Jn Lchneröemühl.
Der Gesnudheitszustand im Qptautcnlager.
Schneide müh l. 4. Aug. (£11.) 3n einer beute stattgefundenen Pressebesprechung erstattete ber leitende Arzt des Optantenlagers, Modi- ^inalrat Dr. Fehsenfeld, einen ausführlichen Bericht über die Gefundheitslage im Optantenlager. Fälle von Ruhr. Typhus und Cholera, die verschiedentlich gemeldet wurden, haben sich n i ch t ereignet. Seuchenfälle sind nicht bekannt und auch nicht vorhanden. Drei Ruhrerkrankun- g e n, die als solche verbucht wurden, sind vom Hygienischen Institut in Landsberg an der Warthe als" andere Erkrankungen festgestellt worden. Die Erkrankten wurden sofort in das Schneide- niühler Krankenhaus überführt, wo einer der Fälle als schwere Darmerkrankung ermittelt -urde. Vereinzelte Kinder leiden an Keuch- husten. Ihre Zahl ist unbeträchtlich. An Masern erkrankt find insgesamt nur 13 Personen, was angesichts der Gröhe des Lagers als außer- erdenklich geringfügig anzusprechen ist. Die Zahl der Todesfälle beträgt vom 6. Juli ab gerechnet, insgesamt 8. Davon betrafen 7 Todesfälle Kinder, die bereits durchweg mit schweren Masern unb Darmerkrankungen hier eingetroffen sind. Die Todesfälle haben sich zum größten Teil bereits vor der Zuwanderung ereignet. Seit gestern kennte zum ersten Male Scharlach, und zwar in zwei Fällen, festgestellt werden. Die Erkrankten wurden sofort in das Krankenhaus eingeliefert. Für größere Epidemien sind Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden. Die Verteilung der Kinder auf das Land ist nicht möglich, weil die Familien jeden Augenblick ihre Weiterleitung zu erwarten haben.
Das Hilfswerk für die Optanten.
Schneidemühl, 4. Aug. (SH.) Unter den aus Polen ausgewiesenen Optanten befinden sich viele selbstständige Handwerker. Der Deutsche Handwerke rb und hat deshalb an die Organisationen des deutschen Handwerks die dringende Ditte gerichtet, die eintreffenden Flüchtlinge zu unterstützen. Er fordert ferner die Organisationen auf. freiwillige Spenden zu sammeln, um die am meisten bedürftigen Handwerkerfamilie zu unterstützen. Die Geschäftsstellen des deutschen Handwerlerbundes an der deutsch-polnischen Grenze sind angewiesen, mit den Führern des Handwerkerstandes das Hilfswerr zu organisieren.
Der A m e r i k a n i s ch-D eutsche Liebes- gabendienst in Reuyork hat dem Kommandanten des Durchgangslagers Schneidemühl. Oberst Engelin, telegraphisch mitgeteilt. daß sich in Reuyork Hilfsstellen gebildet haben, die an besonders hilfsbedürftige vertrie- bene Optanten Liebesgabenpakete absea- den wollen. Die gewünschten Adressen werden dem genannten Komitee sofort zur Verfügung gestellt werden.
Den Blättern zufolge erklärte sich die Der- tveterversammlung des Deichsln ndbundes zur Erleichterung der schweren Lage der aus Polen ausgewiesenen deutschen Optanten bereit, 5000 Optantenkinder auf dem Lande aufzunehmen.
Neue Streikgefahr im Saargebiet.
Saarbrücken, 5. Aug. (WTB.) In der Hütten- und' weiterverarbeitenden Eisenindustrie des Saargebietes scheint, nachdem sich kaum die Wogen des Bergarbeiterstreiks geglättet haben, ein Streik ausbrechen zu wollen. ' Die seit Ende Juni im Gange befindliche Lohn- bewegung der ca. 50 000 Hütten- und Metallarbeiter hatte durch die Schiedssprüche vom 23. Juli für die weiterverarbeitende und vom 28. Juli für die Schwerindustrie, die eine zehn- bzw. ochtprozentige Lohnerhöhung vorsahen, eine vorläufige Erledigung gefunden. Während die Metallarbeiterverbände die Schiedssprüche annahmen, hat der A r be i t g e b e r- o erb and bis heute seine Zustimmung zu denselben v e r w e i g e r t. In der Arbeiterschaft herrscht darüber große Erregung. Die Gewerkschaften hoben in verschiedenen Konferenzen Stellung zu der Frage genommen und sind entschlossen, bei Ablehnung der Schiedssprüche durch die Arbeitgeber zum Streik zu greisen.
Französische Kritik am Saarregime.
P a r i s , 5. Aug. (WTB. Funkspruch.) „Ere Rouvelle" beschäftigt sich in einem Leitartikel mit der Lage im Saargebiet und schreibt u. a.: Die Saarländer sind Deutsche. Ilm unseren Aufenthalt im Saargebiet erträglich zu machen, hätte man einen guten Verwalter, der die deutsche Sprache kennt und der von einem ausgewählten intelligenten Personal umgeben gewesen wäre, wählen sollen. Statt dessen hat man unter dem Regime des nationalen Blockes den ehemaligen Rhonepräfekten Rauld dem Völlerbund zur Wahl aufgezwungen. Dieser Beamte, der die deutsche Sprache nicht verstehe, hat ein minderwertiges Polizeiregime ange- wendet und hat ein mißliebiges und unfähiges Personal. Als die Mark noch ihren Papierwert hatte, hot der saarländische Arbeiter ganz gern den Franken genommen. Jetzt aber hat sich die Lage gegen den Franken gekehrt. Die tiefere Ursache der jetzt beendeten Streikbewegung war wirtschaftlicher Art, doch die Bewegung hat auf die Schwerindustrie übergegriffen. Mit gutem Willen könnte man ein Mittel finden, um diese Gefahr zu beseitigen, aber man dürfe eine rein wirtschaftliche Frage nicht in eine Frage politischer Art verwandeln.
Die Operationen in der spanischen Marokkozone. Fez, 4. Aug. (Havas). Französischen Flie- gern gelang es, von Ajidir und Alhucemas, dem Hauptstühpunkt Abd cl Krims, aufschlußreiche photographische Aufnahmen zu machen. Alls Me- lilla wird gemeldet, daß ein Geschwader von etwa 50 Flugzeugen die Orte Bulheri. Armut und Amaran mit Bomben bewarf und eine Reche von Zeltdörfern zerstörte. An der Grenze der internationalen Tangerzone schlugen Heber- wachungsstreitkräfte wiederholt feindliche Abtel- lungen, welche die spanischen Linien bei Zegulda und Ragaia zu Werschreiten versuchten.
Der Londoner Korrespondent des „Matin aibt nach einer Darstellung von offizieller Sette
eine Hebersicht übet die dem Abgesandten Abd el Krims in Tetuan angeblich gemachten Friedensbedingungen. Sie haben folgenden Wortlaut:
1. Abd el Krim erkennt die religiöse Souveränität des Sultans Muley Iussuf oder seines Rachsolgers an.
2. Frankreich und Spanien erkennen die Verwaltungsautonomie des Rifs an.
3. Die Mächte gewähren dem Rif eine P o l i° z e i st r e i t m a ch t, die ausreicht, um seine eigene Ruhe zu sichern.
Die Subventionen für die englische Kohlenindustrie.
London, 4. Aug. (WTB.) In politischen Kreisen wird die Möglichkeit erörtert, daß Churchill Vorschlägen wird, die erhöhten Ausgaben für die Beihilfe an die Kohlenindustrie, die auf 10 bis 15 Millionen Pfund in neun Monaten geschätzt werden, durch eine Züsch lags st eueraufBieraufzubrin gen. Eine Steuer von einem Penny pro Pinte würde wahrscheinlich annähernd 20 Millionen Pfund einbringen.
Die neue Flugzeughalle in Hamburg.
Bürgermeister Petersen über die Knebelung des deutschen Luftverkehrs.
Hamburg, 4. August. (TU.) Gestern wurde die neue Hamburger Flugzeughalle in F u h l s - büttel dem Luftverkehr übergeben. Bürgermeister Dr. Petersen hielt die Einweihungs- reds, in der er der Zerstörung des deutschen Flugwesens durch das Versailler Diktat gedachte und dann fortfuhr „Ich bin gewiß, daß die Reichsregierung und mit ihr das ganze deutsche Volk jedes Freiheitsotom, das uns für die Entwicklung des Luftverkehrs noch geblieben ist, mit Entschiedenheit verteidigen wird, damit Deutschland in der neuen Verkehrsepoche den Platz sich wahren kann, den ihm Versailles noch ließ. Ich glaube nicht daran, daß in einem sich immer stärker durchsetzenden internationalen Flugverkehr Deutschland auf die Dauer in seinen Höchstleistungen behindert werden kann. So wenig wie man uns für alle Zukunft in Abhängigkeit zwingen kann, so wenig wird man uns ausschalten können bei der Erfüllung der großen Aufgabe, den Weltverkehr der Luft wirksam zu organisieren und durchzuführen.
Den Gästen wurde Gelegenheit geboten, die neue Halle mit ihren sämtlichen Anlagen zu, besichtigen. Die Halle mit den Anbauten ist 74 Meter breit, 10 Meter hoch und 30 Meter tief. Die eigentliche Halle, die zwölf modernen Flugzeugen Raum bietet, hat eine Breite von 60 und eine Tiefe von 30 Meter. Die mächtigen Tore sind sieben Meter hock. In den zweistöckigen Anlagen sind die Verwaltungsräume für die Gesellschaften, sowie die Behörden, Funkstation. Werkstätten usw. untergebracht.
Deutsche Volksschulen in Südslawien.
Durch eine Anordnung des südslawischen llnterrichtsministers besteht seit kurzem die Möglichkeit, nationale Parallelklassen überall da einzurichten, wo mehr als 30 Schüler anderer Volkszugehörigkeit als der serbischen resp. kroatischen vorhanden sind. Diese Verordnung gibt die Hoffnung für die Deutschen Südslawiens, daß die bisher durch brutale Verwaltungsmaßnahmen unterdrückten deutschen Schulen in neuer Form wieder auferstehen. Voraussetzung dazu ist freilich, daß nicht erneut auf dem Verwaltungswege Schwierigkeiten gemacht werden.
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichspräsident hat den Generalsekretär des amerikanischen Kirchenbundes D. Mac P a r- land-Neuyork, den Präsidenten der evangelischen Synode von Nordamerika, D. B a l tz e r - St. Louis sowie den europäischen Vertreter des amerikanischen Kirchenbundes, D. Keller- Zürich empfangen. Die Kirchenvertreter halten sich zur Zeit auf der Durchreise zur Weltkirchenkonferenz m Stockholm in Berlin auf.
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Wie die „Tägliche Rundschau" miltelü, ist der deutsche Botschaster in London gestern in Berlin e l n g e t r o f f e n. Er hatte Besprechungen mit dem Reichskanzler und dem Reichs- außenminister. Heute wird er vom Reichspräsidenten empfangen werden.
Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. D a v i d erkrankte gestern in der Fraktionssitzung an Blutsturz. Sein Zustand war am Abend befriedigend, so daß zur Zeit keine Lebensgefahr besteht.
Die BUdung der parlamentarischen Regierung in Danzig aus Sozialdemokratie, Zentrum und Deutschliberalen wurde gestern in gemeinsamer Sitzung beschlossen. Die Bestimmung der Mitglieder der Regierung wird voraussichtlich heute erfolgen.
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Die Rheinlandkommissiou hat für drei Monate vom 1. Aug. ab die „Münchener R e u - eften Rachrichten" im besetzten Gebiet verboten. Das Verbot erfolgte wegen der Veröffentlichung eines Artikels »Das Verbrechen am Rhein", der sich mit der Verwendung der farbigen Truppen in der französischen Besahungsarmee beschäftigt und unter 2lnfuy- rung französischer, englischer und amerikanischer Literatur von einem Verbrechen an der weißen Rasse spricht. Ferner wurden verboten die Berliner Zeitungen „Der Tag" aus drei Monate und die „Tägliche Rundschau" auf einen Monat.
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Die Sowjetregierung verhandelt ge= gentoärtig mit einer in Rußland weilenden Ford-Kommission über die Errichtung mehrerer F l u g z e u g s a b r i k e n. Ford will sich jedoch nur dazu bereit erklären, wenn er gleichzeitig die Konzession zum Bau von verschie- ocren großen Automobilfabriken erhält.
Aus aller Welt.
Der Breslauer Schachkongreß.
Wie vorauszusehen war, hat das Meisterturnier mit dem Siege des Großmeisters Bogoljubow geendet, welcher vor seinem gefährlichsten Rivalen
Niemzowilsch mit einem Vorsprung von 2 Punkten I landete. Das Spiel Bogoljubows zeichnet sich vor allem durch Schärfe des Angriffsstils sowie einer enormen Sicherheit im Durchrechnen sämtlicher möglicher Varianten aus. Durch seinen Sieg in Ma- rienbad sowie seinem jetzigen großen Erfolg hat der zweite Preisträger bewiesen, daß er unter den allerstärksten der jetzt lebenden Schachmeister zu zählen ist. Rubinstein, der von Anfang vollständig versagte, hat sich durch seine enorme Ausdauer noch auf den dritten bis vierten Platz heraufgearbeitet. Der Mißerfolg ist wohl hauptsächlich auf ein Nervenleiden, an dem Rubinstein krankt, zurückzuführeN. Eine Ueberraschung brachte der Stand Wagners (3.-4. Preis, geteilt mit Rubinstein), der dadurch bewiesen hat, daß er ein sehr ernst zu nehmender Spieler ist. Das Versagen Retis ist hauptsächlich auf seine Überlastung durch Blind- :mo Simultanvorstellungen zurückzuführen. Nach seinem großen Erfolge in Baden-Baden (3. Preis) hat Sämisch in Marienbad und jetzt in Breslau sehr schlecht ab- geschnitten, was wohl darauf zurückzuführen sein dürste, daß er in Baden-Baden vom Glück begünstigt war. Grünfeld hat nicht das geleistet, was die Schachwelt von ihm erwartet hatte. Dr. Tarrasch hat zu Ende des Turniers ganz gute Partien geliefert, dürfte aber für solche stark besetzten Turniere infolge seines Alters nicht ernsthaft in Frage kommen. Prof. Becker hat sich dafür, daß er kein Berufsspieler ist, sehr gut gehalten. Zu Beginn des Turniers hielt sich Blüm'isch ganz gut, während er dann infolge voll Uebermübung nachließ. Moritz paßt wohl in ein solch starkes Turnier nicht hinein: ein Zeichen dafür, daß er nach der !). Runde noch nicht einen halben Zähler aufzuweisen hatte. Sehr gut gehalten hat sich v. Gottschall, der Rubinstein in einer schön gespielten Partie schlug.
Im Landesvorkämpferturnier hat Frhr. v. Holzhausen den 1. Preis errungen. Derselbe ist als Problemkomponist weithin bekannt, und auch als starker Spieler hat er sich auf den letzten deutschen Haupt- tiirnieren einen Namen erworben, aber sein jetziger Erfolg ist wohl hauptsächlich dem Glücksumstand zuzuschreiben, daß in vier Partien, in welchen er glatt auf Verlust stand, seine Gegner entscheidende Fehler begingen; so gegen Müller, Hussong, Bergmann, Fuchs. Den zweiten Preis gewann Gilg (Mährisch-Ostrau). Orbach (Frankfurt a. M>. sowie Schmitt (München) teilen den 3.—4. Preis; dieselben sowie der erstere waren im Gegensatz zu Holzhausen stark vom Pech verfolgt, sonst wäre das Resultat sicher anders ausgefallen. Den 5. Preis gewann Schönmann (Hamburg), welcher als starker Spieler weithin bekannt ist. Kühn (Chemnitz) sowie Hussong (Ludwigshafen) gewannen den 6. unb 7. Preis. Unter den Nichtpreisträgern ist als besonders bevorzuheben Müller (Stettin), welchen übrigens einen Wettkampf gegen Moritz mit 4—1 gewann, und Fuchs (Danzig), welcher in einem Turnier zu Lodz im Jahre 1912 gegenüber Bogoljubow den 1. Preis gewann.
Hochwaffer Der Oder.
Die ununterbrochenen Regengüsse am Sonntag und Montag haben starkes Oderhochwasser hervorgerufen, das noch dauernd sie igt. Das Oderquellwasser ist von Montag bis heute früh nach einer Meldung aus Ratibor bei weiterem raschen Steigen von 1,27 um 5 Meter auf 6,16 Meter gestiegen. Sämtliche linken Rebenflüsse der Oder führen dieser aus dem Gebirge reichliche Wassermassen zu. An der Reissemün- düng stieg das Wasser von Montag mittag bis heute früh von 1,67 auf 3.37 Meter. Das Hochwasser macht sich auch schon in B r i e g bemerkbar, das ein Steigen der Oder von 2,25 auf 3,86 Meter meldet. Besonders stark macht sich der Wasserwuchs in der oberen Oder geltend. Bei Annäderg stieg das Wasser von 80 Zentimeter am 3. August auf 440 Zentimeter heule Höchststand. Danach ist Hochwasser in der mittleren Oder zu erwarten, das die beiden Juli-Hochwasser erheblich übersteigen wird, wenn auch die Reissewelle der Oderwelle vorauSlaufen wird.
Heber die Verheerung, die das Hnwetter am Sonntag und Montag im Eulengebirge angerichtet hat, berichtet die Schlesische Zeitung: In Rimptsch hat der 24stündige wrlkenbruch- artige Regen, der von einem orkanartigen Sturm begleitet war, an den Obstbäumen, den Feld- und Gartenfrüchten unermeßlichen Schaden angerichtet. Die Fluren gleichen einem See. In einzelnen Getreidefeldern reicht daS Wasser bis an die Aehren. Selbst die regulierte Lohe, ein kleiner, harmloser Rebenfluß der Oder, vermochte die ungeheuren Wassermassen nicht zu fassen, so daß das Wasser über die Dämme hinwegfloß. Die Hnwetter sind am Sonntag von der schlesischen Grenze her gekommen. Die Gegend von Münsterberg hat Hochwasser, wie es seit 1883 nicht mehr gesehen wurde. Die Heine Ohle wurde zum reihenden Strom. Mächtige Bäume wurden durch den Sturm entwurzelt. Im Striegauer Wasser ift auf dem Wege von Striegau nach Tschechen der 76jäh- rige Zeitungsbote des Striegauer Anzeigers ertrunken. •
Erdrutsch an der samlöirdischen Küste.
Dienstag vormittag stürzte in Georgens- w a I d e bei Königsberg, 600 Meter westlich des Kurhauses, die Steilküste in etwa 40 Meter Länge und fünf Meter Breite mit den darauf befindlichen Ruhebänken und Windschuhanlagen ab. Menschen kamen nicht zu Schaden.
vom Blitz erschlagen.
Als die Fabrikarbeiterin Lännel aus K l eite n b o r f, einem Vorort Breslaus, mit ihrem elfjährigen Pflegesohn infolge eines Gewitters vom Felde heimkehrte, wurde das Kind vom Blitz getroffen und getötet. Die Frau erlitt eine einseitige Körperlähmung und verlor das linke Auge.
Schwerer Autounfall.
Dreizehn Lehrer, die vor 40 Jahren das Lehrerseminar in Karelene (Ostpreußen) verlassen hatten, waren zu einer Ehrenfeier dorthin gefahren. Auf dem Rückweg versagte die Steuerung eines Automobils und der Wagen fuhr gegen einen Baum. Von den Insassen wurde einer getötet und zwei schwer verletzt.
Raubmord.
In der Nacht zum Samstag wurde im Finanzamt Könitz an dem wachtdienslhabenden Polizeibeamten ein Mord verübt. Dieser wurde mit durchschnittener Halsschlagader tot aufgefunden. Wie sich jetzt herausstellte, war der Täter ein K a m e r a ö des Ermordeten. Da er sich bei dem Kampfe Verletzungen zugezogen hatte, konnte er rasch als later ermittelt werden. Als Motiv gibt er geringes Gehalt und Schulden an.
von Kameraden iotge-r 7 ?.
In dem Dorfe Vogelbeck bei (5 a 1 > :i e r h ' • den wurde am Sonntagabend der 19iäbi;7A F rich Halbfaß aus dem Wege zum Koli>e'-gw-" von mehreren jungen Arbeitern aus den Vatack'u der Gewerkschaft Siegfried 1 überfallen m-.d erschlagen. Der Grund zu der Tat ist Noch r.id't aufgeklärt. Die Täter schlugen ihr Opfer mit Km v- peln und versetzten ihm dann einen Messerstich in die Brust, der den sofortigen Tod herbejführte. Drei der Tat verdächtige junge LeNte wurden bereits dem Amtsgericht Northeim zugeführt.
Dis Unsicherheit in Petersburg.
Am Montag wurde in Petersburg ein Post» amt überfallen und 150000 Rubel geraubt. Die Postbeamten wurden erschossen. Eine Bande überfiel am selben Tage das st ä d t i s ch e Elektrizitätswerk und setzte es In Brand, wodurch für mehrere Millionen Schaden angerichtet wurde. Auch wurde ein Bombenanschlag auf die Newabrücke unternommen, jedoch wurde hierbei kein Schaden angerichtet.
Dritter Internationa er Kongreß der europäischen Studentenhilfe.
Am Dienstag wurde der dritte internationale Kongreß der europäischen Studentenhilfe, an dem rund 200 Delegierte aus 30 Ländern teilnehmen, eröffnet. Rach der Begrüßungsansprache des Rektors der Hniversität Genf, naym der Vertreter der schweizerischem SLudentenhilfe Dr. Habicht das Wort. Er berichtete u. 0., daß die europäische Studentenhilfe während der 5 Jahre ihres Bestehens die Summe von IP/9 Millionen Franken zusammengebracht und verteilt habe. Es folgten Ansprachen des Generalsekretärs der europäischen Studentenhilfe Hoffmann und der Delegierten der verschiedenen Länder. Zum Schluß sprach der Vorsitzende des Kongresses. Bundesrat Motta, der die studentische Jugend namens der Schweiz begrüßte.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 5. August 1925.
Hegebestrebungen.
Man schreibt uns:
Zur Hebung speziell des Rehbestandes, der durch die Einwirkung des schlimmen Winters und durch Auswüchse der Nachkriegszeit arg heruntergekommen ist, find vielerorts Hegebestrebungen im Gange, die auch in unserer Gegend, soweit es die lokalen Verhältnisse zulassen, Beachtung finden sollten. So wird betzpielsweise in der „Deutschen Iögerzeitung" berichtet'
Hegebestrebungen in Thüringen. Auf Betreiben der Herren Dr. L. Huschke-Leheste bet Apolda und Hans von Wurmb-Porstendors bildeten die Inhaber von rund 40 Gemeindejagden unter Einschluß der dazwischen liegenden Staalsjagden links der Saale von der Camburger Gegend bis ;um Jenaer Oberland einen Hegering. Die Gründungsversammlung fand in Jena im Weimarischen Hof statt. Die Satzungen wurden von allen Beteiligten unterschrieben. Danach darf 19 2 5 kein Stück Rehwild und kein Fasan geschossen werden. Zuwiderhandlungen werden mit 200 bzw. 50 Mark Geldstrafe zugunsten der betr. Gemeindekassen geahndet. Der Hegering umfaßt ein Gebiet von rund 60 000 Morgen. Nachdem schon 1924 der Abschuß von Rehwild durch Regierungsverordnung in Thüringen verboten war, ist„ die weitere Schonung für 1925 in diesem großen Gebiete von wesentlicher Bedeutung.
Viele Jager glauben, wenn sie nur ein Jahr einmal etwas weniger schießen würden, wäre die Schonung schon durchgeführt, sie vergessen dabei, daß die Fortpflanzung beim Rehwild nicht etwa mit derjenigen bei den Hasen zu vergleichen ist. Wenn nicht eine gründliche Zurückhaltung im Abschuß für größere Bezirke unter einheitlicher Führung, ähnlich wie jetzt in Thüringen, durchgeführt wird, bann wird wohl niemals das lieblichste Wild, was unsere deutschen Waldungen bergen, wieder zur gesunden Entwicklung kommen. Es wäre Sache der Jagdvereine und speziell in Gießen Aufgabe dcs „Hubertus", nicht nur am grünen Tisch die Schonung zu befürworten, sondern diese in der Praxis mit zielbewußter und energischer Hand durchzuführen. Möchten sich alle wirklichen Jäger, die ein warmes Herz für ihr Wild haben, der Notwendigkeit der vollkommenen Schonung nicht verschließen.
Bornotizen.
— Z u den Schwimm wettkämpfen des Turnfestes ist berichtigend nachzutragen, daß bei dem Wasserballspiel um die Kreismeisterschaft nicht, wie gemeldet, Offenbach, sondern Malstatt mit 5:2 Sieger geworden ist.
— Tageskalender für Mittwoch. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Fridericus Rex".
Wettervoraussage.
Weitere Regenfälle, kurze Zeit aufklarend, für die Jahreszeit kühl, südliche bis westliche Winde.
Außerordentlich schnell ist der über Zentral- Europa lagernde Hochdruck von westlichen Störungen verdrängt worden. Die damit verstärkte Zufuhr ozeanischer feuchter Luft führt heute morgen zu starken Rtederschläaen in Mittel- und Westdeutschland. Zwar wölbt sich wieder flacher Hochdruck von Südfrankreich nordostwärts vor, jedoch fällt gleichzeitig über den britischen Inseln das Barometer sehr stark, so daß der herrschende Witterungscharakter im wesentlichen anhält.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 20,9 Grad Celsius, Minimum 11,6 Grad Celsius. Rie- derschlagsnrenge 0,2 Millimeter.
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** Anlage nkonzert findet morgen, Donnerstag, nachmittags 7 Uhr, in der Südanlage durch das Musikkorps des 1. (Hess.) Bataillons 15. Jnf.-Regts. unter Leitung von Obermusik- meister ßöber statt. Vortragsfolge. 1. Armee- marsch I Nr. 9 .Herzog von Braunschweig" 1805, bearb. von Wieprecht. 2. Ouvertüre zur Oper , Martha" (der Markt von Richmond) von Iran,; v. Flotow- 3. Große Fantasie aus der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg" von R. Wagner. 4. Czardas aus der Oper „Der Geist des Woje* woben" von L. Großmann. 5. Bayerischer Avan- ziermarsch von 21. Scherzer.
* 116er Tage in Gießen. Zum festlichen Empfang der auswärtigen 116er. die aui 5. bis 7. September das Denkmal mit ein- weihen wollen, ist es empfehlenswert, den Häuser- schmuck vom Turnfest her aufzuheben. ÄähereS siehe Anzeige in unserem gestrigen Blatte.


