Ausgabe 
3.2.1925
 
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SamStag, den 1. Februar, nach­mittags r'/, Uhr. findet eine

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Die Not des Memellandes

Don unserem us-Korrespondenten.

Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Memel, QHitte Januar 1925.

Der Jahreswechsel liegt hinter un«, und tvenn eS auch keine ©tatiftif darüber gibt, toie» viel Punsch. Grog und Dum vertilgt worden ist wo man Dum trinkt, kannst du ruhig lachen, böse Menschen trinken stärkere Lachen um da« neue Jahr feierlich zu empfangen, so kann doch auch ohne jede zahlenmähige Unter­lage versichert werden. eS war nicht wenig. Es ist eben ein Brauch von allersher. wer Sorgen hat, hat auch Likör, und Sorgen hat das Memelland wirklich in Hülle und Fülle.

WaS wird nun die« neue Fahr dem vom Heimatlande abaetrennten Gebiete bringen? Zu. nächst hat da« Jahr 1925 und auch das ist ja schon etwa« ein Versprechen gebracht, nämlich ein Dersprechen der litauischen Regierung. Mah­len im Memelland« anzuberaumen. DaS heißt, genau betrachtet, ist da« schon zuviel gesag . Denn die osstzielle Meldung über den entsprechenden Beschluß de« litauischen Ministeriums besag! le­diglich. daß eine Sonberkommissron ge- bildet werden soll, die den Gesetzentwurf für die Mahlen zum memelländtschen Sejmeli« und zum Sejm selbst auSarbeiten soll. Dis zu welchem Zeitpunkt diese Gesetzentwürfe fertiggestellt sein sollen, ist aber leider nicht gesagt worden, und wenn man bedenkt, daß die SejmoliSwahlen für den 7. Dovember 1923 versprochen, dann spä­testen« für den 30. Dezember 1923 in Aussicht gestellt waren, so ist es verständllch. daß man im Memellonde da« Dersprechen des litauischen Ministerium« mit einiger Skepsi« betrachtet. Das erscheint doppelt berechtigt, weil selbst dieses Mahlversprechen nicht emmal litauischer Initia­tive entsprungen ist. sondern ganz offenbar mit den deutsch litauischen Verhand­lungen hi Zusammenhang gebracht werden muh. Die deutsche Regierung hat nicht ohne Er­folg auf Litauen gedrückt und diesem daS freilich etwas dürftige Versprechen abgerunaen V^nz mit Recht fdprieo da« .Memeler Dampfboot" hierzu: .Diel besser und wirkungsvoller toären die deutsch-litauischen Verhandlungen mit einer Er­klärung etngdeitet worden, die ein feste- Datum für die SejmeliS-Wahlen genannt hätte." Bis zu einem gewissen Grade kann das noch nachaehost werden, wenn Deutschland durch freundschaftlichen Druck auf die litauische De­gierung dafür sorgt, daß die jetzt eingesetzte Kommission die Gesetzesvorlagen schnell auS- arbeitet und dah dann die Wahlen bald ausge­schrieben werden.

Zu unterscheiden ist dabei, zwischen den Wahlen zum litauischen Sejm in Kowno, in den da« Memelland 6 Abgeordnete entsendet, und den Wahlen zum Sejmelis dem kleinen Sejm dem memelländischen Landtag. G« ist leider nicht anzunehmen, dah die lttautfd>e Degierung. wenn nicht ein genügender Druck auf sie au-geübt wird, sich entschließen wird, diese Wahlen zu bcschleun gen. Der Einzug der 6 memelländigen Abgeordneten wird vermullich im Parlament eine Verschiebung der Mehrheilsver­hältnisse und damit da« Ende der gegen­wärtigen DegterungSkoalitivn brin­gen. Des weiteren ist eS natürlich auch wesentlich bequemer, im Memelland ohne eine Volks­vertretung selbstherrlich zu regieren, als auf di« Wünsche der Bevölkerung Rücksicht zu nehmen.

Für Litauen und das Memelgebiet wäre es freilich besser gewesen, toernt diese Wahlen bereits früher durchaesührt worden wären. Di« Dichtverwirklichung der Autonomie hat dem Gebiete schwere Munden geschlagen. Das Fehlen von Faktoren, welche die Bedürfnisse des memel-

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)

ländischen Mir!schäft«lebens keimen, d. h. in erster Linie einer gewählten Volksvertretung. trägt vor allem Schuld an den unerfreulichen Zu ständen im Memelgebiet. an dem Darniederliegen von Handel und Wirtschaft. D.nn es bleibt leider festzustellen, daß von einem wirt­schaftlichen Aufschwung gar nicht gesprochen werden kann, daß sich vielmehr die Lage immer mehr zugefp.yt hat, sodaß d « Memelgebiet &<uie eine Zahl von Arbeitslosen zu ernähren hat wie nie in früheren Jahren.

D.e litauische Regierung hat sich leider nie veranlaßt gesehen, memelland:ge Vertreter bei ihren Beschlüssen anzuhören, oder sie hat, wenn dies wirll ch einmal geschah, sich über diese Rat­schläge h nweggesetzt. Es ist auch n chl zu über­sehen, daß d.e im Memelgebiet vorgesehene Auto­nomie von der ltiuschrn Regierung bisher nicht zur Durchführung geb -ch word<n ist. Erst kurz vor Schluß d^s bg l ufenen Iah es ist e ne ml ruckw rkender Kraft ausc.e 'attete Ver­ordnung erlassen worden, welche gewisse Delikte der autonomen mem lländ schen Cer chtch r il entzieht und dem Kowno.r Kr easg richt unter­stellt. Es ist sehr begreif!.ch. daß d.ese Verord­nung sehr viel böses Blut im Memellande ge­macht hat. Ihre Opfer waren die sogenannten Memel-Dutschisten.d zu Zuchth uS - st rasen bis zu 12 Jahr n oerurreill wrnden sind. Man erinnert sich, daß im Sommer diese- Jahres die Welt mit Dachr chtm über einen Pmsch im Mein Igebiet überrllchr wurde. Die ursprünglich verbreiteten Meldungen üd-r ein Zusammenarbeiten mit nationalistisch n deutschen Organ.sat.onen konnten allerdings n chl einmal von dem litauischen Telegraphenbureau aufrecht erhalten werden. Völlig aufgeklärt ist der ganze Vorgang allerdings n.cht, da d e I tauische Re­gierung die Angelegenhe.t dem ordentlichen Ge­richt in Mem l entzog und h nter verschlossenen Türen vor d m Kownoer Är easgericht verhandeln lieh. Die Tendenz, das einfältige Abenteuer den Deutschen im Memellande in die Schuhe zu schieben oder gar eine Unternehmung reichs- deutschrr Rechtskreise d irauS zu konstruieren, wie es die litauischen Heißsporne so gern gewünscht hätten, tritt in dem Urte I alletch ngs nicht hervor. Es ble bt ab r eine unverantwortliche und rechts­widrige Haltung der l tauischen Regierung, daß sie die Iustizhoheit des Memel- lande- nicht respektierte, sondern den Prozeß dem Är cg«g richt übe wies Lehr b - bäuerlich bleib: auch, daß die deutsch? Regierung es nicht hat durchs Yen formen. d> h für die mem l- länd schen Ang ll gten d>e Zul ssarv; e nes deut­schen V rteidig rs zugestanden wurde, da ja d ese Angellagten noch Reichsangehörige sind. D e deutsche Regierung hat zwar gegen das Verhalten der Litauer protestiert, aber in Kowno hat man diesen Protest zu den Akten gefegt und sich nicht weiter um ihn gekümmert. Immer wieder taucht hier bei solchen Gelegenheiten und eS gab leider schon recht viele derartige Gelegenhe ten die Frage auf, warum man in Berlin sich nicht ent­schließen kann, einen stärkeren Druck auf Litauen auszuüben. Wenn man bedenkt, daß Deutschland m der litauischen Handelsstatistik sowohl im Im­port wie im Export an der Spitze aller Länder steht, so sollte es wirklich nicht schwer fallen, einem »freundschaftlichen Rat" auch den ttoLgcn Nach­druck zu verleihen.

DaS erscheint auch in einer anderen An­gelegenheit dringend «forderlich. Seit längerer Zett tobt ja In Memel etn außerordentlich be­dauerlicher Äampf um d i e Äirche, der dadurch entstanden ist, dah die Kownoer Re­gierung die evangelische Kirche des Me- melgebietes von ihrer Mutterkirche loszulöfen bemüht ist. Es würde zuweit führen, hier auf die Einzelheiten dieses Kampfes einzugehen, es sei lediglich die Tatsache ver­zeichnet, daß das Landesdirekwrium jetzt eine

Verordnung über d»ie Organisation der evange­lischen Landeskirche de« Memellandes erlassen hat. die praktisch die Spaltung der evange­lischen Kirche des Memel gebiete« bringt Deden die alte Kirche, die die vom Landesdirektorium ohne ihre Mitwirkung beschlossene Kirchenver­fassung nie anerkennen wird, tritt nun die neue, wenn man so sagen darf, litauisch-natio­nalistische Kirche, eine an Anhängern sehr kleine, aber vom Staat gestützte und mit allen M.tteln des Staate- unterhaltene Kirchenge- me.nschast Menn man sich vorstellt, zu welchen Meierungen eine solche Spaltung führen muh, man denke nur an den Kamps um die Kirchen- gebäubc, der entbrennen wird, so kann man sich nicht im unklaren darüber fein, dah daS Memel­gebiet wieder einmal sehr unruhigen Zeiten ent­gegengeht. 3m Aug.nbl ck ist diese Verordnung noch nicht in Kraft getreten, und es steht zu hoffen, dah bei den d.Msch-llau schen Verhand­lungen in Berlin Mittel und Mege gesunden werden, die eine solche Entwicklung verhüten.

Vie Darmstädter Schulungrwoche

Das Tachverftändigengutachten.

Am letzten DerhandlungStag sprach der Reichstagsabg. Dr Kuhlenkampf über Das Sachverständigengutachten und da« Abkommen von London". Das Sach­verständigengutachten bedeutet eine Umstellung der Sanierungspolitik zur Wirtschaftspolitik. Da« Sachverständi^engulachlen beruht auf dem Grund­gedanken. dah Mirtschaitsleistungen mit Gewalt­politik nicht zu verbessern sind. Dieser Grund­gedanke läßt sich durch folgende vier Grundsätze ausdrücken: a) Deutschland kann nur aus Heber- schüsfen zahlen, b) nur mit nicht zerrütteter Wäh­rung, c) Unterschied zwischen Auibringung und Uebcrttagung, d) Schiedsgericht bei Streitig­keiten. Wie man nach deutschem Recht dem Schuldner fein Existenzminimum nicht wegpfänden darf, so sagt das Gutachten: Ihr könnt nur zahlen aus eurem lleberschuh von Einnahmen über Ausgaben, d. h. bei intakter Zahlungsbilanz. Die Welt hat begriffen, dah der Währungs­verfall eines graften Landes die anderen mit­reiht. ES gibt keine abgeschlossene deutsche Wirt­schaft. Sie ist nur ein Stück der Weltwirtschaft. Die Kriegsentschädigungssumme ist aufzubringen durch Barzahlungen und Sachleistungen. Wäh­rend bisher die Deparationslommi fion entschied, entscheidet jetzt das Schiedsgericht. Es ist ein Irr­tum, zu glauben, Sachleistung bedeute weniger als Barzahlung. Die Sachleistungen sind insofern etwas günstiger, als sie Arbeitslosigkeit bei den Belieferten erzeugen können. Die Barleistungen gehen in den Transfer-Topf I Der Agent ent­scheidet, ob nach außen gezahlt werden kann ohne Währungsge ährdung! Jede Zahlung nach auften bedeutet die Nachfrage nach Devisen, d. h. eine Gefahr für die Mark. Die Summen aus dem Transfer-Topf müssen zunächst bei uns angelegt werden, und zwar bis zu 2 Milliarden kurzfristig bei der Reichsbank und, wenn diese nicht mehr annehmen kann, in Anleihen und Obligationen bis zum Höchstbetrag von 5 Milliarden. Das TranSfer-Komltee kann Beträge an Private ab­treten, aber nur zum Ankauf dauernder Anlagen. DaS Gutachten ist wahrscheinlich unerfüllbar. Voraussetzung zu seiner Durchführung ist ein ent­sprechender Ausfuhrüberschuh. Die heutige Leistung der Wirtschaft muh um 6,5 Milliarden verbessert werden, damit die Endbelastung zahl­bar ist, und das trotz Verlust wichtigster Ur­produktionsgebiete. Die Frage, ob man das Gut­achten ablehnen sollte oder nicht, ist mit Rein zu beantworten, wenn man das Gutachten als un­abänderliches Endergebnis ansieht. Betrachtet man es dagegen als den Anfang wirtschaftlicher

Dienstag, 5. gebrnar 1925

Betrachtungsweise, so muh man die Annahm« gutheihcn.

21« zweiter Redner sprach zu dem gleichen Thema ReichstagSabg Dr. Lejeune-Iung Er bespricht da« Sachverständigenguiachten, bat keine endgültige Lösung des Reparation-Problems darstellt, da« Bankgefetz, Sifrnbadngeletz, da- Induskriebelastungogefetz und die Bestimmungen der Londoner Konferenz über die verpfändeten Reichseinnahmen. ($r weist überall nach, inwie­weit durch diese Regelung die Souveränität de- Reiche- erhallen geblieben ist, und inwieweit sie insbesondere durch die Stellung der Kommlssion Einschränkung erfahren hat. DaS Sachverstän­digengutachten sucht allzusehr die banktechnische Seite de- Problem- zu lösen, beurteilt dagegen die Grundlage der deutschen Wirtschaft viel zu optimistisch. Wan darf trotz der Tatsache, daß in einem gewissen Umfang für die nächsten drei Jahre ein Moratorium gewährt worden ist, über die ungeheuere Schwere der Lasten und über ihre wahrscheinliche Unerfüllbarkeit nicht im Un­flaten bleiben. Für da« deutsche Voll erwächst hieraus die Verpflichtung, alle- zu tun, um eine endgültige Regelung der Reparation-srage her- beizuführen. Dorausfehung hierfür ist allerdings, dah das Reparation-Problem nicht forlgesetzt von der Politll her verwirrt wird.

Frau Clara M e n d e dankte in ihrem Schlußwort den Referenten und sprach die Hoff­nung aus, dah die kommende Tagung, die aller Voraussicht nach im Osten de- Reiches statt­finden wird, wieder einen Schritt vorwärts bedeute.

Die Verfolgung des Deutschtums im Auslande

Die Deutschenhetze in Jugoslawien hat in den letzten Wochen Formen angenommen, die zu allerschärf st en Protesten derReichs- regierung herausfordern müssen. Die schweren Mißhandlungen des Deutschenführers Dr. Kraft hat auch bereits zu einem demonstrativen Fern­bleiben des deutschen Gesandten von der Feier derHeiligen Sava", geführt, an der bad gesamte diplomatische Korps t.ilnahm.

Richt garrz so ungeheuerlich ist die Verfol­gung des Südtiroler Deutschtums durch die Italiener, die es besonders aus das deutsche Schulwesen abgese en haben und dieser Tage in rein deutschen Gemeinden eine Reihe von Schulen und Kinderspielstuben mit Gewalt schlossen, ein Verfahren, d.rs sich aller­dings nicht in Einklang bringen läßt mit den ständigen Klagen der italienischen Presse über die Behandlung der italienischen Minderheiten in Jugoslawien und Tunis.

In Polen liegen die Dinge, ebenso. Dort muffen auf« neue viele tausend Deutsche bad Land verlassen, weil sie für Deutschland optierten, von der Tschechoslowakei ganz zu schweigen, die den Kampf gegen das Deutsch­tum mit unverminderter Heftigkeit fortführt. Auch in Dänemark flackert die Hetze gegen die Schleswiger Deutschen von neuem auf, well sie nach tote vor ihre nationale Eigenart nicht ver­leugnen wollen.

Wohin man schaut auf der ganzen Linie ein mehr oder mirrder heftiger Feldzug gegen die Auslanddeulfchen mit Dem Ziel, sie vollständig auszurotten. Wir waren noch nie Freunde des Völkerbunde«, weil er noch nie etwas anderes als ein Werkzeug unferer ehemaligen Feinde ist, haben aber doch eine wenn auch nur geringe Hoffnung, daß eine ernste Mahnung der Reichsregierung ihn bewegen wird, sich auf feine Pflichten zu besinnen, und den nationalen Minderheiten also in erster Linie dem AuSlanddeutschtum, seinen Schuh angedeihen zu lassen.

Neue Ausgrabungen an der Cheopspyramide.

Ergebnisse von großer Bedeutung für die ägyptische Kunstgeschichte sind bei den neuesten Grabungen an der berühmten Pyramide de« Cheops erzielt worden. Die diesjährige Ar­beit bestand hauptsächlich darin, die riesigen Trümmermafsen fortzuschasfen, die das Kalkstein- funbament im Osten der Pyramide bedeckten, lieber 30 000 Tonnen wurden sortgeschafft, und diese Stätte, die von allen Touristen besucht wird, ist jetzt fast vollständig gesäubert. Der größere Teil der königlichen B grabnisstätten der vierten Dynastie um« Jahr 2900 v. Chr. ist da­mit freigelegt. Die Grundlagen der Pyramiden de« Cheop« und der .Königin und die Mastabas der Prinzen sind sichtbar geworden, und die Eingänge zu den verschiedenen Grabkammern sind auch dem ungeübten Auge erkennbar. Der obere Teil de« großartigen Weges, der zu der Grab- kammer de« Cheops führt, ist von allem Schutt befreit 3m Laufe dieser Arbeiten wurden merk­würdige Vertiefungen in dem Fel«werk beobach­tet Als diese Vertiefungen gesäubert waren, zeigten zeigten sie die Form von Booten, und e« ist jetzt festgestellt, haft In ihnen die höl­zernen Leichenboote der verstorbenen Kö­nige und Königinnen ihren Platz sanden, die mit Ihnen zusammen begraben wurden. In diesen Booten traten die Abgeschiedenen nach dem alt- ägyptischen Glauben die Reise am Himmel an, indem sie mit der Sonne von Osten nach Westen fuhren. Die Bootgrube der Lieblingskönigin des Cheop« ist vollständig freigelegt: der Boden war ganz In der Form eine« hölzernen Bootes auS- gehauen, und eine der Steinplatten, die das Holzbvot bedeckten, ist noch an Ort und Stelle.

Der weitaus wichtigste Fund aber, der bei diesen Räumung-arbeiten gemacht wurde, waren zwei kleine Gräber der 6. Dynastie, etwa aus dem Jahre 2600 v. Ehr., in denen

zwei Priester, Qa'ar und fein Sohn Iduw be­graben waren. Die beiden Gräber liegen etwa 3 Meter unter der Oberfläche des großen Wege«, und man betritt sie durch eine Treppenflucht, die noch sehr gut erhallen ist.

Das Grab Qaar« ist da« größere von beiden. Vor ihm befindet sich ein offener Hof mit der sitzenden Statue des Abgefchiedenen in einer Rische. Dann folgt eine Doppeltür, über Der sich eine Inschrift befindet, die die offiziellen Titel de« Beerdigten aufzählt:Oberwächter der Pyra­mide des Königs Pepi Vorsteher der Pyra­midenstadt des Cheops. Vorsteher der Pyra­midenstadt des Mycherinus. oberster Reiniaungs- f'riester der Pyramiden des Chephren und per- önllcher Sekretär des Königs." Der Herrscher, dem er diente, war wahrscheinlich Pepi II. Wan tritt dann in eine Halle, in der 5 Figuren stehen, von denen jede Qa'ar in einer feiner amtlichen Tätigkeiten darstellt. Reben diesen Sta­tuen steht eine kleine Figur seines Sohnes Iduw. Rechts davon ist der Opferraum mit der Grab­kammer dahinter, und Itnl« die seiner Frau, die mit ihm beerdigt wurde.

Das Grab Qa'ar« zeigt einen ganz neuert Typ, der durch seine Verbindung von Statuen mit Pfeilern und Relief« sehr eindrucksvoll wirkt, aber noch interessanter ist das Grab feine« Soh­nes, das. trotzdem Sand eingedrungen ist. wun­dervoll erhalten ist. Zwei kleine Obelisken stehen in dem Vorhofe zu jeder Seite der Einganspfvrte. lieber dieser ist eine vortrefflich erhaltene In­schrift. die Wünsche für das Schicksal des Dahin- geschiedenen im Jenseits enthält. »Möge er von seinem Ka gefolgt werden Möge er auf den schönen Wegen geleitet werden, auf denen die Heiligen wandern Möge von dem großen Gott empfangen werden", das find so einige dieser Wünsche. Die Dörübergehenden werden gebeten, stehen au bleiben und einen Segensspruch für den Abgeschiedenen herzusagen. Das Grab selbst ist eine ziemlich enge Kammer von

etwas über 3 Meter Länge und 1 Meter Breite. Beim Eintritt fällt der Blick zuerst auf 6 le­bensgroße Statuen, die an der linken Wand stehen: 5 davon stellen Iduw selbst dar, in den offiziellen Aemtern. in denen er feinem Vater folgte: die sechste ist ein Dildnrs seine« SohneS Qa'ar. der nach dem Großvater hieft. Bei allen diesen sehr schön gearbeiteten Figuren ist die Originalbemalung noch erhalten, wobei daS Rot des nackten Fleisches und das Schwarz deS Haares besonders schön hervor- tritt. Die Gürtel aus Knöpfen haben ein unge­wohntes Ornament. Ringsherum an den Wän­den sind Reliefs, von denen viele noch die ur­sprüngliche Bemalung zeigen. Auf der einen Seite sind Männer dargestellt, die sich mit Sport­übungen beschäftigen, bann tanzende Frauen, schachspielende Männer und Frauen, die Harfen und andere Instrumente spielen: auf der anderen Wand sind vier Szenen mit Männern und Frauen, die weinen, klagen und das Haar sich raufen eine in dieser Periode sehr seltene Dar­stellung.

Der bedeutsamste Fund aber ist die Stele in der Mitte der rechten Hand über dem Opfer­st ein. Diese sehr schön geschmückte Steinplatte, die wie das ganze Innere der beiden Gräber aus granitähnlich gefärbtem Kalkstein besteht, ist in ganz eigenartiger Weife an der Hälfte der Wand abgefchnllten: darunter ist der Felsen in Form einer rechteckigen Rifche auSgehöhlt. und in dieser Rifche ist der Oberkörper des Iduw in Lebens­größe auSgemeiftelt, wie wenn er aus dem da­hinter befindlichen Grabe herausragte, mit aus- geftredten Händen, die Handflächen nach oben gewendet, um die Gaben zu empfangen, die die Priester regelmäßig auf dem Opfersteine davor darbrachten. Diese Darstellung stimmt mit den Anschauungen deS ägyptischen Glaubens voll­kommen überein; sie zeigt den Toten mit dem Ausdruck der seligen Erwartung des ihm bar» gebrachten Opfers; aber sie ist in ihrer Form

ganz neuartig und weicht in überraschender Weis, von der sonst so streng feftgebaltencn Ueberlie, ferung der altägyptischen Kunst ab.

(Siebener Stadttheater.

Im weißen Röhl".

Lustspiel In 3 Akten von Blumenthal und Kadelburg.

Was sich da Sonntagrrachmittag im weißet» Rößl auf der Bühne unseres Stadttheater« ab­gespielt hat, muh mit derselben Herzlichkeit an­erkannt werden, mit der es vom Publllurn aus­genommen wurde.

Von entzückender Einfalt war der Privat- gelehrtL Walter Hinzelmann Karl D o l ck «. Man glaubte ihm denReifezauber", die Stimme de« Waldes und den Duft des Sekts. Klärchen (Rita Andre), war feine echte Tochter, ein naiv* schüchternes Philologentöchterlein mit schönen Au­gen und lustigem Plappermäulchen. Auch die Josepha. Wirtin zumWeißen Röhl" (Freya S t u r m s e l s) und ihr Zahllellner Leopold (Felix Rorsolk) waren echt. Wan mußte sie gern haben. Ein seltsames Konglomerat von gut­mütiger Dummheit, polternder Grobheit unb lau­niger Gemütlichkeit stellte Rudolf Goll al- gabrifant Giefecke vor, dessen Tochter Ottilie (Erlla Rohr) nicht mit Unrecht das Interests des Dr. Otto Siedler (Karl Juhnke) erregte. Als Gott der Herr den Arthur Sülzheimer schuf, muß et mancherlei vergessen haben, in und auf dem Kopf. So trat Julius Baste auf unb errang sich burch Einfalt unb Sektgenuß die Hand seines Klärchen. Max Hoffmann (Bettler) und Hart­mut Brand (Hochtourist) sollen als launig« Beigaben nicht vergessen werden.

Rudolf Golls Spielleitung erschien sauber, flott, launig, voll Temperament unb fanb bei allen Mitarbeitern freubigfte Unterstützung. Man applaudierte stark und verlieh in bester Stimmung das Haus. e--«.

kann vermieden werden. Die Vorläufer sind Jucken der Kopfhaut, Schinnen» und Schuppenbildung. Stellen diese sich ein, dann ist eL höchste Jett, gegen daS beginnende Hebet vorzugehen. Tägliche

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