Ausgabe 
2.7.1925
 
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b) Der Ausschuß beantragt, einen Antrag bi. Abgeordneten SÖibmann, Lux und Gen. anzunehmen, eine Kommission von sechs Abgeordneten einzusetzen, die erneut die Zahl der Beamten prüft und über­flüssige Beamte zum Abbau vorschlägt. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der Bauernbündler angenommen. Dazu wird noch ein Antrag Scholz (D. 23p.) angenommen, wo­nach Beförderungen bei den Zentralbehörden zu unterbleiben haben, bis der Sechserausschuß ge­tagt hat.

c) Der Ausschuß beantragt, die Anträge der Abg. Glaser und Dr. Leuchtgens sowie die Anträge des Abg. Dr. Werner abzulehnen. Diese Anträge wollen die Streichung verschiedener Beamtenposten sowie statistische Feststellungen über Besoldungsgruppen usw. Das f)aii5 ft immt gegen die gesamte Rechte dem 2lusschußantrag auf Ablehnung z u.

Kapitel 28,Stellvertretungs u n d AA shilf s kosten usw.", wird gemäß dem 'Aus­schußantrag mit einem Betrag von 150 000 Marck in Ausgabe gegen die Stimmen der Rechten a n - genommen. In gleicher Weise wird Kapitel 29, Postgebühre n , in Ausgabe von 150 000 Mk. bewilligt. Ersparungsanträge der Abgeordneten Glaser und Dr. Leuchtgens zu diesen Kapiteln sind damit abgelehnt. Kapitel 30,R e g i e r u n g s - u n d Reichsgesetzblatt" (20 000 Mark) wird ein­stimmig angenommen. Zu Kap. 31,P r o v i n- zialdirektionen und Kreisämter" be­antragt der Ausschuß die Einnahme mit 22 600 Mk. und die Ausgabe mit 1246 985 Mk. zu genehmigen. Ferner beantragt der Ausschuß Zustimmung zu der von der Regierung nachgesuchten Ermächtigung, eine ober mehrere Stellen nach Kap. 27 zu übertragen. Diese Ausschußanträge werden gegen die Stimemn der Rechten angenommen; außerdem wird ein Ersparungsantrag der Abg. Dr. Leuchtgens und Glaser gegen die Stimmen der Deutschnationalen und des Bauernbundes abgelebt. Die nächsten beiden Kapitel 32 und 33,Gendarmeri e" und Polizei", werden zurückgestellt Kap. 34, Arbeitshaus Dieburg'' (122 600 Mk. Ein­nahme und 148 800 Mk. Ausgabe), wird einstimmig bewilligt. Ferner wird Kap. 37, .Zentral- stelle für d i e L a n d e s st a t i st i k" (Einnahme 200 Mk. und Ausgabe 90 065 Mk.) bewilligt. Ein Ersparungsantrag der Abg. Dr. Leuchtgens und Glaser wird abgelehnt.

Zu Kap. 38,Kirche n", beantragt der Aus­schuß, einen Antrag des Abg. D Dr. Diehl, die als Zuschuß für die Kirchen vorgesehene Summe von 497 721 Mk. auf das Dreifache zu erhöhen, abzu­lehnen. Das Haus stimmt gegen die Rechtsparteien dem Ablehnungsantrag z u. Der Ausschuß beantragt ferner, einen Antrag des Abg. Werner anzunehmen, , in dem ein Rechtsgutachten der juristischen Fakultät der Landesuniversität über dasDerhällnisvon Staat und Kirche in Hessen verlangt wird. Der Antrag wird angenommen. Der Ausschuß be­antragt, eine Vorstellung der freireligiösen Gemein­den Hessens auf einen staatlichen Zuschuß abzu­lehnen. Der Antrag wird angenommen. Der Aus­schuß beantragt die als Staatsleistung vorgesehenen Zuschüsse an die evangelische und die katholische Kirche und die altkatholische Gemeinde in Offenbach in Höhe von insgesamt 622 721 Mk. zu bewilligen. Der Antrag wird angenommen; dagegen stimmen geschlossen die Sozialdemokraten und Kom­mun i ft e n , die überhaupt alle Anträge auf einen staatlichen Zuschuß für die Kirchen abgelehnt haben. Die Sozialdemokraten stimmten also gegen ihre eigene Regierung.

Kapitel 39,A e r z t l i ch e r Dien ft" (Ein­nahme 50 350 Mk. und Ausgabe 240 292 Mk.) wird genehmigt; ebenso Kap 40,Tierärztlicher Dien st" (Einnahme 183000 Mk. und Ausgabe 457 587 Mk.). Außerdem wird ein Antrag Weckler, Blank, Heinstadt und Gen. angenommen, der einen Ausbau der Einrichtungen zur B e k ä m p f u n g der .Rotlaufseuche in Gießen bezweckt. Kap. 41, Hebammen-Lehranstalt in M a i n z", l wird zurückgestellt. Bei Kap. 42,Landes-Heil- u n d P f l e g e a n ft a 11 e n" undHeilstä11e /' für Nervenkranke bei Gieße n", wendet sich Abg. Kiel (Svz,) gegen den Abbau des Pflegepersonals und wünscht einen Tarifvertrag

Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) weist darauf hin, daß der Bestand des Pflegerpersonals um fast 50 Proz. vermehrt wurde, dagegen habe die Zahl der Kranken nicht zugenommen. Die Folge davon sei eine Erhöhung der Pflegesätze, die jetzt vielfach so hoch seien, daß sie nicht bezahlt werden können.

Abg. L ü ck e l (Soz.) bespricht angebliche Miß­stände in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt in Alzey und erhebt schwere Beschuldigungen gegen den Direktor.

Minister des Innern von Brentano bemerkt dazu, der Vorredner hätte richtiger gehandelt, wenn er die Beschuldigungen vorher mitgeteilt hätte. So­lange nicht das Gegenteil erwiesen fei, muffe er sie zurückweifen.

Ministerialdirektor Spanier teilt mit, daß der Entwurf eines Tarifvertrages mit dem Pflegeperso­nal bereits oorliegt. Es sprechen zu diesem Kapitel noch die Abg. Frau Hattemer, Dr. Werner, Reiber, Kiel, Dr/ Niepoth, Dr. Keller und Felder. Die Ab­stimmung über dieses Kapitel ist auf morgen zurück- gestellt.

Schluß der Beratungen um 11 Uhr; nächste Sit- zund morgen um 9 Uhr.

Kammermehrheit für Pangalos.

Belgrad, 2. Juli. (TU.) Wie aus Athen gemeldet wird, dauerte die entscheidende Sitzung der griechischen Kammer bis um 2 Uhr morgens. Bei der Abstimmung über die Regie­rungserklärung sprachen 125 Deputierte der Re­gierung das Vertrauen aus. 14 Stimmen wur­den gegen die Regierung abgegeben, 49 Abgeord­nete enthielten sich der Abstimmung. Das neue Ka­binett Pangalos erhielt die Ermächtigung, während ' der Parlamentsferien, die zunächst bis zum 15. Ok­tober dauern sollen, Dekrete und Gesetze zu erlassen, die dann von einer parlamentarischen Kommission kontrolliert werden. Ein 30güebriger Ausschuß wird in den nächsten Tagen mit der Beratung einer neuen Verfassung beginnen, die dann im Herbst im Plenum der Kammer beschlossen werden soll. Nach Durchführung der Verfafsung sollen die Neuwahlen erfolgen.

Das Sinken der Lira.

Rom, 1. Juli. (WTB.) Die Lira erlitt an den italienischen Börsen neuerlich einen scharfen Rückgang. Der französische Franken schloß gestern mit 128 und stieg heute auf 130,5, das Pfund von 137 auf 143, der Dollar von 28,3 auf 29,37. Die italienischen Konsuls begannen mit 84, sanken auf 82,9 und erholten sich wieder auf 83,3. Die Blätter erörte-- d? oh

Der Moskauer Stuoentenprozetz.

Der Staatsanwalt beantragt die Todesstrafe.

Rach mehrtägigen Verhandlungen hat nun tatsächlich die Staatsanwaltschaft in dem Prozeß gegen die angeklagten deutschen Studenten Kin- dermann, Wolscht und Dittmar die Todes­strafe gegen alle drei Angeklagten beantragt. Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß diesem Strafantrag ftattgegeben und das beantragte T o- desurteil gefällt werden wird.

Läßt man die Vorgänge, die zu der Verhaf­tung der Studenten geführt haben, an seinem Auge vorüberziehen, erinnert man sich der An­klageschrift und wirft man schließlich noch einen Blick auf den Gang der Prozehverhandlungen selbst, dann hat man das Bild typischer poli­tischer Prozesse, wie sie feit dem Rovemberum- fturz 1917 in Rußland an der Tagesordnung sind, und wie wir sie eigentlich nur noch in Frankreich kennen. Darüber, daß die Behauptungen der Anklageschrift durchaus haltlos sind, dürste selbst das Moskauer Tribunal sich nicht im Anklaren fein.

Eigenartig berührt aber die Haltung des Angeklagten Dittmar, der, entweder aus Angst vor dem Tode des Erschießens oder im Einver­ständnis mit den Justizbehörden, die schwersten Anschuldigungen gegen seine beiden Mitangeklag­ten vorbrachte. Welche Rolle er überhaupt ge­spielt hat, wird noch im besonderen zu klären sein. 3n diesem Prozeß ging es jedoch nicht darum, den Angeklagten irgendwelche Verfehlungen nach- zuweisen, es handelte sich einfach darum, eine politische Sensation zu konstruieren, um dem in Leipzig zum Tode verurteilten russischen Kommunisten Skobelewski das Leben zu retten und ihn im Austausch gegen die jetzt verhafteten deutschen Studenten wieder frei z u bekommen. Dieser ganze Prozeß zeigt übri­gens wieder einmal, daß die Moskauer Regie­rung gar nicht daran denkt, sich von der Partei- Politik der russischen Kommunistischen Partei fern­zuhalten, daß sie vielmehr i hren gesamten Staats­apparat nach wie vor auch dem Auslande gegen­über in den Dienst der russischen Kommunisten stellt.

Das Plaidoyer des Staats­anwalts.

Moskau, 1. Juli. (WTB. I Meldung der russischen Telegraphenagentur. Die Belastungs­zeugen Troischmann, Kandor und Kur­pianoff sagen bei ihrer Vernehmung über­einstimmend aus, die Angeklagten hätten ver­sucht, die Wohnungen von Sinowjefs, Stalin und Trotzki auszukundschaf- ten und hätten den Wunsch nach einer persön­lichen Unterredung mit ihnen ausgesprochen.

Der Staatsanwalt beantragte, die Zeugen Rose und Fink von ihren Zeugenverpflich­tungen zu entbinden, da die Zeugenvernehmung abgeschlossen sei. Da es aber erwiesen sei, daß die Zeugen an der Vorbereitung der Expedition Kindermanns teilgenonnnen hätten, seien s'e in den Anklagezustand zu versehen. Das Gericht gab dem Anträge des Staats­anwalts statt. In der Abendsitzung wurde ein hierauf bezüglicher Gerichtsbeschluß ver­kündet, die sofortige Ausweisung der Zeugen Rose und Fink aus dem Gebiet der Sowjetunion zu veranlassen.

diefe Aktion vom Auslande ausgehe oder durch Valutakäufe im Inlande oder durch politische Gründe verursacht sei. Sie ver­zeichnen die Meldung, daß im morgigen Mi­nisterrat der Finanzminister de Stefani zurück- treten und Mussolini interimistisch die Finanz- Verwaltung übernehmen werde.

Aus aller Welt.

Hochwasserkalastrophe in Galizien.

Warschau, 31. 3uni. (WTB.) Die neuen heftigen Regengüsse, die in den letzten Tagen in dem polnischen Karpathengebiet niedergegangen sind, haben in ganz Gali­zien große Lleberschwemmungen Her­borgerusen. Fast alle von den Karpathen kom­menden Gebirgsflüsse und Bäche sind ans den Mfern getreten und haben viele Dörfer, Straßen und Eisenbahnlin unter Wasser gesetzt. Am bedrohlichsten lauten die Rachrichten vom D n j e st r. In Ostgalizien bei Mariampol hat der Strom eine Brücke mit» gerissen, auf der sich gerade 15 Schulkinder und fünf Soldaten befanden, die sämtlich ertrunken sind. Der Eisenbahnverkehr bei Strhj Stanislau mußte unterbrochen werden, doch auch in W e st» g a l i z i e n wird die Lage von Stunde zu Stunde bedrohlicher, da die Gebirgswafser noch nicht in die Ebene gelangt sind. Die Weichsel ist bei Krakau gestern rm Laufe des Tages um mehr als 3,60 Meter ge­stiegen und steigt gegenwärtig stündlich um 20 Zentimeter. Die Bevölkerung flüchtet aus den bedrohten Gebieten nach den höher ge­legenen Punkten. In Krakau hat sich ein Rettungsaüsschuß gebildet, um rasche Hilfe zn leisten.

Hilfsaktionen.

W a r f ch a u , 1. Juli. (Wolff.) Auf Anregung des Landesmarjchalls Rataj hat sich ein zentraler Hilfsausschuß zur Linderung der Not in den galizischen Ueberschmemmungs- gebieten gebildet, dem Ministerpräsident Grabski, der Innenminister, der Minister der öffentlichen Ar- bciten und einige Abgeordnete aus Galizien bei­getreten sind. Wie aus den amtlichen Meldungen heroorgeht, ist Mittelgalizien von der Ueberschmem- mung am meisten betroffen. Die Sau ist 6i Meter über das normale Niveau gestiegen. Die Vorstädte von Przemysl liegen unter Wasser. Ministerpräsi­dent Grabski hat zur Linderung der ersten Not den galizischen Woywoden 100 000 Sloty überwiesen.

Selbstmordversuch Oerthel-Eglvfffteins.

Berlin, 30. Juni. (WTB.) Der Hoch­stapler Ludwig O e r t h e l, der bei seinen Schwindeleien unter dem Rainen Freiherr v. E g l o f f ft e i n auftrat, verübte gestern wäh­rend der Gerichtsverhandlung vor der De» rusungslammer des Landgerichts I einen Selbst-

In der 13. Gerichtssitzung des Prozesses, die gestern abend stattfand, begann

das Plaidoyer des Staats­anwalts,

der zunächst das Wesen der Organisation C o n s u l in sozialpolitischer Hinsicht aus Grund der Ergebnisse der Untersuchungen des Gerichtes darlegt. Das Eintreffen Baumanns und der Gruppe Kindermann habe den gleichen Terror- zielen gedient. Wenn man ad absurdum an nehmen wolle, daß tatsächlich ein wissenschaftlicher Reise­zweck bestanden habe, so würden doch hinsichtlich der mit der Reise verbundenen Absichten Wider­sprüche festzustellen sein.

Am meisten ausschlaggebend sei schließlich das volle Geständnis Dittmars und Kinder­manns und das halbe Geständnis Wo'schts.

Der Staatsanwalt zweifelt an der ernsten Ab­sicht einer Wirtschaftsspionage, da diese größere Kenntnisse in den verschiedenen Betriebszweigen der Industrie voraussetze. Die Verworrenheit Kindermanns könne täuschen, wenn nicht das Protokoll vom 6. Februar existieren würde, in dem nicht nur ein erschöpfendes Verständnis ge­legen habe, sondern durch das auch noch vor dem Geständnis Dittmars seine Kameraden Bei­räten worden seien. Kindermann sei wohl nicht fähig, praktisch Terrorakte zu begehen. Es stehe aber fest, daß er aktiver Angehöriger der Organisation Eonsul sei. Kinder­mann habe seine Enthüllungen über eine an­geblich bei ihm angewandte hypnotische Einwir­kung angekündigt. Als er jedoch mit dem Unter­suchungsrichter konfrontiert wurde, habe er dessen Aussagen über die zwanglose Antersuchungs- führung nur bestätigen können.

Es stehe fest, daß Kindermann bis kurz vor Beginn der gerichtlichen Verhandlungen nicht gewußt habe, wie er sich zu verhalten habe. Der Staatsanwalt läßt es dahingestellt fein, von wem Kindermann einen Wink erhalten habe. Dies gelte auch für Wolfcht, der feine aus­schlaggebenden Aussagen nur damit begründet habe, daß er mit feinen Mitgefangenen ein gutes Einvernehmen Herstellen wollte.

Der Staatsanwalt verliest aus dem Straf­gesetzbuch den Artikel, der die Organisierung von Terroralten mit dem Tode bestraft.

Er stellte fest, daß alle Details mit kühler üeberlegung ausgearbeitet worden seien und daß das provozierende Auftreten der Angeklagten vor Gericht, wie dokumentarisch bewiesen sei, auf der Hoffnung auf Einleitung eines Aus­tauschverfahrens beruhe. Kindermann sei moralisch eine Rull, aber sozial gefährlich. Wolscht fei der typische zynische Faschist und Terrorist. Dittmar habe zwar viel zur Auf­klärung des Verbrechens beigetragen, die Auf­gabe des Gerichts, Schuh der revolutionären Er­rungenschaften und Sicherheit der Sowjetunion, dürfe jedoch auch in diesem Falle nicht zurück­treten. Die Entsendung dieser Terroristen der OrganisationEonsul" müsse mit der physischen Vernichtung dieser Terroristen beantwortet werden.

Hierauf beantragt der Staatsanwalt

die Todesstrafe

gegen die drei Angeklagten.

Morgen finden die Plaidoyers der Verteidi­ger statt. Sodann erhalten die Angeklagten das letzte Wort. Voraussichtlich wird auch morgen die Urteilsverkündung ftattfi.iiöen.

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Mordversuch, indem er eine Flasche mit Morphium zu t einten versuchte. Iven Ver­teidigern und Justizwachtmeistern gelang es, dem Angeklagten das Gift zu entreißen.

Reue Luftpostlinie LondonBerM.

Vom 29. Juni ab wird die neue Lus t- po stlinie LondonBerlin mit Anschluß nach Königsberg und von dort über Memel, Riga, Reval, Helsrngfors, Smolensk nach Moskau ein­gerichtet. Die Reisedauer wird 36 Stunden be­tragen, was eine große Zeitersparnis im Ver­gleich mit der bisherigen Reisedauer von 4V» Tagen bedeutet.

Felssturz bei St. «Goar.

Samstag nacht P/2 Tlhr haben sich an der Straße, die von St. Goar nach Dingen führt, in einem Steinbruch große Gesteins- massen losgelöst und sind auf die Straß e gestürzt. Die Straße ist auf eine große Strecke hin mit Gesteinsmassen bedeckt. Die Aufräu­mungsarbeiten werden voraussichtlich drei bis vier Tage in Anspruch nehmen. Sie sind dadurch erschwert, daß immer noch weitere Gesteins- abstürze drohen. Als Tlrsache vermutet man die nasse Witterung.

Zuchthaus für einen völkischen Führer.

Der frühere Geschäftsführer desVölkischen Kuriers", Ehrensberger, der in einem B e- leidigungsprozeß unter E i d bestritten hatte, ein gegen Hitler gerichtetes Flugblatt ver­saßt zu haben, wurde, nachdem sich die Anrichtig­keit seiner Angaben herausgestellt hatte, vom Schwurgericht München wegen dieses und eines anderen Meineides zu 31 Jahren Zuchth aus verurteilt.

Eine internationale ttinemalogcaphenkonferenz.

Die erste internationale Kinemato- g r a p h e n k 0 n f e r e n z, die auf Empfehlung des Völkerbundes zufammentreten wird, soll nach einer Havasmeldung am 27. Oktober und an den kommen­den Tagen in Paris ftattfinben. Auch Deutschland wird vertreten fein.

Waldbrände in Pommern.

In der Gegend von Karpin bei Torgelow in Pommern brach ein großer Waldbrand aus, zu dessen Bekämpfung außer der Technischen Rothilfe auch Militär herangezogen wurde. Die Größe des Schadens läßt sich noch nicht über­sehen. Ein zweiter größere Waldbrand ent­stand im Plietnitzer Forst bei Reu-Stettin. Auch hier wurde Reichswehr zur Hilfeleistung aufgeboten.

Fritz von Anruh unter französischer Vorzensur.

Bei einem Sängerfest in Diez a. L. sollte der Dichter Fritz von A n r u h eine Rede hal­ten. Der zuständige Kreisdelegierte forderte aber von Unruh, ihm vorher den Inhalt der Rede mitzuteilen. Unruh lieh dem Franzosen mitteilen, daß er das nicht tue und lieber aus die Rede verzichte. Trotzdem blieb der Kreisdelegierte auf

seinem Wunsche bestehen. Die Folge war, daß Fritz von Unruh keine Rede hielt.

Durch eine Biene getötet.

Der Stationsvorsteher in Prelsdorf bei Wesennünde wurde von einer Biene seines eigenen Schwarmes in eine Hauptader g e - stoche n. Durch das Bienengift wurde das Blut infiziert, so daß der Verletzte starb.

Der HerrKommerzienrat".

Ueber den in Berlin wegen schwerer Schwin­deleien verhafteten Kommerzienrat © bei­mal) e r werden jetzt allerlei interessante ®ünfel- heiten bekannt. Edelmayer ist der Typ eines Reureichen und erst 31 Jahre alt. Den Kom­merzienratstitel erwarb er sich gegen Stiftung einer erheblichen Summe in Detmold. Das Pa­tent wurde angeblich vom Fürsten von Lippe- Detmold zurückdatiert, weil der Freistaat den Titel selber nicht mehr verleiht. Edelmayer stif­tete auch der Universität Innsbruck eine Bü­cherei und hielt dafür den Ehrendoktor. Eine Haussuchung bei dem neureichen Kommer­zienrat förderte schwerbelastendes Material gegen Edelmayer zu Tage.

Starker Schneefall in der Schweiz.

Rach einer Meldung aus Zürich dauern in der Schweiz auf allen Höhen bis zu 1800 Metern herunter die Schneefälle an. In den Morgenstunden ist die Tenrperatur atlf den Ber­gen am Gefrierpunkt angelangt. Vom Pi­latus wird eine Schneehöhe von 10 Zentimetern gemeldet. Der Säntis hat eine Reuschneedecke von ca. 30 Zentimetern. Auch am Gotthard- p a ß steht die Temperatur bei starker Rebel­bildung und scharsen Rordwinden unter Rull. Dagegen melden die südlichen Alpenstationen 20 bis 22 Grad Wärme im Schatten.

Der Mensch 4,16 Mark.

Was der Mensch wert ist, hat ein amerikani­scher Chemiker, H. Maye in Rochester, auszu- rechnen gesucht. Unter genauer Berücksichtigung der Rohstoffe, aus denen unser Körper besteht, kommt er zu dem nicht eben sehr stattlichen Er­gebnis, daß der Mensch einen Wert von genau 99 Cents ober 4,16 Mark hat. Das menschliche Fett reicht nach einer Wiedergabe seiner For­schungen in derUmschau" zu: Herstellung von 7 Stück Seife aus; aus dem Eisen läßt sich ein mittelgroßer Ragel machen; mit dem Zucker des menschlichen Körper kann man ein kleines Salz­faß füllen, mit dem Kalk einen Hühnerstall weißen; der Phosphor liefert die Köpse von 2200 Streichhölzern; das Magnesium reicht zu einer Dosis Magnesia; mit dem Kalium Taim man einen Schuß aus einer Kinderkanone abfeuern, und Schwefel ist gerade soviel vorhanden, daß man damit einem Hund die Flöhe vertreiben kann.

Wettervoraussage.

Zunahme der Bewölkung, wechselnde Winde, warm, stellenweise leichte Riedexschläge.

Während im Rordosten das Hochdruckgebiet an Ausdehnung verliert, rückt von Rordwesten her das Tief heran und greift mit einem Aus­läufer bereits nach Mittelsrankreich hinein. Auf dem Kontinent überall starker Barometerfall läßt ein schnelles Vorrücken des Tiefs erwarten. Der Witterungscharatter dürfte in den folgenden Tagen Schwankungen unterworfen fein.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 2. Juli 1925.

Die Jahresfeier der Universität.

In der Neuen Aula des Vorlesungsgebäudes beging gestern die Landesuniverfität ihr Iahresfeft. Die Dozenten und ihre Damen, ge­ladene Gäste, Teilnehmer aus der Bürgerschaft, Stubenten und Studentinnen füllten den schonen, mit den Fahnen der Korporationen geschmückten Raum. Rektor, Exrektor und Dekane erschienen in den neuen, von den Ehrensenatoren der Landes­univerfität gestifteten Talaren. Beim Einzug des Lehrkörpers erklang der Krönungsmarfch aus Meyer- beersPropheten". Dann trug der Akademische Ge­sangverein unter Leitung des Lehramtsassessors Roller das Gedicht von LenauWohl bin ich nur ein Ton im Liede Gottes", in der Vertonung von Alexander Ritter, vor. Der Rektor, Geh. Kirchenrat Dr. Krüger, Professor der Theologie, sprach über Der Historismus und die Bibel". Anschließend an seine Rede verlas er die Chronik der Universität für das abgelaufene Jahr und verkündete das Er­gebnis der für 1924/25 gestellten Preisaufgaben. Von den Aufgaben find die der theologischen, medizinischen und veterinärmedizinischen Fakultät, ebenso die der philosophischen Fakultät aus den Fächern der Natio­nalökonomie und Physik nicht bearbeitet worden. Die Arbeit der Juristischen Fakultät lautet:Die Reichsexekution nach der Weimarer Verfassung, ins­besondere an der Reichsexekution gegen Sachsen er­klärt". Dem Verfasser, cand. jur. et rer. pol. Friedrich A. P 0 h l m a n n wurde der volle Preis zuerkannt. Von den in der Philosophischen Fakultät gestellten Preisaufgaben sind bearbeitet:

1. Die Aufgabe aus der alten Geschichte. Sie lautete:Die römische Kaisergeschichte in Lactantius' De mortibus persecutorum".

2. Die Aufgabe aus der neueren Geschichte: Napoleons Heirat mit Marie Louise".

3. Die Aufgabe aus der Kunstgeschichte:Die Miniaturenhandschriften der Gießener Universitäts- Bibliothek. Die zehn wertvollen Bilderhandschriften der Gießener Universitäts-Bibliothek aus dem 11. bis 15. Jahrhundert sollen kunstgeschichtlich beschrie­ben, untersucht und eingeorbnet werden".

Jede dieser drei Arbeiten wurde des vollen Preises würdig erachtet. Die Verfasser sind zu 1. Studienassessor Karl R 0 l 1 er, zu 2. cand. hist. Otto Bücking, zu 3. cand. vhil. Hermann Otto V a u b e l.

Ihren würdigen Abschluß fand die Feier durch den Vortrag des ersten Chorsatzes aus Bachs Kan­tate:Gott der Herr ist Schirm und Schild". Unter den Klängen desGebet König Heinrichs" aus Wag­nersLohengrin" verließen die Mitglieder des Lehr­körpers den Feftraum.

Die Bevölkerungszahi Hessens.

Von der Hessischen Zentralstelle für die Lan­desstatistik wird uns geschrieben: Am 16. Juni 1925 wurden 1350904 ortsanwesende Personen in Hessen gezählt. 1910 betrug die Zahl 1 282 051; 1919 1 291 249. Gegen 1910 hat demnach die Bevölkerung um 5,4, gegen 1919 um 4,6 Prozent zugenvmmen.

Iahrtausendfeier in (Liehen.

Wie wir hören, beabsichtigt der Ober­bürgermeister in Verbindung mit sämtlich-err großen politischen Parteien eine Feier zur Erinnerung an die Zausendtäbrias