Ausgabe 
5.6.1925
 
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vor dem 15. Juni mit der (Eröffnung offizieller Verhandlungen zu rechnen. Im übrigen wird an­genommen, daß Briand und Chamberlain ihren Genfer Aufenthalt dazu benutzen werden, um ge­wisse noch schwebende Fragen zu klären. Es wird erklärt, daß in der Frage der A b r ü st u n g zwi­schen Frankreich und England nahezu völliges Einvernehmen herrsche.

Das gestern abend nach London übermittelte Schriftstück stellt, wie die Morgenblätter behaupten, die endgültige Fassung des französi­schen Antwortentwurfes auf das deutsche Sicherheitsangebot dar. Es wird schon heute im Auswärtigen Amt überreicht werden. Man erwartet, daß es noch vor der Abreise Chamberlains nach Genf Gegenstand einer Kabinettssitzung bildet.

Nach den Morgenblättern nimmt die französi­sche Regierung in dem Antwortschreiben mit Genug­tuung davon Kenntnis, daß das britische Kabinett bereit sei, die Sicherheit der Rheingrenze zu garantieren und für Großbritannien bestehende Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag und dem Völkerbundsoertrag erneut zu f e st i g e n. Das Schriftstück enthält keine Anspielung mehr auf etwaige Schiedsgerichtsverträge über die West- und Ostgrenze und hebt lediglich die Haltung in dieser Frage hervor.

Die optimistische Auffassung der diplomatischen Kreise, meintPetit Parisien", habe sich als be­gründet erwiesen, denn soweit die britische Note unklare Stellung über die Ostgrenze enthalte, sei sie durch mündliche Zusicherungen des Londoner Kabinetts ergänzt, die viel­leicht schriftlich niedergelegt werden. Der Nachtrag wird sich besonders auf die britische Auslegung der Frankreich nach Artikel 16 und 17 des Völkerbunds­paktes für den Verkehr mit seinen ost­europäischen Verbündeten eingeräumten Vergünstigungen beziehen.

Italien und Grotzdeutschland.

Rom, 4. Juni. (WB.) Heute sand in der Kammer die Diskussion über den Versailler Frie­den statt. Der Vertreter der Kommunisten, Ri- boldi, behandelte ausführlich die Illngerechtigkeu des Vertrags und betonte besonders, wie falsch es sei, Deutschland die ausschließliche Schuld an dem Weltkriege zuzuschreiben. Der Redner pole­misierte alsdann gegen den Ministerpräsidenten wegen seiner letzten Rede gegen den An­schluß Oesterreichs an Deutschland urtö erklärte, dieses Anschluhverbvt widerspreche der ganzen italienischen Tradition. Man werde doch nicht die Ungeheuerlichkeit begehen, zu be­haupten, daß das Selbstbestimmungs­recht der Völker nur Geltung gehabt habe zur Zeit, als Italien um seine Freiheit kämpfte, aber jetzt keine Geltung mehr habe.

Rach dem kommunistischen Redner ergriff der ehemalige Ministerpräsident Salandra das Wort. Er sprach zuerst Mussolini, obwohl er sich zur Opposition rechne, seine volle Zu­stimmung aus zu seiner letzten Rede gegen den Anschluß von Oesterreich an Deutschland und behauptete, daß das die Auffassung aller Ita­liener sei. Zum Schluß erklärte Salandra, er habe nichts dagegen einzuwenden, daß man über eine Losung des österreichischen Problems nach- denke und diskutiere. Rur verlange er, daß Italien jedenfalls hinzugezogen werde.

Als Salandra diese Worte ausgesprochen hatte, unterbrach ihn Mussolini mit folgen­den Worten: Keine Lösung ohne Ita­lien. keine Lösung gegen Italien? Diese Worte des Ministerpräsidenten unterstrich die Kamgier mit großem Beifall.

Die Unruhen in China.

Peking, 4. Juni. (WB.) Heute vormittag trat das diplomatische Korps zusammen und entwarf den Text der Antwort auf die Rote des chinesischen Auswärtigen Amts vom 2. Juni, in der dieses gegen das Vorgehen der Polizei von Schanghai gegen die Unruhestifter Einspruch erhoben hat.

In der Antwort, die dem chinesischen Aus­wärtigen Amt heute nachmittag vom italienischen Gesandten überreicht wurde, heißt es:

Während wir die Ereignisse bedauern, durch die eine Anzahl unglücklicher Opfer getötet und andere ernstlich verletzt wurden, glauben wir, daß es notwendig ist, die Umstände dar­zulegen, unter denen die Polizei ihre Waffen gebraucht hat. Die demon­strierenden Gruppen, die in dem Europäerviertel umstüi^lerische gegen die Ausländer gerichtete Schmähschriften verteilten, sind aufgesordert wor­den, sich zu zerstreuen. Die Führer wurden ver­haftet. Die Menge weigerte sich, der Aufforde­rung nachzukommen, griff die Polizei an und versuchte einen Sturm auf die Polizeistation. Erst dann machte die Polizei von der Waffe Gebrauch.

Die Verantwortlichkeit liegt daher bei den De­monstranten, nicht bei den Behörden.

Das gemischte Gericht, vor bas die Schul­digen gebracht wurden, hat ihre Freilassung gegen Bürgschaft angeordnet.

Während wir weitere Informationen ab­warten, hoffen wir, daß die chinesische Re­gierung den Zwischenfall in demselben versöhnlichen Gei st e betrachten wird, der die diplomatischen Vertreter erfüllt, damit die Ordnung und Ruhe in Schanghai mit der geringstmöglichen Verzögerung wiederher­gestellt werden können.

In London wird die ernste Lage in China aufmerksam verfolgt. Es besteht dort keinerlei Reigung, die Gefahr Möglichkeiten zu unte rschätzen. Abgesehen von der Entsen­dung von Schiffen und der Landung von Matrosen und M a r in e t r u p p en in Schanghai hat

bisher keine vereinte Aktion seitens der Mächte stattgefunden. Falls es notwendig sein sollte, können weitere Truppen aus Jndochina und Ma­nila entsandt werden.

Es besteht kein Wunsch nach einer Intervention, die bisher außer den be­reits unternommenen Schritten auch nicht an­geregt worden ist. Die Koalitionsregie­rung in Peking ist de facto anerkannt. Sie wird von Tschangtsolin in Mukdeir u n - 1 erstützt und schließt die Elemente aus der Partei des verstorbenen Sunhatsen ein Die Linke der jungnationalistischen Sektion umfaßt die Korn munisten. die int gegenwärtigen Augenblick agi lieren. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind f:.~ in Fühlung mit Rußland und °der Dritten Internationale Die genaue Haltung der Zentral

rcgicrur.g ist üßbelannt, doch ist c3 n'cht unwahr­scheinlich, daß sie die Seition der Studenten unter­stützt. Cs wird auch berichtet, daß Tschangtsolin gern selbst Peking übernehmen würde.

WettereAusdehnung 'der Streiks

Der Streik hat sich weiter ausgedehnt, doch ist ein Umschwung in der Haltung vieler Arbeiter offensichtlich. Die Polizei hat verschie­dene Streifen unternommen und eine Menge bolschewistischer Schriftstücke beschchlagnahmt. Ei­nige Verhaftungen wurden vorgenommen. Panzerwagen durchziehen die Straßen.

Der japanische KreuzerT a t s u t a mit 200 Marinesoldalen an Bord ist nach Schanghai abgefahren. Zwei britische Kriegsschiffe sino in Schanghai eingetroffen um) ein weiteres Kriegs­schiff wird dort erwartet. Der britische General­konsul in Schanghai hat um die Landung von 200 Mann ersucht.

Ein Telegramm

des Sowjetbotschafters.

Der Sowjetbotschafter in Kara­ch an hat gestern folgende Rote an den chine­sischen Minister des Aeßern gerichtet:

Rachdem ich mit tiefem Schinerz von der Er­schießung einiger zwanzig chinesischer Arbeiter und Studenten in Schanghai erfahren habe, wün­sche ich dem chinesischen Volk meine Gefühle tiefster Sympathie und der Sorge, die sicher von den Völkern der Union der sozialistischen Sowjet­republiken geteilt werden, auszudrücken. Ich habe die Ehre, Eure Exzellenz zu bitten, den Aus­druck meines Beileids entgegenzunehmen und es den betroffenen Familien zu übermitteln.

Auf der Suche nach Amundsen.

Die undHobby" an der

Packeisgrenze.

Am Freitag früh beginnen, wie aus Spitz­bergen gemeldet wird,Farm" undHobby" mit der Suche entlang der Packeisgrenze für den Fall, daß die Flieger zu Fuß nach Spitzbergen zurückkehren. DieHobby" wird hierbei den schwierigeren Teil dieser Eispolarfahrt überneh­men, da sie besser für das Aufbrechen des Eises ausgerüstet ist. Sie wird versuchen, ost­wärts bis zum Rvrdkap auf Rordostland vorzudringen. DieFarm" dagegen wird zu­nächst Kurs nach Rorden und dann westwärts bis zur Amsterdam-Insel nehmen. Sie muß sich jedoch hierbei außerhalb des Treib­eisgürtels halten.

Protest der Vereinigten Staaten gegen die An­sprüche Kanadas auf den Nordpol.

Rach Meldungen aus Reuhork beabsichtigt die Regierung der Vereinigten Staaten gegen die Ansprüche Kanadas auf den Nordpol Protest einzulegen.

Der Gesundheitszustand in Preußen.

Fortdauer des Geburtenrückganges.

Berlin, 4. Juni. (WB.) In der heutigen Sitzung des Hauptausschusses des Preußischen Landtags gab bei der Beratung des Haushalts des Ministeriums für Volkswohlfahrt in der allgemeinen Aussprache über das öffentliche Gesundheitswesen zunächst Ministerialdirektor Dietrich einen äleberblick über den Gesund­heitszustand in Preußen. Die Sterblichkritszrf- fer auf tausend Einwohner sei von 13,5 im Jahre 1923 auf 11,7 im Jahre 1924 zurückge- gangen. Der Geburtenrückgang dauere leider fort. Bei dem schlechten Ernährungszustand müsse die öffentliche Kinderspeisung un­bedingt beibehalten werden. Bei den Ge­schlechtskrankheiten sei seit 1919 ein ge­wisser Stillstand, bei der Lungentuber­kulose ein geringer Rückgang zu verzeichnen. Das Reichsgesetz zur Bekämpfung der Geschlechts­krankheiten sei in Beratung genommen. Wohl­fahrtsminister Hirt fieser erklärte, daß in der Bekämpfung der Haffkrankheit und der Notlage der betroffenen Schiffer geschehe, was möglich sei. Der Erlaß vom 23.8.1924 über die Haft­fähigkeit der Linker s uchung s g e fan­ge n e n sei anläßlich von Vorgängen bedenklicher Art notwendig gewesen: er übernehme für ihn die Verantwortung. Ablehnen müsse er allerdings die Verantwortung für die formalistische Art, wie der Erlaß im Falle Hvefle angewandt wor­den sei. Der Minister schloß mit der Versicherung, daß er sich bei seiner Tätigkeit stets von sozialen Gesichtspunkten leiten lassen werde.

Aus dem Hessischen Landtag.

2) a r m ft a b t, 4. Juni. Der Gesetzgebungs­ausschuß trat gestern zu einer Sitzung zusammen, um zu einer Abänderung des Volksschni­tz e s e tz e s Stellung zu nehmen. Es handelt sich ins­besondere um die Verlegung des Unter­richts für Fortbildungsschülerinnen in die Wintermonate. Nach längerer Aus­sprache wurde beschlossen, das Landesbildungsamt solle eine Denkschrift über das Fortbildungsschul- wesen in Hessen und in den anderen Staaten vor« legen, dann soll ein Beschluß in der Angelegenheit gefaßt werden. Hierauf wurde noch eine Reihe von weniger wichtigen Punkten der Tagesordnung er­ledigt.

Kleine politische Nachrichten-

Der Reichspräsident hat den Reichskanz­ler und den Reichsminister der Justiz Frenken zum Vortrag über die Aufwertungsfrage, ins­besondere den gegenwärtigen Stand der gesetzgebe­rischen Arbeiten zur Regelung empfangen.

Von dem verstorbenen Reichspräsiden­ten Friedrich Ebert werden demnächst im Verlag von Reißner in Dresden die gesammel- t e n Schriften und Reden erscheinen, die sein ältester Sohn herausgibt.

Vom V bis 9. Juli werden schwedische K r i e g s s ch i s s e die H ä s e n Kiel und Swine- münde besuchen.

Unter zahlreicher Beteiligung von Angehörigen aller Volkskrcise und Parteien ist die Gründung eines Deutsch-österreichischen Volks- b u n d e £> in Wien einstimmig beschlossen worden. In engster Zusammenarbeit mit dem unter Leitung I des Reichstagspräsidenten Loebe stehenden deutsch-

bs'enrr.üchischen Dolksbundes in Berlin will der Loltsbund den im gesamten deutschen Volke wur­zelnden Gedanken der deutschen Einheit der Verwirklichung entgegsnführen.

Aus aller Welt.

Die neue Leitung des Vereins für das Deutsch­tum im Auslande.

In der Hauptversammlung des Vereins für das Deutschtum im Auslande wurde der bisherige Hauptvorstand im Haupt­ausschuß wiedergewählt. Der Hauptvorsta.d wur­de durch Professor Matterer aus Graz (früher Südmark) und Frau P a tz e l aus Wien (früher deutscher Schulvevein) ergänzt. Unter den in den Hauptausschuß neugewählten deutschen Par­lamentariern befinden sich v. Lindeiner-Wildau, Dr. Cremer und Graf Stollberg-Wernigerode. An, den österreichischen Bundespräsidenten H a i n i s ch wurde ein Begrüß ungstelegramm abgesandt.

Große Hitze in Amerika.

Nach aus Neuyork vorliegenden Meldungen wurden durch die Hitzewelle, welche die ameri­kanischen Mittelstaaten heimsucht, bisher 5 0 Todesfälle verursacht. In Neuyork betrug die Temperatur 35 Grad CelsiusimSchat- ten. Es ist dies die höchste Temperatur feit 40 Jahren. In Washington zeigte das Thermometer 33, in Virginia sogar 48 Grad Celsius. Der große Llmschwmig von der Kälte zur Hitze erfolgte so plötzlich, daß in Chicago am Freitag und am Samstag zwei Todesfälle infolge der Hitze fest- gestellt wurden.

Vier Knaben im Sande verschüttet.

Durch Funkspruch wird aus Ingolstadt berichtet: In dem benachbarten Eckenzell er­eignete sich am Dienstag abend ein schwerer iln- glücksfall, dem vier Knaben im Alter von 4 bis 8 Jahren zum Opfer fielen. In einer in der Alt­stadt gelegenen Sandgrube vergnügten sich fünf Knaben damit, Häuser zu bauen. Plötzlich eilte einer der fünf Knaben nach Hause und erzählte, daß das Haus eingefallen sei. Erst nach eindringlichen Fragen kam man auf die Vermutung eines Unglückes und fand die Ahnung leider bestätigt, denn beim Nach­graben konnten die vier Spielkameraden des Hiobsboten nur mehr als Leichen geborgen werden. Darunter befinden sich zwei Brüder.

Kunst und Wissenschaft.

Generalversammlung der deutschen Gesellschaft für

Völkerrecht.

Stuttgart, 6. Juni. (Wolff.) Heute mor­gen tagte die erste öffentliche Versammlung der 6. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Völkerrecht im Festsaal des Hauses des Deutschtums. Nach den Begrühungsworten des Vorsitzenden Geheimrats Dr. Niemeyer-Kiel und des Legationsrats v. Bülow als Vertreter des Auswärtigen Amtes erstattete der Präsident des deutschen Reichsgerichtes, Simons, ein Re­ferat über die internationale Gerichts­barkeit. Er gab in längeren Ausführungen ein Gesamtbild des vielfältigen Vorwärts- und Auf­wärtsdrängens der internationalen Gerichtbarkeit eines Dranges, der sich gewiß die Zukunft er­obern würde und der die Völkerrechtler aller Länder vor die Aufgabe stelle, ihn wissenschaftlich zu begründen und zu verttefen.

Ein internationaler Gerichtshof sei ein un­abweisbares Bedürfnis d?r zivilisierten

Welt.

Wir Deutsche hätten alles Interesse daran, die Autorität des Haager Schiedsgerichts wachsen zu sehen.

Zu den sogen. Kriegsverbrecher­prozessen führte Simons unter großem Bei­fall folgendes aus: Gegenüber der Weigerung des deutschen Volkes, einen Soldaten einem sol­chen internationalen Gerichtshof auszuliefern, ist die darauf bezügliche Bestimmung des Versailler Vertrages ein toter Buchstabe geblieben. Den anständigen ehrlichen Versuch, die Anklagen we­gen Völkerrechtsbruch von Reichsangehörigen durch das Reichsgericht aburteilen zu lassen, hat Frankreich im Zorn über das meist negative Ergebnis der Reichsgerichtsverhandlungen ver­eitelt.

Obwohl dieses Ergebnis teils der unglaub­lich leichtfertigen Anllagebegründung, teils der Weigerung der Gegner, das Deweismaterial zur Verfügung zu stellen, zuzuschreiben war und ob­wohl dem Reichsgericht die würdige und redliche Führung der Verhandlungen von kompetenter englischer Seite bestätigt worden war, sind, und ganz besonders in neuester Zeit, solche Urteile von den französischen und belgischen Gerichten erlassen worden. Fast sieben Jahre nach dem Waffenstillstand erging ein drako­nisches Urteil nach dem andern gegen Deutsche, die zum Teil nachweisbar gar nicht in der Lage gewesen sind, die ihnen zur Last geleg­ten Taten zu begehen. Ich halte mich für ver­pflichtet, auch von dieser Stelle aus

gegen eine solche völkerrechtliche Gerichts­barkeit mit allem Nachdruck Protest zu erheben.

Zum Schluß bemertte der Redner: Wenn der Gegner trotz unserer Bereitwilligkeit, alle ge­rechten Forderungen zu erfüllen, Gewalt an* wenden will, so sind wir überzeugt, daß die fort­schreitende friedliche Entwicklung der Welt uns allen einen unparteiischen Gerichtshof bringen wird, vor dem wir unser Recht finden werden. An das Referat schloß sich 'eine Diskussion über die Leitsätze für die internationale Gerichtsbar­keit an.

Deutscher Geogrcrphentag.

Die sachlichen Verhandlungen des 21. Deut­schen Geographentages wurden am Donnerstag in Breslau beendet. Zum dauernden Ehren­präsidenten des Deutschen Geographentages wurde der einzige überlebende Gründer des Geo­graphentages, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Her­mann Wagner, Göttingen, ernannt Folgende Entschließung wurde angenommen: In den Gebieten des Grenz- und Auslanddeutsch- tutns sind heute zahllose gut deutsche, oft wert­volle geschichtliche Erinnerung bergende Namen für geographische Gegenstände aller Art, Wohn­orte, Länder, Gebirge und Gewässer usw. mit der Ausrottung bedroht. Der Deutsche Geo­graphentag erkennt cs als eine nationale Pflicht, diese Namen zu schützen und richtet an alle be­teiligten Kreise, namentlich an die Verfasser und

Herausgeber von Karten, Atlanten, büchern und geographischen DeröffenUichüngeü^ aller Art sowie an Me Vertreter der Schuld der Press«, des Handels und Verkehrs bie ctS] dringliche Bitte, in allen Fällen, wo geographisch^ Doppelbenennungen bestehen, dem deutsche»-.' Namen den Vorzug zu geben und ihn cm bS* erste Stelle zu setzen.

Darmstädter Ehrendoktoren.

Die Technische Hochschule Darmstadt hat die Würde eines Sotto r-J ngenieurs ehren­halber verliehen: dem Geh. Oberbergrat Röhrig, Generaldirektor der preußischen Bergwerks- und Hütten-Aktien-Gesellschaft in Berlin wegen seiner Verdienste um die Förde­rung der Wärmetechnik und dem Reichsbahn­direktor Hammer in Berlin wegen seiner Ver­dienste um die Entwicklung des Maschinenbaues«

Aus Stadt und Land.

Gießen, den,5. Juni 1925. ~]

Nur ein Lächeln.

Es war wirllich nur ein Lächeln. Keiner hat gelacht, denn dazu hatte ja niemand Grund, besonders deshalb nicht, weil es doch in der Elektrischen passiert ist. Die Sache verhielt sich folgendermaßen:

Ein Herr stieg ein. Jung und sehr eitel, Glacehandschuhe an, was immerhin heute eine gewisse Seltenheit ist. Er hatte eine Zeitung bei sich, um ungestört über die Zeitung hinweg nach jungen Damen ausschauen zu können. Es waren aber keine vorhanden, und die eine, schon ein wenig älter, lehnte bescheiden selbst jeden Blick ab.

Der eitle Herr musterte dennoch uns alle vom Kopf bis zu den Füßen, nahm fein parfü­miertes Taschentuch heraus, fuhr ein paarmal damit durch die Luft, sog den Atem ein und steckte dann höchstbefriedigt das Tuch wieder weg. Während er danach achtlos ein Dein über das andere schlug, kam es eben zum Vorschein, wovon ich die ganze Zeit schon spreche. Sein Strumpfhalter war nämlich gerutscht und hing wie eine violette Klammer um seinen spiegck- blanken braunen Halbschuh herum.

Ein jüngerer Herr mit hochglänzendem Zelluloidkragen bemerkte es zuerst. Die Ent­deckung wirkte zusehends vorteilhaft auf ihn. Er richtete sich aus seiner Verkrümmung auf und lächelte. Schon lächelte ein zweiter, sie lächelten alle, ich muh ehrlich sagen, wir lächelten alle, denn wir hiellen es für eine Art Anrecht, heiter zu sein, wenn ein Aesfchen ernst genommen sein will und dabei von der Tücke des Schick­sals erfaßt wird.

Wenn es ein anderer gewesen wäre, würde man es ihm zweifellos mit einiger Vorsicht ge­sagt haben, in diesem Falle aber dachte keiner daran. 2m Gegenteil alle waren sehr be­friedigt und fühlten wieder so etwas wie das Allzu - Menschliche, das uns alle zu Brüdern macht. Selbst diejenigen, die hinzustiegen, lächel­ten nach wenigen Augenblicken. Das Lächeln schien anzustecken.

Der junge Herr hatte nichts gemerkt. Er spielte mit seiner Zeitung, streifte dauernd den Rockärmel auf, um seine silbernen Armbänder zu zeigen, rieb sich das glattrasierte Kinn und ordnete sich das sorgfältig gekämmte Haar, da­bei kokettierte er mit seinen gepflegten Händen.

Endlich stieg er aus. Sie können sich denken, wie neugierig nun der ganze Wagen mitsamt dem Straßenbahnfchaffner war. Lind tatsächlich erlebten wir die Freude, daß er es nach wenigen Schritten schon merkte, aber er tat uns nicht den Gefallen, sich zu bücken und den Strumpf in Ordnung zu bringen nein, er ging stolz wie ein Spanier davon.

Da war das Lächeln von unfern Gesichtern verschwunden. E. R.

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Wer ist bei Ueberschreitnng der Fahrgeschwindigkeit strafrechtlich verantwortlich?

Mehr als einmal ist die im Zeitalter der Autornobilraserei nicht unberechtigte Frage ge­stellt worden, wer bei äleberschreitung der Fahr­geschwindigkeit durch ein Kraftfahrzeug sich eigentlich strafbar mache. Von sachkundiger Seite wird uns hierzu folgendes geschrieben:

Nach § 2 des Gesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. Mai 1909 in Ver­bindung mit § 18 der V. O. vom 15. März 1923 ist wegen Lleberschreitung der Geschwindigkeits­grenze nur der Führer des Fahrzeuges strafbar, wenn der im Kraftfahrzeug sitzende Eigentümer oder Halter das übermäßig schnelle Fahren lediglich geduldet hat. Die Einrichtung der Fahrgeschwindigkeit (§ 18) ist Sache dessen, der das Fahrzeug tenft . Der Eigentümer oder Halter des Fahrzeuges, der sich in diesem be­findet, macht sich nach § 1 nur strafbar, wenn er den Führer zur älebertretung anstiftet (§ 48 StrGB.) oder ihn als sein Werkzeug in einer Weise benutzt, daß er, der Eigentümer oder Halter, als der mittelbare Täter erscheint.

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Gießener Wochenmarktpreise.

4. Juni 1925.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180 Pfennig, Matte 35, Käse 65, Wirsing 35, Rotkraut 40, rote Rüben 5, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 10, Spargel 70 bis 110, Mischgemüse 15, Tomaten 200, Zwie­beln 25, Rharbarber 25, Kartoffeln 5, Kir­schen 120, Stachelbeeren 40, Erdbeeren 200 bis bis 240, Honig 40, Junge Hahnen 100, Sup­penhühner 120 das Pfund; bas Stück: (Sier 11 bis 12, Blumenkohl 100 bis 150, Salat 15 bis 20, Salatgurken 100, Ober-Kohlrabi 30. Lauch 5 bis 10, Rettich 30, Sellerie 200 Pfennig: das Bund: Radieschen 10, gelbe Rüben 70 Pfg.

Wettervoraussage.

Frische Winde aus südlicher Richtung, heiter bis wolkig, meist trocken, warm, Gewitterneigung.

Das Tiefdruckgebiet südlich Island hat seine Lage nur wenig verändert, während das Hochdruck­gebiet sich heute von Mitteleuropa nach Norden über Skandinavien hin erstreckt. Im Westen wird allenthalben Fallen des Barometers gemeldet.

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** Gärtnerische Lchrlingsprüfun- g e n. Von der Landwirtschaftskammer für Hessen wird uns geschrieben: Die Landwirtschaftskammer für Hessen führt unter Mitwirkung der Verbin­dung selbständiger Gärtner Hessens seit 1924 eine Anerkennung von Gärtnereien als gärtnerische Lehrbetriebe durch, mit dem Zweck, jungen Leu-

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