Ausgabe 
3.2.1925
 
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Aus ver Provinz.

Landkreis Gietzen.

IL Lolla r. 3. Febr. (Bin überaus grobes Leichenbegängnis, bei dem man den am Freitag verstorbenen Dr. med. Nordmann zu Krade brachte, bewegte sich gestern nachmittag durch unfern Ort Die Beteiligung dabei zeugte von der großen Wertschätzung, welcher sich der Verstor­bene hier und in weiterer Umgebung zu erfreuen hatte. Während seiner ganzen hiesigen Tätigkeit hatte er es verstanden, sich nicht nur als Arzt, sondern auch alS Mensch sehr beliebt zu machen. Gar mancher arme Kranke kann hier seinen ent­gegenkommenden Helfer in der Not betrauern. Schon in den letzten Wochen äußerte er. daß er wohl kränker fei, als manch einer, der ihn des Nachts aus dem Bette holen lieh, ilnb so muß es gewesen sein. Kurze Tage lag er nur, und ein Herzschlag machte seinem Leben ein allzu frühes Ende. Das Andenken dieses edlen Mannes wird hier stets in Ehren gehalten werden.

* Londorf, 2. Febr. Die jüngste Holz- Versteigerung des Forstamls Rabenau er­gab folgende Durchschnittspreise: Buchenscheiter 10,40 ML, Eichenscheiter 8 Mk., Fichtenscheiter 4 Mk., Duchenknüppel 9 Mk., Eichenknüppel 6 Wk., Erlen knüppel 4 Mk., KiefernknüppÄ 6 Mk.. Buchenreisig 1,30 Mk., Eichenreifig 0,50 Mk., Buchenstöcke 5 Mk., Gichenstöcke 2,75 Mk.. Kie- fernstöcke 3 Mk.. Fichtenstöcke 1,75 Mk. je Rm.

* RüddingShaufen, 2. Februar. Die hiesige Wald» und Feldjagd wurde am ISamstag auf die Dauer von 6 Jahren neu verpachtet. Das Höchstgebot von 2070 M. Pro Jahr gab Rechtsanwalt Albrecht-Gießen ab, dem der Zuschlag erteill wurde.

1: Annerod. 2. Febr. Bei der jüngsten Holzversteigerung in unserem Gemeinde­wald wurden folgende Durchschnittspreise gelöst: Nutzholz: Eichenstämme 5. Kl. 38,75 M.. 6. Kl. 34,70 M, Fichten-Derbstangen l.Kl. 26.07 M. 2. Kl. 19,40, Fichten-Reisstangen 25 M, Bohnen­stangen 57.78 M je Fstm., Fichten-Nuhreifig 6,37 M. je Raummeter. Brennholz, je Raum­meter: Kiefernscheit. 9,60 M.. Fichtenschrit. 6.40 M., Eichen-Knippel 8,79 M., Kiefern-K 'üppel 8 45 M., Fichten-Knüvpel 6.23 M.. Erchen-Wellen 17 M. Kiefern-Wellen 13,47 M. Weichholz-Wellen 18,50 M., Fichten-Wellen 19 87 M, Kiefern-Stöcke 4,22 M. je Aawmneter, Fichten-Stöcke 2,25 M je Raummeter.

i Lich, 2. Febr. Mit großen Planen tragt sich der hiesige Turnverein, einer der ältesten Vereine des Turngaues Hessen und in unserer Stadt ein volkstümlicher und beliebter Verein. Seine Turnhalle ist zu llein ge­worden und genügt nicht mehr für den heutigen Turnbetrieb. Der Dau soll daher vergrößert werden. Pläne und Kostenvoranschlag für die geplanten Erweilerungsarbeiten liegen bereits vor. Die Kosten sollen sich auf 20 000 21taJf belaufen (der alte Bau kostete einst 17 000 Mk.). Die Angelegenheit wird demnächst die Gene­ralversammlung des Vereins beschäftigen, vor allem die schwierige Frage der Geldbe­schaffung. Da die Turnhalle auch als Schul- turnhalle dient, hofft man, daß die Stadt eine ansehnliche Unterstützung gewährt

rt L i ch, 1. Febr. Auf QSeranlaHung deS hiesigen Volksbildungsverein« fand im Gemeindesaal unter Leitung deS Vorsitzenden, Bürgermeisters Völker, der erste Vortrag der Gießener Hochschulgesellschaft statt. Llniversitätsprofessor Dr. Küster sprach über Gartenbaukunst und zeigte an Hand einer reichen, auch kunstgeschichtlich wertvollen Fülle von Licht­bildern, wie sich die Gartenkunst vom Mittel- aller bis zur Gegenwart entwickelt hat. Der Vortrag fand aufmerksame Zuhörer, die sich aus .allen Kreisen der Stadt zusammensetzten.

i. Ettingshausen, 1. Febr. Hier und in ^Hattenrod hielt heute Misswnar Lank aus Hers- seid, der Reisepreoiger der Baseler Mission, rfcpt lange Jahre in China tätig war. gutbesuchte MisfionSgvttesdienste. Die Lcchtbckder-> Dorträge am Samstag- und Sonntagabend schil- derten Leben und Treiben der Chinesen und gaben anschauliche Bilder von der Missions­arbeit An Missionsgaben konnte der Prediger 85 Mk. mitnehmen, für Bücher, die in den Häu­sern verkauft wurden, gingen rund 20 Mk. ein.

L Hungen. 2. Febr. Aus der jüngsten Gemeinderatssihung ist zu berichten: Die Holzversteigerung vom 16. Januar

Die rote Kaschqar.

R^ma-' w Fedor von ?o*>el' itz 57. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Sehr vernünftig. Schöne Grüße an Theöa ..." Sie legte das Schallrohr zurück und wandte sich wieder an Freye ...Hälmut hat keinen Brief von Gert erhalten." erklärte sie.Ist er überhaupt aBgefanbt worden, so ging er verloren, wie vermutlich auch der Brief auS Kalgan, der unS ang^sagt wurde. Bei der Riesenstrecke und der ilnficherheit der Beförde­rung ist derlei kein Wunder. In acht Tagen ist Hochzeit in Grotz-Ponar."

..Aber Lexp," rief Freye außer sich,wie ist denn das möglich!"

Die Domina stand neben Freye. Streichelnd glitt ihre Hand über das Haar des Mädchens.

Warum soll das nicht möglich fein'F' fragte sie harmlos.Wer weiß um dieses Lebens­zeichen? ..." Sie wog den Brief Gerts in der Hand und lleß sich dann mit rascher Bewegung vor Freye in die Knie. Sie umfaßte sie liebe­voll. Ihre Stimme Gang jetzt l ehr süß ... ..Märzveilchen, der Brief ist auch eine Gefahr für dich," fuhr sie fortDenn nicht wahr, du liebst Gert doch noch? Werde nicht rot, mein Lämmchen, ich kenne dein Herz, es ist ein weißes Blatt Du hast mir anhertraut, daß du dich an Bruder Dorvtheus nicht mehr ge­bunden fühlst. Du bist frei. Willst du nicht auch Gert die Freiheit gönnen? Dieser Brief hier, dieser Ruf aus der Ferne tarnt eine Kette werden, die ihn wie dich von neuem fesselt Ist es nicht besser, wir vernichten ihn?"

Eine Handbewegung, und der Brief flog in den Kamin. Er verlvderte im Nu und zerfiel in Asche. Freye brach in Schluchzen aus.

,.Le?e fieber Gott, waS hast du getan!

Was klug und richtig war... Sie lag noch vor Freye und liebkoste sie...ilederlege, Maus, laß einmal Herz und Hirn gleichzeitig sprechen. Du sagtest vorhin, vielleicht ließe Gerl sich scheiden. Oder Theda, Gründe genug lägen vor. Wer e-L wäre wieder eine lange Quälerei, ehe die Entscheidung da fein tonnte. ilnb jetzt ist alles im Zuge. Wenn Theda «st mit Hellmut

wird genehmigt Die Iagdparyr nie 1925 wird auf 1760 Mk. festgesetzt Die Dergnü- gungflfteuer für karnevalistische Ver­anstaltungen und Kostümfeste wird auf den 1 0fachen Betrag erhöht. Die Erhebung des Wassergeldes soll in Zukunft nicht mehr durch den Wasserwärter erfolgen. Wegen des Platzes für das Gefallenen-Denkmal soll nochmals mit den interessierten Stellen verhan­delt werden. Das Ergebnis der letzten Miet- einigungsverhandlungen veranlaßt mehrere Ge- meinderatsmitglieder zu der Crllärung, bei Wohnungsfürsvrgesachen nicht mehr Mitwirken zu können.

Kreis Schotten.

§ Ulrichstein, 1. Febr. Heute Sonntag, morgens lag bereits etwas Schnee. Den ganzen Tag über schneit e s, wenn auch mit Unter» brechungen. Hält das Wetter an, so daß es nicht stark taut dann reicht es bald zum Schneeschuh­laufen.

O Ülrich stein, 2. Febr. Der G e - meindevorstand hat beschlossen, den 3a» kobima rkt im Juli d. 3. im größeren Maßstab abzuhalten. Er soll mit dem Rind­vieh-, Schweine- und Ärammarft auch Pferde­markt, Prämiierung von Vieh und eine Verlosung verbunden werden. Der Iakobimarkt soll bereits seit 752 Jahren bestehen.

Kreis Büdingen.

O Nidda, 2. Febr. 3m Saale des®ani= brinus" fand gestern die diesjährige Der- treterberfammlung des Niddatal- Sängerbundes statt Herr Schäfer- Eichelsdorf eröffnete die Versammlung und hieß alle Erschienenen willkommen. Er hob dabei ins­besondere hervor, wie der Gesang alles politisch und religiös Trennende überbrücke und die Ge­sangvereine mit in erster Linie berufen seien, an dem Wiederaufbau Deutschlands mitzuwirken. Herr Michel- Ober-Schmitten erstattete den Tätigkeitsbericht über das verflossene 3ahr. Aus diesem ging hervor, daß das letzte Wertungs- fingen in Schotten mit einem Defizit von 200 Mk. abschloß. Mantel-Ober-Schmitten erstattete die Rechnungsablage. Es verblieb ein Üeberschuh von ca. 50 Mk., nachdem eine außerordentliche Umlage von 40 Pf. pro Mitglied erhoben wurde. Die Versammlung wählte einstimmig den alten Bundesvorstand wieder, worauf Herr Schäfer namens des Vorstandes den Dank aussprach. Hieraus wurde beschlossen, auch im Jahre 1925 wiederum ein Wertungssingen. und zwar diesmal in Nidda, abzuhalten unter Zuziehung zweier Kritiker. Eine längere Aussprache ergab die Stellungnahme zu einem eventuellen An­schluß an den Hess. Sängerbund. Es wurde folgender Antrag angenommen:Jeder Verein teilt dem Bundesvorstand bis 20. Februar seine Stellungnahme mit Sind s/s aller Der- treterftimmen für den Anschluß, wird der Bundes­vorstand ermächtigt, diesen zu vollziehen, jedoch unter der Bedingung, daß in den nächsten Jahren keine BeitragSer öhung statt ind t" Der Beitrag zum Niddaral-Sängerbund wurde für 1923 auf 40 Pf. festgesetzt. Der Niddaer Gesangverein .Sängerkranz" verherrlichte die Bersammlung durch einige schön vorgetragene Chöre.

Starkenburg unv Rheinhessen.

Darmstadt, 2. Febr. (Eigener Bericht.) Oberstaatsanwalt W ü n z e r, der nach langer schwerer Erkrankung wiederhergestellt ist, hat heute seinen Dienst wieder angetreten. Ihm wurden bei dieser Gelegenheit herzliche Glückwünsche dargebracht.

Darmstadt, 2. Febr. (Eigener Bericht.) In Oppenheim st a r b der frühere Kreisdirektor von Worms. Geh. Regierungsrat Dr Kayser im Alter von 77 Jahren. Er stammte aus Nier­stein, besuchte das Gymnasium in Worms, stu­dierte in Heidelberg und Gießen Rechtswissen­schaft und war zunächst bei der Staatsanwalt­schaft in Darmstadt tätig, bann bei dm Kreis­ämtern in Dieburg, Bingen, Groß-Gerau und Darmstadt. Im Jahre 1898 wurde er als Kreis­rat I Kreisdirektor) nach Worms berufen und trat 1919 in den Ruhestand. Seinen Bemühungen sind im wesentlichen zu danken die Gründungen des Rheinhessischen Elektrizitätsverbandes und des GruppenwafserversorgimgZverbcmdes für das Seebachgebiet, sowie der Gemeinnützige Dauverein für die Landgemeinden des Kreises Worms und zahlreiche s^z'ale Einrichtungen.

Äretd Wetzlar.

]:[ Dutenhofen, 2. Febr. Wie schon be­richtet, fand am 26. Januar die Abschätzung der durch das Hochwasser entstandenen Schä­den in der Gemarkung Dutenhofen und A tz b a ch statt. Vielleicht hat bei dieser Ge­legenheit die Kommission, der auch der Kveis- tiefbaumeister von Wetzlar angehvrt. ihr Auge auch einmal auf den Verbindungsweg Dutenhofe nA tz b a ch geiächtet. Während die Gemeinde A tz b a ch in ihrer Gemarkung eine schöne Straße angelegt hat, ist das kurze Stück von der Lahnbrücke bis an den Achacher Damm vollständig unpassierbar. Fuhrwerke, auch hie­sige, die den Weg zu fahren gezwungen sind, Weichen, um auf dem grundlosen Wege nicht zu versinken, auf bre zu beiden Seiten gelege­nen Wiesen aus, trotz alter Strafandrohungen, ausgeworfener Gräben u. dgl. So werden die Wiesen in etwa doppelter Breite des Weges bei dem nassen Wetter vollständig zerfah­ren: Fußgänger können fast nicht durch­waten. Dazu wird der Weg wegen der Halte­stelle in Dutenhofen tagtäglich von vielen Leu­ten aus der Gemeinde Atzbach und solchen aus Dorlar und Wald-Girmes, die nach Gießen fah­ren, benutzt. Sollte unsere Gemeinde nicht im» Itgnbe fein, den Weg allein zu bauen, so müßten bet Kreis und die Provinz um Zuschüsse angegangen werden. Denn auch sie sollten ein Interesse daran haben, daß eine direkte Ver­bindung zwischen linker und rechter L a h n s e i t e, zwischen Dutenhofen, Münchholz­hausen, Allendorf, Lützellinden usw. einerseits und Atzbach, Kinzenbach. Dorlar, Wald-Girm^ ande­rerseits geschaffen würde. Hoffentlich tragen diese Zeiten dazu bei. daß unsere Gemeindevertretung den Ausbau des Weges, der doch sicher später Dom Kreise übernommen wird, ins Auge faßt.

§§ Niederkleen. 2. Febr. Die neuge» schaffens H i lf s s o r st er st el le ist dem staat­lichen Hilfsforstaufseher B l e n k zu Neuschleul- bach (Bayern) übertragen worden. Förster Große ist an Stelle des infolge Erreichung der Altersgrenze in Ruhestand getretenen Forsters Ap e l nach Oberlleen versetzt.s, Das Schwarz­wild ist in letzter Zeit wiederholt in hiesiger Gemarkung aufgetreten und hat an den mit Wintersaat bestellten Feldern Schaden angerichtet.

§§ K l.-R echtenbach, 31. Jan. Nach lan­gem Krankenlager starb an den Folgen einer Lungenentzündung der Gemeindevorsteher Z ö r b von hier. Zörb hat 16 Jahre lang das Vor­steheramt versehen und sich das Vertrauen der Gemeindeeinwohner erworben. In feine Amts­zeit fällt die Einführung der elektrischen Beleuch­tung sowie die Entschließung zur Durchführung der Zufammenlegung.

Hessen-Nassau«

dh. Rodheim a. d Bieber, 1. Februar. Dieser Tage sand hier eilte Versammlung der Interessenten für die Zusammenlegung der hiesigen Gemarkung statt. Um das Pro­jekt seiner Verwirklichung näherzubringen, wurde eine Ausführungskommission gewählt. Für Dienstag, 3. F^ruar, ist wieder eine Ver­sammlung ein berufen, zu der auch die 3ntereffen» ten der Nachbargemeinden eingeladen sittd.

dH. Bieber, Kr. Biedenkopf, 2. Febr. Am Freitag fand hier die erste Drennholzver- fteigerung aus den Waldungen der Ober­försterei Struppach statt. Händler und Auswär­tige, d. h. Bewohner der Nachbarorte, welche nicht zum Bereich der Oberförsterei «hören, waren als Käufer ausg schlos en. Die Zahlungs­bedingungen sind so streng, wie sie sich eben heute nur der Staat aushalten farm; das gekaufte Holz muß nämlich bis zum 21. Februar bezahlt fein, andernfalls sich die Kaufsumme vom genannten Termin an mit 3 Prozent verzinst. Im Anschluß an dtese streng m Bedingungen mahnte der Leiter der Versteigerung, Oberförster Draungart, unter Hinweis auf die heute noch ausstehenden Gelder aus den Versteigerungen des verganaenen Jahres, daß sich die Anwesenden im Bieten etwas Zurückh llung auferleaen sollten. Die Taxe für Eich'nschci Holz betrug 6 Mk. pro Raummeter, für Duchenknüppel 6 Mk. und für Duchenscheit 8 All. Trotz aller Ermahnung kamen die Preise wesentlich höher und Buchenknüppel kosteten 22 bis 24 Mk., Buchenscheit sogar 28 bis 30 Mk. Am Samstagabend hielt der hiesige Gesang­

verheiratet ist, wird die Ehe auch für den Fall der Heimkehr Gerts keineswegs nichtig, es sei denn, so sagt daS Gesetz, die neuen Ehegatten wüßten, daß er die Todeserklärung überlebt hat. ilnb dies Wissen darf nicht auftornmert Freye, kein Mensch darf etwas von Gerts Brief an dich erfahren kein Mensch! Kann er nicht verloren gegangen fein wie hundert andere Briefe auch? Weshalb weinst du? Weshalb regst du dich auf? Wenn bis zur Hochzeit Thedas üemand niemand ahnt, daß Gert noch am Leben ist, so ist das auch ein Glück für dich! Was willst du eigentlich? Theda und Gert haben sich nie geliebt sie liebt Hellmut, also laß die beiden sich ruhig heiraten! Dann ist Gert w'eder Herr über sich und ist Sr nicht deine alte Liebe? Möchtest nicht auch du noch einmal glücklich werden?

Der Ton der klug svrechendeir Zunge klang so, als komme er aus Tiefen des Herzens. ilnb er traf. Im Herzen Frehes Hangen gleiche Saiten. Es wehte auch etwas durch ihre Seele wie ein Odem nahenden Frühlings. War es nicht so, wie Alexe sagte? War er nicht ihre alte Liebe nnb ihre erste und einzige, das ewig Unvergeßliche im Leben des WeibeS? ilnb war der Gedanke nicht unbeschr-iblich köstlich und konnte zu bese- fiegender Hoffnung werden: Ihn nach Jahren deS Verzichts doch noch zu gewinnen?

Die Hochzeit ThÄas gab ihm volle Freiheit zurück.

«Wann, sagst du", fragte Freye mit zitternder Stimme,soll die Hochzeit sein?"

Alexe erhob sich. Sie wußte nun, sie hatte gesiegt.

3n acht Tagen", antwortete sie.Sie beiden wollen zu innerer Ruhe kommen. Sie wollen dem immertoäbrenben Klatsch den Boden entziehen. Auch der Leute wegen ist eine Be­schleunigung der Heirat zweckmäßig. Jedes län­gere Warten ist überflüssig."

.In acht Tagen", wiederholte Freye.Unb wenn inzwischen

»Ich weih, was du sagen willst", fiel Alexe hastig ein.Voraussehen läßt sich nichts. Immer­hin können wir annehmen, daß Gert seine Rück­kehr nicht beeilen wird. Der Brief war etwa acht Wochen unterwegs. In ihm ist der Zett­

punkt der Abreise noch nicht festgesetzt. Gert spricht mir von baldiger Heimkunft. Wir wollen unser Glück in Rechnung stellen. Linser aller Glück. Hellmut ist mein Bruder auch ich würde froh sein, wenn die Geschichte so in Ord­nung käme, doß eine Anfechtung von irgendeiner Seite unmöglich ist. ilnb tatsächlich i ft sie baä auch, wenn die Rückkehr Gerts erst nach der Hochzett erfolgt, und das ist die Hauptsache wenn du schweigen kannst, Freye. Wirst du schweigend

Lexe, wollte ich auch reden: Mein einziges Deweis^ück warfst du ja in die Flammen!"

Ilnb tat recht daran. Geschah es nicht auch in deinem Interesse?..." Wieder umschlang sie Freye und küßte sie...Du wärst ja schon heute mit Gert verheiratet, hätte deine Mutter nicht ihr Veto eingelegt, ilnb bann kam der Handel um Theda. Deine Mutter ist tot. Gert toirb Theda loS. bu selbst bist frei es gibt keine Hindernisse mehr zwischen dir und ihm. D'.el- leicht können wir noch in diesem Jahr eine zweite Hochzeit in Groß-Ponor feiern. Denn du wirst dann Herrin in Groß-Ponar, Freye. Theda und Hellnrut ziehen sich nach Dchwichelde zurück, es genügt für die beiden der alte Geisbach hat vvrgesorgt."

Ach Gott, Le»e, an WaS alles denkst du" stammelte Freye verwirrt.

An Ideal und Wirllichkeit, an beides. Na­türlich wird nach der Rückkehr Gerts auch eine Auseinandersetzung über den Besitz notwendig werden. Aber es besteht meines Wissens Güter- trennung zwischen Gert und Theda, und Schwi- chelde ist ihr DorbehaltSgut. Das bietet also keine Schwierigkeiten. Nur muht bu auch einmal Weib sein Weib sein, Ärebe! Fang deinen Wildling ein und halt ihn dir fest! Jetzt kannst du es..."

Lange noch saß Alere vor dem Kamin, alS Freye fort war, warf neue Scheite in die Flam­men, schürte das Feuer und starrte in die auf« steigenden Funken .die hurttg umherschwirrten wie ihre ©eDanten.

Gert lebte damit mußte man sich abfinden. Aber an den nächsten acht Tagen hing eine bange Erwartung. Hellmut hatte den angekün­digten Brief Gert- nicht bekommen oder er

vereln, ver gegettoämg von Lehrer wcherve, Fcllinys Hausen, dirigiert wird, seine diesjährige Familienfeier. Die Darbietungen konnten als durchweg gut bezeichnet werden.

fpd. Frankfurt a. M., 2. Febr. ilntet reger Beteiligung der staatlichen und städttschen Behörden und vieler geladener Gäste wurde heute vormittag das neuerbaute Kapuziner- k l o st e r feierlich eingeweiht. Die kurze Feier vollzog fick im schlichtesten Rahmen. Der leitende Architekt Weber übergab mit knappen Worten dem Superior Pater Eusebius die Schlüssel, der bann das Haus mit herzlichen Dankesworten übernahm. Die Opernsängerin Emma Holl schloß die Feierstunde mit dem ausgezeichneten Vertrag des HummelschenHall lujah". Das K öfter soll in absehbarer Zeit noch baulich erweitert werden, so daß also mit der Zeit am Qiebfrauen- bet g ein großes Kirchen- und Kloster» Viereck als Eigentum der katholischen Ge­meinde erstehen wird, in dessen Mittelpunkt die schöne Liebsrauenkirche mit ihren reichen Kunst- schähen liegt.

Wirtschaft.

* Bildung eines europäischen Glühlampen - Syndikates. Wie das AmsterdamerHandelsblad" meldet, sind die über die Errichtung eines Glühlamven-Syndi- kates zwischen bim englischen, französischen deut­schen und amerikanischen Erzeugern geführten Deratv.n"en jetzt Aum Abschluß gekommen Der abgeschlossene Vertrag bestimmt eine Wirksam­keit dieses Syndikates für die Zeit von zehn Jahren und sieht für die Verteilung der Gewinne eine besondere Poolvereiniguna vor. Die Pro­duzenten wetterer europäischer Staaten haben die Möglichkeit, sich der Gruppe gleichfalls anzu- schlietzen.

13 Siemens-Schuckertwerke, Der» l i n. Die dem Auftichtsrat der Siemens- Sch uckertwerke vorgelegte Rrichsmar'erottnungs- bilanz zum 1. Oktober 1923 sowie der Geschäfts­abschluß für das am 30. Sevtember 1921 abge= laufens 23. Geschäftsjahr wurden genehmigt 3ur Wiederherstellung der Grundlage für die Dersor-- gungs- und Llnterftützunnsau^aben der Gesell­schaft gegenüber deren Angestellten und A'-bei- tem wurde den Pensions-, Witwen- und Wai­senkassen für An"est»llte und Arbeiter 7 150 000 Rm.. dem Dispositionsfonds 2 250 000 Rm. zu- gefüfirt Nach Abzug der für die Wobl'-ahrts- fonds ausgeworfenen Beträge ergibt sich, daß das Gesellschaftskavital sunt 1. Oktober 1923 von 90 000 000 Mk. auf 90 000 000 Rm um gestellt werden kann, nachdem das unkündbare Dar­lehen von 110 000 000 M. auf 30 000 000 Rm. im Wege der Vereinbarung mit den Darlehens­gebern festgesetzt worden ist. Es verbleibt danach vom Reinvermögen ein Betrag von 13000 000 Rm.. der in der Bilanz als Rücklage ausge- wiesen wird. Als Rohgewinn aus dem Ge­schäftsjahr 19°3 24 ergeben sich 1 517 199,56 Rm. Der nach Abschreibung auf Gtebäube in Hohe von 1 086 754,35 Rm. verbleibende Reingewinn von 430 443LI Rm. soll auf neue Rechnung vor» getragen werden.

* Siemens L HalSke A.-G. Berlin. Der Dufsichtsrat der Siemens & Halske A.-G. genehmigte die ReichsmarkeröffnnngBilanz zum 1. Oktober 1923. sowie den Geschäftsabschluß des am 30. September 1924 abgelaufenen 29 Ge­schäftsjahres. Die ReichSmarkerö' f-'ungsbilanz neigt einen Lieberschuß der BesiNteile über die Schuldteile in Höhe von 127 500 000 Rm. Diesem Reinvermögen steht ein A.-K. von insgesamt 260 000 000 Mark gegenüber, das sich aus 130000 000 Mk. Stammaktien und 130 000 000 Mark Vorzugsaktien zufammensetzt. Der Gene­ralversammlung soll vorgeschlagen werden, die­ses A-K. auf 97 500 000 Rm in der Weise um^ustellen, daß die 130000 000 Mk. Stamm­aktien auf 91 000 000 Rm. durch Abstempelung jedes Stückes von 1000 ML auf 700 Rm.. die 130000 000 ML Vorzugsaktien auf 6 500 000 Rm. und zwar in 130000 Stücken zu je 50 Rm. lauten. Der nach Abzug des neuen A.-K. vom Reinvermögen verbleibende Betrag von 30 000 000 Rm. soll zur Bildung einer Rücklage Verwendung finden. Der Abschluß über das Geschäftsjahr 1923 24 weist einen Rohgewinn aus von 3 321 558,44 Rm. Nach Abschreibung aus Gebäude in Höhe von 672 208,71 Rm. verbleibt

verschwieg ihn. Der Dries an Freye war ver­nichtet. Don ihm soltten auch Theda und Hellmut nichts erfahren. Freye sprach nicht, das war sicher. In ihrenr Herzchen regten sich wieder die Schwingen sie wartete auf Len noch immer Geliebten.

Ein Sturm fuhr durch das Blut Alexes. Ein überlegenes Lächeln tarn, kein böses, nur ein hochmütiges. Ein Lächeln siegender Kraft,

Freye, ich nehme es mit dir auf! Laß ihn nur kommen, deinsn Gert, dann soll der alte Kamps von neuem beginnen! Noch bin ich schön, ich bin schöner als du und ich habe einen Vorteil vor dir: Das Küssen des Hasses!

Sie stand auf, verriegelte die £ür und traf an den Spiegel wie Freye, als sie zur Trauer- feicr für Gert fahren wollte. 215er in Ateres Augen lag nicht der A'.lsdruck müder Resig- nation, sondern der Wille zur Macht. Sie ent­kleidete sich.

An den nächsten acht Sagen hing ein« bange Erwartung. Alere schlief schlecht, stunden­lang lag Freye schlummerlos in ihrem Bettc Ader auch Hellmut schien von nervöser Unruhe erfüllt. Er steckte sich hinter die Behörden, um persönlich die Befreiung von dem üblichen Hei­ratsaufgebot zu betreiben, und schützte als Not° lüge vor, 53)eba habe einen lebengefährdenden Rückfall in ihre alte Krankheit erlitten. Vor einem Jahr noch hätte er sich einer jämmer­lichen Notlüge geschämt, nun war er minder wählerisch geworden. Die Befreiung wurde be­willigt. die Honett fand statt. Sie war so wenig feierlich und festlich wie damals die Hoch­zeit in Schwichelde. Als Zeugen hatte Hellmut seinen ersten Verwatter und seinen Oberförster Hinzugezogen Freunde besaß er nicht. Der kirchlichen Trauung ht der Schlvhhalte wohnte die Dienerschaft bei, die erhielt auch ihr Festmahl. Del dem Hochzeitsdii^r aber war Alere einziger Gast, und da schaute sie dem Bruder tief und forschend in das Eisengrau der Meydinaschen Augen und stieß unter einem befreienden Atem­zuge mit ihm an, als der Diener die Kelche ge­füllt hatte. Ganz glücklich war Theda.

l Fortsetzung folgt)