welche wieder ihre Typen 2, 4, 6 und 8 P. S. zeigen, haben an dein von unten und oben mechanisch gesteuerten Viertaktmotor festgehalten und ihn zu hoher technischer Vollendung gebracht. Die Triumph- Werke in Nürnberg haben mit der Neukonstruktion ihres Knirpsmotorrades 2Z und 3 P. S. eine den höchsten Anforderungen genügende Maschine herausgebracht. Die Düsseldorfer Motorenfabrik zeigt außer ihrem Tourenmodell „Autinag" noch ein neues Sportmodell „Dümo", welches mit einer ganzen Reihe von Neuerungen ausgestattet ist, eine Hinterrad-Bremsnabe in Rollenlagern, was unseres Wissens bisher noch bei keiner Maschine gezeigt wurde.
Die Maschinenfabrik „Universelle" I. C. Müller & Co. in Dresden, welche nun auch einen beachtenswerten Zweiradtyp ausstellen, haben mit ihren Dreirad-Lieferwagen schon auf der Leipziger Messe großen Anklang gefunden. Bei dem Uni-Rad dürfte das gefürchtete Kippen des Dreirades ausgeschlossen fein, weil die Hauptlast auf der hinteren Achse des Fahrzeuges zwischen den beiden Rädern und gleichzeitig so tief liegt, daß ein ungeheuer großes Drehmoment nötig wäre, um ein belastetes Fahrzeug dieser Art umzuwerfen.
Die Aodiewerke in Nürnberg haben u. a. ein neues 500 - Kubikzentimeter - Motorrad herausgebracht, das man als einen Triumph deutscher Leistungsfähigkeit bezeichnen muß. Infolge umfangreichster Anwendung modernster Arbeitsmethoden sind sie in der Lage, den Preis des Rades auf nur 1330 Mk. festzusetzen und dürften damit wohl alle anderen gleichwertigen Marken schlagen. Insbesondere sind sie mit diesem billigen Preis in der Lage, in großem Umfange auf dem Weltmarkt zu exportieren und haben es bereits auch getan.
Unter der Mutfonne Irans
Von Sven Hedin.
So lautet der Titel des Buches, das Dr. Oskar von Niedermayer in die fen Tagen über die Schicksale und Erfahrungen der deutschen Expedition in Persien und Afghanistan während der Jahre 1915 und 1916 veröffentlicht hat*).
Früher sind von demselben Verfasser ins Einzelne gehende Schilderungen der persischen Wüsten und eine besonders prächtige illustrierte Arbeit über Afghanistan erschienen. Man muß Dr. Niedermaner aufrichtig dankbar sein, daß er jetzt, zehn Jahre nach den märchenhaften Abenteuern, die er und seine Kameraden erlebt haben, die Zeit reif dafür hielt, einen authentischen Bericht über das wunderbare Vordringen der deutschen Streifkorps durch den ganzen inneren Orient zu erstatten.
Es war keine leichte Aufgabe, die Dr. Nieder- mager und seinen Kameraden gestellt worden war, vielmehr ein Unternehmen, das von vornherein dem Untergang geweiht zu sein schien, — wenn es nicht mit Mut, Entschlossenheit und Geschicklichkeit durchgeführt wurde.
Schon auf der Schwelle dieser unendlich langen Marsche, die insgesamt 22 000 Kilometer umfaßten, stieß die deutsche Expedition in Bagdad auf das Mißtrauen der Türken und war gezwungen, untätig liegen zu bleiben, bis die militärische Lage in Mesopotamien die Durchführung der Expedition zu einer Notwendigkeit machte. Der Anfang des Buches gibt uns einen spannenden Einblick in die militärpolitischen Scherereien und Verwickelungen.
Wir.werden dann über die Grenze nach Kirman- fchah geführt, und der Verfasser macht uns in einer Reihe malerischer, lebensvoller Bilder mit dem Karawanenleben, der Art zu reifen, den Karawansereien und der bunten Welt vertraut, die sich in ihren Toren bewegt und in ihren Höfen und Nischen lebt. Wie ganz anders waren Niedermayers Erfahrungen in Kirmanschah im Vergleich mit meinen eigenen, als ich im Sommer 1886 oder vor bald 40 Jahren ganz allein zu dieser Stadt geritten kam! Mir hat es ein großes Vergnügen bereitet, an der Hand von Dr. Niedermayers Buch in diese Gegenden zurückzukehren, die ich so sehr geliebt habe, und in denen ich meine ersten unsicheren Schritte auf den oben, einsamen asiatischen Wegen getan habe.
Mit realistischer Kraft schildert er auch die Einüben und Wüsten, ihr majestätisches Schweigen unb ihre Mystik. Ueber Isfahan, Nain, Anarek erreicht bie Expedition die großen Wüstengebiete im Osten. Unter unzähligen Mühen unb Entbehrungen bringt sie in glühender Sonne vor, ist oft nahe daran zu verdursten und muß lange Zeit hindurch salzhaltiges Wasser trinken, bas auf Verdauung unb Wiber- ftanbsfraft verberblich einwirkt. Die Hitze steigt auf 45 Grab Celsius — man möchte nur gern wissen, an welchem Tage bies war unb ob regelmäßige meteorologische Messungen vorgenommen würben.
Dann erreicht man Tschah Mebschi, Tscharba unb Tebbes, ©egenben, bie ich im Jahre 1906 besuchte. 2ch bin daher m der Lage, bie Genauigkeit ber Schilderung dieser Oasen festzustellen.
•) Das vorzüglich ausgestattete Werk ist jetzt im Einhorn-Verlag, Dachau b. München erschienen. Es ist reich illustriert unb hat eine vorzüglich orien»
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Meßener Stadttheater.
Baumeister Solneß.
Schauspiel von Henrik Ibsen, Deutsch von Sigurd Ibsen.
Warum läßt uns dieses Drama auch in einer so tüchtigen Wiedergabe, wie wir sie gestern hier sahen, nicht warm werden? und dies trotz ber leicht- fließenden Natürlichkeit der Dialoge, trotz der feinen psychologischen Einzelzüge an den Hauptpersonen, trotz mancher glaubhafter Charaktergestaltung, trotz des stark bekennerischen Gehalts des Stückes. Es stört uns wohl die unorganische Verquickung höchst realer Dinge und Begebnisse mit solchen, die nur symbolisch gedeutet werden können, z. T. weil sie an sich zu unbedeutend, ja zu arm sind, um als treibende Faktoren der Handlung ober kennzeich- nenbe Symptome ber Charakterentfaltung angesehen werben zu können. Nur um des Symbols willen kann z. B. die für den Künstler wie für den Mann so unwichtige Frage ber Schwindelfreiheit, bie ganz unwesentliche Erreichung ber Turmspitze als Tobesanlaß, ja als Tobesgrunb eingeführt sein für ben Helben, den eigentlich sein Schuldbewußtsein, sein Mangel an robustem Gewissen, verbunden mit dem Wunsche, ber Große zu bleiben, zugrunde richtet; nur ein Gleichnis finb bie breitbehandelten Puppen ber Frau Aline; nur eine Allegorie ist die vorn Dichter geradezu ausdringlich und widerpsychologisch uns zuqeschriene zaunpfahlhaste Bemerkung des Baumeisters, Hilde sei es, bie er bie ganzen Jahre schmerzlich vermißt habe, wo gar keine Rede bavon ist, baß der Mensch unb Künstler Solneß ben Menschen Hübe, an ben er gar nicht mehr
Vor einigen Jahren las ich Hentigs Buch „Meine Diplomatenfahrten um bie Erbe". Einer ber Einbrücke, bie es auf,einen machte, war bas Verlangen, mehr von ben Schicksalen ber beutschen Kriegsexpe- bition zu erfahren. Dieses Verlangen hat jetzt Niedermayer in ausgezeichneter Weise befriedigt. In seinem Bericht hört man auch hier und da von Hentigs Gruppe ebenso wie von den übrigen Abteilungen ber Expebition unter verschiebenen Führern. Den Schluß bes Buches bilben bie Tagebücher F. Seilers unb Dr. Fritz Niebermayers, eines Bruders des Verfassers. Man erhält daher einen einheitlichen unb umfajfenben Uederblick über alle Bewegungen ber beutschen Expebitionen auf persischem Boden. Infolgedessen" hat die Arbeit auch einen rein historischen unb kriegsgeschichtlichen Wert unb ihr Erscheinen muß nicht zuletzt von den Engländern dankbar begrüßt werden.
Für England war es eine Lebensfrage, die Pläne der deutschen Expedition zu vereiteln. Die Deutschen beherrschten mehrere Monate das ganze mittlere Persien, und es gelang ihnen, sich die Sympathien der Bevölkerung zu erwerben. Wäre es ihnen geglückt, die 'Völker des Ostens zum Krieg zu entfachen, bann hätte eine drohende Gefahr für bas indische Kaiserreich entstehen können.
Auch hätte das deutsche Vordringen in Persien seine Rückwirkung auf den Feldzug in Mesopotamien. Die Engländer hegten daher eine wohlbegründete Furcht vor dem deutschen Unternehmen,' eine Furcht, die bie Russen teilten. Nicht weniger als 10 000 Mann englisch-indische Truppen unb eine gemischte russische Brigade waren aufgeboten, um bie schwachen beutschen Streitkräfte in Schach zu halten. Es wimmelte von englischen Spähtrupps, und die Russen überfielen sogar die Abteilung Wagner. Es war in der Tat eine fast übermenschliche Aufgabe, eine Marschkolonne durch ein von Engländern und Russen so gut bewachtes Land zu führen, wo man außerdem all die gewöhnlichen Schwierigkeiten, die sich einem Entdeckungsreisenden entgegenstellen, zu überwinden hatte, nicht zuletzt Hitze unb Wassermangel. Das kleine Korps schmolz auch zusammen unb konnte nur äußerst schwer Ersatz erhalten, den Ueberlebenben setzten Krankheiten unb Müdigkeit zu, unb bie Tiere brachen zusammen. Sie kämpften sich jedoch vorwärts, hielten sich durch Kundschafter ständig über die Bewegungen der Gegner unterrichtet und konnten ihre eigenen Bewegungen danach einrichten.
Am 7. August 1915 brachen sie von Buschrujeh auf, um kaum zwei Wochen später, in ber Nacht zum 20., bie afghanische Grenze zu überschreiten. Einen Halden Tag nach ihnen erreichte ein seinbliches Streifkorps denselben Punkt, wagte jedoch nicht, afghanisches Gebiet zu betreten.
Bei ihrer Ankunft in Herat, ber kleinen Stadt von 20 000 Einwohnern, bie man den „Schlüssel von Indien" genannt hat, wurden Niedermayer und seine Kameraden von den Behörden wie der Bevölkerung gut und gastfrei ausgenommen. Von den 140 Mann und 236 Lasttieren, die Isfahan verlassen hatten, waren da nur noch 37 Mann und 79 Tiere übrig. Das kühne Wagnis war also mit schweren Opfern erkauft worden.
3n Kabul, ber Hauptstadt bes stolzen, tapferen unb kriegerischen Asghanenvolkes, würben bie Deutschen gut behanbelt, obgleich sie anfangs in gelinder unb rücksichtsvoller Gefangenschaft gehalten wurden. Dann wurden sie jedoch von Emir Habib Ullah Khan unb seinen Herren in Aubienz empfangen unb genossen volle Freiheit.
Länger als ein halbes Jahr hatten sie sich in Afghanistan aufgehalten, als sie am 21. Mai 1916 Kabul wieber verließen, um über den Hindukusch — also auf demselben Weg, den Alerander im Jahre 329 v. Chr. einschlug, — nach Westen zu marschieren. Sie zogen durch die Wüste Karakum, in der die Sommerhitze auf 50 Grad Celsius flieg, und durch das Land ber Turkmenen nach Mesch- Heb, dem wichtigen Wallfahrtsort in Chorafsan mit Imam Risas Grab, wo bie Russen ihr Hauptquartier hatten. Durch Räuberbanben unb russische Spähtrupps sich burchschlagend, glückte es Niedermayer, schließlich bie türkische Front zu erreichen.
Nicht selten finb Schilberungen aus ber Wirklichkeit jpannenber und märchenhafter als die wildesten Abenteurerromane. Dies trifft auf Niedcr- mayers Buch zu. Man bewundert bie beharrliche Stanbhaftigkeit, bie Offiziere wie Mannschaften bei ben Ausführung ihres schrecklichen Auftrages entwickelten, und ist dankbar dafür, daß auch diese- scheinbar unbedeutende Episode in dem großen Weltkrieg ihren Geschichtsschreiber gefunden hat. Daß die Engländer die deutsche Expedition nicht für belanglos hielten, geht aus mehreren nach bem Kriege erschienenen englischen Veröffentlichungen hervor. So z. B. sagt General Dickson in seinem Buche „Fast Persia a backwater of the Great War" (1924): „Der Tätigkeit biefer Männer, der Tollkühnheit, bie mehrere von ihnen an ben Tag legten, ihrer Entschlossenheit unb der Art, wie sie sich unter zahllosen Gefahren, Entbehrungen und Schwierigkeiten zu helfen wußten, können wir, ihre Feinde, nur unsere Bewunderung zollen."
Man muß zugeben, daß die Lage in Iran geradezu phantastisch war, wenn man bedenkt, daß einige Dutzend Deutsche ansehnliche russische Streitkräfte banden unb Tausende indischer Soldaten in dachte, oder auch nur den Typus Hilde vermißt hätte. Sv verspüren wir nicht viel von einem wirklichen blutvollen Handeln, bas vielmehr z. T. durch Phänomene spirituellen Rapports in undramatischer Weise ersetzt ist, unb, was eine Zragöbie bes Alterns unb ber erbrütfenben Schuldgefühle werben sollte, sehen wir in bie kalten Regionen eines Lust und Leben entbehrenden Symbolismus entflattern. Der Verstand hat bas Herz oerbrängt.
Daß man nun ber schweren Ausgabe, bem spröden Drama Blut und Leben zu verleihen, doch noch beitommen kann, bas bewies gestern Aböls T e - leky, besten sichere Regie mit feinem Takt bas Abstraktgemeinte substantialisierte unb baburd) trotz allem noch ein Schau-Spiel auf bie Bühne brachte. Die Darsteller halsen ihm getreulich. Eine ausgezeichnete Leistung bot Friedrich ©effers in ber Titelrolle; bei ber Wiedergabe bes innerlich schwanken unb haltlosen, nach außen gewalttätigen Menschen, ben sein Glück groß erscheinen läßt unb der, ad), so klein sein kann, zeigte er seine reiche Ge- staltungs- und Differenzierungsfähigkeit. Ihm ebenbürtig war Alix Krahmer als Hilde Mangel; die schwere Rolle bes bald kinblichen, phantastischen, halb höchst sittlichen, halb jenseits von Gut unb Böse stehenden Weibes, besten Charakter schon in biefer Mischung ein wenig aus an sich glaubhaften Einzelzügen mosaikartig zusammengesetzt erscheint, stellte bie höchsten Anforderungen an bie Darstellung ; bei Alix Krahmer trat, dem Naturell ber Künstlerin entsprechend, bas Burschikose stärker in bie Erscheinung als bie kluge Entschlossenheit unb geistige Großheit bes Mädchens. Susanne H e y m zeichnete die Aline Solneß als die an sich selbst leibende, kleine, aber doch unsere Sympathie ge-
j Indien zurückhielten, in beunruhigender Weise ben I englischen Feldzug in Mesopotamien beeinflußten unb durch ihr Verhältnis zu Afghanistan Befürchtungen für die Sicherheit Indiens erregten. Sir Edmund Barrow, Mitglied des Jndia Council, verrät, daß der Vorstoß von Kut el-Amara nach Kteriphon durchaus nicht den Zweck hatte, den Mißerfolg an den Dardanellen aufzuwiegen, sondern infolge der Lage in Persien und der Bedrohung von Indien unternommen wurde, gerade zu „einer Zeit gefährlicher militärischer Schwäche in Indien selbst".
Die Karte, die Niedermayers Arbeit beigefügt ist, gibt auch eine klare Vorstellung von ber Ausdehnung der strategisch wichtigen Gebiete besonders in Ostpersien, die von englisch-indischen Truppenverbänden besetzt gehalten wurden.
Von den Photographien, die diese Chronik illustrieren, fesseln einen nicht am wenigsten die malerischen Bilder vom Khavakpaß im Hindukusch.
Ob Dr. Niedermayer als Diplomat in Kabul Erfolg gehabt hat, ist eine Farge, bie ich nicht beurteilen kann. In seinem Vorwort erklärt er selbst ritterlich, baß er nicht bie Absicht habe, seine eigenen Fehler zu beschönigen. Jebenfalls ist es bemerkenswert, daß ein Weltkrieg nötig war, um bas den Europäern bis dahin so eifersüchtig verschlossene Afahanistan zu öffnen, dieses Land, das ein Jahrhundert lang ein Zankapfel zwischen Rußland und England gewesen war, in dem so viele englische Residenten ermordet worden waren, und dessen Gebiet nur bewaffnete Scharen hatten betreten können.
Jetzt ist es anders. Ein Russe, der nach Herat ober Kabul reifen will, braucht nicht wie General ©robetoff im Jahre 1878 in ben Tagen Schir Ali Khans von Kosaken begleitet zu sein. In bem amerikanischen Magazin „Asia" findet man ab und zu lebensvolle Schilderungen aus Kabul. Der deutsche Geologe Dr. Emil Trinkler sandte mir im vorigen Jahre von verschiedenen Orten in Afghanistan Briefe, bie keiner Zensur unterzogen wurden. Ohne Zweifel ist Sowjetrußland der Staat, der zur Zeit ben größten Einfluß in Kabul hat.
Schließlich ist ber neue Emir, Aman Ullah Khan, ein Mann, ber sich gleich Abb el Krim europäische Bilbung erworben hat, unb vermutlich bie Absicht hat, sein Lanb mit europäischen Waffen zu Dcrteibigen. Wissenschaftlicher Forschung legt er keine Hinbernisse in den Weg, unb es wirb daher nichtlange bauern, bis Afghanistan ebenso gut bekannt ist wie Persien.
Oberhefsen.
^mrvtreis Gienen.
£ Wieseck, 1. Dez. Einen außerordentlich starken Erfolg erzielte am Sonntagabend der Arbeitergesangverein „Sängerkranz" mit seinem im Draunschen Saale abgehaltenen Konzert, und zwar sowohl hinsichtlich des Besuchs, als auch der gebotenen Leistungen. Der große Saal war bis auf den letzten Platz beseht, viele begnügten sich mit einem Stehplatz. Trotz der vorher niedergegangenen Schneemassen war auch eine große Anzahl auswärtiger Gesangsfreunde gekommen, besonders stark war die Teilnahme aus Gießen. Eick ganz vorzüglich besetztes Orchester der Kapelle der ehemaligen Militärmusiker leitete den Abend mit dem „Einzug der Gäste auf der Wartburg" und der Ouvertüre zur Oper „Wilhelm Teil" ein. Besonders die letztere Wiedergabe gelang hervorragend. Der sehr gut gelungene Eröffnungschor „Äachtzauber" nahm die Zuhörer sofort für den recht stattlichen Chor ein, „Grüß mir die Reben, Baker Rhein" löste in seinem mitreißenden Schlußteil „All meine Träume sind ja dein, du ewig schöner deutscher Rhein" einen wahren Beifallssturm aus. Mit Spannung wurde das erste Auftreten des vor etwa einem halben Jahre gegründeten Frauenchors erwartet. Anerkannt muß das sichere Auftreten und die absolute Beherrschung der Melodien werden. „Mein Schah ist ein Schmied" gefiel besser als „Ewig liebe Heimat", obwohl das letztere in Text und Musik unstreitig wertvoller ist. Das Solo für Flöte „Gute Rächt du mein herziges Kind" wurde von dem Solisten (Herrn Kehr mann) in seinen mitunter recht schwierigen Partien mit vollendeter Technik zu Gehör gebracht. Die Große Fantasie aus „Cavalleria rusticana" H elt die aufmerksamen Zuhörer in Dann und fand dankbaren Beifall. Die Gemischten Chöre brachten zwei altdeutsche Volkslieder aus dem 15. und 16. Jahrhundert: „Der Winter ist vergangen" und „Ich weih mir ein Maidlein". Die wunderbare Harmonie der weichen und reinen Frauenstimmen verbanden sich mit d.m kräftigeren Männergesang zu einem einheitlich Vollkommenen und gab dem ersten Teil einen würdigen Abschluß. Fanden alle bisherigen Darbietungen ein außerordentlich dankbar^ Publikum, so steigerte sich im zweiten Teil ber Beifall zur stürmischsten Zustimmung. Schon bei den Einleitungschören der Männerabtei - . lung muhte „Zum Wandertor hinaus" wiederholt werden. Ebenfalls sehr lebhaften Beifall erntete Herr Schröder mit feinen zwei Solis , für Cello, die eine starke künstlerische Auffassung |
w'nnenbe Frauenseele in maßvoller Sprache unb geabeltem Spiel. Die Broviks waren bei Adolf Teleky unb Willi Hanke in ben besten Händen; Marga Nulsf stellte zart und fein die rührende Gestalt der Buchhalterin auf bie Bühne. Paul Gehre gab mit guter Haltung ben etwas belanglosen Hausarzt, hätte jeboch die kleinen Lach- wirkungen in seinem ersten Gespräch mit Solneß vermeiden sollen (das Publikum in Gießen lacht ohnehin in bitterernstem Zusammenhang). Die Dekorationen Karl Löfflers waren — das liegt natürlich in den Verhältnissen — z. T. ein Kompromiß zwischen altem Kulissenstil unb neuem ansprechenden Raumstil; die Beleuchtung Ludwig Keims war namentlich im 3. Akt äußerst wirkungsvoll. -g.
Mogeln.
Manche Wörter haben sich verhältnismäßig schnell aus engeren Kreisen heraus die Gunst der Volksgenossen erworben unb werden heute allgemein gebraucht. Erst seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts ist das Zeitwort mogeln bezeugt. die davon abgeleitete Mogelei zu Anfang des 19. Die Belege führen das Wort auf die Sprache der Studenten zurück, die beim Karteir- spiel viel Veranlassung hatten und haben zu dem Rufe: Richt mogeln! ,,3d) kann mogeln wie der Teufel", heißt es bei Laukhard. Damit braucht nicht der Teufel als Vater des Mogelns bezeichnet zu fein. Man pflegt den Ur- fprung des Wortes ebenso wie den der studentischen Ausdrücke blechen, pumpen, foppen in der Gaunersprache zu suchen, in der ein angeblich aus
verrieten. Der Frauenchor übertraf sich selbst mit „Die Spinnerin". Text und Melodie liegt nur einem Frauenchor, die Wiedergabe gelang über alles Erwarten, und jubelnder Beifall forderte eine Wiederholung. Eine weitere Glanznummer war die von Herrn Topp gebotene Fantasie für Trompete: Herr Topp beherrscht sein Instrument meisterhaft und versteht einzigartige Wirkungen herauszuholen. Der nichtendenwollende Beifall lieh sich erst durch eine Zugabe beschwichtigen. Ebenso lebhaft wurde das schwermütige „Abend auf Heide" und das begeisterte „Moselwein- lieb“ anerkannt. Der Tfchardas aui der Oper „Der Geist des Wojewoden" leitete über zum Schluhchor mit Orchesterbegleitung „Mer sitzet unter Aepfelbäum", ein heiterer schwäbischer Volkschor. Wie stark das Vertrauen des Dirigenten in das Können beider Teile war, geht daraus hervor, daß die Wiedergabe geradezu meisterhaft gelang, und zwar ohne vorherige Ges amt Probe! Mit Gewalt hielten die Kopf an Kopf gedrängten Zuhörer während der Aufführung mit Beifall zurück, doch plötzlich, bevor der letzte Ton verklang, brach biir Sturm los, unwiderstehlich, so daß auch hier eine Wiederholung folgen mußte. 3m Anschluß hieran überreichte der dankbare Chor seinem verdienstvollen Dirigenten HeinrichMeher ein Blumenangebinde, und der spontane Beifall bewies, daß diese Aufmerksamkeit im Sinne der Anwesenden lag. Der Abend war ein über Erwarten voller Erfolg, Dirigent, Chor und Orchester schufen ein künstlerisches Erleben, das weit über den Rahmen einer dörflichen Musikveranstaltung hinausging. Das Hauptverdienst gebührt dem unermüdlichen Dirigenten H einrich Meyer-Wieseck, der auf dem besten Wege ist, auf diesem Gebiete eine Größe zu werden, und der schon bei verschiedenen Veranstaltungen, erst kürzlich in Frankfurt, besonders lobend erwähnt wurde. Er verfügt über eine hervorragende Auffassung der Kombinationen und die Gabe, sein reiches künstlerisches Verstehen auf den Chor zu übertragen. Herr Krengelam Klavier war den Solopartien ein feinsinniger Begleiter, der sich in dezenter Weise anzupassen: verstand und den orchestralen Darbietungen zu einem abgerundeten Ganzen verhalf. Für zukünftige Veranstaltungen des Vereins dürfte dieser Abend die beste Empfehlung sein. Zum Schluß soll noch lobend anerkannt werden, daß im Gegensatz zum vorjährigen Konzert das Volkslied reichlich zu Worte kam, vielleicht ist man nun überzeugt, daß das einfache Lied, gut gesungen, dem einfachen Manne am meisten sagt.
Bg. Großen-Buseck, 1. Dez. Infolge Gemeinderatsbeschlusses wird die hiesige Kirche mit elektrischem Licht versehen. Die Ausführung der Arbeiten wurde der Firma Becker in Treis an der Lumda als der Wenigstnehmenden übertragen. Einschließlich des Kronleuchters werden 28 Brennstellen gelegt werden. Bis zum Weihnachtsfest soll die Anlage fertiggestellt [ein.
f Grünberg, 1. Dez. In der gestrigen Gemeinderatssitzung stimmte der Gemeindecat der Festsetzung des Pachtpreises für städtisches Gelände auf 21/3 Pfg. pro Meter zu. — Rach einer schriftlichen Mitteilung verlangt das Landesfinanzamt Darmstadt, daß die Stadt zu den neu zu erbauenden Finanzamt in der Theo-Kochstraße das 1600 Meter erforderliche Gelände unentgeltlich abgibt und Straßenbau- und AuffüllunLskosteir ebenfalls trägt Hierzu wurde beschlossen, das hiesige Finanzamt möge veranlassen, daß das Landesfinanzamt eine Skizze von dem erforderlichen Gelände anfertigen läßt und der Stadtverwaltung vorlegt. — Die Beratung über die neu zu erbauende landwirtschaftliche Winterschule wurde auf Antrag des Bürgermeisters in geheimer Sitzung fortgesetzt. — Die Beratungen der in Betracht kommenden Bürgermeister über "bie geplante Autolinie Dreihausen-Grünberg fallen aus, da die Oberpostdirektion Darmstadt mitgeteilt hat, daß wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage keine neuen Auto wagen beschafft und keine neuen L i» nien eingerichtet werden können. — Dem Geflügelzuchtverein wurde für seine bevorstehende Ausstellung ein Ehrenpreis gestiftet. Zu dessen Anschaffung bewilligte der Gemeinderat 20 Rlk.
} Lich, 1. Dez. Die Theater-Gemeinde des Bühnen Volksbundes Gießen hatte sich ntit Unterstützung des hiesigen Volksbildungsvereins bereit gefunden, unsere Stadt am Sonntag durch einen Besuch zu beehren. Die Veranstaltung fand in Steins Saalbau statt. Zur Aufführung gelangte Hebbels „M ari a Magdalen a“. Es zeigte sich, daß es in unserer Stadt sehr viele Bewohne gibt, die auch der eriiftcn Muse regstes Verständnis entgegenbringen. Zieht man noch die qualitativ sehr schönen Leistungen der Darsteller in Betracht, so wird man ohne weiteres sagen können, daß sich bei ähnlichen Veranstaltungen die Theaterbesucherzahl noch weiter erhöhen wird. Wir begrüßen es recht herzlich, daß sich die Theater- Gemeinde bereit erklärt hat, uns auch für die Zukunst mit weiteren Gastspielen erfreuen zu wollen. Von Anfang an bis zum Schluß wußten die
dem Hebräischen stammendes Wort Mohel einen bezeichnet, der Spielkarten beschneidet und dadurch 5um Betrüge beim Spiel kenntlich macht. Daß diese sehr bedenkliche Bedeutung für den Gebrauch der Studenten wie der Allgemeinheit nicht in Betracht kommt und das Wort einen minder scharfen Sinn erhielt, spricht nicht gegen die Annahme der Herkunft aus der Verbrecherwelt, und daß diese von der Sprache ihrer jüdischen Mitglieder stark beeinflußt worden ist, steht auch fest. Das „jüdische" Mogeln erwähnt z.B. Pfister 1874 Kriminalfälle S. 367, wo er die Zeitwörter Vauglen, Mauglen anführt; der Wechsel der Selbstlaute ist ja derselbe wie bei kauscher und koscher (hebr. und mhd. kascher; jüd. koscher — rein). Man hielt wohl auch mogeln für mundartlich und glaubte es hochdeutsch durch maugeln wiedergeben zu sollen. Diese Meinung streift vielleicht ganz Richtiges. Es gibt im Schlesischen, Hessischen, Vogtländischen und Elsässischen eirt Wort mauchein mit der Bedeutung verstecken, heimlich entwenden oder reden (vgl. munkeln), in Mörikes Hutzelmännlein auch — bemogeln. Dazu gehört auch ein in deutschen Landschaften (besonders Obersachsen) verbreitetes Wort Mauke für Obst versteck. Im Riederdeutschen hat man auch ein Zeitwort muggeln für mogeln, das übrigens auch im Ostfriesischen vorkommt. ' So würde mogeln zu den Wörtern gehören, die dir Gaunersprache aus unseren Mundarten übernommen Hai, und die man unnötigerweise ' aus dem Hebräischen stammen läßt. Zum mindesten kann sich jüd. mogeln und mundartliches maucheln vermischt haben. kyk.


