Ausgabe 
5.3.1925
 
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ar. 54 Erstes Statt

175. Jahrgang

Donnerstag, 5. März 1925

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Vrvck und Verlag: vrLHI'fche Univerkitälr-Vuch- und Steindruäerei K Lange in Gietzen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchufttrahe 7.

Des Reichspräsidenten letzte Fahrt

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Plocßftraße 7

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stark in ihren Dann gezogen hatte, folgt Grabgesang von Karl Maria von Weber, die sphärengleiche Stimme des Domchores, lichten Höhen empor, dringen die Töne

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chrerfül- sowohl aus entstammen auch unter das Leben wir ihn in

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mglijcfjen Stoffen

Rheinlandzone über ist. Die innere war erfüllt von Wechselfällen.

das deutsche Dolk gesunken Politik seiner Amtszeit Erschütterungen und

Lor nach der Duda- Potsdamer Bahnhof Aufenthalt an der des Reichspräsiden- Fahri weiter. Die

von dem Wanderer herbe 'P f l i lung. Wie falsch haben sich manche, der breiten Masse des Dolles, der zu er sich stets mit Stolz rühmte, wie den Trägern alter Heberlieferung, dieses Mannes vvrgestellt. Dir. dir

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohnejedeVcrbmdlichkeit. preis für 1 mm bähe für Anzeigen von 2/ mm Lreilcurtlichb, auswärts 10 Goidpfennig; für Re­klame-Anzeigen oTOmra Breite 35 Uioldpfennig, Platzoorschrist 20 Auf­schlag. - Derantwortlich für Politik u. Feuilleton: vnFriedr. Wilh. Lange, für den übrigen Teil' Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gietzen.

Reichspräsident, in Ihrem Kummer trösten. Reichspräsident Friedr ch (Sbert, an dessen Bahre für das Deutsche Reich und das deutsche Dolk irfj sprechen darf, hat einen Lebensweg durch­schritten, der ihn zur Höhe geführt hat. aber der Weg war st eil und mühsam und forderte

Platz am Brandenburger pcster Straße und dem einzubiegcn. Ein kurzer Rückseite des Polais ten, dann geht die

Fahnen oller Abteilungen senken sich, wenn der Leichenwagen an ihnen Vorüberfähri Um 1 ,,6 Hhr trifft der Trauerzug auf dem Potsdamer Platz ein, der schon seit den Mit­tagsstunden in seinen Zugangsstrahen von Tau­senden umsäumt wird. Sine dichte Postenkette hält die Zugänge versperrt. Der Platz selbst bleibt frei vom Publikum. Am Bahnhofsgebäude sind die Reichsdienstflaggen auf H ilbmast gehißt. Die Vorderseite des Bahnhofsgebäudes ist zwi­schen den Pfeilern mit Tannengrün und schwar­zen Kiefern verkleidet. In jedem Feld zwischen den Säulen davor ein blühender Strauß roter Geranien. Zwischen den mittleren Säulen ist ein schwarzer Altar errichtet, an den Seitengängen Opferschalen. Dor dem -Altar ist ein riesiger Lorbeerkranz mit schwarz-rot-gol^ öener Schleife befestigt. Der Potsdamer Plan selbst ist mit Oleanderbäumen abgegrenzt. Dir Musik der Infanterie-Kapelle vor d.m Zug bricht ab. Die Kapelle der Schupo setzt mit dem Trauermarsch .Siegfrieds Tod aus der Götter­dämmerung' ein. Unter lautloser Stille wird der Sarg von dem Leichenwagen gehoben und auf den Altar gesetzt. Frau Ebert und die nächsten Verwandten des Verstorbenen nehmen aut der Treppe rechts vor dem Sarg Aufstel­lung. Ihnen folgen der Kanzler, die Minister und die übrigen offiziellen Trauergäste. Dia Standarte des Reichspräsidenten aus dem Sarg wird aufgerichtet. Unter den Klängen des Trauermarsches zieht der unabsehbar. Trauer­zug an dem Sarg vorüber unfo die Fahnen neigen sich vor dem toten Reichspräsidenten.

Die Abfahrt.

Kurz nach 6 Uhr flackern auS dem Dunkel der Bahnhofsvorhalle Magnefienfackeln auf. Der Sarg wird hochgehoben und während die Menge aut dem Potsdamer Platz in andächtigem Schwei- gen verharrt, auf Öen Bahnsteig gefahren. Dir

Präsident Lobe. Daran schlossen drei Trauerwagen mit den Damen der Angehörigen.

Dor dem Reichstage

Das Trauergefolge ist schier endlos,

llants tadeöfen

hefl durch a'le

WDe .. nt c Remsche».

Dolksm assen zu lindern getrachtet und hat immer wieder in kluger, ausgleichender Tätig- leit seine ganze Kraft für den sozialen Frieden eingesetzt, ohne den ein Wiederauf­bau unseres Vaterlairdes und eine Ucßertoinöung aller wirtschaftlichen und wzialen Rot u n ich ist. hat in seiner Arbeit als Reichsprässtde.t fortgesetzt, was er im Dezemvcr 1916 uu, ent­scheidende Tat seines Lebens bezeichnete: A d - kehr von der Gewalt und durch Aus­schreibung der Wahlen zur Rationulversammlung dieSchasfungderneuenRechtsgrund- läge für das Zusammenleben des deutschen Volkes. So trauern wir an diesem Sarge, in dem ein viel zu früh Dahingegangener ruht, um einen wirklichen Führer unseres Volkes und Staates in schwerster Zeit. Solch schlichte Feststellung als letzten Gruß und Dani für Friedrich Ebert, unseren Reichspräsidenten, entipricht dem Wesen des Mannes, der stets nur a u f die Sache sah. Sein ganzes Tun und Wollen hat er ohne Ermüdung in Öen Dienst des Vaterlandes ge­stellt. Wir wollen Abschied nehmen von dem Toten, mit einem Wort, das ein Gelübde des deutschen Volkes an der Bahre des deutschen Reichspräsidenten sei, alles Gute einzusetzen für Deutschlands Zukunft. Es sei das Wort, das Iakob sprach, als er rang mii dem Engel des Herrn.Ich lasse Dich nicht. Du segnest mich denn!"

Der Rede des Kanzlers, die die Anwesenden

1978D 7M mit 1000-m- nroanbfrete para- 1 Zu höchsten lages- e Marke Walther les.

rolt geistlos vnW gebot! - e, Achen } Telephon 1658

Trauermusik. Unter derselben lautlosen Stille, die während der Feier im Hause herrschte, wird der Sarg hera^etragen.

Die Trauerparade.

Inzwischen sind die Opferschalen auf Öen vier großen, schwarz umhüllten Obelisken, an der»iie der beiden Eingänge zum Vorgarten des Präsidentenpalais entzündet worden. Schwer legt sich der Rauch über die Straßenzüge. Heber uns kreisen zwei Flugzeuge mit Trauerwimpeln. Um 3/44 Uhr sitzt die Kavallerie auf. Eine Ab­teilung berittener Schupo nähert sich. Im Vor­garten des Palais sind die Kränze aufbewahrt. Der Le chenw^g n, v:n sechs schwarzvcrhängten Pferden gezogen steht im Vorgarten, dahinter drei Trauerwagen, dann folgen drei Kranzwagen. Generalmajor Siehr, der Kommandant von Berlin, hält mit gezogenem Degen dem Portal grgenüber. Um 4 Uhr Kommando' Pa­radeaufstellung. das Gewehr über, Ach­tung, Augen rechts. Dann seht die Musik mit einem Trauermarsch ein. Das Bild ist düster und feierlich Die Sonne kann die dichten Rauch­schwaden nicht durchdringen Der Sarg, bedeckt mit der Flagge des Reichspräsidenten, gold-rot umrandet unh mit dem großen schwarzen Adler, wird herausgetragen. Sowie der Sarg auf dem Wagen ruht, bricht die Musik ab. Die Truppen schwenken in Gruppenkolonne ein. Generalmajor Siehr nimmt am Portal vor dem Sarg Auf­stellung. Der Zug seht sich in Bewegung Von feiner Spitze ertönen die Klänge des Chopinschen Trauermarfches. Im Paradeschritt marschieren die Truppen an ihrem verstorbenen Oberbefehls­haber vorüber. Eine Schwadron Kavallerie, dann 400 Mann Infanterie. 100 Mann Marinetrup­pen, eine Maschinengewehrobteilung, eine Bat­terie Feldartillerie. Zwanzig Minuten dauert der Vorbeimarsch. Dann folgt gleich der Sarg. Hinter ihm der Zug der Trauernden. An ihrer Spitze Reichskanzler Luther und Reich st ags°

feiner Arbeit im Dienste des Dolles und als Mensch gefarmt haben, wissen, daß er ohne Rücksicht auf seine Person mit aller Kraft das Gute für alle erstrebt hat. Ich möchte an die Spitze dieser Betrachtung das Dichterwort stellen: Wer immer strebend sich be­müht. den können wir erlösen. Friedrich Ebert war ein gerechter deutscher Ma nn."

Reichskanzler Luther gibt dann ein Bild der Tätigkeit Eberts vom Beginn des Krieges bis zu seiner Wahl zum Reichspräsidenten und fährt fort:In seiner Amtsführung als Reichs­präsident war ihm Deutschlands Wohl der Leit­stern. Der Marsch zu diesem Ziel führte lange Zeit durch dunkle Rächt und dichten Rebel. Die Hindernisse, die es zu überwinden und zu um­gehen gab. waren ungezählt. Die Außenpo­litik führte von Enttäuschungen zu Bit­te r n i s se n und von Bitternissen zu neuen Ent­täuschungen. Ein erstes Aufhellen der Rebel noch zu sehen, ist Friedrich Ebert vergönnt ge­wesen, durch den Abschluß des Londoner Ab­kommens und den Geist wirklichen Friedens, der in London lebendig war. Schwer gelitten hat der Tote unter der neuen Verdichtung des Re- bels, der durch die Richträumung der ersten

ganze offizielle Deuckchland, die Spitzen des poli­tischen wie überhaupt des öffentlichen Lebens, von Kunst und Wissenschaft und dazu zahlreiche Vertreter des Auslandes. Reben dem Leichen­wagen gehen die Beamten des Bureaus des ReichsPräsidenten. Der Weg von der Wilhelm- straße über die Linden und den Pariser Platz ist dicht von Menschen und einem Polizeikordon um­säumt. In dem für das Publikum freigegebenen östlichen Teil der Linden haben sich zahlreiche Vereine ausgestellt, die sich dem Trauerzuge an­schließen. Auf dem Pariser Platz, der von großen, schwarzurnlleideten Obelisken umsäumt ist, viele Vereine mit Fahnen. Eine ungeheuere Menschen­menge hat sich vor dem Brandenburger Tor auf der Charlottenburger Chaussee angefammelt. Der Platz vor dem Brandenburger Tor ist mit schwar­zen Fahnen eingerahmt. Eine unabsehbare Men­schenmenge auch auf dem Königsploch. Der ge­samte Raum vor der Siegessäule und der Kroll- oper bis zum Reichstag ist mit Ausnahme des abgesperrten Teiles am Bismarckdenkmal schwarz von Menschen. Um 4,35 Uhr erreicht der Trauer- kondukt das Brandenburger Tor. Die Truppen nehmen Front zum Reichstagsgebäude und stellen sich zur Parade auf. Die Südflanke an der Simsonstraße hat die Kavallerie eingenom­men, die Mitte die Infanterie und Marine. Auf der linken Flanke gegen das Reichstagsufer nimmt die Artillerie Aufstellung.

In dickem Augenblick tritt Reichspräsi­dent Lobe mit den Mitgliedern des Reichs-

.tagSpräfidiums und dem Direktorium des Reichs» tag cd aus dem Mittelporlal auf die g? Frei treppe. Hinter ihm eine große Anzahl von Arichsragsab geordneten mit ihren Damen und Derrreter der Presse. Unter den Ali geordneten sieht man Angehörige aller Fraktio nen mit Ausnahme der Kommunisten und der RationcUsozialisten. Während der Leichenwagen die Rampe hinauf gefahren ist. spielt die QHuf ij- kapelle. Dann betritt Reichstagspräsident Lobe das Rednerpult, das schwarz umflort mit einem Streifen in den Farben der Republik auf der Rampe aufgestellt ist und nimmt das Wort zu folgendem Rachruf:

..Deutsche Dollsv erireter! Aus seiner letzten Fahrt grüßen wir das Oberhaupt des Reiches, Öen ersten Präsidenten der deutschen Republik, der aus dev einfachsten Schichten des Volkes cmporstieg. Wie der einzelne auch stehen mag zu den gewaltigen Erschütterungen der letzten zehn Iahre, es ist kaum einer, der nicht weiß, welch große Aufgabe das Geschick in die Hände dieses Mannes legte. Kaum einer, der nicht die Würde und die Kraft bewunderte, mit der er sein Amt erfüllte. In ärmlichem Hause stand seine Wiege. Heute nennt mit Hochachtung und Respekt seinen Qlainen eine ganze Welt.

Von diesem Hause des deutschen Volles nahm er einen Weg, der mit dem Schicksal un seres Voltes tief verbunden war. Wer an seiner nationalen Gesinnung nicht zweifelte in jenen ersten Augusttagen 1914, joo er vom ersten Tage an seine ganze Kraft für die Ver­teidigung des Landes einsehte, öer kann nicht daran zweifeln bei Öen Schritten, die später zu gehen, sein Pflichtgefühl ihm gebot. Das mv erschütterliche Vertrauen der eigenen Anhänger­schaft, der Arbeiter und Soldaten, rief ihn auf den ersten Platz eines werdenden Staates. Ei' hat dieses Vertrauen nie enttäuscht und doch be­gann mit diesen Tagen die unendliche Tragik seines Schicksales." Präsident Lobe schloß:Roch liegt Rächt über unserem Volke und nur von fern tagte die Morgensonnne. Es war Dir nicht vergönnt, in den vollen Tag zu treten. Wenn die schwersten Sorgen für unser Doll behoben wenn über Deutschland und Europa einst dir Fahne deS wahren Friedens weht und gerecht verteilter Wohlstand herrscht, wird sich an Dei­nem Hügel die deutsche Ration neigen. An der Stelle, an der Du im Angesicht von Zehn tausenden einen Kranz für die Gefallenen nieder­legtest. der auch die eigenen Söhne ehrte bringe ich Dir den letzten Gruß des deutschen Dolkes."

Der Weg

zum Potsdamer Bahnhof.

Rach feiner Rede gibt Präsident Lobe dem Leichenwagen einen großen Lorbeerkranz mit schwarz-rot-goldner Schleife mit auf den Weg. Langsam seht sich der Trauerzug wieder in Bewegung Voraus, wie vorher, der militärische Trauerkondukt, ihm folgen der Leichenwagen, die nächsten Angehörigen, die Reichs- und Landes­regierungen, daran schließen sich die vorher an der Rampe versammelten Reichstags- und Landtags- abgeoröneten an und dann folgt wieder das weitere unabsehbare Trauergeleit. Der Zug geht nach der Siegessäule zu und schwenkt dann in die Friedens-Allee ein, um erneut über den

Sein Herzenswunsch war, wie ich bezeugen kann, über alle Parteischwankungen und politische Zerklüftungen hinweg, Kraft und Einigkeit im deutschen Volke wachzurufen.

Don inniger Liebe zu seiner engeren Heimat Baden, in der er die letzte Ruhe sinden will, und voll Einsicht in den Werdegang unseres Staates, hatte er den Wunsch, das Einende im Mutterland. das alle Deutschen umfassen soll, wachzurufen. Er hat alles getan, um diesen Aus­druck tatsächlich hervorzurufen. Gewiß hat Frie­drich Ebert auch, nachdem er Reichspräsident geworden war, seinen parteipolitischen Ausgangspunkt als Sozialdemokrat nie­mals verleugnet. Aus dieser Tatsache kann im Rahmen unserer Reichsverfassung ein grundsätz­licher Einwand gegen seine Eignung als Reichs­präsident nicht hergeleitet weiden Auf das Wohl des Ganzen war sein Wollen ab- gestellt. Für sicher halte ich, daß er die Dinge des Lebens niemals anöer8 gesehen und gewertet hat, als ein Staatsmann anderen Hrsprungs es getan hat. Friedrich Eberts entscheidende Taten werden nie als Zeugen gegen feine -Heber» Parteilichkeit ausgelegt werden können. Seine großen Richtlinien als Lenker des Staatslebens führten darauf, im ganzen deutschen Doll das Gefühl der D e r b u n de n h e i t mit dem Staat wachzurufen. Er. der aus eigenem Er­leben die deutsche Arbeiterschaft genau kannte und innig verstand, trachtete mit besonderer Sorge danach, niemals wieder entscheidende Massen der deutschen Arbeiterschaft in das Ge­fühl der Staatsfremdheit zurücksinken zu lassen. Oft hat er diesen Gedanken vor mir ausge­sprochen Ein solches Hineinwachsen des StaatsgedankenS in die gesamte Ar­beiterschaft erwartete er aus tiefster Heber» zeugung von der parlamentarischen Republik, der er mit Inbrunst anhing. Ich handele im Geiste des Toten, wenn ich auch von dieser Stätte aus. wo wir an der Schwelle der ewigen Dinge stehen, an einen jeden um unferer deutschen Zukunft willen die dringende Mahnung richte:

Seid ein Doll, ein Vaterland.

Für eine geschichlliche Betrachtung vom Stand­punkt des heutigen Tages aus, muh Ausgangs­punkt meines Dafürhaltens die Tatsache fein, daß in der Weltgeschichte sellen oder in wirllich vergleichbarer Weise, wohl nie ein Doll so furcht­bare. gleichzeitig äußere und innere Röte hat sehen müssen, wie das deutsche Dolk zu der Zeit, als Friedrich Ebert oberster Lenker seiner Ge­schicke war. Wer gerecht ist, muh den Erfolg an der Schwere der Aufgabe messen.

Ein Rückblick aus die tatsächliche Entwicklung während der Amtszeit des toten Reichspräsi­denten zeigt folgendes: So unklar und bedeckt unsere außenpolitische Lage ist. so sehr aus diesen und anderen Gründen unsere wirtschaft- liche Erholung im argen liegt, aus so viel unge­teilten Wunden unser politischer Dollskörper noch blutet, so macht das Schiff unseres Staats­wesens doch heute wieder Fahrt und hat einen f e ft e n Kurs, während es vor sechs Iahren lea und steuer los und mit meuternder Mann­schaft auf den Wogen des Weltgeschehens um- Vertrieb. Der Geschichtsforschung mag ruhig über­lassen bleiben, seinen versönllchen Anteil, an dem ,was geworden ist. im einzelnen zu erörtern. Mit besonderer Wärme und Hingebung hat Friedrich Ebert die Röte der großen

Erscheint täglich, auher Sonn» und Feiertags.

Beilagen:

EiebenerFamilienblätter Heimat im Bild.

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polifchetnonto: jrantfurt a. M. 11686.

Berlin am Ueberführungstage.

Berlin, 4. März. (TH.) Am Tage der Be­erdigung des Reichspräsidenten leuchtet hellster Sonnenschein über der Reichshauptstadt. Immer noch wehen die Fahnen auf Halbmast. Die Cafes und Hotels haben preußische Zahnen gehißt. Die ganze Gegend, die Wilhelmstrahe vom Palais Leopold, die Linden, das Brandenburger Tor bis herüber zum Potsdamer Platz ist schon in Öen Ollorgenstunden gesperrt. Ieder Verkehr ist er- drosselt. In öer Rächt hatten noch rührige Hände an den Straßenecken riesenhafte, schwarzbezogene Obelisken errichtet, die mit Grün umwunden find. Die Loternenpsähle sind grün umrankt. Die Lam­pen tragen Trauerflore. Kurz vor dem Pots­damer Bahnhof ist noch eine Unmenge von Fahnen angebracht wdrden. Ein Teil öer Ge­schäfte hat öic Schaufenster schwarz verhängt. Sine riesige Menschenmenge staut sich schon jetzt um öle Absperrungen, öie außerordentlich streng durchgeführt werben. Um öie Wittagsstunöe strö­men Die Angestellten aus Öen Bureaus unö be­geben sich zu Öen Tausenöen. öle schon in Öen Vormittagsstunden öie Straßenzüge umlagern.

Die Trauerfeier der Reichsregierung im ReichSpräsidentenhauS, aus dem Friedrich Ebert, welcher öer erste Präsident der deutschen Repu­blik war, heute öic letzte Fahrt antritt, haben Künstlerhände in einem schlichten, aber stim­mungsvollen Trauerschmuck gekleidet. Die Be­scheidenheit und Enge der in dem früheren Haus- minlfterlum zur Verfügung stehenden Räume hätte jedem Pomp gewehrt, wenn es nicht schon Pietät gegen Den Verewigten und seine ganze allem Prunk abholde Persönlichkeit getan hätte. Getreu dem Geiste dieser Persönlichkeit und in Uebereinstlmmung mit Öen Wünschen Der trau­ernden Familie hat öie Reichsregierung öie Xcauerfeier von vornherein auf jene bürgerliche Schlichtheit und Einfachheit angelegt, die dem geistigen und seelischen Inhalt öer Feier ihr volles Recht lassen. Immerhin ist eS Dem Reichs- sunstwari gelungen, öer Feier im Trauerhause leibst einen würdigen Rahmen von vollendeter Schönheit zu geben. Lorbeer, Zypressen unö weihe Dlumen mildern die Wirkung öer schwarz aus- geschlagenen WänÖe, unö das geöämpste Licht dec florumlleiDeten Kronleuchter übergießt Das Ganze mit uniröischer Feierlichkeit.

Der Mittellaal ist durch einen Vorbau gegen den Balkon erweitert, und in der so gebildeten Rische hat Der Sarg, der Die sterblichen Heber- rette Friedrich Eberts birgt, die beherrschende Aufstellung gefunden. Der Sarg selbst ist lediglich von der Reichspräsidentenflagge bedeckt. Zu seinen Füßen liegen zwei Kränze der trauernden Gattin unö Kinder. Die übrigen Kränze, nach vielen Hunderten zählend. Durchbrechen in ihrer zum Teil märchenhaften Gröhe und Pracht und mit der bunten Leuchtkraft der Farben sämtlicher Flaggen des Erdballs bis zu einem gewissen ©raöe die sinnvolle Schlichtheit des sonstigen Trauerschmuckes, legen aber zugleich ein beredtes Zeugnis ab für das hohe Ansehen, das sich öer erste Reichsvräsident in der ganzen Welt zu erwerben gewußt hat.

Am Fuhende des von Kerzen flankierten SargeS halten mit gezogenem Degen zwei Offi­ziere des Reichswehrministeriums die Ehren­wache. Zur Linken d?s toten Reichspräsidenten sicht sein Kabinettschef Meißner, rechts vom Sarg sitzen Frau Ebert, ihre Tochter, ihre beiden Söhne, der Schwiegersohn und die Schwieger- üchler. ihr Bruder unö ihre Schwägerin. Mit der Front zum Katafall sitzen in der rechten Saal- Hälfte das diplomatische Korps mit den Damen und in der linken Saalhälfte ÖerReichS- konzler. die Reichstagspräfidenten, die Reichsminister und die Staats- und Ministerpräsidenten und die übrigen offiziellen Vertreter mit ihren Damen. Im Hinter- (jrunö des Saales und in den anschließenden Säumen ist die übrige Trauergemeinde ver­sammelt.

Wie schwerer Flügelschlag rauschen die Klänge der Trauermusik aus der Eroica" durch den Raum. Dann Dirigiert Professor Rüdel öie tzändelsche Totenfeier.

Der Reichskanzler

nimmt unter sichtlicher Bewegung das Wort. .Frau Reichspräsident! Mlttrauernde Männer unö Frauen! Von diesem Sarge, der die Hülle te8 deutschen Reichspräsidenten birgt, wenden sich in der Stunde des Abschiednehmens unsere Qdbanfen und Empfindungen zuerst zu Ihnen, Frau Reichspräsident, und zu Ihren Kindern. Hnland und Ausland trauern mit Ihnen unö -nehmen aufrichtigen Anteil an Ihrem Schmerz. Zur höchsten Stellung im Deutschen Reiche an her Seite des Gatten sind Sie. Frau Reichs­präsident, emporgeschritten. Sie waren Ihrem -Lebenskameraden eine tapfere und Verständnis- tolle Gefährtin und haben ihn in seinem Amt mit fraulichem Feingefühl unterstützt

Alles, was menschlich und im öffenllichen Leben schwer für den Heimgegangenen war, haben Ci? mit ihm getragen. Zwei Söhne haben Sie im Weltkriege dem Vaterland »um Opfer gebracht. Ihr Herz ist miterfüllt von Dem Empfinden, daß Ke tödliche Krankheit des Reichspräsidenten richt ohne inneren Zusammenhang war mit all der seelischen Rot, Die er seit vielen Iahren um Das Schicksal des deutschen Dolles getragen hat. Kein Äenschenwerk kann Sie, liebe, hochverehrte Frau

tige Lrockmomsche Emulsion mit Liweih

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andere Emulsion im- üefen Stoffen gehenden jungen Tiere Daher schnelles Wachs- sie Fresigier! Sich»« 0 djenerUr anfeungen unb b Merfterben mehr:, benaschend! ,6ig« 5N** n i*

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