lendderFahrtinPolenzu sprechen. Schon Wochen vor der Ausweisung wurden die deutschen Optanten auf das schärf st e bewacht. In Stadt und Land wurde neben starkem Polizeiaufgebot viel Militär Rationiert. Die fanatische ^etze und die Wut gegen die Deutschen kannte keine Grenzen. Die polnischen Geschäftsleute weigerten sich vielfach, den Deutschen Waren zu verkaufen. Deutsche Landarbeiter wurden durch allerlei Bedrückungen von ihren Arbeitsstätten vertrieben. Dafür wurden galiziscbe Arbeiter eingestellt, die fast immer für die kärglichste Bezahlung arbeiten. Die polnischen Behörden taten das Ihrige, den Optanten den Abschied non der Heimat zu erleichtern. Unerträgliche Steuern zwang viele dazu. Hab und Gut zu verschleudern. Der Abtransport der Optanten wurde in der rigorosesten Weise durchgeführt. Männer, Frauen und Kinder wurden in schon überfüllte Abteile hineingedrängt. Auf schwangere Frauen, junge Mütter und Kranke wurde keine Rücksicht genommen. Während der Fahrt wurden die Flüchtlinge von dem polnischen Zugpersonal, das sich über die Rot und das Elend lustig machte, in der gern ein st en Weise beschimpft und.mißhandelt.
Minister Severing in Schneidemühl.
Schneidemühl, 3. 2Iug. (Sil.) Der preutz. Innenminister Severing traf Sonntag abend hier ein. Er fuhr sofort nach fern Flüchtlingslager. tth.0 der Lagerkommandant Oberst Engel in die Führung durch die einzelnen Baracken übernahm. Der Minister dankte zunächst denr Lagerkommandanten und dem leitenden Arzt des Lagers für die von ihnen geleistete aufopferungsvolle Arbeit und ging dann mitten durch die auf Strohsäcken Liegendm hindurch. Hier und da weinende Kinder. Eine Frau, ein Wann, die sich, aus der Ruhe aufgeschreckt, jäh emporrichten. Hier und da ein paar nackte Füße unter der Decke, die den schmalen Gang hinaus ragen. Der Minister und sein Gefolge schreiten darüber hinweg. Dann wendet er sich an Oberst Engelin:
müssen sofort von der Hilfspolizei Matratzen. Decken und Stroh herbeigeschafft werden." Severing fragt dann: „Wieviel Kinder weilen in dem Lager?" Der Kommandant antwortet: „Unter 14 Iahren sind es ungefähr ein Viertel der gesamten Belegschaft." Der Minister fragt darauf: „Wäre es nicht möglich,
die Kinder irgendwo anders auf dem Lande unterzuöringen?"
Engelin: „Die Eltern werden sich von ihren Kindern nicht trennen wollen.*' Ger Minister: „Olber vielleicht ginge es, ein Kinderheim in nächster Rahe zu errichten/' Der Kommandant antwortete, daß ein solches Kinderheim schon geplant und eingerichtet werden sollte, als man noch mit der Ankunft von 3000 Optanten rechnete. daß aber alte Pläne verworfen werden mußten, als der Andrang zu groß wurde. Im Weitergehen entwickelt sich folgendes Gespräch: Kommandant Engelin: „Die ganze Sache ist aber eine Geldangel eg enheit. Herr Minister." Severing: „An Geld darf es nicht fehlen." Engelin: „Daran hat es aber bisher gefehlt." Der Minister sagt schließlich, daß 3000 Optanten zu je 100 sofort auf 30 Regierungsbezirke verteilt werden müßten und fügte mit erhobener Stimme hinzu: „Das muß unbedingt gemacht werden."
Der preußische Minister gewährte einem Vertreter des „Montag Morgen" eine Unterredung, in der er u. a. folgendes sagte: Wenn es nach mir allein gegangen wäre, hätte man das Lager in Schneidemühl nur als Durchgang s- ft a t i o n benutzen dürfen. Aber die Sache geht ja nicht nur Preußen, sondern auch das Reich an.
Mein Plan war, die Ausgewiesenen so schnell als möglich über die verschiedenen Regierungsbezirke zu verteilen.
Wir waren ja vorbereitet. Wir haben eigens den deutschen Generalkonsul in Posen, der abgebaut werden sollte, dort belassen, und er hat feit Februar an dieser Frage gearbeitet. Ich werde sehen, ob ein zweites Lager schleunigst, etwa in Zossen, nötig ist. Die Schi.* igkeit der Verteilung über die verschiedenen Regierungsbezirke liegt hauptsächlich darin, daß zu viele Stellen Preußens und des Reichs sich verständigen müssen. Sachlich war es durchaus richtig, daß das Re i ch s - .arbeitsminifterium m Schneidemühl eine
Arbeitsvermittlungsstelle errichtete. Die Leute sollen sogleich dorthin reifen, wo sie Arbeit fanden. Aber da die Arbeitsgelegenheiten nicht so günstig einliefen, gab es Stauungen in Schneidemühl. Aber wir bleiben bemüht, kein Dauerlager zu errichten. Es handelt sich um 5—8000 Leute, die wir entfernen müssen. Wir werden Leute, die 25 und 30 Jahre in Deutschland waren und deutsch geworden sind, berücksichtigen. Aber im großen und ganzen muß ich diese Aktion konsequent durchführen. All das ist Wahnsinn, ich wollte ihn bis zum letzten Augenblick vermeiden.
Minister Stresemann zur Dptcmtenfrage.
Berlin, 1. Slug. (WTB.) In einer Unterredung, die Reichsaußenminister D r. Stresemann einem Vertreter der „Breslauer Neuesten Nachrichten" über die Optantenfrage gewährte, erklärte der Minister u. a.: Während deutscherseits seit Jahren der Standpunkt vertreten worden ist, daß die beiderseitigen Optanten zwar das Recht, nichtaberdiePflicht haben, ihren Wohnsitz in den Staat zu verlegen, für den sie optiert haben, ist p o l n i s ch e r s e i t s gellend gemacht worden, daß die Optanten zur 21 b man« berung verpflichtet sind. Nach dem Wiener Abkommen vom 30. Slugust 1924, das in Deutsch, land und Polen Gesetz geworden ist, ist der Optant zur Abwanderung nur dann verpflichtet, wenn er von der Regierung die Auffordeung dazu erhalten hat. Die polnische Regierung hat nun bereits Anfang dieses Jahres von ihrem Recht Gebrauch gemacht. Daraufhin hat sich selbstverständlich auch die deutsche Regierung zu dem gleichen Schrill entschließen müssen. Verhandlungen sind ergebnislos verlaufen. Ich_kann nur auf das nachdrücklichste betonen, Jo schloß der Minister, daß die deutsche Regierung alles getan hat, um in der Optantenfrage zu einer den Grundsätzen eines friedlichen Zusammenlebens zwischen den Völkern entsprechenden Lösung zu kommen. Wenn trotzdem die Well das traurige Schauspiel mittelalterlicher Austreibung Tausender von Heim und Herd erleben muß, so liegt die Schuld daran wahrhaftig nicht bei uns.
Ende des Bergardeiterstreiks im Saargebiet.
Saarbrücken, 2. Aug. (TU.) Samstag vormittag tagte hier die beschlußfassende Revier- konferenz des Gewerkvereins christ- licher Bergarbeiter Deutschlands, um zu dem Ergebnis der Lohnverhandlungen mit dem französischen Arbeitsminister und der Bergwerksdirektion in Saarbrücken Stellung nehmen. Die Konferenz faßte folgenden Beschluß:
„3n Anbekrachk der schlimmen Tloflage im Saatgeblcf, die eine Folgewirkung des Versailler Vertrags ist, hatten die Saarbergleute ein größeres Entgegenkommen erwartet. Die Konferenz spricht der französischen Regierung ihre Enttäuschung aus. Sie verkennt aber nicht die Schwierigkeiten, die die Erreichung eines besseren Ergebnisses verhinderten. Die Konferenz beschließt daher, das Ergebnis der Ver- handlungen auzunehmen. Sie beschließt ferner, daß am Montag auf allen Gruben im Saargebiet die Arbeit wieder ausgenommen werden sott."
Der Vorstand der Bergarbeiter- und Metall- arbellergewerlschasten des Saargebiets wendete sich darauf an die Arbeiterschaft mit einem Aufruf, in dem es heißt, daß d i e A r b e i t a m Montag wieder aufzunehmen sei, obwohl die Lohnerhöhungen gegenüber der Teuerung völlig ungenügend seien. Im Hinblick auf die allgemeine Weltlage des Bergbaues sei jedoch nicht mehr zu erreichen gewesen. So einmütig, wie der Streik begonnen, müsse er auch beendet werden.
Esiens Befreiung.
Essen, 2. Aug. (SIL) Samstag vormittag 11 Uhr trafen aus dem Essener Hauptbahnhof 600 Mcurn Schupo unter dem Kommando des Polizei-Kommandeurs Thusius aus dem Regierungsbezirk Münster ein. Sie wurden von der auf dem Dahnhossvlatz versammelten gewaltigen Menschenmenge jubelnd begrüßt. Wahrend am gestrigen Tage bis zum Schluß der offiziellen Besetzung keine Flaggen zu sehen waren, erschienen heute im Laufe des Bormittags zahl-
Fräulein Fob.
Rcman von Andels S i e.
35 Fonletzung (Nachdruck verboten.,
Anfangs stellte er sich, als müsse er mit "ich selbst kämpfen. And schließlich gab er sich den Anschein, als ob er darüber ins Klare ge- komn.en sei, was das Richtige sei, zu schweigen oder zu reden. Er sagte:
„Ich glaube, daß es ein Unrecht von mir wäre, Ihnen vorzuenthalten, was ich weih!"
Fob unterbrach sich einen Augenblick und warf einen forschenden Blick ringsum. Der Garten lag leer und verlassen, und über den Baumkronen glitten noch immer schwere, graue Wolken.
„Zuerst verlangte er mein heiligstes Ehrenwort, niemandem, wer es auch sei, nur ein Wort von dem zu verra en, was er mir nun erzählen wolle. Ich gab es ihm. Und dann begann er zu reden, und tat dies so schonend wie möglich.
Es war vor vielen Iahren, bevor ich noch auf der Welt war. Papa Fili war damals noch nicht Exzellenz, sondern ein kleinerer, aber energischer Fondsmäkler. Ihm waren Wertpapiere in hohen Beträgen anvertraut. Und einmal ward die Versuchung zu groß für ihn: er spekulierte mit einigen der Papiere auf eigene Rechnung. Der Versuch ging übel aus, der Fonds- Mäkler verlor. Run befand er sich in einer schwierigen Situation. Es gab nicht viel zu wählen. Entweder kapitulieren, verschwinden, erledigt fein, — oder — eine Unterschrift und ein paar Briese namens einer anderen Person zu schreiben. Exzellenz, die damals noch immer nicht eine Exzellenz war, wählte den zweiten Weg.
Das war zuviel, zu wahnsinnig, zu unmöglich.
Ich sprang auf, flammend vor Zorn:
„Sie lügen!“
Harrh veränderte nicht feine sanftmütige, teilnahmsvolle Miene.
„Aber," sagte er ruhig, „glauben Sie denn, ich würde so etwas erfinden? Wozu? Und wenn ich Ihnen dies jetzt erzähle, so müssen, Sie wissen, daß ich in meiner Hand den Beweis dafür habe.“
Ietzt kam vielleicht die schwerste Stunde, meines Lebens. Auf ruhige und sachliche Weise, die seine Behauptung über jeden Zweifel erhob, deutete Harry an, er besitze ein Papier, das die Wahrheit seiner Erzählung auf das klarste dartue, — und das natürlich Papa auf das furchtbarste kompromittieren könnte. Er lud mich ein, dieses Papier am nächsten Tage in seiner Wohnung zu besichtigen. Es ist klar, daß ich hin ging.
Ich kenne Papas Handschrift, auch aus seinen jüngeren Iahren sehr gut, und ich mußte dem Zeugnis meiner Augen trauen. Harry hütete sich, auch nur mit dem unbedeutendsten Zucken seiner Gesichtsmuskeln etwas von dem großen Triumph über dies Ergebnis zu verraten. Er gab mir reichlich Zeit, um mich von diesem Choc zu erholen. Dann ließ er mich mit leisen Worten verstehen, daß es ein sicheres Mittel gebe, dieses Papier vollständig unschädlich zu machen. Ich verstand, ohne daß er näher darauf einzugehen brauchte.
Ich bat ihn um Bedenkzeit bis zum nächsten Tag. Sie wurde bewilligt. In Wirklichkeit hatte ich meinen Entschluß schon gefaßt: ich war zu allem bereit, wenn ich nur die sichere Gewähr erhielt, daß dieses verfluchte Papier unschädlich gemacht würde.
Zur vereinbarten Zeit rief mich Harry an:
„Run," sagte er kurz und geschäftsmäßig, „haben Sie sich entschlossen? 2a oder nein?"
„Angenommen," antwortete ich, „ich gehe auf Ihren Vorschlag ein, geben Sie mit dann das Papier?"
„2a, — an unserem Hochzeitstag....."
Also! Der Hochzeitstag kam. 2ch brauche dir nicht zu sagen, daß ich alles tat, damit er, nur so rasch als möglich käme. Wie sich auch alles Weitere gestalten würde, ich wollte nicht daran denken, — mein Opfer würde ja doch nicht vergebens gebracht worden sein. Aber gerade das war es: ganz und gar vergebens.
Harry hielt sein Versprechen nicht. 2ch bekam nie das Papier. Er hat es noch heute in seiner Hand, natürlich derart versteckt, daß es der genialste Detektiv nicht finden kann. Die Drohung hängt schwerer über Papa Fili als nur je. '
reiche Fahnen in den Reichs- und Landes- färben. Vergangene Rächt 12 Ufjr verkündeten von allen Türmen die Glocken die Befreiung Essens. Heute abend finden an zahlreichen Orten, so auch auf dem Gelände der Dau-Ausstellung, Befreiungsfeicrn statt. Der Reichskanzler, der bekanntlich früher Oberbürgermeister von Essen war, sandte ein Telegramm an den Oberbürgermeister der Stadt Essen, in dem es heißt: Die endgültige Befreiung von dem fremden Ioch sei uns eine Verheißung für weiteres Voranschreitenauf dem mühevollen Wege zu Deutschlands Wiederaufstieg.
Den Gefallenen auf der Lorettohöhe.
Eine Friedensrcde Painlev6s.
Paris, 2. Aug. (WB.) In Anwesenheit des Ministerpräsidenten PainleoL ist heute bei Arras auf der Lorettohöhe, wo Hunderttausende von gefallenen Soldaten beigesetzt sind, ein Denkmal für die im Kriege Gefallenen eingeweiht worden, dem man die Form eines L e u ch t t u r m s gegeben hat. Pa i n le oe hielt eine Rede, in der er sagte, die Freiheit bedeute nicht das Recht, daß man sich nach seinen Wünschen und nach seinen Launen gehen lassen könne. Sie fordere vielmehr Selbstzucht und Gerechtigkeitssinn, der durch eine fortgesetzte Anstrengung sowohl zwischen den Bürgern der einzelnen Länder als auch zwischen den Alliierten erzielt werden müsse.
So grausam die Kriegswunde war, so heftig sich auch alle schlechten Kräfte gebärden, die unsere alte Welt beunruhigen, wir müssen uns doch bemühen, der Gerechtigkeit zwischen uns und denen, die jenseits der Feuerlinie sich im großen Kriege haben töten lassen, zum Siege zu verhelfen, denn das heutige Europa hängt davon ab.
Die Gerechtigkeit ist nicht mit der Macht unvereinbar, die Großmut nicht unvereinbar mit dem klaren Blick. Der Bischof von Arras hat auf diesen Leuchtturm die Worte setzen lassen: Völker seid eins? Menschen seid menschlich! Es wäre zu schrecklich, wenn dieser ungeheure Friedhof den Appell zu neuen Massakres bedeuten würde. Dieser Leuchtturm muß nicht nur unvergeßlich über die Leichname dieser unendlich vielen jungen Leute, die nach so harten Kämpfen im Tode miteinander ausgesöhnt wurden, sein Licht hinaussenden, er muß auch als ein Lichtschimmer in die Nacht dringen, als ein Zeichen von Brüderschaft.
Fortdauer der englischen Kohlenkrise.
London, 3. Aug. (Tll.) Die Erleichterung, mit der die Rachricht von der vorläufigen Lösung der Kohlcnkrise in der englischen Oeffentlichkeit ausgenommen worden ist. wird von der Sorge über die neuen Lasten begleitet, die die Oeffentlichkeit zu tragen hat. Die Schätzungen über die Gesamtkosten für die neun Monate andauernde Unterstützung schwanken zwischen 10 und 20 Millionen Pfund. __
Lloyd George griff die Maßnahmen der Regierung mit außerordentlich scharfen Worten an. Riernals sei von irgendeiner Regiermrg eine größere Dummheit begangen worden. Der Premierminister habe einen Blankoscheck ausgeschrieben, den der Steuerzahler aus- füllen werde. Der geschaffene Präzedenzfall werde gegenüber anderen Industrien, wie Eisenbahnen und Schiffahrt, sehr schwer abzustreiten sein. Arbeiter und Arbeitgeber würden sich zu- fammentun, um die Steuerzahler zu mellen. Dies sei eine der unkaufmännischsten Handlungen, die diese Regierung vorgenommen habe und sei einer Regierung würdig, die England in den Goldstandard gestürzt habe. Cs gebe nichts Verhängnisvolleres, als eine schwierige Lage von kleinen Leuten behandeln zu lassen.
Fremdenmo^de in Nanking.
Ranking. 2. August. (TU.) Einige Engländer und sieben Chinesen sind von Studenten ermordet worden. Die ganze englische Kolonie hat sich an Bord eines englischen Kreuzers begeben. Ein englisches Infanteriedetachement wurde gelandet. Die englischen K r i e g s s ch i f f e in den Gewässern von Schang-
Die Hölle, die mit dem Hochzeitstag begann, kann ich dir einfach nicht beschreiben. Ich vermag es nicht. Cs währte Richt lange, bevor ich erfuhr, daß mich Harry nur geheiratet hat, um eine blutige Revanche für jene Rächt zu erhalten, die, wie du weißt, so schändlich für ihm ^geendet hat."
„Aber Fob, das ist denn doch übertrieben, was du da glaubst .....“
„Widersprich nicht, Gabbh! Er hat es mir selbst gesagt. Gleich nach meiner Hochzeit kam es außerdem zwischen mir und Papa Fili zu einem Zwist, der mein Dasein nicht leichter machte. Was es eigentlich im Grunde war, weiß ich heute gar nicht mehr. Ich schrieb ihm Brief auf Brief, erhielt aber niemals eine , Antwort. Das war beinahe das Schwerste von allem. Armer, alter, einsamer Papa! Du, das tut weh. wie eine offene Wunde."
Gabby, die der — gelinde gesagt — überraschenden Erzählung mit steigender Spannung gefolgt war, stand auf.
„Komm!“ sagte sie, „laß uns ein wenig herumgehen. Es beruhigt, unter hohen Bäumen zu gehen."
Fob war in ihre alte apathische Stimmung zurückgefallen. Willenlos lieh sie sich aus der Laube führen und folgte Gabbh bis zum äußersten Ende des sich weit ausdehnenden Gartens. Durch einen Spalt zwischen den dichten Laub- maffen schimmerte ein Streif des Meeres durch. Weit draußen am Horizont glitzerte es wie Gold. Die dicke, graue Wolkenhülle begann zu reißen, und schmale Sonnenstrahlen zeichneten sich fächerförmig im Hintergründe ab. .
Gabby streckte sich rücklings auf eine Wiese aus, Fob setzte sich still zu ihr.
„Meine liebe Fob!" sagte sie, „weißt du nicht, daß du das Opfer der elendesten und lumpigsten Intrige geworden bist, die seit Casar Borgias Tagen ie in einem Menschenherzen erdacht wurde? Ich sollte meine Tränen mit den deinen mengen. Liber ich tue es nicht. Hier muß gehandelt, nicht geweint werden."
„Gehandelt?"
Fob machte eine müde Handbewegung. Dann fuhr sie aber plötzlich erschrocken auf:
„Gabby, du willst doch nicht;
Hai haben Befehl erhallen, sich zur sofortige» Abfahrt nach Ranking bereit zu halten«
Herabsetzung der Umsatzsteuer?
Berlin, 3. Aug. (WTB.) Rach einer Meldung der „Montagspost" haben die christ- lichen Gewerkschaften an die Zentrums« frattion des Reichstags ein Schreiben gerichtet, in dem sie die kommende Zvllbelastung für die arbeitende Devöllerung nur dann für erträglich halten, wenn die Lebensmittel künftig von der Umsatzsteuer befreit werden. Die Reichsregierung, der das Schreiben übermittelt worden ist, soll die Absicht haben, eine allgemeine Ermäßigung der Umsatzsteuer von 1,5 auf 1,25 Prozent zum 1. Oktober und eine solche auf 1 Prozent zum 1. Ianuar 1926 vorzuschlagen. Die sofortige Erledigung der Steuervorlage hält das Blatt wegen der nötig gewordenen Beratungen über die Fraae der Umsatzsteuer für unmöglich.
Kleine politische Nachrichten.
Anläßlich des 50jährigen Priester - und B i s ch o f s j u b i l ä u m s des Bischofs von Rottenburg, Dr. von Keppler, richtete der Reichs- kanzler Dr. Luther nachstehendes Telegramm' an Dr. von Keppler: „Euerer bischöflichen Gnaden spreche ich zum seltenen Doppeljubiläum meine wärmsten und aufrichtigsten Glückwünsche aus. Sie gelten dem hervorragenden Kirchenfürst««, dem verdienten wissenschaftlichen Forscher, dem erfolgreichen Schriftsteller und dem feinsinnigen Kenner und Förderer der kirchlichen Kunst.
Die Interalliierte Kommission hat das für Sonntag und Montag vorbereitete Sugenbturnen des Maingaues in Groß-Gerau verboten.
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Die theologische Fakultät der älniDerfität Gießen hat sich in einem Schreiben an die hessischen Mitglieder des Reichstages für Einführung des Gemeindebestimmungsrechts zur Bekämpfung der Trunksucht ausgesprochen.
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Wie der „Stahlhelm", Bund der Frontsoldaten, mitteilt, gehört feiner der im Mecklenburger Mordprvzeß Angeklagten dem Bund an.
Aus aller Wett.
Der Breslauer Schachkougretz.
In der neunten Runde gewann Grünfelü gegen Blumisch (Damenbauernspiel) durch überlegene Spielführung. In einer englischen Partie gelang es Rubinstein, gegen Reti die Qualität zu erobern und dadurch die Partie für sich zu entscheiden. In einem Damenbauernspiel gewann' Sämisch durch Eröffnungsvortell gegen Wagner. Die Partie Riemzowitsch-Tarrasch wurde durch hervorragendes Spiel des Ersteren gewonnen. Die Partie Becker-Moritz wurde nach achtstündigem Spiel bei etwas besserer Stellung für Becker abgebrochen. Stand nach der 9. Runde: Bvgoljubow 71/». Rimzowitsch 61/’, Rubinstein 51/», Wagner 5, + H.. Dekker unb Reti je 4H2 4- H., Grünfeld 5, Sämisch 4V3 Tarrasch 3V2, Gottschall 3, Blumisch 21/J, Moritz 0, + H. 2n der 10. Runde gelang es Dogol- jubow gegen Becker durch Bauernplus die Partie für sich zu entscheiden. Tarrasch hatte gegen Gottschall bereits die bessere Stellung erlangt, aber durch einen groben Fehler brachte er sich um die Früchte seines Spiels und verlor noch die Partie. Sämisch fiel in eine von Rubinstein tief angelegte Falle und muhte nach 25 Zügen die Waffen strecken. Die Paare Riemzowitsch - Wagner, sowie Reti- Grünseld einigten sich in ein friedliches Remis. Die Partie Moritz—Dlümisch wurde abgebrochen. Stand vor der letzten Runde Dogol- jubow 8V2» Rimzowitsch 7, Rubinstein 61/»» Wagner, Reti, Grünfeld 5i/2, Sämisch 41/’- Tarrasch 31/2. Gottschal 4, Dlümisch 21/3 + H. Moritz 0 + S.
Der 18. internationale Esperantokongreß in Genf.
Der 18. internationale Esperantokongreß wurde am Sonntag, den 2. August, von Vertretern der Schweizer Regierung in Genf eröffnet, und zwar in französischer Sprache. Dann wird Esperanto die einzig zugelassene Sprache sein.
„3a, das will ich, Fob. Ich will den Zweikampf mit dem Herrn Bankdirektor aufnehmen."
„Um Gotteswillen, Gabbh, ich beschwöre dich! Fordere Harry nicht heraus! Ich glaube ja gern an deine Freundschaft, an deine SeVst- aufopferung und auch an deinen Scharfsinn^ Aber du kennst Harry nicht. Er ist zu allem fähig. Seine Schlauheit wiegt zehnmal die deine auf. Tue, was du willst, aber laß dich nicht darauf ein, deine Kräfte mit den seinen zu messen. Er ist in seiner Art monumental."
„Unsinn!" antwortete Gabby leichthin, „ich habe es schon mit schlimmeren Kerls zu tun gehabt als deinem Harry!"
Ueber Fob war die ganz gleiche Stimmung gekommen, in der sie Gabby bei ihrer unerwarteten Ankunft in Warminge angetroffen hatte.
„Laß es bleiben!" bat fte, „es nützt ia nichts. Was geschehen ist, kann nicht mehr geändert werden. Was könntest du auch anderes tun, als Harry nur aufzureizen, so daß er neuer- dings eine Gelegenheit hätte, zu triumphieren. Richt nur gegen die Dummheit kämpfen die Götter vergebens."
„Ohne irgendwie meine Wenigkeit mit so hochgestellten Wesen vergleichen zu wollen, erlaube ich mir, auf das entschiedenste gegen diese voreilige Behauptung zu protestieren."
„Ja, ja und nein, nein. Kümmere dich nicht um mich, sage ich dir. Warum bist du überhaupt hergekommen? Es ist ja ganz sinnlos, alle diese Wunden wieder aufzureitzen. Reise ab von hier, bevor es zu spät wird."
Fob verdeckte das Gesicht mit den Händen, um die Tränen zu verbergen, die sie nicht mehr zurückhalten konnte.
Da fiel plötzlich ein Schatten über den Wiesenfleck. Es war der Bankdirektor in höchsteigener Person, der aus den Büschen neben denv Gartenweg heraustrat. Er lüftete mit ironischer und spöttischer Miene seinen Hut.
„Fob," sagte er, „denk doch ein wenig an dein Aussehen, wie unterhaltend und herzstärkend es auch fein mag, in der Abenddämmerung ein paar Tröpfchen zu meinen. Verzeih die Frage, gelten die Tränen nicht einem gewissen Herrn M?" (Fortsetzung folgt.) .


