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lic&e Räherkommen. Das war der Wille, der in Ihnen und uns lebendig wurde, dieses Werk zum Abschluß zu bringen. Daher die Freude, die Sie und wir alle empfanden, als wir es in Locarno zur Paraphierung bringen konnten. Daher unser aufrichtiger Donk an Sie am heutigen Tag.

Lassen Sie mich von diesem Gedanken über Form und Wille auch ausgehen, wenn ich jetzt von dem Werk von Locarno selbst spreche. Wir alle haben in unseren Parlamenten Debatten zu be­stehen gehabt über dieses Werk. Man hat es nach ollen Richtungen hin durchleuchtet. Man hat ver­sucht festzustellen, ob irgendwelche Widersprüche be­stünden in der Anschauung über diese und jene Paragraphen. Darf ich demgegenüber das eine ous- sprechen,

ich sehe in Locarno nicht eine juristische Kon­struktion politischer Gedanken, sondern ich sehe in dem Werk von Locarno die Basis einer gro­ßen Zukunftsentwicklung. Die Staatsmänner und Völker bekennen sich darin zu dem Dillen, dem DenschheitssehUen nach Frieden und Ver­ständigung den Weg zu bereiten, wäre der Pakt nichts als ein Bündel von Paragraphen, so würde er nicht halten. Die Form, die er zu finden sucht für das Zusammenleben der Völ­ker, wird nur Wirklichkeit werden können, wenn hinter ihm der Wille steht, neue Ver­hältnisse in Europa zu schaffen, ein Wille, von dem auch die Ausführungen getragen waren, die Herr Briand soeben gemocht hat.

Ich möchte Ihnen. Herr Driand. aufrichtig danken für das, was Sie gesprochen haben über die Rotwendigkeit des Zusammenwirkens aller Völker und derjenigen besonders, die soviel in der Vergangenheit gelitten haben. Sie gehen von der Idee aus, daß jeder von uns seinem Dateilande zuerst angehört, ein guter Franzose, ein guter Engländer, ein guter Deutscher, ein Teil seines Veltes sein soll. Ieder aber auch ein Angehöriger Europas, verbunden mit der gro­ßen kulturellen Idee, die sich in dem Begriff unseres Erdteils auswirkt. Wir haben ein Recht von einer europäischen Idee zu sprechen. Hat doch dieses Europa im Weltkrieg die größten Opfer gebracht. Steht es doch jetzt vor der Ge­fahr, durch die Auswirkungen des Weltkrieges, die Stellung zu verlieren, auf die es nach seiner Tradition und Entwicklung Anspruch hat.

Was dieser Erdteil im Weltkrieg hinge­geben hat, wird vielfach nur gemessen an den Verlusten materieller Art, an den Verwüstungen, die der Krieg im Gefolge hatte. Den größten Verlust tragen wir jedoch dadurch, daß eine Generation dahinsank, von der wir nicht wissen, wieviele unentwickelte Kräfte und Mög­lichkeiten, wieviel Geist, Genie, Ta- und Willens­kraft in ihnen zur Entfaltung gekommen wäre, wenn sie ihr Leben hätten ausschöpfen können. Zusammen mit hen Erbitterungen des Welt­krieges ergibt sich daraus die Tatsache, daß eine Schicksai^gemeins chaft uns anein­anderkettet. Wenn wir untergehen, gehen wir gemeinschaftlich unter. Wenn wir in die Höhe kommen wollen, können wir es nicht im Kampfe gegeneinander, sondern nur im Zu­sammenwirken miteinander. Deshalb dür­fen wir, wenn wir überhaupt an die Zukunft unserer Völker glauben, nicht in Zwist und Feind­schaft miteinander leben, sondern müssen uns die Hände reichen, zu einem gemeinschaft­lichen Zusammenwirken.

Nur dann wird es möglich sein, die Grundlage für eine Zukunft zu legen, von der Sie, Herr Briand, in Worten, denen ich mich nur anschließen kann, sagten, daß sie getragen fein soll von dem Wetteifer der kulturellen Entwicklungsmöglichkeit. In diesem Zusammenwirken muß die Basis für die Zukunft gesucht werden. Für diesen Frieden tritt die große Mehrheit des deutschen Volkes ein. Gestützt auf diesen Friedenswillen geben wir unsere Unter­schrift unter diesen Vertrag. Er soll eine neue Aera des Zusammenwirkens der Nationen einleiten, er soll an die sieben Jahre der Nachkriegszeit eine Zeit wirklichen Friedens anschließen, getragen vom Willen verantwortungsbewußter Persönlich­keiten, die den Weg zu dieser Entwicklung wiesen, unterstützt von den Völkern, die da wissen, daß nur so Wohlfahrt gedeihen kann. Mögen spätere Ge­schlechter Grund haben, dankbar an den heutigen Tag als Anfang einer neuen Entwick­lung zu denken.

Nach dem deutschen Außenminister sprachen er­neut Scialoja, Dandervelde, Benesch und Skrzynski. Zum Schluß hielt Baldwin eine kurze Rede in englischer Sprache, die Lampson ins Französische übersetzte. Auf Vorschlag Chamberlains wurde aus Anlaß der Unterzeichnung des Locarnopaktes ein Danktelegramm an d i e Schweiz abge­sandt. Hierauf erklärte Chamberlain die Sitzung für beendet. Eine dichte Menschenmenge erwar­tete die Delegierten nach der Unterzeichnung in der Downingstreet. Als Luther und Stresemann das Foreign Office im offenen Wagen verließen, war auch kaum ein Mann in der Menge, der seinen Hut nicht lüftete. Ein Kompliment, das die beiden deutschen Minister, mit dem Hute in der Hand, sich verbeugend erwiderten. Unter Beifallsrufen des Publikums verließen die Minister die Downing- jtreet.

Hm 1/22 Uhr waren die Hauptdelegierten Gäste Chamberlains. Um 4x/2 Uhr sand die

Audienz beim König Georg im Duckhingham-Palast statt. Dem König wurden alle Delegierten vorge­stellt. Er hat sich mit jedem einzelnen kurz unterhalten. Beim Empfang herrschte absolute Einfachheit, auch in der Kleidung, da die ganze Audienz einen durchaus privaten Charakter trug. Die Delegierten erschienen in schwarzem Rock. An dem Empfang im Duckingham-Palast und an den Besprechungen im Foreign »Office haben nur di e Hauptdelegierten teilgenom­men. Ueber das Programm für heute Mittwoch ist noch nichts entschieden worden mit Ausnahme des Vresseempfangs bei Stresemann und des Abendessens, das Baldwin in seinem Hause in der Downingstreet geben wird.

Neue Besprechungen in London.

MärrmungKölns am LI.Januar beendet. (friite Pariser Lustsahrtkonferenz.

London, 2. Dez. (WTB.) Gestern abend fand im Auswärtigen Amt zwischen Chamber­lain, Driand, D r. Luther, Dr. Strese­mann und Vanderoelde eine anderthalbstün­dige Besprechung statt. Reuter berichtet, Briand Wabe nach der Besprechung erklärt, daß verschiedene

Fragen erörtert worden fein, darunter die Räu- | mutig des besetzten deutschen Gebiets, die Neuordnung im Rheinland und die Vertretung des Reiches in der R h e i n l a n d kom­mt f f i o n. Aber es sei keine Entscheidung gefällt worden. Alle Fragen seien im Geiste von Locarno erörtert worden. Briand fügte hinzu, die Frage der A b r ü st u n g sei sehr verwickelt. Aber auch in die­ser Beziehung äußerte er sich optimistisch. Wie der Vertreter der Telunion aus Delegiertenkreisen er­fährt, hat sich bei der gestrigen Ministerbesprechung im Foreign Office hauptsächlich um zwei Fragen­komplexe gehandelt:

1. um die R h e i n l a n d s r a g e ,

2. um die Luftfchiffahrt. Wegeit der letz­teren Frage wird am 4. Dezember eine konfe - , r e n z auf der Grundlage vollster Gleichberechti­gung aller Parteien in Paris beginnen. Es ist anvinehmen, daß sich beim Abendessen im £ a n - cesterhoufe, wo die Delegierten wieder zusam- mentrasen, weitere Gelegenheit zur Fortsetzung der Unterhaltung geboten hat, zumal Briand schon heute früh wieder nach Paris zurückkehrt.Daily News" zufolge wird das Ergebnis der Sitzung fein, die Räumung derkölnerZone zubefchleu- n i g e n. Sie soll am 3 1. 3anuar beenbet sein und an diesem Tage die britische Flagge in Köln niedergeholt werden. Ein weiteres wichtiges Ergebnis sei, daß die englische Besahungs- armee unverzüglich sehr beträchtlich vermindert werde. Man sei der Ansicht, daß sie auf Zweidrittel oder noch weniger ihrer augenblicklichen Stärke her­abgesetzt werde.

HindendurgundLocarno.

Der Iungdeutsche" Ar. 27k vom 26. Rov. veröffentlicht einen Aufruf des Hochmeisters Artur Mahraun für Hindenburg. Die Or­densbrüder werden aufgefordert, in dem ent­brannten Streit zwischen Ludendorff und Hinden­burg (Ludendorff hat den Reichspräsidenten in der Presse wegen seiner Zustimmung zu Locarno in kaum glaublicher Weise angegriffen) sich ent­schlossen und geschlossen auf die Seite des Reichs­präsidenten Hindenburg zu stellen. In dem Auf­ruf heißt es:Wir können nicht wissen, was den Reichspräsidenten bei der schweren Entscheidung, die er zu fällen hat, bestimmt. Wir haben ihm nicht mit unserer Wahl das Vertrauen entgegen­gebracht, um ihm bei der er st en Gelegen­heit, wenn wir über irgend etwas anderer Meinung sind, zu mißtrauen. Die Zukunft wird zeigen, ob die Maßnahmen, welche der Reichspräsident in der Ausübung seines schweren Amtes für sein Volk ergreifen zu müssen glaubt, richtig sind. Als General von Hindenburg seine Truppen in Ostpreußen umhermarschieren ließ, so daß die Feinde nicht mehr wußten, was los war, da murrten viele Soldaten und schimpften. Aber der Feldherr hatte sein Ziel. Er wollte und kam nach Tannenberg. Da merkten die Soldaten, daß es höhere Taktik war, worauf sie geschimpft hatten. Die Möglichkeit zur Taktik braucht nicht nur der Feldherr, sondern auch der politische Führer. Bei Tannenberg war die Vorbedingung Gehorsam. Für den Feldzug, den heute der Alte von Tannenberg für die Rettung seines Volkes führt, heißt die Vorbedingung Ver­trauen. Wenn wir Iungdeutsche dem Reichs­präsidenten von Hindenburg wahrhaftig zu viel Vertrauen in seiner jetzigen Stellung entgegen­bringen sollten, dann können wir das vor unfern Gewissen rechtfertigen. Wenn wir aber unser Vertrauen zu Hnrecht oder auch nur zur Hnzeit zerstören ließen, dann gäbe es keine Frei­sprechung von einer ungeheuren Schuld."

Aehnlich schreibt der Stahlelm:Falls der Generalfeldmarschall seine Zustimmung zu den Verträgen von Locarno gibt, sind für uns die Akten über Locarno geschlossen. Der erste Soldat hat gesprochen, und wir haben nun zu schweigen und auf der Grundlage von Locarno für die Verbesserung des Ver­trages und für den Abbau des Versailler Vertrages zu arbeiten." Den Standpunkt, daß es jetzt darauf ankomme, praktische Politik zu machen, statt sich in theoretischen Betrachtun­gen zu verlieren, hat unser Mitarbeiter der deutschna iona'e Reichstagsabgeord,ie^e Professor Dr. H o e tz s ch in einer Rede vor dem Deutschen Ostbunde vertreten. Er erklärte hier, daß für ihn der Vertrag von Locarno erledigt sei, und daß er als positiver Mensch nun die Frage ruf» Werse, welche praktische Arbeit Deutsch­land im Völkerbund leisten könne. Man könne vielleicht trotz mancherlei Bedenken viel aus dem Vertrag von Locarno heraus­holen.

DieDeutsche Zeitung" dagegen kündet dem Reichspräsidenten von Hindenburg mit fol­genden Worten die Gefolgschaft auf-:Was wir anfangs für ganz ausgeschlossen hielten, dann fürchteten und schließlich in banger Sorge er­warteten, ist also eingetreten: Der Herr Reichs­präsident Exzellenz v. Hindenburg hat das Locarno-Gesetz unterzeichnet, und damit ist der unselige Vertrag endgültig angenommen. Zu der bitteren Enttäuschung über die derzeitige Reichspolitik tritt dadurch auch noch die tiefe Trauer um das Versagen eines unserer Besten ... Was wir über Locarno denken, ist in den letzten Wochen so oft und so eindringlich gesagt worden, daß sich jede weitere Ausführung erübrigt. Wir sind auch heute nicht in der Lage, irgendein Wort davon zurückzunehmen. Ebenso bleibt bestehen, daß Exz. von Hindenburg verfassungsmäßig vor sich und dem deutschen Volle die volle Derantworiung für die geleistete Unterschrift zu tragen hat. Mit dieser Un­terschrift hat sich aber der Feldmarschall in schroffen Gegensatz zu dem besten und wertvollsten Teil der deutschen Bevölkerung gestellt und ganz besonders zu den vaterländischen Kreisen, die allein seine Wahl überhaupt ermöglicht haben. Das muß trotz un­serer sonstigen tiefen Dankbarkeit und Ehrerbietung unumwunden erklärt werden. Die Fahnen, die dem ersten vaterländischen Reichspräsidenten schwarz­weiß-rot entgegenrauschten, sie senken sich heute in tiefer Enttäuschung und Trauer auf Halbmast!"

DieGermania" bemerkt dazu: DieDeutsche Zeitung" hat zu denen gehört, die die Kandidatur Hindenburg eifrig unterstützten und die Wahl stür­misch begrüßten. Es ist gewiß nicht ohne Interesse, daß diese stürmische Freude innerhalb weniger Mo- nate in tiefe Trauer umschlägt. Die besten und wertvollsten Teile der deutschen Bevölkerung werden freilich über Hindenburg anders denken, als die Deutsche Zeitung" meint. Daß Hindenburg alle ver­ständlichen Gefühlsmomente beiseiteläßt, mutig mit realen Tatsachen rechnet und daraus die Konsequen­zen zieht, obgleich er weiß, daß er sich bei einem Teil seiner eigenen Wähler in Widerspruch setzt, ist ein neues Zeichen des hohen sittlichen Verantwor- ttmgsgefühls, von dem sich der Reichspräsident leiten läßt.

Auch in englischen Blättern wird des Reichs­präsidenten Stellung zu Locarno erörtert.Zwei Männern", fo sagt der liberaleStar",gehöre das Verdienst umLocarno. Der erste sei Cha m- b e r l a i n , der die britische Sache mit solcher Klug­heit und solchem Eifer vertreten habe. Der andere sei Präsident Hindenburg, der trotz der von seinen Freunden gemachten Vorwürfe fest zum Vertrag gestanden habe. Es sei nicht leicht, gegen die militärischen oder politischen Feinde zu ope­rieren, aber es sei viel schwerer, den Angriffen alter Freunde entgegenzutreten, und es fei ein gutes Omen, daß der alte Feldmarschall so ge­handelt habe.

Die Frage der Regierungsbildung.

Berlin, 2. Dez. (Wolfs.) Die gestrigen unverbindlichen parlamentarischen Be­sprechungen über die Frage der Regierungs­bildung Haben, wie mehrere Blätter melden, z u keinem Ergebnis geführt. Während die demokratische Fraktion und auch die Zen- trumsfraktion die Bildung der Großen Koalition erstreben, machen sich bei der Deutschen Volkspartei ebenso wie bei der Sozialdemokratischen Partei nicht unbeträchtliche Widerstände bemerkbar. Ein klares Bild der Lage wird man wohl erst nach der Rückkehr des Reichskanzlers und des Reichs­außenministers aus London gewinnen können.

Der deutsch-russische Handelsvertrag.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 1. Dez. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung der deutsch-russischen Handelsver­träge vom 12. November 1925.

Ministerialdirektor Wallroth begründete den Vertragsentwurf. Er betont in seinen begrün­denden Ausführungen, daß das nach schwierigen Verhandlungen zustande gekommene Vertragswerk eine Verwirklichung der im Rapallovertrag aufgestellten Grundsätze bringen und statt der auf vielen Gebieten noch unklaren Verhältnisse zwischen beiden Ländern einen klaren Rechtsboden schaffen wolle. Die Verhandlungen seien deshalb besonders schwierig gewesen, weil ein Ausgleich zwischen zwei grundverschiedenen Wirtschaftssystemen gefunden werden mußte. Der Vertrag weiche darum von der sonst üblichen Form ab. Um der noch im Flusse befind­lichen wirtschaftlichen Entwicklung Rußlands ge­recht werden zu können, sei die Geltungsdauer des Wirtschaftsvertrages auf nur zwei Jahre beschränkt worden. Wesentliche Fortschritte seien auf dem Ge­biete des Rechtsschutzes deutscher Staatsbürger in Rußland erreicht.

Abg. Wissel (Soz.) begrüßt das Vertrags­wert, warnt aber vor übertriebenen Hoffnungen in der Richtung, daß die deutsche Wirtschaft nun große Vorteile aus der Verbindung mit Rußland gewin­nen könnte. Die Sozialdemokratie wünscht enge wirtschaftliche Beziehungen mit Rußland, aber sie lehne die kommunistischen Pläne eines militärischen Bündnisses ab. Rußland könne nicht als die Zen­trale des Weltsozialismus betrachtet werden. Der Vertrag räume zwar den deutschen Staatsbürgern größere Rechte in Rußland ein, wie sie die russischen Staatsbürger haben, aber die in modernen Kultur­staaten garantierte Freiheit sei auch nach dem Vertragswert nicht gewährleistet.

Abg. Dr. Reichert (Dn.) verweist auf die Ausführungen des Grafen Westarp, sich nicht in den Kreis der Westmächte einschließen zu lassen, dessen Politik gegen Rußland gerichtet sei. Der Vertrag gewähre den Russen große Vorteile, und es sei zu 'wünschen, daß auch die deutschen Staats­angehörigen in Rußland gleich günstig behandelt werden. Der Redner erklärt Wir dürfen unsere Hoffnungen aber nicht Überspannen.

Rußland hat große Kredilschwierigkeiten. Auch das russische Außenhandelsmonopol wirkt hemmend.

Rußland stellt ein großes Absatzgebiet für die deutschen Industrieprodukte dar. Die gegenseitig gewährte Meistbegünstigung stellt sich dabei für Rußland viel günstiger dar als für Deutschland. Für meine Partei steht die poli­tische Bedeutung des Vertragswertes in vor­derster Linie. Die politisch? und wirtschaftliche Auswirkung des Vertrages, der noch in manchen Punkten einer Erweiterung bedarf, wird die beiden Völker einander näh?rbnngen.

Abg. v. Raumer (D. Vpt.) betont die politisch? Bedeutung des Abkommens. Es stelle feinen Handelsvertrag, sondern einen Wirt­schaftsvertrag dar. Seine Partei hoffe aber, daß durch das Vertragswerk ein reger Ver­kehr angebahnt werde, da wir das große Absatz- igebiet, wie es Rußland darstelle, sehr wohl gebra. Hen könnten. Deutschland müsse mit diesem entwicilungsreichen Lande in engem Zusammen­hang bleiben.

Abg. Hecker (Dem.): Das vorliegende Der- tragswerk ist zu begrüßen, aber man muh vor der Illusion warnen, daß unsere deutschen Kauf­leute sich in Rußland ebenso frei bewegen können wie in anderen Staaten. Die von den Konunu- nisten befürchtete anti-russische Politik könnte nie durchgeführt werden, weil sie im deutschen Dolle keinen Boden findet. Deutschland ist auf vertrauensvolle Beziehungen im Osten undWesten angewiesen.

Abg. Dr. Wirth (bei keiner Fraktion): Bei der Locarnodebatte hat sich eine auffallende Hin­neigung Ler rechtsgerichteten Abgeordneten zur Ostpolitik gezeigt. Den Ausführungen des Grafen Westarp zu diesem Punkt hätte man zustimmen können. Ganz überraschend aber mußte es wirken, daß auch ein völkischer Abgeordneter sich geradezu leidenschaftlich für die Ostpolitik ein- setzte. An der Wiege von Rapallo haben nicht die Politiker von rechts, sondern die Republikaner gestanden. (Unruhe und Zurufe bei den Völ­kischen.) Damals sagte ein Mitglied dieses Hauses von R ath en au:Kaum war die Ehre Deutsch­lands in den Händen dieses Mannes in Rapallo, so war die Ehre Deutschlands verloren und »er­raten!" Wer das gesagt hat und damit moralisch für den Mord verantwortlich ist, sind Sie, Herr Henning! (Lärm bei den Völkischen.) Die jetzige Begeisterung der Völkischen für Rapallo ist eine Ironie der Weltgeschichte. Die Republi­kaner werden darüber wachen, daß Deutschland nicht als Spitzel eines wirtschaftlich oder politisch gegen den Ost:n gerichteten Konzerns benutzt wird. (Beifall links und beim Zentrum.)

Weiierberatung Mittwoch: Zollabkommen mit Oesterreich und der Schweiz, Anträge zur Für­stenabfindung und 3. Beratung einiger Etats­kapitel.

Dervergleichmitdenhohenzollem

Berlin, 1. Dez. (WB.) Zu dem von dem preußischen Finanzministerium . ausgearbeiteten Vergleich der Staatsregierung mit dem ehemali­gen Königshause, dem das Haus Hohenzollern im wesentlichen zustimmt, wird von den zu­ständigen Stellen u. a. noch erklärt: Die preußische Regierung sieht sich zu diesem Ver­gleich mit dem ehemaligen Könrgshause um so mehr gezwungen, als sich in Verfolg der von feiten des Königshauses gegen den Staat ge­führten Prozesse, die dem Staat ca. 1,7 Millionen Gerichtskosten eingetragen haben, die Lage für Preußen außerordentlich verschlech­tert hat und es nunmehr darauf anfam, int Interesse des Volkswohles wenigstens die De- sihsteuer des Königshauses, auf die die Regie­rung keineswegs verzichten kann, für den Staat zu retten. Eine Regelung auf Grund einer ab­soluten Enteignung, wie sie vielfach gewünscht wird, ist nicht möglich. Hm so mehr ist es zu begrüßen, daß der jetzt vorliegende Vergleich für den preußischen Staat viel günstiger ist als der vom Iahre 1920, den seinerzeit die Reichs­regierung abgelehnt hat. Es muß zunächst be­tont werden, daß es sich in der Auseinander­setzung mit dem Königshause nicht um eine Ab­findung, sondern um eine Entschädigung handelt.

In dem Mantelgeseh soll die Versor­gung der Hofbeamten und Hofkammer­beamten geregelt werden in dem Sinne, daß die Beamten für die Dauer ihrer Beschäftigung von dem früheren Konigshause besoldet werden und erst in dem Augenblick dem preußischen Staat zur Last fallen, in dem sie aus dem Dienst ausscheiden und Rente zu beanspruchen haben. Rach dem Vergleich hat sich nun der preußische. Staat die bereits in dem amtlichen Comunique vom 30. Rovember genannten Objekte gesichert, die das muß betont werden in einem Prozeßverfahren ohne weiteres dem Hause Hohenzollern zugesprochen worden wären. Die dem vormaligen Königshause zugesprochene ein­malige Entschädigung von 30 MUlionen Rechs- marl ist als Ablosun g der Kronfidei- kommihrente vorgesehen und zu gleicher Zeit aus dem Werte des noch strittigen Besitzes er­rechnet worden.

Eine amtliche Schätzung der dem Königs­hause zufallenden Werte hat noch nicht stattge­funden, doch sind die in der Presse auf getauchten Zahlen bei weitem übertrieben. Das ist darin begründet, daß das Königshaus seinerzeit oft Aufkäufe von Besitzungen vornehmen mußte, die, wie z. B. die Herrschaft W u st e r h a u f e n, keincÄwegs sehr ergiebig sind. Die dem Staat zufallenden Besitzungen sind so gut wie hypo­thekenfrei. Die wertvollsten Besitzungen sind zum großen Teil an Polen gefallen, wo­mit das Königshaus alte Regreßansprüche ver­loren hat. Es ist noch zu bemerken, daß vom Königshause die steuerlichen Verpflich­tungen anerkannt und regelrecht abgeführt wurden.

Ein neuer griechisch-bulgarischer Zwischenfall.

TH. Sofia, 1. Dez. In einem Kaffeehaus in der griechisch-mazedonischen Stadt Florina ist eine Bombe explodiert. Die griechischen Be­hörden haben festgestellt, daß die Tat von Bul­garen begangen worden sei und haben scharfe Repressalien gegen die bulgarische Bevölkerung ergriffen. Ferner wurde festgestellt, daß infolge der Mißhandlungen der Bulgaren durch die grie­chischen Behörden neuerdings Tausende von Flüchtlingen aus Mazedonien über die bulgarische Grenze gekommen sind. Die bulgarische Presse zeigt i nfolge dieses Vorfalles große Erregung.

Aus aller Welt.

Der Mörder des Kriminalafsistenten Sack festgenommen.

Frankfurt a. M., 2. Dez. (WTB.) Wie wir erfahren, ist es der Polizei gestern gelungen, den Mörder des Kriminalassistenten Sack festzu- nehmen. Roch in später Abendstunde haben auf der Bahnhofswache Vernehmungen stattgefunden, die keinen Zweifel an seiner Täterschaft lassen.

Ein neues Werk von Fritz Hnruh.

Der in Frankfurt a. M. lebende Dichter Fritz von Hnruh hat ein neues DramaBo na- Parte" abgeschlossen. Es handelt sich um ein abendfüllendes Bühnen werk in vier Akten. Das Drama spielt in den letzten Märztagen des Jah­res 1804, also unmittelbar bevor sich Konsul Bonaparte die Kaiserkrone aufsetzte. Das Werk wird noch in diesem Winter seine Urauf» führung erleben. Gleichzeitig mit der Auf­führung wird das Buch erscheinen.

3m Schneeslurm verunglückt.

Auf de mHeimweg vorn Hachenburger Katharinenmarkt geriet der Landwirt Sebastian K ö 11 i n g aus Alsdorf auf der Landstraße zwi­schen Limbach und Kundert in einen Schneesturm. Er fiel zu Boden und erfror., Am nächsten Mor> gen sahen Fuhrleute in einer hohen Schneever­wehung einen Schirm aufragen. Bei den Nach­forschungen fand man die Lerche des Landwirts vor.

Familienlragödie.

Die Hamburger 'Polizei fand den Kaufmann Robert P ü l s ch e n erschossen im Bett liegend vor. Die Untersuchung hat ergeben, daß der 21jährige Sohn den Vater erschossen hatte, dadieser die! Familie in brutal st er Weise tyranni-1 fierte und auch am Vorabend seine Ehefrau wie­derum schwer mißhandelt hatte. Der Sohn gab nach i der Verhaftung an, einzig aus Liebe zu der Mutter I gehandelt zu haben.

Äie Folgen einer unsinnigen Wette.

In dem Dorfe Mandern bei Wlldungen schloß ein Arbeiter eine Wettes ab, dahinlautend, daß er einen Liter Branntwein aus­zutrinken vermag. Die Folgen waren, daß er am andern Morgen a l s Leiche aufge­funden wurde. Er hinterläßt Frau und drei Kinder.

c rvo rtrussage.

Heiter bis wolkig, nördliche Winde, kälter, Rachlafsen der Riederschläge.

Der gestern noch über Mitteleuropa liegende Tiesdruckwirbel ist sprunghaft nach dem Balti­kum vorgestoßen und hat sich zugleich start ab- geschwächt. Infolge dieses schnellen Abbröckelns ist bereits gestern abend die zu erwartende Ab­kühlung eingetreten, die bor:äu,ij anhasten dürste.

Gestrige Tagestempeva uren: Ma>imum plus 3,1, Minimum minus 10,7 Grad Celsius. Rieder­schläge 2,8 Millimeter. Heutige Morgentempera­tur: minus 10,1 Grad Celsius.

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