nichtdeutscher Nationalität beweist, daß fid) die Schule eines sehr hohen Ansehens erfreut und in ihren Leistungen voll und ganz auf der Höhe der Zeit steht. Dies spricht sich nicht nur in den Berichten deutscher Revisionsinstanzen aus, sondern auch die italienische Schulbehörde, die von Zeit zu Zeit die Schule insviziert, hat ihr die vollste Anerkennung gezollt. Wie könnte es auch anders sein! Wo deutscher Geist im Ausland seine Wirkungsstätte aufschlägt, da stellt er voll und ganz seinen Mann.
Leider ist die deutsche Schule in ihrer Entwicklung gefährdet. Die italienische Regierung hat ein Verbot erlassen, wonach italienische Kinder nicht mehr ausgenommen werden dürfen. Dadurch ist die Schülerzahl im laufenden Schuljahr, das am 5.10. begann, um em Ärittel zurückgegangen, und der Ausfall an Schulgeld ganz erheblich. Es werden Einschränkungen, Svarsamkeitsmaßnahmen und Kombinationen von Klassen erforderlich.
Freunde und Gönner der deutschen Schule in Rom, in der Heimat wie im Inland, haben seither die Schule unterstützt und hochgehalten. Dies Werk deutschen Geistes darf und soll nicht Not leiden! Auch aus Hessen hat fid) ihr eine hilfreiche Hand entgegengestreckt. Aus Friedberg ist ihr durch Vermittlung des Herrn Staatsrat Block Hilfe zu- teil geworden, und ich bin gewiß, daß ihr aud) anderwärts Unterstützung geboten wird. Ihr Kuf- steinfahrcr, die ihr an Pfingsten dieses Jahres so viel von deutscher Not und deutschem Ringen in der Fremde gehört habt, wollt ihr eure Brüder am Tiber darben lassen?
„Mit offnem Äug', die Wunder froh zu schauen, Durchzog ich stolz Italias grüne Auen!"
Ich sah seine Pracht und seine Wunder, die Trümmer einer gewaltigen, großartigen Herrlichkeit, den jetzigen Verfall, ich sah auch, wie deutscher Geist und deutsche Kraft in der Ferne um Geltung und Anerkennung ringen, wie deutsches Wesen, deutsche Sitte, deutsche Art dort ihren Mann stellen und Anerkennung finden, daß man gar nicht stolz genug dara"f sein kann.
Die deutsche Schule in Rom ist ein Außenposten von nicht zu unterschätzender vaterländischer Bedeutung, ein Vorposten deutschen Geistes.
Umstürze^de Entdeckungen in der Chemie.
Iahre-fen-r der Gesellschaft L ebiK-MnsKvm.
„Das Kleinste in der Welt ist wunderbar, und aus dem Kleinen bauen sich die Welten."
Mit dielen Worten könnte man vielleicht am besten den Inhalt des sehr interesianten und fesselnden Vortrages wiedergeben, den Geh -Rat Prof. Dr. Pribram-Wien am Samstag anläßlich der Jahresfeier der Gesellschaft Liebig- Museum gehalten hat. Zu Beginn seiner Betrachtungen wies er auf die große Bedeutung Liebigs für den Aufschwung der d)emifd)en Wissenschaften in den letzten hundert Jahren hin. Er ließ die Tatsache an unserem geistigen Auge oorüberziehen, daß Liebig mit seinem ersten chemischen Laboratorium für experimentellen Unterricht eine Statte geschaffen hat, der Wisienschaftler aus allen Ländern zu- strömten, um nad) dem hier geschautem Borbild Um terrichtslaboratorien an anderen Universitäten zu errichten. Liebig machte damit die Universität Gießen zu einem Zentralpunkt des chemischen Studiums. Durch sein Wirken und feine Methodik sollte sich die Ueberzeugung Bahn brechen, daß die Chemie mehr sei als Experementierkunst, daß sie nämlich als Wissenschaft gelehrt und gelernt werden muffe. Sodann leitete der Vortragende auf das eigentliche Thema „Um stürzende Ent- , bedungen in der Chemie" über. Er ging aus von den Lehren des Aristoteles, welche l so viele Jahrhunderte hindurch das ganze geistige Leben beherrschten und auch der Entwicklung der F Chemie mehr sei als Experimentierkunst, daß sie Materie liegt noch Aristoteles ollem Seienden zu- gründe. Dieser ist das völlig Unbestimmte, Unterschiedslose, dasjenige, was allem Werdenden als Bleibendes zugrunde liegt und die entgegengesetzten Formen annimmt, was aber selbst feinem Sein auch von allem Gewordenen verschieden ist und an sich gar keine bestimmte Form hat. So entstehen nach der Anschauung der alten griechischen Philosophen . aus dem Urstoff die vier „Elemente": Feuer, Wasser, Erde, Luft. Diese Elemente sind einfache materielle Körper, die die Fähigkeit besitzen sollen, durch Wechsel der Eigenschaften ineinander überzugehen. Darnach könnte also alles aus allem werden, und von diesem Standpunkt aus hat man die Bestrebungen zu beurteilen, welche jahrhundertelang in der Chemie vorherrschten. Aunallenderweise liegen viele Jahrhunderte dazwischen, ms in der Mitte des 17. Jahrhunderts durch Robert Boyle eine neue Periode eröffnet ward, da er zuerst erfolgreich die Lehren des Aristoteles bekämpfte und nachwies, daß desien Elemente für die Chemie ebenso unzulässig seien, wie die Annahme der drei alchimistischen Elemente. Seine Ansichten fanden aber vor der Hand noch nicht die gebührende Beachtung. Des Näheren ging bann der Vortragende auf das Gesetz von der Atomcheorie, besten Begründer wir in Dalton zu erkennen haben, ein. Chemische Derbinbunaen zeigen immer bestimmte einfache Gewichtsverhältnisse ber in ihnen enthaltenen Stoffe — eine Gesetzmäßigkeit, die zuerst Proust nachweisen konnte. Diese Tat- fachen, welche grundlegend für die weiteren Forschungen auf dem Gebiete der Chemie werden sollten, sind am einfachsten dadurch zu erklären, daß jeder einfache elementare chemische Stoss aus kleinsten Teilchen, den Atomen besteht, von denen jedes eine bestimmte Masse besitzt. Die Atome des- selben Stoffes sind gleichartig, während die Atome verschiedener Stoffe sich durch ihre Maste und ihre Eigenschaften voneinander unterscheiden. Mende- leyew ordnete die Elemente nach ihrem Atomgewicht und hat gezeigt, daß die Eigenschaften der Elemente sich periodisch mit den Atomgewichten än- ' dem. In kurzen Zügen berührte der Vortragende dann das Gebiet der radioaktiven Elemente, deren genauere Kenntnis wir den Arbeiten des Ehepaares Curie und anderen zu verdanken haben. Hierauf kam er auf die Arbeiten Mosleys zu sprechen, der mit Hilfe der Hochfrequenzspektra neue Wege für die Reihenfolge der Elemente und die Lücken im periodischen System weifen konnte. Zum Schlüsse seiner Betrachtungen über die Geschichte der Atom- theorie machte er noch mit den bahnbrechenden hoch- intereffanten Arbeiten Rutherfords bekannt, die Resultate ergeben haben, die noch vor kurzer Zeit fein Naturwissenschaftler geahnt hätte. Ruther- forb, der das Geriet der Radioaktivität glänzend auszubauen verstand, fand, daß sich der Zerfall der Atomkerne nicht allein auf die radioaktiven Stosse beschränkt, sondern daß auch beim Eintritt von a-Teilchen, die ja von Radium ausgeschleudcrt werden, in reinen Stückstoff eine Atomzertrümmerung stattfinbet. Er stellte Wasferftoff- und Heliumkerne
fest! Diese Entdeckungen führten zu dem Schluß, daß wir es mit ncemi Urstoff zu tun haben, auf dem sich olle Elemente aufbauen. Wenn auch die Forschungs- ergebnisse Mieth es über die Gewinnung von Gold aus Quecksilber in letzter Zeit bezweifelt werden, so erscheint uns nach dem Entwicklungsgang der naturwissenschaftlichen Forschungen auch die Erreichung dieses Zieles gar nicht mehr ausgeschlossen.
Betrachten wir zufammenfassend den ganzen Vor- trag, so dürfte sich ergeben, daß fid) die chemischen Erkenntnistheorien vom Altertum bis zur Jetztzeit nicht auf einer geradlinigen, sondern einer kreisförmigen Bahn bewegen. Der Ring beginnt sich zu schließen. Kehren wir doch — einmal rein philosophisch betrachtet —, zu den Anschauungen Aristoteles zurück, daß die Materie aus einem Urstoff aus- gebaut ist.
Anschließend gab der Vorsitzende der Gesellschaft, Geh. Rat Sommer, bekannt, durch meld) große Zahl von Stiftungen die Sammlungen des Liebig- Museums bereichert worden sind. Von diesen Stiftungen sollen 90 Originalbriefe Liebigs an A. W von Hofmann, die teils wissenschaftlichen Charakter tragen und ein Beweis dafür seien, in meld) freundschaftlichen Beziehungen er zu feinem Kollegen und früherem Schüler gestanden hat, nicht unerwähnt bleiben. Ein Bild, das anläßlich einer Reise Liebigs nach England zwecks Besuchs der „Country meeting of the Royal agricultural Society of England" am 12. 11. 1845 gemalt wurde und außer namhaften Gelehrten Liebig im Kreise hoher Würdenträger zeigt, verdient besonderes Interesse. — Möge das Andenken an unseren großen Liebig, der mit Recht zu den größten Forschern aller Zeiten gezahlt wird, durch ein aktives Mitwirken weiter Kreise, die für die Erhaltung und den weiteren Ausbau des Museums bemüht sind, hochgehalten werden. O. H.S.
Oberhessen.
Landkreis Gi: "• 2tt.
£ ß 01 la r, 3. Nov. Das am Sonntagabend im Saalbau „Zur Linde" stattgefundene Konzert des Arbeitergesangoereins „Vorwart 5", Lollar, hatte einen derart starken Besuch aufzuweisen, daß eine große Anzahl Besucher abgewiesen werden mußte; der weite Saal und die geräumige Galerie waren bis zum äußersten Winkel besetzt. Der starke Besuch hatte in zweierlei seinen Grund, einmal in der musik- und gesang- verständigen Lollarer Einwohnerschaft, zum andern in Dem ausgezeichneten Ruf, der dem konzertgeben- den Verein vorausgeht. Daß der Abend nach keiner Seite hin irgendwelche Lücke aufkommen ließ, soll von vornherein festgestellt werden, ebenfalls, daß sich die Besucher des Konzerts bei dem für ländliche Verhältnisse früh liegenden Beginn pünktlich eingefunden hatten. Die gesanglichen Darbietungen des recht stattlichen Münnerchörs stehen weit über dem Alltäglichen, Liebe zur Sache, hingebungsvolle Tätigkeit des verdienstvollen Chormeisters, Heinrich Meyer, Wieseck, und verständnisinnige Harmonie zwischen Chor und Dirigenten geben für die vorzüglichen Leistungen des Vereins einen günstigen Resonanzboden. Die beiden Eröffnungschöre „Berg- mannslos" und „Die Vesper" fanden sofort begeisterte Zustimmung. Besonders bei dem letzteren, im zartesten Pianissimo gesetzten Beethovenschen Chor, gelang den Sängern die Wiedergabe vorzüglich. „Das Eichkatzerl", das nicht nur stimmlich, sondern auch an die Zungenfertigkeit hohe Anforderungen stellt, mutzte wiederholt werden. Der machtvolle Chor „Grüß' mir die Reden, Vater Rhein", löste wahre Beifallsstürme aus. Den Beschluß des ersten Teils bildete der große Chor mit Orchester, begleitung „Die Mühle im Schwarzwald". Was hier von Chor, Orchester und Dirigent geleistet wurde, ist als ganz vorzüglich anzusprechen. Wenn trotz des nicht endenwollenden Beifalls eine Zugabe abgelebt wurde, so ist dies nach der anstrengenden Leistung zu verstehen. Anerkennend muß festgestellt werden, daß der zweite Teil mit zwei Volksliedern eröffnet wurde: „Stehn zwei Stern' am hohen Himmel" und „Zum Wandertor hinaus". Jedenfalls hat der starke Beifall bewiesen, daß es nicht immer schwierigste Kunstchöre sein müssen, um sich in die Gunst der Zuhörer einzusingen, und hier gelang dies durch die Macht der einfachen Melodie und die wundervolle Wiedergabe derselben. Den Ausklang des Konzerts dlldete der Männerchor mit Orchesterbegleitung „Mer sitzet unter Aepfelbäum". Der burschikose Text und die eigenartige Melodie forderten im Verein mit der gesanglichen Leistung eine Wiederholung, die gern gewährt wurde. Die Solistin, Fräulein Ida Stammler (Gießen), bereicherte mit ihrem umfangreichen Mezzosopran den Abend in bester Weise. Die Darbietungen der Dame, die eine glückliche Auswahl prächttger Lieder brachte, fanden verdientermaßen lebhaften Beifall. Der Dank des Vereins wurde der Sängerin in Gestalt eines Blumenangebindes vom Vorsitzenden noch besonders zum Ausdruck gebracht. Neben dem gesanglichen Teil des Programms bot der Verein seinen Gästen auch noch hervorragende instrumentale Darbietungen der Kapelle ehemaliger Militärmusiker unter der Lei- tung des Pianisten Wilhelm Kren gel, der auch Frl. Stammler in der feinsinnigsten Weise begleitete. Don den Leistungen der Kapelle seien hervorgehoben die große Fantasie aus „Cavalleria rusticana", Czardas aus der Oper „Der Geist des Wojewoden" und nicht zuletzt die Solis für Flöte (Herr Kehrmann: „Gute Nacht, du mein her- ziges Kind"), für Cello (Herr Schröder: „The Broken Melody", „Der Schwan") und die Fantasie für Trompete (Herr Tovp: „Une Perle de Ocean"). Auch bei diesen künstlerischen Gaben erwiesen sich die Hörer sehr beifallsfreudig. Das Pro- gramm war in feiner Gesamtheit recht geschmackvoll zusammengestellt und verdient, mit aller Auszeichnung bedacht zu werden. Der Verein, dem man zu seinem vorzüglich geschulten, reichen und sehr guten Stimmaterial, namentlich auch zu seinem prächtigen Tenor besonders beglückwünschen kann, und ebenso sein Chormeister Meyer haben guten Grund, auf diesen hochstehenden Konzertabend mit voller Genugtuung zurückzublicken.
: 2euern, 2. Nov. 3m Saale des Karl Dietrich sprach am Sonntagnachmittag in öffentlicher Versammlung Revisor Hartmann aus Gießen über „Aufwertung von Hypotheken, Sparkassenguthaben, A1 t- besitzanleihen u. bgL“. 3n klarer, verständlicher Weise schilderte er den gegenwärtigen Stand der Aufwertungsmöglichkeiien. Eine nachfolgende Aussprache Harte die Angelegenheit noch genauer auf. Bedauerlicherweise war der überaus lehrreiche Dortrag nur verhältnismäßig schwach besucht.
v. Londorf. 1. Aov. DaS Dundesfest des Lahntalsängerbundes, dem zircka 20 Vereine mit mindestens 1000 Sängern trage- hören, wird im Sommer kommenden Jahres in unserem Orte gefeiert werden. Der Gesang
verein Frohsinn und mit ihm die gesamte I Bürgerschaft wird alles tun, um den Sängern in unseren gastfreien Mauern schöne und ^angenehme Festtage zu bereiten.
ri. L i ch, 2. Aov. Zum erstenmal wieder seit langer Zeit trat gestern die unter Leitung des Lehrers Stein, des Organisten an der hiesigen Marienstiftslirche stehende Chorschule vor die Oefsentlichkeit. Während des Sommers hatte ihre Tätigkeit geruht, weil die Kinder durch Garten- und Feldarbeiten in Anspruch genommen waren, so daß die Chorschule nicht zusammentreten konnte. Da gestern in der Kirche auch der Posaunenchor im Wechsel mit der Orgel mitwirkte, so gestaltete sich der Refor - mationsgottesdienst zu einem erhebenden F e st g o t t e s d i e n st. Er galt zugleich der Jubelfeier des vor 1600 Zähren zuerst entstandenen Aizanischen Glaubensbekenntnisses.
ri. Aieder-Bessingen, 3. Aov. Die Studentenhilfe Gießen veranstaltete hier und in benachbarten Dörfern eine Sammlung für d i e Gießener Studentenküche. Nachdem einige Studenten Anmeldungen von Liebesgaben, besonders von Kartoffeln, gesammelt hatten, kamen sie einige Tage nachher mit einem Lastauto, um die Spenden aufzuladen. Die Sammlung war von gutem Erfolg begleitet.
Kreis Friedberg.
WSN. Friedberg, 2. Nov. Der kürzliche Ueberfall auf einen Kraftdroschkenführer auf der Fahrt von Frankfurt nach Friedberg hat jetzt seine Aufklärung gefunden. Die drei Banditen, der Dad)decker Karl Dang, ein gewisser Hans Herrscher und eine Maria Huß aus Stierstadt, die alle drei erst 19 Jahre alt sind, konnten jetzt festgestellt werden. Der Ueberfall war sorgsam vorbereitet worden, und nur dank besonderer Umstände büßte der überfallene Kraftwagenführer nicht das Leben ein. Das Trio hatte beabfidjtigt, den Chauffeur von hinten zu erschlagen und das Automobil zu rauben. Nach dem Ueberfall hat das Kleeblatt in Bad-Nauheim noch ein M v - torrad gestohlen. Der verhaftete Dang führte einen Revolver und Dumdumgeschosse bei sich.
Butzbach, 2.Aov. (WSA.) Wie wir erfahren, wird mit Beginn des kommenden Llahres ein großer Teil des Berwaltungs- apparates dec hiesigen Meguinwerke nach Berlin verlegt. Durch den in Verbindung hiermit bevorstehenden Personalabbau werden viele Beamte, u. a. zahlreiche von auswärts hier zuger-ogene Ingenieure, betroffen. jS)ie Verlegung hängt mit Ber seinerzeit durchgeführten Fusion des Werkes mit der Vamag-Berlin zusammen, die die Meguin in stärkste Anhängigkeit von Berlin bringt.
o Butzbach, 2. Aov. Unsere Stadt bleibt, Wohl als einzige hessische Gemeinde, am 15. Ao- vember von der Wahl verschont. Aachdem im vergangenen Jahre hier die Städteordnung eingcführt. mußte damals schon die Aeuwahl der Stadtverordneten erfolgen, die auch für die nächsten vier Jahre im Amt bleiben.
E Aiederflvrstadt, 2. Aov. Der Gesangverein Liederkranz veranstaltete heute ein Konzert, das recht zahlreich besucht war. Die Chöre wurden sehr gut gesungen: besonders hervorzuheben sind: „Die Aacht" von Schubert und »Schön Rottraut" von Schumann, die der Gemischte Chor fang, und u .a. „Die Vesper" von Beethoven, gesungen vom Männer- chor. 3n den Pausen spielte ein Hanauer Streichquartett. — Bei Gastwirt Dauernheim hielt Gartenbauinspektor A ent sch von Friedberg einen Vortrag über das Thema: „Wie fördere ich die Fruchtbarkeit des Obstbaumes?" Der Redner gab seinen Zuhörern vortrefflichr Ratschlage. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Ein Obstbauverein wurde wieder gegründet und der Landwirt Friedrich Alt, der bewährte Leiter des früheren. Vereins, wieder zum Vorsitzenden gewählt. Die Teilnehmer an der Versammlung traten dem Vereine bei.
Kreis Büdingen.
nd. Aidda. 2. Aov. Heute fand hier die Mitgliederversammlung der De - zirkssparkasse Aidda statt. Da der seitherige Direktor der Kasse, Geh. Justizrat R ö m - Held, sein Ami aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hatte, führte dessen Stellvertreter, Rektor Gahert den Vorsitz. Aach dem Geschäftsbericht hat sich die Kasse im letzten Geschäftsjahr recht günstig weiterentwickelt. Die Einnahmen betrugen 3 291 363.81 Mk., der Reingewinn belief sich aus 8473,63 Mk. Die Zahl -der Sparkassebücher über Papiermaik-Einlogen ist noch 6230 Stück: im Laufe des Jahres sind 621 Einlagebücher über Rentenmark-Einlagen ausgestellt worden. An Giro-Konten sind im Laufe des Geschäftsjahres 80 Stück hinzugekommen, so daß diese nun wieder auf 300 Stück gestiegen sind und außerdem 228 Stuck von Papiermarf auf Rentenmark umgestellt wurden. Bei den Wahlen wurde Rektor G a tz e r t mit 28 Stimmen zum Direktor der Kasse gewählt. Oberjustizinspektor Getzger erhielt 18 Stimmen. Der Aufsichtsrat besteht künftig nur noch aus sieben Mitgliedern, statt seither 10. Dessen Vorsitzender, Altbürg-er meister Schneider in Unter-Widdersheim, trat wegen hohen Alters freiwillig zurück, ferner schieden der Altbürgermeister Edelmann in Fauerbach, Lind in Geiß-Aidda und Ockel in Kohden aus. Aeu gewählt wurde Bürgermeister Krug, in Heuchelheim i. d. W. Von den Vorstandsmitgliedern traten Friedrich Reuning II. und Kaufmann Karl Lorz zurück, die übrigen wurden wiedergewählt.
△ Aidda, 2. Aov. Gestern abend gegen 1/211 Tlhr wurden die Bewohner unserer Stadt durch Feuerlärm erschreckt. Sn einem Hause in der Gerbergasse war ein Zimmerbrand ausgebrochen. der von jungen Leuten bemerkt worden war. Die in drin Hause wohnenden Familien waren schon zu Bette gegangen und hatten vom Drandausbruch nichts gemerkt. E inW oh n- zimmer brannte ganz aus. Alle Möbel und damit auch ein größerer Geldbetrag der einen Familie fielen dem Feuer zum Opfer. Die Feuerwehr war rasch zur Stelle und verhütete, die Weiterverbreitung des Feuers, das in dieser engen Gasse recht gefährlich hätte werden können. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch nicht bekannt.
△ Bisses, 2. Aov. Schon längere Zeit werden in dem zwischen Horloff- und Aiddatal hinziehenden Markwalde Spuren von Wildschweinen beobachtet. Zedensalls sind die Schwarzkittel aus den Wäldern des Taunus herübergswechselt. 3n Zägerkreisen werden eifrig Vorbereitungen zur Jagd getroffen, denn es ist eine SÄtenheit, bei Treibjagden in hiesigen Wäldern ein solches Stück WiÜ> vor die Flinte zu bekommen. — Für die bevorstehende Ge- '
I meinderatswahl sind drei Wahlvorschläge eingereicht worden.
Kreis Schotten.
r~! Laubach, 2. Aov. Dieser Tage feierte, körperlich und geistig noch völlig frisch, der hiesige erste Stadtpfarrer, Theodor Aebel, seinen 7 0. Geburtstag. Er wurde geboren in Dr eieichenhain als Sohn des (in Gr- Gerau verstorbenen) Geh. Kirchenrats Aebel: er ist ein Bruder des früheren Präsidenten des Oberlonsistoriums. Sein Großvater und sein Urgroßvater waren beide Professoren der Medizin an der Landesuniversität. Th. Aebel besuchte das Gymnasium in Darmstadt, bezog 1875 die Laichesuniversität und 1878 das Prediger-Seminar in Friedberg. Seine erste Pfarrstelle war Höchst j. O. Von hier wurde er vor drei Jahrzehnten durch den (1900 verstorbenen) ®ra- fen Friedrich zu Solms-Laubach als 1. Stadtpfarrer in Laubach präsentiert. Außerdem wurde ihm der Unterricht in Religion und in der hebräischen Sprache am Gymnasium Fridericianum übertragen. Er ist ein beliebter Seelsorger und ist auch in der Armen- und Kranken- fürsorge eifrig tätig, vornehmlich als Mitglied des Vorstandes des segensreichen „Iohann- Friedrich-Stiftes". Auch der Pftege-der Laubocher Ortsgeschichte gilt sein Interesse. Er hat belangreiche Quellenforschungen auf diesem Gebiete gemacht und hier mancherlei wertvolle Ergebnisse erzielt. Ein besonderes Verdienst hat er sich durch die sorgfältige Sammlung der Laubacher Flurnamen erworben.
)—( Ruppertsburg, 2. Nov. Am Freitag fand dahier die Vorführung des berühmten Bethel f i 1 m s statt. Nachmittags um 2 Uhr hatten sich etwa 160 Schulkinder aus Gonterskirchen, Röth- ges, Ruppertsburg und Villingen im Jugendheim versammelt, um durch Wort und Bild sich im Geiste fuhren zu lassen in die größte deutsche Anstalt christlicher Liebestätigkeit zu Bethel. Avends 8 Uhr war den Erwachsenen in der Kirche Gelegenheit geboten, den Film zu sehen. Wenn auch ungefähr 170 Personen erschienen waren, so hätte der Besuch doch noch besser fein dürfen. Zu wahren Feierstunden ge- statteten sich die Vorführungen aus dem Leben und der Arbeit der Anstalten Bodelschwinghs. In fünf prächtigen Films, umrahmt von passenden geistlid)en Gesängen und erläutert durch die schönen Worte des Diakons Stirtz, bekam man einen Einblick in die Stätten, wo wohl die Aerrnften aller Kranken gepflegt und erzogen werden, und lernte, was wahre christliche Liebestätigkeit,' gewurzelt und gestärkt im felsenfesten Glauben, im Dienst der leidenden Menschheit zu tun vermag. Gerührt folgten die Andächtigen den Darbietungen, die über zwei Stunden dauerten. Es wurden 120 Mark eingenommen und für 16 Mk. kleine Schriftchen verkauft. — Kürzlich fand dahier eine öffentliche Verpachtung von Grund st ück en statt, bei der pro Morgen 30 bis 55 Mark Jahrespacht, je nach Güte des Ackerbodens, bezahlt wurden. — Auch in unserer Gemarkung richtet die A ck e r s ch n e ck e großen Schaden an. Verschiedene Aecker mußten zum zweitenmal mit Roggen besät werden. — Seit einigen Tagen ist auch die chemische Fabrik Friedrichs- Hütte bei Ruppertsburg geschlossen. Die Arbeiter wurden bekanntlich vom Arbeitgeberverband ausgesperrt.
Kreis Alsfeld.
WSN. Alsfeld, 2. Nov. Bei Kanalarbeiten wurden hier Splitter einer eisernen Bombe gefunden, die ein Gewicht von sieben Pfund hatten, und die vermutlich aus der Belagerung der Stadt Alfsfeld im 30jährigen Kriege im Jahre 1644 stammen dürften. Die Funde wurden dem hiesigen Museum überwiesen, das bereits ähnliche Funde aus dieser Zeit, darunter eine vollständige Bombe im Gewicht von einem Zentner, enthält.
O Lehrl> ach, 2. Nov. Es ist dankbar zu begrüben, daß unser neuer Lehrer Adami sich bereit erklärt hat, wie sein Vorgänger, Lehrer Stoll, unseren hiesigen Gesangverein „Harmonie" zu leiten. Die Pflege edlen Gesanges ist ein wertvolles Stück Erziehungs- und Volksbildungsarbeit, dem sich in erster Linie der Lehrer eines Dorfes zu widmen berufen ist. Im gemeinsamen Stieben lernt man sich dabei näher kennen und kommt einander näher, und es ist doch für die Erziehungs- arbeit an den Kindern wichtig, daß ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Schule bzw. dem Lehrer und den Elternhäusern besteht. Anzuerkennen ist aud), daß Lehrer Adami den Organistendienst versehen will.
Starkenburg.
Offenbach, 2. Aov. (WSA.) Am Samstagabend ist in einer Fabrik in der BiSmarck- straße Grotzfeuer ausgebrvchen. Der Dachstock und das Treppenhaus wurden binnen kurzer Zeit eingeäschrrt. Dank dem Eingreifen der Offenbacher Feuerwehr gelang es, eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhindern.
Rheinhessen.
Mainz, 2. Aov. (WSA.) Auf der L an d- st r a ß e von Mainz-Kostheim nad) Hochheim, direkt bei der Landesgrenze, wurde in der Aacht von Samstag auf Sonntag von Bubenhand ein Drahtseil quer über die Straße gespannt. Ein Motorradler, der in der Dunkelheit die Stelle passierte, stürzte über das Hindernis und wurde verletzt. Die Kostheimer Polizei, die kurz darauf das Hindernis beseitigte, hat Nachforschungen angestellt.
Bingerbrück, 2. Aov. (WSA.) Aus dem hiesigen Bahnhof waren vor längerer Zeit zwei schwere Koffer zur Aufbewahrung gegeben worden. Da sich lange niemand zur QU)* nähme einfand, kam der Eijenbahnkriminalbehörde die Sache verdächtig vor und es wurde eine Untersuchung eingeleitet. Man fand in den Koffern 21 orientalische Teppiche im Werte von etwa 35 000 Mark, die über die belgischeGrcnzenachDeutschlandge* schmuggelt worden sind. Auch in Koblenz konnten zwei weitere Koffer entdeckt werden, die ebenfalls Teppiche enthielten. Vor einigen Tagen erschienen nun hier zwei Türken. um die Koffer abzuholen. Sie wurden verhaftet.
Bingen, 2. Aov. (WSA.) Hier ist in letzter Zeit ein Schwindler aufgetreten, der in den Geschäften versuchte, italienische Roten in Zahlung zu geben. Die Aachprüfung ergab, daß es sich um bereits aufgerufenes italienisches Aotgeld aus ber Kriegszeit handelt, das völlig wertlos ist. Vor dem Schwindler, der möglicherweise auch in anderen Orten dasselbe Manöver versuchen dürfte und der geläufig deutsch spricht, wird gewarnt.
A1 z e y, 2. Aov. (WSA.) Redakteur Pfund t>om „Alzeyer Beobachter", der kürzlich


