Ur. 127 Erstes Blatt
175. Jahrgang
Mittwoch, 5. Ium <925
Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertag».
Beilagen:
GiebenerFamilienblältrr Heimat im Bild.
DlonatsiBejugspre!«: 2löoldmark u. 20 töolb» Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernspre ch-Anschlüfse: Schriftleitung 112, Der« lagundGeschäftsstellebl. Anschrift sür Drahtnachrichten: AnreigerSietzen.
postschecktonto:
Sranffnrt a Dl. 11686.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für ivberhesten
Dmd und Verlag: Brühl sche Univerfiläts-Buch- und Slcinöruderei R. Lange in Siegen. Schriftleitung und Gefchäftrftelle: Schulftrahe 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerdindlichkeit.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpsennig; für Ne« Klamc-Anzcigen v 70mm Breite 35 Goldpsennig, ' )latzvorschrist 20° .Auf« chlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: )r. Friedr. Wilh. Lange,- ür den übrigen Teil: Ernst Blumschein: sür den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Diesten
Zur das deutsche Volkstum.
Wie alljährlich, haben auch diesmal um Pfingsten die beiden großen Organisationen, die heute gleichsam das nationale Gewissen des deutschen Dolles verkörpern, ihre Tagungen ab- gehalten: der Verein f ü< das Deutsch- tum im Auslande und der Deutsche Schuhbund, der eine in Kufstein, der andere, der eigentlich im besreiten Köln hätte tagen wollen, in Münster, weil die Be- sahungsbehörde au verstehen gegeben hatte, daß auf deutschem Do den unter fremder Gewaltherrschaft ein freies deutsches Wort unerwünscht sei. Beide Verbände sind in ihrer gegcntoärh- gen Gestalt Kinder der Rachkriegszeit. Sie sind geboren aus dem Gedanken heraus, daß die unersetzlichen Verluste, dir das deutsche Volkstum durch den Versailler Gewaltvertrag erlitten hat, nicht einfach abgeschrieben werden dürften, daß vielmehr diejenigen Drutschen, die innerhalb der gegenwärtigen Grenze des Deutschen Reiches sitzen, die Bruderhand ausstrrcken müßten nach allen denen, die als t>it- aewaltigte Staatsbürger anderer Reiche ihre kulturelle und sprachliche Eigenart retten wollen. Es gibt ja eigentlich keine schlimmere Verhöhnung der inneren Verlogenheit und iln- ehrlichleit jenes traurigen Machwerks von Versailles als die, daß kaum in einem staatlichen Gebilde Europas nicht Deutsche sitzen, die man als Kulturdünger fremder Rationalitäten mißbrauchen wollte. Dieselbe Entente, die angeblich Krieg führte im Zeichen des Rationalitätenrechtes und des Selbstbestimmungsrechtes hat dem deutschen Volke dieses Recht versagt. Sie hat den Franzosen, den Belgiern, den Dänen, den Esten, den Letten, den Polen, den Tschechen, den Jugoslaven. den Rumänen und den Italienern größere oder kleinere Brocken deutschen Sprachgebietes nachgeworfen, hat auch in der Theorie dafür sorgen Wellen, daß diese Deutschen sich als Deutsche fühlen dürften. Hal aber praktisch nicht den leise st en Versuch gemacht. einer zwangsweisen Entdeutschung entgegenzuarbeiten.
So ist es unser Recht und unsere Pflicht gewesen, dafür Sorge zu tragen, daß aus der grauen Gegenwart heraus die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in unseren deutschen Brüdern wach gehalten bleibt. Während der Verein für das Deutschlum im Auslande diele Gedanken mehr politisch verfolgt und groß- deutsche Ziele im Auge hat, will der Schutzbund eine Heimstätte fein für alle Schutzbedürftigen, die Trost und Unterstützung suchen im Kampf um ihre deutsche Seele. Denn wenn man uns auch vieles nehmen konnte, das eine hat uns niemand zu rauben vermoa)t: den Glauben an den großen deutschen Gedanken, den Glauben an die deutsche KultUrgemeinschaft. Fast ein volles Drittel der 90 Millionen Deutschen in Europa ist staatlich heimatlos. Wenn es noch eine Gerechtigkeit in der Weltgeschichte gibt, dann kann dieser Zustand nicht bleiben. Mögen Jahrzehnte darüber vergehen, bis das deutsche Volk wieder soviel Kraft in sich gesammelt hat, um ausgleichen zu können, was in Versailles vernichtet wurde: die heutige Generation hat die wichtige Ausgabe, dafür zu sorgen, daß wenigstens die deutsche Kul- turgemeinschait über alle Landesgrenzen hinaus erhalten bleibt und damit den Grund zu legen für jenes künftige deutsche Vaterland, das da reichen soll „soweit die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt". 5n diesem Sinne bedeuten auch die Tagungen in Kufs stein wie in Munster, die von der ganzen Diaspora beschickt waren, einen Fortschritt.
Elsah-Lothringens Vergewaltigung.
Fast unbemerkt von der breiten Oeffentlichkeit ist am 25. Mai in der französischen Kammer die elsaß-lothringische „B c r w a i t u n g s r c f o r in" Gesetz geworden. Damit hat also die bisherige, wenn auch beschränkte, S e l b st v e r w a l t u n g des Elsaß und Lothringens ihr Ende gesunden, an Stelle der bewährten deutschen Verwaltungseinrichtungen, wie sic 1918 mit übernommen wurden, ist jetzt ein rein französisches System getreten, das allerdings von der zentralistischen Verwaltung der übrigen französischen Departements abweicht, dafür aber den Elsässer um so schärfer den von Paris aus mit ollen Mitteln geförderten Französierungsbestrebungen aussetzt. Den französischen Chauvinisten ist es damit gelungen, die U e b e r = gangszeit, die selbst ein Mann wie Millerand auf mindestens 25 Jahre schätzte, auf ein Fünftel herabzudrücken.
Ilm vor dem Ausland diesen Vorgang zu verschleiern, zumal er in der elsässischen Bevölkerung, die in den letzten fünf Jahren mit der französischen Regierung nur auf Kriegsfuß lebte, eine starke Gegenströmung auslösen wird, hat sich der französische Ministerpräsident beeilt, zusammen mit dem Präsidenten der Republik, Straßburg mit seinem Besuch zu beehren und eine jener Reden vom Stapel zu lassen, tote ftc uns aus den Zeiten des Herrn Poincare sattsam bekannt sind. Es wäre zwecklos, sich mit all den Verdrehungen, die sich Herr Painleve erlaubt, auseinanderzusetzen, eins muß aber doch hervorgehoben werden: Die Straßburger Kundgebung ist nichts als Theaterdonner, der den durch die Vergewaltigung des Elsaß hervorgerufenen gellenden Schmerzensschrei übertönen soll.
i -------------
Der englisch-französische Kompromiß.
Die Tage vor Pfingsten haben die diplomatischen Aktionen, die schon beinahe am Versacken zu fein schienen, einen gewaltigen Schritt gefördert. England und Frankreich haben sich einmal, nachdem sie uns fünf Monate lang auf jede Antwort warten ließen, über den Wortlaut der Rote geeinigt, worin sie uns die Begründung mitteilen, weshalb Köln am 10. Januar nicht geräumt wurde und ihre Bedingungen stellen, unter denen sie gnädigst bereit sein werden, die erste Zone freizugebcm. Im Zusammenhang damit aber scheint auch über den Sicherheitsvertrag eine Verständigung erfolgt zu sein, obwohl man in London selbst angenommen hatte, daß mit der letzten englischen Rote die Fäden endgültig zerrissen waren. Aber Herr Brian d hat sich eines Besseren besonnen, er scheute sich doch Wohl, das Odium des osfiziellcs Friedensstörers auf sich zu nehmen und rettete sich deshalb mit einem kühnen salto mortale auf den Boden hinüber, den ihm Chamberlain frei ließ.
Allerdings muß noch mancherlei mehr da- zwilchen gespielt haben, wovon man bisher nichts weiß. Vielleicht ist hinter den Kulissen sogar ein richtiger Kuhhandel erfolgt, wobei England und Frankreich ihre Zugeständnisse in der Räumung und im Sicherheitsverlrag gegenseitig aus- taufchten: es muß auch auffallen, daß der unvermeidliche Herr Denesch, der zu Pfingsten eigentlich in Wien erwartet wurde, urplötzlich in Paris auftauchte, hier allerdings niemanden von den hohen Herren anwesend fand, die eine etwas voreilige Siegesfeier in Elsaß-Lothringen veranstalteten.
Es wird Wohl noch einige Zeit dauern, bis man die diplomatischen Winkelzüge, die hier htn- und hergeschoben worden sind, deutlicher verfolgen kann: für den Augenblick genügt es auch, aus dem Echo der Londoner und der Pariser Presse festzustellen, daß Herr Driand und Mr. C ha m b e r l a i n im D gr f s sind, sich e i n i g zu werden und zwar im mel entließen auf Grund der englischen Auffassung. Freilich ganz so einfach, wie man uns glauben machen will, werden die Dinge sich kaum entwickeln, es kann immer noch dahin gestellt bleiben, inwieweit Briand feine Position zu ft Lyon sucht ; durch künstliches Hineininter bretteren französischer Wünsche in die englischen Formulierungen. Dabei darf man wohl ausgehen davon, daß England den Franzosen eine auf dreißig Jahre befristete Garantie im Westen angeboten hat, die ja für diese Zeit dann dem französischen Sehnen nach einem Militärbündnis recht nahe kommt, Es mag auch richtig sein, daß Herr Chamberlain die weitergehenden Forderungen Frankreichs wegen einer entsprechenden Ausdehnung der Garantie auf den Osten damit abzubiegen versucht hat, daß er den Franzosen anheim gab, ihre eigenen Bündnisse mit den Polen und den Tschechen ruhig weiter zu pflegen. Daß aber irgendeine Handhabe vorhanden fein sollte, die dann England zwingen könnte, durch französisches Eingreifen etwa in einen deutsch-polnischen Streit den Bündnisfall als gegeben anzusehen, das können wir uns nach der ganzen Tonart der englischen Presse nicht recht vorstellen.
Lind hier liegt ja gerade die eigentliche Schwierigkeit, über die Herr Briand bisher nicht hinweg kam. Er möchte zum mindesten das Recht haben, nach seinem Gutdünken durch die deutsche neutralisierte Zone durchzumarschieren, um seinen polnischen Freunden zu Hilfe kommen zu können, will also, anders herum gesehen, die unbedingte Vollmacht haben, Deutschland jeder Zeit zum Kriegsschauplatz zu machen. Ein solches einseitiges Recht würde dem Grundsatz eines Vertrages, wie Deutschland ihn angeboten bat, widersprechen, zum mindesten müßte bann auch Deutschland das Recht haben, falls die Franzosen einmarschieren, mit Truppen in bas neutralisierte Gebiet vorzustoßen. Wir möchten nun annehmen, daß England diese unbequeme Doktorfrage durch einen Hinweis auf den Völkerbund umgangen hat. und daß nun die Franzosen die entsprechenden Bestimmungen des Völkerbundes in ihrem Sinne auszulegen sich beeilen.
Gerade das aber zeigt, wie richtig es war, daß Deutschland nicht mit beiden Deinen in den Völkerbund hineingesprungen ist, sondern sich c r st bestimmte Zusagen g;ben lassen wollte, die seither nicht gegeben sind. Gerade wegen des Artikels 19, der jetzt auch wieder eine Rolle spielt, denn aus ihm leitet Frankreich das Recht zum Durchmarsch durch deutsches Gebiet ab, falls der Dölkerbundsrat seine Zustimmung gibt. Das würde also hie Entscheidung über Krieg und Frieden für Deutschland in die Hände Englands legen. Darauf aber können wir es nicht ankvmmen lassen, weil bei der weltumspannenden Politik Englands Frankreich tagtäglich ein K o m - pensationsobjekt stellen kann, mit dem es die englische Zustimmung zum Einmarsch nach Deutschland erlauft. Hier verquickt sich also der Sicherheitsver'rag mit der Stellung Deutschlands 5um Völkerbund, und Hier bleibt nach wie vor das große Fragezeichen, inwieweit Frankreich und England wirklich handelseinig sind.
Der Garantiepakt.
Paris, 3. Juni. (Täl.) Jules Sauerwein veröffentlicht im „Matin" folgende Darstellung über den Stand der Garantiepaktverhandlung, die er von maßgebender Seite erhalten hat. Die territoriale Ordnung Europas sei durch gesetzliche Verträge, besonders durch die Artikel 10 bis 16 des Völkerbundpaktes zum internationalen Recht erhoben. Rach Artikel 42 bis 44 bestehe ein besonderes Regime für d ie Rheinlandzone, deren Verletzung eine feindliche Haltung gegenüber den Signatarmächten bedeutet. Frankreich hätte durch eine dauernde Besetzung wirksame Garantien erlangen können, habe aber bei den Garantiepaktverhandlungen mit England und den Vereinigten Staaten darauf verzichtet. Der Vertrag sei von Washington nicht ratifiziert und seitdem versuche Frankreich sich andere gleichwertige Garantien zu verschaffen.
Mit England fei jetzt eine Verständigung erzielt worden. Donnerstag abend oder Freitag werde eine Note nach London abgehen, die sich nur noch auf einzelne Fragen bezieht. Die wesentlichsten Punkte der Verständigung seien folgende: Großbritannien unterzeichne einen Pakt der W e st - mächte mit Frankreich und Deutschland, nach dem sämtliche ihre Streitkräfte gegen einen Angreifer aufbieten oder die neutrale Zone längs der französischen und belgischen Grenze angreife. Andererseits halte England an sämtlichen Vertragsklauseln fest.
Denn Frankreich also im Falle eines Angriffes gegen eine vertraglich feslgelegle Grenze in einer anderen Gegend gezwungen wäre, die neutrale Zone zu durchqueren, um nach bestimmten Sonber- abmachungen seinen verbündeten zu f)itfe zu kämmen, werde England dem nichts in den Deg legen.
Bei der Vielgestaltigkeit dec Interessen des britischen Reiches könne aber Groß-Britannien im voraus nur bei einer Verletzung der Rheingrenze militärische Abmachungen und Verpflichtungen übernehmen. Die heische Regierung sei schließlich der Meinung, daß der Garantiepakt e r ft nach Eintritt Deutschland in denDöl» kerbund in Kraft treten könne. Die französische Regierung wünsche ähnliche Abmachungen auch mit anderen Staaten, namentlich mit Italien, zu treffen. Die Frage sei jetzt, ob Deutschland den Pakt in dieser Form annehmen werde. Sollte Deutschland die Fortsetzung der Verhandlungen, die es selbst angeregt hat, unter irgendwelchem Vorwand ableb neu, s) erbringe es damit den Beweis, daß die deutschen Vorschläge lediglich auf die Erschütterung der Verträge abgezielt hätten. Die alliierten Mächte würden dann andere Mittel zur Wahrung ihrer Sicherheit ausfindig machen.
Der Londoner Berichterstatter des Wolff- bureaus erfährt über den augenblicklichen Stand des Meinungsaustausches zwischen der britischen und der französischen Regierung in der Sicherheitsfrage folgendes: Das der französischen Regierung vor kurzem übermittelte britische Memorandum führt die allgemeinen Grundsätze an, die nach Ansicht der britischen Regierung der deutschen Regierung tn
Beantwortung ihres Paktvorschlags als Grundlage für die weiteren diesbezüglichen Verhandlungen mitgeteilt werden müßten. Was das von einem Teil der französischen össentlichen Meinung aus „britischen Anregungen" herauS- gclefcne Zugeständnis eines Rechts Frankreichs anbetrifft, den östlichen Alliierten mittels Durchmarsches durch die entmilitarisierte Rheinlandzone zu Hilfe zu kommen, so wird in hiesigen polnischen Kreisen angedeutet, daß
eine derart ge Auslegung den augenblicklichen Erörterungen boraureilt,
da sich die Frage der Auslegung der ausgestellten allgemeinen Grundsätze automatisch ergeben wird, wenn diese der deutschen Regierung in einer Rote mitgeteilt worden sind, die sie natürlich zu Anfragen über d i e Folgen gewisser Punkte veranlassen wird. Qiad) Ansicht der britischen Regierung muß der Völkerbund beim Zustandekommen sowie bei der Durchführung des Paktes die Hauptrolle spielen. Es ist anzunehmen, daß die Tatsache, daß von Deutschland als Mitglied des Bundes die Llebernahme aller in der Völkerbundsatzung enthaltenen Verpflichtungen verlangt werden wird, einen Teil der französischen Presse zu Schlüssen veranlaßt hat, die noch verfrüht sind, und von der Auslegung der in Betracht kommenden Paragraphen abhängen. Dies ist umso wahrscheinlicher, als, wie vermutet werden kann, die östlichen Bündnisse Frank- reichs in dem britischen Memoran - b um nicht erwähnt worden sind. Es wird von britischer Seite außerdem darauf hingewie- sen, daß alle bisherigen Erklärungen der britischen Regierung zur Sicherheitsfrage den
Grundsatz der Gegenseitigkeit deS geplanten Paktes
betont haben. Als nächste Entwicklung wird die Antwort der französischen Regierung auf die britischen „Anregungen" erwartet. Es wird angenommen, daß diese Antwort noch vor der Zusammenkunft zwischen Chamberlain und Driand in Gens erfolgen wird.
Der diplomatische Berichterstatter oeS ..Manchester Guardia ns" weist darauf hin, daß die entscheidenden Meinungsverschiedenheiten, die zwischen England und Frankreich bis zur Stunde bestehen, nicht dahin gingen, ob Frankreich zur Verteidigung von Polen Truppen durch das entmilitarisierte Rheinland schicken kann, sondern
ob in dem Sicherheitspakt, wie Driand das I in seinem Entwurf verlangt habe, eine Ve- stimmung ausgenommen werden soll, die auf ewige Zeiten jede Aevifion der deutschen । Ostgrenze gegenüber dem gegenwärtigen
Stand ausgeschlossen hätte.
Der diplomatische Berichterstatter glaubt, daß nunmehr, nachdem Briand die vertragsmäßige Verewigung der deutschen Ostgrenze preisgcgcbrn habe, eine Zusammenkunft der Alliierten über den Sicherheitspakt bald zustande kommen kann und wahrscheinlich werde Chamberlain in Genf mit Briand das Programm einer derartigen Zusammenkunft besprechen.
Verzögerung in der Veröffentlichung der Botschafternote.
Paris, 2. Juni. (TU.) Die pariser presse bestätigt nunmehr, daß der französische Bat - schofler in Berlin gestern die Rote der Botsckafterkonferen; erhalten und sie sofort den alliierten Botschaftern übermittelt hak. Die Ueberreichung der Rote wird nach ben Blättern erst Donnerstag erfolgen, da Dr. Luther infolge der Abwesenheit Dr. S t r e fern a n n s das diplomatische Korps nicht vor übermorgen empfangen kann. Das Berliner Auswärtige Amt soll außerdem Lord d'Abernon darauf hingewiesen haben, daß es infolge der Länge der Uebersehungsarveit nicht in der Lage sei, die Veröffentlichung innerhalb der Frist von 12 Stunden vorzunehmen. Infolgedessen werde um eine Verlängerung der Frist gebeten und angeregt, die Rote in den Berliner Morgenausgaben vom 6. Juni erscheinen ju lassen.
Deutschland und der Marokkofeldzug Die deutsche Botschaft in Paris gegen falsche französische Beschuldigungen.
Paris, 3. Juni. Die deutsche Botschaft hat wiederholt veröffentlichte Nachrichten, daß A b d c l Krim von Deutschland aus unter st ätzt werde, offiziell dementiert. Der Direktor der politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten am Quai d'Orsay, Seydoux, erklärte dem Vertreter der Botschaft, daß sich in feinem Bericht des Marschalls Liautey eine Angabe über die deutsche Unterstützung finde. Es wurde zugesagt, die französischen Zeitungen in diesem einne zu unterrichten. Nachdem in den Pfingsttagen neue Mitteilungen über Beteiligung deutscher Persönlichkeiten an der Frankreich feindlichen Propaganda in Marokko erschienen sind, ist gestern nachmittag der Informationsdienst des Quai d'Orsay darüber unterrichtet worden, daß alle diese Behauptungen falsch sind. Ob deutsche K o m m u n i ft e n sich an der Propaganda ihrer französischen Gesinnnungsgenoffen
gegen den Marokkokrieg beteiligt haben, ist hier nicht bekannt, daß aber weder die deutsche Regierung oder die deutsche Finanzwelt direkt oder indirekt an den Angriffen Abd el Krims nicht interessiert sind, kann als erwiesen betrachtet werden. Diese Tatsache wird auch vom französischen Außenministerium öffentlich festgestellt werden.
*
Wie aus Larafhe gemeldet wird, gehen die französischen fortlaufend vorgeschobenen Posten zurück. Um die Bibane ist eine schwere Schlacht im Gange. Bei Teunat gelang es Frey- denberg, unter schweren beiderseitigen Verlusten einen heftigen Angriff zurückzuschlagen.
DieUnruhsn in Schanghai
Die Mächte landen Truppen zum Schutze der Europäer.
London, 3. Juni. (Reuter.) Das chinesische Kabinett hat gestern beschlossen, das auswärtige Amt mit der Ausarbeitung einer R o t e an das diplomatische KorKs zu beauftragen, um gegen das Vorgehen der Schanghaier Po- lizei, die auf die Streikenden in Schanghai
geschossen hat, zu protestieren. Zwei Regierungskommissare werden sofort nach Schanghai fahren, um die Angelegenheit zu untersuchen. Der chinesische Kommissar hat in einer Rote die Freilassung der arretierten Streikenden und Entschädigung für die Getöteten sowie Bestrafung der Verantwortlichen verlangt. Eine Versammlung der Konsule ist zur Prüfung der Rote einberufen worden. Die Angeklagten sind gestern vor dem Distriktsgerichtshof erschienen und teilweise gegen Bürgschaft sreigelassen worden. Der Gerichtshof war durch eine starke Polizei- Mannschaft gegen alle Möglichkeiten von Ruhestörungen gesichert. Die Lebensmittelmärkte waren gestern geschlossen.
In Shanghai sind englische, amerikanische und italienische Truppen gelandet worden. Die Haltung der chinesischen Regierung hat unvermeidlich zur Stärkung des zügellosen Vorgehens der Aufständischen beigetragen. Amerikanische Freiwillige wurden auf einem Patrouillengang vor dem chinesischen Theater beschossen und einige von ihnen verwundet. Die Amerikaner erwiderten das Feuer mit einem Lewismaschinengewehr und drangen darauf in das Theater ein. das mit Aufständischen voll beseht war. Die Patrouelle nahm


