Ausgabe 
2.6.1925
 
Einzelbild herunterladen

rührer das vtraßenpflaster auf und bewarfen die Polizei mit einem Hagel von Steinen. Eine Reihe von Polizeibeamten und Neugierigen trug Verwundungen davon. Nachdem die Polizei die Anmöglichleit, die Angreifer ohne Waffengewalt zurückzutreiben, einsehen muhte, feuerte sie in die Menge. Fünf Personen wurden ernstlich verwundet, worauf die Menge sich zerstreute. Die Stadtverwaltung hat den Ausnahmezu­stand proklamiert. Die Studenten versuchen, die Arbeiter in den lebensnotwendigen Betrieben zur Teilnahme an dem Streik zu bewegen. Die Stadt­verwaltung hat dementsprechende Gegenmah­nahmen ergriffen. Ein Student griff heute in einer Nebenstrahe einen Beamten der bri­tischen Militärpolizei an, der in der Notwehr den Studenten durch einen Schuh ernst­haft verletzte. Zur Zeit, Montag mittag, herrscht Nuhe in dec evtadt. Die Lage ist jedoch zweifel­los e r n st. Die weitere Entwicklung hängt we­sentlich von dem Ausmah der Beteiligung der Sozialisten ab.

Nach den letzten Meldungen gewnrnt der General st reik immer mehr an Ausdehnung. Die auswärtigen Konsuln haben auswärtige Kriegsschiffe funkentelegraphisch zur Hilfe gerufen. Am Nachmittag ver­haftete die Polizei einige russische Kommu- n ist en. Das amerikanische Konsulat hat Frei­willige zum Schutze des Fremdenviertels an­gestellt.

Die personarabhauverorünung

Berlin, 30. Mai. (WTB.) Wie bekannt, hat die Reichsregierung stets die Absicht gehabt, die durch die Reichsvcrfassung gewährleisteten wohlerworbe­nen Rechte der Beamten, die durch die Per­sonalabbauverordnung aus der Not der Zeit heraus einge sch rankt wurden, wiederherzustel- len, soweit und sobald die Verhältnisse es gestatten. Dies war bei der Einbringung der Novelle zur Personalabbauverordnung im Januar und Februar dieses Jahres nicht möglich. In der Zwischenzeit haben sich die Verhältnisse zugunsten der Beamten so verändert, daß es der Reichsregierung angängig erscheint, gewisse weitere Milderungen kn der Handhabung der Personalabbau- Verordnung eintreten zu lassen. Die Reichs- regierung hat daher in Uebereinstimmung mit den sie stützenden Parteien des Reichstages sich ent­schlossen, ckuf die Weitcrverfolgung des dem Reichs­tags vorliegenden Gesetzentwurfs zu verzichten und eine neue Gesetzesvorlage einzubrin­gen, die in mannigfacher Hinsicht den Wünschen der Beamten weiter entgegenkommt. In erster Reihe sollen die Abbaubestimmungen auf­gehoben sowie Verbesserungen auf pensionsrecht­lichem Gebiet vorgenommen werden. Da durch die vorgesehene Neuregelung die beamtenrechtlichen In- teressen der Länder und Gemeinden bereichert werden, ist der Weg einer neuen Gesetzesvorlage ge­wählt worden, um dem R e ich s r a t Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Die neue Vorlage ist bereits dem Reichsrat und den Landesregierun­gen übersandt worden, so daß mit der endgültigen Erledigung der Angelegenheit in kurzer Zeit zu rechnen ist.

Die Entwaffnungsnote der Alliierten.

Paris, 1. Juni. (WTB.) lieber die Samstag nachmittag stattgefundene Sitzung der Botfchafter- konferenz wird folgendes offizielle Kommu- tnique ausgegeben: Die Botschafterkonferenz, mit J: ben Instruktionen der alliierten Regierungen ver- sehen, hat heute nachmittag die Fassung der , pl o t e festgesetzt, die der deutschen Regierung im Namen der alliierten Regierungen durch ihre diplomatischen Vertreter in Berlin überreicht werden soll. Diese Note wird morgen abend nach Berlin abgehen, am kommenden Dienstag der deutschen Regierung übermittelt und aller Wahrscheinlichkeit nach am Mittwochabend veröffentlicht werden. Sie besteht aus einer Kollek- itonote von etwa fünf Seiten und zwei Anhängen. Der erste Anhang setzt sich aus mehreren Teilen und enthält besonders die Ausführungsliste der Klauseln des Versailler Vertrags sowie die Liste der verlangten Berichtigungen. Der zweite Anhang enthält das Schreiben der Reparations­kommission. Beide Anhänge sind etwa 30 Seiten lang.

Benesch und der Sicherheitspakt.

Fühlungnahme in Paris.

Paris, 31. Mai. (WTB.) Die Morgenblätter beschäftigen sich mit der unerwarteten Reise des tschechischen Außenministers Benesch nach Paris. Er ist am Samstag angekommen, gestern abend aber wieder nach Genf zurückgereist. Außenminister Bri- and konnte er nicht sprechen, da dieser die Feiertage auf dem Lande zubringt. Er verhandelte deshalb nur mit dem Generalsekretär im Außenministerium Philippe B e r t h e l o t und Ministerialdirektor L a- roche. Die Blätter glauben, daß Benesch über das Sicherheitsproblem verhandelte. DasJournal" sagt, Benesch sei gekommen, um seine Beun­ruhigung zum Ausdruck zu bringen. Er glaube immer an die Möglichkeit, das Protokoll von Genf auf indirektem Wege stückweise herzu- st e 11 e n , indem er die einzelnen Mächtegruppen allmählich zusammenbringe. Er glaube an die Not- wendigkeit, Gelegenheiten zu ergreifen, um Eng­land herumzuziehen. So unvollkommen auch eine derartige Kombination sei, so sei sie doch besser, als wenn Großbritannien sich ganz entferne. Das Journal" gibt aber zu, daß die augenblickliche Orientierung absolut von dem Bestreben Beneschs ab weiche. Das von England ins Auge gefaßte System des beschränkten Abkommens bedeute einen vollkommenen Bruch mit dem früheren System. Die Abkommen Frankreichs mit Polen, der Tschechoslowakei und Bel­gien seien im Rahmen der Friedensver- träge und des Völkerbundes geblieben. Sie hätten es sich zur Aufgabe gestellt die Friedensverträge aufrecht zu erhalten. Der Charakter des englischen Planes fei ein andere r. Nach der bri­tischen Auffassung sollte der britische Pakt die be­stehenden Beziehungen zwischen Siegern und Be­siegten umstoßen. Benesch könne sich nicht verheim­lichen, daß die Zukunft seines Landes Beunruhigun­gen ausgesetzt sein könne. Der deutsche Pakt lasse den Weg für die deutschen Absichten auf Oester- r e t cf) frei, die schließlich zu einer Umklammerung der Tschechoslowakei führen müßten. Sei die Errich­tung eines Wirtschastsbundes in Europa das einzige Mittel, um Oesterreich und Ungarn der deutschen Beeinflussung zu entziehen/ Diese Ver

einigung sei absolut unerläßlich, wenn England sich mit einer chinesischen Mauer umgebe. Der Außen­politiker desJournal" sagt, man würde nichts von den politischen Ansichten Philippe Berthelots ken­nen, wenn man nicht behauptete, daß die mit Be­nesch sich besonders auf das letzte Thema erstreckt hätte.

Frankreich und das Elsaß.

Der Präsident der Republik xu Straßburg.

Paris. 1. Juni. «WTB.> Der- Präsi­dent der Nepublik, Doumergue, ist gestern in Begleitung des Ministerpräsidenten P a i n l e v 6 und der Minister- S ch r a n e k und de M o nz i e nach Straßburg abgereist, wo er am späten Nachmittag eintraf. Auf dem Bankett im Rathaus hielt der Präsident eine Rede, in der er u. a. sagte: Frankreich fordere nur Ver­traue n. Das sei sein Charakter, man könne sogar sagen, auch sein Fehler. Frankreich könne jedoch die Lehren der noch in der Erinnerung lebendigen Vergangenheit nicht vergessen. Man dürfe es ihm nicht übel nehmen, wenn es sich vorsichtig zeige, wenn es über gewisse Lagen und etwas verworrene Aussichten klar sehen wolle. Es fürchte, die Wege, die zu einem dauer­haften Frieden führen sollen, für geradlinig zu halten, während sie in Wirklichkeit Am Wege 'oder Fallen seien, die vielleicht doch zu traurigen Enttäuschungen und vielleicht auch z u gefährlichen Konflikten führen könn­ten. Solange Frankreich nicht ernste Garan­tien für die versprochene Sicherheit erlangt habe, auf die es immer noch warte und die eine gebieterische Notwendigkeit seien, wäre es ungerecht, ihm einen Vorwurf daraus zu machen, wenn es sich vorsichtig zeige und sich rächt zu jenem großmütigen schönen Vertrauen führen lasse, zu dem seine natürliche Ehrlichkeit und sein natürlicher guter Wille es leicht fuhren könnten.

Ministerpräsident Painleve

sagte: 50 Jahre war Elsaß-Lothringen in ein großes und mächtiges Reich durch Ge­walt eingegliedert. Dieses Reich hat Elsaß an seiner außerordentlichen wirtschaftlichen Ent­wicklung, an seinen großen Anternehmungen, die eine wagemutige Finanz unterstützt hat. teil- nehmen lassen. Dieses Reich hat manchmal brutale, aber praktische Verwaltungsmaßnah­men aufgezwungen, und es hat Gesetze und An­ordnungen getroffen, die der französischen Ver­waltung entnommen waren, die aber später den modernen Bedürfnissen an gepaßt wurden. Die Beherrscher von gestern hätten in Elsaß in Frage stellen können: Was habt ihr euch zu beklagen? und hätten ihm zurufen kön­nen: Bereichert euch! Mer man gewinne nicht das Herz eines Gefangenen, indem man Schätze in seinem Gefängnis anhäufe. Das Herz des alten Elsaß habe deshalb gleich wieder mit dem Herzen des wiedergewonnenen Frankreichs ge­schlagen. Painleve versicherte den Bewohnern berf Elsaß, daß keine Maßnahmen getroffen wer­den sollen, ohne daß die Vertreter des Elsaß vorher befragt würden. Er versicherte fer­ner, daß ein Beratender Ausschuß demnächst eingesetzt werde, in dem alle Parteirichtungen vertreten sein sollen. Was not tue, sei Stabt» litätundSicherheit. Ohne Stabilität könne nichts großes unternommen werden, könnten Han- del unb_ Industrie nicht prosperieren. Um diese Stabilität zu erzielen, sei die Mitwirkung aller notwendig. Diesen Ruf lasse er heute ergehen.

Niemals, so fuhr Painleve fort, hätte Frank­reich der Welt die Schrecken des Krieges auf3 gezwungen. Vom Recht allein i,abe es, ge­treu der Lehren von Gambetta, die Reparation des verletzten Rechtes erwartet. Nach einem Hin- toeis auf ein von Lloyd George im Jahre, 1917 abgegebenes Versprechen, daß England sich mit allen seinen Kräften hinter Frank­reich stellen werde, bis der Tag anheben werde, an dem die 1871 begangene große Un­gerechtigkeit restlos repariert werde, fuhr Pain­leve fort, um Elsaß zu verteidigen, wenn es je­mals bedroht würde, würde das einige und un­teilbare Frankreich seine ganze Existenz einsehen. Das seien keine Worte des Imperialismus oder ver kriegerischen Bedrohung. Frankreich wolle nur ein guter Arbeiter für den Frie­den fein, für einen guten Frieden, damit es kerne Unterdrücker und keine Unterdrückten mehr gebe.

Dieser Wunsch sei weder von Utopie noch von Verblendung begleitet. Das französische Volk habe einen zu gesunden Sinn, um sich keiner Illusion über die menschlichen Kräfte hinzugeben, dre noch die alte Welt berunruhigten. Es kenne die Gefahren, angesichts b:rer man die Augen geöffnet halten müsse. Es gebe neue Nationen, die unter­worfen gewesen seien, die berechtigt seien, um Oie Zukunft ihrer Unabhängigkeit und Freiheit besorgt zu fein. Es gäbe auch Träume der Be­herrschung derer, die sich nicht mit der Nieder­lage zufrieden geben wollten. Alles dies sei wahr Aber Frankreich wisse auch, daß es keine wir­kungsvolle Aktion ohne Optimismus gebe. Es wisse, daß etwas ebenso gefährlich wie das blinde Vertrauen sei. nämlich das blinde Miß- ca u/ burefj das ein argwöhnisches Land überall Gefahren und Komplotte entdecken könnte, D. baß es die Gelegenheit vorübergehen lassen wurde, die es, eingesponnen in eine beharrliche □legation. nicht sehen konnte. So beunruhigend und tauschend auch manchmal die Entwicklung der internationalen Politik sein möge, er, Painlevo, fonrte seinen Glauben an die Zukunft der euro­päischen Zivilisation betonen. Ec wolle das auch im Elsaß tun.

Sollte es wirklich wahr fein, daß die Linie, die Deutschland und Frankreich von­einander trennen, auch immer eine be­drohte Grenze bleiben solle? Diese Frage beantworte er mit nein; denn ein Tag werde anbrechen, vielleicht eher als man glaube, an dem die bitteren Enttäuschungen der Nachkriegs­zeit die wahren Lehren des Krieges aufkommen ließen, so daß die Völker den Haß der sie noch trenne, fallen lassen würden, damit sie, jedes nach seinem eigenen Genie, sich nicht gegenseitig beherrschen sondern zusammenarbei- ten werden, um gemeinsam die rebellische Materie zu bezwingen. Dieser Tag, so schloß PainlevS werde wohltuend über jenem zivilisatorischen ®ebiet strahlen, das ein absolut französisches Elsaß in einem wiederausgeföhnten Eurova fein werde

Kranzösisch-spanrscheJusammen- arbeit in Marokko.

Madrid, 1. Juni. (WTB.)El Debate" be­grüßt die cingeleitete loyale Zusammenarbeit Frank­reichs und Spaniens in Marokko. Diese werde wahrscheinlich mit Hilfe Englands die d o 11 ft ä n = dige Aufhebung des Waffenschmug­gels zur Folge haben und dadurch die Lage der Kabylen unhaltbar machen.

Correspondencia Militär" drückt seine Befrie­digung über die Erklärungen Briands in der französischen Kammer aus, daß das Rifgebiet nach Wiederherstellung der Ruhe weiter zu Spa­nien gehören werde, und daß Frankreich keinen Zoll in der spanischen Zone beanspruche.

In demPetit Parifien" wird gemeldet, daß General L i a u t h ey gestern an die Front abgereift ist. Der offizielle Bericht spricht npn Vorposten­gefechten. Es treffen ununterbrochen französi - s ch e Verstärkungen ein. Den Hafen von Casablanca haben gestern auch zum ersten Male Kriegsschiffe, und zwar der KreuzerMetz" sowie zwei Torpedoboote angelaufen.

Aus aller Welt.

Banditenübersall aus einen Eisenbahnzug.

Bei Swislotsch östlich von Bialistok, einem in Polnisch-Weißrußland gelegenen Dörfchen, überfielen Banditen zwei die Eisenbahn­linie abstreifende P o l i z i st e n , von denen der eine getötet, der andere verwundet und ent­waffnet wurde. Eine Stunde später, ungefähr um 41/? Ahr morgens, verübte wahrscheinlich die gleiche, ungefähr 30 Mann zählende Bande einen bewaffneten Aeberfall auf einen in Richtung von Swislotsch fahrenden Personenzug. Seitwärts des Eifenbahndammes entwickelten sich die Freibeuter und eröffneten ein Schnellfeuer auf den vor überfahr en den Zug, um ihn zum Halten zu bringen. Im Zuge entstand eine Pa­nik, so daß einige Reisende während der Fahrt ins Freie springen wollten. Der Lokomotiv­führer aber erhöhte ungeachtet des Gewehr­feuers und der auf den Geleisen von den 'Ban­diten aufgeschichteten Bretter die Geschwin­digkeit, so daß der Zug die Station Swis­lotsch glücklich erreichen konnte. Im Zuge wurde nur ein Reifender durch einen Schuß leicht verletzt. Einige andere Passagiere wurden durch Glassplitter leicht verletzt.

Mit dem Auto auf die Dahnschienen.

Der Chauffeur eines in Werdau bei Leip- z i g gekauften Automobils, das nach Altenburg gebracht werden sollte, verlor auf der Lehndorfer Brücke, die über den Bahnkörper führt, die Herr­schaft über den Wagen. Das Automobil fuhr gegen das Brückengeländer, durchbrach es und stürzte, sich überschlagend, auf das Gleise. Der Chauffeur war sofort toi. Ein mit­fahrender Chauffeur einer Werdauer Firma erlitt einer. Schädelbruch und andere schwere Ver- lcyungen. Das Automobil würd' vollständig zer- triimmert.

Anfall auf einer Berg- und Talbahn.

In einem Vergnügungspark in Berlin- Weißensee brach ein Wagen der Berg- und Talbahn etwa 5 Meter übev dem Erdboden durch die Laufbretter und stürzte mit den In­sassen ab. Zwei nachfolgende Wagen fuhren an der Anfallstelle aufeinander und wurden schwer beschädigt. 6 Personen erlitten schwere Ver­letzungen Die Dahn wurde für den weiteren Betrieb polizeilich gesperrt. Antersu- chung ist eingeleitet.

Zwei Geisteskranke verbrüht.

In der R u f a ch e r H e i l a n st a l t im Elsaß sollten zwei geisteskranke Frauen ins Bad gebracht werden. Da sie sehr unruhig waren, wur­den sie in der Badewanne angebunden. Eine Leichtkranke, der die lleberwachung beim Baden anvertraut war, öffnete den Warmwasserhahn. Durch das ausströmende heiße Wasser wurden die beiden Frauen so schwer verbrüht, daß sie bald st a r b e n.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 2. Juni 1925.

Die Jagd im Juni.

Der Rosenmonat bedeutet für den Jäger Hege­zeit. Der Jagdkalender zeigt für jegliches Nutzwild schwarze Felder, mit Ausnahme des Rehbockes, auf den die Jagd frei ist. Und als solcher hat er reiche Gelegenheit, sich in Wald und Feld umzutun und nach dem Rechten zu sehen. Die ganze Natur ist ja jetzt eine einzige Kinderstube, die vor mancherlei Gefahren, die dem Jungwilde drohen, zu schützen ist. Vor allem muß immer und immer darauf hin- gewiesen werden, wie gerade in dieser Zeit das vier- und zweiläufige Raubzeug dem Revier ge= ährlich ist, und daß es daher gilt, doppelt wach- am zu fein, um die unliebsamen Ruhestörer un- chädlich zu machen.

Das Rot- und Damwild steckt nach dem Verfärben gern im (Betreibe. Grasreiche, geschlossene Laubhölzer und höher gelegene Rohrhorste sucht das Wild aus, weil es von den lästigen Bremsen weniger gequält wird. Starke Hirsche rubeln sich zusammen und unternehmen nachts weite Wanderungen. Suh. len und sauber gehaltene Salzlicken werben gern angenommen. Die Hirsche beginnen zu fegen und man kann an den Fegestellen usw. feftfteUen, ob es sich um einen jagbbaren Hirsch handelt.

Obwohl die Sauen jetzt, zu Rotten vereinigt, in dem Forst überall reiche Äsung finden, so locken des nachts doch die Sommerungsschläge mit un­widerstehlicher Anziehungskraft. Die Zeit des Aus­tritts ist jedoch noch unbestimmter wie in anderen Monaten. Oft erscheinen sie schon kur^j nach Sonnen­untergang, um in der nächsten Nacht erst nach Mit­ternacht auszutreten. Besonders sind es die alten Steiler und gelten Bachen, die des nachts ein ganz un9e^gelte5 Vagabundenleben führen.

~ie Rehet ragen ihr leuchtendes Sommerkleid und stecken je nach Wetter und Ruhe überall umher. Die Ricken mit ihren Kitzen sitzen im Getreide und bevorzugen bei Hitze die kühlen Gemengeschläge oder sie wählen dichte Feldlaubhölzer, von wo aus Luzerne- und Seradelleschläge annehmen, cc^t ist morgens und abends die beste Pürschzeit auf den guten Bock, der aber in der zweiten Hälfte des Monats bis Mitte Juli, wo die Blattzeit be- ginnt, sehr heimlich ist. Nach anhaltendem Regen stehen die Rehe mit Vorliebe in Stangenorten. Dort ift bk Pürsch besonders lohnend.

2er Dachs hat Junge und treibt sich mxhtß in Wald und Flur umher, nach Larven, SngerlinaT und anderen Schädlingen zu stechen. Führt er sirtz auch mal den Inhalt eines Vogelnestes zu Gemüts so tut er doch in dem Forst mehr Nutzen als Schaden»

Der Hase gibt sich mit ungeschwächten KräH ten seinen Liebesfreuden hin.

Die Rebhühner- Kücken fallen aus und finb vor Raubzeug zu schützen.

Die Enten führen ihre Jungen aus. In grö­ßeren Rohrgelegen finb frühzeitig Schneisen für bk kommende Jagd zu mähen. Dieses frühzeitige Schaffen .von Schußbahnen hat den Vorteil, bk Enten an das Ueberfchwimmen derselben zu ge­wöhnen.

Fasanen haben Junge. In zahmen Fasane­rien sind diejenigen Gesperre besonders vor nassem Wetter zu schützen, bei denen die Hähne das erste Rot bekommen. Ein Platzregen in solcher Zeit kostet vielen jungen Hähnen das Leben.

Steuerkalender für. Juni.

Im Monat Juni werden folgende Steuern fällig:

5. Juni: Lohnsteuer für die Zeit vom 21. bis 31. Mai einschließlich der für die Zeit vom 1. bis 10. Mai bzw. 11. bis 20. Mai einbehaltenen, noch nicht abgelieferten Beträge ohne Rücksicht auf deren Höhe.

6. Juni: Vorläufige staatliche Sondersteuer oom bebauten Grundbesitz für 1925, 2. Ziel in Höhe des für das Rechnungsjahr 1924 festgesetzten Ziel­betrags.

10. Juni: Einkommen- und Körperschafts. fteuervorauszahlung für Mai: vorläufige staatliche. Gewerbesteuer 1925 (60 Proz.); und vorläufige Ge­werbesteuer für die Provinz Oberhessen gleich 4 Pro­zent der Einkommen- und Körperschaftssteuervor­auszahlung; Umsatzsteuervorauszahlung für den Monat Mai; Kirchen- und Kultussteueroorauszah- lung für Mai der auf Voranmeldung zahlenden Ein- kommenfteuerpflichtigen, und zwar: a) Kirchensteuer, allgemeine evangel. und kathol. je 15 Proz., b) Kir­chensteuer, örtliche für Gemeinde Gießen, evangel. 7 Proz. und kathol. 5 Proz., Kirchensteuer, örtliche für Gemeinde Heuchelheim und Kl.-Linden event. je je 10 Proz., örtliche für Gemeinde Wieseck, evangel. 7 Prozent der Einkommensteuervorauszahlung. Die Sätze der Kultussteuern sind bei den Zahlstellen zu erfragen.

1 5. Iuni: Lohnsteuer für die Zeit vom 1. bis 10. Juni, sofern der Gesamtbetrag 50 Reichsmark übersteigt.

Der neue Fahrplan

der am 5. Juni in Kraft tritt, bringt eme nicht unerhebliche Verbesserung, sowohl in Fernverbin­dungen, als auch im Nahverkehr. An neuen Zügen sind im Abgang vorgesehen:

Strecke GießenFrankfurt.

Neuer V-Zug 78 HamburgFrankfurt, Gießen ab 5.42 norm.

Neuer V-Zug 28 BerlinBad Homburg und Frankfurt, Gießen ab 5.38 norm.

Neuer Personenzug 778, Gießen bis Frankfurt, in Gießen ab 8.52 nachm.

Neuer Personenzug 782, Gießen bis Friedberg, in Gießen ab 10.39 nachm.

Strecke GießenKassel.

Neuer O-Zug Berlin, Gießen ab 1.12 nachm.

Neuer V-Zug Hamburg, Gießen ab 10.18 nach­mittags.

Neu^r Personenzug Ninderwalgern, Gießen ab 10.43 nachm.

Der bisherige Berliner V-Zug, Gießen ab 12.09 nachts, fährt bereits 11.41 nachm. ab. Der Hamburger V-Zug bisher ab 11.32 nachm. fährt 11.49 nachm.

Ein neuer Personenzug, FrankfurtHamburg, fährt Gießen ab 1.55 nachts.

Strecke GießenHagen.

0-Zug 275 FrankfurtHagenKölnDort­mund, bisher 1.42 nachm. fährt Gießen ab 6.51 nachm.

GießenKoblenz.

Neuer O-Zug 128, GießenTrier, in Gießen ab 5.50 nachm.

GießenFulda.

Neuer Personenzug GießenGrünberg, in Gießen ab 10.46 nachm.

GießenGelnhausen.

Neuer Personenzug GießenHungen, in Gie­ßen ab 10.43 nachm. Der bisherige Werktagszug 513 GelnhausenGießen, in Gießen an 9.52 nachm., wird zwischen Hungen uyd Gießen auch Sonntags gefahren.

* .

Der städtische Haushalts-Voranschlag für 1925 ist den Mitgliedern der Stadtverordneten°Ver- fammlung zugegangen. Er schließt in Einnahme und Ausgabe insgesamt mit 6 038 436.68 Mark (1924: 3 007 074,74 Mk.) ab. Davon entfallen auf vic Betriebsrechnung 3 936 670,68 Mark (1924: 2 365 818,74 Mk.), auf die Vermögens­rechnung 2 051 766 Mk. (1924: 641 256 Mk.). Wir werden auf den Voranschlag noch eingehen­der zurückkommen.

Gieherr und der Luftverkehr.

Die Luftverkehrs°A.G. Oberhessen- Lahngau wurde am Samstag hier formell gegründet. Die Eröffnung des regelmäßigen Luft­verkehrs GießenFrankfurt und zurück, die Ein­weihung des Flugplatzes und Taufe des Flug­zeuges findet Anfang Juli statt.

Anser Pfing st Wetter hat diesmal den Wettermachern einen bösen Streich gespielt. Während man unsstarke westliche Winde, be­deckt. kühler und Regenfälle" angekündigt hatte, was manchen Daheimbleibenden Anlaß gab, den Wander- und Reiselustigen die Mitnahme deS Regenschirms dringend ans Herz zu legen, lachte uns in Wirklichkeit ein sonniges, warmes und ruhiges Pfingstwetter, wie man es sich herrlicher gar nicht denken konnte. Der Reiseverkehr vom hiesigen Bahnhof aus war sehr stark; am Sams­tag setzte er außerordentlich stark ein, blieb auch am ersten Feiertag recht lebhaft und erreichte namentlich am zweiten Feiertag abends wieder einen außerordentlich starken Umfang. Die fahr­planmäßigen Züge wurden sämtlich bis auf Höchstlast verstärkt gefahren, außerdem wurden iwch Sonderzüge befördert. Hierdurch war es der Bahn möglich, sämtlichen Änforderungen gerecht zu werden. Sehr guten Besuch hatten auch die Ausflugsorte in der näheren Amgebung zu ver- zeichnei7. so daß die dortigen Wirte wohl ebene