AxtiTturr^en aber oen ^aufsr* zu Werren imstande sind. Rur das eine wird man erwarten dürfen, dah der zweite deutsche Reichspräsident, entsprechend der seit der Revolution eingetretenen Umschichtung der DolkSrneinung, kein Sozialdemokrat ist.
Reichspräfidentenwahl voraussichtlich am 26. April.
Berlin. 2. März. (TU.) Als Voraussicht- sicher Termin für die Wahl des Reichspräsidenten wird der 26. April genannt.
Das Beileid des Auslandes.
Die Teilnahme der Staatsoberhäupter.
Berlin, 1. März. (WB) Bei Frau Ebert und im Bureau des Reichspräsidenten gehen stündlich in großer Fülle weitere Deileidskund- gebungen ein. Der König von Italien telegraphierte: Die Rachricht vom Lode Ihres hervorragenden Gemahls hat mich lebhaft betrübt. Ich bitte Sie, im Rainen der Königin den Ausdruck unseres lebhaften Beileids entgegenzunehmen. Viktor Emanuel. Der König von Italien hat ferner dem deutschen Botschafter Baron von Reurath durch den Palastpräfekten Herzog Dorca-Dolmo fein Beileid aussprechen lassen und eine achttägige Hoftrauer angeordnet. Aus allen öffentlichen Gebäuden wehen die Flaggen halbmast.
Der Präsident der Vereinigten Staaten hat dem Reichskanzler Dr. Luther sein Beileid übermittelt.
Vom KönigvonSchweden ging folgendes Telegramm ein: Aus Anlaß des Hinscheidens des Reichspräsidenten spreche ich Ihnen meine aufrichtige Teilnahme aus. G u st a f.
Der König von Dänemark telegraphierte: Spreche meine herzliche Teilnahme aus. Christian. Der König stattete dem deutschen Gesandten einen längeren Besuch ab, um sein Beileid auszusprechen. Der Minister des Auswärtigen und das diplomatische Korps haben bereits gestern ihre Teilnahme ausgedrückt.
Der Dolkskommissarderrussischen Sowjetrepublik Litwinoff hat an Reichscrußemninister Dr. Streseman n folgendes Telegramm gesandt: Soeben erhielt ich die Rachricht von dem Ableben des Reichspräsidenten Ebert. Ich beeile mich, namens der Regierung der Union und auch persönlich mein Beileid auszusprechen und dem schmerzlichen Gefühl über den Verlust dieses aufrichtigen Anhängers der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Sowjetrußland Ausdruck zu geben. Den Mitgliedern unserer Regierung, darunter auch Tschitscherin, die sich auf einer Reise nach Tiglis befinden, ist die Trauernachricht weitergegeben worden. Litwinoff hat dem deutschen Botschafter einen Beileidsbesuch abgestattet.
In Paris erschien am Sterbetag der Chef des Protokolls, de Fouqueres, bei Botschafter v. Hoesch und hat im Rainen des Präsidenten der Republik Doumergue sowie im Rainen des Ministerpräsidenten H e r r i o t das Beileid ausgesprochen.
Der Präsident der Republik Por - t_u g a I sandte folgendes Telegramm: Ich bitte Sie, den Ausdruck meines aufrichtigen Mitgefühls entgegenzunehmen. Teizeira Gomez, Präsident der Republik Portugal.
Aus Mexiko erhielt Frau Ebert das nachstehende Telegramm vom Präsidenten Calles: Empfangen Sie meine Teilnahme und aufrichtiges Beileid zum Tode Ihres verehrten Gemahls, den ich während meines Besuches in Berlin sehr hoch schätzen lernte. Präsident Calles.
I Der Präsident der Republik Griechenland telegraphierte: Ich bitte Sie, gnädige Frau, den Ausdruck meiner schmerzlichen Teilnahme für den schmerzlichen Verlust ent» gegenzunehmen, der Sie in der Person Ihres hervorragenden Gemahls betroffen hat. Admiral Cunduriotis, Präsident der hellenischen Republik.
Der Präsident der Republik Litauen telegraphierte: Mit tiefschmerzlicher Bewegung, die die ganze litauische Ratton teilt, erfahre ich von der schweren Prüfung, die Sie durchzumachen haben und dem unersetzlichen Verluste, den die deutsche Ration erleidet in dein Hingang ihres hervorragenden Chefs, dessen Herzens- und Geistesgaben so allgemein hochgeschätzt sind. Ich bitte Sie, gnädige Frau, meine Teilnahme sowie der Ausdruck meiner respektvollen Ergebenheit entgegenzunehmen. Stulginski, Präsident der Republik Litauen.
Der Volkstag der Freien Stadt Danzig sandte an den deutschen Reichstag folgendes Telegramm: Anläßlich des jähen Hinscheidens des Reichspräsidenten Ebert drückt der Volkstag der Freien Stadt Danzig dem deutschen Reichstag fein tief empfundenes Beileid aus.
Das Danziger Regierungsgebäude und das Volkstagsgebäude haben Halbmast geflaggt.
Die Regierungskommis sion des Saargebietes hat an den Minister des Auswärtigen Dr. Stresemann folgendes Beileidstelegramm gerichtet: Die Regierungskommission beehrt sich, Eurer Exzellenz, und der Reichsregierung ihr ausrichtiges Beileid auszusprechen gelegentlich des Hinscheidens Seiner Exzellenz des Herrn Reichspräsidenten.
Der britische Delegierte der Rheinlandkommission in Köln, Oberst Birch, hat an den Regierungspräsidenten Grafen Adelmann ein persönliches Schreiben gerichtet, in dem er fein Beileid zum Ausdruck bringt. Gleichzeitig kündigt er an, daß er als äußeres Zeichen der Teilnahme die Flagge auf seinem Dienstgebäude halbmast gesetzt habe.
Auch die Präsidenten der deutschen Lände r sowie die Präsidenten der gesetzgebenden Körperschaften der ßänöer, ferner eine große Anzahl von Oberbürgermeistern der Städte hoben Frau Ebert telegraphisch ihre Teilnahme ausgesprochen.
Aus der Unzahl von persönlichen Beileids- fv.nbgebungen sind zu erwähnen Telegramme oder persönliche Schreiben von Gerhart Hauptmann, Sven Hedin, Richard P fitz ne r, Ludwig Fulda, § ar na cf. Max Lieb ermann, Hermann Stegemann, Herbert Eulenberg, Konrad Ansorge und Bernhard Keller mann. Auch eine große Anzahl von Wirtschaft lichen und sportlichen Ver- einigung en haben ihre Teilnahme ausgesprochen, ferner eine Reihe von studentischen Verbänden^
Das Beileid des österreichischen Bundespräsidenten.
Wien, 28. Sehr. (TU.) Bundespräsident Hainisch sandte an den Reichskanzler Luther folgendes Telegramm: „Ties erschüttert von der Rachricht über das Hin- scheiden des Reichspräsidenten Ebert, der mit tiefster Hingabe an d i e erhabenen Ziele feines Amtes die Geschicke der deutschen Republik in schwerster Zeit geleitet hat, spreche ich Ihnen im eigenen sowie im Ramen des ganzen Volkes das wärmste Beileid aus. Seien Sie versichert, dah der schwere Schlag, von dem das deutsche Volk betroffen wurde, auch von dem stammverwandten Oesterreich auf das innigste mitempfunden wird."
Frankreich.
Paris, 28. Febr. (WTD.) Sofort nach dem Dekanntwerden des Ablebens des Reichspräsidenten wurde auf dem Gebäude der deutschen Botschaft die Flagge auf Halbmast gezogen. Außer der Deileidskundgebung des Präsidenten der Republik und des Ministerpräsidenten durch ihre Kammerchefs haben ihre Teilnahme persönlich zum Ausdruck gebracht der Kammerpräsident Pain- lev6 und der Senatspräsident de Selves. Weiter haben auch Kammer und Senat ihre Anteilnahme zum Ausdruck bringen lassen.
Die Abendpresse, die bekanntlich mit einer Ausnahme der Rechten nahesteht, beschäftigt sich mit dem Ableben des Reichspräsidenten. So schreibt das „Journal des Debats", unter den gegenwärtigen ilmftänben sei das Ableben des Reichspräsidenten ein ernstes Ereignis, dessen Folgen man noch nicht übersehen könne. Wenn der deutsche Reichspräsident von morgen ein Mann des alten Regimes fein werde, bann könne das Schicksal der Republik von nun an als sehr gefährdet erachtet werden.
Der „Temps" schreibt, das Verschwinden des Reichspräsidenten Ebert von der politischen Bühne vollziehe sich in einer besonders ernsten Stunde. Sei er doch sozusagen der einzige gewesen, der noch den republikanischen Einfluß in der Leitung dec allgemeinen deutschen Politik vertreten habe.
Der radikale „Paris Soir" schreibt, der Tod des Reichspräsidenten führe nun zum Kampfe um die Präsidentschaft. Vielleicht werde der ehemalige Reichskanzler Dr. Marx der Kandidat der Linken fein, obzwar er der Linken nicht angehöre. Wer werde der Kandidat der Rechten fein? Em Rechtsparteiler, wie etwa Stresemann, Luther oder Jarres, oder ein royalistischer Konservativer? Das deutsche Volk trete auf alle Fälle in eine schwere Krise. Das allgemeine Stimmrecht werde jetzt bei der Präsidentenwahl zu entscheiden haben.
Das „Journal des Debats" schreibt: Cs handle sich darum, zu wissen, ob die Männer der Rechten die Dinge brüskieren wollten, indem sie einen Prinzen auf den Präsidenke n st u h 1 setzten, der entschlossen fei, die erste günstige Gelegenheit zu ergreifen, sich zum Kaiser ausrusen zu lassen. Es sei nicht zweifelhaft, dah die republikanifche Strömung von 1919 stark geschwächt fei und dah die große Mpisse des Voltes einem Druck nachgeben könnte. Die 11 n « geschicklichkeiten und d i e 11 n t e r l a f » sungssünden der Alliierten einerfeits und die Propaganda für die These der Richt- verantwortlichkeit Deutschlands am Kriege andererseits hätten das deutsche Volk mit den alten Dynastien wieder ausgesöhnt. Es scheine also, dah die Furcht vor den Alliierten und vor einem künftigen Kriege verschwunden sei, um dem fast allgemeinen Wunsche nach Revanche Platz zu machen. Man glaube bestimmt an die ilncinigfeit der Alliierten und an die Unmöglichkeit. dah sie noch lange ihre militärische lieber» legenheit aufrechterhalten könnten angesichts der Reuorganisierung des deutschen Heeres. Gewiß könne auch eine Kombination der Lin - ien in die Erscheinung treten, die für Fran k- reich viel besser sein würde. Jetzt würden bi eSirenen wieder das alte Lied fingen, nämlich angesichts- der monarchistischen Gefahr müsse Frankreich den Männern der Linken Konzessionen auf dem Gebiete der Reparattoiien und des Vertrages von Versailles machen, um Wähler für den linksstehenden Kandidaten zu gewinnen. Vorschlägen dieser Art müsse ein kategorisches Rein entgegengesetzt werden. • Durch Konzessionen erziele man nichts. Mttn müsse durch Entschlossenheit und Betonung des Rechtes Eindruck machen.
Die Sonntagsblätter ergehen sich auch verschiedentlich in Auslassungen über die Folgen des Ereignisses. Als wahrscheinlicher Rachfölger wird allgemein Marx oder Luther genannt.
England.
London, 28. Febr (WB.) Die Rachricht von dem Tode des Reichspräsidenten Ebert, die bereits in der elften Dormittagsstunde vorlag, traf hier völlig unerwartet ein, da die letzten Berliner Meldungen in der Morgenpresse hoffnungsvoll gelautet hatten. Die Fahne der deutschen Botschaft wurde sofort auf Halbmast gesetzt. Das Ereignis wird auch In englischen Kreisen als in mehr als einer Richtung beklagenswert bezeichnet. Die Abendblätter, die das Bildnis und eine Lebensbeschreibung des Verstorbenen veröffendlichen, zeigen in ihrer Beurteilung seines Charatters und seiner Fähigkeiten eine bemerkenswerte Hebereinftimmung.
„Evening Rews" überschreibt seinen Rachruf für den Reichspräsidenten Ebert: „Ein deutscher Patriot". Das Blatt sagt u. a., seine Fähigkeit, den mittleren Kurs innezuhalten, empfahl ihn vielen, die seine politischen Ansichten nicht teilten. In einer Zeit, in der die ganze Zukunft der deutschen Regierung gefährdet war, trat er für die Vernunft ein. Er war zuverlässig, beharrlich und darüber hinaus ein Politiker, der es verstand, sich mit jeder Lage abzufinden und die Politik zu verfolgen, die ihn auf der mittleren Linie hielt. Unter feinem derben Aeuheren lebte eine moralische Kraft und staatsmännische Begabung, die selbst seine Gegner ihm zugestehen muhten. Selbst die Monarchisten konnten nicht bestreiten, daß Ebert von Anfang bis Ende für Deutschland gearbeitet hat. Hierin lag das Geheimnis seiner Macht.
Die „Sunday Expreß" sagt: In Ebert hat Deutschland einen seiner klügsten und geachtetsten Söhne verloren, der trotz seiner bescheidenen Herkunft die Eigenschaften eines Staatsmannes, Takt und einen ungewöhnlich klaren politischen Verstand besessen hat. Als er 1919 die Forderung
nach der Diktatur des Proletariats abwies, hat er nicht nur sich selbst gerettet, sondern auch Deutschland vor der Gefahr bewahrt, rot zu werden, und was das bedeutet, hat sich in Rußland gezeigt.
Amerika.
Washington, 2. März. (WTB. Funkspruch.) Der Tod des Reichspräsidenten Ebert hat hier allgemein tiefe Trauer hervorgerufen. Staatssekretär Hughes erklärte, er habe die angenehmsten Erinnerungen an den Verstorbenen. der ihn bei seinem Berliner Aufenthalt im vorigen Jahre empfangen habe. Er habe eine sehr hohe Meinung von den großsn Fähigkeiten des Reichspräsidenten und von dem Anteil, den er an der Entwicklung der deutschen Demokratie gehabt habe. Seit dem Kriege habe ihn fein Ereignis so tief berührt, als dieses, das den großen Mann dahingerafft habe, der in Zeiten außerordentlicher Schwierigkeiten eine außergewöhnliche Fähigkeit als Führer bewiesen und der sich das Vertrauen des deutschen Volkes und die Achtung aller Völker gewonnen und erhalten habe. Sein Tod bedeute für die Welt einen großen Verlust.
Die Teilnahme der Schweiz.
Basel, 28. Febr. (TU.) Der Tod des Reichspräsidenten Ebert löste in der Schweiz aufrichtige Teilnahme aus. Man hebt allgemein die sympthische und unaufdringliche Art des Reichspräsidenten hervor, der nicht über den Rahmen dessen hinausging, was ihm seine Ratur, seine Tradition und seine Stellung vorschrieben. Der demokratischen Art des Schweizers gefiel der frühere Sattlermeister als Reichspräsident gut, während man sein Eingreifen als Sozialdemokrat während der Regierungskrise Ende des vergangenen Jahres zugunsten der Links- und Mittelparteien als unvorsichtig tadelte. Cs wird darauf hingewiesen, daß den Rechtsparteien nunmehr der Weg für einen Reichspräsidenten aus ihren Kreisen ungehindert ofsenstehe, wenn nicht in dem letzten Reichskanzler Marx diesem ein ernsthafter Gegenkandidat erwachse.
Landestrauer in Preußen.
Berlin, 28. Febr. (TU. Amtlich.) Auf Grund des § 48 Abs. 4 der Reichsverfassung hat die Preußische Regierung anläßlich des Ablebens des Reichspräsidenten folgendes angeordnet: Oefsentliche Musik, sowie öffentliche Lustbarkeiten und Schauspieloorjührungen einschließlich Lichtspielvorsührungen find am Samstag, den 28. Februar, und am Tage der Beisetzung des Herrn Reichspräsidenten verboten. Die preußische Staatsregierung und das preußische Staatsministerium haben ferner beschlossen, daß am Tage der offiziellen Trauerfeier im Hause des Herrn Reichspräsidenten der Unterricht an den preußischen Schulen ausfällt und daß in einer Schulfeier des toten Reichspräsidenten gedacht wird. Die preußischen staatlichen Gebäude werden bis zum Tage der Beisetzung einschließlich halbmast geflaggt bleiben.
Der Obduktionsdericht.
Berlin, 28, Febr. (WTB.) Die behandelnden Aerzte geben über den Krankheitsverlauf und die Ursache des Todes des Reichspräsidenten folgenden Bericht:
Die Bauchfellentzündung desReichs- Präsidenten, die durch den Durchbruch des brandigen Wurmfortsatzes des Blinddarms in die Bauchhöhle entstanden war, war an sich i in Abklingen begriffen, hatte aber zu einer schw/renDarmlähmun g geführt, die allen dagegen angewandten Mitteln trotzte. Es gelang zwar gestern und vorgestern, die Gase künstlich zu entleeren, doch blieb dies unvollkommen. Richts- destoweniger blieb die Hoffnung bestehen, daß die Darmtätigkeit wieder in Gang käme und Genesung eintreten könnte. In der letzten Rächt trat gegen 5 Uhr eine plötzliche Verschlimmerung ein. die zu einem schnellen Verfall der Kräfte und um lO’/j Uhr heute vormittag zum Tode führte. Die mit Zustimmung der Familie des Reichspräsidenten von Geheimrat Lubar sch ausgeführte Bauchfektion bestätigte, daß die Darmlähmung die Todesursache war. Der organische Befund ergab ferner chronische Entzündung der Gallenblase und Gallensteine. Eiter oder sonstige Flüssigkeit fand sich nicht mehr in der Bauchhöhle. Sowohl der Krankheitsverlauf wie die Sektion zeigen also, daß der Reichspräsident nicht einer Infektion durch die Bauchfellentzündung, sondern der durch sie verursachten schweren Darmlähmung zum Opfer gefallen ist.
Heidelbergs Trauer.
Heidelberg, 28. Febr. (TU.) Der Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg, Dr. Walz, hat an die Witwe des Reichspräsidenten nach Bekanntwerden der Todesnachricht folgendes Telegramm gerichtet: „Tief erschüttert über die erhaltene Trauernachricht versichert Ihnen und den Ihrigen die Vater st a d t des hochverehrten Herrn Präsidenten den Ausdruck der innigsten Teilnahme. Der Oberbürgermeister."
Die Kontrolle.
Das Gutachten der interalliierten Militärkommission.
Paris, 2. März. (TU.) Das Gutachten der interalliierten Militärkommission in Versailles ward eam vergangenen Samstag in Versailles beendet und den Vertretern der alliierten Mächte zur Kenntnisnahme unterbreitet Die ursprünglich auf heute, Montag, an gesetzte Sitzung des Botschafterrates wurde auf Dienstag vertagt, um den Alliierten zur gründlichen Prüfung des Schriftstückes GelegenAit zu geben. Die Aufgabe des interalliierten Militär- Komitees ist mit der Erstattung dieses Gutachtens keineswegs zu Ende geführt. Es kommt darauf an, die Verstöße Deutschlands gegen die militärischen Klauseln des Vertrages formell fest zu st eilen, worauf erst die deutsche Regierung zur Wiedergutmachung der Verstöße aufgefordert werden wird. Das Militärkomitee wird demnächst auf Veranlassung der Botschafter-Konferenz sich in einem zweiten Schriftstück zu den Deutschland aufzuerlegenden technischen Bedingungen äußern.
Das „Journal" rechnet mit zwei Möglichkeiten : entweder wird ein allgemeiner Meinungsaustausch innerhalb des Botschafterrates gepflogen, oder es wird eine befördere Konferenz der Minister-Präsidenten einberufen, was
für wahrscheinlicher gehalten wird. Zu dem In« halt des Gutachtens melde! die Morgenpresse, der Bericht des Marschall Foch unterstreiche dis Tragweite der einzelnen deutschen Verstöße. Er nimmt besonders auf die militärische Ausrüstung geheimer Mannschaftsbe- stände Bezug und mißt den Verstößen gegen das Verbot der Waffenfabrikation weniger Bedeutung bei. Das Gutachten weiht auf folgende, auch im Schluhbericht der Kontroll-Kommission enthaltene Feststellungen hin:
1. Wiedereinsetzung des Generalissimus in der Person des Generals von Seeckt:
2. Reubildung des Großen Genera l st a b e s , der 250 Offiziere umfaßt, für eine Armee von 100 000 Mann, während der Generalstab 1914 für eine Armee von einer Million Friedensstärke 341 Offiziere zählte:
3. Militarisierung der Schupo:
4. Vorrichtungen zur Herstellung von Kriegsmaterial.
Das deutsch-französische Handelskompromiß unterzeichnet
Paris, 1. März. (TU.) In der gestrigen Zusammenkunft des Staatssekretärs v. Trendelen- burg mit dem Handelsminister Raynaldi wurde das angekündigte Kompromiß auf der Grundlage der Wirtschaftsverhandlungen anerkannt und namens der beiden Regierungen bestätigt. Es wurden darüber Roten ausgetauscht. Das Kompromiß besteht darin, daß Deutschland für die 9» bis lOmonatige Dauer eines provisorischen Vertrages auf die Meistbegünstigung verzichtet und überdies Die elsässisch-lothringischen Kontingen t e auf der Grundlage einer Halbierung der Zollsätze fortbestehen läßt, während Frankreich für den endgültigen Handelsvertrag Deutschland die M e i ft b e g ü n ft i g u n g de facto in Aussicht stellt.
Eine formelle Verpflichtung der französischen Regierung hierzu liegt noch nicht vor, da sie den gesetzgebenden Körverschaften nicht vorgreifen kann. Die deutsche Delegation hat aber keinen Zweifel darüber gelassen, dah nur bei Einhaltung des siche renVersprechens die Verhandlungen überhaupt fortgesührt werden können. Staatssekretär Trendelenburg reift nach Berlin und wird am 16. März wieder nach Paris zurückkehren, um sowohl über das Provisorium als auch über den endgültigen Vertrag die Verhandlungen wieder aufzunehmen. In der Zwischenzeit werden die anderen Puntte der Verhandlungen, die sich nicht auf die Tarifsätze beziehen, von einzelnen hier zurückbleibenden Delegationsmitgliedern besprochen.
Die Beisetzung Brantings.
Stockholm, 2. März. (TU.) Schon um 10 Uhr vormittags waren 10 000 Menschen versammelt, die sich in langen Zügen zu dem Sterbe Hause Brantings begaben, dem alten Dranttng- schen Patrizierhaus. In den Straßen und dem angrenzenden Stadtviertel muhte die Polizei Ab' sperrungen vornehmen. Brantings Leichnam, bei balsamiert ist, liegt in einem eichenen Sarg Um 2 Uhr nachmittags verließ der Sarg, geschmückt mit roten Rosen, das Haus. Kränze vom König und den Diplomaten waren niedergelegt. Die Bevölkerung Stockholms bildete zu beiden Seiten der Straßen die Ehrenwache. Bei der Trauerfeierlichkeit waren der König, der Kronprinz, die Prinzen des königlichen Hauses und das schwedische Staatsmini st erium anwesend. Der norwegische und der dänische Gesandte vertraten ihre Könige. Der Sarg wurde in der Familiengruft beigeseht. Der schwedische Staatsminister, der deutsche Sozialistenführer Wels und der Franzose R e n a u d e 1 hielten Ansprachen.
Aus aller Welt.
Erdbeben in Neuyork.
Reuyork. 2. März. (TU.) Samstagabend 9,20 Uhr wurde in Reuyork ein kurzes, ziemlich heftiges Erdbeben verspürt. Die Washingtoner Wetterwarte teilt dazu mit, dah das Erdbeben an der ganzen Ostküste Rordameri- k a s beobachtet wurde. Berichte darüber liegen vor aus Detroit, Boston, Kentucky, Philadelphia, Baltimore und Atlanta. Der Erdstoß in Reuyork war sehr heftig. In vielen Häusern wurden Möbel verschoben und Stühle fielen um. Besonders stark machte sich der Stoß in den Wolkenkratzern im Stadtteil Manhattan bemerkbar, wo Bilder und Regale von den Wänden fielen. Eine Panik wurde nur dadurch vermieden, dah sich am Samstagabend in den Turmhäusern nur wenige Personen aufhielten. Beim Einsetzen der Erderschütterung blieben die großen Uhren der Bahnhöfe in Jersey City stehen.
Ein schwerer Brückeneinsturz.
Wie die „Montagspost" aus Warschau meldet, ereignete sich bei der Probebelastuna der von den Russen bei der Grenzstation Mo- z y r o w über den Pripjetfluß feit zwei Jahren gebauten strategisch wichtigen Eisenbahnbrücke ein schwerer Unglücksfall. Als der Be- lastungszug mit der technischen Kommission die Brücke befuhr, stürzte diese ein. Sämtliche Kommissionsmitglieder haben den Tod gefunden.
Eine Glasfabrik eingestürzt
Am Samstag stürzte in Saarburg eine int Dau begriffene Glasfabrik ein. Eine 15 Meter breite und 12 Meter hohe Giebelmauer fiel zusammen und begrub die mit dem Dau der Schmelzöfen beschäftigten Arbeiter unter sich. Es wurde sofort Militär alarmiert und die Rettungsarbeiten mit aller Kraft aufgenommen. Bis 7 Uhr abends waren 15 Verwundete ins Spital verbracht und sieben Tote unter den Trümmern hervorgezogen worden. Man sucht noch nach Vermißten, da man nicht weiß, wieviel Arbeiter an dem Bau beschäftigt waren.
Mord und Selbstmord.
Die Frau und der einzige, acht Jahre alte Sohn eines hiesigen Bürgers wurden tot auf» gefunden. Mit einem Beil, das am Tatorte lag, Waren ihnen die Schädeldecken eingeschlagen worden. Der flüchtige Ehemann wurde mit einem Schuh durch den Mund auf einer Wiese als Leiche aufgefunden. Der Tote lebte in guten bürgerlichen Vcrhäftni ien. Die näheren Umstände der Tat sind noch nicht aufgeklärt.


