Ausgabe 
5.2.1925
 
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Ul. 30 öroeites Blatt

Siebener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gberhefsen)

Donnerstag, 5. Zedrrrar 1925

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in Erscheinung treten.

Vie

Erfolg.

aktwn gestellt. Aus dieser Tatsache aber hat sich eine, mit der Bundesverfassung selbst viel­leicht nicht mehr ganz vereinbare Heber* legenheit der BundeSintcressen über die Länderinteressen ergeben, eine Hcberlcgcn- heil, die mit dem formalen Rechte unbedingt sich in Widerspruch setzen muhte und so bic Wurzel der jüngsten Regierungskrise bildete.

Man ist mit einem Kompromiß über

marxistischen Parteien im Weltkrieg.

Das Tatsachenmaterial diescS Artikels ist dem sehr sorgfältigen, reich mit Quellenangaben ausg statteten und streng wissenschaftlich objektiv gehaltenen Duche DolkmannsSer Marxismus und das deutsche Heer im Wei t- krieg" (Verlag Reimar Hobburg Dec- Irn) entnommen.

lichen Reif geblieben sind. Diese Einstrahlungs- bedingungen hängen nun wesentlich von der Neigung der Hmdrehungsachse unserer Erde gegen die Ebene der Erdbahn ab. Dadurch kommt es, dah zu gewissen Zeiten, die wir eben Winter nennen, die Sonne bis zu etwa 23 Grad unter den Himmelsäquator hinabsinkt, während sre sich im Sommer ebensoweit darüber erhebt. Erne wissenschaftlich zutreffende -Beurteilung der Lage erhalt man aber erst, wenn man auch den Verlust berücksichtigt, den die Sonnenstrahlen auf ihrer langen Wanderung durch die Erdatmosphäre er­leiden müssen. Die dabei aufgesaugte Sonnen­energie wird allerdings zum Teil wieder zurück- gegeben. aber bic Berücksichtigung dieses Tetrage« ist außerordentlich schwierig. Das hieße, das ganze Problem der Wettervorhersage bts ms einzelne aufrollen! Der vorläufig so milde Winter 1924 25 hatte übrigens nach allen Chro­nisten Vorläufer, die noch weit wunderlicher waren als er. So blühten z. B. 1594 in der Neu­jahrswoche die Veilchen, trieben 1629 im Januar schon die Obstbäume und blühten 1720 im Winter die Kirschen.

Don der Dogelsprache.

Vogellprachenkund wie Salomo!" Diese Sehnsucht des Menschen, wie sie Rückert m sei­nem Gedicht ausdrückt. die Stimme der Natur zu verstehen, läßt sich durch intimste Devbachtmig in gewissem Sinne befriedigen, und wenn der moderne Ornithologe auch nicht wie der weile König oder die Helden des Märchens wunder- same Geschichten von den gefilterten Luftbe­wohnern erfährt, so kann er doch das Geheim-- nis ihrer Verständigung untereinander cng.un- den. Ein namhafter Vogelkenner ist dewon über- zeugt, dah manche Vogelarien ihre besondere Sprache haben, wenn sich diese auch fretltch in engen Grenzen bewegt.

Sie Mitglieder der Krahenfamilie, schreibt er,sind sicherlich die klügsten Vogel, während die Vögel, die auf dem Meer leben und wenige Feinde haben, die größten Summ- köpfe sind. Fangen doch sogar die Ostende- wohner Sturmschwalben und Larventaucher. in-

mann und Dauer als Staatssekretäre ins Mi­nisterium ein. Diejenigen, die die Revoluttoa gemacht haben, smd die Unabhängigen, der Spar­takusbund und die oppositionellen Kreise der Ge- werkschasten unter Darts). Darth organisiert« im Stillen systematisch, die Spartakusgruppe ver­suchte bürd' ständige Demonstrationen und Re­volten ihr Ziel durchzusetzen. Die 11. S. P war vorsichtig, bereitete im Geheimen die Geister vor und wartele auf die Entzündung der revolutio­nären Instinkte der Massen im Zeitpunkt der Reife, dem nicht vorgegrifsen werden dürfe.

Als der Ausbruch der Revolution droht«, verlangte die M. S. P ui immer stärkerem Maße den Rücktritt des Kaisers, was für den kommen« den Abschluß des Waffenstillstandes zweckmäßig sei. Am Abend des 8. November, als die Ereig­nisse in Kiel zur Eile drängten, wurde beschlossen, die sozialdemokratischen Staatssekretäre sollten aus der Regierung am nächsten Vormittage aus­treten und der Generalstreik tollte erklärt wer­den. salls der Kaiser nicht biS dabin abgebantt hätte So bekam die Mehrheitssozialdemokratie noch in letzter Minute ebenfalls den Anschluß an die Revolution und bildete zuerst mit. dann ohne Unabhängige die Regierung. Mit Hilfe der O. H. L.. die sich ihr zur Verfügung stellte, um das Vaterland vor der Gefahr des Dolschewis- mus zu erretten, gelang es ihr. sich gegen die beiden extremen sozialistischen Parteien zu be­haupten.

Zusammenfassend muß betont werden, dah es zweifellos eine große Tat für die Sozial­demokratie war. in den Augusttagen 1914 die Kriegskredite zu bewilligen und damit nationale Politik zu treiben. Aber mit dieser Tat setzt auch die Z w i 11 e r st e l l u n g der Partei ein. die, an und für sich seitdem national eingestellt, doch den internationalen Pferdefuß nicht verlieren kann. Man braucht kein Nationalist zu sein, um zwischen wahrhaft nationaler Politik und der Politik der Sozialdemokratie immer und immet wieder einen Unterschied heranszufuhlen Wir brauchen nur an die Aeußerungen BreitscheidS kürzlich im Reichstag zu denken. Und noch ein anderes ist es. was die Mehrheitssozialisten fr oftmals gelenkt bat, mehr als andere Parteien: das ist die Angst vor dem Verlust ihrer Wähler- mafse. So manche Schwankung z. D in der Abdankungsfrage kann man nur unter diesem Gesichtspunkt begreifen. die einen nennen cl diplomatisches Geschick, die andern Mangel an Bekennermut. Dah idealgesinnte Abgeordnete Ausnahmen machten, soll nicht bestritten werden.

der hohen Warte geistiger Heberlegenhcit auS, hat Worte voll prächtiger Wahrheiten über den Krieg, Männer und Liebe zu sagen, Worte, welche zeitlos, besser gesagt, fast modern auf unS wirken. Die Aufführung unter der Regie Fritz Peter Buchs deckte sich mit dem dichterischen Wollen Shakespeares. Die Satire war sicher, ohne jedes störende Zuviel herausgearbeitet. Stilistisch wurde er von Ludwig Sievert mit prächtig barockisierenden Bühnenbildern und ent­sprechender Kostümierung unterstützt. In humor­volle Stilisierung, mit leuchtenden Farben ge­paart, ergab ein äußerst dekoratives Bühnen­bild. Heber die Darstellung ist nur das eine zu sagen, sie war, ob cs sich um Hektor oder

um Troilus oder Diomedes. Thersites, Hlysses oder die Frauengestalten handelte, voll lebendiger Züge. Held oder Scheinheld, sie alle waren wuchtig oder leichtbeschwingt, je nach Veranlagung ihrer Rolle. Hnübertvefflich in seiner erschüttern­den Komik der Ajar. Otto Wallburg hatte ihn als Gab übernommen und stattete ihn mit geradezu gigantischer Dummheit und natur- burschenhaftem Äraftmeiertum aus. Der Abend gestaltete sich zu einem großen theatralischen

Alsobesimwmterkaitfeinmützte!

Mit dem WorteWinter" verbinden wir die Dorstellung, a.'s ob es zu dieser Zeit bei uns im Vergleich der übrigen Jahreszeit besonders kalt sein müßte, als ob doch mindestens im Januar Schnee liegen und die Temperatur wenigstens zeitweise merklich unter den Nullpunkt herab­sinken müßte. Wir sehen aus dem Vergleich der Tatsachen des sonderbaren Winters 1924/25, daß man mit der Beurteilung der Jahreszeiten nicht vorsichtig genug sein kann.

Warum soll es überhaupt im Winter kalt fein? Es ist die Auffassung Dcrbreüet worden, daß unsere Erde dann weiter von der Sonne ab- steht als im Sommer. Das ist für die gegen- toärtigc Zeit unrichtig, denn letzt fallt gerade die Zeit der Erdnähe der Sonne auf die ersten Tage des Januar. Aber auch vor ungefähr 10 300 Jahren, als die, Verhältnisse umgekehrt lagen hatte das auf den Eintritt der kalten Jahreszett , verhältnismäßig unwesentlichen Einfluß, da ja die Abweichung der Form der Erdbahn von einem Kreise mit der Sonne als Mittelpunkt nur unbedeutend ist. ,

Schon etwas mehr kommt es darauf an, daß Infolge der geringen Exzentrizität der Erdbahn die Dauer des Sommerabfchnittes etwas langet ober kürzer als die des Winterabschnittes auf» fallen kann. Damit kommen toir, dem wesent­lichen näher, warum es bei uns im Winter kalt sein soll. Es kommt dabei nicht sowohl auf den Abstand her Erde von der Sonne, als vielmehr auf den Winkel an, unter dem die Sonnenstrahlen bei uns den Doden treffen, und wie lange diese Bestrahlung erfolgt. Scheint die Sonne, wie in den Tropen, scheitclrecht auf den Boden, fo kommt ihre wärmende Kraft voll zur Geltung. Treffen ihre Strahlen die Erdoberfläche dagegen nur schräg, so nimmt die wärmende Wirkung zunächst langsam und bei slachem Einfall schnell ab. Wir können das im welligen Gelände ver­folgen, wo man etwa beim Dormtttagsspazier- qang deutlich beobachten kann, in welchen Be­reichen die Sonnenwärme schon zum Auftauen genügte, und welche etwa noch weiß vom nächt-

DerRechenschaftsbericht" der Saarregierung.

Die Regierungskommission des SaargebieteD. bekanntlich vom Völkerbund eingesetzt, aber ganz den Interessen Frankreichs dienend, hat fotzt ihren 20. Rechenschaftsbericht abgelegt, der lang und breit dieVerdienste" auswalzt, die sich die Saarregierung um die Verwaltung dieses Gebietes und um das Wohl seiner 'Bevölkerung erworben hat. Es versteht sich von selbst, daß der Rechenschastsbericht nur dazu dient, bei dem leichtgläubigen Völkerbund Eindruck heiworzu- rusen und die Verhältnisse an der Saar in taS rosigste Licht zu rücken. Für die Saarländer kommt dieser frisierte Bericht natürlich nicht m Frage, sondern nur die Zustände, toi die tat­sächlich sind. Wie blutiger Hohn klingen die Sähe die dem Völkerbund mit teilen, das Jahr 1924 wäre ein friedliches Jahr gewesen. Der Bergmann und der Hüttenarbeiter, die von den französischen Unternehmern in der rücksichtslose­sten Weise ausgebeutet werden, dürften sich ein anderes Urteil über das hinter ihnen lie- genbe Jahr bilden. Dieser Zustand hindert di« Regierungskommission aber nicht, an die Arbeiter zu appellieren, sie mögen in der jetzt kommenden Zeit ernster Schwierigkeiten den sozialen Frieden aufrechterhalten. Wie sie das bei den Hungerlöhnen, die ihnen in stark entwerteten Franken ausgezahlt werden, machen sollen, dürfte wohl auch der französischen Regierungskommrsston ein Rätsel sein. Das tut aber nichts zur Sache, die Hauptsache ist doch, daß der Rechenschafts­bericht einen freundlichen Eindruck her­vorruft und der Völkerbundsrat auch weiterhin sich nicht um die französische Mißwirtschaft an her Saar und den Grubenraubbau kümmert.

diese Kluft bintoeggefommen; die prinzipielle Un­stimmigkeit aber bleibt bestehen. Cs nyg fein, daß wirtschaftliche Notwendigkeiten Oesterreich zwingen, die Annäherung an den zentralistischen Einheitsstaat sortzusetzen. ES wird auch ----- nehmen sein, daß aus naheliegenden Gründen bei einem Anschluß Oesterreichs an Deutschland beiden Teilen eine weitgehende Vereinheitlichung als wünschenswert erscheinen wird. Vielleicht wird dann der Länderföderalismus noch stärker abflauen. Bestehen bleiben aber wird der ParteipartikulariSmus. Damit weist aber Oesterreich das gleiche Bild auf. wie Deutschland, wo heute auch die politischen Par­teien als eigentliche Träger des Gesamtstaates

dem sie eine Schlinge am Ende ihrer Angel­stöcke befestigen, eine Fangart, die ihnen bet keinem Landvogel gelingen würde. Und fie locken die Seevögel an, indem sie die seltsamen Kehllaute der einzelnen Arten täuschend nach- ahmen unb ihnen dadurch Vertrauen einflöhen. Eine große Anzahl unserer Vögel haben Tone in ihrer Kehle, die noch niemals genau bestimmt worden sind. DieseSprechtöne" sind ganz verschieden von den Liedern, an denen wir sie erkennen. Nur wenn man sich in der Nahe ihrer Nester verbirgt und in enger Berührung mit ihnen bleibt, kann man diese Noten Horen. Die meisten Singvögel haben außer den Zpn» folgen ihrer Lieder verschiedene weiche Töne, die sie nur hören lassen, wenn sie ganz unter sich sind. Ich habe so manche idyllische Szene beobachtet, wenn Männchen und Weibchen neben- einander sitzen und über ihre Jungen plaudern. Zweifellos haben die Nüancierungen dlder Laute ganz bestimmte Bedeutung. Der Rabe hat seine besondere Sprache, die meines Erachtens nicht viel weniger ausgebildet ist als die irgend eines australischen Urvolkes. Wenn ich mich in der Nähe des Nestes dieses Vogels verbarg, so wurde mir klar, daß das Weibchen sich Mit ihrem Männchen sehr gut verständigen kann und ebenso mit den Jungen. Wenn sie mit Nahrimg für die Brut heimkehrt. so läßt sie einen be­stimmten Schrei hören, lange bevor Tu für bie Kleinen sichtbar wird. Die Jungen haben den Ruf vernommen, der ihnen an^igt. daß sie zu Essen bekommen, denn sie sind außerordentlich aufgeregt Neben dem Willkommenaruh Kur Kur" gibt es auch ein heileres Krraak Krraak'. Die Jungen wissen, daß das®er a h r bedeutet, ebenso wie ihnen ein folgendesKek Kek" anzeigt, daß .alles in Ordnung it Es gibt noch viele andere Laute, die alle etwas bedeuten, und nachdem ich mehrere Tage in oct Gesellschaft der Raben verbracht hatte, war ich imstande, ihre Sprache zu übersetzen. Jeder, der sich die Mühe nimmt, eine Schar von Krähen im Frühjahr zu beobadjten. wird bald ertermen, bah die Vögel sich mlleincnd« unterhalten. Dsgleicht man diese ganz verschiedenartigen

traten, deren Funktionen nunmehr durch die von < den Landesversammlungen von jeher erwählten 1 Landeshauptleute übernommen wurden. Aus dieser Zusammenlegung der Kompetenzen ergab sich ein neuerliches Erstarken der Landes­regierungen. so daß Oesterreich immer mehr den Charakter eines Staatenbundes annahm. Zu welchen Folgerungen dieS in der Praxis führt, zeigte beispielsweise die ganz selbständig fettens einzelner Länder angeorbnete Durchführung von Anschlußabstimmungen, wobei alS Ziel des Anschlusses bald Italien, bald Deutsch­land. bald die Schweiz vorschwebte: zeigte weiter auch das, allerdings größtentells erfolglos gebliebene Bestreben einzelner Länder, mit Nach­barstaaten selbständige Handelsver­träge und Hcbercintommcn über die Paßvisa abzuschliehen.

Nach innen wirkte sich der Chavakter der Staatenbundes voll aus. £>ic Bin nengren- zc it zwischen den einzelnen Ländern unterschieden sich durch nichts von den Auslandsgrenzen: es sanden Paßrevisionen statt und die durch die Wiitschaftspolizei geübte wirtschaftliche Absper­rung der Länder hatte mit einer Zolllinie eine verteufelte Aehnlichkeit. Man kann sagen, daß dieser extreme Föderalismus sich bis zum Herbste 1922 auswirkte. bis zu jener Zeit, da im Zuge der Santerungsaktion die Währung ftabilifiert wurde, das Wirtschaftsleben ruhigere Bahnen einschlug, womit auch die Vorbedingung für eine ruhige Betrachtung her politischen Gesamtlage gegeben war. Erst als die allgemeine Lage sich besserte, flaute das Auseinanderstreben berOester- reichischen Staatsteile ab. Eine Bindung hatte dieses Auseinanderstreben durch die. wie bereits erwähnt, im Oktober 1920 schon erlassene Bundes- staatsverfassung keineswegs erfahren, wie über­haupt das staatsrechtliche GZühl des Oesterreichers nicht besonders stark cnttoidelt ist.. Auch heute ist der Träger des österreichischen Bundesstaates nicht so sehr die Gesamtheit der Staatsbürger als einerseits die Vielheit der Länder, andererseits die Vielheit der politischen Parteien.

Entsprechend der tatsächlichen Lage trägt das österreichische Verfassungsgefetz einen zumindest nach außen hin, stark deralistischen Cha­rakter. Bedeutete es doch bei einer Neigung zu vollkommenem Auseinanderfallen schon einen Fortschrttt im zentralistischen Sinne, wenn man vom Staatenbund zum Bundesstaat zurück- kehrte Nur auf dem Gebiete der Verwal­tung haben die österreichischen Länder eine weitgehende Erweiterung ihrer Kompetenz gegen­über dem Zustande im alten Oesterreich edahren, wenn auch darauf verwiesen werden muß, daß die ganze auswärtige Verwaltung, Militärver­waltung, Polizei. Gendarmerie. Efenbayn-, Schiffahrt-. Luftfahrt-. Gewerbewesen und sozia­les Versicherungswesen der zentralen Bundes- gewalt vorbehalten ist. Stärker kommt der eigentlich zentralistische Charakter der öster­reichischen Verfassung in der Aufteilung der Ge­setz g e b u n g s k o m p e t e n z -Wischen dem Bund und den Ländern zum Ausdruck. Fast alle wich­tigen Angelegenheiten sind der zentralen Ge­setzgebung Vorbehalten. Auch das Gerichtswesen ist Dundessache. Derwaltungsakte der Landes­regierungen können also vor einem Gerichts­höfe des Bundes angefochten werden.

Schließlich fei auch erwähnt, daß die Fi­nanzverfassung Oesterreichs, an der sich ja der jüngste politische Konflikt entzündete, gleichfalls einen stark ze ntralistischen Ein­schlag trägt. Das Finanzverfassungsgesetz tattert vom Jahre 1922. Es unterscheidet ausschließ­liche Dundesabgaben. dann zwischen dem Bund und den Ländern geteilte Abgaben und endlich ausschließliche Landesabgaben. Dabei steht es der Bundesgesetzgebung zu. zu bestimmen, welche Abgaben ausschließliche Bundesabgaben und welche geteilte Abgaben sind. Nur das. was der Bund nicht für sich selbst, sei eS für sich allem oder in Verbindung mit den Ländern in An­spruch nimmt, bleibt den Ländern als deren ausschließliche Abgabe übrig. Dem Bund steht somtt die volle Kompetenzhoheit auf finanziellem Gebiete zu. DaS mag mit Rücksicht auf die besondere Lage, in der sich Oesterreich . heute befindet, vielleicht nicht genug sein. Die österreichische Sanierungsaktion ist natürlich eine \ Du ndesangelegenheit. die Kraft der österreichischen Volkswirtschaft ist in ihrer Gesamtheit in den Dienst der Sanierungs-

Das oesterreichische Derfassungsproblem.

Don unserem Wiener Berichterstatter

Dr. Emst R i e ft n c r.

Wien. Mitte Januar 1925.

CS ist ungefähr ein Monat her. daß form- ; lich über Nacht in Oesterreich verfafsungsrechv- liche Schwierigkeiten auftauchten, unüberwindlich scheinende Gegensätze zwischen der »ent r a li­st i s ch e n und der f ö d e r a 1 i st ' s ch en Rich- hing, die letzten EndeS zum Sturz des Minist^ riums Seipels und zu dessen Ersetzung durch ein Kabinett führten, taffen maßgebendste Po­sten von Vertretern eines gemäßigten Födera­lismus befetzl find. Seit diesem Kadinettswechiel ist die Vertassungssrage wieder etwas hinter die politischen Kulissen geschoben worden, na- mentlich seitdem der neue Bundeskanzler Dr. Ota met die finanzielle Frage der Austei­lung der Steucrcrträgniffe zwischen Bund, Ländern und Gemeinden im Kompromiß­wege gelöst hat Es ist jedoch kein Zweifel, daß die grundsätzliche Auseinandersetzung zwi­schen Zentrnliften und Föderalisten auf dem Boden der österreichischen Verfassung in abseh­barer Zeit wird durchgeführt werden müssen, schon aus tarn einfachen Grunde, weil eben die österreichische Verfassung auch heule noch ein Torso ist und noch wichtige Verfassungsgesetze so z. B das über die Schulaufsicht, fehlen. Man ist im Ausbau der Verfassung vielen Punkten aus Opportunitätsgründen aus dem Wege gegangen, da sich in vielen Belangen nicht nur unüber­brückbare Gegensätze zwischen Zentralisten und Föderalisten, sondern auch zwischen der bürger­lichen Aufsassung und den Sozialisten zeigten.

Durch das Dundesverfassungsgesetz vom

1. Oktober 1920 wurde Oesterreich bekanntlich als Bundesstaat eingerichtet. Das hat seine Vor­geschichte Als die bobSburgische Monarchie zer­fiel ünd in den Novembertagen von 1918 das deutsch - österreichische Staatswesen aufgerichtet wurde, da ereigneten sich zwei grundlegende, miteinander aber eigentlich in feiner Beziehung stehende Verfassungsakte' In W i cn beschloß die provisorische Nationalversammlung, der deptsch- österreichische Staatsrat, eine Verfassung, die starke zentralistische Tendenzen aufwies. Gleichzeitig traten in den einzelnen Landes - Hauptstädten provisorische Landesveröxll-- tungen zusammen, die gleichfalls kleine eigene Staatswesen aufrichteten, die Länder. Die österreichischen Länder, einst Kronländer, jetzt Bundesländer, waren .historisch-politische Indi­vidualitäten". Sie waren bis zur Erlassung der Pragmatischen Sanktion von 1723 eigentlich mit­einander durch die Personalunion verbun­den und beanspruchten nun 1918, nach dem Weg­fall der Dynastie das Recht, wieder zu ihrer vollen souveränen Selbständigkeit zurückzukehren. Hauptsächlich waren eS wirt­schaftliche Erwägungen, die diesen Weg nicht xu Ende gehen ließen, da ja auch der ver­bissenste Föderalist einsehen muhte, daß Salz­burg oder Vorarlberg fein eigenes Eisenbahn-, Hniversitäts- oder Postwesen einrichten konnte. Ideelle Beweggründe allerdings wären damals genügend vorhanden gewesen, um die Länder auf eigene Füße zu stellen, oder zumindest von dem wegen seines sozialistischen Einschlags ver­haßten Wien abrücken zu lassen. Aeßerlich wurde bann cm Zusammenhang zwischen dem Gesamt­bund und tan Ländern dadurch hergestellt, daß letztere ..Beitrittserklärungen" zum österreichischen Gemeinstaat erließen, was als eine Art Staatsvertrag anzusehen ist. Dieser Auf­fassung entspricht auch das provisorische Staats- geseh vom 14. Qtoocmbcr 1918. welches sich be­titelt: ..Gesetz, betreffend die Staatsgewalt in den Ländern".

Man sieht also, tah in Oesterreich die Revo­lution einen im Gegensatz zu früher national vollkommen einheitlichen Teil der alten Gesamt­monarchie vorgefunden hat. daß aber aus dieser Nationalhomogenita t keineswegs der wertere Schritt zum Zentralstaat gemacht wurde, daß im Gegentell die Individualität der Län­der wesentlich gestärkt wurde. Das Eigen­leben der Bundesländer wurde durch einen Punkt noch besonders gehoben: durch d'e Tatsache, dah mit dem Wegfall des Monarchen auch dessen .Statthalter" in den einzelnen Kronländern ab-

Töne mit einem eintönigen Gelärm einer großen Siedlung von Seetauchem. so wird man finden, daß die Seetaucher sich nichts mitteilen, daß sich die Krähen aber sehr Verschiedenartiges zu er­zählen haben."

Srantfurter Schauspielhaus.

Shakespeare:TroNus und (5ressida".

Ein Shakespeareftück vom Kamps der Mei« nungen umtobt. Tragödie, Komödie, satirische- Schauspiel, das ist hier die Frage. Ein lite­rarischer Zankapfel ist dieses Werk, welches den Trojanerkrieg mit kühnem Spott geißelt, die Helden der Antike im Lichte menschlicher Schwächer» zeigt, und trotzdem ernste, ja tragische Töne auf* klingen läßt. Shakespeare formuliert die ganze Heldengeschichte imKampf ums Weib". Ther­sites, nicht im eigentlichen Sinne innerlich mit dem Stück verbunden, sondern Zuschauer von

Es ist eine interessante Aufgabe in der Zeit des heihumstrittcncn Cbertprozesses, einmal die Haltung der marxistischen Parteien während des Weltkrieges im allgemeinen zu untersuchen. Daß die Sozialdemokratie bis zum Kriege eine Par­tei geblieben war, war hauptsächlich das Ver­dienst Bebels. Das erste schwere Problem nach dessen Tod mußte diese Einheit schwer erschüttern. Da brach der Krieg aus. In der Erkenntnis, daß es sich hier um einen Verteidigungskrieg Deutschlands gegen seine neidischen Feinde handle, traten zum ersten Male seit ihrem Bestehen die Sozialdemokraten aus ihrer stets verneinenden internationalen Einstellung heraus und bejahten bewußt den Nationalstaat, wie er sich vor dem Kriege bereits herausgebildet hatte, indem sie am 4. August die Kriegskredite bewilligten. Noch gelang es. bei diesem für die Sozialdemokratie eminent bedeutsamen Hmschwung die Partei zu- sammenzuhalten. Mit vorbildlicher Part isolida- rität bewilligte die ganze Partei im Reichstag hie Kredite, obwohl damals schon in der ent- scheidenden Parteisihung 14 von 92 Abgeord­neten an ihrer bisherigen internationalen Stel­lung festhielten. .

Zum offenen Bruch kam es erst bei der Ab­stimmung über den Notelat am 24 Mai 1916, als der Führer der Minderheit, Haase, ohne die Partei davon verständigt zu haben, schärfste Angriffe gegen die Regierung richtete. Eine Reichskonferenz der Gesamtpartei vermochte die im Reichstag bereits in Mehrheitssozialisten und Sozialistische Arbeitsgemeinschaft gespaltene Fraktion nicht mehr einheitlich festzuhalten. Am 16. Januar 1917 schloß der Parteiausschuh die soizalistifche Arbeitsgemeinschaft aus der Partei- organifation aus. Während die alle Partei hier­durch ihre Einheit Wiedergewann, zeigte sich innerhalb der Neuorganisation ein nur notdürftig im Kampfe gegen die alte Partei verdeckter Zwiespalt zwifc^n den später zur HSP. einer­seits und Spartakusbund andererseits zusammen­geschlossenen Gruppen. Wahrend die einen sich damit zufrieden gaben, zu der alten Politik der Sozialdemokratie vor dem Kriege zurückzukehren, verwarfen die anderen diesen Grundsatz: Das Erfurter Programm sei vor der sozialistischen Epoche entstanden, cs sei überholt. Man dürfe nicht nur kritisieren, man müsse die Weltgeschichte ändern. Sie verlangten proletarische Volksver­tretung. Einige gingen in ihren Forderungen noch weiter.

Die M. P. D. hielt trotz Drangen gewisser Kreise an ihrer nationalen, mit Pazifismus mehr und mehr gepaarten staatsbejahenden Haltung fest. Anfang Ollober 1918 traten sogar Schelde-