Ausgabe 
5.2.1925
 
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grunbiage Die letzten französischen Dorschläge gel­ten zu lassen. Rettraldi hat nach der Prüfung der deutschen Antwort dem deutschen Verhandlungs- (eiter mitgeteilt, das) er die Beratungen so schnell wie möglich zu einem befriedigenden Aus- gang $u führen wünsche.

Für morgen nachmittag ist eine Vollsitzung bereits festgesetzt. Morgen vormittag um 11 Uhr wird Staatssekretär Trendelenburg mit dem fran­zösischen Handelsminister eine Vorbesprechung führen.

Holland und der GarantiepaKt.

London. 5. Febr. (TU.) Auf Grund bel­gischer Mitteilungen, die dahin gehen, daß eine Sicherung Belgiens nur unvollkom­men sein wurde, solange die holländische Ost grenze gegen jeden deutschen Einmarsch offen steht, versuchen englische Militärkreise. Hol­land jetzt von der Rotwendigkeit zu überzeu­gen. sichSicherungsabmachungenzwi- schen London, Paris und Brüssel an- zu schließ en. 3mDaily Telegraph" wird heute angebeutet, das) man auf englischer Seite geneigt sein würde, einen holländischen An­schluß an den westeuropäischen Sicherungspakt durch eine gewisse Garantie der lln Der- ?etzlichkeit der holländischen Be­sitzungen in Asien zu vergelten.

Der Prozeß Beversdors gegen Krone.

Berlin, 4. Febr. (TU.) Vor dem großen Schöffengericht Berlin-Mitte begann heute der Beleidigungsprozeh des Landgerichts- direktors Deversdorf, des Vorsitzenden im Magdeburger Deleidigungsprozeß, ge­gen Landgerichtsdirektor Krone, dem Vorsitzen­den des Republikanischen Richterbundes. Vor Verlesung des Eröffnungsbeschlusses beantragt der Verteidiger Landsberg, den Termin auf­zuheben und den neuen Termin bis nach der Ent­scheidung des Magdeburger Prozesses in zweiter 3nstanz zu verschieben. Rur bann könne eine sachgemäße Entscheidung gefällt werden. General­staatsanwalt Lindow hielt eine Entscheidung über diesen Antrag formell erst nach Eröffnung der Sitzung für zulässig. Am Rachmittag fällte der Gerichtshof folgendes Urteil:

Landgerichtsrat Dr. Krone wird wegen formaler Beleidigung zu einer Geldstrafe von 3000 Mk., im Falle der Richtbeibringung zu einem Tag Gefängnis für je 60 Mk. verurteilt. Dem Rebenkläger ist die Befugnis erteilt, daS -Urteil in derVossischen Zeitung", derDeutschen Rich­terzeitung" und derMagdeburger Zeitung" auf Kosten des Angeklagten zu veröffentlichen. Die Kosten des Verfahrens werden dem Angeklagten auferlegt.

Arbeitszeitfragen im Reichstag.

Rede des Reichsarbeitsmimsters.

Berlin. 4. Febr. Am RegierungStisch: Reichsarbeitsminister Dr. Brauns.

Abg. Schneider -Berlin (Dem.) bemängelt die viele überflüssige Schreibarbeit, die in den Ministerien geleistet werde. Frischer Geist in die Sozialpolitik könne nur durch demokratische Ge- dankengänge kommen. (Lachen rechts.) Die Schlacke der Vorkriegszeit müßte beseitigt werden. Aber nicht nur das Ministerium, sondern Arbeitgeber und Arbeitnehmer brauchen den neuen Geist in der Sozialpolitik. Die Arbeitslosenversicherung müsse endlich fertiggestellt werden. Erschütternd war in den Briefen der Arbeitslosen dec Schrei ma ch Arbeit. Dringend notwendig feien Re­formen in der Angestellten- und Unfallversiche­rung.

Abg. Drewitz (Wirt. Vereinig.) schildert die schwere wirtschaftliche Lage des Mittelstandes und fordert nachdrücklich Hilfe für Gewerbe und Handwerk. Die Lehrlinge mühten zu­nächst erzogen werden. Das ganze heutige Elend sei auf eine verkehrte Wirtschaftspolitik zurück­zuführen. Die Arbeitgeber im Kleinhandel und Gewerbe wehren sich gegen eine Ueber- spa.nnung der Sozialpolitik.

Abg. Stöhr (Rtl.Soz.) bezeichnet es als dringende Rotwendigkeit, das Mißtrauen aus der Arbeiterschaft herauszubringen. Rur dann könnten wir wirtschaftlich und sozial wieder vorwärts kommen. 3n den Handels- unb Ge­werbekammern seien die Arbeiter leider nicht vertreten, da seien die Unternehmer Alleinherr­scher. Der Redner verlangt gründliche Prüfung des ©ebanfend eines A rbeitsdien st jäh­re s, das die innere Kolonisation fördern würde. Cs sei ein Skandal, wenn vielfach heute nicht ein­mal die Dorkriegslöhne gezahlt würden. 3n der Bankwelt habe man den Personalabbau mit un­glaublicher Brutalität durchgeführt.

Reichsarbeitsminister Dr. BraunS

lehnt es ab, sich über Dinge zu äußern, die noch im Stadium theoretischer Erwägungen seien. Cs sei schon ein wesentlicher Erfolg, wenn schon kurze Zeit nach dem Zusammenbruch unsere So­zialversicherungen auf fester Grundlage stünden. Rach Verabschiedung des Unfallversicherungsge­setzes toerbe man überall wieder die Friedens- lei ft ungen erreicht haben. Die Reichs­versicherung werde eine planmähiae Zusammen­fassung der Gestaltung der Sozialversicherung! nicht aus dem Auge verlieren. Es sei aber eine gesetzliche Atempause notwendig. Es habe keinen Zweck, Beschlüsse zu fassen, die inan später wieder korrigieren müsse. Der Minister sprach sich für eine baldige endgültige Schaffung der Arbeits­losenversicherung aus. Selbstverständlich könne hier nicht allen Thünschen Rechnung ge­tragen werden. Die Leistungen der Arbeits­losenfürsorge hätten sich seit Jahresfrist um rund 100 Prozent gehoben.

Der Minister beschäftigt sich bann mit der Frage der Arbeitszeit. Die Rettung der deutschen Wirtschaft und der Sozialpolitck er­blicke die Reichsregierung keineswegs in ver­mehrter Arbeitszeit unb in Verkürzung der Löhne. Die Mehrheit der deutschen Unternehmer werde auch nicht so kurzsichtig sein, zu glauben, mit solchen Mitteln ihren Platz auf dem Weltmarkt zu behaupten. Die Verlängerung der Arbeitszeit war nur ein Hilfsmittel in der Rot. Vollständig falsch sei die Behauptung, daß Anweisung auf Riedrighaltung der Löhne gegeben worden sei. Der Minister bedauert, dah sich Arbeitgeber unb Arbeitnehmer immer noch allzusehr auf die Derbindlichkeitserklärung einstellen unb bem Arbeitsministerium die Ver­antwortung zuschieben. Zu begrüßen

Barmats Holland-Geschäfte.

Berlin, 4. Febr. (TU.) Bei der weiteren Behandlung der Barmat-Kutisker-Affäre vor dem preußischen Untersuchungsausschuß erklärte der soziald«nokratische 'Abgeordnete H e i l m ä n n , daß seines Wissens Roske Darmat niemals gesehen oder gesprochen hat.

Herr Wels habe Darmat mit einem Prlbatbrief an WaeDonald geschickt und Darmat sei auch mit einem inoffiziellen Auftrag des Reichspost- ministeriums nach London gegangen, um mit der damaligen englischen Regierung über eine Aende- rung des Postabrechnungsverkehrs zu verhandeln. Ratürlich habe er auch fein Geschäft im Auge gehabt unb zu erreichen versucht, daß für eine der Abrechnungsstellen für den deutsch-englischen Postverkehr auch die Darmatsche Merkur-Dank zugelassen wurde. Auf eine weitere Frage, ob Darmat unmittelbar mit dem Reichspostministe­rium in Beziehungen getreten sei, versichert Heil­mann,Barmat habe dauernd im persön­lichen Verkehr mit dem Reichspost- Minister gestanden.

Darmat habe niemals der Partei oder ©e- nosien irgendwelche Summen zur Verfügung ge­stellt, ohne sich vorher mit ihm, Heilmann, ins Benehmen zu setzen. Heilmann gibt zu. daß 15 000 Mark an ein Köpenicker Blatt Don Darmat ge­geben worden seien. Weiter gibt er zu, daß Darmat auf feine, Heilmanns, Veranlassung hin, der sozialdemokratischen Partei- fasse eine weitere Summe Don 20 000 Mk. zur Verfügung gestellt worden sei. Der Zusam­menbruch des Barmatkonzerns sei dadurch hervorgerufen werden, daß Oberrflnanzrat Hel -- w i g den Konzern dazu bestimmte, schwer not­leidende ©esellschaften in großem Stile zu über­nehmen.

3m weiteren Verlauf der Vernehmung Heil­manns erllärte Abg. Dr. Kaufhold (Dntl.), die Ausführungen Heilmanns hinterließen den Eindruck, als ob Oberfinanzrat H e l l w i g D a r- mat den Hals umgebrebt habe. Er be­antragt deshalb, sofort den Geheimen Finanzrat Breckenfeld zu hören, oh Hellwig in dem Verdacht stehe, Darmat in Verbindung mit Roth und Berlin-Burg gebracht zu haben. Der Präsident der Seehandlung, Schröder, erklärt, daß Ende Mai oder Anfang 3uni von Darmat

schleunige Rückzahlung der Kredite verlangt worden fei Barmat habe erklärt, er könne erst im August mit der Abzahlung beginnen. Er hat dann auch im August damit b e g on n en. Darauf teilte Finanz rat Dreckenfeld mit, daß die Kredite der Seehandlung an Derlin-Burg absolut sichergestelllt seien. Don einer näheren Verbindung zwischen Darmat und Scheibe­mann könne nicht die Rebe sein. Ferner bemerkte H e i l m a n n, daß das für den Rotter­damerVorwärts" ausgeführte Zeitungspapier nur für dieses Blatt ver­wendet wurde. Darmat habe davon nichts be­halten.

Vorsitzender Dr. Leidig erNärt, daß er sich mit dem Vorsitzenden des Untersuchungsaus- schusses des Reichstages geeinigt habe, die Frage der R e i ch s p ost k r e d i t e im Reichstag zu verhandeln. Der Zeuge Klinkhammer sagt aus, daß er damals das Dezernat Fälschung von Ein- und Ausfuhrbewilligun­gen verwaltete. Eines Tages sei ihm eine An­zeige der Bochumer Handelskammer zugegangen, in der die Firma Gebrüder B a r m a t bezichtigt

wurde, auf unlauterem Wege Einfuhrerlaubnisse für größere Lebensmittelmengen aus Holland erhalten zu haben. Er habe dann spater bei Barmat eine Haussuchung vorgenommen. Später habe der Zeuge auch erfahren, dah das Amtsgericht Mitte sich mit der Sache befaßte.

Die Akten waren aber verschwunden.

Abgeordneter H e i I m a n n bestreitet die Angaben des Zeugen. Cs kommt zu scharfen Aus­einandersetzungen zwischen bem Zeugen und bem Abg. Kuttner (Soz.) sowie dem ftellbcrtretenben Vorsitzenden Dr. Deerberg.

Der Zeuge bittet den Abgeordneten Heil- mann, innerhalb 24 Stunden gu erklären, daß er das Opfer eines 3rrtums geworden ist. Ab­geordneter Hellmann behält sich eine Erklärung bis zur Vernehmung des Ministerialdirektors Falk vor.

Die Vernehmung des Ministerialdirektors Dr. Falk wirb beginnen. Er erklärt, bah er die Gebrüder Barmat nie gesehen habe. Das Landespolizeiamt habe damals sehr viel mit Aus- unb Einfuhrschiebungen zu tun gehabt. Die bearbeitende Dienststelle habe dem Landespoli- zeiamt in einer Anzeige den Artikel in Ber­liner Tageszeitungen mit der Überschrift: Ein bolschewistischer Schützling der Reichsregie- rung als Millionenverdiener"

übersandt. 3n bem Artikel wird mitgeteilt, daß Darmat in großem Ausmaß.Einfuhrbewilligun­gen erhalte, währenb sie anderen verweigert würden. Diese Anzeige sei die Unterlage zu einem Verfahren bei dem Landespolizeiamt ge- toorben. Sie sei bem Zeugen und auch seinem Vertreter, wie auch dem Sachbearbeiter nicht vorgelegt worden, sondern geschäftsmäßig als eine Bagatelle unmittelbar an den Kriminal­kommissar Klinkhammer weitergegeben wor­den, der daraufhin die Haussuchung bei Darmat vorgenommen hat. "Bei dem Vorgefundenen Ma­terial habe sich kein Anhaltspunkt für weitere polizeiliche Ermittlungen ergeben. Andere Fälle seien dem Zeugen nicht begannt. Als er später zur Auffrischung seines Gedächtnisses einen E i n- blick in bic Akten nehmen wollte, waren sie eine Zeit lang verschwunden, fanden sich aber später bei dem in Frage kommenden Amts­gericht wieder ein. Don einer amtlichen Anzeige der Handelskammer Bochum ist dem Zeugen nichts bekannt. Bekannt ist ihm, daß Darmat am 3. 3amtar 1920 der Beschluß der Einstellung des Verfahrens übermittelt wurde. Diesem Be­schluß seien aber keine Gründe beigegeben worden.

Darauf vertagte sich der Ausschuß auf Sams­tag vormittag 10 Uhr.

*

Der Untersuchungsausschuß des Reichs­tages über die Äreöitaffäre (Barmat, Kutisker usw.) trat heute vormittag wieder zusammen. Der Dorsihende Abg.S ärger teilt mit, daß er sich mit Dr. Leidig, bem BorfÜjenben des preußischen Untersuchungsausschusses, ins Benehmen sehen werde. Für die nächsten zwei bis drei Sitzungen seien nur politische Dernehmungen beabsichtigt, worauf die reinen Kredits ragen erörtert werden sollen. Ratürlich könne der preußische Ausschuß beginnen, die preußischen Fragen be­treffend, auch Beamte zu ernennen. Der Bor- sitzende schlug vor, am Samstag mit der Prüfung der Postkredite zu beginnen. Zunächst sollen meh­rere Kassenbeamte unb bann auch Dr. Höfle unb 2Ibg. Lange-Hegermann (Z.) vernommen werden.

wäre es, wenn die Beteiligten eigene pri­vate Schlichtungsstellen schaffen würden. Doraussetzung sei aber eine wahre Arbeits­gemeinschaft. Bei der ungesunden Preis­entwicklung sei das Arbeitsministerium immer eingeschritten.

Die Reichsregierung sei aber nicht verant­wortlich, wenn die geltenden Bestimmungen von den Ländern nicht scharf durchgeführt wür­den: auch wenn die 3ustiz in der Wucher­bekämpfung manchmal versage, so sei es nicht die Schuld der Reichsregierung und des Arbeits­ministeriums. 3n der Frage des Washing­toner Abkommens sei der Standpunkt der Reichsregierung bekannt. Deutschland beabsichtige keineswegs ein Dorgehen, das als soziales Dum­ping bezeichnet werden forme; aber auch die be­sonderen Derhältnisse mühten berücksichtigt werden.

Abg. D i h m ann (Soz.) erklärt, seine Partei werde nicht rasten oder ruhen, bis der Acht­stundentag wieder erobert sei.

Unter großem Lärm des Hauses wirft dann Abg. Rädel (Komm.) den Sozialdemokraten Heuchelei und Arbeiterverrat vor.

Das Haus vertagt sich auf Donnerstag.

Polnische Grenzübergriffe

Die unglaubliche Hetze, die mit Unterstützung der Warschauer Regierung seit einigen Wochen gegen Danzig und vor allem auch gegen das gesamte Deutschtum inszeniert wurde, konnte natürlich nicht ohne Folgen bleiben, zumal auch das Militär entsprechend bearbeitet und feit geraumer Zeit in Öen Garnisonen Pornerel- lens und Posens alarmbereit gehalten wird. Die Erschießung des Fischers Look ausRud- nerweise bei Marienwerder, der auf der Weichsel feinem Fischfang nachging, kommt auf das Konto dec polnischen Regierung und ihrer Hehorgane. Der Ucbergriff des polnischen Grenzpostens er­innert an die Zeiten kurz nach dem Kriege, an die Zeiten der Losreihung Oberschle­siens und der fvrtgesehten Reibungen und Grenzplänkeleien der 3ahre 1919, 1920 und 1921 Mehrere 3ahre hielt Polen Ruhe, jetzt fühlt es sich wieder stark genug, um einen Streit mit Deutschland vom Zaune brechen zu können. Wir sind zwar militärisch machtlos, auch einem Staat wie Polen gegenüber, aber doch noch keineswegs so machtlos, um jeden Ucbergriff unserer öst­lichen Rachbarn stillschweigend einstecken zu müssen. Gleiches können und wollen wir nicht mit Gleichem vergelten, Wohl aber ist es an der Zeit mit öen Herrschaften in Warschau einmal ein ernstes Wort zu sprechen und sie darauf aufmerksam zu machen, daß wir noch über wirt­schaftliche Machtmittel verfügen, deren Anwendung Polen schwerlich angenehm sein kann

Kleine politische Nachrichten.

Der am 30. 3anuar gewählte Bremische Senat hat feine Mitglieder Dr. Donan d t (parteilos, den Deutschnationalen nahestehend) und Dr, Spitta (Dem.) zu Bürgermeistern

und den Bürgermeister Dr. Donandt zum Prä­sidenten des Senats gewählt.

Rach einer Meldung derReichspost" ist der Metropolit von Albanien Erzbischof von Skutari Lazarus Miedia, von der Regir­rung Achmed Zogu aus dem Lande v e r w i e - f e n worden.

Der türkisch-griechische Konflikt.

London. 5. Febr. (TU.)Daily Telegraph" meldet aus Athen, daß die Ablehnung der Türkei, die Ausweisung des aciechischen Patriarchen dem internationalen Schieosgericht zur Begutachtung zu unterbreiten, die Erregung des griechischen Volkes noch mehr gesteigert habe. Unter Führung von Offizieren sind Vorbereitungen zur Aufstellung einer Freiwilligen- Armee getroffen. Ein von den angesehensten Athener Geschäftsleuten unterzeichnetes, außer­ordentlich aggressiv abgefaßtes Manifest ent­hält das Versprechen, die zur Ausbildung der Freiwilligen nötigen Summen aufzubringen. Man rechnet damit, daß sich bei einem unerwarteten Zwischenfall die Ereignisse überstürzen können. Der britische Gesandte erllärte dem grie­chischen Außenminister, daß die englische Regie­rung für den Standpunkt Griechenlands Ver­ständnis habe, aber dem Kabinett zur Mäßi­gung rate. Auch der französische ©e- fanbte hat einen ähnlichen Schritt unternommen und im Auftrage seiner Regierung dem griechi­schen Außenminister den Rat erteilt, griechische Kundgebungen zu vermeiden. Der Außenminister antwortete, daß Griechenland vor allem für den Krieg arbeite.

Aus aller Welt.

In Hamburg blühen die Krokusse.

Die ungewöhnliche frühüngsmähige Wärme von 9 Grad und etwa 12 ©rod mit zeitweiligem Sonnenschein hat im Botanischen ©arten zauber­hafte Wirkung entfaltet. Aus den frisch begrünten Rasenflächen blühen hellblaue Krokus in reicher Zahl. Die gelben sind im Aufbrechen begriffen. 3n normalen 3ahren zeigen sich die ersten Früh­lingsboten nicht vor März.

Verhaftung deutscher Reifender in Warschau.

Am Dienstagabend wurden in Warschau drei deutsche Reisende von polnischen Kriminal­beamten unter dem Verdacht der Spionage ver­haftet.

Eine Falschmünzerwerkstatt entdeckt.

Eine Falfchmünzerwerkstatt wurde von der Berliner Kriminalpolizei im Hause Land­wehrstraße 5/6 entdeckt. Rach kurzer Durch­suchung fand man das ganze Material. Tiegel, Gipsabgüsse und alles, was zur Herstellung von falschen Dreimark- und Einmarkstücken dienen konnte, vor. Ebenso wurde falsches fertiges Silbergeld vorgefunden. Das Falschgeld ist im großen und ganzen den Fälschern ziemlich gut gelungen. Kenntlich ist es nur am Rande, wo die bei den echten Geldstücken vorhandenen lleinen Zweige und Pünktchen fehlen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den S. Februar 1925.

Die Jagd im Februar.

Von Edmund Scharein.

Mit dem Ende der Hasenjagd Mitte 3anuaf hat die jagdlich tote Zeit begonnen. Die schraf­fierten Felder des 3agdscheins künden in der Rubrik Februar" fast für alle Wildarten Schon­zeit an. Was will es sagen, wenn noch die 3agd auf männliches Rot- und Damwild frei ist? Die Mehrzahl der weidgerechten 3äger wird sich in diesen Monat kaum dazu verstehen können, den König des Waldes und den Damschaufler zu erlegen, auch wenn nach dem 3agdgesetz der Abschuß von männlichem Rot- und Damwild gestattet ift

Aber ganz ohne 3agdfreuden ist der Februar nicht. Zwei gefürchtete Räuber haben in diesem Wintermonat ihre Minnezeit: Reineke und Edelmarder. Beide gefürchtet ob ihrer Raub­lust und Verschlagenheit, aber auch geschäht von echten Weidmännern und Baturfreunben. Wel­cher Weidmann möchte diese beiden Räuber in deutschen Jagdgründen missen!

Bleiben wir gleich bei dem lehtern. Richt jeder 3äger ist so glücklich, in seinem Revier Edelmarder zu beherbergen. Größere Wal­dungen find Vorbedingung für das Vorkommen dieser Raubwildart. Aber auch in diesen ist der gefürchtete Räuber heute nicht mehr so häufig wie in früheren Zeiten. Gerade diese Wildarr ist in der Rachkriegszeit, wie wohl keine andere, gezehntet. Die Rachstellungen, denen sie aus­gesetzt war, sind auf die erstaunlich hohen Preise, die für die Marderbälge von den Pelzhändlern gezahlt werden, zurückzuführen und haben ihre Ursache also weit mehr in menschlicher Gewinn- sucht, als in hegerischen Bestrebungen, die den mäßigen Abschuß zum Schuhe des von dem Mar­der verfolgten Kleinwildes er macht sich auch, wo ihm die Gelegenheit geboten wird, an Reh­wild heran fordern. 3m Februar hat der Edelmarder seine Ranzzeit. 3n starker Erregung folgt der Rüde der Spur des Weibchens, um deren Besitz unter den einzelnen Bewerbern hef­tige Kärndfe ausqetraaen werden. Wie überall in der Ratur. ist auch hier der Stärkere der Sieger, der Begünstigte der Begehrten. Für den wahren 3äger ist es ein herrlicher Genuß, den Hochwald auf Marder abzuspüren.

Richly so selten wie der Edelmarder ist der zweite Räuber, der vorhin erwähnt wurde, der Fuchs. 3hn in der Ranzzeit zu jagen, haben auch Besitzer oder Pächter von Feldjagden oder solchen mit geringem Waldbestand Gelegenheit Der rote Freibeuter ist zu jeder 3ahreszeit interessant. 3n der Ranzzeit aber, wenn hinter d"r Fähe oft mehrere Rüden jaaen, a-währt er einen besonders reizvollen Anblick. Es kommt afcb häufig vor. daß er zu dieser Zeit sorgloser ist als sonst, weshalb man mitunter auch auf Feldjagden ihm gegenüber Erfolg haben kann, namentlich, wenn diese Remisen aufzuweisen shaben. Viel 3nteressantes bieten zur Ranzzeit oft kleine Fuchstreiben, an denen nur einige gute Schützen, je nach Größe der Treiben imb Be­schaffenheit des Geländes etwa 37 teilnehmen. 'Fährt bann der Rotrock aus einer Schonung! ober einem Bruch heraus, dann ist ein rascher unb dabei sicherer Schuh am Platze. Denn Rei­neke ist bekanntlich ein zäher Bursche. Auch ldas Absuchen Ijcr Röhren mit guten Hunden farm oftmals Erfolg bringen. Besonbers reiz­voll ist diese 3agbart in schwierigem Gelänbe. QIn die Schießfertigkeit des Schützen stellt sie in wechsclvollem Gelände nicht unbeträchtliche Anforderungen. Manch 3äger stand, nachdem der Fuchs wie ein Pfeil aus der Röhre gefahren war, mit abgeschossenem Gewehr und dummem Gesicht da. Auch die Schleppe sei erwähnt unb der Ansitz am Luderplatz.

Der Februar. Öen wir eingangs mit bezug auf die 3agb auf öas Ruhwild als jagdlich toten Monat bezeichnet haben, kann dem Weid­mann sehr Wohl viele herrliche 3ägerfreuben bringen. Er muß sich nur bic Mühe machen fein Revier aufzusuchen unb ihm nicht etwa fernbleiben, weil es nichts zu schießen gibt. Den Revierinhabern kann nicht genug empfohlen wer­ben. gerade jetzt, nach der eigentlichen 3agdzeit, recht viel draußen zu sein, einmal, um zu wissen, was das Revier birgt man kann sich über den Bestand an den einzelnen Wildarten gerade während der Schonzeit leicht unterrichten und zum anderen, um ungebetene Gäste aller Art von den Grenzen des Reviers fernzuhglten.

Mit Genugtuung sei noch festgestellt, daß die zahlreichen Ermahnungen zum mäßigen Hasenabschuh, die von ernsthaften Weidmännern, 3agdvereinen imb der Iagdvresse kamen, größ­tenteils auf fruchtbaren Boden gefallen sind: 3n vielen Revieren haben Sreibragben über­haupt nicht ftattgefunben; man hat sich lediglich daraus beschränkt, ein paar Küchen Hasen zu schle ßen. Dadurch ist für die Hebung der Hasen­jagden viel getan.

Auf die Pflicht jeden wahren Weidmannes in der Fütterung des Wildes nicht zu erlahmen, sei nochmals hingewiesen. Vorderhand ist die Fütterung in den meisten Revieren nicht erfor­derlich, da die Felder schnee- und eisfrei find. Das kann aber über Rächt anders werden.

Gießener Wochenmarktvrcise

am 5. Februar. (Händlerpreise.)

Es kosteten das Pfund: Butter 190 bis 200 Matte 35, Käse 60 bis 70, Wirsing 15, Weiß-, kraut 15, Rotkraut 20. gelbe Rüben 10, rot< Rüben 15, Spinat 50, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 25, Rosenkohl 60, Feldsalat 100, To­maten 150, Zwiebeln 15, Meerrettich 40 bis 80, Schwarzwurzeln 70, Kartoffeln 5, Aepfel 12 btt 18, Birnen 15. Dörrobst 35. Honig 40, Endivien 100; das Stück: Gier 15 bis 16, Blumenkohl 120 bis 200, Lauch 5 bis 20, Sellerie 20 bis 70 Pf.

Wettervoraussage^

Rur nachts Temperaturen um Rull Grad Morgennebel, auch tagsüber meist bedeckt, mil­der, mit geringen Riederschlägen muß gerechnet werden.

3nfolge schwacher Bewölkung fand in der letzten Rächt stärkere Wärme-Ausstrahlung statt, so daß die Morgen-Temperaturen in der Rähe des Gefrierpunktes unb bas nächtliche Minimum in unserem Bezirk etwas darunter lagen. Mit Eintritt stärkeren Frostes ist noch nicht zu rech­nen, da westlich Irland erneut wärmere Luft gegen den Kontinent vordringt und über den britischen 3nfeln schon stärkerer Barometerfall eingetreten ist.

Bornotizen.

Tageskalender für Donners­tag. Stadttheater: 63A UhrDer Bettelftubent",