Ausgabe 
4.9.1925
 
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Eine Lösung, die das Mossulgebiet bei der Türkei belasse, würde dagegen eine Sicherheit für die Türkei darstellen und Wirtschaft und .handel zwi­schen der Türkei und den europäischen Staaten beleben. Die Türkei, die friedlich in ihren Grenzen leben wolle, weise die Ansprüche Englands zurück und vertraue daraus, daß der Völkerbund gegen­über der modernen Türkei nicht die Methoden an- wenden werde, wie sie gegenüber dem alten Otto- manischen Reiche angewandt wurden.

Die Türkei sehe in ihren Beziehungen zu Eng­land nur einen einzigen Streitpunkt, nämlich die Mossulsrage. Die Türkei könnte es niemals ver­stehen, wenn der Völkerbund unter Heranziehung der verschiedensten Vorwände und mit künst­lichen Mitteln der Türkei einen I e 11 ihres nationalen Bodens entziehen würde. Tewfik Bey vertrat dann mit großer Ent­schiedenheit den Gedanken der Unteilbarkeit des Mossulgebietes. Er bekämpfte ferner den Ver­such, das Mossulgebiet u n t e r M a n d a t zu brin­gen. Diese Frage sei überhaupt niemals ge­stellt worden und der Rat könne sich daher auch nicht darüber aussprechen. Da im übrigen die Türkei innerlich stabil und außerdem viel weiter entwickelt sei als der Irak, so müsse es selbstver­ständlich sein, daß die Frage, wem das Mossul­gebiet zugeteilt werden solle, zugunsten der Türkei und nicht zugunsten des Iraks entschieden wird. Der Völkerbund sei zur Vermittlung zwischen der Türkei und England angerufen worden. Wenn er ober das Mossulgebiet nur unter Mandat [teilen wolle, so trete er plötzlich als Präten­dent und nicht mehr als Vermittler auf. Die Auf­rechterhaltung der türkischen Souveränität über dos Mossulgebiet, so schloß Tewfik, ist daher unter der acgebenen Sachlage die einzige praktische Lösung, die gleichzeitig auch der Gerechtigkeit entspricht.

Auf Vorschlag Briands vertagte sich dann der Rot auf Freitag vormittag, um Amery Gelegen­heit zur Krittk auf die Ausführungen des tür­kischen Außenministers zu geben. Man rechnet da­mit, daß sich der türkische Außenminister eben­falls nochmals zum Wort melden wird, bevor der Rat, wie man vermutet, den seitherigen Bericht­erstatter U n d e n - Schweden mit der Einlei­tung weiterer Verhandlungen zwischen den beiden Delegationen beauftragen wird.

Der internationale Friedens­kongreß.

Paris. 3. Sept. (WB.) Das Mißver­ständnis. das infolge des Ausfalles der für gestern angekündigten Rede des Reichs- tagspräsidenten Lobe auf dem Frie­denskongreß entstanden war. hat heute seine Aufklärung dadurch gefunden, daß Tlnterrichts- minifter de Monzime als Stellvertreter des Außenministers bei dem Frühstück, zu Ehren der auswärtigen Delegationen auf die besondere Delikatesse hinwies, die den Reichstagsprä- sidenten Lobe gestern veranlaßt habe, wegen der Richtanwesenheit des Kammerpräsidenten Her- riot auf feine Rede zu verzichten. Er gab gleichzeitig dem Bedauern der französischen und der übrigen Delegationen, und des gesamten französischen Volkes darüber Ausdruck.

Dieses Bedauern unterstrich bei der Haupt­sitzung des Kongresses auch noch einmal der Vor­sitzende des Kongresses, Richet, der gleichzeitig erklärte, er könne zu seiner Freude mitteilen, daß es feinem Drängen gelungen sei, den Reichstags- Präsidenten Loebe zu veranlassen, seine Rede heute noch zu halten. Der Reichstagspräsident Löbe er­griff darauf sofort das Wort zu der bereits gemel­deten Rede. Der Präsident der Republik, Doumergue, hot heute nachmittag im Elysee die Delegierten des Friedenskongresses empfangen.

Der Drusenaustand.

London. 4. Sept. (WTB. Funkspruch.) Daily Expreß" berichtet aus Jerusalem, der Sultan habe ihm erklärt, daß er keine Friedens­bedingungen. die ihm von den Franzosen unter­breitet würden, annehmen werde, da er ihnen mißtraue. Der Sultan der Dru'en forderte völlige Unabhängigkeit nicht nur für den Dschebel- Drus. sondern für ganz Syrien. Er be­reite einen großen Aufstand gegen die Fran­zosen vor und erwarte eine Aufstandsbewegung in Damaskus. Die Drusen verfügten über 10000 Bewaffnete. Bisher hätten sie, abgesehen von den durch französische Fliegerbomben getöteten Frauen und Kindern nur 300 Mann verloren, während die Franzosen bereits über ZOO Mann eingebüht hätten.

Zahlreiche Beduinen sollen sich den Drusen ongeschlossen haben, so daß die Zahl der Auf­ständischen jetzt fast 20 000 beträgt. Die Drusen erwarten einen französischen Angriff und ver­stärken daher die von ihnen besetzten strategi­schen Punkte. Sie haben in der letzten Woche in den Ortschaften Baweida und Hurjillah sowie in der Rachbarschost von Kieweh lalle Orte sind 7 bis 10 Meilen von Damaskr s entfernt) Gendarmerie - Abteilungen über­fallen. den Gendarmen die Kleider weggenom­men und sie nackt nach Damaskus ge­schickt. In Esra sind zwei Kompagnien der französischen Ehrenlegion eingetroffen.

PeLain - Oberkommandierender in Marokko.

Poris, 3. Sept. (TU.) Der heute zusammen- ceiretenc Mmisterrot Hot die Ernennung des Mar- Icholls P e t a i n zum alleinigen Oberkomman­dierenden der marokkanischen Streitkräfte out­geheißen. Marschall L y a u t h e y behält den Posten des Generolresidenten, wobei ihm jedoch kein Kontrollrecht über die militärischen Opera­tionen mehr zusteht. Aus T e t u a n wird gemeldet, daß die ganze Nacht hindurch mit den Ausstän- dijchen gekämpft worden sei, die in das Gebiet von Andjero einzudringen versuchten. Abd el Krim Hobe onaeordnet, daß die Märkte während der Rocht nicht beleuchtet werden dürfen, um die Be­schießung durch Flugzeuge zu verhindern.

Keine (Einigung in der Optantenfrage.

Berlin, 3. Sept. (TTl.) Die Reichsregie­rung hat entsprechend ihrer Haltung in der Optantenfrage und den Wünschen des Reichs­tages durch ihren Gesandten in Warschau noch einmal den Versuch gemacht, auf der Basis des gegenseitigen Verzichtes er­neute Ausweisungen von Optanten zu vermeiden. Da die Zahl bei- in beiden Ländern noch verbliebenen Optanten ungefähr gleich ist. hätte eS unschwer zu einem Verzicht auf

diese wirtschaftlich widersinnige und menschlich sehr beklagenswerte ..Völkerwanderung" kommen können. Wie wenig guten Willen die polnische Regierung zeigt, zu einer solchen Verständigung zu gelan­gen, geht unverlennbar aus der Tatsache hervor, daß der deutsche Gesandte in Warschau bis zum heutigen Tage auf seine Vorschläge vom 31. August ohne Antwort geblieben und der polnische Minister für auswärtige An­gelegenheiten Skrinzynski gestern nach Paris und Gens abae reist ist. ohne verabredeter­maßen auf die deutsche Demarche zuruckgekommen zu sein. *

Als Antwort auf die gewaltsame Ausweisung von 50 deutschen Optanten aus Polen hat die preu­ßische Regierung 50 polnische Optanten zum Der- lassen Deutschlands veranlaßt.

Hindenburgs Besuch im Ruhrgebiet.

Bochum, 4. Sept. (Priv.-Tel.) Die ange- lündigte Reise des Reichspräsidenten in das be­freite Ruhrgebiet wird mit dem Besuch Bo­chums am 16. 9. beginnen. Hier ist folgendes Programm vorgesehen: An den offiziellen Emp­fang auf dem Bahnhof schließt sich eine Fahrt durch die Hauptstraßen der Stadt nach dem Parlhaus an. Dort ist ein Empfang und eine Vorstellung der Behörden vorgesehen. Den Schluß der Veranstaltung bildet um 5.30 Uhr eine öffentliche Kundgebung auf der Terrasse des Parkhauses, bei der der Reichs­präsident eine Ansprache halten wird. Die Abfahrt des Reichspräsidenten ist für 7.30 Uhr mit Sonderzug oder Kraftwagen vorgesehen. Von Bochum begibt sich der Reichs­präsident nach Essen.

Der KultuseLat im preußischen Hauptausschutz.

Berlin. 3. Sept. (TU.) Der Hauptaus- chuh des Preußischen Landtages nahm die Ab- timmungen zum Kapitel Lehrerbildung des Kultusetats vor. Angenommen wurde ein Antrag, wonach dafür Sorge getragen werden soll, daß nicht durch Schuldeputationen, deren Mitglieder in der Mehrheit Gegner der christ­lichen Schulen sind, die Belange der evan­gelischen und katholischen Schulen gefährdet werden. Gefordert wird ferner eine Statistik, wie die an Volksschulen tätigen Lehr­kräfte sich auf die einzelnen Besoldungsgruppen verteilen. Weiter wurden Maßnahmen vorge- chlagen, die es begabten Kindern de s platten Landes mehr als bisher ermög­lichen sollen, mittlere und höhere Schulen zu besuchen. Weitere Anträge erstreben einen ge­rechteren Schullastenausgleich, Rach- prüsung der Frage der mittleren Reise, Herab- etzung der Pflichtstundenzahl, zur Hebung der Rot der Junglehrerschaft und Emfüh- rung der Lehrer in die Aufgaben der Sexual­pädagogik. Der Ausschuß nahm ferner einen Antrag der Rechtsparteien, des Zentrums und der Demokraten an. wonach infolge Verhei­ratung freiwillig aus dem Schuldienst scheiden­den Lehrerinnen eine Abfindungssumme oder Rente gesichert werden soll.

Industriespionage in Leverkusen

Berlin. 3. Sept. (Wolfs.) Rach einer Mit­teilung der Direktion der Farbenfabrik vor m. Bayerin Leverkusen wurden im Besitz des Vorsitzenden der Ortsgruppe Wiesdors der kommunisttschen Partei, Knöpf le, Aufzeichnun­gen über Fabrikationsverfahren der Farbenfabrik gefunden, die für bas Ausland bestimmt waren. Knöpfle habe kommunistische Angestellte und Arbeiter der Firma durch Bestechung zur Aushändigung der Fabrikationsmethoden ver­anlaßt.

Aus aller Welt.

Neues Eisenbahnunglück in Frankreich.

Paris, 4. Sept. (WTB.) Funkspruch. Der Per- sonenzug, der zwischen St. Jean Pied de Port und Bayonne verkehrt, ist gestern nachmittag mehrere Kilometer von Bayonne verunglückt. Alle Wagen sind aus den Schienen gesprungen, nach einigen Meldungen auch die Lokomotive. Drei Wagen wurden umgeworsen und zertrümmert. Drei Personen sollen getötet und über 20 verletzt worden sein, davon sechs schwer. Der an die Unfall­stelle entsandte Hilfszug war bis 10 Uhr abends noch nicht zurückgekehrt. Der Unfall soll sich an einer Kurve etwa zwei Kilometer vom Bahnhof Bidarray (?) entfernt ereignet haben. Der Zug soll im Augenblick des Unfalls mit einer Geschwin­digkeit von 70 Stundenkilometer ge- sahren sein, während die Höchstgeschwindigkeit an dieser Stelle nur 50 Kilometer beträgt. In dem Zuge befanden sich zahlreiche Kinder, die zu einer Ferienkolonie gehören; sie sind aber glück­licherweise unverletzt geblieben.

Eröffnung eines Flughafens im Ruhrgebiet.

Die Eröffnung des ersten Derkehrsflughafens des Ruhrgebiets in Essen fand in Gegenwart von Oberpräsibent Gronowski unter großer Beteiligung bet Bevölkerung statt. Ober bürget-/ meister Bracht hielt die Weiherede für den auf dem Mühlheimer und Essener Stadtgebiet ge­legenen Hanbelsflughafen. Er gedachte zunächst der eben befreiten rheinischen Schwesterstadt und führte u. a. aus, baß der FlughafenRuhrgebiet" als erster Lufthafen in dem bisher besetzten Gebiet unmittelbar nach der Be­freiung in Betrieb genommen unb als erster, aber nicht einziger, Hanbelsflughafen im Westen Deutschlands der Eingliederung des gesamten rheinischen Industriegebietes in das internatio­nale Luftverkehrsnetz bienen werde.

Bei der Brandstiftung umgekommen

In dem badischen Ort Engen brannten vor einigen Tagen die Lagerhallen des Ma­schinenhändlers Heiß nieder, wobei ein größerer Materialschaden entstand. Bei den Aufräu- mungsarbeiten fand man nur das Skel ett eines menschlichen Körpers, das auf Grund pes Eheringes als Leiche des Heiß identifiziert wurde. Da bei Ausbruch des Brandes eine Explosion stattfand, wirb angenom­men, baß Heiß bas Feuer selbst angelegt hat unb dabei umgekommen ist. Da feine Der- mögcnSverhältnisse schlecht standen, wollte er sich wahrscheinlich durch die recht beträchtlichen Der- sicherungssummen sanieren.

Brandstiftungen in Berlin.

In einem großen Eckhaus im Kottbuser Damm in Berlin brach Montag abend Feuer aus, dem der Dachstuhl des Gebäudes zum Opfer fiel. Zwei Feuerwehrleute erlitten Rauchvergiftungen und Brandwunden und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Es wurde einwandfrei Brand­stiftung festgestellt, da drei völlig voneinander getrennte Brandherde beobachtet werden konn­ten. Es wird angenommen, daß es sich um die­selben Täter handelt, die kürzlich zahlreiche Brände in Reukölln angelegt haben. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden.

Schweres Dootsunglück auf dem Bodensee.

Lindau i. Bodensee, 2. Sept. (WTB. Funk- sprach) Am Dienstag abenb geriet unweit der Hafen-Einfahrt in der Dunkelheit ein mit zwei Mädchen und einem jungen Mann besetztes Ruderboot in die Radschaufel eines Dampfers. Das Boot tourte dabei voll­ständig zertrümmert und ein Mädchen und ter junge Mann von der Radschaufel des Dampfers getötet. Das andere Mädchen konnte vom Dampfer aus gerettet toerden.

Gin Berliner Postrat verschollen.

Vor einigen Wochen war nach Berlin die Rachricht gelangt, daß der Berliner Postrat Paul Bennecet, ter mit feiner Gattin eine Reise in die Dolomiten unternommen hatte, auf einer allein ausgeführten Tour abge stü rzt oder verunglückt sei. Die Ermittelungen eines von der Oterpostdirettion dorthin entsandten Be­amten lassen es aber wahrscheinlich erscheinen, daß Bennecet das Opfer eines Raub­überfalles geworden ist; es wirb vermutet, da»; ter Mörder die Leiche verscharrt hat.

Verbesserung des Flettnerrotors.

Dem Zivilingenieur Strucyna aus Mülheim- Styrum ist es gelungen, ein Schiff mit stehenden Zylindern herzustellen, bei dem die Ausnutzung der Windkrast mit Preßluft bewirkt wird. Nach einem Gutachten des hydro-dynamischen Instituts in Essen soll der durch die Erfindung ge­wonnene Effekt doppelt so groß sein wie der Magnuseffekt. Die Erfindung soll eine Reihe prak­tischer Vorteile gegenüber dem Flettnerschen Rotor­schiff haben. Das Versuchsschiff hat bisher zwei Probefahrten auf der Ruhr unternom­men und soll demnächst auf dem W a n n s e e bei Berlin Probefahrten machen.

Große Siedlungsanlage.

Rheinberg am Niederrhein, 2. Sept. (WTB.) Die Deutschen Solvaywerke haben das seit Jahren im Besitz einer Krefelder Familie gewesene Gut G a t h gekauft. Das Werk will auf dem Gute eine großangelegte Siedelung schaffen und Hun­derte von Familien und Angehörigen des Werkes unterbringen.

ileberfatl auf einen Mstorzug in der arabischen Wüste.

In ter Wüste wurde ein auf dem Wege von Bagdad nach Beirut befindlicher Mo- torzug von Räubern angehalten. Es kam zu einer Schießerei, bei der ter Führer tes Zuges sowie zwei weitere Personen, darunter eine Frau, schwere Verletzungen erlitten. Der Goldtrans- pvrt wurde gestohlen. Der Verkehr durch die Wüste ist vorläufig gestört.

IHammutfunb in Sibirien.

In der Nähe des Dorfes B i t s ch u r i in Trans- bafalien ist das gut erhaltene Skelett eines riesen­haften Mammut.gefunden worden. Ein Oberschen­kelknochen des Tieres wiegt etwa fünf Zentner, ein Backenzahn über sechs Pfund.

Ameisenschwärme an der Loire.

Bei St. Etienne ist gestern ein starker Schwarm fliegender Ameisen niedergegangen, der sich auf den Bäumen festsehte. Die Be­wohner der Gegend muhten Türen unb Fen- ft e r geschlossen halten, um sich gegen das Eindringen der QImeifen zu schützen. Die Ameisen- schwärme zogen dann längs der Loire aufwärts.

Aus Stabt und Land.

Gießen, ten 4. September 1925.

Steuerfälligltetien im September

Im Monat September werden folgende Steuern fällig:

5. Septemb er: Lohnsteuer für die Zeit vom 21. bis 31. August einschl. ter für die Zeit vorn 1. bis 10. August bzw. 11. bis 20. August einbehaltenen, noch nicht abgelieferten Beträge ohne Rücksicht auf deren Höhe;

10. September: Llmsahsteuervorauszab- lung für den Monat August mit einer Schon- frist von 7 Tagen; Gewerbescheine für Rech­nungsjahr 1925, letzter kostenfreier Zahlungs­termin;

15. September: Lohnsteuer für die Zeit vom 1. bis 10. September, sofern her Gesamt­betrag mehr als 50 Rm. beträgt;

25. September: Lohnsteuer für die Zett vom 11. bis 20. September, sofern der Gesamt­betrag für gen. Zeit ober mit den für die Zeit vom 1. bis 10. September einbehaltenen, noch nicht abgeführten Beträgen zuf. mehr als 50 Rm. beträgt.

^Verkehrsregelung für den / 118er-Tag.

Das Polizeiamt Gießen hat für ten 1 16er- Tag eine V c r k e h r s o r b n u n g getroffen, in der bestimmt wird:

Der Landgraf-Philipp -Platz unb der Branbplah werden am 6. September 1925, von 9 Ubr vormittags ab. bis zur Beendi­gung der Denimaiseinweihung für jeden Verkehr gesperrt.

Von 2,30 Ubr nachmittags ab werten fol­gende Straßen, soweit sich durch sie der Festzug bewegt, für die Dauer tes Festzuges für jeden Verkehr mit Kraftwagen, Kraft- und Fahrrädern und Fahrzeugen jeder Art gesperrt: Reustadt, Bahnhofstraße, Westanlage, Seltersweg, Goethe- straße, Ludwigstrahe. Kaiserallee.

Die Kaiserallee darf von ter Abzwei­gung der Licher Straße bis zur Abzweigung der Straße GießenReiskirchen von 2 Ubr nach­mittags ab bis 10 Uhr abends von Kraftfahr­zeugen jeder Art nur mit einer Höchstgeschwindig­keit von 10 Kilometer in der Stunde befahren werten.

Die Aufstellung ter konzessionierten Kraft­droschken und Pferdedroschken darf nur auf der rechten Seite ter Straße21m Kugelberg" (Fahrt­richtung Kaiserallee) erfolgen.

Die Aufstellung von Privatfahrzeugen jeder Art darf nur auf ter rechten Seite ter Kaiser«

allce jenseits ter RestaurationSchützetthaus" tattfinten.

Der Selterstoeg wird für ten Durch­gangs verkehr mit Kraftwagen. Kraft- urrb Fahrrädern (nicht Kranken rädern» für die Zett von 8 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends ge- perrt. Die Sperre gilt nicht für Fahrten zur Erledigung geschäftlicher ober privater Ange­legenheiten i n tem Seltersweg.

In gleicher Weise wird die für den Verkehr mit Kraftfahrzeugen und Krafträdern überhaupt gesperrte Mäusburg für ten Durchgangs­verkehr mit Fahrrädern gesperrt.

Die angeordneten Sperren gelten nicht für Dienstfahrten der Polizei, ter Feuerwehr, de« Militärs, der Post unb des Sanitätsdienstes.

Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeiver­ordnung werten mit Geldstrafe bis 90 Reichs­mark bestraft.

BorrroUzsn.

Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 8 Uhr Lustiger Abend von Aloi« Großmann.Die Wanderer" Rabf.-Ges.: 8V2 Uhr Vereins lokal Monatsversammlung. Gießener Freiwillige Feuerwehr: 8V2 Uhr bei Müller, Dahnhofstr., Versammlung. Öffent­liche Eltern-Versammlung: 8 Uhr Katholisches Vereinshaus mit Vorttag.

Wettervoraussage.

Roch vorwiegend bedeckt, frische westliche bi« nördliche Winde, kühler, noch stellenweise Regen- älle.

Das Ties liegt auch heute noch unverändert über dem Baltikum fest, während bas Hoch im B)esten sich etwas ausgedehnt und verstärkt hat. Die weitere Aufklärung wirb in ten nächsten Tagen erfolgen, doch ist mit niedrigen Temper raturen und gelegentlichen Riederschlägen zu rechnen.

** Freie Bahn in den Zugangs- traben zum Wochenmarkt. Das Polizei­amt Großen teilt mit. daß in letzter Zeit auf ben an ten hiesigen Wochenmarkt angrenzenden Straßen, insbesondere in der Sonnenstraße, Fuhr­werke, die bereits entleert sind, in größerer An­zahl aufgestellt werden. Infolge des gerate cm Markttagen starken Verkehrs ist das Stehenlassen der entleerten Fuhrwerke in den an den Markt angrenzenden Straßen ein Mißstand, der aus verkehi^polizeilichen Gründen weiterhin nicht mehr geduldet werten kann. Die Polizeibeamten find angewiesen, gegen diesen Mißstand energisch einzuschreiben unb Zuwiterhantelnbe zur An­zeige zu bringen.

* Neue Rentenbankscheine über 10 Rentenmark. Die Deutsche Rentenbank gibt bekannt, daß von Anfang September ab neue Rentenbankscheine über 10 Rentenmark mit dem Ausstellungsdatum 3. Juli 1925 ausgegeben werden. Die neuen Scheine treten an die Stelle der bisher ausgegebenen Rentenbankscheine über 10 Renten­mark vom 1. November 1923; die noch umlaufenden Scheine der alten Art behalten aber bis auf wei­teres ihre volle Gültigkeit.

* * Der große 116er-Tag wird u.a. auch eine theatralische Aufführung in der Bolkshalle bringen. Das StückP 0 r f" behandelt den be­kannten Stoff der Konvention von Tauroggen, wo General Port in dem Konflikt zwischen der Pflicht gegen den König, und der gegen sein Volk hin- und hergerissen wird, endlich aber über den zaudernden König siegt und das Werk der Befreiung einleitet. Der Autor ist eine bekannte Gießener Per- s ä n 1 i ch k e i t, deren Name erst nach dem Fest genannt werden soll. Die Haupttolle des Stückes spielt Karl Juhnke vom Gießener Stadttheater.

"Wie die Preise gestiegen sinb. er­sieht man aus einer Veröffentlichung ter Hessi­schen Zentralstelle für die Lantesstatistik, in bet die Preise für De kleidungsgegenstände inttge- teilt sind, wie sie in Darmstadt. Gießen unb Worms für Juli 1914 unb Februar bis Juli 1925 ermittelt wurden. Ein Herrenanzug au8 Forster Stoff kostete im Juli 1914 in Sarmftabt unb Gießen 28 Mk., in Worms 30 Mk.; der­selbe Anzug kostete vom Februar bis Juli 1925 in Darmstadt 45 Mk., in Gießen 42 Mk., in Worms 49,50 Mk. Für einen Schulanzug lauten für 1914 die Ziffern entsprechend: 16,50, 15,50, 18 Mk. unb für 1925: 30. 25. 27,50 Mk. SS kostete ferner: ein wollener Frauencheviotrock 1914 in Darmstadt 3 Wk., in Gießen 3,75 Wk., in Worms 3,50 Mk.; 1925 in Darmstadt 6,80, in Gießen 5,50, in Worms 7,50 Mk.; eine baum­wollene Flanellbluse 1914 in Darmstadt 2Wk., in Gießen 2,25 Mk., in Worms 2,50 Mk.; 1925 in Darmstadt 4 Mk., in Gießen 3,25 Mk., in Worms 5 Mk.; eine weiße Waschbluse (Ba­tist) 1914 in Darmstadt 4 Mk., in Gieße« 2,50 Wk., in Worms 4 Mk.; 1925 in Darmstadt 7,50 Mk., in Gießen 4,50 Mk., in WormÄ 7,50 Mk. Aus der Statistik ist weiter zu er­sehen, daß die Preise für Schuhe verhältnis­mäßig viel weniger gestiegen sind. Das Be­sohlen (genagelt) mit Absätzen von ein Paar Männerstiefeln kostete 1914 in Darmstadt und Gießen 3 Mk.. in Worms 3,50 Mk.; 1925 in Darmstadt 5,50 Mk., in Gießen 5,40 Wk. (im Februar 6,90 Mk.), in Worms 6,40 Mk.

* * Das Fest der goldenen Hochzeit feiern morgen, Samstag, der Weißbindermeister Karl Neuling unb Frau Luise geb. Salzmann, Steinstraße 72 wohnhaft. Das Jubelpaar erfreut sich noch der besten geistigen und körperlichen Rüstigkeit.

Oeffentlichc Bücherhalle. Im August wurden 1308 Bände ausgeUehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 791, Zett­schriften 71. Jugendfchriften 65, Literaturge­schichte 12, Gedichte unb Dramen 24, Länder unb Völkerkunde 61. Kulturgeschichte 29, Ge­schichte und Biographien 81. Kunstgeschichte 11. Raturwissenschaft unb Technologie 63. Heer- und Seewesen 14. Haus- und Lcmbwtttschast 6. Ge­sundheitslehre 9, Religion unb Philosophie 39, Staatswissenschast 16. Sprachwissenschaft 8, Fremdsprachliches 8 Bände. Rach auswärts kamen 14 Bände.

** Aus dem Gießener Standes­amt s r e g i st e r. Es verstarben in ter Zeit vom 15. bis 31. August: 20. August Paul Hof­mann, 4 Jahre alt, Löwengasse 11. 23. August Heinrich Adam Lindenstruth. Schmiedemeister, 62 Jahre alt, Tiefenweg 6. 24. August Ludwig Rohrbach, ohne Beruf. 72 Jahre all, Licher Straße 74. 26. August Margarete Heilmann, geb. Roth, Witwe, 70 Jahre alt, Wolfstraße 14. 27. August Ehriftian Gottlieb Zimmer, Ober­telegraphensekretär i.R., 63 Jahre alt, Reuen Bäue 21. 28. August Kaspar Römer, Maschinist, 63 Jahre alt, Schiffenberger Weg 56. 30. August Emma Strack, Rentnerin, 81 Jahr« qlt, Ludwig-