Feuer am Nordpol.
^Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart.
Bon Karl-August von Laffert.
32. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Telegramm in Chiffren an Reederei Nordalaska, Nome.
Flugzeug „Stößer" erlitt 450 km nördl. Kap Barrow beim Versuch einer Landung schwere Havarie durch Anprall an einen im Schnee verdeckten Cisblock. Durch starke magnetische Luftströmungen ging Funkenverbindung mit dem zweiten Flugzeug, der „Schwalbe", verloren, die verabredungsgemäß allein nach Barrow weiterflog. Erfuhr hier, daß „Athalia" bereits abgefahren. Stand vor der Wahl, uns nachzufliegen oder den „Stößer" aufzusuchen. Trotz geringer Benzinoorräte wagte „schwalbe" den Rückflug, da man vereinzelte Morsezeichen des „Stößers^ zu erkennen glaubte. Fast ohne Vorräte und ohne die Möglichkeit, wieder zurückzukommen, falls der „Stößer" nicht gefunden wurde, setzte die Besatzung den Todesflug in die Polarwüste bis zum letzten Tropfen Benzin fort. Und sie fand den „Stößer", der ohne ihre. Hilfe verloren war, da Bruch der Achswelle voplag. Bis auf 5 Kilometer an die Unglücksstelle gelangte die „Schwalbe", dann war ihre Kraft zu Ende. Fast 24 Stunden dauerte es, bis der Benzinvorrat des „Stößers" und die wichtigsten Gegenstände, die man nicht zurücklassen wollte, auf die „Schwalbe" umgeladen waren. Dann bestiegen die sieben Geretteten die „Schwalbe" und waren drei Stunden später an Bord der „Athalia". „Stößer" blieb abmontiert und im Schnee vergraben zurück. Man hofft, ihn später zu bergen. Alle Teilnehmer der Expedition in Stärke von dreizehn Personen, darunter Herr Stratoff und eine Dame, sind wohlbehalten. Kapitän Cool stieg auf einen uns begegnenden japanischen Walfischfänger über.
Stanhop.
E h i f fr e t e l e a r a in m des Kreuzers „Liberte"
nn die französische Botschaft in Washington (durch Funktelegramm über Los Angeles).
Beringstraße, 22.7., 11 Uhr abends.
Betrifft deutschen Nordpolflug. Werde bis zur Ankunft des Dampfers „Athalia" in der Bering-
straße kreuzen, um die drei Ueberlebenden der Expedition. unter denen sich wahrscheinlich der Russe Stratoff befindet, einem Verhör zu unterziehen. Falls ich lerne anderen Instruktionen erhalte, werde ich die beiden Deutschen gefangensetzen, den Russen wieder laufen lassen. „Athalia" wechselt mit tprer Reederei Chiffretelegramme. Schicke eines derselben wortgetreu mit. Vielleicht gelingt es unserem De- chiffrie'-biireciu, den Inhalt festzustellen.
Kommandant der „Liberte .
7.
„Nun, was bringen Sie (9utes?" fragte der französische Botschafter seinen ersten Botschaftssekretär, der sich zum Vortrag hatte melden lassen. „
„Nachrichten vom deutschen Nordpolsluge.
„Schießen Sie los, mein lieber Durant , sagte der Botschafter jovial. L , s _
„Seit meinem letzten Vortrage hat sich folgendes ereignet: Die „Liberty" meldete die Abfahrt der „Athalia" von Kap Barrow am 23. mittags, mit den drei Ueberlebenden "der Expedition an Bord. Sie konnten frühestens am 27. in der Ben^siraße, am 29., also heute, in Nome emtrefsen. Nun lief aber heute nacht folgendes Telegramm unseres Agenten aus Nome ein:
'Athalia" am 28. früh hier eingetroffen. Reederei Nordalaska hüllt sich in Stillschweigen, und die „Athalia" wurde wegen Pestverdachts vorläufig in Quarantäne gelegt. Halte dies nur für ein ge- chicktes Manöver, um Geheimhaltung irgendwelcher an Bord befindlicher wichtiger Gegenstände oder Personen zu ermöglichen. Hiesige Behörden haben wahrscheinlich Hand im Spiel. Ich stellte fest, daß zwi chen dem abgeschlossenen Kai der Reederei und der „Athalia" mehrfacher Motorbootsverkehr stattfand. Als nächster fahrplanmäßiger Dampfer fährt „Arizona" am 2.8. von hier nach San Franzisko.
Wir wissen somit, daß die „Athalia" der Wachsamkeit der „Liberte" entgangen ist. Unter sonstigen Umständen würde ich dies als eine schwer zu rügende Nachlässigkeit des Kommandanten bezeichnen, wenn ich nicht vor wenigen Minuten eine Erklärung erhalten hätte. Nach fünftägigen, ununterbrochenen Bemühungen ist es unserem genialen Dechiffrierkünstler, dem Professor Martin, gelungen, das uns von der „Liberte" übermittelte Geheimtelegramm der „Athalia" wenigstens stellenweise zu entziffern. Danach ist die Mehrzahl der zwischen der „Athalia" und ihrer Reederei gewechselten Funksprüche falsch
und zur Täuschung etwa mithörender Stationen bestimmt. Es scheint, als wenn noch weitere Deutsche gerettet sind und sich ebenfalls auf der „Athalia", setzt also in Nome, befinden."
„Das wird immer spannender", jagte der Botschafter. „Dieser Professor Martin ist wirklich ein Genie. Wir werden ihn zum Kommandeurkreuz der Ehrenlegion Vorschlägen, da er das Ritter- und Offizierkreuz bereits besitzt."
„Er verdient es in der Tat" stimmte Durant bei. „Seine Verdienste im Kriege wurden nie genügend gewürdigt. Wo wären wir geblieben, wenn ^burdj seine geniale Methode nicht fast jeder geheime Funkspruch der Deutschen bei uns abgelefcn werden konnte, so daß wir über alle geplanten Angriffe, über jede Bewegung der Flotte und der Unterseeboote unterrichtet waren."
„Sagen Sie das nicht zu laut, mein Lieber", warnte der Botschafter. „So etwas hören unsere Militärs nicht gern, die die Angriffe der Boches nur durch ihre glänzenden Maßnahmen abgeschlagen haben wollen. Sonst besähe der Professor längst das Großkreuz."
„Warum hat er nicht selbst seine Verdienste veröffentlicht?"
Der Botschafter lächelte.
„Sie sind doch reichlich harmlos, mein Lieber. Professor Martin weiß, warum er den Mund hält: Weil er keine Lust hat, im nächsten Hochoerratspro- zeß des Einvernehmens mit den Deutschen beschuldigt zu werden. Gerade wir Diplomaten können nicht vorsichtig genug sein. Man muß jede Sache nicht so berichten, wie sie tatsächlich ist, sondern wie sie höheren Ortes angenehm wirkt. — Nun aber zurück zur Sache. Auf welche Weise gedenken Sie der deutschen Luftfahrer habhaft zu werden?"
„Ich setzte bereits ein Telegramm an die „Liberte" auf, das ich Euer Exzellenz zu unterschreiben bitte. Es lautet: Offene Funksprüche der „Athalia" sind falsch. Dechiffrierimg der Geheimsprüche ist gelungen. Anscheinend sind weitere Ueberlebenbe der deutschen Expedition gerettet und bereits am 28. früh auf der „Athalia" in Nome eingetragen. Kreuzen Sie südlich von Nome. Alle verdächtigen Fahrzeuge sind anzuhalten und nach den Deutschen zu untersuchen. Wir hoffen, durch weitere Entzifferung gegnerischer Funksprüche bald aufs genaueste über alle Maßnahmen der Deutschen unterrichtet zu fein."
„Warum schreiben Sie „gegnerische" Funk spräche?" fragte der Botschafter. „Es handelt fid) doch um .amerikanische."
„Da Amerika uns nicht unterstützt, so nahm id; an —"
„Sie haben recht", unterbrad) der Botschafter lebhaft. „Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns. Und Frankreich ist Gott sei Dank stark genug, der Feindschaft der ganzen Welt trotzen zu können."
8.
Sanders und Stratoff ließen fid; bei Linda im Golden Gate Hotel in Nome melden. Seit 24 Stunden bereits befand sie sich in dem mit amerikanischem Komfort eingerichteten Hause und fühlte sich frisch und wieder im vollen Besitz ihrer Kräfte.
„Alles in schönster Ordnung!" rief ihr Stratoff entgegen. „Ich hoffe, Sie haben sich von den Auf- regung-en der letzten Tage erholt."
„Die Aufregungen waren nickst so stark wie der entsetzliche Trangestank auf diesem furchtbaren Wal fischfänger", sagte Linda lachend. ,Zum erstenmal seit acht Tagen habe ich wieder gut geschlafen."
„Dann können wir unsere Reise wohl bald fortsehen?" fragte Sanders.
„Hoffentlich diesmal auf einem anständigen Schiff."
„Auf dem besten der Welt!" rief Stratoff. „Auf unserer „Schwalbe"."
„Wir wollten dod) den Dampfer nach Fristo benutzen. Ich denke, die „Schwalbe" ist reparaturbedürftig?"
„Bis morgen ist sie so weit hergestellt, daß wir den Flug wagen können", sagte Sanders.
„Aber warum diese plötzliche Aenderung?"
„Politische Gründe", erklärte Stratoff. „Lassen Sie sich erzählen. Durch ein Empfehlungsschreiben meiner Geschäftsfreunde, Bratford Brothers in Nein york, gewannen wir das Vertrauen des Gouoer neurs. Zudem ist er deutscher 2lbstammung und den Franzosen nicht sehr gewogen. 2llso, die Amerikaner haben in Erfahrung gebracht, daß die Franzosen sich unserer gesamten Expedition bemächtigen wollen. Auch das gefälschte Telegramm war das Werk eines französischen Kriegsschiffes, das uns nach Ab fahrt der „Athalia" bei Kap Barrow gefangennehmen wollte. In der Beringftraße lauerte es uns ebenfalls auf, und nur durch die Geschicklichkeit unseres braven Kapitäns Stanhop entgingen wir ihm."
(Fortsetzung folgt.)
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Arbeitsgemeinschaft der Militär- u.Regimentzvereine
Gießen.
Die der Arbeitsgemeinschaft angehörenden Vereine werden hiermit aufmerksam gemacht auf den Fackelzug zu Ehren des neugewählten Reichspräsidenten Montag, den Mai. Versammlung der Teilnehmer 7.30 Uhr Marburger Straße und Bückingstraße. Die Zahl der TeiL nehmer ist Herrn Lehrer Kling bis Donnerstag, den 7. Mai, mitzuteilen. 4598 d
Der Vorfitzende der Arbeitsgemeinschaft


