59 Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
Febr. ang-
Die rote Kaschgar
Roman von Fedor von Zobel tih.
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Aus der Provinz.
Landkreis Gießen.
* Watzenborn-Steinberg, 4. Einen genussreichen Abend bot der Ges
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mir, ich weile nicht mehr unter den Lebenden, ich ibin gesetzlich überhaupt nicht mehr da...“
Die Droschke rumpelte durch die Dia Carlo Alberto. Gert und Alexe fassen nebeneinander, sie immer noch mit ihrer Frühtingsmiene, Hellen Augen, ein reizvoll nervöses Spiel um die Mundwinkel, innerlich fiebernd — er mit einer seltsamen Mischung von Ernst und Humor in den Zugen, mit dem Ausdruck eines melancholischen Pantaleone.
„Wie Tange soll i>ch denn nun noch in meiner Totenstarre verbleiben?" fragte er. „Ich mutz gestehen, es ist mir eigentlich auch genierlich, zu Theda als lebender Leichnam zurückzukehren. Das macht sich nicht gut. Theda ist doch nun Witwe. Ist sie eine vergnügte Witwe? Geniesst sie endlich ihr Leben, das arme kleine Wurm? Warum hat sie nicht wieder geheiratet? Das konnte sie ja.“
Run war der Augenblick gekommen, da Alexe einhaken muhte. Sie nahm alle Tapferkeit zusammen und antwortete kurz:
».Sie hat es auch, Gert."
Er verstand nicht sofort. ..Was?“ fragte er. Dann kam das Begreifen. In völliger Ruhe fuhr er fort: „Verzeihe — habe ich recht gehört? Also nicht mal mehr Witwe? Sie hat in meiner tödlichen Abwesenheit sich neu vermählt? I du Donnerwetter, sind das Überraschungen! Da sitze ich nun im Kalmückentale und friere und langweile mich und kann nicht fort, und inzwischen sterbe ich für die Welt, und meine Frau nimmt die Gelegenheit wahr und schafft sich einen anderen Mann an! Darf ich fragen, wen?“
Alexe fühlte sich so froh gestimmt, dass sie am liebsten lustig aufgelacht hätte. Auf einer Droschkenfahrt liess sich ein Menschenschicksal erledigen. Dass Gert keinen nachhaltigen Herzenskummer über die Trennung von Theda empfinden würde, hatte sie vorausgesetzt. Aber bei der Wandelbarkeit seines Wesens war ein Ausbruch von Heftigkeit, ein innerlich unlogischer, dafür um so lauterer Wettersturm ebenso möglich gewesen wie der philosophische Humor, mit dem er die Sachlage aufnahm. Sie umging vorläufig feine letzte Fraae und antwortete:
(Fortsetzung folgt,-
verein ..Germania" wiederum einer zahlreichen Besucherschaft mit der Aufführung der Operette ,.Die Ratsmädels" von Hermann Marcellus. Trotzdem sie zum drittenmal tm Laufe des Winters zur Aufführung kam. vermochte der Saal die Zuschauer kaum zu faffen. Sämtliche Rollen lagen in besten Händen, Anerkennung gebührt jedem einzelnen für die vortreffliche Darstellung. Der überreiche Beifall mag für Veranstalter und Aufführende der schönste Beweis der Anerkennung und der Dank für die gehabte Mühewaltung fein.
* Lich. 3. Febr. Arn Sonntag trat die hiesige Brüderschaft des Iungdeutschen Ordens zum erstenmal mit einer Kundgebung vor die Oeffentlichkeit. Im Laufe des Tages trafen trotz schlechten Wetters Abordnungen der Bruderschaften mit ihren Bannern und Fahnen aus allen Teilen der Ballai OBerfjeffen ein. Nachmittags um 3 Uhr fand in Steins Saal die öffentliche Versammlung statt, die einen würdigen Verlauf nahm und bei allen Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck hinterliess. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die von sittlichem Ernst getragene Rede des Ordensbruders .Pfarrer Schreiber von Offenbach. In seinem etwa einstündiaen Vortrag über „Jungdeutsches Wollen" verstand es der Redner, Zweck, Bestrebungen und Ziele des Ordens den gespannt lauschenden Zuhörern recht klar zu machen. In tiefschürfender Weise schilderte er, aus welchen Gründen der Orden, der sich ganz auf dem Brudergedanken aufbaut, das parteiische System verwirft und an seine Stelle den Führergrdan- ken setzt. Seine Ausführungen fanden noch eine wirksame Ergänzung in dem Schlußwort des Bruders Komturs Wichert von Büdingen, der die Stellung des Ordens zu Staatsform und Reichsfarben klarlegte. Dass beide Redner aus dem Herren vieler Anwesenden gesprochen hatten, zeigte nicht nur der stürmische Beifall, sondern auch die große Zahl von Reuanmeldungen. Zu wünschen wäre nur, daß auch die Gegner des Ordens bei einer solchen Veranstaltung nicht fehlen würden, um sich von der Grundlosigkeit ihrer Gegnerschaft gegen eine Organisation, die die wahre Volksgemeinschaft will, überzeugen zu lassen, anstatt sich hinterher in ganz unberechtigten Beschuldigungen zu ergehen.
I. Hungen, 4. Febr. Im Auftrag des Landwirt schaftskammerausschusfes für Oberhessen hielt Obstbauinspektor Wiesner im Solmser Hof dahier einen Vortrag über: „Neuzeitliche Massnahmen zur Förderung des Ob st - und ©artenbaue s". Die anschliessende Aussprache war sehr anregend, und man wünschte, dass mit Bezug auf den Obstbau auch praktische Kurse hier eingeführt würden.
(.) Bersrod, 2. Febr. Gestern abend feierte her hiesige Gesangderein „Frischauf“ f ein Stiftungsf e st. Der Verein, der erst auf ein einjähriges Bestehen zurückblickt, hat dabei gezeigt, was man bei redlichem Wollen auch in einer kurzen Zeit erreichen kann. Sowohl in gesanglicher, als auch in theatralischer Hinsicht zeugten die Darbietungen von gutem Geschmack, und sind ein Zeichen dafür, daß der Verein bemüht ist. auch zu seinem Teile an dem Aufbau unseres Vaterlandes mitzuwirken. Der Tanz, der den 2. Teil des Abends ausfüllte, hielt alt und jung noch lange beisammen.
i Göbelnrod, 4. Febr. In der Nähe des W j r b e r g c s wollte dieser Tage der eine unserer Iagdpächter einen Fuchs ausgraben. Her hineingefchickte Hund jagte aber einen Dachs heraus, der von dem glücklichen Jäger, Herrn All mendinger - Grünherg, erlegt wurde.
o Reinh ardshain, 4. Febr. Die durch Amtsniederlegung des Rechners Heinrich Wagner freigewordene Stelle des Gemeindeeinnehmers unserer Gemeinde fand eine Reihe von Bewerbern. Vom Gemeinderat wurde ausgewählt und als Gemeindeeinnehmer vorgeschlagen der Landwirt Heinrich A l l b o h n.
t ©rünberg, 4. Febr. In der jüngsten Gemeinderatssihung wurde dem Eis - verein antragsgemäß Hoh zur Instandsetzung der Schleuse und zur Umzäunung der Eisbahn bewilligt. Ein erneuter Antrag der Bäcker
auf Herabsetzung des Preises für das ihnen Ende 1923 überwiesene minderwertige Holz wurde ab» gelehnt. Heber Anträge auf Zuteilungvon Grabgelände soll erst entschieden toeröen. wenn sestgestellt ist. wieviel Interessenten insgesamt dafür vorhanden finb. Dem Hessischen Landesverband zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten bewilligte man einen jährlichen Beitrag von 20 Mk. In einem Antrag wird ein Darlehen zur Erbauung eines Zweifamilienhauses erbeten. Der Finanzausschuss soll zunächst feststellen, ob noch mehr Wünsche dieser Art vorllegen, und er soll dann eine Zusammenstellung machen, damit die ganze Angelegenheit in einem Zuge erledigt werden kann. Die Vornahme der Bürgermeister-Stichwahl wurde auf Sonntag, 15. Februar, anberaumt. — Die Kir chen- gemeinde-Dertretung hielt gestern unter dem Vorsitz von Pfarrer Schmidt eine Sitzung ab. 11 a. beschäftigte man sich mit einem Antrag auf Verlegung des Konfirma - tionssonntags von Sonntag nach Ostern auf den 2. Ostertag. In der Aussprache ergab sich, daß die kirchlichen Bedenken gegen eine solche Verlegung weit größer sind als die Momente, die dafür sprechen. Eine Abstimmung ergab f a st einstimmig den Wunsch, den jetzigen Konfirmationssonntag — also Sonntag nach Ostern — beizubehalten. Weiter wurde der Haushaltsvoranschlag gutgeheissen. Zur Abhaltung von Heineren kirchlichen Versammlungen (Frauenverfammlung des Gustav-Adolf-Vereins, Abhaltung der Betstunden usw.) steht ein Saal in Aussicht.
Kreis Schotten.
n Laubach. 3. Febr. Heute, als auf St. Blasius, tagte wieder in altgewohnter Weise
Am 30.. also morgen, zwischen zwölf und eins mittags werde der Dampfer am Ponte Federico Guglielmo anlegen. And da stand denn nun Alexe unweit der Dogana und wartete ab, bis im Schiffsgewühl des Hafens der Steamer tmit der deutschen Flagge sich zeigen würde. Dieser Herbsttag war noch gana sommerlich, der Himmel hing voll blauer Heiterkeit, goldige Töne flockten durch die warnte Luft. Alexe trug ein taubengraues Batistkleid urtb hielt das smaragdgrüne Sonnenschirmchen über dem Florentiner ■auf ihrem schönen Haar. Sie halle sehr sorgfältig Toilette gemacht, sie wollte jünger erscheinen, als sie war, sie wollte mit Licht und Farben einen verflogenen Zauber im Herzen Gerts neu wecken. Daheim wartete man auf eine Depesche, 'die nichts zu enthalten brauchte als die drei Worte: „Alles gut erledigt". Und nun schrill, sie am Kai entlang, umwirrt und umschwirrt vom lärmvollen Leben des Hafens, und sann darüber nach, ob dieses Telegramm sich ermöglichen lassen würde. Das hoffte sie, aber sie hatte ja noch weitere Pläne, und da mischte sich in ihr Hoffen doch auch ein leichtes Sorgegefühl. Sie entsann sich der bösen Worte, die er ihr dermaleinst gesagt hatte: .Meine Geliebte konntest du fein, doch nie mein Weib'. Aber sie entsann sich auch, dass er hinzugefügt hatte: »Begnüge dich mit dem Triumph, daß ich nie ein Weib so toll und heiß geliebt habe wie dich, schöne Sünderin...'
Leidenschaft kann in Haß umschlagen — o ja, bas wußte sie Doch Gert verstand sich nicht «auf das Hassen, dazu verloderten seine Gefühle zu rasch, sie stiegen nicht tief genug. Und auch Spott und Hohn lagen ihm mehr auf der Zunge, vls daß sie aus Dem Innersten drangen, sie klangen zumeist in einem ironischen Witzwort auS ober in einer sprachlichen Wendung, die ihm selbst gut gefiel. Er empfand zu anständig, um schlecht fein zu können, wenn er auch nur den herkömmlichen Anstand Heiner Naturen hatte. Er war im Grunde genommen leicht zu nehmen —
„Unb Geisbach ist auch tot. Und vor allem: Wie geht es der Theda?“
„Ausgezeichnet. Sie ist vollständig gesundet.“
„Na, Goll fei Dank. Wenigstens eine erfreuliche Nachricht...“ Das klang ziemlich nebenbei. Er musste seine Koffer öffnen und sprach währenddessen weiter zu Alexe... „Mitgebracht hab' ich euch nix. Aber erzählen kann ich genug.“
„Das ist auch erfreulicher. Wir hielten dich für tot.“
„Beinah war's so weit. Aber idy hab' ja geschrieben — an Hellmut, auch an die Frehe.“
„Wir haben nie eine Nachricht von dir erhalten, seit du Peking verliessest. Dein Teke- gvamm auS Haidarabad war das erste Lebenszeichen — und schlug natürlich wie eine Bombe ein. Denn auch das Gericht hat dich für tot erklärt.“
Gert lachte und wurde sofort fdjr ernst. „Wieso — bas Gericht?“ fragte er und schloss seine Koffer. „Das Gericht?“ wiederholte er.
„Ja natürlich. Lieber Junge, du warst drei Jahre verschollen. Wir haben Himmel und Erde in Bewegung gesetzt, um etwas über dein Schicksal zu erfahren. Der alte Geisbach hat noch kurz vor feinem Tode einen Spezialisten nach Turkestan gesandt, es hat Hunderttausende gekostet. Das Resultat war, du seiest in Pamir mit der Expedition Murray zugrunde gegangen, lind da griff dann das Gericht ein und veröffentlichte deine Todeserklärung. Also nach dem bürgerlichen Gesetz lebst du eigentlich gar nicht — um so mehr freue ich mich, dich quietschlebendig neben mir zu haben!“
Sic sprach das alles in leichtestem Tone, ungezwungen und heiter, und das war sicher das Richtige. Gert war nur masslos verblüfft.
„Das ist ja eine ganz verrückte Geschichte“, sagte er, während der Gepäckträger die Koffer •auf die Droschke lud. „Lexe, zahle bitte, ich habe noch fein italienisches Geld. Und dann steige ein... Also ich bin mausetot. Meins letzten Briefe sind nicht angekommsn. Ich bin aus der bürgerlichen Gemeinschaft gestrichen. Ein reizender Zustand. Hat aber etwas für sich. Wer mir jetzt noch an den Kragen will, dem antworte ich einfach: Entschuldigen Sie. Sie irren sich in
Blasius-Gesellschaft“ im Solmser Hof. Es handelt sich hier um ein Rechtsaltertum, das sich aus dem Mittelalter in die Gegenwart gerettet und volle fünf Jahrhunderte überdauert hat. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, als Laubach sich zur Stadt entwickelte (unter der Herrschaft des Falken st ein er ©rafenhauses), gingen in den Tälern der Wetter und des Seenbachs verschißene Dorfschaften ein durch freiwilligen Wegzug der Bewohner. Daß ein Gr a f z u Solms oder ein Abt von Fulda diese Orte zerstört hat, ist eine blosse Sage und gänzlich^ unbegründet. Ebensowenig sind die Orte im 30jährigen Krieg ausgegangen, sondern über zwei Jahrhunderte früher. Die Grafen zu SolmS waren damals noch gar nicht in unserer Gegend, hatten auch damals noch keinerlei Beziehungen zu diesem Gebiet. Zu jenen ausgegangenen Dörfern gehörte auch Daumkirchen (zur „bäum» nen", d. h. holzerbauten Kirche). Ein Ileberrest dieses Dorfes ist die „Daumkircher Mühle" bei Freienseen, die nach einem früheren Besitzer jetzt allgemeiner „Höresmühle" heißt. In ihrem neuen Wohnort Laubach bildeten nun jene Zuwanderer ein geschlossenes Gemeinwesen, daS durch das fortdauernde gemeinschaftliche Eigentumsrecht an der Allmende der alten Hevnat zusammengehalten wurde. Noch vor einem Jahrzehnt bestand die Gesellschaft aus 36 Besitzern, die aber jetzt auf die Zahl 32 zusammengeschmolzen finb. Jeder von diesen besitzt noch einen Teil der Wiesen im oberen Tal des Seenbachs. Außerdem aber haben sie Anrecht am gemeinschaftlichen alten Weideland, das etwas über 30 Morgen Wiesen umfaßt. Nach einer alten Ordnung, die in ihrer letzten Festsetzung auf das Jahr 1701 zurückgeht, wird dieses Gemeindeland alljährlich auf St.-Dla- sius-Tag (3. Februar) unter den Besitzern verlost. Cs werden 15 sog. „Weibeteile" durch einen besonderen Schultheiß verlost. Heute morgen 9 Uhr holten die 10 jüngsten Mitglieder der ©esellfchast im Hause des alten Schultheißen, des Landwirts Heinrich Röder, die alte Truhe der Gesellschaft mit den Akten ab und schafften sie in den Solmser Hof. Hierbei wurde ihnen vom Schultheiss ein Frühstück geboten. Hierauf fand von 10 Uhr ab unter dem Dorsch des neuen Schultheissen, des Landwirts Heinrich Philipp Lauth die Tagung statt. „GH rensch ult heiß" ist der Veteran Konrad S a l z m a n n, der seit 53 Jahren Mitbesitzer ist. Daran schlossen sich eine gemeinschaftliche Mittagsmahlzeit, Kaffee und Abendessen. Früher wurden diese Mahlzeiten auf dem Rathaus abgehalten. Um 9 Uhr be-
ünd war leichtsinnig. Er folgte dem Augenblick und seiner Stimmung. Alexe verzagte nicht.
Nun sah sie den weißen Koloß des Dampfers mit der schwarzweißroten Flagge und dem Wimpel mit den drei Türmen Hamburgs. Langsam schob er sich zwischen den zahlreichen kleineren Schiffen hindurch, legte aber in einiger Entfernung von der Landungsbrücke an. Die Passagiere wurden in Booten ausgeschifft. Mit häm- (membent Herzen stand Alexe unter einem Schwarm von Wartenden, Gepäckträgern, Hotelportiers, Zollbeamten und müßigen Gaffern an der Drücke, sie hatte scharfe Augen und lieh den Blick unausgesetzt über die nahenden Doots kreisen, und dann hob sie auf einmal ihren keinen Sonnenschirm und schwenkte ihn und winkte zugleich mit der linken Hand. Der da aufrecht zwischen allerhand Gepäckstücken in einem der Boote stand, in zugeknöpftem Waterproof und einer halbschief auf dem Kopse sitzenden Reisemühe — das war e r! Aber er sah sie nicht oder erkannte sie nicht. Nun drängte sich alles über den Landungssteg, und Alexe rief laut: „Gert! Guten Tag, Gert!“ — und er zuckte zusammen, ein Ausdruck .ehrlicher Freude ging über fein sonnenbraunes Gesicht, er eilte ihr entgegen, umarmte sie und küsste ihre Hände.
„Lexe, alte liebe Lexe, alle Wetter, ist das eine Ueberraschung! Was machst du denn hier in Genua?“
„Ich wollte dich abhvlen“, sagte sie lachend.
„Mich abholen? Da hast du Die weite Reise nicht gescheut?“
„Wie du siehst. Außerdem ist es ja jetzt herrlich an der Riviera.“
„Jedenfalls angenehmer als in den Tropen. Die Fahrt durch das Rote Meer war Vorgeschmack bet Hölle. Wo wohnst du?"
„3m Eden. Ich nahm schon Zimmer für dich.“ „ Famos. Komm mit in die Dogana, ich muß meine Koffer untersuchen lassen . . .“ Sie standen an der Zollbank und tauschten Bemerkungen aus, während die Facchini ba5 Gepäck herbcischleppten . . . „Du siehst prachtvoll aus, Lexe. Du bist wie ein Frühlingstag. 2lbeÄ zunächst: Der arme Vater! Starb er sanft?"
»Danz sanft, Schlaganfall,“
wegte sich mit Musik und Lampionsbeleuchtung nach alter Sitte der Zug der Mitglieder nach dem Hause des neuen Schultheißen, wo die Schlußsitzung die Vereinigung in froher Geselligkeit noch einige Stunden jufammenfjielt. Bei der ganzen Tagung wird eine straffe Ordnung nach den alten Satzungen beobachtet. Wer ba» gegen fehlt, wird mit schweren Strafen belegt. Dis in das 18. Jahrhundert hinein wurde noch auf Himmelfahrt an der Stätte der Kirche von Daumkirchen unter den alten Duchen ein Gottesdienst durch den Pfarrer von Gonterskirchen abgehalten.
Schotten, 4. Febr. Die Evangelische Pfarrei veranstaltet in dieser Woche eine Reihe von Evangelisationsabenden in der Stadtkirche. Missionar Walther zu “Beuern, der durch seine volkstümliche und herzliche Vortragsweise geschäht ist, wirb an diesen Abenden sprechen. — Gestern fand unter amtlicher Aufsicht die von dem Ausschuß für Handarbeitshilse veranstaltete Verlosung von fertigen Strickwaren statt. Cs konnten 2000 Lose zu je 50 Pf. abgesetzt werden, so dass dem Ausschuß wieder die nötigen Geldmittel zur Verfügung stehen, bedürftige Frauen des Mittelstands mit Handarbeiten zu beschäftigen.
„ ?" E i ch e l s b o r f, 4. Febr. Die Preise für Brennholz find in langsamem Steigen begriffen. Während in den seitherigen Holz- versteigerunaen der hiesigen Oberförsterer 10, 11 und 12 Mk. pro Rm. Buchenscheiter 1 bezahlt wurden, stieg in der heutigen Versteigerung au Rainrod der Preis auf 13 und 14 Mk. Buchenknüppel kamen auf 9 und 10 Ml. Gemessen an den jetzt gültigen Kohlenpreisen, bedeuten diese Zahlen eine starke U e b e r t e ii e » rung des Brennholzes, ganz abgesehen von den nicht unbeträchtlichen Kosten, die durch Abfahren, Spalten, Schneiden und Zerkleinern entstehen. Die Holzsteigerer sollten doch zur Einsicht kommen, bah die Heizkraft von 10 Zentnern Steinkohlen eine viel grössere ist als die eines Raummeters Buchenscheites, ohne im Preise höher zu sein. — Der hiesige Konsum- uni) Kr editverein, dem Hess. Genossenschastsver- banb in Darmstabt angeschlossen, hat seinem Betriebe einen Sonntagssparverein angegliedert, so dass es den Mitgliedern möglich ist, auch Heinere Beträge nutzbringend anzulegen.
wg. Gedern, 4. Febr. Aus dem Jahresbericht über die kirchlichen Creigniss e des letzten Jahres ist folgendes zu erwähnen: Die kirchlichen Gemeindevereine entfalteten eine lebhafte Tätigkeit. Es veranstalteten: Der Zweig- Verein des Evangelischen Bundes einen Gemeinde- Familienabend mit Vortrag des ehemaligen Durenkommandanten Koos I o o st e, der Gustav-Adolf-Frauen-Verein eine Verlosung zum Vesten der evangelischen Diaspora und unter Mitwirkung des Iungfrauenvereins eine schöne Schlußfeier der winterlichen Vereinsabende, der Iungfrauenverein eine besondere Weihnachtsfeier. Anläßlich der 400-Iahrfeier des evangelischen Kirchenliedes fand ein Iubiläumsgot^sbienst statt, und am 2?. Juli das große Kirchengesangsfest für Oberhessen in Anwesenheit des Prälaten der Evangelischen Landeskirche D. Dr. Diehl. Am 1. Pfingstfeiertag gab der Männergesang- verein „Sängerlust" aus Frankfurt a. M.-Eschers- heim ein Kirchenkonzert. Das Iahvesfest des Evangelischen Bundes in Büdingen wurde auch hier durch einen Festgottesdienst feierlich begangen. Am Ende des Jahres wurden auf Anregung des Oberhessischen Ausschusses für Volksmission Dibelstunden neu eingerichtet. Aus der Statistik der kirchlichen Liebestätigkeit ist zu bemerken, daß im ganzen 2252 Mark eingingen; hiervon entfallen 875 Mk. auf milde Gaben an Vereine und Anstalten evangelisch- christlicher Liebestätigkeit, 402 Mk. auf allgemein erhobene Kirchenkolleckten, 149 Mk. auf Opfer und Gaben für die Ortsarmen, 826 Mk. auf sonstige freiwillige Leistungen für kirchliche Zwecke. Der auf den Kopf der evangelischen Seelenzahl berechnete Betrag ist 1,28 Mk.
Kreis AlsfeN».
Alsfeld, 3. Febr. Stadtvorstands- s i h u n g. Unter Mitteilungen gab der Dor- sitzende verschiedene Eingaben und Gesuche bekannt, die an die zuständigen Kommissionen zur Erledigung und Prüfung überwiesen wurden. — Reklamationen gegen das Pachtgeld von 1924. Hierzu werden die von der landwirt
schaftlichen Kommission vorgerwmme«^ ©rläfle an Pachtgeld für die Stadt und den Hoipitalsotü^ für das Jahr 1924 nach den vorgelegrrn Verzeichn niffen genehmigt. — Ankauf von 9rund- stücken. Die von der beauftragten Kommission! bet der Versteigerung der Massegrunditücke au» der Feldbereinigung Alsfeld getätigten Ankäufe von Grundstücken von zirka 24 Morgen für 10 205 Mark werden genehmigt. Der Durchschnittspreis pro Morgen ist 425 Mk. Demnächst findet noch eine weitere Versteigerung von Massegrundstück^ch statt. — Einrichtung von Postkrafk- Wagenlinien. Der Vorsitzende gibt hierzu eine ausführliche Darlegung über die vor kurzem stattgehabte Besprechung über die Einrichtung weiterer Autoposten im Kreise Alsfeld. Äusser den bereits genehmigten Linien Alsfeld — Neustadt und Alsfeld — Treysa handelt es sich noch um die Linien Ehringshausen — Groß-Felda — Alsfeld und Ehringshausen—Kirtorf — Alsfeld. Die Versammlung stimmt der Errichtung der beiden letzteren Linien ebenfalls zu, und bewilligt die der Stadt zufallende Zuschuss- und Garantieleistung. Der jährliche bare Zuschuss der Stadt beträgt für alle vier Linien zusammen 4395 Mk. Ausserdem muß die Stadt eine Wagenhalle mit Werkstatt für fünf Postautos bauen. — Prä- m i e n m a r 11. Anlässlich des diesjährigen Prämienmarktes am 6. Juli soll wieder ein Pferderennen abgehalten werden, das diesmal ein großes sportliches Ereignis zu werden verspracht. Zwecks Verbesserung der Rennbahn wird beschlossen, die in der Bahn liegenden feuchten Wiesen, soweit erforderlich, auf Kosten der Stadt dränieren zu lassen. Der hierzu erforderliche Kre- dit von etwa 300 Mk. wird bewilligt. — Vertrag mit der Schäferei. Der vorgelegte Vertrag mit der Genossenschaftsschäferei für das 3ahr 1925 wird genehmigt. Die von der Schäferei an die Stadt zu zahlende Abgabe für die überlassenen Wege und Triften wird auf '300 Mk, festgesetzt. — DieAusstellungeinerStra- ßentankstelle für Benzin am Marktplätze vor dem Hause Koos wird gegen Zahlung einer noch zu vereinbarenden Platzmiete genehmigt, nachdem der Denkmalpfleger seine Bedenken gegen die Aufstellung der Anlage fallen gelassen hatte. — Feuerlöschwesen. Die von dem Kommando der Freiwilligen Feuerwehr beantragte Einrichtung eines FeuerlöschzugeS mit Handfeuerlöfchern wird genehmigt. Dieser sott hauptsächlich bei kleinen Bränden in Wirksamkeit treten. — Anstellung eines Wasenmei- st ers. Als solcher wird Georg Sch o pbach Hl. angenommen und der darüber vorgelegte Vertrag genehmigt. Der Vorsitzende bemerkt dazu, dass Aussicht bestehe, dass bald eine Kreissammel- wasenmeisterei errichtet werde. — Annahme eines Wegewärters. Zwecks Unterhaltung der zahlreichen neuen Gräben, Feldwege und Durchlässe nach der Feldbereinigung wird die Annahme eines ständigen Wegewärters für die Gemarkung beschlossen, der zugleich auf den Feld- schutz verpflichtet werden soll. — Eine Bürg- schaftsübernahme für ein Daudarlehen aus Mitteln des Wohnungsfürforgefonds der Reichspost an zwei Postschaffner bis zur Eintragung der dinglichen Sicherheit wird genehmigt. — Für ein Daugesuch außerhalb des Ortsbauplanes wird die mich dem Ortsbaustatut erforderliche Dispcnserteilung befürwortet. Es handelt sich um das Siedlungs- gelände in der Ramdach. — Umbau des Anwesens „Deutsches Hau s". Hierzu werden die für den Umbau und für die Schaffung eines mit dem Hotel zu verbindenden Saalbaues erforderlichen Pläne zur Einsicht vorgelegt. Da noch verschiedene Abänderungsvorschläge gemacht werden, wird die endgültige Festlegung Der Pläne nochmals zurückgestellt.
Hessen-Nassau.
dh. Bieber, 4. Febr. Zu dem Bericht in Nr.28 des „Gieß. Anz." betr. die erste Holz- Versteigerung im Bereiche der Ob erforderet Struppach ist ergänzend zu bemerken, daß die Dersteigcrungspreife für zwei Rm. zu verstehen finb.
Starkenburg und Rheinhessen.
* Darmstadt, 4. Febr. (Eigener Bericht.) Die chemischen Fabriken in Darmstadt machen durch Zeitungsanzeigen bekannt, daß die Arbeiter, die bis Donnerstag die Arbeit nicht wieder ausgenommen haben, fristlos entlassen werden.
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