Einzelbild herunterladen

e.gentlich in Klassen für Schwachsinnige ge­hören. andere Kinder sind nur nervös, wieder anderen Kindern fehlt es am Sittlichen. Nur ausgesuchte Lehrkräfte sollten in d.esen Klassen tätig sein, nur Peftalozzinaturen: daran fehlt es. Wie schon Fräulein Birnbaum aus- lührte, ist es kein unb'lligeZ Verlangen, wenn man diesen Lehrkräften eine bessere Be­zahlung gewährt für ihre größere Muhe, lieber die Degabtenklassen Legen manche Klagen der Lehrerschaft vor, daß sie Eve anderen Klassen auSziehen oder auSlaugen. Die Lehr­pläne haben oft zwei Fremdsprachen. Die Aus­bildung der Lehrer in allen Ehren, aber besitzen sie alle Anforderungen für solche Klassen mit erweiterten Lehrz'elen? Ich glaube nicht an den Erfolg dieser Einrichtung: auf den höheren Schulen treten die Schuler, die von ihr Her­kommen, nicht besonders hervor. Die Deutsche Dolkspartei fordert in ihrer überwiegenden Mehr­heit die

Fortbildungsschule auch für Mädchen, wenn auch einige Mitglieder zurückhaltender find. Die Vorzüge der Fortbildungsschule liegen darin, daß sie die Allgemeinbildung und die Berufs­bildung fordert. Den Abbauanträgen des Bauernbundes können wir nicht zustimmen. Wir wissen, daß die Fortbildungsschulen störend in die Berufe eingreift, mehr noch als in der Landwirtschaft in das Gewerbe und in die Industrie. Man brauch: deshalb nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten. 3n Zeiten einer Notlage soll die Kultur nicht vernachlässigt werden. Zur Begründung dieser Forderung wurde oft a;f die Verhältnisse in Preußen nach dem Jahre 1806 hingewiesen. Für die Beamten waren das aber sehr schwere Zeiten, denn da­mals wurden viele r-ücksichtslos auf die Straße gesetzt. Gewisse Rücksichten auf die Wirtschaft können auch in der Fortbildungsschule durch- gefuhrt werden. Es ist erklärt worden, daß Hessen in bezug auf die Lehrerbil­dung mit an der Spitze der deut schen Länder steht, aber die körperliche Aus­bildung ist lange nicht so gut wie früher in Hessen: es gibt außerordentlich wenig Turn­lehrer, aber viele, die es werden möchten und nicht können. Wir halten es daher für notwendig, daß eine

Zentralstelle für Turnlehrer

errichtet wird, und an dieser Stelle möchten wir dem Oberstudienrat Lautenschläger für seine Mühewaltung zur Ausbildung von Turnlehrern danken. Man hat eine Entschließung des Philologen­vereins, in der die Besetzung einer Stelle, der das Turnwesen in Hessen unterstellt werden soll, so aus­gelegt. als ob sie von einem akademischen Philologen besetz: werden soll: unter akademischer Bildung ist aber hier eine Ausbildung auf einer Akademie für Leibesübungen zu verstehen. Es : e h l t i n H e s s e n an Turnhallen und Spielplätzen, so daß viele Anweisungen des Landesbildungsamtes über­haupt nicht durchgeführt werden können. Der Sturm gegen das Gymnasium kann als abgeschlagen gelten. Aber wir können immer noch vor überraschende Tatsachen gestellt werden. Wie steht es mit der Reform des höheren Schulwesens, und welche Kreise sind zur Mitarbeit gewonnen wor- den? Die Unruhe wird in die Schule auch durch die vielen Verordnungen hineingetragen, die nur für die Republik werben sollen. Man sollte nicht jedem schwarzweißroten Schleifchen nachlaufen, wäh­rend Schulern mit roten Schleifen nichts geschieht. Zum Polizeibeamten habe ich wenig Eignung: zum Geheimpolizisten erst recht nicht. Während meiner Schulzeit in Darmstadt ist niemals gegen Schüler wegen chrer Anschauung eingeschritten worden, ob­wohl solche darunter waren, die man heute als Kommunisten bezeichnen würde. Wer den Frei- ftaa t will, darf durch allerlei Maßregeln bei der Jugend nicht den Eindruck erwecken, in einem Polizei st aat zu leben. (Lebhafter Bei­fall rechts.)

Das Landesamt für das Bildungswesen hat er- » klärt, daß das

Schulgeld

i zwar hoch, aber noch tragbar fei. Die höheren Schu­len dürfen keine Standesschulen werden. Die Sozial-

T demokraten empfehlen die Klaffen mit erweiterten Lehrzielen immer nur den anderen, sie selbst aber schicken ihre Kinder auf die höheren Schulen. (Große Heiterkeit.) Die Anstellungsaussichten sind bei keinem Berufe so schlecht, wie bei den Philologen: auf drei Studienräte kommt bereits ein Anwärter. Auf dem Lande sind die Klaffen meist überfüllt: in Bü­dingen sind in einer Klasse 55 Schüler, die in das Französische eingeführt werden sollen. Die Lage der Amtsgehilfen ist außerordentlich traurig; sie stehen sich jetzt wesentlich schlechter wie vor dem Krieg. Wir haben deshalb einen Antrag eingebracht, daß den älteren Amtsgehilfen auf dem Lande wenig­stens die Aufstiegmöglichkeit in Gruppe 4 gegeben wird. Der Nationalversammlung in Weimar schwebte ein Schulideal vor, das nicht Wirklichkeit geworden ist. Neu ist nur die Grundschule, alles andere ist geblieben. In den Städten war es früher die Regel, daß die Kinder nach dem drittenSchuljahr nicht nur die der Vorschule in die S e x t a a u f - genommen wurden. Eine Untersuchung der Le­bensläufe berühmter Männer hat ergeben, daß sie meistens sehr früh das Maturum gemacht haben. Wilhelm Hauff war 25 Jahre alt, als er starb; was wäre es für ein Fehler gewesen, wenn man ihm ein Jahr praktischer Arbeit genommen hätte?! Der liebergang von der Grundschule zur höheren Schule nach drei Jahren ist eine Frage, an der auch viele Volksschullehrer interessiert sind; viele sind der Mei­nung, daß der Uebergang sehr gut erfolgen kann. Man begeht einen Diebstahl am wertvoll- ft en Volksgut, wenn man einen Schüler, der nach dreijährigem Schulbesuch reif für die höhere Schule ist, zurückweist. (Lebhafter Beifall.) Die höheren Schulen sind notwendig für den Wiederauf­bau und die Wiederaufrichtung des Vaterlandes; die Führer werden f i e stellen. Wir wünschen, daß die Führer aus allen Bevölkerungsschichten stam­men. Die Schule allein kann den Wiederaufbau nicht bewirken, ohne Schule wird es aber nicht gehen; die Schule wird das Beste dabei tun. (Lebhafter Beifall.)

Deutscher Reichstag.

Berlin, 3. Juli. Ohne Debatte nimmt das Haus in allen drei Lesungen das Handelsab­kommen mit Griechenland und den Gesetz­entwurf über das Internationale Abkommen zur Vereinfachung der Zolltarifförmlich­keiten an.

Das Haus wendet sich bann der Weiterberatung des Etats des Finanzmini st eriums zu.

Abg. H ö l l e i n (Komm.) spricht dem Finanz­minister jedes soziale Verständnis ab.

Abg. Drewitz- Berlin (Wirtsch. Vgg.) stimmt zwar grundsätzlich'dem Uebergang ber Steuern auf bas Reich zu, betont aber, daß die Selbstänbigkeit der Länder möglichst weitgehend gewahrt werden müsse.

Abg. Schröder- Mecklenburg (Völk.) betont, Steuern müßten aus dem Ueberschuß der Wirtschaft bezahlt werden. Damit schließt die Generaldebatte.

Abg. Diez (Ztr.) weist in der Einzelberatung darauf hin, daß seinerzeit mit lebhafter Mitarbeit der Rechten das Branntweinmonopol ge­schaffen worden sei. Für den Mißerfolg der Mono­polverwaltung schienen die Mängel in der Organi­sation grundlegend zu fein.

Abg. Eggerstedt (Soz.) wünscht grundsätzlich die Beibehaltung des Monopols.

Abg. Dr. Neubauer (K.) führt die Mißstände beim Branntweinmonovol darauf zurück, daß es die Reichsregierung an jeder Energie gegenüber den Interessenten habe fehlen lassen.

Damit ist die Einzelberatung des Finanzetats be­endet und das Haus bewilligt den Etat in zweiter Lesung. Ohne Debatte werden die Haushalte des allgemeinen Penfionsfonds, des Rechnungshofes des Deutschen Reiches und der Haushalt der Reichs­schuld in zweiter Lesung bewilligt.

Das Haus wendet sich dann der Beratung des Gesetzentwurfs betreffend Aenderung des Gesetzes über die

Erstattung der Rechksanwallsgebühren in Armen- fachen

zu.

Die Regierungsvorlage wollte den Rechts­anwälten als Gebühren bei Armensachen an ©teile der vollen Gebühren bei einem Streitwert bis zu 500 Mark 12 Mark, bis 1000 Mark 15 Mark und über 1000 Mark 20 Mark zugestehen. Der Ausschuß hatte zunächst die letzteren Ge­buhrenbeträge auf 20 bzw. 35 Mark festgesetzt. In den weiteren Beratungen ist der Ausschuß schließlich zu dem Ergebnis gekommen, die Ge­setzesvorlage überhaupt abzulehnen.

Nach längerer Debatte wird der Ausschuß- antrag abgelehnt. Annahme findet der erwähnte Kompromitzantrag, der auch bestimmt, daß das Aenderungsgeseh am 1. Aug. 1925 in Kraft tritt. Ebenfalls angenommen wird eine Entschließung der hinter der Regierung stehenden Parteien, durch die die Regierung er­sucht wird, dafür zu sorgen, daß die Streitwerte in Armensachen nicht zu niedrig bemessen werden.

Die Schlußabstimmung über die Ge­setzesvorlage wird auf Antrag des Abg. Koch (Dem.) namentlich borgenommen. Sie ergibt die Annahme der Vorlage mit 206 gegen 163 Stimmen. Fünf Abgeordnete haben sich der Stimme enthalten. Nach Erledigung kleinerer Dor- lagen wird noch der Gesetzentwurf über die Ver­sorgung der Angehörigen des Heeres und der Marine sowie ihrer Hinterbliebenen dem Aus­schuß überwiesen. Daraus vertagt sich das Haus auf Samstag mittag 12 Uhr. Handels- abfommen mit Griechenland und klei­nere Vorlagen.

Zur Tagesordnung beantragt vorher noch Abg. Stöcker (Komm.), als ersten Punkt aus die Tagesordnung die

außenpolitisch« Debatte zu setzen.

Abg. Muller-Franken (Soz.) verlangt ebenfalls, die außenpolittsche Debatte noch vor Absendung der Antwortnote an Driand auf die Tagesordnung zu setzen.

Der Aba. Frick (Völkisch) teilt zunächst noch unbewiesene Dinge aus dem Darmat-Aus- schuß mit und bittet, diese in die morgige Tages­ordnung aufzunehmen. Die Abg. Dreit- scheid (Soz.) und Pfleger (Datzr. Dp.) wenden sich dagegen.

Nach weiterer ausführlicher Debatte, in der Abg. Graf Westarp (dn.) betont, daß die Deutschnationalen die auhenpollttsche Debatte noch vor der Sommerpause eintreten lassen wollten, aber erst zu einem Zeitpunkt, den die hinter der Regierung stehenden Parteien mit der Re­gierung als zweckmäßig erachten, kam das Haus zur Abstimmung.

Angenommen wurde bezüglich der außen­politischen Debatte der Antrag, den Präsidenten Löbe zu ermächtigen, mit der Regierung in Verbindung zu treten, um den geeigneten Zeitpunkt für die außenpolitische Debatte zu bestimmen.

Der Antrag des Abg. Frick wurde gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt.

Die Verhandlungen der Schwerindustrie.

Düsseldorf, 3. Iuli. (WB.) Im Stahlhof sind die Vertreter der deutschen, französischen, luxemburgischen und Saargebiets- Industrie zusammengetreten, um über öte Ein­zelheiten des bekannten deutsch-sranzö fi­schen Industrie-Abkommens zu be­raten. Die Verhandlungen, bei denen es sich um eine ganze Reihe komplizierter Fragen handelt, nahmen, wie verlautet, einen guten Ver­lauf und werden demnächst fortgesetzt.

Die holländischen Mahlen.

Fast unbemerkt haben sich am Sonntag in Holland die Wahlen zur Zweiten Kammer vollzogen, die alle vier Iahre statt­finden. Das vorläufige Ergebnis ist jetzt bekannt geworden, es bestätigt im wesentlichen die Vor­aussagen, die dahin gingen, daß es den Koa- littonsparteien gelingen werde, sich weiterhin zu behaupten daß aber die Linke einen Keinen Zu­wachs erfahren werde. Dennoch, ist- die Basis der Regierung, die als einzige in ganz Europa sich schon seit sechs Iahren zu halten weiß, nicht so schmal geworden, um ihren möglichen Rücktritt in Erwägung ziehen zu müssen. Während sie bisher von hundert Abgeordneten sechzig hinter sich hatte, ist die Koalttion jetzt auf 54 Sitze zurück­gegangen. Das ist etwas knapp, immerhin ver­fügt das Kabinett auch jetzt noch über die abso­lute Mehrheit.

FürDeutschland besteht kein Anlaß, mit dem Ausgang der Wahlen unzufrieden zu sein. Die Regierung Ruhs de Beerenbroeck kann auf eine jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit mit Deutschland zurückblicken, sie hat es auch in kri­tischen Zetten stets verstanden, die deutsch-hol­ländische Freundschaft auszubauen und herzlicher zu gestatten.

Das Resultat der holländischen Kammerwahlen.

London, 3. Juli. (Täl.) Das Gesamt­resultat der holländischen Wahlen ist, wie die Times aus dem Haag berichten, wie folgt aus­

gefallen: Römisch-Katholische 30 Sitze, Calvinisten 31, Christliche Volkspartei 11, Sozialdemokraten 34, Liberale 9, Radikale 7, Orthodox-Calvinisten 3, Kommunisten 1, Bauern 1, Römisch-Katholische Dolkspartei 1 Sih.

Am besten haben die Sozialdemokraten ab­geschnitten, die vier Sitze gewonnen haben, wäh­rend alle übrigen Parteien Verluste aufzuweisen haben. Die Rechtskoalition, die seither 79 Sitze irrne hatte, erreichte diesmal nur 74 Sitze. Man erwartet eine Demission des Kabinetts und ein neues Rechtskabinett.

Die auswärtigen Gesandten bei Pangalos.

Belgrad, 4. Iuli. (Täl.) Unmittelbar der entscheidenden Sitzung der griechischen Kam­mer haben die auswärtigen Gesandten dem Ministerpräsidenten Pangalos und dem Außenminister R e n t i s einen B e s uch abge­tane!, womit das neue Kabinett auch von den auswärtigen Mächten anerkannt ist. Die Stellung der Regierung Pangalos hat durch diese Anerkennung eine wesentliche Befestigung er» ähren.

Große Bedeutung wird in diplomatischen Kreisen dem gestrigen Eintreffen des Italien:» chen Unter st aatsfekretärs für Aeuße» res in Athen beigemesfen. Bei der wesentlichen Besserung der griechisch-italienischen Beziehungen in den letzten Monaten hält man es nunmehr für möglich, daß eine Annäherung zwischen den beiden Staaten zustande kommt. Rentis strebt auch eine griechisch-türkische Annäherung an.

Klirre politische Nachrichten.

Der polnische Gesandte Olszewski und der Vorsitzende der polnischen Delegation für Handelsvertragsverhandlungen Dr. Prond- zynski statteten dem Außenminister Dr. Stresemann heute einen Besuch ab.

Aus aller Welt.

Neue Erdflöhe in Kalifornien.

San Francisco, 4. Juli. (WTD.) Heute morgen wurde in Kalifornien ein neues Erd­beben verspürt. Ein besonders heftiger Erdstoß wird aus Santa Barbara gemeldet.

Das neue Erdbeben dauerte 15 Sekunden, ohne daß kleinere Stöße vorangingen. Es ist noch nicht bekannt, ob auch diesmal Tote zu ver­zeichnen sind. Das Zentrum ist das gleiche wie beim ersten großen Erdbeben. Unter der Be­völkerung herrscht Panik. Das Hauptpost­gebäude von Santa Barbara ist aufs schwerste beschädigt, ebenso die Geschäftshäuser. Die Men­schen werden vom Militär daran gehindert, die Häuser zu betreten.

Amundsens Heimfahrt.

Oslo. 3. Iuli. Der Kohlendampfer A.W. Selmer, der Amundfen und seine Freunde nach Oslo zurückgebracht hat, ist heute am Christtansew-Sund vorbei im Christianford ein­gelaufen. Von hier aus gestaltet sich die Fahrt zu einem Triumphzug ganz sonderbarer Art. Von allen den kleinen Ortschaften am Ford waren Motor- und Segelboote reich beflaggt mit Gesangvereinen und Musikkapellen an Bord dem Schiffe Amundsens entgegen gefahren und eskor­tierten es bis zum nächsten Ort. Auch die Zoll- lutter der Regierung nahmen an diesem Ehren- geleite teil. Die Ufer entlang stehen überall Menschen, die Bewohner unter den Flaggen und fingen unaufhörlich die Nationalhymne.

Dullanausbruch.

Bogota, 3. Iuli. (WTB.) Der Dullan G a l e r a s ist gestern in Tättgkeit getreten. Große Flammen schlugen aus dem Krater empor. Die Verbindung mit La Florida und Sonsaca ist unterbrochen. Man befürchtet, daß die Stadt zerstört ist.

Selbstmord eines Kriminalkommissars.

Der Kriminallommissar Bus vom Polizei­präsidium Berlin, Leiter des Dezernats für Ein- mietediebstahl und Werkstätteneinbruchs verübte in seiner Wohnung Selb st mord durch Er­hängen. Man nimmt als Grund Liebesku m » m e r und wirtschaftliche Sorgen an. Der Krimi­nalkommissar ist in seinem Amt stets pflichttreu gewesen.

Die Eröffnung des Londoner Dickens-Museums.

Das Haus in Doughty-ftreet, in dem Dickens diePickwickier" vollendet unbOliver Twist" sowie Nicholas Nickleby" geschrieben hat, wurde jetzt als Museum der Oeffentlichkeit übergeben. Es ist zu einem Dickensmuseum ausgeftaltet worden, das zahl­reiche Dickensreliquien, darunter einige der Feder­kiele, die er benutzte, eine auf Dickens bezügliche Bibliothek von 2500 Bänden und eine große Samm­lung von Bildern und Zeichnungen enthält. Die Wände sind zum größten Teil mit den Originalzeich­nungen vonPhiz" und Leech geschmückt, nach denen die berühmten Illustrationen zu Dickens Wer­ken gefertigt wurden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 4. Iuli 1925.

Sportärztliche Untersuchung beim 32. Mittelrheinischen

Kreisturnfest.

Don Professor Dr. H u n t e m ü 11 e r.

Wie beim 13. Deutschen Turnfest sollen die Wetturner auch beim diesjährigen Mittelrheini­schen Turnfest in Gießen einer körperlichen Unter» suchung unterzogen werden. Während das An­thropologische Institut, das die älntersuchung in München durchführte, das Hauptgewicht auf die Feststellung der Körperproportionen legte, sollen in Gießen hauptsächlich die lebenswichtigen Or­gane, Herz und Lunge, untersucht werden.

Früher fand ja bei den militärischen Muste­rungen eine allgemeine ärztliche Untersuchung unserer männlichen Iugend statt, nach Abschaf­fung der Militärdienstpflicht haben diese für unsere Volksgesundheit überaus wichtigen Durch­untersuchungen aufgehört. Es ist aber für jeder­mann und besonders für den Sportsmann von großer Wichtigkeit, über Gesundheit und Lei­stungsfähigkeit seiner Organe unterrichtet zu fein, denn Fehler und krankhafte Anlagen können bet frühzeitiger Feststellung durch geeignete Gegen­maßnahmen häufig noch leicht beseitigt werden. Vielfach sind sich die Betreffenden über ihren Zustand gar nicht klar gewefen, und erft die ärzt­

liche Unterfudjung deckt krankhafte Erscheinungen auf und kann für ihre Abstellung Sorge tragen.

In Amerika, wo derartige älntersuchungcn zuerst von den Lebensversicherungs-Gesellschaften bei ihren Mitgliedern in jährlichen Zwischen­räumen mit bestem Erfolge durchgeführt sind, will man sie jetzt auf die ganze Bevölkerung aus- dehnen, und zwar für Unbemittelte durch Zu- ammenschluh von Aerztevereinigungen, Behörden und Wohlfahrtsorganisationen kostenlos Der­artige Maßnahmen werden für die D llsges and- seit fraglos von großem Nutzen werden rönnen.

Die Turner und Turnerinnen denn die Gesundheit der Frauen, der Mütter unseres kom­menden Geschlechtes, ist für die Aufzucht eines gesunden Nachwuchses von besonders großer Be­deutung sollten daher diese vom Institut ür Körperkultur mit ilnterftütjung von Dozenten und Assistenten der Hess. Landesuniversitat sowie der Gießener Aerzteschaft durchgeführten Unter» uchungen nicht versäumen, besonders wenn sie bisher, was den männlichen Teil betrifft, noch nicht an einer allgemeinen ärztlichen Musterung teilgenommen haben.

Aber nicht nur die Gesundheit der Organe, ondern auch ihre Leistungsfähigkeit, die für den oportsmann ja von besonderer Wichtigkeit ist, soll estgestellt werden. Es findet daher eine llnter- uchung vor dem Wetturnen und für alle, bei denen irgendwelche Fehler gefunden oder sich Zweifel an ihrer Leistungsfähigkeit ergeben haben, eine zweite gleich nach der turnerischen Haupt- leiftung auf dem Festplahe statt. Die §cfte Unter­suchung wird, um es den mit der Bahn ankom­menden Wettumem möglichst bequem zu machen, ganz in der Nähe des Hauptbahnhofes in der Bahnhofstraße 84 p. vorgenommen.

ilm eine reibungslose und schnelle Abferti­gung zu gewährleisten, lassen sich die Turner: und Turnerinnen beim Cmpfangsausschuß am Bahnhof in die dort aufliegenden älntersuchungs- liften eintragen, und erhalten Zeit und Stunde, in der sie zur Untersuchung kommen, auf ihrem Quartierzettel vermerkt. Da Vorsorge getroffen; ist, daß stündlich 60 Turner und 30 Turnerinnen untersucht werden können, so wird hierdurch kein großer Zettverlust entstehen. Den älntersuchungs- befand kann der Betreffende gegen Erstattung von 50 Pf. angefertigt erhallen.

Bei den Mitgliedern der Gießener Turner- schaft findet die Durchuntersuchung schon früher statt, um einmal die notwendigen Hilfskräfte in den Gang der Unterfudjung einzuführen und sie andererseits während der Zeit deö Turnfestes zu entlasten.

Ehrenpromotion Hugo Junkers

Gießener älnibersitatsprofessoren im Zwölfsitzer«

Flugzeug nach Dessau.

Die philosophische Fakultät unserer Landes­universität hat bei Gelegenheit der Flugplah- einweihung den Professor Dr.-Ing. e. h. Hugo Iunkers in Dessau,den Erbauer der ver­spannungslosen, ganz aus Metall hergestellten Großverkehrsflugzeuge, die seinen Namen und den Ruhm deutscher Technik und deutschen Erfin­dungsgeistes über die Erde tragen, in bewun­dernder Anerkennung seiner Verdienste um die Entwicklung der deutschen Luftfahrt" ehrenhalber zum Doktor der Philosophie promoviert.

Aus Einladung der Werksleitung sind heute morgen acht Professoren, an deren Spitze der Rektor, der Exrektvr und die Dkckane der beiden Qlbteilungen der Fakultät, zur äleberreichung des Diploms mit den: Großflugzeug vom hiesigen Flugplatz um 9 Ufa nach Dessau geflogen. Ihre Rückkunft wird gegen Abend erwartet. Das Flugzeug wird alsdann bis morgen hierbleiben. Das Gießener Verkehrsflugzeug angekommen.

In elegantem Flug erschien gestern nach­mittag kurz vor 6 Ähr das für Gießen be­stimmte Verkehrsflugzeug über dem Weichbild unserer Stadt. Die Maschine, ein Iunkers-Ganzmetallflugzeug, war um 51/« Uhr in Frankfurt auf gestiegen, hatte zunächst feinen Weg in Richtung Bad Homburg v. d. H. genommen, strebte von hier Bad-Nauheim zu, wo es wie wir an anderer Stelle unseres heutigen Blattes berichten bei einem Schleifen- flug über der Stadt allgemein das lebhafteste Interesse erregte. Von hier ging es dem Stand­ort Gießen zu, der ebenfalls in mehreren großen Schleifen überflogen wurde. Alsdann schritt der Pilot kurz nach 6 Ähr zur Lan­dung auf dem ausgezeichnet hergerichteten Flug­platz. Eine stattliche Zuschauermenge erwartete die Maschine mit lebhafter Spannung, viele wei­tere Interessenten kamen alsbald mit Fahrrädern und zu Fuß hinaus. Im Laufe des Abends landete noch eine zweite Maschine auf dem hie­sigen Flugplatz, der gleichfalls reges Interestel entgegengebracht wurde.

Für den morgigen Sonntag find sehr interessante Flug-Ereignisse zu er­warten. Insbesondere dürfte die Anwesenheit des allerneuesten Flugzeugtyps, der Zwölf» sitzer-Maschine mit drei Motoren, ge­eignet sein, die ganz besondere Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen. Für unsere Stadt und die Provinz Oberhessen bedeutet dieses fliege­rische Ereignis eine besondere Denkwürdigkeit. Möge es überall den Entschluß zum Besuche der morgigen Veranstaltungen reifen lasten! Näheres ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich.

fpd. Falsche Dreimark st ücke mit dem Münzzeichen D 1924 befinden sich seit einigen Tagen in Frankfurt a. M. im Umlauf. Die Stücke fühlen sich etwas fettig an. An der Umrandung ist die SchriftEinig" undEinigkeit" eingeschlagen. Die Falschstücke haben einen dumpfen Klang. Auch fal- sche Einmarkstücke sowie gefälschte Reichsmarkstücke befinden sich gleichfalls im Umlauf. Diese sind eben­falls sehr schlecht nachgeahmt.

** Gas-Lehrvorträge. Gleich denGas- toerlen vieler anderer Städte hat sich auch die Direktion des hiesigen Gaswerks zur Abhaltung von Gaslehrvorträgen durch Vortragende der

Bas &este Rad

Quelitätsmarke von Weltruf Elegante neue Modelle