Ausgabe 
2.3.1925
 
Einzelbild herunterladen

AxtiTturr^en aber oen ^aufsr* zu Werren imstande sind. Rur das eine wird man erwarten dürfen, dah der zweite deutsche Reichspräsident, ent­sprechend der seit der Revolution eingetretenen Umschichtung der DolkSrneinung, kein Sozial­demokrat ist.

Reichspräfidentenwahl voraussichtlich am 26. April.

Berlin. 2. März. (TU.) Als Voraussicht- sicher Termin für die Wahl des Reichspräsi­denten wird der 26. April genannt.

Das Beileid des Auslandes.

Die Teilnahme der Staatsoberhäupter.

Berlin, 1. März. (WB) Bei Frau Ebert und im Bureau des Reichspräsidenten gehen stündlich in großer Fülle weitere Deileidskund- gebungen ein. Der König von Italien tele­graphierte: Die Rachricht vom Lode Ihres her­vorragenden Gemahls hat mich lebhaft betrübt. Ich bitte Sie, im Rainen der Königin den Aus­druck unseres lebhaften Beileids entgegenzuneh­men. Viktor Emanuel. Der König von Ita­lien hat ferner dem deutschen Botschafter Baron von Reurath durch den Palastpräfekten Her­zog Dorca-Dolmo fein Beileid aussprechen lassen und eine achttägige Hoftrauer angeord­net. Aus allen öffentlichen Gebäuden wehen die Flaggen halbmast.

Der Präsident der Vereinigten Staaten hat dem Reichskanzler Dr. Luther sein Beileid übermittelt.

Vom KönigvonSchweden ging folgen­des Telegramm ein: Aus Anlaß des Hinschei­dens des Reichspräsidenten spreche ich Ihnen meine aufrichtige Teilnahme aus. G u st a f.

Der König von Dänemark telegra­phierte: Spreche meine herzliche Teilnahme aus. Christian. Der König stattete dem deutschen Gesandten einen längeren Besuch ab, um sein Beileid auszusprechen. Der Minister des Aus­wärtigen und das diplomatische Korps haben bereits gestern ihre Teilnahme ausgedrückt.

Der Dolkskommissarderrussischen Sowjetrepublik Litwinoff hat an Reichscrußemninister Dr. Streseman n folgen­des Telegramm gesandt: Soeben erhielt ich die Rachricht von dem Ableben des Reichspräsidenten Ebert. Ich beeile mich, namens der Regie­rung der Union und auch persönlich mein Beileid auszusprechen und dem schmerzlichen Ge­fühl über den Verlust dieses aufrichtigen An­hängers der Zusammenarbeit zwischen Deutsch­land und Sowjetrußland Ausdruck zu geben. Den Mitgliedern unserer Regierung, darunter auch Tschitscherin, die sich auf einer Reise nach Tiglis befinden, ist die Trauernachricht wei­tergegeben worden. Litwinoff hat dem deutschen Botschafter einen Beileidsbesuch abgestattet.

In Paris erschien am Sterbetag der Chef des Protokolls, de Fouqueres, bei Bot­schafter v. Hoesch und hat im Rainen des Prä­sidenten der Republik Doumergue sowie im Rainen des Ministerpräsidenten H e r r i o t das Beileid ausgesprochen.

Der Präsident der Republik Por - t_u g a I sandte folgendes Telegramm: Ich bitte Sie, den Ausdruck meines aufrichtigen Mit­gefühls entgegenzunehmen. Teizeira Gomez, Präsident der Republik Portugal.

Aus Mexiko erhielt Frau Ebert das nach­stehende Telegramm vom Präsidenten Cal­les: Empfangen Sie meine Teilnahme und auf­richtiges Beileid zum Tode Ihres verehrten Ge­mahls, den ich während meines Besuches in Ber­lin sehr hoch schätzen lernte. Präsident Calles.

I Der Präsident der Republik Griechenland telegraphierte: Ich bitte Sie, gnädige Frau, den Ausdruck meiner schmerzlichen Teilnahme für den schmerzlichen Verlust ent» gegenzunehmen, der Sie in der Person Ihres hervorragenden Gemahls betroffen hat. Admiral Cunduriotis, Präsident der hellenischen Re­publik.

Der Präsident der Republik Li­tauen telegraphierte: Mit tiefschmerzlicher Be­wegung, die die ganze litauische Ratton teilt, erfahre ich von der schweren Prüfung, die Sie durchzumachen haben und dem unersetzlichen Ver­luste, den die deutsche Ration erleidet in dein Hingang ihres hervorragenden Chefs, dessen Her­zens- und Geistesgaben so allgemein hochgeschätzt sind. Ich bitte Sie, gnädige Frau, meine Teil­nahme sowie der Ausdruck meiner respektvollen Ergebenheit entgegenzunehmen. Stulginski, Präsident der Republik Litauen.

Der Volkstag der Freien Stadt Danzig sandte an den deutschen Reichstag folgendes Telegramm: Anläßlich des jähen Hin­scheidens des Reichspräsidenten Ebert drückt der Volkstag der Freien Stadt Danzig dem deut­schen Reichstag fein tief empfundenes Beileid aus.

Das Danziger Regierungsgebäude und das Volkstagsgebäude haben Halbmast geflaggt.

Die Regierungskommis sion des Saargebietes hat an den Minister des Auswärtigen Dr. Stresemann folgendes Beileids­telegramm gerichtet: Die Regierungskommission beehrt sich, Eurer Exzellenz, und der Reichsregie­rung ihr ausrichtiges Beileid auszusprechen ge­legentlich des Hinscheidens Seiner Exzellenz des Herrn Reichspräsidenten.

Der britische Delegierte der Rhein­landkommission in Köln, Oberst Birch, hat an den Regierungspräsidenten Grafen Adel­mann ein persönliches Schreiben gerichtet, in dem er fein Beileid zum Ausdruck bringt. Gleich­zeitig kündigt er an, daß er als äußeres Zeichen der Teilnahme die Flagge auf seinem Dienst­gebäude halbmast gesetzt habe.

Auch die Präsidenten der deutschen Lände r sowie die Präsidenten der gesetz­gebenden Körperschaften der ßänöer, ferner eine große Anzahl von Oberbürgermeistern der Städte hoben Frau Ebert telegraphisch ihre Teilnahme ausgesprochen.

Aus der Unzahl von persönlichen Beileids- fv.nbgebungen sind zu erwähnen Telegramme oder persönliche Schreiben von Gerhart Haupt­mann, Sven Hedin, Richard P fitz ne r, Ludwig Fulda, § ar na cf. Max Lieb er­mann, Hermann Stegemann, Herbert Eu­lenberg, Konrad Ansorge und Bernhard Keller mann. Auch eine große Anzahl von Wirtschaft lichen und sportlichen Ver- einigung en haben ihre Teilnahme ausge­sprochen, ferner eine Reihe von studentischen Verbänden^

Das Beileid des österreichischen Bundespräsidenten.

Wien, 28. Sehr. (TU.) Bundespräsi­dent Hainisch sandte an den Reichs­kanzler Luther folgendes Telegramm:Ties erschüttert von der Rachricht über das Hin- scheiden des Reichspräsidenten Ebert, der mit tiefster Hingabe an d i e erhabenen Ziele feines Amtes die Geschicke der deut­schen Republik in schwerster Zeit geleitet hat, spreche ich Ihnen im eigenen sowie im Ramen des ganzen Volkes das wärmste Beileid aus. Seien Sie versichert, dah der schwere Schlag, von dem das deutsche Volk betroffen wurde, auch von dem stammverwandten Oester­reich auf das innigste mitempfunden wird."

Frankreich.

Paris, 28. Febr. (WTD.) Sofort nach dem Dekanntwerden des Ablebens des Reichspräsi­denten wurde auf dem Gebäude der deutschen Botschaft die Flagge auf Halbmast gezogen. Außer der Deileidskundgebung des Präsidenten der Republik und des Ministerpräsidenten durch ihre Kammer­chefs haben ihre Teilnahme persönlich zum Aus­druck gebracht der Kammerpräsident Pain- lev6 und der Senatspräsident de Selves. Weiter haben auch Kammer und Senat ihre Anteilnahme zum Ausdruck bringen lassen.

Die Abendpresse, die bekanntlich mit einer Ausnahme der Rechten nahesteht, beschäf­tigt sich mit dem Ableben des Reichspräsidenten. So schreibt dasJournal des Debats", unter den gegenwärtigen ilmftänben sei das Ableben des Reichspräsidenten ein ernstes Ereignis, dessen Folgen man noch nicht übersehen könne. Wenn der deutsche Reichspräsident von morgen ein Mann des alten Regimes fein werde, bann könne das Schicksal der Republik von nun an als sehr gefährdet erachtet werden.

DerTemps" schreibt, das Verschwinden des Reichspräsidenten Ebert von der politischen Bühne vollziehe sich in einer besonders ernsten Stunde. Sei er doch sozusagen der einzige gewesen, der noch den republikanischen Einfluß in der Leitung dec allgemeinen deutschen Politik vertreten habe.

Der radikaleParis Soir" schreibt, der Tod des Reichspräsidenten führe nun zum Kampfe um die Präsidentschaft. Vielleicht werde der ehe­malige Reichskanzler Dr. Marx der Kandidat der Linken fein, obzwar er der Linken nicht angehöre. Wer werde der Kandidat der Rechten fein? Em Rechtsparteiler, wie etwa Stresemann, Luther oder Jarres, oder ein royalistischer Konservativer? Das deutsche Volk trete auf alle Fälle in eine schwere Krise. Das allgemeine Stimmrecht werde jetzt bei der Präsidentenwahl zu entscheiden haben.

DasJournal des Debats" schreibt: Cs handle sich darum, zu wissen, ob die Männer der Rechten die Dinge brüskieren wollten, indem sie einen Prinzen auf den Präsiden­ke n st u h 1 setzten, der entschlossen fei, die erste günstige Gelegenheit zu ergreifen, sich zum Kai­ser ausrusen zu lassen. Es sei nicht zweifelhaft, dah die republikanifche Strömung von 1919 stark geschwächt fei und dah die große Mpisse des Voltes einem Druck nachgeben könnte. Die 11 n « geschicklichkeiten und d i e 11 n t e r l a f » sungssünden der Alliierten einerfeits und die Propaganda für die These der Richt- verantwortlichkeit Deutschlands am Kriege ande­rerseits hätten das deutsche Volk mit den alten Dynastien wieder ausgesöhnt. Es scheine also, dah die Furcht vor den Alliierten und vor einem künftigen Kriege verschwunden sei, um dem fast allgemeinen Wunsche nach Revanche Platz zu machen. Man glaube bestimmt an die ilncinigfeit der Alliierten und an die Unmög­lichkeit. dah sie noch lange ihre militärische lieber» legenheit aufrechterhalten könnten angesichts der Reuorganisierung des deutschen Heeres. Gewiß könne auch eine Kombination der Lin - ien in die Erscheinung treten, die für Fran k- reich viel besser sein würde. Jetzt würden bi eSirenen wieder das alte Lied fingen, näm­lich angesichts- der monarchistischen Gefahr müsse Frankreich den Männern der Linken Konzessionen auf dem Gebiete der Reparattoiien und des Ver­trages von Versailles machen, um Wähler für den linksstehenden Kandidaten zu gewinnen. Vor­schlägen dieser Art müsse ein kategorisches Rein entgegengesetzt werden. Durch Konzessio­nen erziele man nichts. Mttn müsse durch Entschlossenheit und Betonung des Rech­tes Eindruck machen.

Die Sonntagsblätter ergehen sich auch ver­schiedentlich in Auslassungen über die Folgen des Ereignisses. Als wahrscheinlicher Rachfölger wird allgemein Marx oder Luther genannt.

England.

London, 28. Febr (WB.) Die Rachricht von dem Tode des Reichspräsidenten Ebert, die bereits in der elften Dormittagsstunde vorlag, traf hier völlig unerwartet ein, da die letzten Berliner Meldungen in der Morgenpresse hoffnungsvoll gelautet hatten. Die Fahne der deutschen Botschaft wurde sofort auf Halb­mast gesetzt. Das Ereignis wird auch In englischen Kreisen als in mehr als einer Richtung be­klagenswert bezeichnet. Die Abendblätter, die das Bildnis und eine Lebensbeschreibung des Ver­storbenen veröffendlichen, zeigen in ihrer Be­urteilung seines Charatters und seiner Fähig­keiten eine bemerkenswerte Hebereinftimmung.

Evening Rews" überschreibt seinen Rachruf für den Reichspräsidenten Ebert:Ein deut­scher Patriot". Das Blatt sagt u. a., seine Fähigkeit, den mittleren Kurs innezuhalten, emp­fahl ihn vielen, die seine politischen Ansichten nicht teilten. In einer Zeit, in der die ganze Zukunft der deutschen Regierung gefährdet war, trat er für die Vernunft ein. Er war zuverlässig, beharrlich und darüber hinaus ein Politiker, der es verstand, sich mit jeder Lage abzufinden und die Politik zu verfolgen, die ihn auf der mitt­leren Linie hielt. Unter feinem derben Aeuheren lebte eine moralische Kraft und staatsmännische Begabung, die selbst seine Gegner ihm zugestehen muhten. Selbst die Monarchisten konnten nicht bestreiten, daß Ebert von Anfang bis Ende für Deutschland gearbeitet hat. Hierin lag das Geheimnis seiner Macht.

DieSunday Expreß" sagt: In Ebert hat Deutschland einen seiner klügsten und geachtetsten Söhne verloren, der trotz seiner bescheidenen Her­kunft die Eigenschaften eines Staatsmannes, Takt und einen ungewöhnlich klaren politischen Ver­stand besessen hat. Als er 1919 die Forderung

nach der Diktatur des Proletariats abwies, hat er nicht nur sich selbst gerettet, sondern auch Deutschland vor der Gefahr bewahrt, rot zu werden, und was das bedeutet, hat sich in Rußland gezeigt.

Amerika.

Washington, 2. März. (WTB. Funk­spruch.) Der Tod des Reichspräsidenten Ebert hat hier allgemein tiefe Trauer hervorgerufen. Staatssekretär Hughes erklärte, er habe die angenehmsten Erinnerungen an den Ver­storbenen. der ihn bei seinem Berliner Aufent­halt im vorigen Jahre empfangen habe. Er habe eine sehr hohe Meinung von den großsn Fähig­keiten des Reichspräsidenten und von dem An­teil, den er an der Entwicklung der deutschen Demokratie gehabt habe. Seit dem Kriege habe ihn fein Ereignis so tief berührt, als dieses, das den großen Mann dahingerafft habe, der in Zeiten außerordentlicher Schwierigkeiten eine außergewöhnliche Fähigkeit als Führer bewiesen und der sich das Vertrauen des deutschen Volkes und die Achtung aller Völker gewonnen und er­halten habe. Sein Tod bedeute für die Welt einen großen Verlust.

Die Teilnahme der Schweiz.

Basel, 28. Febr. (TU.) Der Tod des Reichspräsidenten Ebert löste in der Schweiz aufrichtige Teilnahme aus. Man hebt allgemein die sympthische und unaufdringliche Art des Reichspräsidenten hervor, der nicht über den Rahmen dessen hinausging, was ihm seine Ratur, seine Tradition und seine Stel­lung vorschrieben. Der demokratischen Art des Schweizers gefiel der frühere Sattlermeister als Reichspräsident gut, während man sein Ein­greifen als Sozialdemokrat während der Regie­rungskrise Ende des vergangenen Jahres zu­gunsten der Links- und Mittelparteien als un­vorsichtig tadelte. Cs wird darauf hingewiesen, daß den Rechtsparteien nunmehr der Weg für einen Reichspräsidenten aus ihren Kreisen un­gehindert ofsenstehe, wenn nicht in dem letzten Reichskanzler Marx diesem ein ernsthafter Ge­genkandidat erwachse.

Landestrauer in Preußen.

Berlin, 28. Febr. (TU. Amtlich.) Auf Grund des § 48 Abs. 4 der Reichsverfassung hat die Preußische Regierung anläßlich des Ab­lebens des Reichspräsidenten folgendes ange­ordnet: Oefsentliche Musik, sowie öffentliche Lust­barkeiten und Schauspieloorjührungen einschließ­lich Lichtspielvorsührungen find am Samstag, den 28. Februar, und am Tage der Beisetzung des Herrn Reichspräsidenten verboten. Die preu­ßische Staatsregierung und das preußische Staatsministerium haben ferner beschlossen, daß am Tage der offiziellen Trauerfeier im Hause des Herrn Reichspräsidenten der Unterricht an den preußischen Schulen ausfällt und daß in einer Schulfeier des toten Reichspräsi­denten gedacht wird. Die preußischen staatlichen Gebäude werden bis zum Tage der Beisetzung einschließlich halbmast geflaggt bleiben.

Der Obduktionsdericht.

Berlin, 28, Febr. (WTB.) Die behandeln­den Aerzte geben über den Krankheitsverlauf und die Ursache des Todes des Reichspräsidenten folgenden Bericht:

Die Bauchfellentzündung desReichs- Präsidenten, die durch den Durchbruch des brandigen Wurmfortsatzes des Blinddarms in die Bauchhöhle entstanden war, war an sich i in Abklingen begriffen, hatte aber zu einer schw/renDarmlähmun g geführt, die allen dagegen angewandten Mitteln trotzte. Es gelang zwar gestern und vorgestern, die Gase künstlich zu entleeren, doch blieb dies unvollkommen. Richts- destoweniger blieb die Hoffnung bestehen, daß die Darmtätigkeit wieder in Gang käme und Genesung eintreten könnte. In der letzten Rächt trat gegen 5 Uhr eine plötzliche Verschlimmerung ein. die zu einem schnellen Verfall der Kräfte und um lO/j Uhr heute vormittag zum Tode führte. Die mit Zustimmung der Familie des Reichspräsidenten von Geheimrat Lubar sch ausgeführte Bauchfektion bestätigte, daß die Darmlähmung die Todesursache war. Der organische Befund ergab ferner chronische Entzündung der Gallenblase und Gallensteine. Eiter oder sonstige Flüssigkeit fand sich nicht mehr in der Bauchhöhle. Sowohl der Krankheitsverlauf wie die Sektion zeigen also, daß der Reichspräsident nicht einer Infek­tion durch die Bauchfellentzündung, sondern der durch sie verursachten schweren Darmlähmung zum Opfer gefallen ist.

Heidelbergs Trauer.

Heidelberg, 28. Febr. (TU.) Der Ober­bürgermeister der Stadt Heidelberg, Dr. Walz, hat an die Witwe des Reichspräsidenten nach Bekanntwerden der Todesnachricht folgendes Te­legramm gerichtet:Tief erschüttert über die er­haltene Trauernachricht versichert Ihnen und den Ihrigen die Vater st a d t des hochverehrten Herrn Präsidenten den Ausdruck der innig­sten Teilnahme. Der Oberbürgermeister."

Die Kontrolle.

Das Gutachten der interalliierten Militärkommission.

Paris, 2. März. (TU.) Das Gutachten der interalliierten Militärkommission in Ver­sailles ward eam vergangenen Samstag in Ver­sailles beendet und den Vertretern der alliierten Mächte zur Kenntnisnahme unterbreitet Die ursprünglich auf heute, Montag, an gesetzte Sitzung des Botschafterrates wurde auf Diens­tag vertagt, um den Alliierten zur gründ­lichen Prüfung des Schriftstückes GelegenAit zu geben. Die Aufgabe des interalliierten Militär- Komitees ist mit der Erstattung dieses Gut­achtens keineswegs zu Ende geführt. Es kommt darauf an, die Verstöße Deutschlands ge­gen die militärischen Klauseln des Vertrages formell fest zu st eilen, worauf erst die deutsche Regierung zur Wiedergut­machung der Verstöße aufgefordert werden wird. Das Militärkomitee wird dem­nächst auf Veranlassung der Botschafter-Konfe­renz sich in einem zweiten Schriftstück zu den Deutschland aufzuerlegenden techni­schen Bedingungen äußern.

DasJournal" rechnet mit zwei Möglich­keiten : entweder wird ein allgemeiner Mei­nungsaustausch innerhalb des Botschafterrates gepflogen, oder es wird eine befördere Kon­ferenz der Minister-Präsidenten einberufen, was

für wahrscheinlicher gehalten wird. Zu dem In« halt des Gutachtens melde! die Morgenpresse, der Bericht des Marschall Foch unterstreiche dis Tragweite der einzelnen deutschen Verstöße. Er nimmt besonders auf die militärische Aus­rüstung geheimer Mannschaftsbe- stände Bezug und mißt den Verstößen gegen das Verbot der Waffenfabrikation weniger Be­deutung bei. Das Gutachten weiht auf folgende, auch im Schluhbericht der Kontroll-Kommission enthaltene Feststellungen hin:

1. Wiedereinsetzung des Generalis­simus in der Person des Generals von Seeckt:

2. Reubildung des Großen Gene­ra l st a b e s , der 250 Offiziere umfaßt, für eine Armee von 100 000 Mann, während der Generalstab 1914 für eine Armee von einer Million Friedensstärke 341 Offiziere zählte:

3. Militarisierung der Schupo:

4. Vorrichtungen zur Herstellung von Kriegsmaterial.

Das deutsch-französische Handelskompromiß unterzeichnet

Paris, 1. März. (TU.) In der gestrigen Zusammenkunft des Staatssekretärs v. Trendelen- burg mit dem Handelsminister Raynaldi wurde das angekündigte Kompromiß auf der Grund­lage der Wirtschaftsverhandlungen anerkannt und namens der beiden Regierungen bestätigt. Es wurden darüber Roten ausgetauscht. Das Kompromiß besteht darin, daß Deutschland für die 9» bis lOmonatige Dauer eines provisorischen Vertrages auf die Meistbegünstigung verzichtet und überdies Die elsässisch-lothringischen Kontingen t e auf der Grundlage einer Hal­bierung der Zollsätze fortbestehen läßt, während Frankreich für den endgültigen Handels­vertrag Deutschland die M e i ft b e g ü n ft i g u n g de facto in Aussicht stellt.

Eine formelle Verpflichtung der französischen Regierung hierzu liegt noch nicht vor, da sie den gesetzgebenden Körverschaften nicht vorgreifen kann. Die deutsche Delegation hat aber keinen Zweifel darüber gelassen, dah nur bei Ein­haltung des siche renVersprechens die Verhandlungen überhaupt fortgesührt werden können. Staatssekretär Trendelenburg reift nach Berlin und wird am 16. März wieder nach Paris zurückkehren, um sowohl über das Provisorium als auch über den endgültigen Vertrag die Ver­handlungen wieder aufzunehmen. In der Zwi­schenzeit werden die anderen Puntte der Ver­handlungen, die sich nicht auf die Tarifsätze be­ziehen, von einzelnen hier zurückbleibenden Dele­gationsmitgliedern besprochen.

Die Beisetzung Brantings.

Stockholm, 2. März. (TU.) Schon um 10 Uhr vormittags waren 10 000 Menschen ver­sammelt, die sich in langen Zügen zu dem Sterbe Hause Brantings begaben, dem alten Dranttng- schen Patrizierhaus. In den Straßen und dem angrenzenden Stadtviertel muhte die Polizei Ab' sperrungen vornehmen. Brantings Leichnam, bei balsamiert ist, liegt in einem eichenen Sarg Um 2 Uhr nachmittags verließ der Sarg, ge­schmückt mit roten Rosen, das Haus. Kränze vom König und den Diplomaten waren nieder­gelegt. Die Bevölkerung Stockholms bildete zu beiden Seiten der Straßen die Ehrenwache. Bei der Trauerfeierlichkeit waren der König, der Kronprinz, die Prinzen des königlichen Hauses und das schwedische Staatsmini st erium anwesend. Der norwegische und der dänische Gesandte vertraten ihre Könige. Der Sarg wurde in der Familiengruft beigeseht. Der schwedische Staatsminister, der deutsche Sozialistenführer Wels und der Franzose R e n a u d e 1 hielten Ansprachen.

Aus aller Welt.

Erdbeben in Neuyork.

Reuyork. 2. März. (TU.) Samstagabend 9,20 Uhr wurde in Reuyork ein kurzes, ziemlich heftiges Erdbeben verspürt. Die Washingtoner Wetterwarte teilt dazu mit, dah das Erdbeben an der ganzen Ostküste Rordameri- k a s beobachtet wurde. Berichte darüber liegen vor aus Detroit, Boston, Kentucky, Philadel­phia, Baltimore und Atlanta. Der Erdstoß in Reuyork war sehr heftig. In vielen Häusern wurden Möbel verschoben und Stühle fielen um. Besonders stark machte sich der Stoß in den Wolkenkratzern im Stadtteil Manhattan be­merkbar, wo Bilder und Regale von den Wän­den fielen. Eine Panik wurde nur dadurch ver­mieden, dah sich am Samstagabend in den Turm­häusern nur wenige Personen aufhielten. Beim Einsetzen der Erderschütterung blieben die großen Uhren der Bahnhöfe in Jersey City stehen.

Ein schwerer Brückeneinsturz.

Wie dieMontagspost" aus Warschau mel­det, ereignete sich bei der Probebelastuna der von den Russen bei der Grenzstation Mo- z y r o w über den Pripjetfluß feit zwei Jahren gebauten strategisch wichtigen Eisenbahn­brücke ein schwerer Unglücksfall. Als der Be- lastungszug mit der technischen Kommis­sion die Brücke befuhr, stürzte diese ein. Sämt­liche Kommissionsmitglieder haben den Tod gefunden.

Eine Glasfabrik eingestürzt

Am Samstag stürzte in Saarburg eine int Dau begriffene Glasfabrik ein. Eine 15 Meter breite und 12 Meter hohe Giebelmauer fiel zu­sammen und begrub die mit dem Dau der Schmelzöfen beschäftigten Arbeiter unter sich. Es wurde sofort Militär alarmiert und die Rettungsarbeiten mit aller Kraft aufgenom­men. Bis 7 Uhr abends waren 15 Verwundete ins Spital verbracht und sieben Tote unter den Trümmern hervorgezogen worden. Man sucht noch nach Vermißten, da man nicht weiß, wieviel Arbeiter an dem Bau beschäftigt waren.

Mord und Selbstmord.

Die Frau und der einzige, acht Jahre alte Sohn eines hiesigen Bürgers wurden tot auf» gefunden. Mit einem Beil, das am Tatorte lag, Waren ihnen die Schädeldecken eingeschlagen wor­den. Der flüchtige Ehemann wurde mit einem Schuh durch den Mund auf einer Wiese als Leiche aufgefunden. Der Tote lebte in guten bürgerlichen Vcrhäftni ien. Die näheren Umstände der Tat sind noch nicht aufgeklärt.