Saasen, 1. Juli. Am kommenden Sonn- lag und Montag findet auf Einladung des hiesigen Gesangvereins „Eintracht" hier ein dängcrfeft der im V o l k s s ä n g e r b u n d E h o t t i a vereinigten Vereine statt. Mit dem Fest ist ein Wertungssingen verbunden, das am Sonntagoormittag beginnt. Sonntag nachmittag wird sich ein großer Festzug durch die Ortsstraßen bewegen. Weiteres ist aus der Anzeige im gestrigen „Gieß. Anz." ersichtlich.
Kreis Büdingen.
A Büdingen, 1. 3uli. Die Stichwahlen der Bürg erm e i ste rwah len wurden in einzelnen Dörfern des Kreises mit großer Heftigkeit geführt und mitunter der letzte Wahlberechtigte zur Wahlurne geholt. In Rieder-Mockstadt siegte der Landwirt Wilhelm L e n h a r d t mit 243 Stimmen, der seitherige Bürgermeister Heinrich Reuther IV erhielt 188 Stimmen. Heftig wurde auch in dem benachbarten B i n d s a ch s e n gekämpft. Hier siegte Jakob Kleer mit 145 Stimmen, während sein Gegner Wilhelm Günther 136 Stimmen erhielt.
' Ridda, 1. Juli Rach dem Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni beträgt die Einwohnerzahl unserer Stadt 2325 Personen, und zwar 1122 männliche und 1203 weibliche.
A Ridda, 1. Juli. Auf dem heute hier obgehaltenen Schweinemarkt war der Auftrieb von Ferkeln sehr stark, von Einlegeschweinen gering. Die Preise blieben in der seitherigen Höhe. Es wurden durchschnittlich bezahlt für ein Paar Ferkel. 6 Wochen alt, 50 Mk., 8 Wochen alt, 70 Mk. und für 10 Wochen alte 100 Mk. Der Handel ging flott, um 9 Uhr wurde der Markt schon geräumt. Rächsten Mittwoch findet hier auf der Gänsweide Fohlenmarkt statt, wozu schon eine größere Anzahl Züchter ihre verkäuflichen Tiere angemeldet haben.
nd. Nidda, 1. Juli. Nach schon länger gepflogenen Verhandlungen kaufte gestern die hiesige Gemeindeverwaltung von dem Kaufmann L u i g i C a l v i in Spaa die ehemalig Friedrich Kraftsche Brauerei für 38000 Mark. Das Anwesen besteht aus einem geräumigen Wohnhaus, einem großen Brauhaus, einem schönen Saal und einer geschlossenen Kegelbahn nebst Gastzimmer. Außerdem gehört ein großer Garten dazu, von dem mehrere Bauplätze gebildet werden können. Die Gebäude sind sämtlich erst vor etwa 28 Jahren gebaut worden und mit eigener Wasserleitung und ausgedehnten Kellern versehen. Nur das Wohnhaus ist älter: es war von dem ehemaligen Kreisrat Seitz, der um 1848 hier Kreisrat war, als Privat- wohnung erbaut worden. Als das ganze Besitztum vor 20 Jahren zum ersten Male mit allem toten Inventar verkauft wurde, kostete es 130 000 Mark. Seit dieser Zeit kam es durch Kauf und Verpachtung häufig in andere Hände. Die Brauerei wurde eingestellt, und schließlich ging auch der früher recht schwungvolle Betrieb der Gast- und Gartenwirtschaft ein. Die Jnventarstücke und Brauereieinrichtungen wurden nach und nach verkauft, und das Anwesen verlor immer mehr an Wert. Hoffentlich versteht die neue Besitzerin, es wieder besser und zweckmäßiger zu verwenden. An Vorschlägen dazu wird es nicht fehlen.
A Lindheim, 1. Juli. Hier starb der Veteran Kilian Kempf, "Mitkämpfer von 1870/71.
Kreis Schotten.
A Ober- Lais. 1. 3ult. Ein Wildschwein , eine hier seltene 3agdbeute, erlegte der Fabrikant Hermann S i g r i st aus Frankfurt (Main) in seinem 3agdrevier.
Kreis Alsfeld.
Groß-Felda, 1. Juli. Der hiesige R a d - s'ahrerverein nahm am Sonntag mit über drei- . ßig Fahrern an dem Bundesfest des Ober- ^hessischen Radfahrerbundes, mit dem 25jährige Jubiläum des Radfahrervereins „Broder des Vereins beteiligten sich an dem am Morgen , b a n t“ Alsfeld verbunden war, teil. Zwei Mitglie- abgehaltenen Rennen und konnten als Sieger heimkehren. Heinrich Schott errang in der Altersklasse den 3. Preis und Justus Schuchmann in der Anfängerklasse den 4. Preis. Der Verein selbst erhielt im Korsofahren in der Klasse AI den Ehrenpreis, ein von der Stadt Alsfeld gestiftetes, sehr wertvolles Gemälde. Bei der Jubelfeier am Nachmittag überreichte Fräulein Goldenberg im Namen des Vereins dem Bruderverein einen wertvollen Schild,
Fräulein Fob.
Roman von Anders Eje.
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Hätte seine ursprüngliche Vorstellung von der Unterzeichneten als einer Dame der Gesellschaft mit der Wirklichkeit übereingestimmt, so hätte die Begegnung zunächst nur eine einzige Fortsetzung haben können: Einen Besuch und ein paar Kilo Blumen.
Er lud mich in das Theater ein, — nicht irt die Oper, sondern in das kleine amüsante Sil- veftertheater, das ein etwas zweideutiges Programm pflegt. 3ch sagte ja, und dann trennten wir uns.
Als ich nachhause gekommen, erzählte ich natürlich sofort alles Papa Fili. Widerspruch von seiner Seite erwartete ich nicht, da ich gewohnt bin, selbst zu entscheiden, was mir paßt oder nicht, aber auf alle Fälle betonte ich bie Gelegenheit, die sich mir jetzt als ein Gxtra- gewinnst von der Maskerade am rechsten 3uli bot. Unb es kam so, wie ich dachte, — Papas Geschäftssinn kapitulierte ohne weiteres, Extragewinsten kann er nicht widerstehen, — oder vielleicht war es auch sein Sinn für Humor. Außerdem und auf eigene Rechnung hatte ich auch die Absicht, ein wenig hinter den Kulissen des Eisenbahnkaufes zu spionieren
Also, meine liebe Gabby, das Abenteuer begann ganz formell mit einer Loge in der ersten Reihe rechts. Das Stück, das man gab, hieß .„Fräulein Lisette — meine Frau" und war recht lustig, schien aber bei Herrn Fellips, meinem Kavalier, kein stärkeres Interesse ^u erwecken. In den Zwischenakten plauderten totr über dies und jenes, ein paar verfängliche Stichfragen über den Eisenbahnkauf erlitten schändlichen Schiffbruch, und was Herrn Fellips betrifft, war ec trotz des Halbdunkels brav und bescheiden wie ein Schuljunge. Weißt Du, Gabby, ich fing an zu glauben, daß wir den Rouös Unrecht taten, als wir sie in unserer Vorstellung mit den Attributen eines Vampyrs ausgerüstet hatten
Du hast gewiß schon erraten, daß mein'kleines Abenteuer nicht mit einem platonischen Händedruck in einer dämmerigen Torfahrt nach dem
als Andenken und Zeichen freundschaftlicher Beziehungen der beiden Nachbarvereine. Der Vorsitzende des Vereins, Postmeister U s i n g e r, konnte befriedigt und stolz auf seine wackere Schar mit ihr am Abend den Heimweg antreten.
Kreis Lauterbach.
rr. Schlitz, 30. Juni. Am Samstag beging die hiesige Höhere Bürgerschule (Realschule i. E.) unter starker Beteiligung früherer Lehrer und Schüler, wie auch der Bürgerschaft, das Fest ihres 25jährigen Bestehens. Rach einer Morgenandacht in dem Gotteshaus bewegte sich nachmittags ein großer Festzug durch die Straßen der Stadt zu dem Guntrumschen Saalbau, wo die offizielle Feier stattfand. Rach- dem ein Männerquartett „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" unter Musikbegleitung vorgetragen hatte, begrüßte Landtagsabgeordneter Bürgermeister Dr. R i e p o t h die große Versammlung, wies hin auf die außerordentlich rasche Entwicklung, welche die Schule im ersten Diertel- jahrhundert ihres Bestehens genommen, dank der Bemühungen der Lehrerschaft, der Opferwilligkeit der Bürgerschaft und des Entgegenkommens der Staatsbehörde. Der derzeitige Leiter der Anstalt, Dr. Roloff, betonte sodann, daß unser Land als das Land der Schulen gelte. Die Rachkriegs- zeit habe neben starker Kritiklust an der Schule auch ein mächtiges Sehnen nach Reuem, ein Ringen um die Probleme der Schule gebracht. Den Vorwurf, als ob die Schule zu sehr Lern- schule fei, wies er zurück, da es ohne ein großes Maß gediegener Kenntnisse im Leben nicht gehe, unser Volk sonst zurückbleiben müsse im Streben nach vorwärts und aufwärts. — Während das Hess. Landesbildungsamt durch Staatsrat Block seine Glückwünsche schriftlich übermittelt hatte, sprachen mündlich ihre besten Wünsche aus: Kreisdirektor Dr. Michel. Schulrat Lorentz, Rektor Adolph, Realschuldirektor Stein, Studienrat Dr. Berg u. a. Mit Aufführung eines von Schülern und Schülerinnen dargestellten Märchenspiels: „Die zertanzten Schuhe" fand die offizielle Feier ihr Ende, der am Abend ein Festessen folgte, woran 100 Personen teilnahmen und wobei Zahlreiche Reden gehalten wurden. Bei guter Tafelmusik, mancherlei Darbietungen, bei gemeinsamen Gesängen und schließlich einem Tänzchen für die Jugend nahm die gesamte Feier ein wohlgelungenes Ende.
Starkenburg und Rheinhessen.
* Da rmstadt, 1. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung begann gestern mit der Beratung des Voranschlags der Stadt Darmstadt, Dieser sieht einen Gesamtaus- gabebetrag von 18,2 Millionen Mark gegen 14,9 Millionen Mark im Vorjahre vor. Die Erhöhung ist im wesentlichen durch Wohlfahrtszwecke bedingt. Rach Mitteilung des Oberbürgermeisters ist mit einem Fehlbetrag von insgesamt 1 300 000 Mark zu rechnen. Der gestrigen Generaldebatte über den Voranschlag folgt am Donnerstag die Spezialdebatte.
Mainz, 1. Juli. (TU.) Die Dolkszäh- lung ergab 107 532 ortsanwesende Personen (ohne die Besatzungsarmee, deren Angehörige unb deren Hausangestellte). Beim Vergleich mit dem Ergebnis der vorletzten Zählung vom 8. Oktober 1919, die eine Einwohnerzahl von 107 930 ergab, ist zu berücksichtigen, daß rund 300 Familien von Ausgewiesenen noch nicht nach Mainz mangels einer Wohnung zurückgekehrt sind und viele Mainzer Familien sich zur Zeit in der Sommerfrische befinden. Infolgedessen wird sich die endgültige Devölkerungszahl von Mainz nicht unwesentlich erhöhen.
Kreis Wetzlar.
* Wetzlar, 1. Juli. In der gestrigen Stadtverordnetensihung, die fast vier Stunden in Anspruch nahm, erklärte der Bürgermeister, dem „Wetzlarer Anzeiger" zufolge, daß es nicht angängig fei, einen Etat zu genehmigen, der nicht balanziere. Er mache sich die von ihm vorgeschlagenen Abstriche zwar nicht zu eigen, befürchte aber, daß, wenn wir uns unseres Selbstverwaltungsrechtes begeben und die Aufsichtsbehörde anrufen müßten, diese die Abstriche in noch größerem Maße vornehmen werde. Die Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft ließ durch Stadtverordneten Wieser erklären, daß sie nach Rücksprache bereit fei, einem Gewerbesteuersah von 500 Prozent Zuschlag vom Ertrag und 800 Prozent Zuschlag vom Kapital zuzustimmen. An sozialen Ausgaben solle nichts gestrichen werden,
Theater sein Ende fand. Gewisse Anspielungen im letzten Zwischenakt ließen das obligatorische Souper ahnen, und ich war entschlossen, Ja zu sagen — schon deswegen, weil ich begann, einen grimmigen Hunger zu verspüren. Ich muß aber sofort gestehen: auf ein Chambre separee war ich nicht vorbereitet. Die Entdeckung ließ mich einige Sekunden zögern, — warum dies leugnen? — aber die ganze Umgebung beruhigte mich Lebhaftes Treiben ringsum, Licht und Blumen, tröstliche Stimmen im Rebenzimmer, elektrische Klingel und zwei Telephone im Vorzimmer. —
Ratürlich hätte ich nie im Leben zugestimmt, mit Herrn Fellips zu soupieren, wenn er mir ausgesprochen unsympathisch gewesen wäre. Aber gerade dies war er nun nicht. Ich habe immer für das „amerikanische" Aussehen geschwärmt, und, wie Du Dich vielleicht erinnerst ober auch nicht erinnerst, hat Herr Fellips ein solches, — ein scharfes Profil unb im Blick einen Schimmer von Energie, bie man vielleicht auch als Rücksichtslosigkeit bezeichnen kann. 3m übrigen machte er kein Geheimnis aus seinen Fehlern, unb ge- rabe biefe Ehrlichkeit war es Du kennst ja meine Schwäche für Menschen, bie ben Mut haben, ihre moralischen Gebrechen einzugestehen.
Ich werbe Dich nicht mit einem langatmigen Bericht über unsere Unterhaltung ermüben, — bas Pikante lag nicht in bem, was gesagt, fonbern barin, was nicht gesagt würbe. (Du siehst, baß ich anfange, raffiniert zu werben.) Ein paarmal ging es mir burch ben Kopf: was machst Du, wenn er Dich auf einmal mit Zu- bringlichkeiten überfällt? Die Antwort lag ja nahe, — im allerschlimmsten Fall Farbe bekennen unb Herrn Fellips in aller Geschwinbig- keit darüber aufklären, daß ich unter falschen Flagge segelte, mit einem Hinweis auf Papa als den eigentlichen Anstifter des Scherzes. Ich brauche Dir nicht zu sagen,' daß mir dieser Ausweg ungemein widerstrebte,'' aber, ä la bonne heure, als Sicherheitsventil jim äußersten Rotfall, als eine Art Vakuursibremse, wenn bie Fahrt lebensgefährlich werden sollte, muhte er natürlich beschritten werben.
Einigemale würbe meihe Geistesgegenwart auf bie Probe gestellt, ein! paarmal hatte ich bas Gefühl, baß bas Spi4l nahe baran war,
dagegen 3000 Mk. Sicherheitspolizei, 15 000 Mk. Personalkosten und 10 000 Mk. Wohnungsamt. Die nach dieser Ausmachung reftierenben 42 000 Mark im Etat sollen im Betriebsfonds erspart werden, b. h. aus bem eisernen Kassenbestand zur Balanzierung des Etats übernommen werden. Der Vorsitzende sah in dieser Regelung zwar nicht den Idealzustand, erklärte sich jedoch bereit, diesem Vorschlag zuzustimmen. In namentlicher Abstimmung wurde darauf der Vorschlag der Bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft mit 18 gegen 10 Stimmen angenommen. Gegen ben Vorschlag stimmte die gesamte Linke des Hauses.
* Krofdorf, 1. Juli. An bem diesjährigen Gauturnfest in Friedberg beteiligte sich der Turnverein Krofdorf mit 20 feiner Mitglieder. Don 13 Wetturnern wurden neun Sieger. Es erhielten in der Oberstufe im 12- Kampf W. Hof m o nn den 9. und im 9-Kampf den 18. Sieg. Mittelstufe K. Würtz ben 9. Sieg. Unterstufe Eduard Heyer den 3., Karl Drescher den 8., Wilh. Röhrsheim ben 11., Karl Debus ben 24., Albert Würtz ben 26., Karl Hahn unb Karl Leib den 32. Sieg. Die von dem Verein geturnte Musterriege am Reck wurde mit der Gesamtnote „Sehr gut" bewertet und stand somit an 2. Stelle aller geturnten Riegen. Von dem Verlauf des Festes und von der gastfreundlichen Aufnahme bei der Friedberger Bürgerschaft waren unsere Turner des Lobes voll.
Hessen-Nassau.
fpd. Frankfurt a. M., 1. Juli. Der Pfarrer Dr. Vaconius hat fein Amt als Pfarrer der evangelischen Dreikönigskirche niedergelegt unb bie Leitung ber neugebilbeten evangelischen ©emeinbe in Sachsenhausen, die aber außerhalb ber Lanbeskirche steht, übernommen. An seiner Stelle wählte man den Pfarrer 11 rspruch von ber Paulskirche, einen der beliebtesten Geistlichen ber Stabt. Damit bürste auch ber brohenben Abwanderung aus der Landeskirche ein wirksamer Riegel vorgeschoben sein. — Die Wiesbadener Unter« suchungsbehörde, bie bisher vergeblich nach bem Mörder des Gastwirts Bartsch von bem Restaurant „Hubertus" bei Königstein fahndete, ist jetzt auf ben zweifachen Lustmörber, ben Chemiker Michael Popp, als ben möglichen Täter aufmerksam gemacht worden. Popp gestand bie beiden Lustmorde in Thüringen ein. Er ist Morphinist und weilte bis Mitte April in einer bayerischen Heilanstalt, aus der er entsprang. Seitdem trieb sich Popp im Lande herum. Man nimmt an, daß er Ende April im Taunus weilte unb als Mörder des Bartsch zunächst um deswillen in Frage kommt, da bie Beschreibung des Mannes, den ein Briefträger am 23. April, mittags 12 Uhr, bei dem Wirt in ber Küche sitzend sah, auffallend auf Popp paßt. Diie Wiesbadener Staatsanwaltschaft hat sich bereits mit dem Untersuchungsrichter in Meiningen in Verbindung gesetzt.
bL Dillenburg, 1. Juli. Rach der Volkszählung beträgt bie Einwohnerzahl unserer Stabt 6036. Gegenüber bem Jahre 1910 ist eine Steigerung von 12 Prozent eingetreten. — Der Kreis stellte 10000 Mark zur Verfügung, die an bie Gemeinden verteilt werden, die sich zur Anschaffung von Motorspritzen entschließen. Die Erfolge scheinen nicht auszubleiben, denn in jüngster Zeit halten diese Spritzen einen starken Einzug in den Kreis.
Die Steuerfäüigfceitcn im Juli.
Im Monat Juli sind folgende Steuerfällig
keiten zu beachten: *
5. Juli: Lohnsteuer für die Zeit vom 21. bis
30. Juni einschl. der für die Zeit vom 1. bis 10. 6 bzw. 11. bis 20. 6 einbehaltenen noch nicht abgelie- ferten Beträge ohne Rücksicht auf deren Höhe.
10. Juli: Einkommen- und Körperschaftssteuervorauszahlung für Mai und Juni und 2. Ka- lenderoierteljahr 1925.
Vorläufige staatliche Gewerbesteuer 1925 —
20 Proz. der zu leistenden Einkommen- und Körperschaftssteuer.
Vorläufige Gewerbesteuer für die Provinz Ober
hessen — 4 Proz. der für die Zeit April bis Juni
1925 gezahlten bzw. zu zahlenden Einkommen- und
Körperschaftssteuer.
Umsatzsteuervorauszahlung für Juni und 2. Kalendervierteljahr 1925.
Kirchen- und Kultussteuern der auf Voranmeldung zahlenden Einkommensteuerpflichtigen für Mai
feinen Charakter als ein ungefährliches Gefecht mit Gummiballen auf den Florettspitzen zu verlieren. Aber es gelang mir, zu parieren. Gabby, ich versichere Dich, es war jedesmal ein außerordentliches Vergnügen, nach einem erfolgreich abgewehrten Angriff triumphieren zu können. Einmal wurde ich geradezu hochmütig. Ich dachte: wenn es nicht schwerer ist, ein gefährliches und lüsternes Raubtier sich fern zu halten, so brauchen sich bie Mäbchen nicht zu beflogen. .
Die Katastrophe bereitete sich mit folgenbem Dialog vor (beinahe wortgetreu toiebergegeben):
Er (schroff unb entschlossen): „Ich begreife nicht, wo ich meine Gedanken hatte. Hier sitzen wir unb plaubern eine Menge Unsinn unb boch habe ich noch gar nicht gesagt, was ich will. (Erhebt sich auf nicht ganz sicheren Beinen.) Ich will bei Ihnen sitzen “
Sie (erhebt sich auch — auf absolut sicheren Beinen): „Bedauere, mein Herr, So ansprechend dies Arrangement auch fein mag, — jetzt ist es zu spät."
Er (drohend): „Sie wollen doch nicht schon verschwinden?"
Sie (beherrscht, lächelnd): „Das wollte ich schon vor einer halben Stunde tun, aber unser Gespräch war so angenehm "
Er (mit gerunzelten Augenbrauen): „Ich verbiete ihnen, jetzt zu gehen. Hören Die es, ich verbiete es Ihnen."
Sie (konstatiert, baß bie elektrische Klingel in Reichweite ist, immer noch lächelnb): „Wie wollen Sie das machen?"
Gr (wieder sanfter werdend): „Entschuldigen Sie, Fräulein, das meinte ich natürlich nicht so. Aber fünf Minuten können Sie mir wohl noch gönnen. Rur noch fünf Minuten "
Sie (zeigt ihr Einverständnis, indem sie sich auf einen Stuhl in ber Rähe ber Tür seht — unb ber Klingelleitung): „Also, so bleibe ich noch fünf Minuten."
Er (in gezwungen ruhigem Ton, bie Stirne mehr gerötet, als es früher der Fall war): „Wie haben Sie sich Ihre Zukunft gedacht, Fräulein Lisa?"
Sie (achselzuckend): „Ich habe mich nicht zu beklagen “
Er (geht, bie Hänbe in ben Hosentaschen, mit
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Kirche und Schule.
Vereinbarung der Länder über die deutsche Oberschule.
Die Regierungen der Länder haben daS folgende Uebereinfommen getroffen, das auch für Hessen ohne Einschränkung Geltung hat:
1. Als neue zur Hochschulreife führende höhere Schule wird bie deutsche Oberschule versuchsweise zugelassen.
2. Die Dauer des Lehrganges ber beutschen Oberschule ist dieselbe wie bei ben übrigen höheren Schulen.
Die deutsche Oberschule ist auch in ber Form ber Aufbauschule zugelassen.
3. Allgeniein verbindliche Lehrfächer der deutschen Oberschule sind: Religion, Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Mathematik, Raturwissen- fdurften, Zeichnen unb Musik, ferner Staatsbürgerkunde, Kunstbetrachtung unb philosophische Propädeutik als gesonderte Lehrfächer oder im Anschluß an andere Lehrfächer. Dazu kommen zwei fremde Sprachen, von denen bie eine in der untersten Klasse der deutschen Oberschule beginnt und bis zum Abschluß, bte zweite mit mindestens drei Wochenstunden während ber letzten vier Jahre durchgeführt werden muß.
4. Die Aufstellung der Lehrpläne bleibt ben Unterrichtsverwaltungen der Länder überlasten, die sich, gegebenenfalls durch Vermittelung des Ausschusses für das Unterrichtswesen, über deren Angleichung verständigen.
5. Schüler solcher deutschen Oberschulen, die nur eine verbindliche fremde Sprache eingeführt haben, im übrigen aber ben Anforderungen unter 1 bis 4 entsprechen, können die Berechtigungen der deutschen Oberschule nur bann erwerben, wenn an der Schule, bie sie besucht haben, eine zweite fremde Sprache als unverbindliches Fach mit mindestens 3 Wochenstunden während der letzten vier Jahre betrieben wurde, und wenn sie die Teilnahme an dem Unterricht ber zweiten fremden Sprache in ihrem Reifezeugnis nachweifen: die Leistungen in dieser ftemden Sprache sind bei den Versetzungen und bet der Erteilung des Reifezeugnisses wie bet einem ordentlichen Lehrfach zu werten.
6. Der Unterricht an der deutschen Oberschule wird, unvermeidliche vorübergehende Vertretungen ausgenommen, nur von Lehrern erteilt, die sich über ihre Befähigung für die ihnen gestellte Lehraufgabe ordnungsmäßig ausgewiesen haben.
7. Die Einbeziehung der deutschen Oberschule in die Vereinbarung über bie gegenseitige Anerkennung der Reifezeugnisse ber höheren Schulen vom 19. Dezember 1922 bleibt Vorbehalten.
und Juni unb 2. Kalenberoierteljahr 1925, unb zwar:
1. a) Kirchensteuer, allgemeine evgl. unb kathol. je 15 Pro§.: b) Kirchensteuer örtl. für Gemeinde Gießen: evgl. 7 Proz., kathol. 5 Proz., örtl. für die Gemeinde Heuchelheim und Klein-Linden je 10 Proz., örtl. für die Gemeinde Wieseck evgl. ^Proz. der Einkommensteuervorauszahlung.
2. a) Kultussteuern: Landjudenschaftsbeitrag 8 Proz. der für die Zeit April bis Juni,1925 gezahlten bzw. zu zahlenden Einkommensteuervorauszahlung: b) Kultussteuern örtliche. Die Sätze dieser Steuern sind bei den Zahlstellen zu erfahren-, Gewerbescheine für das Rechnungsjahr 1925 je zwei Reichsmark.
15. Juli: Lohnsteuer für die Zeit vom 1. bis 10. 7, sofern der Gesamtbetrag mehr wie 50 Reichsmark beträgt.
2 5. Juli : Lohnsteuer für bte Zeit vom 11. bis 20. 7, sofern der Gesamtbetrag für gen. Zeit oder mit den für die Zeit vom 1. bis 10. 7 einbehaltenen, noch nicht abgeführten Beträgen zusammen mehr als 50 Reichsmark beträgt.
Mit Ausnahme der Lohnsteuer können die angeführten Steuern noch innerhalb der siebentägigen Schonfrist ohne Zuschläge geleistet werden.
Turnen, Sport und Spiel.
Dom Turngau Hessen.
Volkstümliche Wettkämpfe inMarbnrg
Die in Nr. 147 unseres Blattes gebrachte Siegerliste bedarf nach den nun vorliegenden amtlichen Ergebnissen einiger Korrekturen, die nachstehend vorgenommen seien: Männer. Kugelstoßen, best- armig: 3. Sieg E. Spohrer, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 10,26 Meter: Speerwerfen: 3. Sieg O. Heuser, T. u.
langen Schritten auf unb ab): „Ich verstehe. Sie benken ans Heiraten, irgendeinen alten, wohl- fjabenben Wirt zu nehmen, ber sich in Ihre engen Kleiber unb durchbrochenen Blusen vergafft hat. (Papa Fili, ber glaubt, baß ein Prinz für mich nicht gut genug ist!) Widersprechen Sie mir nicht, ich kenne dies, solche Pläne habt Ihr alle zusammen. Aber ich bitte Sie, bitte Sie ganz ernstlich, geben Sie sich nicht solchen Illusionen hin."
Sie (protestierend): „Ich versichere Sie "
Er (eifrig unb mit Nachdruck): „Rein, Fräulein, schauen Sie auf Ihre Zukunft mit ganz klaren Augen, unb Sie werden mir zugeben, daß dies nichts für Sie ist. Der Rachtdienst wird Ihren Teint nicht schonen, Ihre Augen werden ihren Glanz verlieren, — unb bald, ja früher als Sie benken, werden Sie wünschen, daß Sie niemals in diese Tretmühle geraten wären. Aber dann ist es zu spät. Jetzt dagegen haben Sie eine Gelegenheit, die sich vielleicht nie mehr bietet
Geliebte Gabby, warum soll ich dies Gespräch fortsehen, dessen Lvrik aus einem Kolportageroman geholt war. Du verstehst, welche Rettungsplanke Herr Fellips im Auge hatte. Er selbst war natürlich die Gelegenheit, und ich das unvernünftige Kind, das sein wahres Wohl nicht verstand. Ich vermochte gar nicht zu antworten oder zu opponieren. Auf einmal hatten mich Müdigkeit unb Schlaflust überfallen. Ich konnte ihnen für mein Leben nicht wiberstehen. Und so kam es, daß ich gähnte.
Herr Fellips unterbrach sich plötzlich in seinen beredten Ausführungen unb nahm eine Miene an, bie ich außer in Witzblättern sonst niemals gesehen habe. Der mächtige Bankdirektor sah ganz einfach schafig aus, so daß ich mich nicht zurückhalten konnte: erst ein tiefes langes Gähnen, unb bann ein ganz tolles Gelächter.
Was unmittelbar barauf geschah, danach barfst Du mich nicht fragen. Wie sehr ich auch nachbenke, ich kann mich aller Einzelheiten nicht entsinnen. Ich weih nur, daß ich überfallen unb gegen eine Wand gepreßt würbe, baß meine Arme fest wie in einem Schraubstock saßen, baß mir ein Geruch von Alkohol unb Zigarrenrauch entgegenschlug ( Fortsetzung folgt.).


