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5.6.1925
 
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115. Jahrgang

Ur. 129 Erstes Blatt

Annahme von Anzeigen für die lagesnummer ois zum Nachmittag vorher ohne jedeDerdindlichireit.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re­klame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzoorfchrist 20* e Auf- fchlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friede. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil: Hans Deck, fömtlich in Gießen.

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GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drud und Verlag: vruhl'sche Universilätr-Vuch- und Lteindruderei H. Lange in Siehen. 5christleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

Der Zall Himmelsbach öor dem llntersuchungsausschuh. (Don unserer Darmstädter Redaktion-

Darmstadt. 4. Juni. Der parlamentarische Ausschuß des Hessischen Landtags zur Untersuchung i des Falles Himmelsbach tagte am Donnerstaavor- | mittag im ehemaligen Sitzungssaal der Ersten Ham* rner im Landtagsgebäude. Außer den dem Ausschuß I ongehörenden Abgeordneten aller Parteien waren als Zeugen der Minister für Arbeit und Wirt- l schalt Raab sowie Oberregierungsrat Pennrich I erschienen. Ferner waren als Zeugen einige höhere Forstbeamte anwesend. Die Firma Himmels- doch war vertreten durch Dr. h. c. Hermann ! f)l m m c l s b a d), Joses Himmelsbach, den Prokuristen des Binger (Gaulsheimer) Werkes ' Äjoerne und durch einen juristischen Beirat. Die Verhandlungen werden voraussichtlich mehrere Tage dauern.

Den Vorsitz im Ausschuß führt der Zentrums- abgeordncte Schul. Er gab die Versicherung ab, ; daß der Ausschuß streng sachlich verhandeln werde. Minister Henrich hat sein Fernbleiben von der Sitzung entschuldigt: er werde aber morgen er­scheinen. Die ihm unterstellten Beamten seien an- qswiesen, alle Auskünfte zu erteilen. Auch Minister 5 von Brentano ist ausgeblieben: er erklärt sich : aber bereit, in der, nächsten Woche seine Aussagen zu machen.

Abgeordneter Schreiber schilderte als Be- |k nchterstatter die Verhältnisse, die zu den Beschuldi- aungen gegen die Firma Himmelsbach geführt haben, er bekanntlich oorgeworfen wird, daß sie Holz- Miüllungen unter besonderen Uin stän - : den zum Schaden des Deutschen Reichs i (du d) Hessens) während der Zeit des p o f H o e n Wider ft andes vorgenommen : hat. In Hessen find rund 84 000 Festmcter Holz ge- ! schlagen worden. Die Holzfällungen fanden im Jahre i 1923 statt. Im wesentlichen dreht es sich bei den ; lammenden Verhandlungen darum, daß die Firma Himmelsbach vor der Vornahme der Holzschläge sich mit der hessischen Regierung in Verbindung ge­setzt hatte.

L» ist nun die Frage, ab die hessische Re­gierung von den Verträgen der Firma hlmmels- bach mit der Besatzungsbehörde Kenntnis hatte und welche Stellung sie zu der Angelegenheit über­haupt einnaytu. Ls wird behauptet, daß der in­zwischen verstorbene hessische Oberforstrat Kallenbach die Zustimmung zu den holzfchlägcn gegeben habe.

Hierauf wurde in die Vernehmung des Ministers Raab eingetreten. Dieser erklärte, laß er von der sog. Affäre Himmelsbach erst im letzten Winter gehört habe, als verschiedene andere polzfirrnen sich über die Firma Himmelsbach be» | flogt hätten, die ein förmliches Monopol j für den Holzhandel i m besetzten Ge- i biet erlangt hätte. Er habe dann die Angelegen- 1 beit dem Gesamtministerium vorgetragen. Im Der- l laufe ber späteren Verhandlungen habe die Firma i eine Art Ehrenerklärung verlangt: der Firma wäre lebod) mitgeteilt worden, die hessische Regierung werde sich in der Frage der Holzfällungen analog ber Reichsregierung verhalten. Bemerkenswert war die weitere Erklärung des Ministers, daß Ober- : forftrat Kallenbach einem Vertreter der Firma St habe, wenn ihr Schwierigkeiten erwachsen en wegen der 9Beiterbefd)äftigung der Arbeiter, ja würde man ihre Handlungen später mit ent- 1 ? sprechender Nachsicht beurteilen. Eine vom Ver­treter der Firma verlangte schriftliche Erklärung hierüber fei nicht abgegeben worden. Die Regie- rung habe es abgelcgnt, von der Verträgen der Firma mit der 'Besatzungsbehörde Kenntnis zu nehmen. In der Zeit nach dem Abbruch des passiven Widerstände? seien viele Firmen an das hessische Ministerium herangetretcn, um von ihm einen Rat zu erhalten, wie sie sich in dieser schwie­ligen Lage verhalten sollten, denn die Desatzungs- 1 b«Hörde unternehme keine Verhandlungen. Sein Ides Ministers) Vertreter habe nur die Auskunft geben können:Seht, daß Ihr so gut Ihr könnt, durchkommt!" Ob später die Firma Himmelsbach korrekt gehandelt habe, vermöge er, der Minister, nicht zu entscheiden, das liege auch nicht in seiner Aufgabe.

Auf Anfragen von Abgeodrneten erwiderte der Minister u. a., daß er nicht den Eindruck ge­habt habe, als wolle die Firma Himmelsbach etwas »erheimlichen.

Lerner erklärt der Minister, daß die Firma in der kritischen Feit dem Ministerium mitgeteilt habe, sie wüste ihre Betriebe schließen: er könne nicht bar- liber entscheiden, ob sie damit einen Druck auf die hessische Regierung ausüben wollte. Die Firma habe als Ursache der Schließung der Betriebe die Sperrung jeden Kredits bezeichnet, wegen der Hetze, die gegen sie unternommen wurde.

[ Son einem Abgeordneten wurde die Frage aufge- ; warfen, ob Oberregierungsrat Pennrich nicht 1 int allgemeinen von den Holzverträgen der Firma ] mit den Besatzungsbehörden Kenntnis gehabt hätte, denn bei den Verhandlungen der Firma mit ber hessischen Regierung müßte doch eine Grund­lage vorhanden gewesen sein. Der Minister meinte hierzu, Oberregierungsrat Pennrich hätte diese Kenntnis wohl nicht gehabt, denn dann hätte er die Verhandlungen abgelehnt, weil sie seine Kompetenz überschritten hatten Weiter i bemerkte der Zeuge auf eine Anfrage, daß Minister Henrich der Firma gesagt habe, sie könne Ver­träge abschließen, aber die Regierung könne ihr da­bei nicht helfen, ihr auch keine weiteren Unter­stützungen leihen. Ein Abgeordneter wies auf den Widerspruch hin, daß die Regierung der Firma Himmelsbach gesagt habe, man wolle von ihren Verträgen keine Kenntnis vehmen, aber in einem

Spanische Offensive in Marokko?

Es läßt sich nun nicht mehr länger ver­heimlichen, daß Herr Ma Ivy, der kürzlich in besonderer Mission in der spanischen Hauptstadt weilte, doch nicht mit so ganz leeren Händen nach Paris zurückgelehrt ist, wie ursprünglich die gesamte französische Presse zu melden wußte. Zutreffend mag sein, daß sich Spanien gegen ein militärisches Bündnis ausgespro­chen hat, soviel steht aber doch jetzt fest, daß es bereit ist, nicht mehr auf eigene Zaust gegen Abd el Krim zu operieren, sondern seine Feldzu^vläne mit denen des Generals Liautey in Liebereinstimmung zu bringen. Dafür pricht jedenfalls die unmittelbar bevorstehende Landung eines spanischen Korps in der Bucht von Alhucemcts. durch das der sehr lebhafte Waffenschmuggel nach dein Aufstands­gebiet unterbunden werden soll. Zweifellos erhofft Frankreich dadurch eine wesentliche Er­leichterung seiner Operationen gegen die Ka- bylen. Frankreich scheint es auch erreicht zu haben, daß die spanische "Regierung vorläufig jedes Eingehen auf Waffenstillstandsangebote Abd cl Krims abgelehnt hat. Offen bleibt aber noch die Frage, welchen Preis Frankreich für die ihm jetzt in Marokko zuteil werdende spa­nische Unterstützung hat zahlen müssen oder ob Spanien von Frankreich unter Druck genommen worden ist, mindestens durch Einleitung neuer Operationen die französischen Truppen zu ent­lasten.

vor der sranzöfifch-spanifchen Konferenz

Paris, 5. Juni. (MTB.) Die der Madrider Berichterstatter desTemps" meldet, scheint die durch das Direktorium so oft angekündigte Landung eines spanischen Expeditionskorps in der Alhuce- masbucht nunmehr beoorzustehen. Die spanische Offensive hange nur noch ab oon der Antwort, die Abd el fttlm auf bas i f) m übermittelte Ultimatum geben werde.

Die Artillerie des spanischen Geschwaders sei verstärkt worden. Das Material für die Bewerk­stelligung der Truppenlandung sei bereit Die 2k- fiUerieoorbereifunq, die besonders bezwecke, die Batterien der Rifleute, die sich aus den von den Spaniern erbeuteten Geschützen zusammensehen, zum Schweigen zu bringen, werde durch mehrere Flugzeuggesch wader unterstützt werden. Die für eine Landung oon 18 000 Mann nötigen Transportmitel seien requiriert worden. Wahr­scheinlich würden die spanischen Truppen im Ab­schnitt Mellilla die ersten Ergebnisse ihrer Truppen­landung abwarten, um auch ihrerseits anzugreifen.

vereinbart sei. Das Direktorium wünsche, daß diese Konferenz in Madrid zusammentrete. Doch fei darüber noch keine Entscheidung getroffen worden.

Painlevs zur Lage in Marokko.

Paris, 5. Juni. (Funkspruch.) Mtnisterpräfi- bent Pain 1 evö hat zur Lage in Blarokko er­klärt. daß die ersten Truppenverstärkungen schon im Februar abgegangen seien. 3m März und im April habe Marschall Lyauty Truppen verlangt Als bann der Ausstand sich verstärkte, sei er der Aufforderung oes Marschalls nachge­kommen, der nicht nur Truppen, sondern auch Tanks. Flugzeuge und schwere Gebirgsartillerie verlangt habe. Die Nachrichten über die fran­zösischen Verluste seien lügenhafterweise übertrieben. Dis zum 2.3uni zählte man 318 Tote, 915 Verwundete und 195 Vermißte, davon seien drei Fünftel Eingeborene. "Reue Truppen würden abgeben, um gewisse übermüdete Truppen abzulösen. Die wichtigste Frage sei die, einen sanitären Dienst einzurichten, der allen An­forderungen gewachsen sei.

Die Kosten des Marokkokrieges

Paris, 4. Juni. (WB.) Die von der Re­gierung beantragten Kredite für Marokko in Höhe von 31 700 000 Franken beziehen sich, wie sich aus dem Wortlaut des Gesetzes ergibt, nur auf den Monat Juki. 3n der Begründung deutet die Re­gierung an, daß die gleiche Summe sowohl für den Monat 3uü als auch für den August be­antragt würde, im ganzen also für die drei Monate zirka 95 Millwnen Franken.

Abfall der Dscheballahs von Abd el Krim?

Paris, 5. Juni. (Funkspruch. > Wie Havas aus Tanger berichtet .haben sich die Dscheb­allahs. die der Ansicht seien daß Abd el Krim seinem Verderben entgegengehe, geweigert, ihm Kontingente zu liefern.

Abd el Krim hatte im Westen franzosen- freundliche Stämme ausgefordert, Truppen zu landen und sv den Vormarsch der französischen Truppen in dieser Gegend zu brechen. Rachrichten besagen, daß vom 21. bis 23. Mai lediglich die französischen Flieger im Frontabschnitt desDscheb- allay-Gebietes den Aufständischen Verluste von etwa 250 Toten und 300 Verwundeten beige»

Dec Vizepräsident des spanischen Direktoriums, Marquis M a g a z, erklärte gegenüber einem spa­nischen Journalisten, daß die spanisch-französische Konferenz über Marokko grundsätzlich

bracht Habern In der Rächt vom 2. zum 3. Juni seien die Defestigungswerte von 6fer erneut an­gegriffen worden. Eine energisch durchgeführte Operation ermöglichte es, die Gegend von Ach- mor zu befreien, in der feindliche Kontingente Fuß gefaßt haben. Im Osten verstärke sich an einigen Punkten die Propaganda der Rifleute. Franzosenfreundliche Stämme hätten die Vor­linien der Rifleute nach Tizouan, 20 Kilometer nördlich von Kiffane, zerstört.

Antwortschreiben an die Firma werde auf die Ver­träge Bezug genommen. Der Minister verwies dem- gegenüber auf die mündliche Erklärung des ver­storbenen Oberforstrates Kallenbach hin, der dasselbe gesagt habe, wie das Ministerium:Die Reichs- und die hessischen Interessen müßten ge- wahrt bleiben, aber den Firmen würde manches wegen der Schwierigkelten nachgesehe n." Die Firma hat in einer Denkschrift den Wortlaut einer Erklärung der hessischen Regierung mitgeteilt. Mi­nister Raab bemerkte hierzu auf Befragen, dies sei unrichtig. Die Firma Himmelsbach habe den Wortlaut vorgeschlagen, aber die Regierung habe sich nicht daraus f e ft g e I e g t und die Ver­handlungen darüber hätten sich zerschlagen.

Oberregierungsrat P e n n r i ch . der gleich dem ersten Zeugen vereidigt wurde, sagt im wesentlichen das Gleiche aus wie Minister Raab. Er geht näher auf die Schwierigkeiten der Firma ein, für die es sich darum handelte, ob sie das Werk aufrecht er­halten konnte, insbesondere das Werk Gauls- heim, das größte in Hessen: im anderen Falle wären über 400 Arbeiter brotlos geworden.

Ministerialrat kutsch aus dem hessischen Finanz- Ministerium sagt u. a. aus, daß viele wertvolle Holzbestände geschlagen worden seien, was gar nicht einmal verlangt worden wäre. Rach Aussage von deutschen Beamten hätte die Firma Himmelsbach erst die Lesahungsbehörde auf die wertvollen Forsl- bestände aufmerksam gemacht.

Aus 'die Frage, ob die Firma Himmelsbach unter einem Zwang gehandelt habe, meinte der Zeuge, daß nach Abschluß ber Verträge der Zwang entfallen fei. Auf die Frage, ob andere Firmen ebenso gehandelt hätten wie die Firma Himmels­bach, erwiderte der Zeuge, daß nur noch eine Firma in Hessen in Betracht kommt, diese hat, wenn man die Antwort des Zeugen richtig deutet, ebenso gehandelt. Im allgemeinen gibt der Zeuge auf ver­schiedene Fragen Antworten, die den darin berühr­ten Sachverhalt kaum klarstellten: auch waren seine Ausführungen, die er leise sprach, schwer zu ver­stehen. Es war den Ausführungen wohl zu ent­nehmen, daß ein Verbot der Holzlieferungen nicht ergangen war: ein solches Verbot hätte auch nicht ergehen können, denn bann hätte dies als Fort­setzung des passiven Wider st andes ausgelegt werden können. Von einem Abgeord­neten wurde dazu bemerkt, bann hätte die Firma Himmelsbach die Lieferungen auch nicht verweigern können, denn das wäre ja ein Beharren im pas­siven Widerstand gewesen, der von der Reichsregie­rung aufgehoben war. Auf Befragen teilte der Zeuge mit, daß die Firma Himmelsbach nicht in erster Linie ihre, sondern die fremden wertvollen Bestände geschlagen habe.

Im Zusamenhang mit einer Auseinandersetzung über die Begriffeoentes" (Holzoerkäufe) und coupes" (Holzschläge) wies der Vorsitzende darauf hin, daß eine Unterscheidung in ihrer Wirkung, die der Zeugs mache, nicht möglich sei, aufrechtzuerhal­ten. Wenn die Auffassung des Zeugen richtig wäre, so wäre ja alles Holz in ausländische Hände ge­langt. Der Vorsitzende machte auch nachdrücklich auf den Widerspruch aufmerksam, daß der Zeuge die Auffassung vertreten hat, Holzverkäufe hätten nicht stattfinden dürfen und wären zu mißbilligen; zu derselben Zeit wäre der Firma Himmelsbach von einem anderen Regierungsoertreter, dem Oberforst­rat Kallenbach, die Antwort erteilt worden, Verträge könnten abgeschlossen werden, doch müßten die Reichsinteressen gewahrt bleiben und den Fir­men würde später wegen der Schwierigkeiten nach­gesehen. Was hätte die Firma, die unter einem Druck stand, nun tun sollen? Die Mehrzahl der Abgeordneten war ebenfalls der Meinung, daß hier Widersprüche zwischen den Vertre­tern der Regierung obwalten. Auf die Frage des Vorsitzenden nach dem Boykott, den die Forst- dehörde über die Firma Himmelsbach verhängt habe, erwiderte der Zeuge, daß kein Boykott ausgespro­chen worden sei. Die weiteren Verhandlungen be­wegten sich immer um die Frage, ob ein Verbot, die Verträge einzugehen, bestanden habe: von der Mehrzahl der Abgeordneten wurde die Meinung vertreten, daß ein Verbot nicht bestand. Einige Abgeordnete und auch der Zeuge standen auf dem Standpunkt, daß die Holzverträge unstatt­haft gewesen seien.

Gegen 4 Uhr wurden die Verhandlungen ab­gebrochen: nächste Sitzung Freitag vormittag.

DasReichstagsmandatDr.Befts

Darmstadt, 4. Juni. (Wolff.) Reichstags­abgeordneter Dr. B e ft hat von der Parteileitung der Deutschnationalen Volkspartei, nachdem bekannt geworden war, daft das Ehrengericht des Reichstags jein Verbleiben im Reichstag bil­lige, eine Mitteilung erhalten, daß er nach An­sicht der Deutschnationalen Volkspartei durch sein Verbleiben im Reichstag sein feierlich gegebenes Wort gebrochen habe. Dr. Best teilte hieraus der Parteileitung der Deutschnationalen Volkspartei mit, falls ihm bis zum 5. Juni nicht eine gegen­teilige Erklärung zugegangen fei, stelle er gegen den Parteivorsitzenden Äin kler und den Ge­schäftsführer Prof. Meyer Strafantrag. Das Verfahren soll in breiter Oeffentlichkeit feststellen, ob der Vorwurf des Wortbruches und der Un­ehrenhaftigkeit Dr. Best oder die Deutschnationale Fraktion betrifft__________

Die Uebergabe der Entwaffnungsnote.

Berlin, 4. Juni. (WTD.) Die Botschafter Englands, Frankreichs, Italiens, Japans und Belgiens haben heute mittag dem Reichskanzler die Kollektivnote, in der die alliierten Regierun­gen der Reichsregierung die Maßnahmen mit­teilen, von denen sie die Räumung der nördlichen Rheinland Zone abhängig machen, überreicht. Der englische Bot­schafter erklärte dabei: Entsprechend dem am 5. Januar und am 26. Januar befolgten Ver­fahren, habe ich die Ehre, Ew. Exzellenz na- mens meiner Kollegen und in eigenem Rainen die gemeinsame Rote unserer Regierungen über die Voraussetzungen der Räumung der Kölner Zone auszuhänd gen.

Der Reichskanzler nahm die Rote mit folgender Antwort entgegen: Seit der Uebergabe der alliierten Roten am 5. Januar und 26. Ja­nuar, auf die Ew. Exzellenz soeben Bezug ge­nommen haben, nahm die Reichsreg>erung so­wohl bei Beantwortung jener Roten als bei anderer Gelegenheit wiederholt Anlaß, ihren Standpunkt in der Frage der Räu­mung der nördlichen Rheinlandzone darzulegen. Ich nehme auf diese Erklärungen Bezug. Die mir übergebene Rote wird von der Reichsregierung unverzüglich geprüft. Die Reichsregierung wird sodann die Entscheidung über ihre weiteren Maßnahmen treffen.

Die Rote und ihre Anlagen werden am Eamstagmorgen veröffentlicht.

Der heutige Kabinettsrat

Berlin, 4. Juni, wie wir erfahren, findet heute 12 Uhr mittags unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten ein fiabineftsrat jur Erörterung der am Donnerstag überreichten Rote über die Voraussetzungen für die Räumung der nördlichen Rheinlandzone statt. 3m kabinetts- rat werden die für die Militarkontrollnote zustän­digen Ressortminister zunächst einen Be- richt über ihren ersten Eindruck von der Rote selbst erstatten. Die Uebersehuna des etwa 20 bis 25 Selten langen Dokuments ist in einer vorläu­figen Fassung gestern abend fertiggefteQt worden, so daß eine erste Ueberprufung inzwischen möglich geworden ist. In der heutigen Sitzung werden nur der Außenminister Dr. Strefemann und dann der Reichswehrminister Dr. G e ß l e r. in sei­ner Vertretung General v. S e e ck t, das Wort er­greifen .Dann werden der Reichswirtschafts­mini sie r und der Reichssinanzminisier über die Rote sprechen, da diese beiden Refforts wegen der verlangten Umstellung der industriellen Betriebe und wegen der etwaigen finanziellen Ab­findung für die durch die Lntenteforderung betrof­fenen Betriebe an dieser ganzen Angelegenheit be­teiligt sind.

wie dielägt. Rundschau" hört, werden am kommenden Mittwoch die Ministerpräsi­denten der Länder in Berlin eintreffen, um mk der Reichsregierung über die Beantwortung der Entwaffnungsnote zu beraten.

Wie die .Tägliche Rundschau" meldet, weift man in parlamentarischen Kreisen darauf hin, daß bei der Fühlungnahme der Reichsregierung mit den hinter dem Kabinett stehenden Fraktionen des Reichstags gewisseMeinungsverschieden- heilen auftauchen könnten, falls das Kabinett etwa unerfüllbare oder auch mir unberechtigte Zugeständnisse machen würde, um eine möglichst schnelle Räumung der nördlichen Rhein­landzone zu erreichen. Selbstverständlich, so be­tont dieTägliche Rundschau", sollen die In­teressen der Bevölkerung des beseh- tenGebietesso wett wie möglich wahrgenom­men werden. Indessen dürften die von dem Reichsaußenmini st er in seiner letzten Reichstagsrede festgelegten Richtlinien gerade in dieser Frage nicht verlassen werden. Maß­gebende parlamentarische Kreise der Regierungs­parteien sind der Ansicht, daß von entscheidender Bedeutung für die Erfüllung der Forderungen der Botschasterkonferenz die Tatsache sein wird, ob die Rote beftimmte Zusicherungen über die Räumung der ersten Rheinlandzona enthält, d. h. ob ein bestimmter Termin angegeben wird, und ob die jetzt ausgestellten Forderungen so klar und eindeutig formuliert sind, daß aus der Erfüllung oder Rid)terfü(lung dieser Forderung nicht nach- träglic^neuc Meinungsverschieden­heiten Menstruiert werden könnten. In den parlamentarischen Kreisen der Rechten trägt man sich mit dem Gedanken, nun endlich mit dein Schnceballsystem der alliierten Forderungen in der Entwaffnungsfrage Schluß zu machen.

Der Sicherheitspakt.

Die französische Rückantwort.

Paris, 6. Juni. (T. U.) Im Ministerrat hat Außenminister B r i a n b Bericht erstattet über die auswärtige Lage, besonders über den Stand der Verhandlungen, die mit ber britischen Regierung zwecks Abschlusses eines Sicherheilspaktes unter Be­teiligung Deutschlanbs geführt werden. Briand er- klärte nach Beendigung der Sitzung den frangöii* schen Jorunalisten, das E i nv e r st ä n d n i s zwi­lchen London und den Alliierten über die auf die deutschen Vorschläge zu erteilende Ant- wort fei erzielt worden. Die französische Antwort auf die englische Note wurde, wie am Quai d'Orsay verlautet, gestern abend nach L o n - I b o n abgeianbt. Da bie französische Antwortnote an Deutschland erst bei Ausgang der Sitzung des | Dolkerbundsrats ab gesandt werden soll, ist nicht