Jugend und Hochschule.
Pädagogik und Politik.
Don Prof. W. Dein in Sena.
Daß zwischen Politik um) Pädagogik liefe innere Bezrehungen herrschen. ist feit Langem ei- fannt worden, sowohl seitens der Staatsmänner wie der Pädagogen. Allerdings mit dem groben UnterschieL. bah die Pädagogik, ihrer Selbstän- digleil sich bemüht, immerfort bestrebt fein mußte, her Allmacht der Politik sich zu erwehren, während die Innenpolitik — und um diese allein han- dell eS sich - auf daS StaalSrcchl sich stützend, immerfort bemüht war. die Pädagogik in ihren Dienst zu ziehen.
Der jtamtn zwischen beiden Gewalten scheint unvermeidlich und von vornherein für die Pädagogik aussichtslos. Denn die Innenpolitik, die man auch als Staats Pädagogik au bezeichnen pflegt, hat die reale Macht, ihre Absichten durch- zusetzen. Die Pädagogik als Wissenschaft besitzt nur einen idealen Einfluß in der Geschlossenheit ihrer Prinzipien und der aus ihnen abgeleiteten Maßnahmen. Die Staatspädagogik ruht auf dem Aktenmaterial. daS sich in ein Kultusministerium angehäuft hat: die wiffenschaslliche Pädagogik ist in Werken niedergelegt, die sich aus dem Wesen der DollSer-iehung ergeben, von Pestalozzi an bis auf unsere Lage.
So entgegengesetzt die Stellung beider Mächte erscheint, braucht es deshalb doch nicht zum Kamps zu kommen, solange die Staatspädagogik gewillt ist, aus den Schätzen, welche die freie Pädagogik verwaltet, zu lernen und herauszu- heben. was für den Fortschritt der Volks- erziehung geeignet erscheint. Allerdings hat es auf feiten des Staates oft an diesem guten Willen gefehlt. Ein deutlicher Beweis dafür ist die Tatsache der Vernachlässigung der Einrichtungen an unseren Universitäten, die der Pflege her wissenschaftlichen Pädagogik dienen. Die StaatSpädagog'.k legte offenbar keinen Weit auf diese Hilfe und sand vielfach an den UniDerfitäten selbst damit Zustimmung, da man der Pädagogik den Rang einer Wissenschaft streitig machte und sic nur als eine Art Kunstlehre gelten lassen wollte.
Vielleicht waren auch die Gedanken der freien Pädagogik der Staatspädagvgit unbequem, die ihrem Wesen nach konservativ ist. wenn sie nicht vollständig auS ihrem Gleis geworfen wird, während erstere vorwärts drängend ein reformatorisches Gepräge hat. haschier und da in tocltübcr- slicgende Pläne und Forderungen ausartete. Wo dies geschieht, liegt eine große Gefahr für die ruhige Entwicklung vor. Aber eine gleich große Gefahr ist in der Ucbcrtreibung der Macht innerhalb der Staatspädagogik vorhanden, die sich da einstellt, wo letztere vor den Wagen der Parteipolitik gespannt wird. Wohin dies führt, haben wir in Deutschland an zwei Beispielen erlebt, einmal in Preußen zur Zeit der berüchtigten „Regulative auS deni Jahr 1854“, und dann in Thüringen in den Jahren 1923/24.
Im ersteren Fall suchte die Staatspädagogik im Dienste der Reaktion die Dolksblldung künstlich zurückzuschraubeii und einzudämmen, was vor allem auf dem Gebiet der Dolksschullehrer- bilbung hervortrat, um Ereignissen, wie sie das Jahr 1848 gebracht hatte, vorzubeugen. Im zweiten Fall war da« Absehen der sozialistischen Regierung darauf gerichtet, das Schulprvgramm der Sozialdemokratie durchzusühren, um ihre Herrschaft zu sichern nach dem alten bekannten Wort: Wer die Jugend hat, hat die Zutunst.
In beiden Fällen mußte sich die Staats- Pädagogik verrechnen. Reaktionäre und Umsturz- Icr verfielen in den gleichen Fehler, daß sie glaubten, geistige Dinge auf dem Wege der äußeren Machtanwendung regulieren zu können. Dine Entschuldigung hierfür könnte nur darin gesehen werden, daß auch unser größter Staatsmann ebenfalls daran gescheitert ist. als er Ideen durch Polizeimittel zu bekämpsen versuchte: Kulturkampf und Sozialistengesetz.
Fast scheint es so. dah. wer zur Macht gelangt ist. blind wird durch die Süßigkeit des Herrchens und durch die Steigerung des Machtbewußtseins. alles durchsetzen zu können, auch gegen die Mächte, die in den Tiefen des Seelen - grundes ihren Sitz haben, wohin lein Herrschcr- gebot bringt, und fei es das mächtigste der Erde. Aus ihnen steigt eine Opposition auf, die unbezwingbar ist. wie die aktchriftlichen Märtyrer, wie Martin Luther, wie alle, die es zeigen, deren Hebezeugungen stärker sind als alles, was sich gegen sie wende!
Deshalb müssen alle Bemühungen der Staate- Pädagogik scheitern, wenn sie ohne Rücksicht
Deutsche Akademie
Von Ewald B e d m a n n - München
Am 5 Akai vollzieht sich in der großen Aula der Lubwig-Marimilian-TIniversität in München der Gründungsakt der neuen Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege des Deutschtums — Deutsche Akademie Es mag deshalb angebracht sein, über Plan und Ziel, Ausgaben und Ausbau der Deutschen Akademie nun auch der bretteren Oesfentlichkeit etwas zu sagen.
Der grundlegende Unterschieb zwischen der neuen Deutschen Akademie und den in Deutschland vorhandenen Akademien besteht in der bewußten Pflege der lebendigen Verbindung der Deutschen Akademie mit dem gesamten Leben des deutschen Volkes in der Heimat und im Auslände sowie in der systematischen Förderung und Vertretung der deutschen Kullur in der ganzen Dell. Diese Eigenart kommt zum Ausdruck darin, daß bie Deutsche Alademie nur jene Wissenszweig« pflegen will, denen eine besonders innige BeziHung zum gesamten deutschen Volke eigen ist. und darin, daß dieser wissenschaftlichen Abteilung eine praktisch.- Abteilung zur Seite gegeben ist, die die Aufgabe hat. in zielbewuhker, klug überlegtet Arbeit daS gefaulte Kulturgut des deutschen Volles im In- und Auslande zu betreuen und zu verbreiten. Diese Eigenart der Deutschen Akademie wird nach der rleberzeugung her Männer, die den Gedanken ausnahmen, der- folgten und we-terfuhrten biS zu dem Gründ ungs- all am 5. Mai, ihre Existenz rechtfertigen und jede Konkurrenz mit den auf deutschem Boden bestehenden wissenschaftlichen Akademien ausfchließen.
'Die Wissensgebiete, die die Deutsche Alademie wegen ihrer unmittelbaren und direkten Beziehungen zum nationalen Leben des deutschen Volkes pflegen wlll, sind zunächst in vier Klassen zu- fautmengcfafct: In der Historischen Klasse wird hauptsächlich die neuere und neueste Geschichte des
auf die prtnzipiellen Ergebnisse der Wissenschaft- i lieben Pädagogik zu nehmen — ihre Forderungen mit Hilfe her Staatsgewalt durchsetzen will. So schellerten die Regulative vom Jahr 1854 an dem freiheitlichen, durch Diesterweg vertretenen Geiste, so scheiterten die Tbüringer sozialistischen Bestrebungen an dem christlichen und na- 'iovalen Drundzug. der vor allem in der Landbevölkerung sich gegen daS materialistische Gift wehrt, da» in der marxistisch eingestellten Pädagogik eingebettet ist.
Aiemand wird leugnen, dah, angesichlS des erschreckenden AiedergangS her Moralität unseres Volkes, die grobten Gefahren von einer Staatspädagogik drohen, bk. des Glaubens an absolute Werte spottend, im Bunde mit dem materialistischen Zeitgeist sich von relativistischen Anschauungen treiben läßt. Rur die <otaatSpäda- gogik. die sich an eine wissenschaftliche Pädagogik l)ält. welche in dem festen Boden einer religiös-ethischen Ucbcr^cugung verankert ist, wird unser Volk aus hem Sumpfe heraus»iehen können, in dem es durch eigene Schuld uno durch Verführung geraten ist.
Ueber Volksbildung und Dolkserziehung.
Von Dr. Wilhelm von Schramm. Leiter des Arbeitsamtes der Deutschen Dauern- hochschule.
„Das Volk" ist dem einzelnen übergeordnet, eö ist eine Idee, das heißt eine Wirklichkeit, die Man zwar nicht mit den Händen greifen kann, die aber tatsächlich in dem natürlichen Leben bestimmend ist: „das Volk" ist eine geistige Wirklichkeit. Auch „die Menschheit" ist eine solche Idee, eine geistige Wirklichkeit, die den einzelnen Völkern übergeordnet ist — aber wie auch der echte Künstler das Ideelle, das Allgemeine nur immer in ein Besonderes fassen kann, damit es Leben und Blut betvmmt, so hat auch der ewige Künstler, der ilrlünftler „die Menschheit" in her besonderen Form her Völker bargefteUt und ihnen bestimmte, eindeutig umriffenc Rollen zugeteilt.
Gegenüber her Menschheit ist das Doll selbst eine Person, eine Individualität, daß heißt, ein festes. unteilbares Ganzes. Es ist mit einmaligen Eigenschaften, Begabungen, Mängeln in die Weltgeschichte getreten und kann seine weltgeschichtliche Sendung nur dann erfüllen, wenn es sich selbst erfüllt. Solange die Völker nur miteinander kämpfen, um sich in ihrer Eigenart zu behaupten, ist auch ihr Kampf eine höhere Eintracht, wie es auch in der Musik durch das schöne Wort vom Konzert — das heißt Zu- sammenstreiten — zum Ausdruck kommt. Das Zusammenwirken, das Aus und Ab her verschiedenen Kräfte, ihre Lösung und Wieber- veieinigung. ihr erneuter Kampf um die Sinti acht — das ist ja das Geheimnis des fort- schreitenden Lebens selbst, das sich immer wieder aus seiner eigenen Tiefe verjüngen kann. Es ist daS Leben, wie es fich am vollkommensten in bem Gleichnis des Dramas widerspiegelt.
Auch das Volk ist ein Körper, eine organische Einheit, eine Gestalt im weltgeschichtlichen Drama und hängt als solche am Faden des Schicksals. Auch das Doll als Ganzes ist jenen Schicksals- gesehen untertänig, über die so ergreifend der Chor des klassischen Dramas klagt. Ader den • heutigen Böllern stehen Mittel zu Gebote, die Schläge des Schicksals auszugleichen, die der an- tifc Mensch noch nicht gekannt oder doch nicht anzuwenden verstanden bat.
Cs ist bas Millel des In-sich-gehens, ber Metanoia, des inneren äLmschwunges, das uns das Christentum als den entscheidenden Fortschritt in der Entwicklung der Welt gebracht bat — und auf dieses christliche Mittel stützt fich auch unser Glaube und inneres Wissen der Wiedergeburt des deutschen Volles. Denn es handelt sich nun um eine Wiedergeburt Die antiken Völker hätte ein solches Schicksal zermalmt, wie es uns jetzt betroffen hat — nicht in seiner äußeren Härte, denn solche hätten sie mehr ertragen als wir — aber in seiner beispiellosen Erniedrigung und Selbsterniedrigung, wie es nur das Schicksal des späten Hellas und Roms gewesen ist.
Die alten Völker sind in bei Erniedrigung zugrunde gegangen, wir aber können die Erniedrigung aus unserem Herzen tilgen, indem wir in uns gehen, die falschen Wege verlassen, die wir zuletzt gegangen sind, und ein neues, vvlk- liches Leben anfangen. Die in ihrer Tiefe noch ungebrochene deutsche Seele ist fähig einer voll-
deutschen Volkes gepflegt werden, mit besonderer Berücksichtigung seines Wirkens ins Ausland und im Auslande. Die zweite Klasse dient ber Pflege der deutschen Sprache. Literatur und Volkskunde, bie an den bestehenden akademischen Organisationen keine Vertretung in einer besonderen Klaffe haben. Eine dritte Klasse dient ber Deutschen Bildenden Kunst und Musll, welche auch im Rahmen der gesamten Kulturleistungen des deutschen Dolles einer akademischen Vertretung im Sinne der Deutschen Akademie bedürfen. Die vierte Klasse wird gebildet für die Deutsche Staats- und Wirtschaftskunde, soweit sie für die Gestaltung des Deutschtums in der Well Bedeutung haben. Enge Fühlungnahme mit verwandten Organisationen erscheint hier besonders notwendig. Diese Klasse umfaßt Bereiche von 2cbcnsbcbtngungcn des deutschen Volkes, welche gerade in der Gegenwart auf eine neue wissenschaftliche Zusammenfassung und Durchdringung angewiesen find. DorauSfichllich wird auch noch eine Klasse für Deutsche Technik gebildet werden.
Verwickelter wird fich her allmähliche Ausbau der praktischen Abteilung gestalten. In erster Linie soll an der Verbreitung ber deutschen geistigen Kultur gearbeitet werden im Sinne der Schaffung ober 'Benutzung geeigneter Kanäle, durch die sich das ganx natürliche Ausströmen eines reichen geistigen, überquellenden Inhaltes in unaufbringlichei Weife wie von selbst vollziehen soll Auf den Flügeln dieser geistigen Kultur soll dann inhirett und mittelbar auch die deutsche materielle Kultur ins Ausland getragen werden. Cs ist selbstverständlich, daß das nur geschehen kann in engster Verbindung und Arbertsteilung mit den betreffenben wirtschaftlichen und besonderen Organisationen, die sich ber deutsche Handel, die deutsche Industrie sowie bie deutsche Technik und der deutsche Dewerbe- slciß längst geschaffen haben. Die Zusammenarbeit und gegenseitige Förderung soll getragen
llchen Wiedergeburt. Sie wird sich nad) ihrem Fall erheben und aus sich selbst die aufrechte Stärke wieder finden.
Die vornehmsten Mittel hierzu, hie Mittel des InsichgehenS, der Selbstbesinnung und inner' lichen Erneuerung, ber auch eine äußerliche Erneuerung folgen wird, find Volksbildung und Dolkserziehung. Sie sind bie Mittel. Volk zu bilben, das heißt, ein lebendiges, webendes Gan- zes. und dieses Ganze wieder seiner Einheit und Zusammengehörigkeit bewußt zu machen.
Ein Volk zu bilden heißt nichts anderes, als eS wieder zu einem Bild zu machen, zu einem Bild von sich selbst, von seiner Idee, von seiner höheren Wirklichkeit. Was es früher nur halb geahnt. daS muß es jetzt wißen: daß es nämlich ein Organismus sei wie bas Bild, baS ein Meister gefertigt hat. in bem jeder einzelne Teil auf alle anderen Teile Bezug nimmt und gleichsam der eine dem anderen Raum und Selbständigkeit beläßt und ihn doch durch eine bestimmte Beziehung in seiner Bedeutung noch unterstützt und steigert, wenn auch oft durch den Gegensatz, her ein Mittel alles natürlichen Lebens ist.
Damll das deutsche Volk wahrhaft gebildet wird, muh der einzelne Deutsche dieser feiner übergeordneten Wirklichleit wieder dienen lernen.
Volksbildung und Dolkserziehung können nur her Gesamtheit dienen. Das Ziel aller Bildung ist Harmonie, Hcbcreinftimmung mit sich selbst, das Ziel der DolkSbildung und Vvlkserziehung volkliche Eintracht, Zusammenfassung ber verschiedenartigen Kräfte zum gegenteiligen Dienst. Es war ein grundsätzlicher Fehler, wenn man geglaubt bat, die Volksbildung müsse für die Bedürfnisse des DolkeS da sein, sic müsse gleichsam zu den tieferen Schichten herabsteigen, welche man vorzugsweise al« „Voll" betrachtet.
Die wahre Volksbildung macht den einzelnen feiner Pflicht bewußt. Dir tatsächlicheir Rechte des einzelnen folgen von selbst aus gegenseitiger Pflichterfüllung. Es ist ein uraltes Wort, daß man sich selbst nur findet, wenn man sich selbst hintan setzt.
Die Wiedergeburt des Volkes ruht auf her Wiedergeburt des einzelnen. Die Volksbildung und Dollserziehung wird deshalb unter dem einen bestimmten Leitmotiv die Kräfte des einzelnen ausbilden, daher muß sie vielfältig und lebendig gegliedert sein und trotzdem den einen Gesichtspunkt immer im Auge behalten. Allgemeiner Patriotismus ist oft abstrakt und tot; unser Volk ist heute längst wieder patriotisch, aber zu wirklichen vaterländischen Taten ist ^s noch viel zu wenig gebildet.
Es ist ein alterziehlicher Grundsatz, daß Bildung nur Ausbildung sein kann; auch eine wahre Vvlkserziehung kann nur die Pflege und Ausbildung eingeborener Kräfte und Anlagen sein. Aber man muh sich hüten, daS Volk aus lauter Persönlichkeiten bilden zu wollen; ein solches Doll versänke in Anarchie, weil der einzelne sich umso schwerer einorbnen kann, je entwickelter er ist.
Das Dorbild der wahren Dollsbildung ist uns das Mittelalter, das deutsche Mittelalter. Es trug den eingeborenen Anlagen 'Rechnung, aber es hat sie auch zusammengefaßt und gebändigt und zwar durch die Ordnung her Stände. Der Stand war der lebendige Mittter zwischen dem Doll und bem einzelnen. So mutz jeder natürliche Organismus zwar ausgebildete Zellen besitzen, doch sind diese Zellen nach ihrer Eigenart selbst wieder zu Organen zusammengefaht. Die Aufgaben dieser Organe sind verschieden, dem- gemäh mutz auch ihre Bildung verschieden sein. Ständische Bildung ist die Erziehung zum Dienst am Dolle in^ der treuen, gewissenhaften, täglichen Arbeit des Vtandes. ^Ind nur in strenger, pflichterfüllender Arbeit kann das deutsche Doll wieder- geboren werden.
Rechtliche Stellung der pflichtbefreiten Professoren.
In den „Mitteilungen des Verbandes der deutschen Hochschulen" beschäftigt sich Professor I a st r o w -Berlin mit her Frage der staatsrechtlichen Stellung der ^pflichtbefreiten" Professoren. Ausgehend von der Forderung, den Ausdruck „pflichtbefreit" an Stelle des jetzt häufig angewandten „emeritiert" für die mit Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze von ihren amtlichen Obliegenheiten entbundenen Professoren zu gebrauchen, legt er dar, daß es sich hier nicht um eine leere Formsache handelt, sondern daß aus her Einbürgerung einer falschen Bezeichnung leicht eine falsche Anschauung der
öa<bc selbst entstehen könnte. Letztere würde unter Umständen die sehr fühlbare Unannehmlichkeit mit sich bringen, bah die Professoren eine« Tage» mit anderen Beamten gleichgestellt und bement- sprechend im Alter statt wie jetzt 100 Prozent nur 75 Prozent ihre« Gehalte» beziehen würben.
I a st r o w vergleicht demgegenüber die ursprüngliche akademische Korporationsverfassung mit her einer Innung. Der Lehrer, der seine Lehrtätigkeit aufgibt, bleibt trotzdem Mitglied der Korporation, ebenso wie der Meister, her sein Handwerk nicht mehr auÄübt, weiterhin der Innung angehört. LleberbieS hat der akademische Lehrer immer die Möglichkeit und bas Recht, seine Tätigkeit wieder aufzunebmen. An diesem Zustand änderte weder die Abhängigmachung ber Mitgliedschaft zum akademischen Lehrkörper von ber staatlichen AnttSverleihung etwas, noch die Einführung der Altersgrenze, mit ber die Pslichtbesreiung eintritt Bekräftigt wirb diese Ansicht dadurch, daß der Professor auch nad) bei Pflichtbefreiung beratende Stimme im Kol legium behält. Die beschließende Stimme kann er nicht mehr haben, da er ja nicht gezwungen ist, zu den Sitzungen zu erscheinen, also unvoi • hergesebene Zufallsmehrheiten entstehen könnten. Der Professor hat ferner das Recht, seine Tätigkeit weiter auszuüben und ist. toenn er hici- von Gebrauch macht, mit allen Pflichten belastet, wie seine jüngeren Kollegen. Der vflicbtbefreite Professor hat eben nach wie vor ein Amt, obgleich seine Stellung mit der Bezeichnung „Amt" nicht richtig charakterisiert wäre. Das Suchen nach einer Analogie im deutschen Amtsrecht hält Iaftrow darum für untunlich und zwecklos, denn: „Dieser Beamte (der akademische Lehrers ist eine wondererscheinung und als solche zu behandeln."
25 Jahrc Diplom-Kausmanu.
Dor 25 Jahren wurden von der Handelshochschule Leipzig die ersten Diplom - Kaufleute entlassen. Einer von ihnen, Professor Dr. Schmalenbach, ist Gründer des .Verbandes deutscher Diplom-Kaufleute". Ein anderer Diplom-Kaufmann. Otto Hill, gehört dem Verbände ebenfalls feit ber Gründung an.
D ie Berechtigung, sich Diplom- Kaufmann zu nennen, haben laut Entscheidung des bayrischen Kultusministeriums diejenigen, die an ber Handelshochschule München die kaufmännische Diplomprüfung bestanden haben. Diese Entscheidung deckt sich mit einer solchen des preußischen Ministeriums für Handel und Gewerbe bezüglich her Handelshochschulen in Preußen und her Wirtschafts- und fozialwissenschaftlichen Fakultäten in Frankfurt und Köln. Die Inhaber des kaufmännischen „Abschlußzeugnisses" sind nicht berechtigt, sich Diplom-Kaufleute zu nennen.
Vom deutschcu Werkstudenteu.
Die Wirtschaftshilfe der deutschen Stuöenten- schaft hat unter dem Titel „Student und Wirt- | d) a f t“ einen Bericht über die Werkstudenten-Bc- roegung der letzten drei Jahre gegeben. Diese Bewegung nahm während der Inflationszeit natürlich außerordentlich zu. Während cs 1921 20 000 Werkstudenten gab, mar die Zahl 1923 auf 64 000 gestiegen. Man mutz annehmen, daß das Werk- studententum noch lange fortbauern wird, |o lange bei uns die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse bestehen. Es muß aber versucht werden, die Studenten dahin zu bringen, daß sie nicht als ungelernte Gelegenheitsarbeiter auftreten, sondern als Facharbeiter in Fühlung mit dem f)auptbcruf. Die verschiedenen, zum Teil schweren Mißstände des Werksstudenkentums werden sich abstellen lassen, wenn sich das gesamte Wirtschaftsleben auf den Fortbestand der Erscheinung einrichtet und durch Darlehen, Gesundheitsfürsorge, Speisestellen,Bücher beschaffung usw. die Berufausbildung erleichtert wird. Die studentische Wirtschaftshilfe hat schon in den letzten drei Jahren viel geleistet. Die 'Jlot* wendigkeit weiteren 21 u s b a u s ergibt sich aus ber Entwicklung des Studiums in Deutschland. Die Zahl der Studierenden auf Universitäten und Hochschulen betrug 1914 73 000, 1923 112 000, 1924 103 000. An der Zunahme hat die Studienver- längerungburch Werk arbeit einen starken Anteil. Die technischen Hochschulen waren an dem Anstieg stärker beteiligt als die Universitäten. An den Universitäten hat die Medizin eine starke Abnahme erfahren. Während 1914 16 500 Studenten der Medizin waren, waren cs 1924 nur nach 12 500. Geringer ist die Abnahme bei Philologen, Historikern, Mathematikern. Manche Fächer haben mäßig, stark aber Volkswirtschaft und Rechtswissenschaft zu- I genommen.
sein von dem Bewußtsein, haß. wo bie deutsche Sprache, die deutsche Schule, das deutsche Buch, die deutsche Musik sowie die deutsche Kunst sich im Auslande Geltung verschafft haben, da auch her Boden bereitet wird für die Ausbreitung der deutschen materiellen Kultur. In erster Linie ist unser deutsches Volk selbst ins Auge zu fassen. Dann gilt die Sorge den Deutschen in den durch den Weltkrieg abgetrennten oder besonders gefährdeten Gebieten sowie den im Auslände lebenden Deutschen zur Erhaltung und Kräftigung ihrer Gemeinschaft mit der deutschen Gesamtkultur. Ferner sind auch die Beziehungen zu Ausländern auf deutschem Boden, ihren Kolonien und Vertretungen zu pflegen, und dem Auslande ist deutsche Kultur in ihrem gesamten Umfange in deutschem Lichte zu übermitteln. Auch der deutschfeindlichen Kulturpropaganda könnte in vornehmer sachlicher Weise, gestützt auf wissenschaftliche GrunMagen, entgegengetoirft werden
Um die Deutsche Alademie in lebendige und unmittelbare Wechselwirkung mit dem ganzen deutschen Dolle zu bringen, find in ihrer Orga- nifation zwei Einrichtungen geplant, welche diese lebensvolle Verbindung ihr ermöglichen und stets wirllam erhallen sollen' Ein oenat von hundert Senatoren, der daS gesamte Deutschtum in der Welt in allen feinen Ständen und Berufen in führenden repräsentativen "Persönlichkeiten vertreten soll; die Gründung von Ortsgruppen, die sich in einem dichten Rehe über alle deutschen Länder ausbreiten sollen rind die. zusammengefaßt in Ländergruppen, ihre Vertretung im Großen Rate der Deutschen Akademie finden. Denn die Gesamtnalion gilt es zur Mllarbert heranzuziehen. Die gcuv.c Ration muß ergriffen werden von dem Gäianken und von den Zielen der Deutschen' Akademie.
Die 'Deutsche Akademie mutz und wird ihrem ganzen Wesen nach darauf bedacht fein, das
Einigende im Deutschtum zu pflegen und das Trennende zu überbrücken. Rur dann wird sie für das gesamte Deutschtum im In- und Auslande das erforderliche geistige Zentrum fein können. Die ihr gestellten Aufgaben sind so gewaltig, dah sie nur mit Auswahl in Angriff genommen werden können. Es versteht sich von selbst, daß dabei die Fragen, die Gegenstand innerpolitischer Auseinandersetzung srnd, zurückzutreten haben gegenüber Problemen, bei denen das gesamte Deutschtum einig sein muß und einig sein kann. Auch hieraus ergibt sich wieder, dah partikularistisch oder konfessionell einseitige Tendenzen der neuen Gründung so fern wie nur möglich stehen müssen und auch tatsächlich stehen. Die Gedanken Leopold von Rankes, die er zusammen mit dem Könige Max II. von Bayern zur Gründung einer „Deutschen Akademie" verfolgte, liehen sich nicht verwirklichen wegen der polttischen Zerrissenheit Deutschlands und wegen der späteren Kämpfe zwischen Berlin, Wien und München. Weil der deutsche Staat noch problematisch war, blieb der Plan einer Deutschen Akademie immer'ein Torso, und so Paradox es Hingen mag: in einer Zeit, ha ein fester Staat eigentlich nicht da war, gelang es, auf dem Boden ber Ration die Deutsche Akademie zu bauen als ein Erzeugnis der geistig fauDeränen Ration.
Die deutsche Wifsenschaft hat nun uut her Gründung ber Deutschen Akademie den breiten Unterbau, das Fundament gelegt, jetzt 'st es zunächst die Ausgabe des ganzen Volles, i en Bau zu wölben und zu vollenden xum hohen Dome deutscher Kulturgemeinschaft. Run gilt cs, an ben Ausbau her Ortsgruppen heranzutreten, sie zu fördern und mit ihrer Hilfe der Deutschen Akademie die materielle Grundlage ihres geistigen und wissenschafllichen und praktischen Wirkens und Schaffens zu sichern.


