Ausgabe 
2.6.1925
 
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auf einen widerstandsfähigen und möglichst staub­freien Baustoff an. Die Ausstellung wird hier die sehr interessante Entwicklung des Straßenbaues zeigen. Besonders beachtenswert dürfte die von der Gesellschaft für Teerstraßenbau in Essen gezeigte Teermakadambauweise fein, welche sich schon in vielen Städten ganz außerordentlich bewährt hat.

Naturgemäß gehört zum Straßenverkehr auch der Verkehr in der großen und kleinen Stadt. Das schließt in sich, daß der Städtebau, soweit er für de-, Verkehr in Frage kommt, berücksichtigt werden muß. Wir sehen also: die Citybildung und ihre Fol­gen* die Straßenbauform, die Einteilung unserer Slädte in Wohn-, Handels- und Industriegebiete, die Lerlehrsstraße in ihrer Umgebung, Durchgangs­straßen. Aliiostraßen usw. Entsprechend werden auch die Durchgangs- und Umgehungsstraßen der klei­nen Stadt und her ländlichen Siedlung gezeigt.

Daran schließt sich in einer besonderen Kraft- wcgenhalle eine Ausstellung der Straßenfahrzeuge bis zum neuesten Motorrad und Kraftwagen für alle Zwecke. Die Schwerölzugmaschinen der Lenz- Werke in Mannheim, welche heute schon so oft in den Straßen anzutreffen sind und statt eines-Pferdes zum Ziehen großer Lasten verwendet werden, er­scheinen in einer neuen Form des 12-?. 8.-Verkehrs- bulldoe,

Wie neben Landstraße und Schienenstrang der Schiffahrtsweg als altes, völkerverbindendes Band im Dienste der Weltwirtschaft läuft, so tritt neben dem Landverkehr der W a s s e r v e r k e h r in die Erscheinung. Er spaltet sich in Binnen- und Seever­kehr.

Der Binnenverkehr ist nach den Hauptstromge- bie en geordnet und sehr reich beschickt. Staat, Ge­meinde und Jnteressenverbände haben gewetteifert, möglichst viel zu zeigen.

Don den im Bau befindlichen Kanälen zeigt der Küstenkanal in Modellen und Zeichnungen ein Bild von seiner außerordentlichen Bedeutung nicht nur als Wasserstraße, sondern noch viel mehr als Entwässerung für über 100 000 Hektar Land, wel­ches durch ihn der Torfgewinnung und der Land­wirtschaft nutzbar gemacht werden. Er verbindet die untere Weser mit der unteren Ems und ist von ihm schon ein großer Teil fertig und im Betrieb.

Die beiden in Süddeutschland liegenden Wasser­straßen, der Großschiffahrtsweg MainDonau und die Neckarkanalisierung, dienen außer den Verkchrs- zwecken noch zur Gewinnung einer erheblichen Wasserkraft. Zahlreiche Bilder und Modelle führen uns die fertigen und geplanten Bauwerke vor In­teressante Tabellen und Berechnungen klären über ihre wirtschaftlichen Grundlagen auf.

Auch die anderen Projekte über den Bau neuer Wasserstraßen sind zum großen Teil vertreten. Die Badische Wasser- und Straßenbaudirektion zeigt den geplanten Ausbau des Oberrheins von Basel bis Konstanz, welcher in Gemeinschaft mit der Schweiz oorgenommen wird.

Sehr viele Binnen- und auch Seehäsen zeigen in Bildern, Modellen und wirtschaftlichen Tabellen die Entwicklung ihrer Hafenanlagen. Wir nennen u. a. Bremen, Hamburg, Kiel, Lübeck, Stettin, Kö­nigsberg Hamm i. W., Wanne am Rhein-Herne- Kanal, Duisburg, Wesel, Köln, Mainz, Mannheim, Frankfurt a. M. usw.

Bei Köln sind besonders die in der Ausfüh­rung stehenden Anlagen des großen Handelshafens bei Niehl zu erwähnen.

In Stettin liegt der Betrieb der umfangreichen Hafenanlagen feit einiger Zeit in Händen einer aus Staat, Stadt und der Kaufmannschaft gebildeten Aktiengesellschaft. Wir halten dies für eine sehr vor­teilhafte Verbindung von Staats- u. Privatbetrieb.

Sehr interessant dürften die Bilder der Kieler Häfen sein, welche nach dem Kriege gezwungen waren, sich technisch und wirtschaftlich vom reinen Kriegshafen auf einen Handelshafen umzustellen.

Viele Modelle von neuen Seeschiffen geben uns den Beweis, daß die deutsche Seeschiffahrt wieder beginnt, den ihr zustehenden Anteil am Weltverkehr zurückzuerobern. Wir dürfen stolz sein, daß es der Energie unserer Reeder und der Leistungsfähigkeit unserer Werften in so kurzer Zeit gelungen ist, die Handelsflotte wieder aufzubauen.

Daß der Flugverkehr auf der Ausstellung einen großen Platz einnimmt, ist wohl selbstverständlich. Vorgeführt werden Ballone und Flugzeuge aller Art einschließlich der Ausrüstungsgegenstände. Ganz besonders eingehend haben der moderne Flugzeug­bau und die Luftfahrtsgesellschaften ausgestellt. Wir erhalten ein überaus anschauliches Bild der moder­nen Verkehrsflugzeuge, der Sicherheitseinrichtungen und den Anlagen auf den Landungsplätzen. Es sind wohl alle bedeutenden Flugzeugfabriken und alle Verkehrsgesellschaften zu finden. Für einen billigen Preis kann der Besucher der Ausstellung einen kurzen Rundflug über die Stadt und nach dem Ge­birge zu machen.

Und nun endlich zur Post. Ist das moderne Leben ohne sie, ohne Telegraph und Fernsprecher überhaupt noch denkbar? Deshalb darf auch dieser Teil unsere Verkehrswesens nicht fehlen. Vom kleinen Paketkarren bis zu den Leistungen der Luft­post werden die Verkehrsmittel und Leistungen der Post vorgeführt. Der Besucher darf den Betrieb eines großen Postamtes mit allen seinen Einrich- tungen zur Massenbeförderung der Postsachen ken° nenleVnen. Wie viele Menschen benutzen doch heute täglich die Post und haben keine Ahnung von ihrem inneren Betrieb.

Ebenso anziehend dürfte der ausgestellte Be­trieb eines Telegraphen- und Fernsprechamtes fein. Hier darf man hinter die Kulissen unserer Fern- sprechappaiate sehen. Es ist selbstverständlich, daß auch hier neben der Entwicklung der modernste Aus­bau vorgeführt wird. Im Fernsprechwesen ist dies das automatische Amt, wo nur jeder Teilnehmer ohne Hilfe einer menschlichen Vermittlung seine Ver­bindung selbst herstellt. In wenigen Jahren dürfte dieses System wohl allgemein eingeführt sein.

Eine außerordentlich wertvolle Ergänzung zur Verkehrsausstellung sind die Sammlungen des vor kurzem in seinem neuen Heim eröffneten Deutschen Museum. Es ist für den Besucher ein glücklicher und wertvoller Zufall, daß er beide Ausstellungen an demselben Ort vorfindet.

Kirche und Schule.

Kirchliche Dienstnachrichten.

Der evangelische Pfarrer Hermann Schmidt zu Wingershausen wurde auf sein Rach- suchen unter Anerkennung seiner treuen Dienste mit Wirkung vom 17. Juli dis zur Wieder­herstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand verseht.

Dem Pfarrassistenten Hugo Fritsch zu Lampertheim wurde am 27. Mai die evangelische Pfarrstelle zu Herchenhain, Dekanat Schotten, übertragen.

AerztlicherFortbildungskursus.

<£ Bad-Nauheim, 29. Mai. Nahezu 200 Aerzte aus allen Teilen des Reiches und auch aus ausländischen Staaten, wie Holland, der Schweiz und Oesterreich, versammelten sich gestern und heute hier zum 3. Bad-Nauheimer Fortbil­dungslehrgang für Aerzte. Auch ober­hessische Aerzte nahmen in größerer Zahl teil. Die Tagung stand fast ausschließlich im Dienste der Wissenschaft.

Ein kurzer Begrüßungsakt eröffnete die gestrige erste wissenschaftliche Sitzung. Namens der Bad- unb Kurverwaltung und der Vereinigung Bad-Nau- heimer Aerzte hieß Prof. Dr. Weber, der bekannte hiesige Herzspezialist, Dozenten und Teilnehmer willkommen und gab seiner besonderen Freude dar­über Ausduck, daß auch die hessischen Behörden und die großen ärztlichen Organisationen unseres enge­ren Heimatlandes den Bad-NauheimerP fingst- kursen", die mit jedem Jahr mehr die Beachtung der medizinischen Wissenschaft finden, lebhaftes In­teresse entgegenbringen. Den als Vertretern der Be­hörden anwesenden Gästen wurde Gruß und Dank übermittelt: Ministerialdirektor Dr. Spanier und Medizinalrat Dr. Schrohe von der Gesund­heitsabteilung des Ministeriums des Innern: Medi­zinalrat Dr. Nebel vom Kreisgesundheitsamt Friedberg: Dr. D a l gu e n - Heldenbergen, dem Vor- figenöen des Kreisvereins Friedberg, der auch die Aerztetamrner des Staates Hessen sowie der wirt­schaftliche Verband der Aerzte für die P rovinz Oberhessen vertrat. Nachdem im vorigen Jahr ausführlich die Therapie der Herzinsuffizienz, so führte der Redner aus, behandelt worden sei, habe sich für den heurigen Kursus von selbst als Verhand­lungsthema die Herzdiagnostik ergeben, weil erst die klare, schnelle und einwandfreie Diagnose den Weg zur erfolgreichen Behandlung eröffne.

Es sprach dann zunächst Prof. D i c 11 e n (Hom- burg-Saar) als Leiter des kürzlich- stattgefundenen großen Rontgeukongresses hier noch in bester Er­innerung, über die Herzgröße und den Wert ihrer exakten 23 e ft i m m u n p; nach ihm refe­rierte Privatdozent Dr. G r o e d e l (Frankfurt a.M.- Bad-Nauheim) über die praktische Bedeutung der S ilh o u e 11 e nf o rm des Herzrönt­gen b i 1 d e s sowie überBedeutung der Thorax­schrägaufnahme. Nachmittags hatten die Teilnehmer Gelegenheit, unter der sachkundigen Führung von Oberbaurat 58 e r cf die Anlagen des Bades kennen zu lernen. Anschließend gab die Kurverwaltung den Teilnehmern und ihren Damen eine Tasse Kaffee auf der Kurhausterrasse. Auch bei dem abends im Großen Haus ftattfinöenben Gastspiel der Frank­furter Oper, die vor vollem Hause unter Mitwirkung des staatlichen KurorchestersAmelia" in vollendeter Darstellung aufführte, waren die Kongreßbesucher Gäste der Kurverwaltung.

Am heutigen zweiten Tag sprachen Prof. Oh m- Bertin über den photographisch regi­strierten Venenpuls, Pros. Nie kau - Tübingen über die Bedeutung der Kapil­larmikroskopie für die Klinik der Kreislaufkrankheiten und Prof. A. W e- der- Bad-Nauheim über Deutung und prak­tische Bedeutung des Elektrokordio- gramms. Die Vorträge, die durch vorzügliches Bildmaterial erläutert wurden, zeichneten sich durch sehr klare Darstellung aus und fanden lebhaften Beifall. Sie brachten einen Ueberblick über den Stand der modernsten Forschung und geben dem vielbeschäftigten Arzt die Möglichkeit, sich über die wichtigsten Fortschritte auf dem Laufenden zu halten. Man gelangte durch die Referate zu der Erkennt­nis, daß die moderne Untersuchungsmethode mit ihren Instrumenten dem 2lrzte heute Einblick ift die Geheimnisse des Herzens gewährt, die ihm sonst verschlossen bleiben, ist man hoch in der Lage, die Wirkung der verabfolgten Arzneien festzustellen und zu beobachten, ob sie in der gewünschten Weise wirken. So konnten die teilnehmenden praktischen Aerzte reichen Gewinn und Nutzen aus den Vor­trägen ziehen.

Ein erhebendes Sinfoniekonzert unter Leitung des Generalmusikdirektors Prof. W i n ö e r ft e i n bildete heute abend einen würdigen Abschluß der Tagung.

Zusammenfassend kann über den Verlauf des Lehrgangs gesagt werden, daß er in jeder Beziehung glänzend verlief. Vorbereitung und Organisation waren mustergültig. Die Darbietungen, geistige und materielle, fanden höchste Anerkennung. Aber auch über die Einrichtungen des Bades und die Heil­mittel, von berufenen Beurteilern in Augenschein genommen, härte man nur eine Stimme des Lobes, so daß auch dieser 3. Bad-Nauheimer Pfingstknrsus den anerkannten Ruf unseres hessischen Heilbades von neuem in aller Welt verbreiten wird.

Wirtschaft.

* Stillegungen im Industriebau. Industrie und Bergbau des Bochumer Bezirks haben nach einer Meldung aus Essen einstimmig beschlos­sen, sämtliche industriellen Bauten unverzüglich stillzulegen. Der Schritt wird wie folgt erläutert: Der Grund für das Vorgehen liegt darin, daß die in dem neuen Abkommen des Baugewerbes vom 22. Mai festgelegten Löhne, die durchschnittlich 60 bis 100 Prozent über den ortsüblichen Löhnen lie­gen, von der in bedrängter Lage befindlichen In­dustrie des besetzten Gebiets nicht getragen werden können. Von der Stillegung werden mehrere tau­send Arbeiter betroffen. Es kommen in Betracht z. B. bei der Bergwerksaktiengesellschaft Lothringen 1700 Arbeiter, bei der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks-Aktien-Gesellschaft 500, dem Bochumer Verein 300 Arbeiter usw. Wie weiter verlautet, wollen sich unmittelbar nach Pfingsten der Arbeit­geberverband für die nordwestlichen Gruben sowie der Zechenverband für die Gesamtheit des Bergbaus und die Eisenindustrie im Ruhrgebiet dem Schritt anschliehen.

* Zum Austritt des Dr. Edmund Stinnes aus der Firma Hugo Stinnes. Nachdem die verschiedensten Vermutungen und Kri­tiken zu dem Austritt des Dr. Edmund Stinnes aus der Firma Hugo Stinnes G. m. b. H. etwas ab­geflaut sind, erfährt der D. H. D. zuverlässig fol­gendes: Entgegen allen Behauptungen hat sich die Trennung auf vollkommen freundschaftlicher Basis vollzogen, worauf bereits in den Veröffentlichungen von beiden Teilen hingewiesen war. Das Wesent­liche für die deutsche Wirtschaft liegt in der Tatsache, daß die Firma Hugo Stinnes G. m. b. H. nunmehr wiederum als innerlich geschlossene Gesellschaft wie zu Lebzeiten Hugo Stinnes' sen. unter eine ein­heitlichen Leitung steht, während Dr. Edmund Stin- I nes von nun an, wie bereits erwähnt, lediglich die Versicherungen (Nordstern) und Autointeressen (Aga, Dinos und Telos) des Stinneskonzerns auf eigene Rechnung übernimmt.

Kruppsche Terrain-Ankäufe in Rheinhausen. Der bisher dem Grafen von

Spee gehörige Alte Werth'sche Hof in Rhein­hausen ist, wie der D. H. D. erfährt, für 7Vz Mill. Mark in den Besitz der Firma Krupp übrrge- gangen. Außer diesem Hof sind in letzter Zeit noch eine Reihe anderer Ländereien und einzelne Grundstücke von Krupo käuflich erworben worden, sodaß jetzt das ganze Gelände von der Friedrich Alfred-Hütte in Rheinhausen bis zum alten Rhcinorm bei Hohen-Bud berg der Firma Krupp gehört

"Weitere Dodenverschuldung in Bayern. Rach Angaben des bayerischen Sta­tistischen Landesamtes zeigt sich im ersten Ka­lendervierteljahr 1925 eine verhältnismäßige Zu­nahme der Dodenverschuldung gegenüber dem Jahre 1924. r nd die Reuverschuldung 1924 im Vierteljahr durchschnitt ich etwa 129 Mi lionen Am. betrag m hatte, erreichte diese in den ersten drei Monaten dos laufenden Jahres bereits die Summe von 193 Millionen Rm.

Büchertisch.

Hanns Johst, Die fröhliche Stadt. Schauspiel. Verlag von Mbert Langen in München. Die fröhliche Stadt der 59 Massenversammlungen an einem Abend, die nach dem Willen ihres hinter den Kulissen arbeitenden Geldgebers Backpulver in die Revolution über- geführt werden soll: die Stadt der fröhlichen Führer und der einsamen Masse, die sich ver­zweifelt fragt:Wenn man bloß Ivüßte, wohin man zu schießen hat", deren Galgenhumor in die letzte Resignation flüchtet:Ob wir einander umbringen oder du zueinander sagen, es bleibt sich doch alles gleich." Das Drama ist geladen vom tiefsten Erlebnis der Tragik der deutschen Gegenwart. Die Enge der Handlung, der Zeit, der Oertlichkeit ist durch die symbolische Weite des irrationalen, schicksalhaften, schicksalgehehten Dialogs in allgemeinste Geltung hinaufgerissen.

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Romain Rolland, Gin Spiel von Tod und Liebe. Mit einem Vorwort des Dichters. 2ns Deutsche übertragen von Erwin Rieger. Rotapsel-Verlag, Erlenbach-Zürich. Dieses Stück, das Max Reinhardt noch aus dem Manuskript für das Theater in der Josefstadt in Wien erwarb, nennt Romain Rolland eine Tafel seines Polyptychons von der Revolution. Aber wer an dieWölfe", denDanton" und denVierzehnten Juli" denkt, hat noch nicht völlig die Essenz dieses neuesten dramatischen Werkes des großen Gestalters erfaßt. Denn in diesem Drama, das unter atemloser Spannung beinahe wie ein Film abrollt, und dabei doch in jedem Worte die edle geistige Haltung seines Dichters wahrt, tritt die Parallele zwischen der ersten französischen Revolution und dem heu­tigen europäischen Erlebnis, das uns alle irgend bewegt und erschüttert, klar wie noch nie vorher zutage. Diese Franzosen von 1794 sind vor allem Menschen, und ihr Blut zuckt im Pulsschlag unserer eigenen Herzen. Eine neue Schaffens­periode von ungeahnter Intensität und Wuckft er­öffnet sich anscheinend für Romain Rolland mit dieser prachtvollen Dichtung. Wir begrüßen sie als das Wahrzeichen einer zweiten, beinahe köst­licheren Jugend. 227

Die illustrierte ZeitungI. Z." bringt drei interessante Aufnahmen von Junkers Ganz­metall-Verkehrsflugzeugen. Ein interessanter illu­strierter Artikel über Abraham Lincoln zu dessen 60. Todestage bringt uns den hervorragenden Staatsmann und großen Menschenfreund wieder in Erinnerung. (Verlag Ringier & Co., G. m. b. H., Stuttgart.)

Eine Auswahl erlesener Rovellen und Kurzgeschichten ist in der HalbmonatsschriftDer Die Das" zu finden. Autoren von Rang, Autoren jeder Rationalität schenken hier reife Früchte ihres Können. Tschechow gibt eine novellistische Komödie, in der die Dummschlauheit subalterner russischer Justizwächter an einem schauerlichen Mordfall drastisch ad absurdum geführt wird. Von Otto Rung stammt die unwahrscheinliche Erfindung derHoroskop-Films", die jedem auf Wunsch feine Zukunft enthüllen. Anders Eje weiß ein Zaubennittel von primitivster chemischer Zusammensetzung, um einem Scheusal von Schiffs­kapitän seine Grausamkeiten ein für allemal zu verleiden. (Leipziger Verlagsdruckerei G. m. b. H., vorm. Fischer & Kürsten, Leipzig, Johannis­gasse 8.)

Dr. R. C. Muschler: Richard Strauß (Ganzl. Mk. 14,00) bei Franz Dagmeher in Hildesheim. Eine Darstellung, die in sich nicht nur das biographische Material erschöpft und Strauhens musikalischen Stil und Schaffensziele kritisch aufzeigt, sondern das Bild seiner Gestalt in den unerläßlichen Rahmeii der gesamten Kunst- strömungen der Gegenwart und ihrer Probleme einspannt, gibt dies Werk. Muschler zeichnet das lebendige geistige Porträt des vom Streit der Meinungen uinkämpften Dichter-Komponisten Don, seinen genialen Anfängen bis zur letzten Reife, die er soeben in seiner bürgerlichen Ko­mödieIntermezzo" noch zu kaum vorher erahn­barer Vollendung gesteigert hat. Künstlerische Atelieraufnahmen des Komponisten, seines Vaters und Hans v. Bülows, sowie verschiedene Partiturfaksimiles vervollständigen das inter­essante Werk. 285

Gustav Meyrink, D i e heimtücki­schen Champignons. (Verlag Allstem, Preis 2 Gm.) Der Band vereinigt die be­rühmtesten Rummern aus Gustav Meyrinks Wachsfigurenkabinett. Seine Geschichten des Grauens, in denen er mit raffinierter Erfin­dungsgabe die Grenzen zwischen Körperwelt und Seelenwelt aufhebt und die dunklen Geheim- wisjcnschaften aller Jahrhunderte, indisches Fa- firtum, die Kabbala, die Rosenkreuzer, die Theo­sophie heraufbeschwört. Seinen dämonischen Spuk, der in gespenstischen Farben die Macht eines Alpdrucks hat. Seine übernatürlichen Phantas­men, die ein Gelächter des Witzes auflöst. Seine infernalischen Derulkungen des Philisters und den grimmigen Hohn seiner Tierfabeln. 286

Alexander Dumas der Qleltere, hat an der ergreifenden Romantik und der Wucht der sich überstürzenden Geschehnisse, welche die kurze Zeit der ansteigenden und behaupteten Herrschaft Rapoleons erfüllte, nicht vorbei- geben können. Mit sicherer Hand türmt er Er­eignis auf Ereignis, seht er die gewaltigen Per­sonen der französischen Revolution nebeneinander, malt er mit unnachahmlichen Farben mörderische Schlachten und zeichnet scharf in Umrissen auf dem buntbewegten Hintergrund die harte und doch so tragische Person Rapoleons. Dieses Buch hat seine Auferstehung in einer prächtigen Ausgabe des Verlags Dieck & Co., Stuttgart, der noch andere Dumas-Romane in vorzüglicher Heber- sehung und schöner Ausstattung herausgibt, ge­feiert. 272

Phantastische Geschichte eines als Pagr verkleideten Mädchens. Kerkerszenen, Aleberfälle, Belagerungen, spannende Turnierkämpfe wechseln bunt in dem packenden Roman von Alexander DumasDer Page des Herzogs von S a v o h e n". Es ist die von wilden Gescheh­nissen erfüllte Zeit der Glaubenskämpfe im 16. Jahrhundert, die er uns vorzaubert, dazwischen läuft die zarte Geschichte des Pagen, der des Herzogs verkleidete Geliebte ist. Die prächtige zweibändige Ausgabe des Verlags Dieck & Co., Stuttgart ist die einzige Ausgabe überhaupt dieses ergreifenden Romanes, die in Deutschland herausgegeben wurde. 273

D e r Alpen freund", 6. Jahrgang 1925. AlpenfrLund-Derlag 21.-®., München, Äma- lienstraße 9. Das 8. Heft dieses Jahrgangs zeich­net sich durch besondere Reichhaltigkeit aus. Zu allen Schilderungen ist sehr gutes Dildermaterial zusammengestellt. Ins Land der Mitternachis- sonne, wo die Gletscher ins Meer münden, führt uns ein fesselnder Aufsatz von Dr?-O. D. Tauern Alpines aus Lappland".Es ist, als ob z. B. das Berner Oberland bis zum Fuße der Gletscher ins Meer getaucht wäre." Dabei entrollt sich uns ein kurzes, aber lebensvolles Bild der dor­tigen Bewohner.

Das Maiheft vonDeutschlands Erneuerung" (2. F. Lehmanns Verlag, München SW 4, vierte jährlich 3 Mk.) wird ein­geleitet durch einen Aufsatz des Dr. T o b l e r Deutsche Demokratie und deutsche Knechtschaft in ihrem Zusammenhang". Allgemeines Inter­esse wird auch die anschließende Arbeit über Die Aufwertungsfrage" aus der Feder von Dr. Best (M. d. R.), Darmstadt, finden. DieAuf­fassung der Arbeit als Ausdruck völkischer Eigen­art" behande l Dr. Becker. .\M)erWerkgemein­schaft oder Werksge neinschafk" bringt Dipl.-Jng. Jaeger neue Gebauten.

21 n ton Wi 1 dgans: I n Ewigkeit Amen. Ein Gerichtsstück in einem 2kkt. (Re- -clams Äniversal-Bibliothek.) Das erste drama­tische Werk des bekannten Dichters liegt hier in einer neuen, überarbeiteten Ausgabe vor. Der Konflikt ist menschlich erschütternd: die Träger der Handlung, Typen aus dem Volk, sind mit überlegener Sicherheit gezeichnet worden. 260

Hans Müller: Der Brand von Trukihan. Erzählung. (Reclams ümberfal- Bibliothek.) Diese meisterhaft aufgebaute, span­nende Rovelle läßt uns das Schicksal eines mäh­rischen Adligen mit erleben. Das Motiv ist der Kampf eines Menschen mit sich und der Ver­suchung in der eigenen Seele. 261

Friedrich von ® ag er n: Der Marterpfahl. Rovelle. (Reclams Äniversal» Bibliothek.) Eine historische Rovelle von atem­raubender Spannung. Die glänzend durchge» führte Handlung ereignet sich in Rardamerika, Kämpfe der ersten Ansiedler mit den Indianern bilden den Hintergrund. 262

Gisela v. Berger: Die Schlange. Drei Rovellen. Mit einem Rachwort von Felix Salten. (Reclams Äniversal-Bibliothek.) Das Problem des Todes als sanftes Hinübergleiten in die andere Welt, als stilles Loslösen und ®nt- gleiten aller Schwere der Körperlichkeit, erfüllt diese drei Erzählungen von sterbenden Menschen, die das Leben liebten und den Tod fürchteten. 263

Rundfunk-Programm

des frankfurter Senders.

(Aus derRadio-Ämschau".)

Dienstag, 2. Juni:

4.30 bis 6 Ähr: Rachmittagskonzert deS Hausorchesters: Reue Schlager. 6 115r. Wirt­schaftsmeldungen. 6 bis 6.30 Uhr: Die Lese­stunde (Meisterwerke der Weltliteratur): Aus Soll und Haben" von Gustav Freytag (Fort­setzung). 6.30 bis 7 Ähr: Sprachliche und prak­tische Hinweise für Jtalienreisende. 7 Ähr: Wirtschaftsmeldungen. 7 bis 7.30 Ähr: ileber- tragung von Kassel: Vortrag von Musikdirektor Hallwachs. 7.30 bis 8 Ähr:Photographische Plaudereien", ein Vortragszyklus von Pros. F. Schmidt von der Technischen Hochschule Karlsruhe. Dritter Vortrag:Die lichtempfindlichen Plat­ten und Filme". 8.30 bis 9.30 Ähr: Vortrags­abend Hellmuth Krüger unter Mitwirkung von Jonnh's Hawaiian-Dand, Wiesbaden. 10 bis 11 Ähr: D'Erbschaft, Ländliche Komödie von Al­fred Auerbach.

Mittwoch. 3. Juni:

12 Ähr: Rachrichtendienst. 3 bis 4 Ähr: Wirtschaftsmeldungen. 4.20 Ähr: Rachrichten­dienst 4.30 bis 5.30 Ähr: Kinderstunde. Zwei­ter Sagennachmittag, veranstaltet von Rektor K. Wehrhan. 5.30 bis 7 Ähr: Rachmittagskon­zert des Hausorchesters. 7 bis 7.15 Ähr: Vor­trag von Otto Schwerin:Heber Laden-, Kolli-, Viehdiebstahl usw." 7.15 bis 7.30 Ähr: Wander- ratschläge des Taunus-Klubs. 7.30 bis 8 Ähr: Schwimmsport und Rettungsschwimmen", Vor­trag, gehalten von Kreisschwimmwart Bertsch- Frankfurt a. M. 8 bis 8.30 Ähr:Der deutsche Äebersee-Cxport, 1. Organisationsformen und Arten", Vortrag, gehalten von Dipl.-Kaufmann H Erwin Beyer. 8.30 bis 9.30 Ähr: Georges Dizet (t 3. Juni 1875). 9.30 Ähr: Rachrichten- « dienst, Wettermeldung, Derkehrsnachrichren, *

Sportbericht. 10 bis 11 Ähr: Russische Musik ,

Aus dem AmtsvcrkündigunftsblcrLt.

Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 43 vom 29. Mai enthält: Einziehung der Reichsbanknoten. Straßensperre. Maul' und Klauenseuche in AIbach und Langsdorf. Beseitigung dürrer Bäume und 2lefte. Ge> fanden. Verloren. Die Kreisfürsorgerinnen. Friedhofsordnungen mit entsprechenden Poli' zeiverordnungen der Gemeinden Reinhardshain, Treis a. d. Lda., Allertshausen und Odenhausen. Dienst Nachrichten.

Korpuknj verunstaltet die Körpevfornt nud macht alt. Allen zum Starkwerden Veran­lagten raten wir, in der Apotheke 30 Gramm echte Toluba-Kerne zu kaufen, die völlig unschädliche, dabei wirksame, den Ansatz verhindernde Stoße enthalten. Sicher: Äniversit.-Apoih. zum goldene« Engel. Die Bestandteile sind auf der Packun« angegeben.486OÄ

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