanzlers a. D. Dr. Marx zu einer außerordentlich zahlreich besuchten Sitzung zu­sammen, um über die politische Lage zu beraten. Die führenden Mitglieder der Fraktion find fast volzählig anwesend. Am Schluß der Vormittags- sihung wurde die Meinung der Fraktion dahin zusammengefaht, daß die Fraktion in den in Locarno getroffenen ober in Aussicht ge­stellten Abmachungen einen Fortschritt er­blickt, allerdings die Erfüllung gewisser Vor­bedingungen für notwendig hält. Des weiteren kam zum Ausdruck, daß das Verhalten der Deutschnationalen Volkspartei gegenüber dem Vertragsentwurf von Locarno ein weiteres Zusammenarbeiten mit ihr in einer Re­gierung ausschließe.

In der Rachmittagssitzung wurde die Frage des eventuellen Wiedereintrittes des Reichskanzlers a ,D. Dr. Wirth in die Reichs- tagsfraition eingehend erörtert. Eine Entscheidung wurde nicht gefaßt, da Dr. Wirth zur Zeit noch nicht in Deutschland anwes end ist. Die endgültige Entscheidung wird daher erst auf dem Parteitag in Kassel fallen.

Eine Kundgebung der vaterMndischen Verbände.

'Berlin, 4. Nov. (Wolff.) Die vereinigten vaterländischen Verbände hielten gestern in Berlin eine aus dem ganzen Reiche beschickte Versamm­lung ab, zu der Mitglieder der parlamentarischen Vertretung der Völkischen und Deutschnationalen erschienen waren. Nach den Ausführungen des Grafen R e v e n t l o w von der Völkischen Frei­heitspartei und des Geheimrats Dr. Quatz von der Deutschnationalen Volkspartei, wurde eine Ent­schließung angenommen, in der der Vertrag von Locarno als freiwillige Anerkennung des Dik­tats von Versailles a b g e l e h n t wird. Wie mit­geteilt wurde, haben sich die vereinigten vaterländi­schen Verbände mit dem Tannenbergbund, Stahl­helm und Werwolf zu einer vaterländisch-völkischen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlosßen.

Die Räumung Kölns.

Paris, 5. Roo. (Wolff. Funkspruch.) Die Botschafterkonferenz tritt am Freitagvor­mittag zusammen, um auf Grund des Berichts des Interalliierten M i l i t Ü r k o in i t e e s in Versailles über die evtl. Räumung Kölns zu be­raten. Halbamtlich verlautet, daß das Gutachten, das Marschall Joch im Namen des Interalliierten Militärkomitees abgefaßt hat, in der Feststellung gipfelt, daß die Abrüstung Deutschlandsbeträcht­liche Fortschritte" gemacht habe, besonders in ma­terieller Hinsicht, daß jedoch die Bedingungen der Julinote der Botschafterkonferenz noch nicht vollkommen erfüllt worden seien. Bisher sollte die Räumung der Kölner Zone und die lieber: tragung der Militärkontrolle auf den Völkerbund gleichzeitig mit der Erfüllung der militärischen Klauseln erfolgen. Es ist nicht unmöglich, daß man die demnächstige Räumung der Kölner Zone an- kündigt zum Beweis dafür, daß die Alliierten dem Geiste von Locarno treu bleiben, aber die inter­alliierte Militärkontrolle aufrecht- erhält, da die Frage der Entwaffnung augen­blicklich noch nicht als gelöst angesehen werden könne.

Nutzland und Locarno.

Rakowski zur internationalen Lage.

London, 4. Rov. (WB.) Der Pariser Botschafter der Sowjetunion, Rakowski, erklärte in einer Unfefrebung mit' dem Sonderbericht­erstatter desManchester Guardian", es bestän­den keine formalen Widersprüche zwischen den Abkommen von Locarno und denen von Rav allo. Das Rapalloabkommen hätte den Beginn einer innigeren politischen und wirtschaftlichen Annäherung zwischen Deutschland und Sowjetrußland sein können. Da aber Deutsch­land jetzt durch engere Verpflichtungen zu einer anderen Mächtegruppe gebunden sei, entstehe natürlich die Frage, welchen Einfluß dies auf die deutsch-russischen Deziehungen haben könne. Es dürfe jedoch nicht vergessen werden, daß die Beziehungen zwischen den Staaten nicht durch Vertragsformeln bedingt werden, sondern durch die tatsächlichen Interessen, die sie verbänden. Rakowski wies dann auf die wieder­holten Erklärungen Dr. Luthers und Dr. Str-ese- manns hin, daß Locarno die deutsch-russische Freundschaft nicht beeinträchtige, sowie aus die Tatsache, daß am Vorabend des Abschlusses des Löcarnoabkommens das deutsch-russische Handelsabkommen zum Abschluß gelangt sei, und daß die deutschen Banken den russischen Staatsbanken einen Kredit von 100 Millionen Goldmark für den Ankauf von Waren bei der deutschen Industrie eröffneten. Wenn die An­wendung des Locrnaoablommens in Zukunft aus­schließlich von Deutschland abhänge, so könne wohl angenommen werden, daß es in keiner Weise die gegenseitigen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland beeinflussen werde. Aber tatsächlich werde die Politik, die Deutsch­land gezwungen sein werde, Rußland gegenüber zu verfolgen, nicht nur vom eignen guten Willen Deutschlands abhängen. Er persönlich sei nicht der Ansicht, daß die Locarnoabkommen auf jeden Fall in sehr naher Zukunft die Einleitung einer aktiven gegen die Sowjetregierung gerichte­ten Politik sein könne. Die Sowjetregierung sehe keineswegs die asiatische Frage als ein unüberwindliches Hindernis an für die Schaf­fung vollkommen normaler Beziehungen mit Großbritannien. Natürlich könne die Lö­sung einer solch wichtigen Frage wie der asia­tischen nur der Kulnnnationspunkt der Lösung der übrigeri* leichter zu lösenden Schwierigkeiten zwischen beiden Ländern sein.

Die Universität Leipzig zum Reichsschulgesetz.

Leipzig, 4. Nov. Der Akademische Senat der Universität Leipzig hat folgende Kundgebung be­schlossen: Der Senat der Universität sieht es als geboten an, daß jede reichsgejetzliche Ordnung der deutschen Schule den religiösen, sittlichen und er­zieherischen Werten, die die Bekenntnsse in sich verkörpern, sowie dem Willen der Erziehungsbe­rechtigten, die ihre Kinder zu diesen Werten hin- aeführt zu sehen wünschen, das Recht der freien Auswirkung sichere. Er lehnt aber eine Wiederein­führung der sog. geistlichen Schulaufsicht auch in

der Form einer kirchlichen Beaufsichtigung des Re­ligionsunterrichts sowie jede Antastung des Eha- rakters der Volksschule als einer Staatseinrich­tung und der Lehrer als Staatsbeamte nachdrück­lich ab. Er fordert endlich, daß unbeschadet der Rechte derBekenntnisschule" als einer mit den anderen Schularten gleichberechtigten Staatsschule dieGemeinschaftsschule" keinerlei Beeinträchtigung erfährt, am wenigsten an den Stellen, wo sie be­reits eingebürgert und bewährt ist.

Des Reichspräsidenten Besuch in Darmstadt.

D a r m st a d t, 4. Nov. Reichspräsident von Hindenburg wird Donnerstag, den 12. Nsbrmber, b»n Karlsruhe aus hier eintteffen. Für Freitag vormittag ist im Staatsministerium ein großer Empfang vorgesehen; mittags um 12.24 reist d«r Reichspräsident nach Frankfurt weiter. Wäh­rend seines Hierseins wird der Reichspräsident eine Abordnung aus dem besetzten Ge­biet empfangen.

Parlamentarisches aus Hessen.

Darmstadt, 4. Rov. Die Fraktion der Deutsch nationalen hat im Landtag meh­rere Anträge und Anfragen eingebracht. Einer verlangt genauere Beachtung der Sonntags­heiligung. Cs soll verhindert werden, daß gewisse Verbände an Sonntagen an den Kirchen vorüberziehen. Ein Antrag über die Ernennung des Kapellmeisters Josef R o s e n st o ck zum Generalmusikdirektor lautet:Wir beantragen: Der Landtag mißbilligt die Ernennung des Kapellmeisters Josef Rosenstock zum General­musikdirektor des Hessischen Landestheaters ins­besondere um deswillen, weil bei dieser Er­nennung die vom Landtag in die Verwaltungs­kommission gewählten Landtagsmitglieder nicht bestimmend mitgewirkt haben." Ein weiterer An­trag verlangt Fahrpreisermäßigung auf der Reichsbahn für Jugend- und Krankenpflege, wie sie früher bestand. Ein anderer Antra» wünscht eine genaue Statistik der Reu^ bauten und Rotwohnungen seit 1919, Einwirkung auf die Gemeinden, daß sie bauen und Abbau der Wohnungsämter, lieber amt» liebe Rachforschungen nach dem Mitgliederbestand national-völkischer Verbände wurde nachstehende Anfrage eingebracht:Aus Bad-Rau heim wird uns berichtet, daß Kriminalbeamte im Auf­trage der Darmstädter Zentrale bei national­völkischen Verbänden bezw. deren Vorsitzenden, den Mitgliederbestand der betreffenden Organisationen auszukundschasten versucht haben. Wir fragen an: 1. Trifft diese Behauptung zu? 2. 'Wenn ja, auf Grund welcher Verordnung wird so verfahren?"

Kein Beamtenstreik in Oesterreich.

Rotftandshilfe der Bundesregiermig. Lparmatznahmen beim Heer und '

Theater.

Wien, 5. Rov Rach den zwischen der Re­gierung und den Vertretern der Bundesbeamten gestern mittag getroffenen -Vereinbarungen, durch die der Streik vermieden wurde, ist die Bundesregierung bereit, eine einmalige Rot- standsunterftützung in Höhe von 28 Proz. eines Monatsbezugs am 2. Januar 1926 zur Aus­zahlung zu bringen. Die Regierung erklärt, die Ergänzung der Rotstandsäushilfe auf die als dringlich geforderte Höhe von 50 Proz. eines Monatsbezugs innerhalb des ersten Viertels des Jahres 1926 unter der Bedingung zu bewilligen, daß die Verhandlungen über die Pensionsanleihr einen günstigen Verlauf nehmen. Die Bedeutung des Abkommens liegt darin, daß die Mittel für die für Januar zugesagte Rotstandsaushilfe sowie eventuell weitere Aushilfen im Jahre 1926 bis Sur endgültigen Neuregelung der Besoldungs­verhältnisse im Hinblick auf die bestehenden inter­nationalen Bindungen nicht im Wege einer Er­höhung der Staatseinnahmen oder Steuer­erhöhung, sondern ausschließlich durch Erwei­terung des Ersparungsprogramms beschafft werden. Wie verlautet, soll der Mehr­aufwand aus Sparmaßnahmen beimHeerund bei den Staatstheatern gedeckt werden. Im nächsten Jahr sollen die ausscheidenden 2000 Soldaten nicht mehr erseht werden.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident von Hindenburg empfing den bisherigen kgl. afghanischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Ghulam Siddi Khan, zur Ent­gegennahme feines Abberufungsschreibens, sowie ;>en neuernannten kgl. afghanisch?,! außerordent­lichen Gesandten und bevollmächtigten General Ahmed Ali Khan zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens; ferner den neu ernann­ten columbianischen außerordentlichenGe- andten und bevollmächtigten Minister Dr. Ji­minez Sopez, sowie den neuernannten kgl. ungarischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister K a n h a zur Ent­gegennahme ihrer Beglaubigungsschreiben. An den Empfängen nahmen außer der Umgebung des Reichspräsidenten auch der Reichsaußenminister Dr. Strefemann teil.

Bei der Veranstaltung des Berliner R e i t- und Fahrturniers, die besonders den länd­lichen Reitervereinen Vorbehalten war, erschien der Reichspräsident von Hindenburg und nahm in der Loge der Oberleitung Platz. Er nahm zunächst die Vorstellung der ausländischen Turnier- tcilnehmer aus Ungarn, Holland und der Schweiz und dann die der Reichswehroffiziere entgegen. Die Vorführungen der ländlichen Reitervereine anden den Beifäll des Reichspräsidenten.

Der Reichskanzler empfing heute in Gegenwart der Reichsminister Gros v. K a - n i h und Dr. Kröhne Vertreter des Hand­werks und des Kleinhandels aus der Lebensmittelbranche zu einer von diesen er­betenen Aussprache über die Preissen- kungsaktion. Ilngeachtet einiger Beschwer­den, die die Gewerbetreibenden über die prak­tische Durchführung der Regierungsaktion vorzu­bringen hatten, bestand völliges Einverständ-- nis darüber, daß die Preissenkungsaktion mit größtem Rachdruck gegenüber allen Wirtschafts­gruppen durchzuführeii sei.

Berlin trat der Deutsche E v g l. Kirchenausschuh unter dem Vorsitz seines

Präsidenten D. Dr. Kapler zu seiner Herbst- sihung zusammen. Die zweitägigen Verhandlun­gen werden eine Aussprache über die S t o ck- ijolmer Weltkonferenz und eine Stel­lungnahme der obersten Vertretzung der Eva na. Kirche zur Reichsschulgesetzgebung uftS den schwebenden Fragen dec Kulturpolitik brin­gen.

Die Interalliierre Rheinlandkommisfion hat den in Limburg a. d. Lahn erscheinendenN a s s a u e r Boten" bis zum 19. November verboten. Desgleichen wurde der in München erscheinende Völkische Beobachter" bis zum 4. Februar 1926 verboten.

Kunst und Wissenschaft.

250 Jahrfeier drr Bergakademie Clausthal.

Anläßlich der 150-Iahrfeier der Bergakademie Clausthal sind die Hochschule, die Stadt und der Bahnhof festlich geschmückt. Die Ehrenpforten tragen die Aufschriften:Glückauf" undVivat Academia". Um 11 Uhr vormittags begann der Festakt ini HotelGlückauf". Nach einem einleitenden Musik- vortrag sprach Dr. Inas Gr umbrecht über das XberriaDie Aufgaben und Ziele der Bergakade­mien". Der sehr interessante Vortrag begann mit einem Ueberblick über die Entwicklung des Berg­baues und des Hüttenwesens. Im Steinkohlenberg­bau sind 1779 in Westfalen nur 260 000 Tonnen gefördert worden, dagegen betrug 1913, das den größten wirtschaftlichen Ausstieg 'gebracht hat, die Förderung von 200 Millionen Tonnen. Die Mecha­nisierung des Bergbaus müsse noch viel mehr ver­vollkommnet werden, wenn man auch nicht so fort: schreiten könnte, wie auf anderen Industriegebie­ten. Das Problem der Förderung sei noch nicht vollständig gelöst. Ungeahnt wären die Möglich­keiten der Kohlenstoff Verflüssigung und der Kohlen­staubfeuerung. Ob die Kohlenverflüssigung Deutsch­land unabhängig vom Ausland machen werde, er­scheine zweifelhaft. Der Vortragende widmete sich dann der Erzaufbereitung und der wissenschaft­lichen Betriebsführung. Auf ersterem Gebiete seien gerade von Clausthal besondere Anregungen aus­gegangen. Weiter führte der Vortragende aus, daß eine Teilung des Studiums in der Bergakademie ins Auge zu fassen sei, da bei der Vielseitigkeit des Bergbaues und der Fülle dieser Wissenschaft eine Spezialisierung naheliegend sei. Ein Musikvortrag beendete den Festakt. Die Fest­gäste begaben sich zur Besichtigung der Bergaka­demie zur Führung durch das Hauptgebäude, durch die hüttenmännischen und bergmännischen Institute und zur Führung durch das Institut für Maschinen­kunst und Elektrotechnik. Es fand dann ein Fest­essen und abends ein Kommers statt.

Ein Forfchungsmstikut für Wasserbau.

O Wie wir hören,' ist im Anschluß an das Walchenseewerk die Errichtung eines For­sch un g s i n st i t u t s für Wasserbau und Wäffe rr r(tft geplant. Zur Ausarbeitung des für die Gründung des Forschungsinstituts nötigen Projekts wurde ein Arbeitsausschuß gebildet, an dessen Spitze Geh. Baurat Dr. Oskar v. Miller steht. Das Institut ist als ein eingetragener Verein mit dem Sitz in München gedacht, dem das Deut­sche Reich, die deutschen Länder, Kreise und Städte und die Wasserkraft ausnutzenden Unternehmungen als Mitglieder angehören, und das ähnlich wie an­dere Forschungsinstitute der Kaifer-Wilhelm-Gesell- schaft angegliedert werden soll.

Aus aller Welt.

Neue Rekorde im Luftverkehr.

Berlin, 4. Nov. (W§B.) Trotz des in Mitteleuropa herrschenden schweren Sturmes hat der Aero-Lloyd heute den Luftverkehr auf seinen Strecken aufrechterhalten. Dem Piloten R o t h e r gelang es, mit einer Flugzeit von 2 Stunden 40 Minuten von Amsterdam nach Berlin eine neue H ö ch st l e i ft u n g aufzustellen. Das zweite auf dieser Strecke eingesetzte Flugzeug des Aero-Lloyd unter Führung des Piloten Kom­in o l l erreichte die ebenfalls sehr günstige Zeit von drei Stunden, während im Flugplan eine Flugdauer von 43 , Stunden festgesetzt ist. Die Eisenbahn braucht für 6:e 600 Kilometer lange Strecke 12 Stunden. In derselben Zeit flog der Pilot Gutschmidt des Aero-Lloyd von 'Berlin n a d> Danzig, für welche Strecke fahrplanmäßig eine Flugdaner von 33i Stunden angesetzt ist.

Drei Knaben beim Spielen verschüttet.

Mehrere Knaben spielten auf dem ehemali­gen Fort de Roy in dem durch Sprengung zer­störten Festungsgelände bei Germersheim. Dabei löste sich ein etwa 10 Zentner schwerer Betonblock los und begrub drei Knaben unter sich Hierbei wurden zwet zwölfjährige Schüler getötet, während der dritte mit leichteren Verletzungen davonkam.

Grubenunglück in England.

In einem Kohlenbergwerk in der Rähe von Manchester wurden 6 Bergleute durch einen Steinbruch verschüttet. Obgleich so­fort Rettungsmannschaften eingesetzt wurden, konnten 5 von den 6 Verschütteten nur noch als Leichen geborgen werden. Der allein lieber* lebende ist so schwer verletzt, daß er bisher unfähig war, irgendwelche Aussagen zu rnckchen.

Die älteste Frau Deutschlands.

Die älteste Fran Deutschlands, Frau Johanne Prigge in Embsen bei Lüneburg feiert am 5. November in aller Frische ihren 104. Gebrtstag. Die Jubilarin, die in Hamburg geboren ist, hat sich ein erstaunliches Gedächtnis an die vielen Ereig­nisse ihres langen Lebens bewahrt. Sie sieht und hört heule noch verhältnismäßig gut, geht noch ohne Stock, lieft täglich ihre Zeitung und strickt emsig für ihre Angehörigen.

(Ein verhängnisvoller Irrtum.

Nach dem Genuß von Suppe, zu deren Zuberei­tung Grieß urib Weizenschrot, die zur Vertilgung von Mäusen mit Arsenik vermischt waren, verwendet worden waren, ist in Freiburg ein 35jähriges Fräu­lein g e ft o r b e n. Ein bei ihr wohnhafter Stu­dent, der gleichfalls von der Suppe genossen hatte, schwebt in Lebensgefahr. Das Mäusegift war während einer längeren Abwesenheit der jetzt Ver­storbenen von ihrer Schwester, die mit jener einen gemeinsamen Haushalt führte, zubereitet worden, ohne daß sie nach der Rückkehr ihrer Schwester die­ser davon Mitteilung machte.

Zunächst wolkig bei zeitweiser Aufklärung, trocken, dann wieder auf südliche Richtung dre» hende Winde, zunehmende Riederschlagsneiguna, milder.

Gestrige Tagestemperaturcn: Maximum 13,4 Minimum 2,5 Grad Celsius. Heutige Morgen- temPSratur 4,1 Grad Celsius.

Aus -er Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 5. Rovember 1925.

ReichszentrMe für Hermatdienst

Im Rahmen der sachpolitischen Bildungswoche die von der Landesabteilung Hessen der Reichszen- tralc für Heimatdienst gegenwärtig in hnferer etabt veranstaltet wird, sprach am gestrigen zweiten Vortragsabend in der Neuen Aula der Unioerfität Prof. O. Scheel-Kiel über das ThemaDie Grundlagen unseres heutigen Kamp­fes um die deutschen Grenze n." Der Vor­tragende stützte sich bei seinen Betrachtungen hauptsächlich uif die reichen Erfahrungen, die er x 5 I".h"nder im Grenzkampf in der Nordmark öes Reiches, in Schleswig-Holstein, gemacht, ferner auf die Wahrnehmungen, die der Fernerstehende aus den Grenzkämpfen im Osten und deren Folgen machen konnte, und er kam dabei zu Schlußfoiqe- rungen, die der ernstesten Beacht,^ wert sind Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, von dem bi-- her nur unser deutsches Volk nichts verspürt und gewonnen hat, fordert der Redner mit Nachdruck in vollstem Umfang auch für uns. An einen Verzicht auf deutsches Land, den ein Teil unseres Volkes in Locarno sieht, glaubt Prof. Scheel nicht, aber selbst angenommen, ein solcher Verzicht wäre ausge­sprochen, auch dann werde der Grenzkampf vöm Volke weitergeführt auf Grund des Selbstbestim­mungsrechts der Völker. Den Staat als Führer oder -träger dieses Grenzkampfes lehnt der Redner ab, weil er im Staat aus manchen starken Gründen nicht die Gewähr des Erfolges gegeben sieht, die für diesen Kclrnof unbedingt notwendig ist. Als -träger und Führer des Grenzkampfes'für unser unveräußerliches Recht will er das deutsche 'i' o l f selber auf dem Plan sehen, und zwar vor allem um der ideellen Regungen und Schwin­gungen willen, die bei diesem Ringen nur vom Volke ausgehen können und müssen. Unter deut­sches Volt versteht er nicht nur die Masse, sondern jeden Einzelnen, alle deutschen Brüder und Schwestern diesseits und jenseits der heutigenGrenz- pfähle, wobei ein Glied das andere stützen mutz im Interesse des großen Ganzen. Vom rein mensch­lichen Standpunkt aus findet der Redner es ver­ständlich, daß sehr viele deutsche Volksgenossen aus dem heutigen fremden Grenzland ins Reich abge­wandert sind, aber vom deutschen, nationalen Zu­kunftsgesichtspunkt aus bedauert er die Option für Deutschland: vor allem hätten die bodenständigen Volksgenossen unbedingt auf ihrer Scholle bleiben >md auch ein nationales Martyrium auf sich neh men müssen, nur um dort eine nationale Schütz- melle, einen festen Grund für das deutsche Volks- tum bilden. Den jetzt noch im Fremdland leben ben Volksgenossen wünscht der Vortragende weil gehendste Hilfe unb stete Förderung insbesondere aus dem Gebiete des deutschen Schulwesens (Pri vatschulen auf Grund des Minderheitenschutzes,, da­mit die Jugend in ihrem Denken und Fühlen deutsch bleibt. Den Volksgenossen im Reich weist ber Redner die hohe Pflicht zu, mit größtem Idea­lismus für den deutschen Grenzkampf einzuskehen. Die Frauen im Grenzland haben eine besonders her­vorragende Aufgabe zu erfüllen,sie sind berufen unö befähigt, der Familie und vor allem dem Kinde dis festeste nationale Stütze zu geben; deshalb ruht auch auf den deutschen Frauen int Grenzgebiet eine ungeheure Verantwortung für das deutsche Volkstum. Zum Schluß stellte der Redner ollen Brüdern und Schwestern den Opfergeist vor die Seele, den wir in Wieland dem Schmied er­blicken können. Hoffentlich werde auch jeder einzelne Volksgenosse zu einem Wieland, dann werde auch unsere nationale Zukunft sich wieder he» und freundlich gestalten. Der von tiefem geistigen Durchdringen des Problems zeugende, in der renn haften Weife des Mannes von der Waterkant ge sprochene und von stärkstem seelischen 9)?! re rieben erfüllte Vortrag fand mit Recht den vollsten Beifall der Hörer. Er war geradezu ein Erlebnis für jeden, dem die nationale Not unseres Volkes dic schmerzlichste Seite im Leben des deutschen Volks­tums ist.

Ium Hypothekenausrvertungs- gesetz.

Das hessische Justizministerium hat, in einer an die Aufwertungsstellen gerichteten Verfügung diesen empfohlen, in d e n Fällen der Hypotheken« auftoertung und anderer Ansprüche (z. B. in der. Fällen der §§ 8. 9, 10, 12, 15, 27, 34, 52), in denen die wirtschaftliche Lage nicht nur des Gläu­bigers, sondern auch des Eigentümers oder des persönlichen Schuldners von bestimmendem Ein- fluh auf die Entscheidung der Aufwertungsstellc sein wird, tunlichst die Dezirksfürsorge- stellen um gutachtliche Prüfung und Neuste- rung der fraglichen Verhältnisse zu ersuchen, do die Bezirksfürsorgestellen weite Kreise bedürftiger Personen (Kleinrentner, Sozialrentner, Kriegs- beschädigte und Kriegerhinterbliebenes betreuen und deshalb besonders geeignet erscheinen, in vielen Fällen den Aufwertungsstellen wertvolle Unterlagen für ihre Entschließungen zu geben.

Aufwertungsoeteiligte werden gut tun, dic sie betreffenden Rachweise, soweit sie in Auf- Wertungssachen für sie von Wichtigkeit fein können, sich rechtzeitig zu beschaffen, damit fit diese den fraglichen Stellen sofort zur Verfügung stellen können.

Vornotizc

Lageskalender für Donnerstag. Iungdeutscher Orden: 8 Ahr, Turnhalle, Licht' bllder-Vortrag. Gesellschaft für Erd- unk Völkerkunde: 81 , Tlhr, Reue Aula der Uni­versität, Lichtbilder-Dortrag. - Deutscher Bank 8 Ahr, Iohannessaal, Fanulienabend mit Vor­trag. Großdeutsch-Hessische Gemeinschaft: 8 Lhr, Bayerischer Hof" öffentl. Versammlung mit Vor­trag. Turn-Verein von 1846: 8V, AhrPost' feiler Generalversammlung. Spielvereinigung 04, 81 AhrDarmstädter Haus" Monatsver- saMinlung. - Lichtspielhaus Bahnhofstr.:Rin- tintin, der Hund von Karibu". Astoria-Licht' spiele:Dämon der Landstraße".

..Frontflieger im Westen. Der Lichtbildervortrag über dieses fesselnde Thema, der auf Einladung des Iungdeutschen Ordens heute, Donnerstag, abend, 8 Ahr, in der Turn­halle (Oswaldsgarten) stattfindet, sei an dieser Stelle noch einmal besonders zum Besuche emp* fohlen. (Siehe gestrige Anzeige.)

Wilhelm Michel, der kürzlich mit dem Büchnerpreis von Hessen ausgezeichnet wurde, spricht am Samstag, 7. Rovember. abends 8 Uhr, im Dortragssaal der Buchhand­lung Kcihner, Schulstraße. Michel ist einer der

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