Mittwoch, 2. Dezember 1925 <
I?5. Jahrgang
Nr. 282 Erstes Blatt
t hervorgehen mpgei überwinden sind. Wir
Wir sind uns vollkommen darüber klar, daß noch viel getan werden muß, bis unsere Hoffnungen sich verwirklichen. Wir werden auf dem vorgezeichneten Weg noch viele, viele Schwierigkeiten finden, aber wir werden sie überwinden. Wir sind entschlossen, dieses Friedenswerk in demselben Geiste fortzusetzen, von dem die Verhandlungen in ßocdwo beseelt waren. Nachdem wir unsere Hand an den Pflug gelegt haben, dürfen wir zurückblicken. Die englische Regierung wird olles tun, was in ihren Kräften steht, um den Erfolg unserer Arbeit zu sichern, um die künftige Generation von einer Wiederholung der Leiden zu bewahren, deren Folge und Opfer die heutige Not ist."
Nach der Rede des englischen Außenministers nahm
Reichskanzler Dr. Luther
das Wort zu folgenden Ausführungen in deutscher Sprache:
„Im Namen meiner Regierung danke ich für den Empfang und für die Botschaft, die S. M. der britische König den hier versammelten Delegierten der Nationen übermitetlt hat, die sich in Locarno vereinigt haben, um das Werk oorzubereiten, das in der Hauptstadt Großbritanniens seinen Abschluß finden soll. Ich weiß, daß ich in Uebercinstim- mung mit allen hier Versammelten spreche, wenn ich dem Beileid Ausdruck gebe, das uns beseelt angesichts des schweren Verlustes, den die Kgl. Familie und das britische Reich durch den Tod der Königinmutter erlitten hat. Bon ganzem Herzen begrüße ich die Feststellung Seiner Majestät, daß Locarno ein Werk sein soll der Befriedung und Versöhnung, als Grundlage für eine auf- r i ch tlge Fr e u nd s ch af t zwischen den hier vertretenen Nationen und daß es den Frieden sichern
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ChesredolUcur.
Dr. Friede Wilh. Lange. Verantwortlich:
für Politik und Feuilleton Dr. Friede. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Illstel, sämtlich in Gießen.
den werden muß.
Alle Völker müssen sich vereinigen, um diese Vorurteile und dieses Mißtrauen in die Vergangenheit zu verweisen und den weg frei zu machen für eine Zukunftsentwicklung, an der wir alle mitarbeiten müssen. Dazu wird es notwendig sein, daß auch alles verschwindet, was seine Ursachen hat in nicht mehr berechtigten Nachwirkungen einer vergangenen Kriegszeit.
Die Tatsache, daß Gebietsteile meines Vaterlandes unter den Auswirkungen dieses Krieges noch zu leiden haben, muß in absehbarer Zeit ebenso der Vergangenheit angehören, wie der Gedanke des Mißtrauens, dem wir gemeinschaftlich entsagen wollen. Der Pflug, an den wir Hand anlegen wollen, soll neue Werte schaffen, auf einem freien Boden, der die Möglichkeit der Ernte gebe, deren unsere Völker bedürfen, nachdem sie so viel gelitten haben durch die Heimsuchungen der Vergangenheit. An diesem großen Werk mitzuarbeiten ist unsere Aufgabe- noch mehr als der Inhalt des Vertrages, der neue Verhältnisse in der Welt schafft, muß d i e Einheit des Willens zu gemeinsamer friedlicher Arbeit sein, die ihren Ausdruck im Werk von Locarno findet, zu dem sich Deutschland im Einklang mit seiner bisherigen Stellungnahme und den eigenen deutschen Anregungen auch heilte gern bekennt. Möge aus dieser Willenscinhcit das Zusammenwirken aller der Völker erwachen, die hier vertreten sind."
Der französische Ministerpräsident Briand
sprach dann aus Anlaß des Todes der Königinmutter Alexandra das tiefe Mitgefühl Frankreichs aus. Er dankte alsdann dem König und der britischen Regierung für ihre De° grüßungsworte und Gastfreundschaft unO wies auf die hervorragende Rolle hin, die Chamberlain bei den Verhandlungen von Locarno gespielt habe. Briand schloß mit den Worten: „3d> werde nicht ohne Bewegung die großen Verträge unterzeichnen, die dazu bestimmt sind, die Völker Europas einander näher zu bringen, und die Einleitung einer neu en Aera des Friedens zu bezeichnen, die den tiefsten Gefühlen und Wünschen der Völker aller derjenigen Rationen, die so furchtbar während des Krieges gelitten haben, entsprechen."
D rr italienische DertreterSeialoia gab im Ramen Italiens der Dankbarkeit seines Landes gegenüber dem König von England Ausdruck und erklärte, Mussolini habe, da er zur Zeit verschiedene Ministeren persönlch verwalte, nicht, wie er es gewünscht habe, nach London kommen tonnen, um den Vertrag von Locarno zu unterzeichnen. Sein Bedauern fei um so größer, da er, als er die in Locarno an-
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Die Unterzeichnung der Locarnoverträge.
Der feierliche Aßt im Foreign Office. — Eine Botschaft des Königs. — Die Reden der Delegierten Der Empfang in Buckingham-Palast. — Eine Ministerbesprechung.
genommenen Verträge paraphierte, besonderes Interesse daran hatte, die Tatsache hervorzuheben, daß er die Verträge ebenso wie die anderen Vertreter als dazu bestimmt betrachte, d i e Grundlage neuer Beziehungen zwischen den Staaten Europas zu bilden, Beziehungen, die von einem weitherzigen Geist der Versöhnung und des gegenseitigen Vertrauens beseelt sind. Er könne sich den Worten Camber- lains nur voll anschliehen und wolle erklären, daß Italien stolz darauf sei, an diesem großen Werke des Friedens beteiligt zu sein und seine desinteressierte Garantie zu gewähren mit dem alleinigen Zweck, die Verwirklichung der Eröffnung einer Aera der Brüderlichkeit zwischen den Völkern geschaffen zu sehen.
Der belgische Außenminister Vanderveide
drückte sein Bedauern aus, daß die Trauer im englischen Konigshause einen Schatten auf die Zeremonien der Unterzeichnung werfe, die eine festliche Gelegenheit sein sollte für eines der glücklichen Ereignisse, nämlich die Feier des Friedens und der Versöhnung. Van- dervelde schloß mit den Worten: „Möge mit diesem Tage eine neue Aera im Leben der Völker beginnen. Mögen die Volker, die die Heimsuchungen des Krieges erdulden mußten, zusammenwirken im Geiste gegenseitigen Vertrauens und durch Abrüstung der Herzen den Weg vorbereiten für die Abrüstung der Händel"
Der tschechische Außenminister Benesch
erklärte, daß er sich „den edlen Worten des Reichskanzlers Dr. Luther und Briands" an- schlie^", und führte dann weiter aus: „3<f» bin mit der Ueberzeugung nach London gekommen, daß wir heute durch unsere Unterschr.ften eine lange Epoche des Friedens einleiten werden. Ich bin der britischen Regierung aufs tiefste dankbar für die große Rolle, d e sie vor und während der Verhandlungen von Locarno gespielt hat. Ich vertraue darauf, daß dieser Friede Europa nur Glück bringen wird.
Der polnische Ministerpräsident Graf Skrzynski
gab feiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß er im Ramen des Präsidenten der polnischen Republik die Unterschrift Polens unter den Schiedsgerichtsvertrag zwischen Polen und Deutschland sowie die Verträge betreffend die Übereinkommen von Locarno zu sehen berufen sei. Die Unterschrift Polens binde die künftige polnische Politik, wenn erst die Ratifizierung durch die Kammer erfolgt fei, in einer Weise, die dem Schicksal des polnischen Volkes an« gepaßt fei. Das polnische Volk sei bestrebt, die Integrität seines Gebiets in Frieden und Würde zu bewahren. Er schloß: „Wir sehen in den in Locarno abgeschlossenen und in London unterzeichneten Vereinbarungen ein Gesamtwert und eine Einheit eines juristischen Systems und eine wirksame und mächtige Garantie für den Frieden in Europa. Wir geben unserer Hoffnung Ausdruck, daß die heute unterzeichneten Abkommen im Geiste und im Buchstaben leben müssen.
Hierauf ergriff Chamberlain erneut das Wort, um den eigentlichen Akt der Unterzeichnung der Locarnoverträge einzuleiten. Er ersuchte Sir Cecil Hurst, über die Prüfung der Vollmachten der Delegierten Bericht zu erstatten. Rachdem Hurst eine kurze Erklärung abgegeben hatte, erfolgte unter größter Spannung aller Anwesenden
die Unterzeichnung.
Als erste unterzeichneten Dr. Luther und Dr. Stresemann, hierauf Vanderveide, Briand, Baldwin, Chamberlain, der mit der goldenen ihm in Locarno verehrten Feder unterzeichnete. Scialoja, Skrzynski und Benesch. Rachdem die Unterzeichnung der verschiedenen Dokumente beendet war, überreichte Chamberlain Dr. Luther die in Locarno entworfene, gewisse Erklärungen bezüglich des Art. 16 der Völkerbundssahung enthaltende Kollektivnote. Hierauf hielt
Briand
hauptsächlich der deutschen Delegation zugewandt, sichtlich bewegt, eine längere Rede, in der er etwa folgendes ausführte:
Als die Abkcmmen von Locarno paraphiert
sie bedeuten, daß solche Blutbäder nicht mehr stattfinden sollen, und wenn sie verhindern, daß die Gesichter unserer Frauen von neuer Trauer getrübt werden und unsere Städte und Dörfer der Verwüstung und Plünderung und unsere Männer der Verstümmelung anhcimfallen. Wir müssen in gemeinsamer Friedensarbeit Zusammenwirken, und unsere Völker, die auf dein Schlachtfeld gleichen Heldenmut gezeigt haben, werden im Verlauf der Zeiten Bahnen für einen nicht weniger ruhmreichen Wettbewerb finden. In diesem Geiste werde ich als französischer Delegierter die Verträge unterzeichnen, und ich gebe hier folgende feierliche Erklärung ab:
In dem Bewußtsein, daß ich der Sprecher der gewaltigen Mehrheit meiner Landsleute bin. bin ich entschlossen, mich in Zukunft aller derjenigen Bestimmungen des Abkommens zu bedienen, die gegen einen Krieg und für den Frieden wirken.
Ich sehe in diesen Bestimmungen den Beginn eines hervorragenden Werkes der Erneuerung Europas und der Offenbarung des wahren Charakters Europas, und zwar durch eine allgemeine Vereinigung, zu welcher alle Völker eingeladen werden, um einen endgültigen Frieden sicherzustellen und in diesem Frieden täglich weiter auf dem Wege des Fortschritts vorwärts zu schreiten. Zum Schluß möchte ich der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Abkommen von Locarno alles dos erfüllen möge, was man sich von ihnen verspricht, daß der Keim, den sie enthalten, sich entwickeln möge und daß sie den Völkern den Frieden geben mögen, den sie von diesen Berträgen erwarten.
Rach ihm ergriff
Dr. Stresemann
das Wort zu einer ebenfalls mit großer Bewegung vorgetragenen Rede, die ebenso wie die Worte Briands einen liefen Eindruck auf die Zuhörer machte. Dr. Stresemann sagte: In dem Augenblick, in dem das in Locarno begonnene Werk durch unsere Unterschrift in London vollendet ist, möchte ich vor allem Ihnen. Sir Austin Chamberlain, den Dank aussvrechen für das, was wir Ihnen schulden in Anerkennung der Füh rerschaft bei dem heute vollendeten Werk von Locariw. Wir haben, wie Sie wissen, in Locarno keinen Vorsitzenden gehabt, hciben ohne Vorsitzenden gehandelt. Das aber sst das Große in der wunderbaren Tradition Ihres Landes, das auf eine mehr als hundertjährige politische Erfahrung zurückblicken kann, daß ungeschriebene Gesetze weit besser wirken als die Form, in der man glaubt, Dinge meistem zu müssen. So hat die Konferenz von Locarno. die so informal war, zu einem Erfolg geführt. Sie konnte dazu führen, weil sie in Ihnen, Sir Austin, einen Führer hatte, der durch seinen Takt und seine Freundlichkeit, unterstützt von seiner liebenswürdigen Gemahlin. zunächst einmal jenes ganz persönliche Vertrauen um uns wob. das wohl ein Bestandteil dessen ist, was als Geist von Locarno bezeichnet wurde. Aber es war etwas | anderes, das wichtiger war, als dieses persön-
London. 1. Dez. (TU. Funkspruch.) Die Unterzeichnung der Locarno-Verträge begann i heute kurz nach 12 Uhr mittags M. Z. Bei der Ausfahrt der Delegationen hatte sich vor dem Konferenzgebäude eine große Menschen- I .menge angesammelt. Als erste erschienen die Italiener, dann folgten die Vertreter der | englischen Regierung mit Ausnahme des Premierministers Baldwin, der unbemerkt durch eine Seitentüre eingetreten war. Als dritte erschienen die Franzosen, an ! ihrer Spitze Ministerprä ident Briand. gleich daraus der belgische Außenminister Van der- ■ velde mit der belgischen Delegation. Die deutsche Delegation wurde bei der Ankunft mit lebhaften Beifallskundgebungen der Zuschauer begrüßt. Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann öanl- ton, indem sie den Hut lüfteten und freundlich lächelten. _ ,
Chamberlain empfing die Delegierten des Auslandes mit ihrer Begleitung irn Sekretariat des Außenamtes. Rach der Prüfung der Vollmachten und der Verträge begaben sich die Delegierten in den Goldenen Saal v zur Unterzeichnungsfitzung. Außer "Öen Mitgliedern der offiziellen Delegationen wohnten der Unterzeichnung die Mitglieder des britischen Kabinetts. die diplomatischen Vertreter der Signatarmächte in London, die britischen Botschafter in Berlin. Paris und Brüssel, die Kommissare der Dominions und Indiens sowie die Unterstaats- fefretäre des Foreign Office bei. Unter den an» wesendeii Damen befanden sich die Gattin des , britischen Premierministers und die Gattin k Chamberlains. Der Tisch, an dem die Dokumente unterzeichnet wurden, war in der Mitte der Empfangshalle cWfgestellt. Den Mitteltisch r mit seinen zweiunddrmttg Sitzen für die Dele- ‘ liierten umgaben die kleineren Tische der Sekretäre. Ein Drittes des Raumes wurde durch eine Estrade und erhöhte Sitze eingenommen, von wo aus über zweihundert Pressevertreter aller Länder der Feierlichkeit beiwohnten. Hinter ihnen hatten sich die Filmoperateure auf gestellt. Don diesen hatten einige auch sogar in den Dachfenstern des Hauses Stellung bezogen. Als_ die Delegierten den Saal betraten, erhoben sich sämtliche Anwesenden von den Plätzen. Kurz nach den Delegierten traten die Mitglieder des britischen Kabinetts geschlossen in den Saal. Chamberlain nahm an der Spitze des Tisches , unter dem Bildnis des Königs Platz. Zu seiner 1 Rechten sah Daldwin, hierauf folgten Scialoja.
Pilotti. Medici, Luther Stresemann, Schubert. Kempner, Rolin, Vandervelde, Przezdziccky. Skrzynski, Benesch, Berthelot, Briand, Lampson, (Foreign Office) und Sir Cecil ' Hurst (Rechtsberater im Foreign Office), der zur
Linken Chamberlains sah.
Besondere Plätze waren für die Botschafter der ausländischen Signatarstaaten in London reserviert, ebenso für die britischen Botschafter in Berlin, Lord d Abern on. und Lord Crewe in Paris, die an dem Zustandekommen des Werkes besonderen Anteil haben. Punkt 11 klatschte ein Beamter des Hauses in die Hände, das Licht wurde eingeschaltet und die Filmoperateure begannen ihre Arbeit. Zu Beginn der Sitzung erhob sich Chamberlain und verlas folgende
Botschaft des Königs von England:
Im Ramen S. M. des Königs heiße ich : ©je in der Hauptstadt des Reiches willkommen.
H. M. hat mich beauftragt, Ihnen zu sagen, mit welchem Interesse er den Beratungen der Konferenz von Locarno ge'olgt ist und Ihnen • feine tiefe Befriedigung über ihren Erfolg aus- zudrücken. S. M. beglückwMifcht sich dazu, daß Sie gerade seine Hauptstadt zum Unterzeichn irungäort für die in Locarno geschlossenen Verträge gewählt haben und bedauert, daß Sie infolge des schweren Verlustes, der ihn gerade : jetzt getroffen hat, verhindert ist, dieser feierlichen Gelegenheit beizuwvhnen, wie er es so gern gewünscht hätte. Aber des Königs höchster I Wunsch ist, daß dieses große Werk der Be- ftieöung und Versöhnung die Grundlagen für die aufrichtige Freundschaft zwischen unseren sieben j Rattonen und für die Friedenssicherung unserer
Völker sein wird.
Die AdrefsedesKönigs wurde darauf ins französische übersetzt, desgleichen die nachfolgende
Äede EhamderSains:
„Meine Herren! Ich brauche nicht hinzuzufügen, daß der Premierminister und ich selbst uns gleichfalls zu Ihrer Anwesenheit in London zur Unterzeichnung des Vertraaes von Locarno bealückwün- : fchcn. Wir bedauern sehr, daß es Herrn Mussolini unmöglich gewesen ist, persönlich den von ihm paraphierten Vertrag zu unterzeichnen. Wir begrüßen dafür Herrn Scialoja als den Vertreter Italien^ Die Regierung Seiner Majestät teilt vollständig die Wünsche, die Ihnen vorzutraaen, ich eben die Ehre hatte. Die Konferenz von Locarno ho: nicht nur die alte Freundschaft gestärkr, sie ist auch die G r u n d l a g e für die Versöhnung mit Deutschland geworden und wir smd überzeugt, daß vir von nun an Freunde sein werden.
dazu geführt haben würde, den Akt von Locarno, an dem ich selbst beteiligt war, als das bedeutendste und ergreifend st e Ereig - n i s meines schon recht langen politischen Lebens zu betrachten. Es war ein einfacher Brief. Es waren nur wenige Zeilen einer unbekannten Frau aus dem Volke, die folgendes schrieb:
„Er'auben Sie einer Familienmutter, Sie zu beglückwünschen. Endlich werde ich meine Kinder ansehen können, ohne wegen ihrer Zukunft Furcht zu hegen. Endlich werde ich sie in Sicherheit wissen."
Richt zum ersten Male sind die Völker zu» sammengekommen, um miteinander em Sicher- ^itsabkommen zu suchen. In der Vergangenheit sind Verbindungen zwischen den Völkern auf Grund gemeinsamer Gefühle und sehr häuf.g auf Grund gemeinsamer Interessen her- gestellt worden. Solche Verbindungen waren voller Schwierigkeiten, Iler Vertrag von Locarno, den wir jetzt unterzeichnet haben, stellt eine ermutigende Neuerung dar. Richt durch Ansammlung von Macht hofft man den Krieg unmöglich zu machen, sondern durch dieBande gegenseitiger Unter ft Übung und menschlicher Solidarität. Durch unsere Unterfajriften erklären w.r uns für den Frieden. Der Partikularismus unserer Länder wird durch dieses Abkommen ausgeschaltet, und mit ihm werden unerfreuliche Erinnerungen ausgelöscht, wenn anders die Locarnoverträge nicht bedeuten sollen, daß sie nicht viel bedeuten. Wenn diese Abkommen nicht
der Entwurf einer Verfassung für die eure* päische Familie innerhalb des Völkerbundes
sind, so würden sie in der Tat sehr schwach sein und würden zahlreiche Enttäuschungen bereiten. Untere Völker haben im Laufe der Jahrhunderte oft auf den Schlachtfeldern einander gegenüberge- standen und sie haben oft dort ihr Blut und die Blüte ihrer Kraft gelassen. Die Abkommen von Locarno werden einen Wert haben, wenn
soll, den alle Völker so dringend brauchen, als Grundlage für ihren Wiederauffti eg. Auch hoffen wir ernsthaft, daß die Wünsche sich verwirklichen mögen, die der Herr königliche großbritannische Außenminister zum Ausdruck gebracht hat, insbesondere auch für das Verhältnis der hier vertretenen Nationen zu meinem Vaterland. Mr. E h a m b e r l e t n hat mit Recht hervorgehoben, daß aus diesen Verträgen neben der Versöhnung auch neue Freundschaft heroorgehen mögen und aber auch Hindernisse zu *" *"
sprechen von Vorurteilen, die wir besiegen müssen, von einem Mißtrauen, das überwun-
und der Welt bekannt gegeben wurden, lösten sie bei den Völkern eine große Bewegung des Vertrauens, ich möchte sogar sagen, der Begeisterung aus. Die Völker haben die Bestimmungen der verschiedenen Artikel in allen ihren Einzelheiten wohl weder durchdacht noch verstanden. Das Charakteristische dieser Zustimmung der Völker besteht vielmehr darin, daß sie instinktiv erfolgte. Unter den zahlreichen Brie'en, die ich selber erhalten habe — meine Herren, wir hären zweifellos alle eine Menge Br.e e erhalten — befindet sich einer, der mich besonders ergriffen hat, und der mich allein |
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General-Anzeiger für Oberhessen
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