Ausgabe 
2.6.1925
 
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Rr. 126 Erstes Blatt

175. Jahrgang

Dienstag, 2. Juni 1925

Erscheint täglich, außer dann- und Feiertags.

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GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Festtage in Kufstein und München.

Tagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland. Eröffnung der deutschen Verkehrsausstellung

K u f ft c i n, 1. 3 uni. (QSB.) Die Tagung des Vereins für das Deutschtum im Auslande begann SamStag vormittag mit einer Frauen­tagung. die von Frau Prof. Aly aus Frei­burg eröffnet wurde. Frau Aly wies in ihrer Begrünung darauf hin. daß die von den Frauen genährte Flamme des Deutschtums zu einer weit­hin leuchtenden Fackel geworden fei. Die Frauen feien die treuen Wächterinnen dieses heiligen FeuerS. Frau Dr. Praxmarer aus Kufstein begrüßte die aus dem ganzen Reich, aus Oester­reich und verschiedenen auslanddeutschen Ge­bieten erschienenen Vertreterinnen der Frauen­arbeit namens der Fraüen Kufsteins. Der Dor- sitzende des Vereins für das Deutschtum im Aus- lande. Staatssekretär a. D. von Hintze, wür­digte die überragende Werbetätigkeit der Fraucn- fltubbe im Rahmen der Echutzarbeit der Frau als Mutter. Durch ihren Einfluh auf die Entwicklung der Heranwachsenden würde sie auch zur Mut­ter der Ration. Sie schaffe die deutsche Ration, die groß und frei sein soll. Frau Dr. D a t h - Hamburg sprach über das Problem der llcberfüfjrung der Schulgruppen in die Mit- gliederjugendgruppvn. um ihnen den Hebergang zur Arbeit in den erwachsenen Gruppen zu er­leichtern. Zur Verlesung kam eine Kundge­bung der Frauen Südtirols, in der große Klage geführt wird Auch von S u dete n- deutsch c n lagen zahlreiche Klagen vor. An den Reichspräsidenten von Hindenburg wurde folgendes Telegramm abgesandt: Die in Kufstein zur Haupttac>ung versammelten Vertreter des Verein- für das Deutschtum im Auslande und des Deutschen Schulvcreins der Südmark entbieten ihrem Vorsitzenden ehr­furchtsvolle Grüße gc< v. Hintze, Staatssekretär c. D.

In der SauplüerfamnHung erstattete der Geschäftsführer und Vorsitzende Konteradmiral S e t b o C n den Jahresbericht. Rach einem Aeberblick über die Geschäftslage des Vereins legte er dar. das, der Haushalt zur Hnterfiünung des Auelandsdeutschtums 1914 für den Verein 140 000 Mark auf gewiesen habe. Er erklärte dann weiter: Wenn der Haushalt für 1924 einen Ausgabeposten von 640 000 Mk. aufweist und der Voranschlag für 1925 über eine Million hinausgeht, so kommt dann der gewaltige Fortschritt der Scdutzver- e i n s a r b e j t zum Ausdruck. Das festgefügte Reich der Vorkriegszeit hat etwas mehr als ein Zehntel der Betrüge aufgebracht, die heute in einem machtlosen verstümmelten Reich das verarmte deutsche Volk den um ihr Rationaldcs i i kämpsrn: e.i Brudern zur Ver­fügung fiel': Diese Tatsache darf man als den Anfang einer völligen Umschichtung des politischen Lenkens und zugleich als das Ergebnis der eindringlichen Lehre der Friedens- diktate b'^> ichnen. die zahlenmäßig das Aus­landsdeutschtum tergvof evt haben. Die damit al er auch dem Gcoanken Geltung verschafft haken, dah Staatsgrenzen für Vrtkstnmarbeit nicht Schri.-ewänte find. Trotz aller Fortschritte Ileibt aber genug zu tun. Auch das vergangene Jahr haf einen

verstärkten Ansturm der Fe'nde ugsereS Volkstums

gebracht. So schmerzlich cj ist. so; c.i wir uns dock) eiiwcftc'Kn. daß unsere Brüder draul-en Schritt für Schritt .'urückgedrängt werden. Die Forderung i er Gleichberechtigung mit den Far­bigen in Afrika iit unseren Brüdern in Süd - tirol mit g.'steife..en Druck beantwortet wor­den 3n der Tschechoslowakei wird das Gystent graüSam bc c hne er Abwürgung des deutschen Volkstums mit allen Machtmitteln deö Staates durchgeführt. 3n Polen müssen viele tausende deutscher Kinder in polnische Schulen gehen: in Pom ereilen sind es 48,3 Prozent oct Ge amtzahl. ilnb das alles trotz der Min- derheilcnbcrträgc. 3n Rumänien hat man, naeydem Kirchen und Schulen unserer Volks­genossen ihrer materiellen Grundlage beraubt waren, das Schulwe en rcmanifierl. Ein 2id)tblid ist lediglich die Gewährung der kulturellen Selbst­verwaltung in E st l a n d. Aber auch dort wie in Lettland hat man die Deutschen ihres Besitzes beraubt. Diesen Tatsachen gegenüber muh jeder Deutsche Opfer zur tinterflüQung

Vereins für das Deutschtum im Auslande bringen. Es geht nicht um Sondervorteile und Parteienstreit, cs geht uin die Zukunft u n » ' c r gesamten deutschen Volk e s.

3m Rahmen der Veranstaltung der Kus- steiner erngung traten auch die studentischen Teil­nehmer zu einer

g rohdeutschen 6tubententagung zusammen. 'Dotitzittags wurde nach einleitenden Worten durch Erzellenz v. Hintze über die For­derung des Studiums der Ausland- deutschen in reichsdeutschen Hochschulen, über die Sage der deutschen Studentenschaften außer­halb des Reichs und über das vom Verein für das Deutschtum im Auslande seit Jahrzehnten durchgeführte Stipendienwesen berichtet.

Die Rachmittagssitzung brachte einen Vortrag des Mitglieds der steierischen Landesregierung. Landrat Hübler-Graz. über Grenzlandgedaicken und Grenzlandarbeit im Südosten. Allgemein dürfte die Grenzlandarbeit der Studentenschaft

nicht als Liebhaberei oder Sport ausgefaht wer- den. 3m Südosten werde die Grenzarbeit stärker als anderswo mit dem Heimatgedanken arbeiten können und müssen, da hier nicht wie zum Teil in den deutschen Grenzgebieten im Westen die Gefahr einer Heberspihung des Heimatgedankens in der Richtung des Separatismus bestehe. Prof. T e m p e - Berlin sprach über Kulturaustausch In der Welt und über die Bedeutung des Ausland- deutschtums für die Mission des deutschen Ge­dankens. An den Vortrag schloh sich eine lebhafte Aussprache an.

Inzwischen sind neben führenden Persönlich­keiten aus allen abgetrennten Gebieten noch der Obmann des deutschen Vereins Südmark Exz. Dr. G r o o s . der Präsident der österreichischen Landmannschaften und Vereine in den Vereinig» ten Staaten von Rordamerika Dr. Kobalter, der Tiroler Heimatdichter F i s ch n a 11 c r, der Landeshauptmann von Tirol. Dr. Franz Stumpf, der Obmann der Grohdeutschen Par­tei in Tirol Landtagsabgeordneter Dr. Straff- n e r und der Herausgeber der Freien Presse in Cincinnati Fr. Elvan eingetroffen.

Den Abschluß des ersten Pfingstfeiertages bildete

einriefigerFackelzug derIugend der deutschen Schuhvereine, der einen tiefen Ein­druck auf die Zuschauermenge machte. Auf der Iosessburg erfolgte aus Anlaß des Zusammen­schlusses des deutschen Schulvcreins und des Schulvereins der Südmark in Wien eine feier­liche Kundgebung. Als erster Redner begrüßte Dr. G r o o s . Obmann des Schulvereins der Südmark, die Versammlung mit einem Rückblick auf die Schulvereinsbewegung. Professor Bin­der vom Verband der Ostmark schilderte die Arbeit und die geschichtliche Entwicklung des Ver­bandes der Ostmark und gab der Hoffnung Aus­druck, daß auch die .Ostmark" bald vereint mar* fchieren werde, v. Hintz e> betonte, jeder Deutsche ohne Unterschied des Standes -- solle stets der Mahnung eingedenk bleiben, deutsch zu fein. Aber deutsch fein, heiße hilfreich fein, wo das Deutschtum der Hilfe bedürfe. Der deutsche Schul­verein sei der deutsche Voftsverein. Seine Waffe sei der Glaube an das deutsche Volk. Wir seien waffenlos, geblieben seien uns aber die deutschen Seelen: um diese deutschen Seelen gehe es, die wolle der Verein haben. Rur wenn das gelinge, könne unser Volk gerettet werden. Lebhafte De- griftci^ng rief die Verlesung des Antwort­telegramms des Reichspräsidenten hervor, in dem er seinen Dank für di: über­mittelten freundlichen Grüße ausspricht.

3m Anschluß an die Kundgebung fand die Ausgabe der Preise an die Sieger in den Iugendwettkämpfen statt. Den ersten Preis erhielt ein M tglied der Marien­burger Ortsgruppe. Der Preisrichter forderte, daß die d:u:sch.'n Sportvereine nicht mehr mit Tschechen spielen, solang: deutsche Turnvereine in bet Tschecho-Slowakei verboten und aufgelöst würden.

Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete nachmittags ein Festzug durch die Stadt, an bem etwa 5030 Personen mit Fahnen und Wimpeln m den Trachten f a ft aller deutscher Stämme teilnahmen. Den Ab­schluß der Tagung bilden am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag Sitzungen der Hauptver­sammlung des V d. A.. eine Hauptausschuß- sitzung der Hauptversammlung des Vereins, ein Presseabend mit künstlerischen Darbietun­gen der österreichischen Volkskunstgruppen und Ausflüge in die näher: und weitere Um­gebung Kufsteins.

Eröffnung der deutschen verkehrsausstellunginMünchen.

München, 1. 3uni. Am Samstag vor­mittag gegen 8 Hör sind ter Reichswehr­minister. der Reichsverkehrsminister Kröhne, sowie der Reichspostminister E t i n g l zu den Eröffnungsfeierlichkeiten der Deutschen Der- kehrsausstellung hier eingetroffen. 3hnen folgten kurz darauf neben zahlreichen Presse­vertretern des 3n- und Auslands, von der RcichSbahngesellschast Staatssekretär Vogt und vom Reichsvostministerium Oberpostrat Schultze. Als Vertreter Preußens waren der preußi­sche Geschäftsträger in München. Ministerialrat Dr. Denk, und der Leiter der Verkehrsabteilung im preußischen Handelsministerium. 3 a q u e s , ^gleich auch als Verlrreter des preußischen Ministerpräsidenten erschienen. Ein offizieller Empfang hat nicht stattgefunden. Zur Begrü­ßung waren erschienen Oberbürgermeister Scharnagl sowie der Präsident der Reichs­bahndirektion München, v. V ölcke r.-

Schon lange vor Seginn der Feier füllte sich die Halle für die Luftfahrt mit Tau­senden von Ehrengästen aus allen Gauen des Reiches und Oesterreichs, Vertretern der Reichs­regierung, der LandesregierungLN, der Städte uick> der endlosen Zahl der anderen Festgäste bis auf den letzten Platz.

Punkt 10 Ahr verkündeten Fanfaren den Beginn der Feier,

die eingeleitet wurde durch ein Festspiel von Dr. Eigenrot h, ..Der Herr der Welt", und

den Festmarscb von Dr. Richard Strauß. Rach- dcm die letzter Töne in dem weiten Raum ver­klungen waren, bestieg Staatssekretär Ritter von Franck die Rednertribüne. Er führte nach Bewillkommnung der aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes und auch aus Oesterreich erschienenen Ehrengäste u. a. aus:

Die Ausstellung soll und wird jedem etwas bieten, dem Einzelnen, dem Volke und auch wohl anderen Völkern.

Die Verkehrsausstettung

soll keine Messe, sondern dir Schau des deutschen Erfindungs- und Hnternehmuugsgeistes auf allen Gebieten des Verkehrs, eine Stätte der Beleh­rung und Anregung und schließlich auch

ein Gradmesser

der deutschen Leistungsfähigkeit überhaupt sein. Damit soll die Ausstellung vor allem auch der außerdeutschen Welt beweisen, daß wir trotz aller Fesseln des Friedensvertrages in der Orga­nisation und der Qualität der Arbeit immer noch an erster Stelle stehen. 3n der damit verbun­denen Wiederanknüpfung der verloren gegange­nen Wirtschaftsbeziehungen liegt die vaterlän­dische Mission der Verkehrs-Ausstellung, der Einigungsgedanke, den uns unsere Lage heute mehr denn je aufzwingt, soll und wird auch bei den Veranstaltungen der nächsten Wochen dec Leitgedanke der Deutschen Verkehrs-AuSstel^ing München fein.

Bürgermeister Scharnagel schildert» zunächst die Bedeutung der Verkehrs-Ausstellung für Wirtschaft und Kultur und gab dann der besonderen Freude der Stadtverwaltung Aus­druck, daß die Verkehrs-Ausstellung in München durchgeführt wurde. Mik dem Gruß an alle, die aus dem ganzen Reich zur Eröffnung nach München gekommen seien, verband der erste Bür­germeister von München den Dank an die Helfer und schloß mit der Hoffnung, daß die gemein­same Arbeit in dem Gedanken an die unzer­störbare Zusammengehörigkeit das Vaterland wieder groß, stark und frei machen werde. Seine Ausführungen wurden mit großem Beifall aus­genommen.

Ministerpräsident Held erinnerte, nachdem er den Willkommensgruß der bayerischen Staatsregierung dargebracht hatte und sodann der Ausgaben des Verkehrs im Gemeinschaftsleben eine# Volkes und der Völker gedacht hatte, daran, daß

Bayern in der Ausbildung der Derlehrswegr und in der Verwendung der Derlehrsmittel an der ersten Stelle

unter den deutschen Ländern gestanden habe, was in der Rürnberg-Fürther Eisen­bahn, in der Automatisierung des Telephonverkehrs sowie in ber großarti­gen Werken des Straßen- und Wasser­baus zum Ausdruck komme.

Der Ministerpräsident betonte sodann, daß die Verkehrs-Ausstellung die Möglichkeit einer historischen Verachtung der Entwicklung des Ver­kehrs und der Verkehrsmittel biete und einen Hebcrblid über den gegenwärtigen Stand des Verkehrs und auch einen Ausblick in die Zukunft gebe. Sie sei dazu berufen, ein Gegenstand stolzer Erinnerung, ein Denkmal des ungeschwächten Selbstvertrauens und ein aufmunternder Hoff­nungsstern auf dem Wege in die Zukunft zu sein. Denn man könne Deutschland mit Gewalt nieder­halten, ihm wider alles Recht und Ratur Gebiets­teile rauben, cs wirtschaftlich niederhalten und politisch demütigen, aber nicht könne man den Deutschen den Erfindungsgeist. die deutsche Schaf- fenslraft und die Schaffensfreude rauben. Das sei die Heberzeugung, die man aus dem Bild dieser Ausstellung gewinnen könne. Dr. Held schloh mit lern Wunsch, daß die Ausstellung neue Grund­lagen für den Wiederaufbau unseres Volkes nach innen und nach außen legen möge.

Reichswehrminister Gehler

führte in der Eröffnungsrede aus:

Die ungeheuren Lasten, die der unglückliche Ausgang des Krieges unserem Volk und feiner Wirtschaft auferlegten, pingen förmlich zu Der suchen, einen wesentlichen Teil davon durch neue Fortschritte der Technik auszu- glcichen. Dieser Gedanke führt mich schon hinüber zu dem Problem unserer Wirtschaft. Wir wissen, schwer drückt auf die weitesten Kreise ernste Sorge um die nächste und die weitere Zukunft. Die Reichsregierung ist sich der unendlichen Schwie­rigkeiten wohl bewußt, die unsere Wirtschaft hat, um in der Welt konkurrenzfähig zu bleiben gegen­über anderen, glücklicheren und reicheren Völkern. Allein auch hier wissen wir, daß letzten Endes es nicht möglich ist, durch künstliche Mittel sich im Wettbewerb zu erhalten. Auf die Dauer ist es nur die eigene Kraft, die in der Gediegenheit der Leistung zum Ausdruck kommt. Wir haben allen Anlaß, uns auf diesem Gebiete ebensowenig wie einer entnervenden Resignation einem flachen Optimismus h nzug b.n. RichtS wird von selbst kommen, alles werden wir uns selbst erwerben müssen. Auch für diesen Kampf mag die

Münchener Ausstellung ein Mark- und Meilenstein sein, ein Markstein, der zeigt, was geleistet ist, und ein Meilenstein, der die Zukunft weist und neue Aufgaben stellt.

3e weniger wir g.ne.gt sind auf das Rech' un­seres cig.men Volkstumö zu vcrztch.en, ums m hr müssen wir unS llar lein, daß wir diese.- . -)t uns nur v rschafien können im Wettei er m t .en übrigen Völkern der Welt. Wie sind c i n Q 11 e ö der großen Dölkergemeinschast de. Erde, das jetzt auch um feine moralische Gleich­berechtigung kämpfen muß

An die B.'ftcht aung der AuSstellungs äums schloß sich ein Frühstück an, in dessen Verlauf eine Reihe von Trinksprüchen gewechselt wurde. Der bayerische Handelsminister Meine! betonte das Bestreben Bayerns, den Ru> feineu altberühmten Gastlichkeit zu erhalten. Die Be­hauptung, daß Bayern verkehrsfeindlich se et unrichtig Reichsverkehrminister Krvhne wies darauf hin, daß die politische Einheit eines Volkes immer abhäi g g sei v n d r wi tschaftüchen Einheit. Hierauf ergriff der württembergische Staatspräsident Bazille das Wort. E. er­klärte unter ftürmiger Zustimmung, daß der Fort­schritt Deutschlands mit beb ng! sei durch die Er­haltung der Eigenart der deutschen Länder Das Deutsche Museum und die Deutsch.' Verkehrs- ausstellung seien eine Etappe auf dem Wege zur Dcfteiung Deutschlands. Der österreichische Dundcsminister für Handel und Verkehr, Dr. Schürsf, überbrachte die Grüße seines L.in.eS. Oesterreich lasse sich die nationale, ideale und kulturelle Verbindung mit Deutschland nicht ver­bieten.

Zahlreiche DegrüßungStelegramme waren eingelaufen. D i e Verlesung deS Telegramms des Reichspräsidenten löste spontanen 3 u b e l aus. Di: Fest­versammlung dankte Hindenburg für sein Wun­sche durch ein freudiges Hoch.

Rachmittags besichtigten die Festteilneh er das Deutsche Museum. Abends gab die Stadt München zu Ehren der deutschen Presse ein Abendessen.

Die grohe Düsseldorfer Kunst­ausstellung.

Düsseldorf, 30. Mai. (WTD.) Sie große Düsseldorfer Kunstausstellung ist am Samstag in Gegenwart zahlreicher Vertreter der Behörden c r öffnet worden. Oberbürgermeister Dr. Lehr schilderte die Entwicklung Düsseldorfs als Kunststadt. Wenn die Stadt Düsseldorf. so schloß Dr. Lehr, in den Mittelpunkt" ihrer Zahrtausendfeie, ,'ie Kunstausstellung stellt, so will sie heute wicde kennen, daß sie weiterhin eine Kunststadt LI en will. Wir ehren in der ersten Abteilung die er gangenheit und sprechen ihren Werken, die wir von überall zusammengetragen haben, unseren nie er­löschenden Dank aus.

Dann sprach Staatsminister Dr. Becker. Er führte u. a. aus: Die Ausstellung offenbare ein starkes Heimatgefühl. Sie stärkt die Bedeutung der Heimat. In früherer Zeit beherrschte ein einbeih liches Kunstgefühl und allgemeiner Stil ganz Deutsch­land, und zwar bis zur Zeit des Barocks. Während der letzten hundert Jahre, besonders nachdem die Rheinlande unter preußische Herrschaft gekommen waren, hat sich ein eigener K u n st w i 11 e ent- wickelt. Der Minister schloß mit dem Wunsche, daß die Ausstellung, die auf ihn stärksten Eindruck mache, auch für die gesamten Künstler nicht nur ideelle, sondern auch in materieller Beziehung große Vor­teile bringen möge.

Der Leiter der Ausstellung. Geheimrat Wilms, dankte der Stadtverwaltung für ihre Freigiebigkeit, die die Herstellung des Kunftpalastes ermöglicht habe, und erklärte alsdann mit dem Ausdruck: Hie gut Rheinlands allewege die Ausstellung für er­öffnet. Daran schloß sich ein Rundgang durch die Ausstellung an.

5chwere Unruhen in Schanghai

JaPanfeiudUche

Chinesen-Kundgebungen.

Schanghai, 1.3uni 3n Schanghai ist es zu schweren Unruhen gekommen, in deren Verlauf sechs Personen von der Polizei erschossen und viele verwundet wurden. Heber 30 Personen wurden verhaftet. Die Hnruhen richteten sich gegen die 3 apaner. Die Menge griff auch eine Polizei st ation an, vor Der die Studenten eine Kundgebung veran­stalteten und japanfeindliche Flug­blätter verteilten. Die Hnruhen dauern an. Gestern abend sand eine sehr erregte Ver­sammlung in der chinesischen Han­delskammer statt, an der etwa 1500 Stu­denten und Arbeiter teilnahmen. Der Vor­sitzende der Handelskammer wurde gezwungen, einen Aufruf zu unterzeichnen, in dem für heute

der Generalstreik erklärt

wird. Die Derfammlung faßte ferner eine Reihe extremer Entschließungen, u. a. folgende: Boy­kott der ausländischen Banken und Banknoten, Kontrelle-Ler städt.fchrn Polizei durch Chinesen. Zurückziehung der aus­ländischen Kriegsschiffe aus dem Gebiet des Huang Pu Flusses. Freilassung der verhaf­teten Aufrührer. Bestrafung der Mörder der Studenten und Arbeiter Entschädigung für die Opfer der Hnruhen und en'tweilige Einstellung der städtischen Steuereinziehung. Ein Redner in der Versammlung, ein Arbeiterführer, der mit großer Erregung gesprochen hatte, brach mitten in seiner Rede tot zusammen. Die (5tubeitlen ver­sammelten sich heute früh 11 Hhr, als der Streik beginnen sollte, in der Hauptstraße und

gingen gegen die Polizei zum Angriff vor, wurden jedoch von dieser, die sich der Feuer­löschmaschinen als Abwehrmittel bedienten, zu- rüdgetrieben. Daraufhin rissen die Auf-