Ausruf an die ehemaligen deutschen Krieger zur Teilnahme an dem Feste hat bereits in allen Teilen des deutschen Vaterlandes, namentlich in den Kreisen der Kriegerverbände, lebhaften Widerhall gefunden. Verbürgt doch in der Tat die Festord- rtuiig in hohem Maste eine eindrucksvolle Feier. Für Samstag, den 17. Oktober, sind auher den Empfängen der auswärtigen Teilnehmer vorgesehen: Die Aeberführung der Fahnen nach der Wandelhalle des Reuen Rathauses, eine Aufführung des Festspieles „Heldenehrung" von Otto Riebicke, sowie deutsche Abende in verschiedenen Sälen und Hallen. Am Sonntag, dem 18. Oktober, dem Gedenktage dc< Völkerschlacht, findet früh 6 Ahr Weckruf stgtt. Ihm folgen Festgottesdienste in allen Kirchen der Stadt, ein großer Festzug der Teil
nehmer nach dem Völkerschlachtdenkmal, eine Gedächtnisfeier zu Ehren der Gefallenen am Fuste dieses Denkmals, turnerische und gesangliche Darbietungen auf dem Ausstellungsgelände, eine Wiederholung der Aufführung des Festspieles „Helden- ehrung" und schliestlich Abschiedsfeiern, die mit dem Zapfenstreich beschlossen werden sollen. Für Montag, den 19. Oktober, sind vorgesehen, Führungen durch die Stadt, Wanderungen über die Schlachtfelder von 1813, Fahrten nach dem Khff- häuser, der Rudelsburg und der Wartburg. An der Vorbereitung dieses ersten deutschen Reichskriegertages wird in Leipzig schon umsichtig gearbeitet. Heber Einzelheite erteilt nähere Auskunft die Geschäftsstelle des „Ersten deutschen Reichs- kriegertages" in Leipzig.
Die Ztratzenbahnfrage Me^en-Meseck.
In der Gießener Stadtverord- neten-Sitzung vom Donnerstag gab Beigeordneter Dr. Seib gelegentlich der Haushalts-Beratung beim Titel „Elektrische Straßenbahn" die nachstehende Erklärung der Stadtverwaltung zur Strahenbahnfrage Gießen — Wieseck ab:
Vor kurzem ist in den Gießener Zeitungen ein Eingesandt mit der Ueberschrift: „Arn Grabe der elektrischen Straßenbahn Gießen—Wieseck" erschienen (In unserem Blatte stand die Einsendung unter der Ueberschrift: „Das Straßenbahnprojekt Gießen—Wieseck gescheitert". D. Red.), das Angriffe gegen die Stadl Gießen enthält, die ebenso unrichtig wie unbegründet sind. Die Ausführungen des Eingesandts sind geeignet, ein irreführendes Bild der tatsächlichen Vorgänge und Verhältnisse zu erwecken. Eine Richtigstellung scheint daher geboten. Die Gemeinde Wieseck hat unter dem 14. November 1924 einen Gemeinderatsbeschluß übermittelt, der den Wunsch der Erbauung einer Straßenbahn nach Wieseck zum Ausdruck brachte. Irgendwelche Einzelheiten waren dabei nicht angegeben. Daraufhin wurde die Straßenbahn mit der Ausarbeitung eines Projektes mit Kostenanschlag und Rentabilitätsberechnung beauftragt, das unter dem 6. Januar 1925 oorgelegt wurde. Das Anlagekapital war auf etwa 250 000 Mark — jedoch ohne Geländeerwerb — berechnet. Die jährlichen Ausgaben — einschließlich Schuldendienst — beliefen sich auf ungefähr 45 000 Mark; die zu erwartenden Einnahmen sind von diesem Betrag nicht abgezogen. Nachdem der städtische Finanzausschuß beschlossen hatte, daß der Frage nähergetreten werden sollte, sand am 29. Januar 1925 die erste Verhandlung mit den Vertretern der Gemeinde Wieseck statt. Seitens der Stadt Gießen wurde zum Ausdruck gebracht, daß als Grundlage für den Vertragsabschluß die Trennung der Einnahmen des alten Netzes und der neuen Strecke gelten müsse, damit das von der Gemeinde Wieseck in Aussicht gestellte Angebot der Deckung des etwaigen Fehlbetrags praktisch durchgeführt werden könne. Eine abweichende Auffassung der Wiesecker Vertreter trat erkennbar nicht hervor. Nachdem verschiedene weitere Rücksprachen stattgesunden hatten, machte die Gemeinde Wieseck unter dem 4. April 1925 das erste Angebot, wonach die Gemeinde sich verpflichtete, „für die Rentabilität der Straßenbahn aufzukommen"; jedoch war folgender Zusatz gemacht worden: „Von der gesamten Einnahme aus dieser Linie darf jedoch von feiten der Stadt der Einnahmeanteil 20 Prozent nicht übersteigen." Abgesehen von der Unklarheit des Wortlautes wurde damit ein neues Moment in die Verhandlungen hineingetragen, das im Widerspruch mit den seitherigen Ergebnissen stand. Es fand daher nochmals eine Besprechung am 15. April zwischen Vertretern von Wieseck und Gießen statt, in der wiederholt als Standpunkt der Stadt das Verlangen nach getrennter Rechnungsführung für das alte und neue Netz mitgeteilt wurde. Daraufhin lief unter dem 26. April 1925 ein Auszug aus dem Gemeinderatsprotokoll von Wieseck ein, das außer den vereinbarten Fahrpreisen wiederum den Zusatz enthielt: „Von diesen Einnahmen erhält die Stadt für Benützung der städtischen Linie 20 Prozent."
Der städttsche Betriebsausschuß stimmte in seiner Sitzung vom 7. Mai grundsätzlich der Errichtung einer Straßenbahnlinie Gießen—Wieseck zu; die Be
schaffung des erforderlichen Kapitals von 250 00 bis 300 000 Mark sollte ausschließlich durch die Stadt Gießen erfolgen. Er machte für den mit Wieseck abzuschließenden Vertrag jedoch zur Bedingung, daß die Rechnung für das alte Netz und die neue Strecke getrennt geführt werden müsse, und daß dementsprechend die auf jeder Strecke erzielten Einnahmen für diese verrechnet werden müßten. Die von Wieseck verlangte Teilung aller Einnahmen auf der neuen Strecke — auch für Benutzung des Stadtnetzes! — von z zugunsten von Wieseck und £ von Gießen wurde einstimmig abgelehnt; eine Ausnahme wurde, um Wieseck entgegenzukvmmen, bei den Arbeiter- Wochenkarten (12 Fahrten im gesamten Straßenbahnnetz für 1,50 Mark!) gemacht, wo man der Einnahmeteilung von | von Wieseck und | für Gießen zustimmte. Diese Stellungnahme wurde Wieseck durch Schreiben vom 8. Mai in den Grundzügen mitgeteilt. Arn 11. Mai befaßte sich der städtische Finanzausschuß wegen des erforderlichen Kredits mit der Angelegenheit. Er stimmte der Erichtung der Bahn grundsätzlich unter den vom Betriebsausschuß vorgeschlagenen Bedingungen mit gewissen Aenderungen zu. In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 13. Mai 1925 sollte deren Stellungnahme herbeigeführt werden. Am 12. Mai ging ein Schreiben von Wieseck ein, worin wiederum zum Ausdruck gebracht wurde, daß der Stadt Gießen für Benutzung der Linien des Stadtnetzes nur 20 Prozent der Einnahmen zufallen sollen. Nicht unerwähnt sei, daß sich darin auch der Passus befand, „daß entweder die Stadt diesem Vorschlag beitreten müsse, ober daß das Garantieangebot von Wieseck hinfällig werde". Ich bin der Ansicht, daß die Stadt Gießen es nicht nötig hat, sich die Pistole auf die Brust setzen und sich die Bedingungen der Gegenseite, die sie nicht für tragbar hält, nach dem Rezept: „Vogel friß oder stirb" aufzwingen zu lassen. Auf Grund dieses letzterwähnten Schreibens befaßte sich der Betriebsausschuß nochmals mit der Angelegenheit und beschloß, auf seinem Standpunkt hinsichtlich der Teilung der Einnahmen der beiden Strecken bestellen zu bleiben, jedoch durch eine Unterkommission mit einer Kommission von Wieseck nochmals verhandeln zu lassen.
Ueberraschend traf am 17. Juni, ohne daß diesem Schreiben eine Ankündigung vorausgegangen war, eine Zuschrift der Gemeinde Wieseck ein, die die Verhandlungen als erledigt erklärte und das Garantieangebot zurückzog. Als Begründung wurde die „nebensächliche und hinhaltende Behandlung seitens der Stadt" angegeben. Es steht fest, daß Wieseck schon Monate vor diesem Schreiben mit Firmen wegen der Einrichtung von Auto-Omnibus-Linien verhandelt hat. Wei^i man in Wieseck auf die von der Stadt Gießen gestellten Bedingungen nicht eingehen konnte oder wollte oder eine andere Lösung für besser hielt, so hätte man dies offen sagen sollen. Nicht aber sollte man versuchen, eine Schuld der Stadt an dem Nichtzustandekommen der Straßenbahnlinie durch die Art der Verhandlungsführung zu konstruieren und damit die Oeffentlichkeit irrezuführen.
Nun noch einige Worte zu dem Garantieangebot. Die Strecke Wieseck—Wiesecker Weg beträgt 2 Km. und die Strecke Wiesecker Weg—Bahnhof 2,4 Km.; als Fahrpreis waren für die Strecke Wieseck—Bahnhof 30 Pf. vorgesehen. Bei dem von Wieseck ver
langten Teilungsmahstab von £ und wären also bei einer Fahrt von Wieseck nach dem Bahnhof 2 4 Pf. für Wieseck für die 2 Km. lange Strecke gutgeschrieben worden, während die Stadt Gießen den Wiesecker Fahrgast für 6 Pf. eine Strecke von 2,4 Km. hätte befördern dürfen; das gleiche hätte bei Fahrscheinheften, die 2,40 und 2,80 Mk. je nach Streckenlänge hätten tosten sollen, gegolten. Es ist jederzeit nachzuweisen, daß die Stadt Gießen bei jedem dieser Fahrgäste bares Geld für die Benutzung des Stadtnetzes zugelegt hätte; bei einer Fahrt Wiesecker Weg—Bahnhof, für die sonst 20 Pf. Fahrpreis erhoben werden, decken 6 Pf. bei weitem nicht die Selbstkosten. Die gleichen Feststellungen treffen für Fahrten unter 9 Teilstrecken im Stadtnetz, für die der Fahrpreis 15 Pf. beträgt, zu. Sie von Wieseck angebotene Garantie wäre nach Auffassung des Betriebs- und Finanzausschusses im wesentlichen auf Rechnung der Stadt gegangen. Dabei mar von Wieseck die Frage, wie die Verrechnung einer Fahrt vom Bahnhof nach Wieseck erfolgen sollte, überhaupt nicht erwähnt. Der städtische Betriebsausschuß war — das ist Wieseck mitgeteilt worden — nicht geneigt, für die Wiesecker Arbeiterschaft, die zweifellos die größte Zahl der Fahrgäste stellen wird, Arbeiterwochenkarten einzuführen. Der Preis sollte 1,50 Mark für die Woche betragen; davon sollten Wieseck 1,20 und Gießen 0,30 Mk. zufallen. Auf Grund der Arbeiterwochenkarte mar der Fahrgast berechtigt, jeden Werktag zwei Fahrten unter Einschluß des ganzen Stadtnetzes vorzunehmen, so daß sich die Einnahme der Stadt für jede Fahrt auf 2,5 Pf, gestellt hätte. Dabei ist noch hervorzuheben, daß der Arbeiterverkehr sich der Natur der Sache entsprechend stoßweise abspielt, so daß also zu seiner Bewältigung außerhalb des Rahmens des normalen Betriebs weitere Wagen und weiteres Personal herangezogen werden müssen, was erhöhte Kosten verursacht.
Die Stadt Gießen hatte ihrerseits vorgeschlagen, die Rechnungen für das alte Netz und die neue Strecke vollständig getrennt zu führen. Zu dem Zweck war erforderlich, daß zu den seither vorhandenen Straßenbahnfahrscheinen neue für die Strecke Wiesecker Weg—Wieseck hinzukamen. Es wären demnach besondere Fahrscheine für diese Strecke ausgegeben worden; die Fahrt hätte 10 Pf. gekostet. Es wäre so eine Eingliederung der Fahrpreise der neuen Strecke in das alte Fahrpreissystem ohne Schwierigkeiten und ohne Benachteiligung der Interessen der Gießener Bevölkerung möglich gewesen. Nach alledem darf wohl mit Recht behauptet werden, daß die Stadt Gießen bereit war, weitestgehend entgegen- zukommen.
An die Erklärung schloß sich eine Aussprache an. in der von den Stadtverordneten allgemein zum Ausdruck gebracht wurde, daß man das Scheitern der Verhandlungen bedauere. Von einem Teil der Redner wurde betont, die Verhandlungen feien nicht gairz glücklich geführt worden, wahrend der größere Teil des Stadtparlaments der Haltung der Stadtverwaltung volle Billigung aussprach. Die Einrichtung einer Qluto- mvbillinie von Wieseck hält die Mehrheit des Hauses für ein Zwischenspiel, das vielleicht nicht von langer Dauer fein werde. Das Gegebene für eine Vorortverbindung mit der Stadt sei immer nur eine Straßenbahn. Das Projekt einer Straßenbahn Gießen—Wieseck werde man natürlich weiterhin im Auge behalten, und es werde auch von Gießen her gefördert, wenn die De- dingunaen derart seien, daß die Belange der Stadt bei aller Rücksichtnahme auf Wieseck ebenfalls genügend gewahrt würden. Im Augenblick könne seitens der Stadt nichts mehr unternommen werden, nachdem Wieseck abgebrochen habe, werde man zunächst abwarten müssen, wie sich die Entwicklung dieser Angelegenheit weiterhin gestalte.
Kirche und Schule.
y. Friedberg, 3. Juli. Das hessische Landesamt für das Bildungswesen will im Laufe dieses Jahres mehrere Lehrgänge' für Schulturnen, Spiel und Sport an verschiedenen
Orten abhalten lassen. Gegenwärtig findet ein solcher Kursus unter Leitung von Oberreallehrer K 1 ö s dahier statt, woran sechs akademisch gebildete Lehrer und 12 Reallehrer und Lehrer an mehrklassigen Volksschulen teilnehmen. Je einer der Teilnehmer ist aus Gießen, Offenbach und Nidda; die übrigen sind im Kreise Friedberg amtlich tätig. Sämtliche Teilnehmer haben bereits Turnunterricht erteilt und verfügen über turnerische Fertigkeit. Einer derselben, Schulverwalter Beck aus Nidda, hat im Frühjahr dieses Jahres die Prüfung als Turnlehrer an höheren schulen bestanden. Ihm ist in dem derzeitigen Lehrgang hier die Leitung über die Jugendspiele und Wettkämpfe übertragen worden. Der hiesige Kursus dauert drei Wochen und wird am li. Juli geschlossen werden. Gleichzeitig finden jetzt auch in M a i n z und Bensheim solche Lehrgänge statt, und im kommenden Herbst soll ein Kursus in Nidda für Turnlehrer der Kreise Büdingen und Schotten abgehalten werden.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Gießen. Sonntag, den 5. Juli. 4. n. Trinitatis. Stadlkirche. 8: Pfr. Mahr. Zugl. Christenlehre für die Reukonsirmierten aus der Matthäusgemeinde. 9'/,: Pfarraff. Hertel. 11: Kinderkirche f. d. Markus» gemeinde Pfarraff. Hertel. - IvhanneSkirche. 8: Pfr- Bechtolsheirner. Zugl. Christenlehre für d. Reu- lonfirmierten aus der Lulas gernelnd-r 91/,: Pfr. Ausfeld. 11: Kinderkirche für d. Iohannesgcmeinde. Pfr. Ausfeld. 8: Bibelbesprechung im Johannes- saal. Pfarraff. Hertel. - Kirchberg. 10. 11: Christenlehre für die konfirmierte männliche Jugend. - Lollar. 1'/,. — Wieseck. 81/,: Christenlehre. 91/,: Hauptgottesdienst. — Watzenborn-Garbenteich. Watzenborn - Steinberg: 1 (Pfr. Dittmar, Hausen). Garbenteich: 91/, (keine Christenlehre).
Katholische Gemeinden.
Gießen. Samstag, den 4. Juli. 4*/2 u. 7 Beichte. Sonntag,ö.Iuli. b.Sonntag n.Pfingsten.6'/.Deichte, 7 Messe, Korn, der Männer, 8 Korn., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Meffe mit Predigt, 2 Christenlehre und Andacht. - Grünberg. 91/, Meffe m. Predigt. — Hungen. Abends 6 Andacht mit Predigt. - Sich. 71/, Hochamt mit Predigt. - Laubach. 10 Meffe mit Predigt.
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als ich mich wieder schlaflos herumwälzte und in meinen kurzen Träumen nur Affen erschienen, die mich auslachten. Da kam mir der rettende Gedanke, denn „mein" Affe ließ die Schwarzen bis auf fünfzig Meter herankommen, während er vom Hügel her- unterhüvfte, sobald ich die Veranda verließ, und natürlich sofort wieder da war, wenn ich zu ihr zurückging.
Am nächsten Tag bestellte ich das „Siegesmahl" für 1.30 Uhr. Um 12.30 Uhr ließ ich mir von meinem Koch Herdruß und von meinem Jagdfundi (schwarzer Säger) feine rote Mütze (feez) geben und machte folgende Toilette: lieber meinen Khakianzug weißes Hemd, wie sie die Neger tragen (Kanzu genannt), Gesicht und Hände schwarz gefärbt, dann die rote Mütze auf und mit dem Gewehr hinter die Küche, die von der Veranda links stand. 12.50 Uhr war ich fertig, und genau um 1 Uhr erschien der Heldenschauspieler, der Teufel oder Affe auf der Bühne, wollte sagen auf dem Hügel mit meinem schönsten Mais.
Ich ging hinter der Küche vor, aber ohne Gewehr, und erst etwas weiter weg, der Affe beachtete mich nicht. Dann gehe ich, gerade wie die Schwarzen und deren Gang und Bewegungen nachahmend, auf ihn zu, bücke mich dann und wann, als ob ich Feldarbeit machte, und gehe wieder hinter die Küche zurück. Mein Freund beachtete mich nicht. Dann gehe ich zurück und nehme einen Spaten und einen Korb und gehe langsam und wieder arbeitend auf ihn im Zickzack zu, ich komme bis auf 100 Meter heran, er nimmt keine Notiz von mir und wundert sich wohl, wann die Vorstellung meinerseits von der Vercmoa aus beginnen würde. Ich gehe mit dem Korb auf der Schulter und dem Spaten, immer einen Eingeborenen nachahmend, nach der Küche zurück und ziehe diesmal mit Büchse, Svaten und Korb los, indem ich beim Gehen die Büchse genau dem Spaten entlang trage.
Ich komme wieder bis auf zirka 100 Meter; das Maisfeld, muß ich vorausfetzen, war schon teilweise abgeerntet, und da der Mais in Reihen gepflanzt war, hatte ich ausgezeichnetes Schußfeld.
Da hört der Affe auf einmal auf zu tauen, richtet sich etwas auf und widmet mir feine ganze Aufmerksamkeit, also höchste Bahnzeit! —
Als ich diesmal wieder aus meiner gebückten Stellung in die Höhe kam, hatte ich nicht den Spaten in der Hand, sondern die Büchse im Anschlag, der Schuß kracht, der Affe wirft feine Arme hoch und fällt wie ein Mensch, durchs Herz getroffen, tot nach hinten über.
Nie in meinem Leben habe ich vor- oder nachher ein solches Gebrüll gehört, wie aus 160 Kehlen meiner Pflanzungsarbeiter, die atemlos und für mich zitternd, aber versteckt, die ganze Vorstellung mit angesehen hatten. Alles stürzte herbei, und nachdem der tote Affe verspottet und durchgeprügelt worden war, denn jetzt hatten alle Mut, brachte ihn die ganze Bande unter improvisierten Siegesgesängen, in denen ich natürlich der Held des Tages war, im Triumph etwas hinter das Haus, wo er aufgeschnitten wurde, um zwei Tage in der Tropensonne an einem hohen Pfahl zu hängen, um das nötige Aroma zu bekommen für die Leopardenfalle.
Am Abend große Festlichkeit, zwar kein Feuer- werk, aber Tanz meiner Neger um den Pfahl, an dem sich auch schwarze Damen in ganz europäischer Balltoilette, d. h. außer einem glücklichen Lächeln sonst mit blitzwenig bekleidet, beteiligten, bei Trommel und Gesang, bis ich die ganze Gesellschaft nach Hause sandte, damit ich auf meinen Lorbeeren die wohlverdiente Siegerruhe finde.
Vorzüglich geschlafen, sehr gut gefrühstückt, Laune wieder normal, kehre ich 12 Uhr vorn Felde zurück und freue mich aufs ungestörte Mittagessen.
Wir setzen uns zu Tisch, da stürzen mein Koch und meine drei Hausboys bleich vor Schrecken (ja,
ganz recht, der Schwarze kann auch erbleichen, er wird grau im Gesicht bei höchstem Schrecken) und flüstern, denn laut zu sprechen wagen sie nicht: „Der Teufel ist wieder da!"
Na, Donnerwetter, das ist ja nicht möglich, ich habe den gestern geschossenen Affen doch noch vor zehn Minuten erst hinter dem Haus an der Stange hängend gesehen (und gerochen), ich gebe die Pflanzung auf, wenn diese Teufelsgeschichte nicht aufhört!
Ich stürze auf die Veranda, richtig, da sitzt wieder ein sehr großer Hundsaffe genau auf demselben Platz und frißt meinen Mais.
Rasch die Büchse, vorsichtig gezielt, diesmal etwas tiefer gehalten, und als der Schuß kracht, macht der Affe einen Luftsprung und stürzt zusammen, und als wir auf die Stelle kamen, war er resp. „sie", denn es war diesmal eine Dame, mausetot.
Ich kann mir die Sache nur so erklären, daß es ein altes Ehepaar war, und daß er — wie es ja auch bei den Schwarzen üblich ist — stets allein und nicht in Damengesellschaft speiste, und daß durch meinen täglichen Schuß die gnädige Frau oorgezogen hatte, ihre Mahlzeit auf einem weniger exponierten und nicht so luftigen Platz wie bisher auf einem Baum einzunehmen, nachdem ihr Herr und Gebieter seine Schlußvorstellung gegeben hatte.
So endete meine Teufelsgeschichte.
„Tarnen".
Gastspiel der Frankfurter Oper im Stadttheater Gießen.
Die Aufführung, die vor fast ausverkauftem Hause stattfand, stand durchaus im Zeichen Elisabeth Friedrichs als Titelheldin. Denn die Chöre, insbesondere die weiblichen Stimmen, klangen dünn und waren mehrfach unsicher im Einsatz, A. Permann als Escamillo, im Spiel nicht unsympathisch, wurde stellenweise stimmlich von dem allzu eigenwilligen Orchester erdrückt
und John Gläsers Don Jose stand darstellerisch wie musikalisch zu sehr im Schatten seiner Partnerin Friedrich, um nicht dagegen abzufallen. Luza Rotkowsky als Micaela sang das Liebesduett im ersten Akt mit leichter Grazie, ohne dabei eine gewisse Wärme missen zu lassen: auch im dritten Akt gelang ihr die nicht ganz leichte Partie mit den schwierigen Höhen durchaus zufriedenstellend.
Sehr fein, lebendig gefühlt und frisch gesungen war das Schmugglerquintett im zweiten
Stücktragend in jedem und dem besten Sinne jedoch war Elisabeth Friedrichs „©armen“. In vollendeter Künstlerschaft gestaltete sie ihre Rolle zu einem fast dem Ideal nachkvmmenden Erlebnis. Ihre starke Musikalität, verbunden mit schauspielerischem Können, halfen ihr zu dieser Glanzleistung. Diese Carmen ist nicht jenes traditionelle Zigeunermädchen, bet dem Altistinnen allzuviel Teuflisch - weibliches eiitsesseln — sie war eine stark bewußte, straff beherrschte Frau, (nimm dich in Acht!) Vollblut im Zügel, mit tausend Möglichkeiten — im Hintergrund; die Stimme schwer von blutechtem Trieb und glühender Sinnlichkeit.
Was hier und da im Orchester (Leitung Berthold Sander) gesündigt wurde (2. Akt!), kann bei solch führender Leistung gern übersehen werden, zumal auch Dekorateur und Beleuchtung (K. Löffler und L. Keim) besonders im 2. und 4. Akt sich offenbar Mühe gegeben hatten.
Zusammenfassend: die Aufführung hatte ein eigenes Gesicht, stand, von gewissen Unstimmigkeiten abgesehen, auf durchaus beachtlichem Niveau und fand am Schluß — wie auch nach den einzelnen Akten schon — den starken und berechtigten Beifall des vollbesetzten Hauses.
e-s.
Haselnüsse im Püddmg
sind etwas Neuartiges. Der herzhafte Geschmack der unter der Südsonne gereiften Haselnüsse gibt dieser bisher einzigartig dastehenden Puddingart einen eigenen Reiz. Jeder Puddingfreund und Feinschmecker schwört auf diesen
MONDAMIN-FEINKOST-PUDDING


