Ausgabe 
3.2.1925
 
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lebtgung finden, die weder direkt noch indirekt auf die (Stimmen der Sozialdemokratie angewiesen ist.

Die Ruhrentschadigungen

Berlin, 2. Febr. (SU.) Gegen die Vor­würfe. die der Reichsregierung wegen der Aus­zahlung von über 600 Millionen Goldmark im Ruhrkampf und Micumentschä- digungen an die Schwerindustrie deS Ruhrgebietes gemacht wurden, wird von Regierunasseite eingewandt, daß nämlich die von der Industrie in Anrechnung gebrachten Schäden, die sich aus einer bis 28prozentigen Raturalabgabe der Produktion an die Micum ergeben, noch weit höher als die ihr ver­güteten Summen errechnet waren, daß aber außerdem ein großer Teil dieser Vergütungen bereits vor Jahresfrist von der Reichsregierung zunächst Im Kreditwege unter Zuhilfenahme von Post- und anderen DÄriebsgeldrrn der Industrie habe gestundet werden müssen, um Still­legung und völligen Zusammenbruch unter den Micumlasten zu verhindern, als die eigenen Kreditmöglichkeiten der Industrie im Auslände erschöpft waren, so daß es sich zunächst nur zu einem Teil um neuerliche Vorauszahlungen, bei dem Rest aber

um die Streichung von Schulden gehandelt habe, die die Industrie nur provisorisch im Vertrauen auf die Zusage des ersten Kabinetts der Großen Koalition übernommen habe.

Die Pauschalauszahlungen an die einzelnen Industrie-Verbände feien erfolgt, weil die er­heblich größeren Einzelforderungen so­zusagen im AUordwege auf die jetzt Mannt» geben en en Summen beträchtlich herabgesetzt wor­den seien, also gewissermaßen, um den Regie- runasorganen die pro rata-Verrechnung der Ent­schädigungen auf die Tausende von Einzelbe­trägen zu ersparen. Im übrigen aber handelt es sich natürlich um im einzelnen genau nach­geprüfte Forderungen der einzelnen Geschä­digten, welche den Abgeordneten zur Einsicht stünden.

Amtlich wird ferner folgendes festgestellt: Der Im Herbst 1923 gefaßte Entschluß der Reichs­regierung, die Wiederaufnahme der Ar­beit im besetzten Gebiet durch 3uftimmung zum Abschluß der Micumverträge zu ermöglichen, war der Ausfluß des politischen Willens, den Weg der sogenannten Versackungspolitik ge- genüber dem besetzten Gebiet unter keinen Hm ständen zu beschreiten. Diele Kritiker schei­nen heute feine Vorstellung mehr davon zu haben, wie es im Herbst 1923 nach der Beendi­gung des passiven Widerstandes im besetzten Gebiet ausgesehen hat soweit b;e Besatzungs­mächte die Wiederaufnahme der Arbeit tatsäch­lich verhinderten.

Die notwendige Voraussetzung für den Abschluß der Micumverträge war die Zusicherung der Reichsregierung, nach erfolgter Ordnung der Relchsfmanzen für die unter dem Mi-mm-Shstem von der Industrie geleisteten Vorschüsse auf Re­parationslieferungen des Reich- Ersatz zu leisten. Rur so konnte allmählich Abhilfe geschaffen unb die äußerste Rot von der Bevölkerung a b -- gewandt werden. Die loyale Einlösung dieser damals übernommenen Verpflichtung deckt sich mit der bei der Reichsregierung und der Volks- gesamtheit in gleicher Weise herrschenden Heber» zeugung, dah die besetzten Gebiete nicht zu einer Reparationsprovinz für bas Reich werden dür­fen. Heber alles einzelne, insbesondere über die Höhe der Zahlungen, wird eine Denkschrift eingehende Auskunft geben.

vefahrdung der Postkredite.

> Berlin. 2. Febr. (SH.) Die ..Vossische Zeitung" meldet: Gegen die AltgemeineGa- L"a n ti eb an k- A. -G., Linkstraße 17, die in enger Verbindung mit dem Dersicherungskonzern Deutscher Lloyd steht, werden von privater Seite schwere Anschuldigungen vvraebracht. Diese Anschuldigungen, die auf Ä r cb 11 bet rüg in Höhe von etwa 1 Million Mark lauten, dürften bereits die Staatsanwaltschaft beschäfti­gen. Heber die geschäftliche Lage der Allgemeinen Garantiebank hörte man in der letzten Zeit man­ches Hngünftige. Vor allen Dingen hörte man mit Befr-nnden, daß sich namfctite Rückversiche- rungsgesellschaften. bei der die Garanti->bank b;e Dost- und Stnatsbankkredite an dm Barmai- ko n z e r n rückversichert hatte, sich von der Ga­rantiebank zurückgezogen haben. Die Folge ist, daß die bestehenden Kredite auf das Schwerste gefährdet sind. Selbst wenn sich in ehvger Zeit eine Lösung findet, dürfte an eine Rückzah­lung der Kredite durch die Garantiebank, die lediglich den Spitzenkonzern der Ruckversiche­rungsgesellschaften bildet, zunächst nicht zu denken fein.

Dunkle Gestufte in der Reichsmono^olverrvaltun^.

Berlin, 2. Febr. (Wolfs.) Wie wir hören, tft der Präsident der R e i ch s m o n o p o l Ver­waltung für Branntwein, Geheimrat Stein­kopf, von seinem Posten zurückgetreten. Als offizieller Grund wird seine Krankheit an­gegeben. Heber feinen Rachfolger ist noch nichts bekannt.

Im Zusammenhang damit verlautet, daß der Kaufmann Martin Eohen, der in der Reichsmonopolverwaltung fast tägsich aus- und einging und der sowohl auf Eigene Rechnung Geschäfte mit Branntwein machte, als auch durch seine Verbindungen mit der Reichsmonvpolver- waltung Einfuhrerlaubnisse und andere Papiere für sonstige Interessenten vermittelte, am Sams­tag verhaftet werden sollte. Es hatte sich eine Gemeinschaft der durch Cohen geschädigten Gläubiger und Geschäftsleute gebildet, die schon feit langem ein Strafverfahren gegen ihn beantragt hatten. Bon der Staatsanwaltschaft waren bereits zahlreiche Ermittelungen vorge- noimnen worden. Als die Beamten am Sams­tag in Cohens Wohnung erschienen, hatte dieser Gift genommen. Er mußte in schwerkrankem Zustand nach dem Krankenhaus gebracht werden. -Unter seinem Kopfkissen fand man eine geladene Pistole.

Aus dem Hessischen Landtag.

Darmstadt, 2. Febr. (Eig. Ber.) Ver­schiedene Zentrumsabgeordnete fragen Anträge eingebracht. So soll die Erteilung der Erlaub­nis zu Tanz - und Fastnachtsvergnü- gen erheblich eingeschränkt werden, ferner wird eine schärfere Handhabung des Filmprü- kungLMesenS, sowie eine Prüfung der aus

Der türkisch-griechische Konflikt.

Die Ausweisung des Patriarchen. Vermittlungsaktion der Mächte.

3m neuen Europa ist es nicht weiter ver­wunderlich. wenn über Rächt bald hier, bald dort Konflikte ausbrechen, in deren Verlauf hef­tig mit dem Säbel geraffelt und von ^unver­meidlichem" Krieg gesprochen wird. So hat d i e Ausweisung des griechischen Patri­archen aus Konstantinopel, zu der die Türkei auf Grund des griechisch-türkischen Frre- densvertrages berechtigt war, die Gemüter in Athen auf das heftigste erregt, die Presse schreit, Demonstrationen werden inszeniert unb der Kriegsminister muß dem Ministerpräsidenten über eventuelle militärische Maßnah­men Bericht erstatten. Run, ganz so schlimm wird es nicht kommen, dafür sorgen einmal die innerpolitischen Verhältnisse Griechen­lands, bann aber noch die allzu frische Er­innerung an die gewaltigen Riederlagen, die sich das griechische Heer in Kleinasien geholt hat. Schließlich werden auch England unb Frankreich ihr Möglichstes tun, um wieder Frieden zu stiften.

Die Kabinette in Paris unb London betäti­gen sich auch In dieser Richtung schon sehr eifrig, sie haben auch allen Grund, ist eS doch sehr leicht möglich, dah aus einem griechisch-turki- schen Waffengang allerlei unang-enehme Heber» raschungen für die jungen kleinasiatischen Be­sitzungen Englands und Frankreichs entstehen. Mag man jetzt in Athen und vielleicht auch in Angora viel von neuen Mutigen Auseinander­setzungen sprechen, die Väter des neuen Europa werden beizeiten ein greifen, damit nicht das in Vers ailles geschaffene Gebäude durch Aus­dehnung eines auf flackernden Balkanbran­des ebenfalls über Rächt et n Raub der Flammen wird.

Die Haltung der Mächte.

Der türkische und der griechische Botschafter bei Herriot.

Paris, 3. Febr. (TH.) Herriot hat gestern nacheinander den türkischen und griechi­schen Botschafter empfangen und mit den beiden Diplomaten über den griechisch-tür­kischen Streitfall gesprochen. Am Quai d'Orsay wird erklärt, daß die französische Regierung eine Versöhnung zwischen beiden Mächten an- strebt und der(Mai? glaubt zu wissen, daß Herriot dem türkischen Botschafter zuredete, Schritte bei seiner Regierung zu unternehmen, um sie zur Anrufung des Haager Schiedsgerichtes zu veranlassen.

Zwischen England, Frankreich und Italien finb bereits diplomatische Bechrechun-

gen über ein gemeinsames Verhalten im grie­chisch-türkischen Konflikt im Gange. Die drei Mächte werden voraussichtlich einen Schritt bet der türkischen Regierung unternehmen, um die grundsätzliche Zusage zu erlangen, daß hohe grie­chische Geistliche aus der Türket nid) t aus ge­wiesen werden.

Die Türkei will das Patriarchat abschaffen?

London, 3. Febr. (T. H.) Rach einerE?- change"°Meldung aus Athen hatte der griechische Gesandte in Angora gestern eine einftündige Be­sprechung mit dem türkischen Minister des Aeußern. Die Türkei stellt sich auf den Stand­punkt, daß die Ausweisung des Patriarchen a u f Grund einer früheren Entscheidung der Bevölkerungskommission erfolgt fei. Der Vor­sitzende der gemischten Kommission für den Völker­austausch hat erfiärt, dah die Kommission im Rahmen ihrer Befugnisse gehandelt habe, und daß sie beim Studium dieser Frage feftgeftertt habe, daß die türkische Auffassung die richtige wäre, daß der Lausanner Vertrag weder einen Vorbehalt noch eine Bestimmung enthalte, nach der gewisse Persönlichkeiten infolge ihres Ranges vom Austausch befreit sein wür­ben. Eine Reutermelbung aus Athen sagt, dah die Türkei außer dem Patriarchen noch 3 4 Bi -- schofe und Priester ausweifen wolle. Man erblickt in dieser Ausweisung einen Beweis für die Absicht der türkischen Regierung, das Patriarchat überhaupt abzuschaffen, um die Griechen in Konstantinopel zur Auswande­rung zu veranlassen. Es handelt sich um ins­gesamt 200 000 Griechen.

Griechenland fordert die Unter­stützung der Balkanstaaten.

Belgrad, 3. Febr. (TH.) Der griechische Gesandte in Belgrad. Zanat os, forderte gestern im Ramon dec griechischen Regierung die süd­slawische Regierung auf, sich mit dem Schritt der griechischen Regierung in der Frage der Ausweisung des griechischen Patriarchen aus Konstantinopel solidarisch zu er Taren. Aus politischen Kreisen erfährt man, daß dis süd­slawische Regierung beim Völkerbund eine Erklärung aögeben werde, wonach sie sich mit der griechischen Regierung in der Frage der Ausweisung des gnechischen Patriarchen aus Konstantinopel solidarisch er tirt. Dec griechische Gesandte in Bukarest hat den Auftrag er­halten, einen analogen Schritt bei der rumä­nischen Regierung zu unternehmen.

dem Ausland eingeführten Filme gefordert. Ein anderer Antrag fordert die Aufwertung der Sozialrenten: dem Handwerk sollen langfristige Kredite zu billigem Zinsfuß zur Verfügung gestellt werden. Die Erwerbs- lofenunterftühuna soll der Kaufkraft der Mark angeglichen werden; bei der Veran­lagung zur staatlichen Grundsteuer sowie zur Gemeindesteuer soll die Bewertung von Grund und Boden nach denselben Richtsätzen erfolgen, wie bei der Reichsvermögenssteuer. Ferner wird eine wirksame Bekämpfung des Scheid.'katar Hs beim Rindvieh verlangt. Schließ­lich wird noch Ermäßigung der Zuschläge für rückstäirdige hessische Ge.ä.le und für rückständige Reichssteuern gefordert.

Die Gefangennahme Naysutts.

London, 3. Febr. (T. H.) Abdel Krim hat Raysuli gefangen genommen. Die Gefangennahme Hot in ganz Marokko größte Sensation hervor­gerufen. Spanien hat seinerseits viele Soldaten und Millionen Pesetas in dem Kampf gegen Dahsulis geopfert und ihm schließlich doch die Macht belassen müssen, während die Riffleute unter Abdul Krim Taz^urot in drei Tagen ge­nommen und Raysuli gefangen genommen haben. Man erwartet infolgedessen die Anerkennung seiner Führerschaft durch die Stämme der Dje- balas. Die Schwierigkeiten Spaniens in Marokko werden damit zunehmen, da Raysuli die einzige Stühe Spaniens zur Durchfüh­rung der Politik des Generals Primo de Ri­vera war.

Kleine polititchc Nachrichten.

Reichswirtschaftsminister a. D. Hamm wurde in der Dorstandssitzung des Deutschen Industrie- und Handelstages vom Dorsi erden Franz von Mendelsrhn als erstes geschäftsführendes Prä­sidialmitglied eingeführt.

Der russische Gesandte in Wien, 3of fe, der erst vor wenigen Wochen feine Stelle angetreten hat und dessen Entsendung im Rationalrat wie­derholt zu Interpellationen Anlaß gegeben Bat. ist von seiner Regierung abberufen worden. Joffe geht als russischer Gesandter nach Tokio. Zu seinem Rachfolger soll der Präsident der Russischen EJportgesellschaft, Lauser, ernannt werden.

Lord Dlanesburgh ist als Rachfolger Dradburys zum 1. britischen Delegier- t en bei der Reparationskommiss ion ernannt worden. Von nun an wird die An­wesenheit der Hauptdelegierten in Paris nur noch zeitweilig notwendig sein.

Aus aller Welt.

Flugzeugabsturz.

Rach einem Höhenrekordflug verunglückte auf Bern Flugplatz von Travemünde ein Land- flugzeug der C a s v a r - Werke, nachdem es den bisherigen Wel t h ö h enreko r d für derartige Flugzeuge um ein Bedeutendes überboten hatte. Kurz vor der Landung st ü r z t e der Appa­rat aus der geringen Höhe von 50 bis 60 Meter aus noch nicht geklärten Gründen auf den Flug­platz ab. Der Pilot Münnich aus Hamburg und der Beobacht« ©tiegert aus Hamburg sind tot

Bahnstrecke HassumWesel unter deutscher Verwaltung?

Köln, 3. Febr. (TH.) Rach Bern gegen­wärtigen Stand der Verhandlungen zwischen der Reichsbahn und bet holländischen Verwaltung der Bahnstrecke HassumWesel wird

die Strecke wahrscheinlich bald in deutsche Verwaltung über gehen. Das holländische Personal wurde schon am 1. Februar durch deutsches Personal abgelöst.

Ein deutscher Dampfer untergegangen?

Rach einer Radiomeldung aus Reykjavik (Is­land) ist der deutsche DampferBayern" samt Besatzung am 7. Januar an der islän­dischen Küste untergegangen.

40 Grad Stätte Im Kaukasus.

Aus Transkaukasien wird gemeldet, daß dort seit Anfang Januar eine Kalte von 37 bis 40 Grad herrscht. Zahlreiche Menschen und Tiere sind erfroren. Eine derartig niedrige Temperatur ist im Kaukasus seit mehr als hun­dert Jahren nicht vorgekommen.

Die Kälte in Amerika.

Anfolge der großen Kälte ist, der Hafen von Reuyork zugefroren.

Aus Stahl unb Land.

Gießen, den 3. Febr. 1925.

Feier bei der 8. Kompagnie unseres Regiments.

Auch die 1. Kompagnie unserer Garnison hat nun ihr Kompaanie-Fest gefeiert; fte beging es am Freitagabend im festlich geschmückten Saale derLiebigshöhe", und es fei vorweg gesagt, daß auch diese Feier einen ausgezeichneten Ver­laus nahm. Der überaus gute Besuch war wieder ein Beweis für die innigen Bande guten Ein­vernehmens. die Trupve unb Bürgerschaft ver­knüpfen. Die schöne Feier wurde durch einige flotte musikalische Darbietungen der R^giments- kapelle eingeleitet. Dann hielt der Komvagnie- führer. Oberleutnant Hofmann, eine Ansprache, in der er die zahlreich erschienenen Gäste und die Kompagnie, sowie die Vertreter der Leib­garde-Vereine Darmstadt und Gießen und des Kavallerie-Vereins begrüßte. In kernigen Dor­ten wies der Redner in ferner Ansprache darauf hin, dah es heiligste Pflicht jede- guten Deut­schen sei, zu seinem Teile dazu beantragen, Deutschland aus Schmach und Elend herauszu­führen, damit wieder ein mächtiges und ge­achtetes Deutsches Reich erstehe. Mit einem Hoch auf das Vaterland, in das alle begeistert ein» stimmten, schloß Oberleutnant Hofmann seine An­sprache, die von dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes gefolgt war. Oberstleutnant Deyhle gab hierauf bekannt, daß es dem Re­gimentskommandeur Oberst Fett zu feinem Be­bauern wegen Arbeitsüberhäufung, die durch Kranksein verursacht wurde, nicht möglich sei, persönlich an der Feier teilzunehmen. Es folgte bann die Abwicklung des außerordentlich reich­haltigen und gut zusammengestellten Programms. Hier sind besonders die schneidigen turnerischen Vorführungen am Darren zu erwähnen, die recht beifällig aufgenommen wurden. Der schönste Punkt des Programms war zweifellos das le­bende BildftribertcuS Rex", das ganz vorzüg­lich gelang, bei allen tiefsten Eindruck hinter­lieh und den Darstellern unb der Kapelle lang» anhaltende Beifallsstürme einbrachte. Auch die übrigen Darbietungen, so ein nettes Theater­stück, eine komische Kapelle, Couplets usw. fanden allgemein Anklang und ernteten reichen Beifall. Erwähnt sei noch, dah auch ein Preisschiehen nicht fehlte; die guten Schützen Ratten Gelegen­heit, wertvolle Preise zu erringen. Bei flotter Tanzmusik ber Regimentskapelle kamen schließlich die Tanzlustigen auf ihre Rechnung, und es war schon ziemlich »früh", als man sich trennte in dem Dewuhtfein, recht schöne Stunden verlebt zu haben, an die man noch lange gern zurück­denken wird.

Glekeuer ^rsoche^-^-rrrrvretse

am 3. Februar (Händlerpreise).

Es kosteten auf dem hiesigen W^chenmarkl: Butter 190, Matte 40, Käse 65, Wirsing 15, Weißkraut 15, Rotkraut 20. gelbe Rüben 10, rote Rüben 15. Spinat 50, Hnter-Kohlrabi 8, Grün­kohl 25, Rosenkohl 60. Feldsalat 100, Endivien 100. Zwiebeln 15, Meerrettich 40 bis 80. Schwarz­wurzen 70, Kartoffeln 5, Aepsel 15 bu8 20. Birnen 10. Honig 40 Pf. das Pfund, Sier 15 bis 16. Blumenkohl 120 bis 200. Lauch 5 bis 20 Sellerie 20 bis 70 Pf. das Stück.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag Stadltheater. 71/2 HhrDie luftigen Weiber von Windsor". Eisenbahner-Brennstoff-Der' forgung: 51/2 Hhr Saalbau Sauer Mitglieder- Versammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. Die Ribelungen".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Da bei ber letzten Auf­führung desZigeunerbaron" eine g öße Anzahl von Platzbestellungen nicht mehr berück­sichtigt werden konnten und noch fortdauernd Rachfrage nach dieser Operette besteht, hat die Direktion beschlossen, noch eine weitereZigeuner- baron"-Aussührung außer Abonnement zu ver­anstalten. Das genaue Datum jedenfalls in der 2. Februar Hälfte steht noch" nicht fest. Es sei ausdrücklich darauf hingewiefen, dah am morgigen Mittwoch keine Abonnementsvorstel­lung stattfindet.

Wettervoraussoqe.

Wechselnd bewölkt, wenig veränderte Tempe­raturen ohne stärkere Riederschläge.

Während gestern tagsüber fast völliges Aus- klaren eintrat, war der Abendhimmel wieder be­deckt, so daß stärkere Wärmeausstrahlung und Auftreten von Frost verhindert wurde. Der gestern im Rordmeer liegende Tiefdruckwirbel hat in Skandinavien an Raum gewonnen, während sein Einfluß auf unser Gebiet gering ist. Der hohe Druck über Frankreich und Aordwestdeutsch» land hat sich gehalten, jedoch ist er von weiteren Störungen bedroht.

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** Der Senior deS hessischen Richterstandes. Landgerichtsdirektor i. R. Theodor Schulz, ist im Alter von 99 Jahren in Darmstadt gestorben. Gr war früher Amts­richter in Gernsheim und zuletzt Direktor am Landgericht in Darmstadt.

* Bezirkss parkasseren dank Ehr. Haas f. Heute nachmittag wird auf dem Reuen Friedhof ein geschätzter Mitbürger unserer Stadt, der Rendant der hiesigen Dezirksspariafse Ehri- st:an H a a s zur letzten Ruhe bestattet. Ehr. Haas, in Lich geboren, trat im April 1883 als Gehilfe bei dem Institut ein, rückte später zum Buch­halter auf und war feit Ende September 1906 als Kontrolleur und Vorstandsmitglied der Bezirks sparkaffe tätig. Im März 1923 wurde er nach Sem Tode des Rendanten Eisenhauer zum Rech­ner ernannt, im April 1923 erhielt er bei feinem vierzigjährigen Dienstjubiläum die Amtsbezeich­nung Rendant. Der Verewigte, dessen Amts­führung die vollste Zufriedenheit der Organe ber Sparkasse, insbesondere des Aufsichtsrates gefüllten hatte, zeichnete sich durch zuvorkom­mendes Wesen aus, das ihm einen großen Freun­deskreis unb eine Anzahl Ehrenämter brachte H. a. gehörte et eine Reihe von Jahren dem Kirchenvorstand ber Lukas-Gemeinde an, später und bis zu seinem Tode war er Mitglied ber Kirchengemeinde-Vertretung. Jahrelang war er Rechner des Bauoereins des Evang. Arbeiter­vereins, der Elisabeth-Kleinkinderichule, des Gießener ZweigvereinS des Evang. Bundes und noch zahlreicher anderer Vereine unserer Stadt. Er offenbarte den bedrängten Mitbürgern gegen­über stets ein warmherziges, soziales Empfin­den, das manche Rot lindern half, das ihn auch veranlaßte, den Maßnahmen zur Linderung bei Wohnungsnot fein regstes Interefse zuzuwen- den. Seine Verdienste auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens unserer Stadt sichern ihm ein ehrendes Gedenken.

0 Staatliche Fürsorge für ent­lassene Strafgefangene. Wie wir Horen, beabsichtigt der hessische Schutzverein für ent^ lassens Gefangene, das Bendersche Hofgut in Griedel bei Butzbach für den Staat zum Zweck der Errichtung einer Arbeitsbetriebsstätte" für arbeitslose entlassene ®e;angene zu erwerben.

b. Drennholz-Dersteigerung ber Stadt Gießen. Bei der geitrigen Brennholz- Versteigerung im Gießener Stadtwald wurden folgende Durchschnittspreife gezahlt: Buchen- scheiter 14 Mk., Eichenscheiter 950 Mk., Ducken- knüppel 10,50 Mk., Eichenknüvpel 7L0 Mk., Buchenstöcke 7.50 Mk.. Eichenstöcke 6 Mk. proRm., Buchenreisig ICO Wellen 25 Mk.. Eichenreisig

, Wegen Geisteskrankheit ent­mündigter Mörder. Der frühere Schuh­machergeselle Wilhelm Reif aus Rieder-- spay, ber am 24. Dezember 1908 im Gießener Stadtwald einen Knaben ermordete, deshalb zum Tode verurteilt und- später zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt wurde, darauf entweder im Zuchthaus ober in der Irrenanstalt unteraebracht war, ist nunmehr wegen Geisteskrankheit ent­mündigt worden. Er neigte stets zu Sitllichkeits- delikten und war ein äußerst gemeingefährlicher Mensch Er wird nunmehr voraussichtlich dauernd dahier im _ Festen HauS" verbleiben.

" Erhöhung der ErwerbSlosen- fürsvrgesätze mit Wirkung vom 9. Februar. WTB meldet: Durch Verordnung vom 30. Januar 1925 finb die Höchstsätze für die Er wer bslosensü rs orge mit Wirkung vom 9. Febr. 1925 hsraufgeseyt. Die Erhöhung beträgt für die männlichen Erwerbslosen etwa 17 Proz. unb für die Familienzuschläge etwa 25 Droz, der bis­herigen Sähe. Wesentlich starker sind die Hnter- stühungen für Frauen heraufgesetzt worden. Diese sind nunmehr, einem Beschlüsse des Reichstages zufolge, den Männern in Bezug auf die Höchst­sätze völlig gleichgestellt.

** Ausdehnung des steuerlichen Rotstandsgebiets. DaS Hess fHe Landes' stnanzamt hat, wie die Landwirtschoftskanimer mitteilt, die Finanzämter angewiesen, in bein jenigen Gemeinden, die Antrag auf nachträg­liche Einbeziehung in das Rotstandsgeblet ge­stellt haben, vis zur Entscheidung dieser Frage von ber Beitreibung ber im Rotgebiet bereits gestundeten Steuern Abstand zu nehmen. Wann Oie Entscheidung fällt, steht noch nicht fest.

DieLandwirtschaftskammer be­antragt Erhöhung des Rotstands- kredits. Die Landwirtschaftskammer teilt mit, dah sie in einer neuen Eingabe an das zuständige Ministerium eine Erhöhung des Rotstandskredits, insbesondere für die Beschaffung von Saatgut, beantragt habe, da angenommen werden müsse,