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Montag. 5. Januar 1925
175. Jahrgang
®. 5 Erster. Blatt
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der Note eingetroifcn.
Englische Nervosität.
London, 5. San. (Sil.). Die einmütige
Essen, 4. San. (WSB.) Der Sturm, der seit Neujahr hier tabt, hält mit unverminderter Heftigkeit an und steigerte sich nachts zu großer Stärke. Der Regen seht nur vorübergehend aus. Die Temperatur ist dauernd auf)er» gewöhnlich mild und betrug heute zehn (Arad Wärm e. Durch den Sturm wurden mehrfach bedeutende Schäden verursacht. Die Flüsse sind ununterbrochen im Steigen. Ruhr und Wupper führen Hochwasser und überschwemmen bereits weite Strecken.
Sturmschäden in Holland.
Amsterdam, 3. San. 'WB). Der schwere Südweststurm, der seit Donnerstag Rächt in Westholland herrschte und erst heute morgen zum Abflauen [am, hat nach den jetzt aus einzelnen (Gebieten vorliegenden Rachrichten ver- schiebe-.tiH schweren Schaden bervoroeru'en. Besonders wurde der
Annahme von Anzetaen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorhei ohne jedeDcrbindlichKeit.
Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 nur Breite örtlich8, auswärt« 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.TOnirr, Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°»Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Lange, für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; fürder Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.
Haltung der deutschen Presse über die Verurteilung der englischen Politik in der Kölner- Frage hat in der englischen Oeffentlichleit eine nicht verkennbare Nervosität hervorgerufen. Die Fadenscheinigkeit der Beweisführung trägt nur dazu bei, Die Ansicherheit des Urteils in der englischen öffentlichen Meinung zu vergrößern. Weit verbreitet ist die deutsche Auffassung, daß die englische Regierung fehl- gegriffen habe, indem man Deutschland, anstatt den Verhandlungsweg zu beschreiten, einsach vor die vollendete Tatsache gestellt habe. Der „Observer" erklärt, daß das Kölner Problem nicht vom wirtschaftli chen Problem getrennt werden dürfe.
Oslo, 4.San. (TU.). Bei dem gestrigen, orkanartigen Sturm an der norwegischen Küste wurden auch drcideutscheDampfer schwer beschädigt, darunter einer von der Stinneslinie in Hamburg. Ein anderer deutscher Dampfer von 7003 Tonnen mit Rarnen „(Sur o = p a" ist bei Skudesnaes gestrandet unb anscheinend ganz ücr.oven, 28 Mann der Besatzung sind an Land gerettet.
Hamburg im Sturm.
Hamburg, 4. San. (WB.) Der Stur m, der seit gestern herrscht, steigerte sich in den heutigen Vormittagsstunden zu großer Heftigkeit. Bei der Polizei und den Feuerwachen sind eine Reihe Meldungen über Sturmschäden verschiedenster Art eingelaufen. So sind an vielen Stellen der Stadt Schornsteinbrände ausgebrochen. Don einem Hause an der Verbindungsbahn wurde das Dach abgebedt. Sn Uhlenhorst wurden ebenfalls an zwei Gebäuden teilweise die Ziegel abgebedt und die Wellbleche losgerissen und herobgeschleudert. Personen wurden nirgends verletzt.
Aus Cuxhaven wird in den Abendstunden ein Wasserstand bon 6' > Meter
über normal gemeldet. Sn kurzen Zwischenräumen hallen die Hochwasserwarnungsschüsse der Batterie am Stintfang über die Stadt und den Hasen. Der Südweststurm erreichte nach Mitternacht eine Stärle von 28 Sekunden Metern. Sm Hafen hat sich eine große Anzahl von Schleppdampfern losgerissen und ist
ins Treiben gekommen, jedoch konnten bisher alle geborgen werden.
Auch auf der Nordsee herrscht schwerer Sturm.
Die Lage der deutschen Wirtschaft.
Reichswirtschaftsmiuifter Hamm über notwendige Reformen.
Berlin. 3.San. <WB.) Sn der Sonntags- nurnmer der „Sndustrie- und Handelszeitung" nimmt Oer Reichswirtschaftsminister Hamm ausführlich Stellung zu den Wirtfchaftsproblemen der Gegenwart. Sede Währungs» und Wirtschaftspolitik werde von der Grundtatsache der Kapitalentblutung ausgehen müssen, die
Schiffsverkehr erheblich beeinträchtigt.
Sn Amsterda m war die Feuerwehr fast ununterbrochen in Ta.igkei-, um das Publikum vor herabfa.lendm Schornsteinen un) anderen durch den Sturm b.-schäb g-'en Dachaullaulen zu schützen. Eine Anzahl Zuge traf mit Der- spätung ein.
Auch der Luftverkehr wurde erheblict beeinträchtigt. So ist von den Flugzeugen der Königlichen Luftfahrt-Gesellschaft kein einziger Apparat gestern ausgestiegen. Sm Hafenge» biet gerieten einige
Schiffe ins Treiben, tonnten jedoch sofort wieder befestigt werden. Arn südlichen Eingang des Fahrwassers in das „Neue Meer" lief ein kleineres mit Sand und Kies beladenes Schiff voll Wasser und versank. An der Hendrikskade wurden 3 Eisenbahnwagen vorn Sturm in Bewegung gesetzt, die drei Handkarren überfuhren. Von der Vo- lendamer Fischerflotte war es etwa
40 Fahrzeugen unmöglich, nach Dolendam zurückzukehren, so daß sie an anderen Orten anlegen muhten.
Das Wasser des Zuider See wurde durch den Sturm erheblich verflacht, so daß bat Schiff, bas ben Verkehr mit Marken versieht, bie letzten zwei "Fahrten nicht ausführen konnte Sn Haarlem würbe die Spitze eines alt- hollänbischen Giebels, in bem ein Case unter - gebracht war. abgeschlagen, jeboch würben Menschen glücklicherweise nicht getroffen. Sn OJmuiben mußten mehrere Dampfer ihre Ausfahrt aufgeben unb vor Anker gehen. Sm Saak- Hafen im H a a g würbe einWohnschiff bur<h ben Sturm umgeschlagen; doch konnten lick die Bewohner noch rechtzeitig in Sicherher bringen. Das Schiff ist gesunken.
Das Wasser kommt?
Essen, 5. San. (SU.) Die anhaltend star« ken Regenfälle der letzten Sage haben auf der Ruhr ein Hochwasser hervorgerufen, tote seit vielen Jahren nicht. Zn Duisburg zeigte der Pegel Samstagmorgen einen Stand von 0,55, gestern morgen von 1,60, gestern nachmittag v,5 Uhr von 2,20 bei weiter steigendem Wasser V'on den Deobachtungsstationen oberhalb der Ruhr wird allerdings eine Abnahmeder Flut gemeldet.
Die Ni^>erungsgebiete an der Ruhr sind weit überschwemmt. Viele
Straßen stehen unter Wasser unb die Verbindungen sind gestört. Sn Mül- Heim a. d. Ruhr zeigte der Pegel Sonrttag- nachmittag einen Stand von 4,20. Gegen Abend wurde ein Stillstand der Flut beobaHtst. Cr
Aus den Spuren des Sturmes
Orhan in Norwegen, Holland und an der deutschen Nordseehüste.
Neue Hochwassergefahr im Rheinland.
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hie Bildung des überparteilichen Kabinetts
Dr. Marx nimmt mit Deutschnationalen Fühlung.
L|r Nase der Deutschnationaleu Einwendungen «i machen hat. unb mit Sympathien oder Anti- Mi?t<n läßt sich in der Politik nicht arbeiten.
Zs bleibt allo dabei, daß daS Zentrum Äfc lLchrheitsbildung, die nach dem Ausfall der 3:l)I.'n bie einzig gegebene war, abge lehnt « und infolgedesseii auch für ben Fortgang *: Entwicklung verantwortlich ist. Dafür aber «e es nur eine naturgemäße Lösung. Wollte HOi den ganzen vnr[amcntarifd)cn Srrtoeg burch- iili*2i. bann hätte ja auch der hoffnungslose Sr.1uch eines Kabinetts unter beutschnationaler Sprung gemacht werben können. Aber diesen lh'.Deg konnte man sich zur Not sparen, wenn « ! den Pfad eiiischlug. auf den das Zentrum Äncoiefcn hatte: öie Rückkehr zur Wei - i rcr Koalition. Gewiß. Zentrum. So- Äd<moiraten unb Demokraten haben int Reichs- I feine Mehrheit, sie sind aber boch bie elfte Kombination unb hätten cs teihin versuchen können, ob sie sich nicht im ihstag zunächst durchsetzten.
Dir können uns sehr wohl vorstellen, bah eine Parteien nicht von vornherein auf bie |ierungserklärung mit einem Mihtrauens- gm geantwortet hätten, fonbern ber neuen l'crung Zeit liehen, zu zeigen, was sie zu lei» imstande war. Daß sie nichts leisten würde, i 1‘> freilich fest. Nachdem aber bas Zentrum die Demokraten mit aller Gewalt bie Ver- i :vung zu ben Sozialdemokraten hin finden > hxn, muhte ihnen auch bie Möglichkeit gege- i i lein. Arm in Arm mit den Svzialde->no- ftu ihr Sahrhundcrt in bie Schranken zu for- t’- Sie hätten sich sehr rasch festgelaufen, beim wenn sie bie Fortsetzung her bisherig:n npo 1 it i k proklamierten, müssen sie die ^Politischen Grenzen bes Lvn- ifivner Protokolls ziehen, die auf eine Trnßchaltung unserer Wirtschaft hin- yizisufen durch Aenberung unb Vereinfachung fet Steuergesetzgebung, aber auch burch Erho- tiiig des Nutzeffekts unserer Produktion. Wie bas i it drm gesetzlich festgelegten Achtstundentag gc= B werben sott, wie gleichzeitig eine gesunde gcfcftgel'ung mit den Sozialdemokraten ge5 sott, das sind Fragen, die schüehlich nur *tti Zentrum unb bie Demokraten sich zu beant- 3-t: et brauchten, sie hatten es ja nicht anders i'SMlt, warum solllen sie sich also nicht die daran ausbrcchen?
Ziur so war es möglich, zu einer Stabili- iiotiing unserer Derhältnisse zu gelangen. - Denn
Die Preussische LandtaqSsraktion der Deutschen Volkspartci
hielt am Samstag eine Sitzung ab, ber auch eine große Anzahl von Mitgliebem ber Reichstagsfraktion, u. a. Reichsaußenminister Strefemann, beiwohnten. Cs würbe ein offizielles Kommunique ausgegeben, in b.em es u. a. heißt: Die Lanb- tagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat keinerlei Veranlassung gefunben. ihren Stanbpunkt zu ändern, wonach sie ihre Politik im engsten Einvernehmen mit bet Reichstagsfraktion zu führen gewillt ist. Sm Landtag ist eine große Anfrage der Deutschen Volkspartei übet die Vorkommnisse bei der Preußischen Staatsbank anläßlich der Geschäftsverbindung ber Staatsbank mit Holz- mami, Kutisker, bem Barmat-Konzern usw. eingegangen. Weiter forbert ein Antrag der Deutschen Volkspartei, ber Reichsregietung bekannt- zugeben, daß Preußen jeder Maßnahme bet Reichsregierung zustimmt, bie barauf abzielt, bem Versuch der Ententestaaten entgegenzuireten. die Kölner Zone wider das Völkerrecht und entgegen bem Versailler Diktat über den 10 San. hinaus besetzt zu halten. Die Staatsregierung wird ersucht, durch jede mögliche Art vor ber Oeffentlichkeit ber Welt a uch von Preußen aus gegen b ief e f r e m b c Veb rück ung z u protestieren unb ferner den Bewohnern ber Kölner Zone die Anteilnahme ber Staats- regteiung unb des Landtags an ihrem schweren Schicksal bekanntzugeben.
Der Vertragsbruch.
Vor der Ucbergabe der Dotschafternotc
Paris, 4. San. (Set. ün.) Wie Havas aus Berlin berichtet, haben die alliierten Botschafter heute vormittag ben Text bet Note bekommen. in ber bie Nichträumung bet Kölner Zone angefünbigt wirb. Die Botschafter von Belgien, Frankreich. Stalien und Sapan haben sich gestern vormittag auf der britischen Botschaft versammelt und zusammen mit dem englischen Botschafter den Text der Note verglichen. Es wurde die üebeteinflimmurtg der fünf Sexte festgostellt und eines ber Exemplare von sämtlichen fünf Botschaftern unterzeichnet. Dieses Exemplar wird heute mittag Ahr von
»Hheint täglich, außer :5hru und Feiertags.
Beilagen: HtbsnerFamilienblätter ^Heimat im Bild. t:iats:8e$ug$preis: tttilumark u. 20 Gold- Umig für Trägerlohn, M) bei Nichterscheinen Ä einzelnen Nummern »Ige höherer Gewalt. l|r n f p r c ch,Anschlüsse: Äciftlcitung 112, Der- MpdGeschästsstellebl. «hcift für Drahtnach- iU'emLnzrigerGießett.
Postscheckkonto: Mnlfurt a. M. 11686.
bem Zentrum wäre es ohnehin schon nicht angenehm, sich in aller Oeffentlichkeit erneut mit ben Sozialbernokraten zu zeigen, wenn es zudem vielleicht Erfahrungen in der Anmöglichkeit des Zusammenarbeitens mit ben Sozialde.nokraten ge= ammelt hätte, bann war es vielleicht reif für ben Dürgerblock, unb wir könnten damit rechnen, daß nach diesem kurzen Sntermezzo des Linksblockes eine starke Ernüchterung auch des linken Flügels des Zentrums kam, bie dann von elbst zu einem Wiederau fbauprogramm ber bürgerlichen Parteien führte und uns für mehrere Sahre aus der ewigen Krrsen- luft heraushalf.
Das alles hat Herr Dr. Marx verhindern wollen, weil ihm diese Konsequenz seiner Politik lompromittierllch erscheint. Deswegen arbeitet er jetzt auf sein überparteiliches Kabinett hin, das, wenn es den Deutschnationalen gefällt, icherlich nicht die Zustimmung der Demokra- t e n findet, wenn es aber den Demokraten genehm ist, wieder eine Absage von den Deutschnationalen erhalten wird. Nur mit sehr viel Glück und mit ehr viel Geschick kann sich dieses Kabinett länger als einige Wochen halten. Daß es dagegen im- taube ist, bei seinem losen Zusammenhang mit ben Parteien die großen innerpolitischen Reformen gegen ben Widerstand der Sozialbemokoaten burchzuführen, bas soll es erst noch beweisen.
Die neuenVerhandlungen des Kanzlers.
Die Volkspartei in Preupe«.
Berlin, 5. San. (Prid.-Tel. des Wolff- buteauS.) Reichskanzler Dr. Marx führte gestern, der „Zeit" zufolge, im Sinne des ihm erteilten Auftrages zur Bildung einer überparteilichen Regierung Verhandlungen mit verschiedenen der Deutschnationalen Volks- partei nahestehenden Persönlichkeiten. Wie verlautet, sott es sich dabei um die Neubesetzung des Reichsministeriums des Innern unb des AeichswirtschaftSministeriums handeln. Wie das Blatt bemerkt, wird der Stand der Verhandlungen nicht als ungünstig bezeichnet. Sm Laufe des Montagnachmiltags werde es sich zeigen, ob die Besprechungen zu einem positiven Ergebnis führen werden. — Der „Montag" will wissen, daß für die Besetzung des Wirtschafts- Ministeriums Ministerialdirektor a. D. Neuhaus und für den Posten des Innenministers Vizepräsident Kries in Frage kämen. Die Genannten hätten sich ihre Entscheidung bis heute Vorbehalten. Wie das Blatt weiter schreibt, hat man in parlamentarischen Kreisen den Eindruck, daß die Deutschnationalen eine derart umgeän- derte ReichSregierung unterstützen würben, allerdings unter der Voraussetzung, daß die Deutsche Dolkspartei in Preußen alle Anstrengungen macht, um auch dort eine auf den gleichen Prinzipien aufgebaut« Regierung herbeizuführen.
bem englischen Botschafter im Beisein seiner Kollegen der Reichsregierungs übergeben werben. Der britische Botschafter wirb bei biefer Gelegenheit auf die Debeutung ber Note Hinweisen unb ankündigen, bah eine zweite Mitteilung folgen wird, sobald Die alliierten Mächte sich an Hand des Schlußberichts der Kontrollkommission ein Bild von der Abrüstung Deutschlands gemacht haben werben. Er wirb gleichzeitig die Reichs- regierung davon benachrichtigen, daß die Note morgen in ben alliierten Hauptstäbten der Oeffentlichkeit ü b er geb en werben soll. Gestern vormittag ist in Berlin eine schriftliche Bestätigung bes telegraphischen Tex-
sich bei ben Banken am meisten auswirke, ba bem Verlust an Golbkapital nur verhältnismäßig wenig Sachwerte gegenüberftanben. Es sei bähet zu verstehen, bah bie Banken sich allmählich bemühten, toieber zu einer gefunben Kapitalbilbung zu kommen, wobei sie auch im letzten Jahre einiges erreichten. Es fei richtig, auf bicscrn Wege sortzufchreiten, jeboch auch notwendig, ben Prozeß sich allmählich unb in Ruhe entwickeln zu lassen. Auch für bie Snbuftric, ben Hanbel unb bas Hanbwerk sei es unerläßlich, bie Wieberbildung eines eigenen Bctriebska pilals zu betreiben, boch müsse baneben bie Erhaltung bes Absatzes unb bie Sicherung eines auskömmlichen Arbeitsertrages als gleichberechtigt stehen. Die Preispolitik habe zwar bie Nachwirkungen ber schlimmen Snftationsgewohn- heitcn übertounben, boch bleibe indbefonbere im Wiberstanb gegen bie Wiebereinsührung beweglicher Preise noch manches £u tun übrig.
Die Forderung der Wirtschaft aus
Reformierung des SteuerwesenL bestehe nicht zu Anrecht. Die Pflicht des Jahres 1924 sei die Erhaltung der Währung, und zwar auf Kosten der Wirtschaft gewesen. DaS Jahr 1925 dagegen bringe die Berechtigung und die Verpflichtung mit sich, in tiefgreifenderer Weise als es bisher geschah, ben organischen bauernden Bedürfnissen ber Wirtschaft im einzelnen nachzugehen unb Rücksicht zu gewähren. Die Wieberherstettung einer günstigen Bilanz unserer Zahlungen unb unseres Außenhandels sei bisher nicht gelungen. Die Rückwanderung beS deutschen Kapitals habe ihre Grenzen wohl schon erreicht. Die Hereinnahme ausländischer Kredite bedeute aber neben dem Dort eil ber Verflechtung ber Wirtschaften untereinander und des Antriebs für die deutsche Wirtschaft doch ernste Nachtette für bie Zukunft. Das Ziel der aktiven Handelsbilanz dürfe daher nicht aus dem Auge gelassen werden. Einfuhrverbote und ähnliche 'Zwangsmaßnahmen feien wirkungslos und stimmten nicht mehr mit ber jetzigen Gestaltung unserer Handelsbeziehungen überein. Der Minister wies den Vorwurf zurüci. daß die Wirtschaftspolitik des Reiches allzu sehr außen- handelspolitisch gestimmt sei unb ben Snnenmo.rft vernachlässige. So sehr er bessen Vebeutung anerkenne, müsse er doch die 5rc.ce auftoerfen, womit Deutschland bie privatwirtichcrftliche unb völkerrechtliche Schuldenlast ab tragen solle, wenn nicht durch die Ausfuhr deutscher Arbeit. Der Londoner Pakt bleibe Theorie, wenn Deutschland nicht eine wachsende Ausfuhr ermöglicht werbe. ___ ______
»erlitt, 3. Jan. (TA.) Amtlich. Der tn HSkanzler halte heute vormittag die in Hl- genommene Aussprache mit den Führern e[ ^cichstagsfrakllvtten des Zentrums, der Mu ischrn Dolkspartei und ber Demo« Kien. Der Verlauf der eingehenden Bespre- tvqen ergab, daß die drei Fraktionen auf den « ihnen aus Anlaß der Regierungsbildung ge- ttn Beschlüssen beharren und somit die Ml'chkeit der Bildung einer Mehr- Mitregierung nicht gegeben ist.
Berlin, 3. San. (DD.) Heute nachmittag Wd«r Reichskanzler nacheinander den Vorsitzen- «« der deutschnationalen Reichstagsfraktivn, Mi eie, und den Vorsitzenden der fozialdemo- Eiii^cn Reichstagssraktion, Hermann Mül- ti empfangen. Eine Aenderung der gegentoar* Mta Lage In der Frage der Regierungsbildung I durch diese informatorischen Besprechungen i io t eingctreten. Der Reichskanzler hat infolge- efltit dem Reichspräsidenten über daS ^:vniS der Aussprache Bericht erstattet. Da 04 der von den Fraktionen eingenommenen Deining die Bildung einer auf einer parlamen- Mkhen Mehrheit beruhenden Regierung nicht ist, hat der Reichspräsident den Reichs» Wirt Dr. Marx beauftragt, eine dieser parla- ml»rischen Lage Rechnung tragend« Reichs- egteung zu bilden. Reichskanzler Marx hat den Ii'trag angenommen.
- Das hot der Reichskanzler wirklich sehr ein gemacht, baß er bem Zentrum aus ber «legenheit half, inbcin ec sich auf ben Weg ci überparteilichen Geschäftskabi- • et t 8 brängen lieh Selbstverstänblich, feine <i ii Bemühungen bei den Parteien waren von herein hoffnungslos, alle Fraktionen liegen Ältst, bah eine Brücke zur Verständigung von Wc aus morgen nicht mehr gefunden werben ani. Es war beshalb von Anfang an zwecklos, tedi einmal die Visitenkarte abzugeben, bas muhte L-: fein, well sonst ber normale Staatsbürger ,u i-ichi auf ben Gebanken gekommen wäre, df jicr irgendwie Versteck gespielt werden sott. ■Inb darauf kommt es doch hinaus. An fich Ü c3 zwar richtig, bah bie beiden möglichen Nc>:hensbilbungen durch die Fraktionsbefchlüsse Wöinbcrt würben: bas Zentrum tollt ben It >t ß b I o d nicht, bie Deutsche Volks- ? forte i will bie grohe Koalition nicht, i lrohdeni besteht zwischen biesen beiden ationen ein grober Anterschieb. Die Deutsche fShartct kann immerhin barauf verweisen, xl lie den Versuch bes Zusammenarbeit ens mit ben Sozialbernokraten ge- Mcht hat, bah aber innerhalb weniger Monate toi Kabinette baran zerbrachen, weil es lh hcransstettte, bah bie sozialbemokratische teil ion ihre eigenen Minister im Kabinett im Mifr lieh unb gegen sie stimmte; während bas Ätcum boch im Grunde nur gegen bie poli-
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General-Anzeiger für Gderhessen
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