Ausgabe 
3.6.1925
 
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300 Verhaftungen vor. Ern Chinese wurde schwer, mehrere l 'icht vorletzt. Der ausgebrochme Streik erstreckt sich lediglich auf die japanischen Baum­wollspinnereien, die Straßenbahnen, die Elektrizi­tätswerke und die städtischen Angestellten. Sie Zahl der Streikenden beträgt 30 000. Die Polizei hat die von den amerikanischen Freiwilligen festgenommenen 300 Chinesen wieder in Frei­heit gefetzt. Aach Meldungen von heute abend haben zahlreiche kleinere Krawalle statt- gesunden, die sich in der Hauptsache gegen 2' a p a n e r richteten.

Gespannte Lage im Fernen Osten

London, 3. Juni. (Funkspruch.) Nach Be­richten aus Moskau find die Beziehungen im Fer­nen Osten so gespannt, daß in den nächsten Tagen ein bewaffneter Zusammenstoß droht. Der Grund liege in Japans Plan, die Eisenbahn in Taonofu zu bauen, und darin, daß Tschangt- s o l i n die chinesischen Beamten entschieden unter­stütze, die sich weigerten, nichtbolschewistische und nichtchinesische Angestellte der chinesischen Ostbahn entsprecheild den Forderungen der Bolschewisten zum 1. Juni zu entlassen.

Italiens Finanzen.

Günstige (</?Lw'ckjrr!rg des Staats- hanshalts.

Rom, 3. 3uni. (Sil.) 3n der gestrigen Kammersitzung sprach Finanzminister Srefani über den Etat. Er gab die Crilarung ab, daß die Ausgaben von drei Milliarden auf 418 Mil­lionen zurückgeschraubt worden seien und der Aotenumlaus sich seit Dem 31. Dezember s.-ste- matisch verringert habe. Das Defizit der Dahnen, das im Budget 1923,24 298 Millionen betragen habe, sei gänzlich verschwunden und habe sich in ein Plus von 98 Millionen ge­wandelt. Das sei der Erfolg der saszistische Ar­beit. Die Handelsbilanz sei no<r .as,iv, zeige sogar im Vergleich zu 1923 24 eine leichte Verschlechterung. Das liege hauptsächlich an der schwierigen Rohstoffbeschaffung. Der Wohlstand des Landes werde nicht von Den Ministerien gescha hen, sondern in den Fabriken, auf dem Felo und in Den Bureaus der großen Schisfahrtsgesellschaften. ilnter Hinweis auf das Kreditabkommen mit Morgan betonte der Mi­nister, daß die Stichprobe auf die Kreditfähigkeit Italiens glänzend ausgefallen sei.

Albanien vor einer neuen REDoLution.

Belgrad, 2. Juni. (Sil.) Die vor einigen Sagen ausgebrochenen Unruhen in Südalbanien tragen nicht, wie zuerst angenommen wurde, nur lokalen Ctzarat'.cr. Sie find vielmehr der Be­ginn einer neuen Staatsumwälzung, die sich gegen den derzeitigen Diktator Achmed Bey Zogu richtet. Die Bewegung im Lande ist besonders wegen der großen Anzahl der Hinrichtungen außerordentlich ge­wachsen. Zogu hat während seiner fünfmonat­lichen Regierung über hundert politische Gegner ohne jedes Verfahren be­seitigt. Der Ministerpräsident selbst hat sich bereits von der Hauptstadt Tirana nach Du- razzo begeben, von wo er bei einem Siege seiner Gegner besser flüchten lärm. Die Aationalversammlung wrrd unter diesen ilm- Ständen kaum nov> zusmÄmrntreten. Die neue Ltcvolution ist von dem Rationalen Revolutio­nären Komitee organisiert.

Zwei frühere bulczerr^che Minister- srschosien.

Mailand, 2. Juni. (ItL) Dem ..Corriere della Sera" wird aus Sofia berichtet, daß OJiinifter Peter Ianofs, der im Kabinett S t a m d u - l i n s k i Finanzminister war, und der frühere Präsident der .Sobranje, 'Alexander P o t e s s die zu Gefängnis st rasen verurteilt waren, beim Transport von Sofia nach einer Provinz- ftadt von den begleitenden Po l i z > st e n durch Revolverschüsse getötet worden find. Die Polizisten behaupten, daß die beiden Mi­nister einen Fluchtversuch gemacht hätten. Die 'JtaGvrid)t soll in Bulgarien einen großen Eindruck hervorgerufen haben, weil die Minister sehr be­liebt waren.

BeilegrmH des griechisch- türkischen Patriarchenstreiles.

Genf, 2. Juni. (Sil.) Die griechische Re­gierung Hot dem Bölierbundssrkvetariat mitge­teilt, daß der Streitfall mit der türkischen Re­gierung wegen der Ausweisung des grie­chischen Patriarchen aus Konstan­tinopel endgültig brigelegt ist. Der Patriarch sei z u r ü ck g e t r e t e n. Andererseits habe sich die türkische Regierung verpflichtet, die Mit­glieder des heiligen Synods in Zukunft aus Konstantinopel nicht mehr auszuweisen.

Wisien^chastliche Manöver in England.

London, 3. Juni. (TU.) Der englische G e - ncralstab trifft große Vorbereitungen für das kommende c r ft e Manöver eines wissen­schaftlichen Krieges. Zwifchen 40 und 50 000 Truppen werden daran teilnehmen und sebe nur denkbare wissenschaftliche Waffe soll bei der Gelegenheit ausprobierl werden. Die beiden sich gegenüberstehenden Armeen, die östliche unter Ge­neralleutnant Sii P. C h e t w o d e, und die west­liche unter Generalleutnant Sir Goreley , wer­den alle modernen Kampfmittel sowie die n e u e st e n Transportmittel zur Ver­fügung haben. Die führenden Armeen der Welt werden dabei natürlich durch hohe Offiziere ver­treten sein. Frankreich wird durch Marschall P e - Iain und General Debeney vertreten sein. Die Manöver sollen Mitte August beginnen und bis Ende September dauern.

Ein Reparcttionsschwimmdock aus dem Wege nach Malta.

Malta, 3. Juni. (Sil.) Das große Schwimmdock, das auf Grund des Versailler Vertrags von Deutschland abgelie , ert werden mutzte, ist gestern von sechs großen Schleppern gezogen und von einem Torpedoboot­zerstörer begleitet aus England nach Malta in See gegangen.

Eine Komödie belgischer Kriegsgerichte.

Berlin, 3. Juni. (Sil.) Das belgische Kriegsgericht des Hennegaues hat .am 30. Ja­nuar b. Js. den Oberstabsarzt a. D. und jetzigen Generalobrrarzt von D u l tz i n g s l ö w e n in Bad Flisberg (Jfergebirge) im Abwesenheitsver­fahren zum Sode verurteilt, weil er an­geblich am 22. August 1914 die Erschießung des Priesters Joseph Pollaenl von Roselien veranlaßt hatte. Demgegenüber hat das R e i ch s g er i ch t in Leipzig in seiner Sitzung vom 15. Mai 1925 das gegen den Genannten cin- geleitete ilntersuchungsverfahren e i n g e st e l l t, weil sowohl die früheren als die neuerlichen Er­hebungen zweifelsfrei ergeben haben, daß der Beschuldigte für die fragliche Erschießung nicht verantwortlich ist. Es ist einwandfrei festgestellt worden, das) er der von höherer m ititä» rischer Stelle befohlenen Hinrich­tung des Pfarrers von Roselieri, der Kriegs- veprat begangen hatte, lediglich als Arzt auf Grund eines Dienstbefehls beigewohnt hat. Hiernach kommt eine strafbare Handlung ' des Beschuldigten nicht in Frage.

Preußischer LandkreiZtclg in Wiesbaden»

Wiesbaden, 2. Juni. (T. U.) Die Tagung der preußischen Landräte begann heute mit einem Vcgrüßungsabend im großen Kurhausfaal. Es find Vertreter des Ministeriums des Innern, der Ober­präsident der Nhcinprooinz Fuchs, Vertreter der rheinischen Großstädte, berjöberpräfibent der Pro- 1 vinz Hessen-Nassau Dr. Schänder und Vize­präsident toterer, sowie Vertreter der Städte und Behörden und etwa 400 Landräte und zcchl- reidje Kreisausschußmitgtsieder erschienen.

Landrat S ch l i 11 - Wiesbaden begrüßte im Namen der Nassauischen Landkreisvereinigung Wiesbaden die Erschienenen aus Norden, Osten und Süben, insbesondere auch die Vertreter des Dan­ziger Landes, die alle mit uns gleich denken und fühlen und die schweren Zeiten wohl erkennen, die Land und Leute am Rhein durchmachen müssen. Am Rhein aber brauche man Fröhlichkeit und Sonne, und so fei auch die Anwesenheit der zahl­reichen Vertreter der Landkreise Preußens in Wies­baden aufzufassen, in gemeinsamer Treue daran zu denken, daß Deutschland ein Recht auf das Rheinland und den Rheinstrom hat.

Oberbürgermeister Travers-Wiesbaden richtete dann ebenfalls einen herzlichen Willkommengruß an die Erschienenen und sprach seinen besonderen Dank dafür aus, daß die Tagung ins besetzte Gebiet be­rufen wurde.

Ostpreutzische Sänger beim Reichspräsidenten.

Berlin, 2. Juni. (Sil.) Die gestern hier zum Besuch der Reichshauptstadt eingetrvffenen Silfiter Sänger brachten heute vormittag dem Reichspräsidenten im Garten seines Pa­lais ein Ständchen. Der Reichspräsident nahm die Aufmerksamkeit mit Dank entgegen und betonte in einer kurzen Ansprache, wie eng verbunden er sich mit der Heimatprovinz der Sänger fühle.

Der hessische LandgemeindetQg zum Finanzausgleich.

Q Mainz, 2. Juni. (Priv.-Tel). Der Vorstand des Hessischen L a n ö g e m e i n ö e t a g e s hat in feiner letzten Sitzung folgende Entschließung ein­stimmig angenommen:Die Absicht des Herrn Mi­nisters der Finanzen, den im hessischen Haushalt für 1925 zu erwartenden Fehlbetrag aus die Ge­rn c i n d e u abzu wälzen, hat bei den hessischen Landgemeinden berechtigtes B e s re m d e n und ent- chiedenen Widerspruch hervorgerufen. Gerade die Landgemeinden find durch den unter ganz anderen wirtschaftlichen Verhältnissen vorgenommenen Fi- ncmzlaftenausgleich besonders schwer u»/ chäd iW. Die Aufwertungsverpflichtungen vd h - gen allen Gemeinden neue Lasten. Der hessische Landgemeindetag fordert deshalb, daß in dem Aus­führungsgesetz zum Finanzausgleichsgesetz die Ge­meinden nicht nur nicht schlechter gestellt werden als bisher, er fordert vielmehr darüber hinaus eine Neuordnung des L Dst e n a u s g l e i ch s, durch die der besonders schwierigen Lage gerade der kleinen Städte und Gemeinden Rechnung getragen wird.

Aus der Deutschen DoLkspartei.

Abgeordneter Rechtsanwalt Dingeldey, der Landesvorsitzende der Deutschen Dolkspartei in Hessen, wurde in den letzten Berliner Sitzungen des Zentralvorstandes der Deutschen Dolkspartei einstimmig zum Parteivorstand wieder- gewählt. Dem Parteivorstand gehören außer­dem noch sieben weitere führende Persönlich­keiten der Deutschen Dolkspartei an.

Aus aller Well.

Norwegische Flugzeuge für Amunbsen.

Rach einer Reutermeldung aus Rorwegen hat sich die norwegische Regierung ent­schlossen, zwei Flotte nflugzeuge nach Spitzbergens senden, die sich an der Suche nach Amundsen beteiligen sollen. Sie wer­den am Freitag mit einem Dampfer nach Rorden abgchen und Ende nächster Woche in Spitzbergen eintreffen.

Dr. Eckener in Spanien.

Dr. Eckener, beabsichtigt, wie wir hören, demnächst nach Spanien zu reisen, um dort in einer Reihe von Städten Dorträge über die Ozeanfahrt desZ R 3 zu halten. Gleichzeitig werde Eckener die bereits angeknüpften Derhand- lungen über die Einrichtung uneö Zeppelin- Luftverkehrs Spanien-Südamerika wieder auf nehm en. Es sei zunächst der Bau eines Dersuchsschifses von 3 ) 000 Kubikme­tern Gasinhalt, das voraussichtlich in Friedrichs­hafen gebaut werden soll, vorgesehen.

Deutscher Geographentag.

Zu Beginn der heutigen Eröffnungsfeier des 21. Deutschen Geographentages begrüßte Professor Friederichsen - Breslau namens des Orts- ausfchi'stes die Geographen und dankte für die hilf­reiche Unterstützung, die der Tagung seitens aller Behörden entgegengebracht worden fei. Als Ver­treter des preußischen Ministeriums für Wissenschaft, | Kunst und Volksbildung überbrachte der Kurator I der Breslauer Universität zugleich auch namens

des Reichsministers des Auswärtigen und des preu­ßischen Ministers des Innern die Glückwünsche der einzelnen Ministerien. Namens der Provinz Nieder­schlesien hieß der Oberpräsident Zimmer die Kongreßteilnehmer herzlich willkommen. Daraus wurde in die Tagesordnung eingetreten.

Der neue Flugplatz Innsbruck.

In Innsbruck ist der neue Flugplatz, der als Kreuzungspunkt der Linie Berlin--Rom und BerlinWienBukarest große Bedeutung hat. feierlich eröffnet worden. Ein Flug von Wien nach Innsbruck dauert etwas toeniger als drei Stunden.

EinVersuchsflug".

In Szegedin hat der Chefarzt des dortigen Spitals, Dr. Boros, auf einem Flugzeug einen Versuchsflug unternommen, um die Ein­flüsse des Fliegens auf die mensch- liche Konstitution zu studieren. Das Flug­zeug stürzte aus einer Höhe von 200 Meter a b. Der Pilot war sofort tot, Doros wurde schwer verletzt. (Zweifellos wird Herr Dr. Doros feststellen können, daß diese Art des Fliegens" nicht sonderlich günstig auf die mensch­liche Konstitution wirkt!)

Brand im Kloster.

In der Rächt zum zweiten Pfingstfeiertag brannte das K l o s- e r Flerzheim bei Rheinbach mit allen Gebäuden nieder. Die Betriebsgegenstände und das Dirh wurden ein Opfer des Feuers. Lieber die Enstehungs- ursache konnte noch nichts ermittelt werden. Der Schaden ist sehr beträchtlich, da das neu einge­richtete Kloster nur sehr gering versichert war.

Kampf mit Einbrechern.

Dier ilnbefannle verübten in Hermannsburg bei Celle einen Einbruch. Sie wurden aber bemerkt und von einem Reich swehrfolda- ten und einer Privatperson verfolgt. Der Begleiter des Soldaten wurde vorn Rade ge­rissen, es entstand ein Handgemenge, in dem ein Unbekannter den Reichswehrsoldaten durch drei Schüsse tötete. Die Säter konnten noch. nicht festgenommen werden. Die Kriminalpolizei in Celle ist sofort^ benach­richtigt worden. Reichswehrmannschaften haben das Gehölz abgesperrt.

Finanzfkandal in Liebenwerda.

Die Kreissparkasse in Liedenwerda, die bereits unlängst schon einmal durch eine Affäre mit dop­pelten Wechseln um 500 000 Mk. geschädigt wurde, ist in Gefahr, abermals einen Verlust von einer halben Million Mark zu erleiden. Der Kreis- sparkassendirektor Merres hat Spar­kassenbücher in Höhe von 550 000 Mk. gefälscht und sie beim Reichsknappschaftsverein Charlotten- burg und der Kranken- und Hinterbliebenenkasse Berlin beliehen. Das Geld hat er an kreditfuchende industrielle Firmen ausgeliehen. Merres ist verhaftet worden. Der Landrat Vogl wurde Dont Regierungspräsidenten von Halle b e - urlaubt, da ihm mangelnde Kontrolle vorge­worfen wird.

Plante im Hungerstreik.

Nach einer Meldung aus Dresden ist der kürzlich erneut verhaftete Wettkonzernfchwindler Plante in den H u n g e r ft r e i k getreten und zur Zeit vernehmungsunfähig.

Dr. Maurenbrecher bewirbt sich um eine Pfarrstelle.

Der frühere Chefredakteur der Deutschen Zei­tung und ehemalige Pfarrer Dr. Mauren- bredjer hat sich, wie dieVoss. Ztg." wissen will, um die Pfarrftelle in dem thüringischen Dorfe Mengersgereuth beworben.

Paratyphus in einer Polizeischule.

Am 22. Mai erkrankten zwei Beamte bei der Polizeischul e in Spanbau an hohem Fie­ber und wurden dem Staatskrankenhaufe über- wieftn. In den folgenden Tagen bis zum 29. Mai erkrankten täglich weiter ein bis zwei Beamte, im ganzen 16. In gleicher Weise wurde bei allen Paratyphus feftgefteUt. Das Befinden der er­krankten Beamten ist zur Zeit durchaus zufrieden­stellend. Lebensgefahr besteht nicht. Die Erkrankung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Genuß von nicht einwandfreien Nahrungsmitteln zurückzufüh- ren, die die Beamten sich selbst gekauft hatten. Der Unterricht wurde wegen der Erkrankungen abgebro­chen und kann erst nach Desinfizierung der Räum­lichkeiten, Kleidungsstücke usw. wieder aufgenommen werden. Durch den Kreisarzt wurde feftgefteUt, daß die Einrichtungen der Polizeischule in Spanbau hygienisch völlig eimuanbfrei finb.

Entgleisung eines Personenzuges.

Don einem mit Ausflüglern stark besetzten Personenzuge, der am Samstagnachmittag 5.18 Uhr von Güstrow nach Rostock abgelassen wurde, sprang beim Passieren einer Weiche auf der Haltestelle Lüssow ein vollbesetzter Wa­gen aus den Schienen, stürzte um und ritz einen zweiten Wagen mit. Da der Zug mit verminder­ter Geschwindigkeit fuhr, wurden weitere Wagen nicht aus dem Gleise geriften. Von den Fahr­gästen des umgestürzten Wagens wurden zwei schwer, vier leicht verletzt. Der um 5.15 Uhr nachmittags von Rostock abgelassene Berliner 10-Zug konnte rechtzeitig zum Stehen ge­bracht werden, so daß ein weiteres Unglück ver­hütet wurde.

Eine grausige Tat.

In der Rächt vom Freitag zum Samstag hat in Stuttgart der 21 Jahre alte Christian Schmidt seinen Stiefvater, den 65 Jahre alten Zeitungs Verkäufer Hermann K er s e b o o m, in dessen Wohnung ermordet und beraubt und sodann in einen Kleiderspind aufge­hängt, um Selbstmord vorzutäuschen. Der Täter hat gestanden, daß er den Raub begangen hat, um sich Geld zu verschaffen, bamit er mit seiner Braut einen Pfingstausflug machen könne.

Helgolands Entstehen und Vergehen.

Die schweren Einstürze, die immer mehr Land von der Insel Helgoland wegnehmen, haben jetzt zu ernsthasten Erwägungen geführt, wie man die­ses berühmte, vom Meer umdrohte Eiland schützen und erhalten könne. Die Gefährdung der Insel hängt mit ihrer merkwürdigen Struktur zusammen, die ans ihrer Entstehungsgeschichte zu erklären ist. Während der Tertiärzeit hob sich Helgoland allmählig über den Wasserspiegel des Meeres, muh aber dann noch innerhalb dieser Epoche der Erdgeschichte bis auf die Oberfläche des Wassers herab zerbttckeck sein Gegen Ende dieser Epoche wurde die Ror.se e durch Bodenhebung zu Land, und so ragte das Klip, enfeld Helgoland als ein Tafelberg heraus, den die Eiszeit mit Gletscher­

ablagerungen bedeckte. Als dann später das Eis zurückwich und den 'Berg von Helgoland wieder freigab, war er durch Wegschleifen weicher Ge­steine zu einer zweihügeliger. Erhebung geworden, und zwischen den beiden Hügeln lag ein Tal mit einem Süßwassersee. Durch die Senkung des Rordseegebietes enstand wieder ein Meer, aber der Doppelberg wurde nicht sofort zur Insel, sondern blieb noch eine zeitlang mit Schleswig verbunden und über diese Landsiedlung ist Helgo­land wohl zum erstenmal von den Menschen der Steinzeit besiedelt worden. Erst eine letzte Sen­kung machte Helgoland zur zweihügeligen Insel mit dem Süßwassersee im Sälchen, und durch die weitere Arbeit des Meeres entstand daraus eine hantelförmige Insel, die auf den ältesten Karten abgebildet ist. Um 800 v. Ehr. lauste Willibrord drei Heiden in der heiligen Quelle der Insel, die damals Fosetesland' genannt wurde nach dem Gott Fosete, den die Helgoländer verehrten. Um 900 waren alle Bewohner vonFosetesland" getauft, und ums Jahr 1000 berichtet Eilbert i?on Fühnen von einer Insel .,Heilige^rnd", die erwiedergefunden habe '. Rach der Beschreibung kann dies nur Helgoland gewesen sein, und die Erwähnung einer einzigen Süßwasscrquelle stimmt mit der Schilderung vonFosetesland" überein, das ebenfalls Helgoland gewesen sein mutz. 1721 riß der inzwischen durch die Arbeit des Meeres chmäler gewordene Landstreifen zwischen den beiden Hauptteilen bA? bis dahin hantelförrnigeir Insel durch, und diese wurde damit zu der Doppelinsel, die wir heute als Hauplinsel und Düne" kennen. Roch im Jahre 184? wird d e ein­zige Sützwasserquolle, die für Helgoland charakte­ristisch war, erwähnt. Seitdem sind viele Brun­nen auf Helgoland erbohrt worden, doch hat eine Prüfung der Oertlichkeiten und Berichte ergeben, daß die heilige Quelle von Fosetes- land noch heute in der eisernen Pumpe auf dem Brunnenplah" des Unterlandes zu suchen ist.

Wettervoraussage.

Vielfach nörbliche Winde, vorübergehend aus- klärend, sonst bedeckt, meist trocken und mäßig warm.

Wir liegen in einem Gebiet hohen Druckes, dessen Kern uns morgen erreichen wird. Nach vor­übergehender Aufklärrmg wird jedoch später, viel­leicht erst übermorgen, erneut Zunahme der Be­wölkung erfolgen. Ein südlich von Island aufge- tauchtes Fallgebict scheint größere Ausdehnung an­zunehmen und dürste dann erneut Störungen un- erer augenblicklichen Hochdruckwetterlage bewirken.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 3. Juni 1925. \

** D i e Teilnehmer an der zweiten Schleife des Deutschen Rundflugs passierten gestern in flottem Tempo unsere Stadt. Bis 12 Uhr hatten 30 Flieger das Weichbild Gießens überflogen, im Laufe des Rachmittags kamen noch einige Rachzügler durch, ein ganz Verspäteter wurde gestern abend gegen 9 Uhr hier noch gesichtet. Zu einer Rotlandung auf dem Trieb, der für alle Fälle bereitgestellt war, ist es nicht gekommen, dagegen mußte der Pilot Röder mit seinem Flugzeug Rr. 686 wegen Ver­stopfung der Denzinzusuhr bei Friedberg not- landen, wobei die rechte Seite des Fahrgestells brach: er wird voraussichtlich heute, Mittwoch, früh weiterfliegen. Heute morgen gegen 8 Uhr kam ein weiterer Teilnehmer an dem Wettbewerb hier durch, einige andere werden heute noch erwartet. Ueber den Verlauf des Fluges berichten wir auf der zweiten Seite der Beilage.

** Dlumentag zum Besten des 116er Gedenksteins. Der 116er Verband in Ge­meinschaft mit den Regimentsvereinen 116 und seiner Kriegsformationen veranstaltete am 1. Pfingsttag zum Besten des Denkmals für die gefallenen 116er einen Dlumentag. Don 11 bis 12 Uhr war Konzert in den Südanlagen durch die Kapelle ehemaliger Militärmusiker unter Leitung des Kapellmeisters Topp. Eine riesige Menschenmenge war auf den Beinen und wogte in den Anlagen auf und nieder. Der Karten- und Blumenverkauf ging sehr flott von statten, etwa 20 Mädchen boten fleißig die Blumen in der Stadt und in den Anlagen an. Sie fanden so flotten Absatz, daß zu Ende des Konzertes alle Vorräte verkauft waren. Die Blumen waren von den hiesigen Gärtnern, den Kliniken und Privaten in dankenswerter Weise gestiftet wor­den. Die Gießener Einwohnerschaft hat durch ihre starke Beteiligung gezeigt, daß sie die tapferen Helden zu ehren willens und bereit ist, etwas Würdevolles für sie zu errichten. Zur Beschaffung weiterer Mittel findet vom 2. b i s 7. Juni durch etwa 50 Damen der 116er Ver­eine ein Verkauf von Postkarten mit der Ansicht des Denkmals von Haus zu Haus statt. Die Vollendung des Denkmals steht, bevor, dir Ein­weihung findet am 6. September statt.

** Oeffen11iche Bücherhalle. Im Mai mürben 1453 Bänbe ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 926, Zeitschriften 73, Jugenbschrifien 92, Literaturgeschichte 10, Gebichte und Dramen 32, Länder- und Völkerkunde 66, Kulturgeschichte 37, Geschichte und Biographien 76, Kunstgeschichte 3, Naturwissenschaft und Techno- logie 49, Haus- und Landwirtschaft 5, Gesundheits- lehre 11, Religion und Philosophie 32, Staats» Wissenschaft 15, Sprachwissenschaft 8, Fremdsprach­liches 18 Bände. Rach auswärts kamen 19 Bände.

** E i n G r ü n l a n b t a g wirb am kommen­den Samstag auf dem Fronhof bei Reichelsheim im Odenwald stattfinden Näheres in der Einladung im heutigen Anzeigenteil.

Diebstahl. Der Polizeibericht meldet: Gestohlen wurde in einer hiesigen Gastwirtschaft eine goldene Damenuhr mit einem abgebrochenen Zeiger: an den Seiten befindet sich je eine Oese zum Durchziehen des schwarzen Armbandes, auf dem Deckel ist ein kleines Wappen.

** Kellereinbruch. Der Polizeibericht meldet: In der Rächt zum Dienstag wurde in einem Hause in der Licher Straße ein Keller­einbruch ausgeführt und dabei nachstehend be­schriebenes Fahrrad entwendet: Marke: Sitto, Fabriknummer 15 832. an der Gabel befindet sich ein Schild mit der AufschriftDeutsche Fahr- radindnstrie-Werke", es hat schwarzen Rahmen­bau, schwarze Felgen mit grünen Streifen, hochgcbogene Lenkstange, an der die Vernickelung stellenweise abgesdrungen ist, und Torpedofreilauf. Außerdem hatte der Dieb in dem gleichen Hause in einem anderen Keller die eingelegten Eier 3um Mitnehmen bercitgestellt, die er jedoch liegen gelassen hat. Vor Ankauf des Fahrrades wird gewarnt. Sachdienliche Mitteilungen hierzu nimmt die Kriminalpolizei entgegen.

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