Angehörigen, RetchSranzrer Dr. Luther und das vorgesehene Ministcrgeleit folgen. Punkt 6,30 Ahr verläßt der Sonderzug den Bahnhof.
Die Beisetzung in Heidelberg.
Heidelberg in Trauerschmurk.
(Funkbericht.)
Die Stadl Heidelberg steht völlig unter dem Eindruck der Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Reichspräsidenten. Besonders stark tritt dieS in der Altstadt hervor, die selbst in den engsten und kleinsten Gassen reichen Flaggenschmuck angelegt hat, der bei der Harmonie zwischen den badischen und den Reichsfarben be° fcnders eindrucksvoll wirkt. Das bescheiden, aber blitzsauber hergerichtete Geburtshaus des Reichspräsidenten in der Pfaffengasse, daS von der Stadtverwaltung sinnig geschmückt ist, ist daS Ziel vieler Fremden. Roch stärker ist der Besuch aus dem kleinen, aber malerisch gelegenen Bergfriedhof, der sich sanft an die Abhänge des Geisberges anlehnt und von dem man einen wundervollen Blick auf die Rheinebene, das türmereiche Speyer und die blauen Berge der Hardt genießt.
Die Grabstä11 e des Reichspräsidenten ist im letzten Augenblick verlegt worden. Sie befindet sich nunmehr hinter dem Krematorium. Ein hohes steinernesKruzifix bildet ihren Abschluß. Wenige Schritte von ihr ist das Grab der M u t t e r d e s Präsidenten. Richt weit davon liegt auch das einfache, aber würdige Grab Dunsens. Alles umrahmt von Gebüsch, dessen Knospen und zarte grüne Blättchen schon den nahenden Frühling verkünden, während die Kuppe des Geis- dergeS infolge des vorher niedergegangenen Schnees im Sonnenschein herüberleuchtet. Der natürliche Schmuck wird noch ergänzt durch vier 'annenumgrenzte Pylonen, die an ihrer Spitze geschmiedete Pfannen zur Aufnahme von Pech trogen.
Für die Sänger ist eine umfassende Tribüne errichtet. Die einzige Zufahrtstrahe von sem Dahnhofsplatz nach dem Friedhöfe, die RohrbacherStrahe, weist finnigen Schmuck auf, der am eindrucksvollsten und künstlerischsten am Gewerkschaftshaus hervortritt. Die Straße, die für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist. wurde in den frühesten Morgenstunden mit Tannenreisig bestreut, während von den Laternen die Lampengestelle abgenommen worden sind, so daß die offenen Gasflammen aus den mitTannengrünumschlungenenKan» delabern h e r a u s s ch l u g en.
Die reichste Ausschmückung hat der Dahn- ßofsPlatz erfahren. Der Ar?adenbau ist in seiner ganzen Ausdehnung mit Tannengrün und Trauerflor ausgeschlagen. Den Abschluß bilden >wei gewaltige Pylonen, auf denen während des Vorüberziehens des Zuges P e ch f l a m m e n loderten. Aach dem Eintreffen des Sarges spielte ein D l ä s e r ch o r einen Choral, dann setzte sich der vom Ludwigsplatz durch die Anlagen und die Plöck amnarschierende Trauerzug in Bewegung. Während der ganzen Feier läuteten die sämtlichen Glocken der Heidelberger Kirchen.
Im großen Saale deS Kurpsälzischen Museums ist anläßlich der Beisetzung des Reichspräsidenten fein nach dem Leben gemaltes und wohlgetroffenes Porträt aufgestellt, das der Maler Max aus Frankfurt a. M. gemalt und der Stadt Heidelberg geschenkt hat. Auch in den Blumenläden und in den Kunsthandlungen sind von Blumenspenden umgeben vielfach Bilder des Verstorbenen ausgestellt.
Der Beteiligung der in- und ausländischen P.resse ist außerordentlich stark. Don vier Filmgesellschaften wurde die Trauerfeierlichkeit tzm Bilde festgehallen.
Mit dem Reichskanzler war auch der Dieichswehrnrinister Dr. Gehler nach Heidel- ,E>erg gekommen. Reichswehrabteilungen 'sonnten dagegen an der Trauerfeier nicht teil- uehmen, da Heidelberg noch in der neutralen Zone liegt. Dagegen sind starke Abteilungen Sicherheitspolizei aus Karlsruhe in Heidelberg eingetroffen, um an den Absperrungsrnahnahmen teilzunehmen.
Der Sonderzug mit der Leiche desReichs- präsidenten traf gegen neun Uhr morgens in Weinheim ein, wo die Vertreter der badischen Regierung in den Zug einstiegen, uird um i/210 ilfyt In Heidelberg eintrafen. Die württem- bergischen Regierungsvertreter sind direkt nach Heidelberg gekommen, während die Mitglieder der hessischen Regierung mit dem von Berlin kommenden Sonderzug anlangten.
Der badische Staatspräsident Dr. Hellpach.
hielt am Grabe des Reichspräsidenten Eberi folgende Rede:
»Der auf den Wogen schliefe, ein sanft gewiegtes Kind, Kennt nicht des Lebens Tiefe, Von süßen Träumen blind. Doch wen die Stürme fassen, Zu wildem Tanz und Fest, Wen hoch auf dunklen Straßen Die falsch« Welt verläßt: Der lernt sich wacker rühren! Durch Rächt und Klippen hin Lernt er das Steuer führen Mit treuem ernsten Sinn; Der ist von echtem Kerne! Erprobt zu Lust und Pein.
Glaubt er an Gott und Sterne
Der soll mein Schisfsmann sein!"
Trauernd Versammelte! In Deutschlands napoleonischer Erniedrigung vor 100 Jahren dichtete Ioses v. Gichendorsf diese Strophen, un6 wie so vieles von damals in unserer Gegenwart sich wiederholt zu haben scheint, könnte nicht auch dieser Zuruf des Dichters unseren Tagen gelten? gelten dem deutschen Volke, das des Lebens Tiefen zu kennen verlernt hatte, weil eS von einer Welle allzu raschen materiellen Wohlstandes emvorgetragen, auf den Wogen der polittschen Daandung schlafen zu dürfen wähnte glcich einem gewiegten Kind? Blind geworden in den süßen Träumen eines Zettalters, das den Schein an die Stelle des Wesens, die Pose an die Stelle der Haltung, die Phrase an die Stelle der Wirkung gesetzt hatte. Aber könnten dann die lohten Zeilen dieses Gedichtes nicht auch dem teuren Toten gelten, den wir hier bestatten. Ihn, der durch Rocht und Klivven unseres Rtederbruches hin das Steuer geführt hat mit treuem, ernstem Sinne? WaS konnte von ihm Wesenhafteres gesagt werden, als daß er von echtem Kerne war? WaS von ihm Wahrhafteres, als daß er an Gott und an die Sterne feines deutschen Vaterlandes glaubte und nur darum
Schwere Explosionskatastrophe
bei 3
ittenberg.
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Pulverexplosion in den Reinsdorser Werken in Piesteritz. — 8 Tote 15 Schwerverletzte. — Die Gefahr weiterer Explosionen.
Wittenberg. 4. März. (TU.) In dem Werke der Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoff A.G. ereignete sich heute vormittag gegen 10 Uhr eine schwere Explosion, die bis Dessau gehört wurde. 3n Wittenberg und Kohwig zersprangen die Fensterscheiben. Die Katastrophe muß sehr schwer fein, denn durch Wittenberg rollen fast andauernd Sani- tätsautos mit Verletzten nach den Krankenhäusern.
Der amtliche Pressedienst gibt von der Explosionskatastrophe bei Wittenberg folgende Darstellung :
Heute vormittag 9.40 Uhr ereignete sich auf den Rheinsdor f er Werken inPie- st r i h. Kreis Wittenberg, eine schwere Dynamit- explosion, die
fünf Tote, sieben Schwerverletzte und dreißig Leichtverletzte
als Opfer forderte. Der Sachschaden ist sehr groß. Rach den bisherigen, Ermittlungen handelt es sich um ein durch Zusammentreffen widriger Umstände geschehenes Unglück, dessen Ent - stehungsursache noch unbefannt ist. Bon allen Setten wird übereinstimmend der Gedanke an ein Attentat abgelehnt. Die Verwundeten wurden durch städtische Krankenautos und Kraftwagen der Schutzpolizei abtransportiert.
Die Direktion der Westfälisch- Anhaltischen Sprengstoff-A-G gibt folgenden Bericht heraus:
Heute vormittag 3/t10 Uhr brach in der Pulverabteilung der Westfalisch-Anhalti- schen Sprengstoff-A.-G in Rheinsdori ein Drand aus, dem in kurzer Zeit drei Explosionen folgten. Die Anlagen wurden nicht unerheblich beschädigt. Leider hat das Unglück auch Opfer an Menschenleben gefordert. Soweit bisher festgestellt werden konnte, sind 5 Tote, 1 Schwerverletzte und 25 Leichtverletzte zu beklagen. Das Werk ist etwa Z Kilometer von Wittenberg entfernt. Die Abteilungen, in der der Brand ausbrach, bestand aus mehreren, getrennten Häusern.
zu vollbringen, ja nur darum anzutreten vermochte, was er im dunklen Spätherbst vor sieben Iahren antrat und vollbrachte?
Das Volk spürte ihn als Fleisch von Volkes- fleisch und Blut von Vollesblut. Aus den Reihen des Volkes kam er, wie ein echtes Dolkskind erprobt zu Lust und Pein: in diesem alten, engen Gassengewinkel von Heidelberg war er emporgewachsen, Reckar und Odenwald, Schloß und Brücke hatten sich in den regsamen Augen des einfachen Schneiderbuben gespiegelt, das Doppel- erbteU kurpfälzischer Wefensart war ihm mit auf den Weg gegeben. Das herzige sonnige Lebensbehagen und das resolute tatkräftige Zupacken im Ernstfälle: Genießen und Wirken, die beiden Seiten jedes vollsaftigen Weiens, dem Dasein sich hingeben und dennoch es meistern!
Run kehrt er, ein Menschenalter, nachdem er die Heimat verlassen, in die Heimat zurück. Aber nicht zu einem friedlichen Lebensnachmittag, sondern zur ewigen Ruhe seiner sterblichen lieber» reste. Run empfängt ihn die Erde dieser wundervollsten aller deutschen Begräbnisstätten des von deinen Füßen, denn hier ist heiliges Land!" Dergsriedhoses zu Heidelberg. „Tue die Sohlen Wettet sich nicht der Blick des Andächtigen bis ins Zeitlose, wenn er durch die efeuumsponnenen, sanft geschwungenen Reihen der Grabsteine wandert und von halbverwttterten Tafeln die fürstlichen Ramen des Geistes abliest?
3a, wir wissen es: Die weitaus meisten von diesen Forschern und Denkern sind wie du aus den Häusern kleiner Leute gekommen, wie du und wie fcU jeher drei Viertel aller Genien und Führer, aller Erlöser und Erzieher der Menschheit aus solchen Häusern kamen. Und hier, wo du dich heute zu ihnen gesellst, angesichts dieser Gräber und dieses Grabes wollen wir das Hohelied der kleinen Leute singen, denen immerdar die Völler den wärmsten Dan: für das Beste und Bleibendste, das sie empfingen, zu entrichten haben. Ihr Erlauchten alle, die hier der Tod versammelt, seid wahrhaft von Gottes Gnaden gewesen in jenem tiefsten Sinne, den der Apostel in dieses Wort legte, als er es prägte.
Der Segen dieses Grabes wird über jeden deiner Rachwlger sein, der seinem deutschen Dolle so ganz und treu gehören wird wie du: aber ein Menetekel würde von diesem Grabe aufflammen vor jedem deiner Rachsolger, der von deiner Spur wiche und auch nur eine Stunde vergäße, daß von Gottes Gnaden fein heißt: zu Volkes Diensten sein.
Rach dem Staatspräsidenten sprechen noch der Heidelberger Oberbürgermeister Dr. Walz und Stadtpfarrer Maas.
Eisendahnerstreik in Sachsen.
Dresden. 5. März. Rach Mitteilung der Bezirksleitung Sachsen des deutschen Eisenbahner- Verbandes sind in Leipzig 600 Eisenbahn- arbeitet in den Ausstand getreten. Es handelt sich nicht um einen wilden Streik, vielmehr wird die Bewegung von der Gesamtleitung unterstützt. Einige Ortsgruppen haben sich ebenfalls für den Strell erklärt. Es dürfte demnach mit einer Ausdehnung der Bewegung zu rechnen fein. Der Grund sind Lohndifferenzen.
Eine Funktionär-Versammlung der Dresdener Eisenbahner hat gestern abend ebenfalls befcylossen, in den Streik zu treten. Seit 9 Uhr abends ruht der gesamte Rangierbetrieb auf dem Dresdener Rangierbahnhof. Die Qlrbeiter der Maschinenhauser zur Zertigmachung der Lokomotiven find vollzählig in den Streik getreten. Die Früh-Personenzüge konnten entweder gar nicht oder nur mit großen Verspätungen abgelassen werden. Die Verwallung hat für die Bewachung der Bahnanlagen die Sicherheitspolizei alarmiert.
Der Streik auf dem Cb emniher Haupt- babnhos erstreckt sich auf die Eilgut-Abteilung und auf die Ilmladestation Hilbersdorf. Der Personen- und Güterverkehr vom Hauptbahnhof
Die Dächer der umliegenden Gebäude wurden durch den gewaltigen Lustdruck größtenteils abgedeckt.
Die Maschinen sind teilweise erheblich beschädigt. Der Schaden beläuft sich schätzungsweise auf 100 000 bis 200 000 Mark. Durch die Explosion gingen in den benachbarten Dörfern bis nach dem über eine Meile entfernten Kohwig zahlreiche Fensterscheiben i n Trümmer. Aus allen umliegenden Orten sind Sanitäts ko- können nach der Unglücksstelle unterwegs.
Gegen Abend läßt sich feststellen, daß in Reinsdorf mindestens acht Tote und fünfzehn Schwerverletzte, ferner eine große Anzahl Leicht- derlehter zu beklagen sind.
Die ganze Umgebung ist nach wie vor streng abgesperrt, da Gefahr besteht, daß weitere Explosionen folgen. Hierdurch sind auch die Rettungsarbeiten und die Feststellung über die Ursache des Branles sehr stark verzögert und behindert tooroen.
Letzte Meldungen, die jedoch untereinander noch immer differieren, sprechen von 10 Toten und 30 Verletzten, doch scheint zum mindesten die Zahl der Toten festzustehen, da sie von der Werksleitung angegeben wird. Die Produktion der nicht von der Explosion heimgesuchten Werksanlagen ist nicht gestört worden. Der Betrieb wird ohne Störung aus rechterhalten.
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Die Fabrik Rheinsdorf gehört zu dem Konzern der Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoff A. G.. die unter anderem Fabriken in Kohwig in Anhalt, Haltern und Sinsen bei Recklinghausen besitzt. Die Gesellschaft stellt besonders Sprengstoffe und Pulver für Bergwerke, für sonstige industrielle, forst- und landwirtschaftliche Zwecke, für Heer und Marine her. Weiter fabrizieren die Werke Sprengkapseln, von chemischen Produkten Schwefelsäure, Blausäure, Salpetersäure, Sulfat, Bi-Sulsat, Glyzerin und Zelluloid. Das Werk P i e st r i h der chemischen Fabrik in Reinsdorf im Konzern der Westfälisch- Anhaltischen Sprengstoff A. G. ist ein ganz modernes Werk, das erst während des Krieges entstanden ist.
wurde bisher noch nicht in Mitleidenschaft gezogen. Es besteht vorläufig noch keine Gefahr, daß der Streik aus andere Abtellungen übergreift. Die ersten Frühzüge sind vom Hauptbahnhof ohne Verspätung abgelassen worden..
Der Garantiepakt.
Paris, 5. März. (£. il.) Die Morgenblätter melden, daß H e r r i o t und Chamberlain sich am kommenden Samstag bei ihrer Pariser Zusammenkunft u. a. über das Saran» tievertrags-Projekt besprechen werden. Die französische Regierung habe sich zu einer definitiven Stellungnahme zu den deutschen Sicherungsvorschlägen noch immer nicht entschließen können, obwohl nunmehr ersichtlich geworden sei, daß das englische Kabinett mit überwiegender Mehrheit ihm g ü n - st i g gegen üb erstehe. Die Morgenblätter sind immerhin in der Lage, die Bedingungen zu nennen, unter denen Oia französische Regierung den deutschen Vorschlägen zustttnmen würde:
1. Abschluß eines militärischen anglo- franko - belgischen Vertrages außerhalb des Rahmens des geplanten Ga- rantiepaktes;
2. Eintritt Deutschlands in den Völkerbund unt'.r böllger Acbernahme der sich daraus ergebenden Verpflichtungen;
3. weitgehende Abänderung der deutschen Vorschläge hinsiHtlrch des SchiebLgerichtsver!rag;s mit Polen und der Tschechoslowakei.
Die Blätter weifen weiter darauf hin, daß die Staaten der kleinen Entente gelegentlich der Besprechungen über das Genfer Protokoll mit Rachdruck betonen, daß ihr territorialer Besitz kraft der Verträge von Versailles und St.Germain auf keinen Fall Gegenstand eines Schiedsspruches bilden dürfte.
In britischen Kreisen bestehen drei Gruppen, die verschiedene Ansichten in der Frage der Sicherhett vertreten.
Die erste Gruppe begünstigt einen direkten Pakt mit Frankreich und Belgien, die zweite begünstigt eine Politik der Isolierung ohne jene bindende Verpflichtung In Europa; die dritte begünstigt ein gegenseitiges Abkommen zwischen Großbritannien, Frankreich, Belgien, Italien und Deutschland. Man nimmt allgemein an, daß die Ansichten der ersten Gruppe die des englischen Außenministers sind. Das diesen Ansichten zugrunde liegende Prinzip besteht darin, daß England an Frankreich und Belgien eine Garantie schuldet. Diese Verpflichtung, so sagt man, begründet sich darauf, daß der englisch-amerikanische Pakt, der Frankreich im Jahre 1919 versprochen worden wäre, nicht zustande kam.
Die Ansicht der Isolations gruppe, die nur von einer kleinen Minorität Der Minister gestützt werde, sei bereits durch den (Hamen umschrieben. Die Verpflichtung der Alliierten, England eine Garantie zu geben, würde in diesen Kreisen geleugnet. In erster Linie seien die Dominions zu berücksichtigen. In den Kreisen der Dominions sei man gegen jede Bindung auf dem Kontinent. Außerdem sind die Anhänger dieser Gruppe der Ansicht, daß die erste Grupve nur die Sicherheit des Mutterlandes berücksichtige und nicht diejenige der Dominions, und daß die Gefahr der letzteren im Pazifischen Ozean größer und unmittelbarer fei als die deutsche Gefahr gegenüber England.
Die dritte Gruppe wird von der Majorität des Kabinetts einschließlich seiner führenden Figuren (Balfour) gestützt. Man hält die Möglichkett nicht für ausgeschlofsen, beide Sicherungsvorschläge, namentlich denjenigen deS Mutterlandes und die der Dominions, miteinander in Einklang zu bringen. Man begünstige ein Abkommen mit Frankreich und Belgien, zu welchem noch Italien kommen soll. Aber man bestehe außerdem dar
auf. daß Deutschland nicht außerhalb dieser Kombination gelangen werden soll. Es fei bezeichnend, daß nicht eine dieser Gruppen an eine Garantie Der Grenze Polens und der der Tschechoslowakei dächte. Die erste wolle die Grenzen 'Frankreichs und Belgiens garantieren und verlange eine entmilitarisierte Zone am Rhein. Die Dritte Gruppe möchte vielleicht Die deutschitalienische Grenze einschlichen.
Die Räumunysnote
P a r i s, 5. Febr. (TA.) Marschall § v ch Hai gestern die Mitglieder des interalliierten MUü tärausschusses von den Instruktionen der Bot- scha,terkLNserenz in Kenntnis gesetzt. Mit der Abfassung des Gutachtens wurde gestern begonnen. Die Blätter nehmen an, daß Marschall Foch vorgestern in Wirklichkeit den Auftrag erhalten hatte, eine Rote abzufaffen, die die Botfchasterkonserenz an Deutschland richten wird.
Deutschland und das Sicher- heitsproblem.
Berlin, 4. März. (WB) Heber den augenblicklichen Stand der Sicherhettsfra^e wird von unterrichteter Seite folgendes mitgeteilt: Es entspricht nur dem Stande der außenpolitischen Entwicklung, wenn in den letzten Monaten bei diplomatischen Konversationen unserer Missionschefs in Den alliierten Hauptstädten neben anderen akuten Fragen auch das Sicherheitsproblem eine große Rolle spielte. Die Reichs- regierung beteiligte sich in der Tat an den seit längerer Zett im Gange befindlichen internationalen Erörterungen aktiv. Die Reichs regierung bat von sich aus allen beteiligten alliierten Ro- gterungen grundsätzlich ihre Ans icht mitgeteilt und dabei auf Die mannigfachen Möglichkeiten hingewiesen, die nach deutscher Auffassung für Die Lösung des SicherhettsProblems bestehen würden. Zu einer Diskussion über bestimmte Objette des Sicherheitspattes ist es, wenigstens soweit Deutschland beteiligt ist, noch keineswegs gekommen.
Eine Absage Löbes.
Breslau, 4. März. Die „Breslauet Volts wacht" veröffentlicht ein Schreiben des Reichstagspräsidenten Löbe, das eine Antwor' auf viele ihm zugegangene Anregungen und Wunsche, für Den Rcichspräsidenten- Posten zu kandidieren, oarstellt Löbe lehnt kategorisch jede Kandidatur ab und erklärt, das hohe Amt erfordere neben der republikanische Gesinnung auch persönlicheEignung. Ihn fehlten die dazu unentbehrlichen Eigenschaften. Zu dem Dries schreibt der „Vorwärts": Dir P ar t e i nujJ) entscheiden, wie sie bet der Reichs- Präsidentenwahl vorgehen will und dann 'dürfen ihre Absichten nicht durch die Weigerung eines Einzelnen, die diesem zugedachte Aufgabe zu übernehmen, durchkreuzt werden. Gegebenenfalls muß es also heißen: Die Bescheidenheit in allen Ehren, aber über die Bescheidenheit die Disziplin!
Waffenfunde bei Kommunisten.
Aachen, 4. März. (TA.) Durch ein polizeiliches Aufgebot wurde in dem Hause Mathias- Hof-Strahe 23 eine eingehende Durchsuchung vorgenommen. Bei einem Funktionär der kommunistischen 'Partei wurden Pistolen und Handgranaten, Material zur Anfertigung von Handgranaten und allerlei Propagandamaterial "gefunden. Mehrere Personen sind f e st- genommen und dem Richter vorgcfuhrt worden. Sie werden sich voraussichtlich vor dem Staatsgerichtshof wegen Hochverrats und wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schuhe ö er Republik zu verantworten haben. Sie haben auch gegen die Verordnung der Rheiniandtommission verstoßen.
Millerand gegen Herriot.
Der ehemalige Präsident der französischen Republik, Herr Millerand, einer der ärgsten Feinde Herriots und der Linken, hat wieder einmal Gelegenhett genommen, mit der Politik des Ministerpräsidenten, abzurechnen. Zu diesem Zweck hat er sich eigens nach Marseille, der Hochburg des Qinkskartells, begeben, sich aber um die ihm zuteil gewordene Ausnahme nicht Wetter gekümmert und trotz der gegen ihn gerichteten Demonstrationen seine Anklagerede vvm Stapel gelassen. Viel Reues wußte er eigentlich nicht zu sagen, er kam mit den alten Klagen über die von Herriot betriebene Rußland- Politik, über Herriots Maßnahmen gegenüber dem Vatikan, die Zustimmung zur Herabsetzung der Militärdienst Pflicht und die gegenwärtige Finanzpolitik. Auch die Wirtschaftspolitik und das Verhalten Herriots Deutschland gegenüber fand die absolute Ablehnung Millerands. Millerands Vorstoß scheint aber ein Schlag ins Wasser gewesen zv sein, seine Zeit ist jedenfalls noch nicht gekommen, das hat sich am besten aus Anlaß bei Abstimmung über das Finanzg eseh gezeigt, das am Sonntag morgen nach einer Rachtsihung mit großer Mehrheit angenommen wurde. Herriot hat diese Gelegenhett natürlich nicht vorübergchen lassen, um Die Oppositionsparteien auf die Festigkeit des Links- kartells aufmerksam zu machen. Vorläufig sink also Millerands Aussichten und auch die feinet Parteifreunde, Herriot möglichst bald stürzen zr können, wieder stark zurückgegangen.
Toolidges Programm.
Die Amtseinführung
des amer konischen Präsidenten.
Washington, 4. März. (WTD.) Heute fand hier oie feierliche Amtseinführung des Präsidenten C o o l i d g e und deS Vizepräsidenten Dawes statt. Am 11 Ahr vormittags begab sich der Präsident in Begleitung einer Abordnung des Kongresses und einer Abteilung Kavallerie, vom Weißen Hause nach dem Kapitol. Inzwischen fanden sich tm Sitzung-- saale des Senats das diplomatische Korps, die Mitglieder d is Obersten Gerichtshofes, die Senatoren, die Mitglieder des Repräsentantenhauses, die Offiziere der Armee und Marine und zahlreiche Gäste ein, die zunächst der Vereidigung des Vizepräsidenten Dawes durch den Vorsitzenden des Senats Cunnins beiwohnten und sich sodann nach dem Ostportale des Kapitol- begaben. wo in Gegenwart einer ungeheuren Menschenmenge Die einfache, aber eindrucksvolle
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