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3.2.1925
 
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Ur. 28 Erster Blatt

(15. Zayrgang

Dienstag, 5. Zedruar 1925

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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England und die Sicherheit Frankreichs.

Die liberale Presse in Snqlanb hat die richtige Feststellung gemacht, dah Deutschland der Sicherung gegen einen fran-ösi» schen Angriff bedürftiger sei alS Frankreich der Sicherung g-gen einen beut» schen Angriff. Man tut Herrn Chamber­lain gewiß kein Unrecht, wenn man seine Worte aut Sicherungsfrage anders auSlegt. als sie klingen. Die französische Rechtspresse hat dem Außenminister deS befreundeten Dolles leb­haft zugestimmt. Die« Ergebnis war zweifellos non Herrn Chamberlain vorherqefehen und ge­wollt. Der britische Außenminister des ersten Kabinetts Baldwin. Lord Curzon, hat vor anderthalb Jahren so etwa« wie eine politische Offensive gegen Frankreich eröffnet. Inzwischen scheint die konservative Partei in England zu der Heberzeugung gelangt zu sein, daß Frank­reich auS feiner Machtstellung in Mitteleuropa und besonders am Rhein nicht vertrieben, son­dern nur hinauSmanöveriert werden kann. Chamberlain hat sich davon überzeugt, daß Frankreich die termingemäße Zurückziehung der britischen Truppen aus dem Kölner Abschnitt mit einer Eingliederung dieses Gebietes in die französische Defayungszone beantworten könnte. England hat es gemacht wre der bekannte Hund in der Fabel, der lieber die Wurst selbst. die sonst einem seiner Kame­raden zum Opfer gefallen wäre.

In der Chamoerlainschen Rede verdient der Hinweis Beachtung, daß die Alliierten zur Er­füllung ihrer Bertragspflichten fest entschlossen seien. Gr hat dann hinzugefüqt. daß die aus Köln zurückzuziehenden britischen Truppen in einen genau vorauszubestimmenden Bezirk überführt werden müßten. Das kann nur bedeuten, daß England bei Räumung des Kölner Abschnittes für sich eine neue Zone in dem bisherigen franzöfisch-belgtschen Desatzungsgebiet lbeanspruchen werde. ES ist sicher kein Zufall, daß um die Wende Januar/Februar der Ober- sommandierende der britischen Truppen in Köln in London geweilt hat. Obwohl Chamberlain vor einer LIeberschähung der Reise de« briti- ichen Befehlshabers warnt, ttHrb man doch nicht in der Annahme fehl gehen, daß der General Ratschläge erteil! hat, welchen Teil der be­setzten Rheinlande die britischen Truppen künf­tig einnehmen Konten. Man hat in Frankreich vielleicht nicht unabsichtlich die Bedeutung dieser Chamberlainfchen Worte nicht wahr ha­ben wollen. Zn Wirklichkeit kündete Chamberlain an, daß England nicht eher aus den besetzten Rheinlanden abzuziehen gedenke, als bis auch die Franzosen und Belgier ihren letzten Mann über die Grenze zurückgezogen hätten.

GS ist nicht ganz leicht, zu erkennen, warum Chamberlain zum Thema seiner Festrede vor den Birminghamer Juwelieren neben der Sicher- heitS- und Friedensfrage auu5 das ägyp­tische Problem gewählt hat. Der britische Außenminister hat den Goldschmieden zu Dir- minghmn schwerlich politische Tips zur Aus­schlachtung der jüngst in den Königsgräbern gefundenen Reichtümer geben wollen. Die Fest­rede war vielmehr ein Dorwand für eine hoch­politische Rede, in der allerdings gerade die Derknüpfung zwischen Sicherungsfr^ge und ägyptischem Problem recht vielsagend ist.

Man kann Aegypten als den zur Zeit wun­desten Punkt des britischen Weltreiches betrach­ten. Die Machtstellung Großbritanniens in Afrika und Asien wird durch eine Fülle verschiedener Faktoren bedroht, hinter denen sich unschwer französische Machenschaften erkennen lassen. Chamberlain hielt es für angebracht, die Trümpfe, über die Großbritannien am Rhein verfügt, zu ordnen und vorzuzeigen, um damit einen Druck auf die französische Mit- telmeer-Politik auszuüben. So Frank­reich-freundlich auch die Rede Chamberlains Rin­gen mag so deutlich gibt sie doch zu verstehen, daß der neue britische Außenminister nicht ge­willt ist, die bisherige Politik unverbindlicher a Conto-Zahlungen fvrtzusetzen und im übrigen sich auf die spätere Erkenntlichkeit des franzö­sischen Freundes zu verlassen.

Chamberlain hat es hierbei für unbeben kllch gehalten, dem Reichskanzler Dr. Luther, des­sen Rede vor den ausländischen 3oumauftcro fast überall in der Welt berechtigte Beachtung undBilligung gefunden hat, einen öeitenbicb zu erteilen. Wir kennen ja zur Genüge die po­litische Praxis der Derbandsstaatsmanner. sich gegenseitig durch Anrempelungen Deutschlands Reverenzen zu machen. Das Kabinett Baldwin scheint bereit zu fein, in der bisherigen Streit­frage, ob zuerst die Sicherung oder aber die Abrüstung erfolgen solle, den bisherigen Standpunkt der britischen Regierung aufzugeben. Wenn Chamberlain seinen Worten vom 31. Ja­nuar die Tat folgen laßt. mu<ß er bei der näch­sten Tagung des Dölkerbundsrates oder aber anläßlich einer anderen Zusammenkunft mit seinen Kollegen von der Entente formulierte Vor­schläge wegen der Sicherung Frankreichs und Belgiens vor einem deutschen Angriff machen. An der Garantie der heurigen französischen und belgischen Grenzen würden die britischen Do­minions, die bekanntlich an die Abrüstungs- frage nicht recht heran wollen, gar nicht oder doch nur platonisch teilnehmen. Msher hat man nichts darüber gehört, wie sich Chamberlain zu lern französischen Wunsche stellt, daß auch Frankreichs westslavische Derbündete in erster Linie Polen in den SicherungS- pakt cingeschloffen werden sollen. Wir werden

für die nächsten Monate hinter den Kulissen einen lebhaften französisch-englischen Kampf um die Machtstellung in Kontinental-Europa und an den Küsten des MittelmeereS zu erwarten haben.

Chamberlains Kritik unangebracht.

Berlin, 3. Febr. (TH.) DaS Blatt deS Außenministers, die .Zeit", schreibt zu der Rede Chamberlains: Der englische Außenminister hat in seiner Rede auch die Antwort des Reichskanzlers Luther aus die Rede Herriots in den KoeiS seiner Betrachtungen ge­zogen. Es muß einigermaßen befremden, daß der englische Außenminister bei der Beurteilung der Kanzlerrede deren Ton und Charakter mit einer schlechten Zensur bedenkt. Wir halten es keineswegs für eine glückliche Leistung deS bri­tischen Außenministers, daß er eine Rede, die sicherlich In allen Einzelheiten sorg­fältig d u r chd ach t war, wie die des Kanz­lers, so von oben herab beurteilt, daß er sich den Anschein gibt, als müsse er es ablehnen, auf eine in dieser Art geführte Entgegnung einzugehen. Wlll man cs nicht lieber dem Reichs­kanzler und den deutschen Ministern selbst über­lassen, den Ton zu bestimmen, in dem sie es für

Paris, 3. Febr. (TH.) 3n der Kammer begann gestern nachmittag die Aussprache über den Äreolt für den Unterhalt der französischen Vertretung am Vatikan. Die Opposi­tion brachte einen Antrag auf Heberweisung der Frage an die Finanz komm! ssivn ein, dessen Ab­lehnung die Aushebung der Botschaft am Vatikan bedeuten würde. Herri o t bat an- MeFünbigt, daß er die Vertrauensfrage stellen werde. Voraussichtlich wird eS erst am späten Abend zur Abstimmung kommen. Mög­licherweise wird eine R a ch t s i tz u n g stattfinden, (da die Opposition die Entscheidung hinauSzu- schieben versuchen wird in der Hoffnung, daß ein Teil der MehrbeitSparteien auS Hebermüdung die Sitzung vor der Entscheidung verlaßt.

Dem Historiker M a g 1 i n e, der die Auf­fassung der Opposition wiedergab, wurden lang­anhaltende Kundgebungen dargebracht. Er versuchte nachzuweisen, daß die Vertretung am Vatikan auch praktischen Wert habe. Herriot: Unsere Botschaft tonnte aber nicht verhindern, daß der Vatikan mit Deutschland das Septennat abschloh. M a g l i n e: Wenn das Septennat unter dem Druck des Vatikans ab­geschlossen wurde, so geschah eS. weil der deutsche Botschafter in Rom einflußreich genug war, um Leo XIII. zu seiner Auffassung zu bekehren. Sie begehen einen Fehler, so fuhr er fort, wenn Sie zwischen dem Vatikan und Frankreich eine Mauer errichten wollen. Diese Mauer wird eines Tages zum zweitenmal niedergerissen werden.

Der Staatsmann He rriot wird, wenn er die Beziehungen zum Vatikan abbricht, von der Rachwelt scharf verurteilt werden. Abg. P o u e t erklärte, daß Frankreich sich im Saar- ?lebtet und in Deutschland nur durch Vermin­ung de« päpstlichen Runtius Gehör verschaffen könne. Vergessen Sie aber nicht, dah ein Führer der deutschen Katholiken ermordet wurde, well er im Verdacht stand, sich Frankreich zu sehr genähert zu haben uno dah die Frage der Vereinigung DeutschösterreichS mit

Deutschland in Rom entschieden

werden wird. Ein Abgeordneter verliest eine Mitteilung aus Rom, dah die Aufhebung der Vertretung grohe Erregung in Rom ver­ursache. Der Bruch mit dem Papst, heißt es in der Mitteilung, lasse den Verdacht auffom- men, dah Frankreich sich eines unparteiischen und gerechten Schiedsrichters zu enlledigen wünsch.

Der frühere Ministerpräsident Lehgues zählte in seiner Kammerrede die Gründe auf, aus denen Frankreich am Vatikan vertreten fein müsse. Er wies auf das Hebergewicht und die Be­ziehungen des Zentrums in Deutschland zum päpstlichen Stuhl hin. Frankreich müsse über die Vorgänge beim Vatikan auf dem Lau­fenden bleiben und seine Vertretung aufrecht erhallen, weil der päpstliche Stuhl alle Revo­lutionen ohne Erschütterung über­standen habe. Der Abbruch der Beziehungen zum Vatikan würde die schlimmsten Folgen nach sich ziehen unb der Aussöhnung der Völker einen schweren Schlag versetzen. Herriot habe neu­lich in seiner Kammerrede die Rotwenbigkell einer endgültigen Begründung des Friedens be­tont. Die jetzt geplante Mahnahme würde die Annäherung der Völker erschweren und auch die Annäherung Frankreichs an Deutschland hemmen.

Darauf erhielt Herriot das Wort: Di: Regierung, sagte er, protestiere energisch gegen alle Hnterstellungen, die man ihr zuschrerbt. Dill der Aufhebung der Gesandtschaft beim Va- tefan wolle sie den Vorrechten der Katholllen keinen Abbruch tun.

Sie könne sich aber die Versuche nicht gefallen lassen, das Schicksal Frankreichs mit dem Schicksal der gläubigen Katholiken zu verknüpfen.

richtig halten, zu sprechen? Wie wenig Grund im übrigen zu einer solchen Kritik an der Kanz­lerrede gegeben ist. geht auS Aeuherungen d:r französischen Presse hervor. 3n Frankreich Hal man in Kreisen, die rechts von Herrtot stehen, erllärt. die Rede Luthers sei die vernünf­tigste. die man feil längerer Zeit gehört habe. Chamberlain stehl also mit dem Eindruck, den er gehabt hat, ziemlich allein da.

Das äaMnett

hinter Ehcm erlain?

London. 3. Febr. (TH.) Die scharfe Ant­wort Chamberlains auf die Rede Dr. Luthers steht in absolutem Widerspruch zu der Auf­nahme der Rede des deutschen Kanzlers i n Presse und O e f f e n t 1 i ch k e i t. Die amt­lichen Stellen wollen keine Ausllärung über die Gründe Chamberlains zu einer so brüsken Stel­lungnahme geben. Offenbar ist man auch dort überraschr Die Rede ist nicht vorbereitet, lonbem aus dem Stegreif gehalten worden. Da aber Chamberlain zu vorsichtig ist. um fich von seinem Temperament fortreiben zu lassen wie beispielsweise Lloyd G-'orge, so muh die Rede als Auffassung der englischen Politik bezeichnet werden.

Weder meine Freunde noch ich selbst werden die Katholiken in ihren Rechten irgendwie be­einträchtigen. Der französische Gesandte muß aber vor jedem Fanatismus geschützt werden. Sich der elsässischen Frage zuwendend, sagte Herriot, daß die Regierung in loyaler Weise den Vorschlag deS StaatSrats zur Aus­führung bringen werde. Sie beabsichtige, einen Missionschef, von atoei Beamten be­gleitet, als Vertreter Glfah-Lothringens zu ent­senden und zu diesem Zwecke einen Kredit von 58000 Franken anzusehen. Ein Abge­ordneter rief: DaS ist die schlechteste Lösung, die eS geben tarnt. Die Sitzung wurde für einige Zeit unterbrochen.

Rach Wiederaufnahme erhielt der frühere Minister Colrat das Wort: Frankreich soll nicht länger am Vatikan vertreten sein. Dagegen werden zwei Provinzen einen Gesandten haben. Was für eine eigenartige Methode ist es, die die Regierung einschlägt, um Elfah-Lothringen in Frankreichs Mutterschoh zurückzuführen! Der elsässische Abgeordnete Weill stimmte den Aus­führungen C o l r a t s zu und betonte, dah Glsah- Lothringen in eine geradezu unmögliche Lage ge­kommen sei.

Zum Schluß sprach der Abgeordnete La - mire. Man habe Benedikt XV. verleugnet. Während des Krieges habe er dem verstorbenen Papst einen Besuch ab gestattet. Als er ihm An­deutungen über die künftige Vertretung Frank­reichs machte, habe der Papst erwidert:

Wenn Frankreich nur einen Finger reiche, werde er die ganze Hand hinstrecken.

(Lebhafte Bewegung.) 3m übrigen schloß sich der Abgeordnete den Ausführungen der Vor­redner an. Dann schritt man unter großer Be­wegung zur Abstimmung. Als Ergebnis der Abstimmung wurde bekanntgegeben, daß die Kammer mit 314 gegen 250 Stimmen die Aus­hebung des Postens eines französischen Gesandten beim Vatikan beschlossen habe. Herriot stellte die Vertrauensfrage. Darauf beschloß die Kammer mit 402 gegen 62 Stimmen, die Aus­sprache über die Kreditfrage heute früh fortzusetzen. Man sieht der heutigen Debatte mit großer Spannung entgegen, da die Sozialisten möglicherweise in einen offenen Konflikt zu dem Kabinett treten werden.

Englands Flottenrüstung.

London. 2. Febr. (WB.) Reuter. Die Re­gierung beabsichtigt, drei weitere leichte Kreuzer zu bauen, womit sich die Zahl der vom Arbeiterkabinett bewilligten fünf leichten Kreuzer auf acht erhöhen werde. Die De- sprechungen zwischen dem Schatzamt und der Ad­miralität seien noch im Gange. Außer leichten Kreuzern wünsche die Admiralität ferner mehr Zerstörer und Hnterseeboote. Die For­derungen der Admiralität würden fich im näch­sten Finanzjahr auf ungefähr 10 Millionen Pfund belaufen.

Die Entdeutsckung Tirols.

Rom, 2. Febr. (WTD.) Wie die3bea Razionale" meldet, hat sich in Bozen eine Liga gebildet mit dem Ziele, die Tätigkeit der italieni­schen Regierung und der nationalen Parteien bei der Geltendmachung der italienischen politllchen Souveränität in ben Grenzgebieten zu unter­stützen. Die italienische Oeffentlichkell für dieses Gebiet zu intereffieren und Kapital heranzuziehen für Grunderwerbungen und zur Errichtung von Industrien in den Grenzlanden. An der Spitze dieser Liga stehen Senator Tolmei. Abgeordneter Dodrero und General Graf Diola-Casalli.

Die preuhische Krisis. Ergebnislose Verßandlnnqen B aunS mit Ladendorff und Campe.

Berlin. 3. Febr. (WTB) Wie die Blätter melden, verliefen ebenso wie die Verhandlungen mit dem Vorsitzenden der WirtfchastSpartei. Ladendorff, auch die Besprechungen deS preußischen Ministerpräsidenten mit ben Ver­tretern der Deutschen VolkSpartet über die Beteiligung an der Regierung In Preuß n ergebnislos. Ministerpräsident Braun hat dem FraktionSvorsihenden der Deutschen Volks- Partei, dem Abgeordneten Dr. von Campe, die Frage vvrgelegl. ob die Fraktion der Deut­schen Volkspartei unter seiner Ministerpräsident - chast an der Regierung teilzunehmen und im Falle der Verneinung bereit sei. einem K a - binett der Weimarer Koalition ge­genüber eine neutrale Haltung ein­zunehmen. Abgeordneter von Campe behielt die Antwort einer Sitzung der vollspart etlichen Fraktion vor. die tommenben Mittwoch fialt- finden wird, und versprach, den Beschluß der Fraktion dem Ministerpräsidenten bIS Donners­tag mitzuieilen. Die Entfcheinuna DraunS über die Annahme oder Ablehnung der Wahl zum Ministerpräsidenten dürste also voraussichtlich vor diesem Termin nicht fallen.

Aus den Kreisen der Deutschen Volkspartei wird dazu mitgcteilt. daß die Fragestel­lung, um die es sich bei der heutigen Be­sprechung handelte, daraus gerichtet sei. ob die Deutsche Volkspartei zur Koalition zu - rückgehen wolle. Diese Frage wurde ver­neint. Eine andere Lösungsmöglichkeit müßte Gegenstand einer neuen Besprechung sein.

Heute avend hat eine interfraktionelle Sit­zung des Zentrums, der Sozialdemokraten und der Demokraten ftattgefunben. In ihr referierte Ministerpräsident Braun über seine Versuche, ein Kabinett zustande zu bringen. Gr erklärte, daß er diese Versuche noch fortsetzen werde, da er noch nicht alle Möglichkeiten als erledigt ansehe. Mehrere Blätter melden, daß die preußische Zentrumsfraktion wiederum an den Landeshauptmann Horivn in Düsseldorf herangetreten rei weg'm Heber- nähme der Ministerpräsidentschaft in Preußen. Horton toerbe in den nächsten Tagen nach Ber­lin kommen, um sich mit den Führern der Zen­trumsfraktion in Verbindung zu setzen.

Deutschnationale und Regierungskrise.

Die Sitzung des deutschnationalen Parteivorftandes.

Berlin. 2. Febr. (TH.) Der Parteivor­stand der Deutschnationalen VolkSpartet trat heute im Landtagsgebäude zu einer Sitzung zusammen. Rach einer Besprechung der allge­meinen politischen Lage im Reich und in Preu­ßen wurde besonders die Regierungskrise in Preußen besprochen. Man war der An­sicht, daß die Möglichkeiten, ein Kabinett zu­stande zu bringen, erschöpft sind, und daß Ministerpräsident Braun seinen Auftrag zu­rückgeben werde. Der Parteioorstand nahm Kenntnis davon, daß die landwirtschaft­lichen Spitzenorganisationen ihren Einfluß auf die von ihnen vertretenen Kreise da­hin gellend gemacht haben, einem Hebergreisen deS landwirtschaftlichen ®e« nossenschoftswesens entgegenzuwirken, um nicht eine politische Entfremdung zwischen Stadt und

Land auskommen zu lassen.

Durch das Eingreifen des ReichslandbundeS ift die Gründung einer großen Brotfabrik in Berlin aufgegeben worden. Der Parteivorstand setzte dann einen Parteiausschuh für Ostmarken- fragen ein. der in enger Zusammenarbeit mit den Parteimitgliedern in der Ostmark die beson­deren Interessen derselben bearbeiten soll. Den Vorsitz dieses Ausschusses übernahm LandtagS- abgeorbneter Dr. v. Kries, den stellvertreten­den Vorsitz Reichstagsabgeorbneter Schulz- Dromberg. Eine Aussprache über OrganisationS- fragen ber Partei beschloß die aus allen Teilen des Reiches besuchte Tagung, an der auch Mi­nister Schiele teilnahm. Die Frage der Wahl des Parteivorsihenben wurde der für ben 21. Februar einberufenen Parteiverlretung überwiesen. Inzwischen führt der Abg. Wink­ler die Geschäfte bcÄ Parteivorsihenben.

Forderungen des Deutschen Bauernbundes.

Berlin. 2. Febr. (TH.) 3mRheingold* begann die diesjährige Delegiertentagung des Deutschen Bauernbundes, die vom Vorsitzenden, Landwirt Schmidthals. eröffnet wurde. An der Tagung beteiligten sich Vertreter der Deut­schen Dolkspartei. der Demokraten und der Wirtschaftlichen Vereinigung. Den Geschäftsbericht erstattete der Hauptgeschäfts» führer Dr. Böhme, der eine Entschließung vorlegte, die fich für einen Zolltarif mit ausreich endem Schutzzoll ausspricht und eine großzügige Durchführung der inne­ren Kolonisation fordert. Eine Verlänge­rung der Pachtfchutzvrbnung wird für unbedingt erforderlich gehalten. Verlangt wird ferner eine starke Steuerherabsetzung und gleich­mäßige Veranlagung bei Reich und Ländern. Angesichts der Haltung der Sozialdemokra­tie werde, um während der langen Zeitdauer der Handelsverträge etwa eintretenbe ruinöse Preise zu mildem, bie notwendige gesetzliche Re­gelung im Reiche nur durch eine Mehrheit Er»

Frankreich und der Vatikan.

Protest geaen e ne Einmischung in die französische Politik. Aufhebung der französischen Botschaft beschlossen.