Ausgabe 
2.3.1925
 
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Hr. 5i Erster

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GießenerFam (Göltet Heimat im Bitt».

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Blatt

N5. Jahrgang

Montag, 2. März 192a

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck «nd Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Lteindruckerei R. Lange in Sietzen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulltrahe 7.

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An der Bahre des Reichspräsidenten

Die Ueberführung

Die Trauerfeier

Die Teilnahme des

den 2. Marz, nachmittags

Hessische Landtag zu einer

Trauerkundgebung telegraphisch einbe­rufen. Die öffentlichen Gebäude haben H a l b -

für das Deutsche Reich un- das wärmste Beileid aus-

ich Ihnen zu dem ersetzlichen Verlust spreche."

Für Montag.

4 Ufjr, wurde der

Landlaaspräfident A d e l u n a hat an Frau Reichspräsident Cbert folgendes Telegramm ge­richtet:

»Mit tiefem Schmerz erfüllt mich die soeben eingetroffene Trauernachricht vom Hinscheiden des ersten deutschen Reichspräsidenten. Ihres hochverehrten Herrn Gemahls Gestatten Sie. dah

Auslandes.

rung nach Heidelberg statt, wo am Don­nerstagvormittag die Beisetzung in der von der Stadt Heidelberg zur Beifügung gestellten Ehrengrab ft ätte erfolgt. Das Reichs.abi- nett hat beschlossen, dem Reichstag vorzuschlagen. die Bestattung des Reichspräsidenten auf Ko­sten des Reichs dorzunehmen.

Die Nachfolge.

Roch bevor der erste deutsche Reichöpräsidenf seine letzte Fahrt angetreten hat, muh man sich schon mit der Frage der Rachsolgc beschäftigen. Das ist eine Staatsnotwcndigteit. denn das alte monarchistische Mort: »Der König ist tot, es lebe der König! ' gilt im Prinzip auch für die Republik, wenigstens insoweit, als der Zwischenzustand zwischen zwct 'Präsidenten, also das Fehlen eines Staatoobci Hauptes, auf die denkbar geringste Zeit beschränkt werden muh. Vesser wäre es wohl, wenn ein solcher Zwischen­zustand überhaupt nicht eintreten tonnte, wie in dem amerikanischen System.

Die Vereinigten Staaten haben eigens zu dem Zweck die Stellung des Vize­präsidenten geschaffen, die rein repräsen­tativ ist: aber in dem Augenblick vollwertig wird, wo der Präsident stirbt, denn dann rückt der Vizepräsident automatisch an feinen Platz. Die Geschichte hat gezeigt, dah ein solcher Fall gar nicht einmal selten ist, Roosevelt und ebenso C o o l i d g e verdanken ihren Weg nur dem216- scheiden des ordentlich gewählten Präsidenten; denn normaler Meise wird drüben an die Stelle eines Vizepräsidenten immer eine Persönlichkeit geschoben, die der Partei irgendwie unbequem ist und deshalb ehrenvoll kaltgestellt werden soll.

Die Väter der Weimarer Verfassung haben eine Rachahmung des amerikanischen Bei­spiels abgelehnt und sich für das französische Muster entschieden, das ja auch keinen Vize­präsidenten kennt. Ob das klug war, darüber braucht man sich im Augenblick nicht zu unter­halten, obwohl einmal die Frage aufgerollt wer­den muh. und zwar vielleicht schon in absehbarer Zeit. Cs ist gewiß richtig, dah der Vizepräsident eine überflüssige Charge ist, solange der Präsi­dent amtieren kann, aber in unruhigen Zeiten muß man doch auch das Unwahrscheinliche ins Auge fassen. Cs hat einen Moment gegeben, wo das Fehlen eines Vizepräsidenten fast ver­hängnisvoll gewesen wäre: Am 23 Dezember des vergangenen Jahres, am Tage, wo das Magde­burger Urteil verkündet wurde, war der R ichs- Präsident Cbert fest entschlossen, z u r ü ct z u - treten. Er hat sich davon nur abhalten lassen durch die Vertrauenskunbgebung des Rnchs- ministeriums, die wieder erfolgen muhte, um den Rücktritt zu verhindern, der uns möglicherweise in eine Staatskrise hineingeführt hätte. Denn das Reichskabinett war zurückgetreten, wir hatten dann also weder einen Reichspräsidenten, noch einen rechtmäßigen Reichskanzler, ter ver­fassungsmäßig seine Vertretung zu übernehmen hatte, was ein Fließen aller grundlegenden Staatsbegriffe im Gefolge hätte haben müssen.

Cs wäre deshalb wohl wünschenswert ge­wesen, wenn die Präsidentenwahl im Mai oder Juni erfolgte, das Problem der Vize- Präsidentschaft gleichzeitig zulösen. Heute wird dazu kein eZeit fein, denn die Reu- w a h l muß in k ü r - e ft e r Frist erfolgen. Rach dem Artikel 41 der Verfassung wird der Reichs­präsident in direkter Mahl vom ganzen Volte gewählt, und zwar auf sieben Jahre. Rach dem Artikel 51 ist der Reichskanzler sein Stellver­treter. aber nur für kürzere Zeit, bei einer vor­zeitigen Erledigung der Präsidentschaft bis zur Durchführung der Äeuwahl ist die Vertretung durch ein besonderes Reichsgeseh zu regeln.

Cs wäre also das erste, was zu geschehen hätte, dah der Reichstag, der in der kommenden Mache zusammentritt, durch ein Gesetz einen Stellvertreter des Reichspräsidenten schafft. Wie die Dinge liegen, wäre es viel­leicht das zweckmäßigste, den Reichskanzler Dr. Luther damit zu betrauen. Dann aber muh möglichst schnell zur Reuwahl geschritten werden, und zwar ist hier das Verfahren so geregelt, daß im ersten Wahlgang ein Kandidat nur dann gewählt ist, wenn er mehr a l s die Hälfte der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. Bei unseren verworrenen Parteizuständen ist da­mit nicht zu rechnen.

Wir werden mindestens mit fünf verschiede­nen Kandidaten zu rechnen haben. Cs muß also dann nach 14 Tagen ein zweit er Wahl­gang erfolgen, bei dem die relative Mehrheit entscheidet, hier ist dann derjenige Bewerber gewählt, auf den die meisten Stim­men entfallen sind, wobei besonders im Auge zu behalten ist, daß der zweite Wahlgang voll­kommen neue Kandidaten bringen kann. Cs wäre also beispielsweise denkbar, dah mehrere Par­teien, die im ersten Wahlgang, um ihre Stim­men zu zählen, getrennt marschieren, sich für den zweiten Wahlgang auf einen Kandidaten verständigen, der vorher gar nicht in die Ent­scheidung fiel.

Wie sich die Dinge bei uns entwickeln werden, darüber läßt sich zur Zeit noch gar nichts sagen. Die ersten Vorbereitungen für die ordentliche Präsidentenwahl hatten gerade begonnen, sie müssen jetzt beschleunigt werden und b-ingen ^'»steicht VerschiebunArn, die alle bisb- Be<

An das deutsche Volk!

Die Kundgebung der Rcichsregierung.

Berlin, 28. Febr. (Wolff.) Anläßlich des Todes des Reichspräsidenten hat die Reichsregie­rung nachstehende Kundgebung erlassen:

Am heutigen Tage ist der deutsche Reichs­präsident Friedrich Ebert aus dem Leben abberufen worden. Tieferfchütlert steht die deut­sche Reichsregierung und mit ihr das deutsche Volk an der Bahre des deutschen Staatsoberhauptes. Mit Friedrich Ebert ist ein Mann dahinqegangen, der unter Einsatz seiner starten Persönlichkeit erreichte, daß in den Wirren der Revolution die Ein­berufung der Rationalverfamm- lung aus freier Wahl des deutfchen Dolles beschlossen und durchgeführt und damit dem deutschen Staatsleben wieder eine gesetzliche Grundlage gegeben wurde. In schwerster Zeit hat er das Amt eines deutfchen Reichspräsidenten mit vorbildlicher Ge­wissenhaftigkeit und staatsmänni- scher Klugheit perwaltet und sich dabei in der Heimat wie im Ausland reiche Anerkennung erworben. In den außenpolitischen Wirrungen, die nach dem Kriegsende dem Deutschen Reiche erwuchsen, nahm er die Verantwortung für die Entscheidung, die nach vielen Mißerfolgen endlich den Weg zum Wiederanstieg anbahnte, auf sich. Anparteilichkeit und Gesetzlichkeit waren die Richtlinien seiner Amtsführung. Die Charaktereigenschaften des Menschen Friedrich Ebert und die hervorragende Begabung des Staatsmannes, der an der Spitze des Deutschen Reiches gestanden hat, haben ihm bei all denen, die den Mann und sein Wirken kannten, Wert­schätzung und Verehrung erworben. Er hat dem deutschen Dolle und dem deutschen Daterlande in schwerster Zeit als aufrechter Mann gedient.

gez. Dr. Luther. Dr. Geßler. Dr. Brauns. Dr. Strefemann. Graf von Kanih. Stingl. Schiele.

Dr. AeuhauS. Dr. Stenten. Dr. Kröhne, v. Schlieben.

Die Trauerfitzung des Reichskabinetts.

Die Gedächtnisansprache des Reichs­kanzlers.

Berlin, 28. Febr. ($U.) Auf die ersten Nachrichten vom Hinscheiden des Reichspräsiden­ten hin war die Reichsregierung sofort zu einer Kabinettssitzung zusammengetre- t e n. Sie wurde eingeleitet durch folgende Ge­dächtnisansprache des Reichskanzlers:

Heute vormittag 10,15 Uhr ist der Präsident des Deutschen Reiches Friedrich Ebert sanft ent­schlafen. 2Iuif dem vorgestrigen Tag ernstester Sorge, den wir mit Bangen verlebt haben und aus den gestrigen Tag, der neue Hoffnungen brachte, ist nun doch der lebenvernich­tende Ausgang der Krankheit gefolgt. Ich bin gewiß, daß nicht nur das deutsche Volk, sondern weit darüber hinaus diezivilisierte Welt aufrichtigen Anteil an dem schweren Schick- salsfchlage nimmt. Das deutsche Reich verliert in Friedrich Ebert seinen ersten Reichspräsidenten. Don seinem Wirken für das deutsche Volk und von seiner Führereigenschaft in schwerster ge­schichtlicher Zeit zu sprechen, wird meine Aufgabe zu einer späteren Stunde fein. Heute im Kreise der Reichsregierung bringe ich in verehrungs­voller Erinnerung zum Ausdruck, wie vortreff­lich der Heimgegangene als Reichspräsideirt ge­waltet und wie glücklich und erfolgreich sich die Zusammenarbeit zwischen ihm und der Reichs­rcgierung durch seine Klugheit und vaterländische Hingebung gestaltete. Wir stehen erschüttert an der Bahre des Staatsoberhauptes, ' dessen große menschliche Eigenschaften so oft geholfen haben, sachlich schwierige Fragen zum Ruhen des deutschen Volkes zu lösen. Vielen der Mitglieder der Reichsregierung war er ein Freund geworden. In tiefer und aufrichtiger Trauer gedenken wir alle des Ent­schlafenen.

Trauersitzung des Reichsrates.

Ansprache des Ministerpräsidenten Marx.

Berlin. 28 Febr. (Priv.-Tel.) Der Reichs­rat trat heute nachmittag zu einer kurzen Trauer­kundgebung zusammen. Der Vorsitzende. Reichsminister des Innern Schiele, eröffnete die Vollsitzung, an der Vertreter aller Länder tellnahmen. mit folgenden Morten: Ich eröffne die außerordentlich: Sitzung des Reichs­rats. die nur dem ehrenden Gedächtnis des ver­storbenen Reichspräsidenten gewidmet ist. Ich er- teile das Wort namens der Länder tem preuhr- schen Ministerpräsidenten:

Preußischer MinisterprästdentMarx: M»ine Herren! Heute morgen ist der Reichs­präsident Friedrich Cbert an den Folgen seiner schweren Krankheit von uns geschieden. Mit dem R^che stehen die Länder trauernd an

feiner Bahre, denn die Länder wissen ge­nau. dah, ebenso wie das Reich seinen ziel- bewußten und kraftvollen Führer in schweren Zeiten verloren hat, auch die Länder mit dem Tode des ersten Präsidenten der Deutschen Re­publik den Verlust eines Mannes zu beklagen haben, der seiner Aufgabe nicht nur darin gesehen hat, das Reich zusammenzuhallen, sondern der es verstanden hat. in richtiger geschichtlicher Würdi­gung der politischen und krllturellen Bedürfnisse der einzelnen Canter ihren Staatsnot - Wendigkeiten gerecht zu werden und ihre Interessen mit denen des Reiches zu ver­knüpfen. Die Geschichte wird einst das Bild Friedrich Eberts in den Jahren nach dem furcht­baren Krieg zu würdigen haben: der Reichsrat aber wird seiner Verdienste stets eingedenk blei­ben und dem ersten Präsidenten des Reiches ein dankbares Andenken bewahren.

Die Mitglieder des Reichsrates horten die Worte stehend an. Der Vorsitzende, Reichsinnen­minister Schiele, schloß dann die Sitzung.

Die Trauer der Wehrmacht.

Das Deutsche Reich hat sein Oberhaupt durch einen jähen Tod verloren. Die deutsche Wehrmacht erweist ihrem toten Oberbefehlshaber den letzten Gruß in ehrfurchtsvoller Trauer. Sein Sinnen und seine Tatkraft galten ihrem Wohl. Sein Aame wird in ehrenvollem Angedenken bleiben. Zum äußeren Zeichen unserer Trauer ordne ich an: Die R e i ch s k r i e g S f l a g g e ist auf allen mili­tärischen Gebäuden und an Bord der Schisse bis nach der Beisetzung Halbstock zu hissen. ES ist bis nach der Beisetzung kein Spiel zu rühren. Das Spielen bei Totengedenkseiern bleibt gestattet.

DerReichSwehrminister.

Kundgebung der preußischen Staatsminifteriums.

Berlin, 28. Febr. (Priv.-Tel.) Das preu­ßische StaatSminifterium trat heute nachmittag 5 Uhr zu einer Trauersihung zusammen. Mi­nisterpräsident Marx schilderte in seiner Rete den Reichspräsidenten Ebert als einen glü­henden Patrioten und echten Deut­schen, dessen unverrückbares Ziel der Mieter- aufstieg Deutschlands durch friedliche Arbeit des nicht mehr zersplitterten, sondern zu kraftvoller Einheit zusammengefahten Volkes war. Ein Mann von stärkstem Verantwortlich­keit s g e f ü h l gegenüber seiner hohen und schweren Aufgabe, erstrebte er nur das Glück des deutschen Volkes und die Gröhe und Freiheit des deutschen Landes. Eine ganze, geschlossene und mutige Persönlichkeit, war er in den kri­tischen Tagen, die der Staatsumwälzung folgten, bereit, sein eigenes Leben einzusehen. Auch in den langen Monaten, in denen schon Krankheit ihn befallen hatte, hat er jede Rücksicht auf seine Gesundheit hinter den schweren Anforderungen seines hohen Amtes und seiner Arbeit zurück­treten lassen. Der erste Reichspräsident ter Deutschen Republik wird im deutschen Doll als eine reine und vornehme Persönlich­keit, als ein vorbildlicher Bürger wei­terleben.

Im Anschluß an die Worte des Minister­präsidenten Marx beschloß das Staatsministe­rium die folgend-

Kundgebung:

n5)er Reichspräsident Friedrich Ebert ist heute morgen seinem Leiden erlegen. Mit dem Deutschen Reich, dessen Geschick er seit den schwe­ren Tagen des Zusammenbruchs nach dem ver­lorenen Krieg bis heute mit bewundernswerter Kraft geleitet hat. erfüllt das Land Preu- tz e n aufrichtige Trauer um diesen ersten Prä­sidenten der Deutschen Republik. Seine hohen Verdienste um den Zusammenhalt des Reiches und um dessen gerade in dem letzten Jahr so deutlich hervorgetretenen Wieder­aufbau wird einst die Geschichte zu würdigen wissen. Im Ramen Preußens betont das Staats­ministerium. daß Preußen sich wohl bewußt ist. in dem verstorbenen Reichspräsidenten einen Mann verloren zu haben, der für die durch die Geschichte bedingte politische Stellung Preußens stets volles Verständnis gezeigt hat. Das Staats­ministerium wird dem vortrefflichen Mann, an dessen Bahre es trauernd steht, ft et 5 ein ehren­des Andenken bewahren.

Hessens Teilnahme.

Beileidstelegramme des Staats­präsidenten und des Landtags.

Darmstadt. 28. Febr. Das Hessische Staats m int ft erium hat Frau Reichspräsi­dent Ebert-Berlin folgendes Beileidstelegramm gesandt.

Aufs tiefste erschüttert durch die Nachricht vom Tode des Herrn Reichspräsidenten spricht die hessische Regierung wärmste Teilnahme aus an dem unersetzlichen Decluft, den auch wir erlitten haben. Hesfenland wird des ersten Reichs- Präsidenten in Dankbarkeit und Treue stets ge­denken.

Hessisches Gesamttninisterium

Ulrich, StamSprSfideet/

mast geflaggt, die Vorstellung im Lantes- theater wurde abgesagt.

Die Ueberführung.

Berlin, 28. Febr. (WTB.) Heute nach- mittag hat sich R e i ch s k a n z l e r Dr. Luther in Begleitung des Regierungsrats v. Stock­hausen ins Westsanatorium begeben und a n der Bahre des verstorbenen Reichs­präsidenten weiße Rosen nietergefegt. Um Mitternacht wurden bann in aller Stille die sterblichen Ueberrefte des Reichspräsidenten von dem Westsanatorium in der Ioachimtalerstraße nach dem Hause des Reichspräsidenten in ter Wilhelmstrahe überoeführt. Obwohl die Tatsache der Uebersührung der Oesfentlichkeit nicht mit­geteilt worden war, hatten sich schon in der zehnten Abendstunde viele Tausende Zuschauer in der Umgebung des Westsanatoriums und vor allem im Bereich der Kaiser-W.thelms-Gedächt- niskirche angesammelt, die geduldig des Trauer­zuges warteten. Der Bereich der Ioachimtafer- strahe und die angrenzenden Straßenzüge durch die ter Kondukt seinen Weg nahm, waren von Schutzpolizei beseht. In ter elften Abendstunde hatte sich im Westsanatorium der Sohn des ver­storbenen Reichspräsidenten etngefunten. Bald darauf erschienen u. a. der preußische Minister­präsident Marx, Reichstagspräsident Lobe, Reichsminister des Innern Schiele, General von S e e ck t und ter kommissarische Leiter des Berliner Polizeipräsidiums Dr. Friedens­burg. Um 10 Uhr hatte Prof. Kolbe die Totenmaske des Verstorbenen abgenommen. Um 12 Uhr fuhr vor dem Westsanatorium ein offener Leichenwagen vor. der von vier Pferden gezogen wurde, die schwarzes Tuch umhüllte. Der Wagen selbst war ohne jeden Schmucr und nur von vier umflorten Lampen beleuchtet.

Von acht Unteroffizieren der Reichswehr wurde bann ter Sarg, der von der Standarte des Reichspräsidenten bedeckt war. auf den Wagen gehoben. Zu beiden Seiten postierten sich sechzehn Unteroffiziere der Reichswehr unter Führung eines Offiziers. Den Kondukt eröffnete und schloß eine berittene Abteilung ter Schutzpolizei. Dem Leichenwagen folgten sechs geschlafene Wagen, in denen neben dem Sohn des Reichspräsidenten die Beamten des Bureaus des Reichsvräsidenten und außer den oben erwähnten Persönlichkeiten noch einige andere Mitglieder des Kabinetts Platz genommen hatten. Zu beiten Seiten des Trauerzuges marschierten in einer längeren Kette Schutzpolizisten. Der Zug, der seinen Weg über den Kurfürstendamm nach dem Tiergarten nahm, um dort über das Brandenburger Tor die Wil- helmstraße zu erreichen wurde von den Zeugen der nächtlichen Fahrt des verstorbenen Reichs­präsidenten ehrfurchtsvoll begrüßt.

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hatte den Platz vom Brandenburger Tor bis zur Wilhelmstrahe und diese selbst bis zum Palais des Reichspräsidenten beseht. Der Schein der Fackeln, welche die Reichsbannerleute entzündet hatten, erhellten diesen letzten Teil des Weges, welchen ter Trauerzug noch zurückzulegen hatte. Als der Zug vor dem Palais angelangt war, wurde der Sarg ohne jede Feierlichkeit, wäh­rend die Anwesenden das Haupt entblößten, von acht Unteroffizieren in teü Haus getragen. Hier übernahm dann eine unter Führung eines Offiziers stehende Reichswehr-Abteilung von 16 Mann die Ehrenwache.

Die Trauerfeier.

Berlin, 1. März. (WB.) Die Stauet» feier der R e t ch s r e g i e r u n g für den Reichspräsidenten findet am 4. März, nachmit­tags 3 Uhr, im Hause des Reichspräsi­denten statt. Reichskanzler Dr. Luther wird hierbei die Gedenkrede hatten. 3m An­schluß an die Feier erfolgt unter militäri­scher Trauerparadc d i e Ueberfüh­rung der Leiche zum Potsdamer Bahnhof. Der Weg des Ttauerkondutts geht durch daS Dtanocnbutget Tor um das Reichstagsgebäude herum. Dort findet bot dem auf der Rampe haltenden Leichenwagen eine Abschieds- kundgebung deS Reichstags statt, dessen Präsident den letzten Gruß der deutschen Dolls- Vertretung überbringen wird. Der Traueralt wird zugleich der Bevölkerung Gelegenheit geben, dem toten Reichspräsidenten die letzten Grüße darzu- bringen. Darauf wird ter Zug seinen Weg durch die Friedensallee und die Budapester Straße nach dem Potsdamer Bahnhof fortfetzen, dessen Portalfront einen würdigen Trauerschmuck erhallen soll. Dom Potsdamer Bahnhof findet 1 etwa um 630 Uhr abends di« Uebcrfüb.