Ausgabe 
1.10.1925
 
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253ieJournal" aus Strahburg meldet, wurde dort gestern eine Sammlung veranstal­tet. um die für die Befreiung öeS Fliegers Costes notwendige Summe aufzubringen. Inner­halb weniger Stunden seien 3500 Mark gezeichnet worden, die unverzüglich Costes übersandt wer­den sollen.

Abg. Müller-Breslau (Soz.) hält die Akteneinsicht über den Oelser Fall durch den Landtag für notwendig. Es handle sich um einen Wehrlosen, der durch gewissenlose Aerzte unglücklich gemacht sei.

Ein Vertreter des Ministeriums erklärt, daß der Fall genau geprüft werde.

Abg. Dr. Quast» Fas lem (Dtschn.) pro­testiert gegen die Verleumdung der deut­schen Aerzteschaft.

Beim KapitelVolkswohlfahrt und Erwerbs losen für sorge" tritt Abg. Dr. W e y l (Soz.) für das S e l b st b e st i m m ü n g s- recht der Gemeinden in Schank- und Konzessionsfragen ein.

Abg. K o l l (Dtschnat.) ist auch der Ansicht, daß alles Mögliche zur Bekämpfung des Al- koholismusses geschehen müsse. Die Mehrheit seiner Fraktionssreunde halte aber das Ge­meindebestimmungsrecht nicht für Geeignet.

Die Abg. Müller- Franken (Wirtsch. Vg.) und Dr. Schuster lDtsch. Vp.) wenden sich gegen das Gemeinbebestimmungsrecht.

Bei den einmaligen Ausgaben fordert Abg. Dr. W e i) l (Soz.) größere Mittel für die Er­forschung der Krehskrankheit.

Das Haus vertagt die Abstimmungen auf Donnerstag.

Wettervoraussage.

Wenig Aenderung.

Der hohe Druck über Deutschland hat sich ge­halten^ und teilweise noch verstärkt, während das nördliche Störungsgebiet sich in der Haupt­sache nach Mittelskandinavien ausbreitet.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 15,2, Minimum 5,6 Grad Celsius. Heutige Morgen­temperatur: 11,4 Grad Celsius.

sollte, um einen Tag vorverlegt. Der Son- derzug mit der Delegation wird Freitag abend um 9 Uhr Berlin verlassen. Die Delegation selbst wird s e h r k l e i n gehalten werden. Äußer dem Reichskanzler und dem Austen- m i n i st e r wird sie nur aus dem Staatssekretär v. Schubert, Ministerialdirektor Dr. Gaus, dem Pressechef der Reichsregierung Dr. K i c p und dem Staatssekretär der Reichskanzlei K e m p° n e r bestehen. Die Teilnahme des Völ'erbund- sckrctärs Geheimrat v. Bülow steht no:'> nicht fest. Dazu treten einige Beamte der Reichs­kanzlei, der Presse-Abteilung und des Auswär­tigen Amts und das nötige technische Hilfs­personal.

Tschitscherin in Berlin.

Berlin, 30. Sept. (511.) Heute vormittag traf pünktlich um 11,30 Uhr mit dem fahrplan- mähigen Expreßzug Warschau-Paris auf dem Schlesischen Bahnhof der Sowjetaußenminister Tschitscherin ein. Zu seinem Empfang hatten sich auf dem Bahnhof als Vertreter des Aus- tixirtigcn Amtes der Staatssekretär v. Schu­bert und der Direktor der Ostabteilung, von D i r k s e n, sowie der russische Botschafter in Berlin, Krestinski, und mehrere Herren der russischen Botschaft eingefunden. Der Austen- minifler Tschitscherin war lediglich von einem j Sekretär begleitet. Er wird sich vermutlich mehrere Tage in Berlin aushalten. Rachem er seine Karte beim Reichskanzler Dr. Luther ab­gegeben hatte, folgte er abends mit dem russi­schen Botschafter in Berlin Krestinski einer Einladung zum Abendessen beim Reichs­austenminister Dr. Stresemann. an dem I u. a. Botschafter Krestinski, der Vertreter der russischen Handelsdelegation D e g g e, Run- I tius Pacelli. der frühere Reichskanzler Fürst Bülow. Exzellenz v. Raumer, Geheimrat Deutsch von der AEG., Dr Sorge. Dr. I C urti u s. Mitglied des Reichstags, der Bruder I des deutschen Botschafters Graf Rantzau, Exzellenz v. Körner. Staatssekretär v. Schu­bert. Dr. W allrot h und Ministerialdirektor I Dr. Gaus teilnahmen.

Haftentlassung des französischen Fliegers Costes.

Mannheim, 30. Sept. (T. U.) Der am Diens- I tag wegen Vergehens gegen die deutschen Luftoer. kehrsgesetze vom Freiburger Schöffengericht zu 5000 Mark Geldstrafe verurteilte französische Flieger Costes ist Mittwoch aus der Haft entlassen worden. Seiner Rückkehr in die französische Heimat steht nichts im Wege. Costes, der sich nach Fällung des I Urteilsspruches zur Annahme der vom sdjöf- I fengericht ausgesprochenen Geldstrafe bereit erklärte, hat, von seinem Verteidiger unterstützt, um einst­weiligen Strafaufschub gebeten. Zugleich gab er das Versprechen ab, da st er, nach Frankreich zu- I ruckgekehrt, den Rest der Geldstrafe von 2400 Mark, die er noch als Ersatzfreiheitsstrafe von 12 Tagen I ZU verbüßen gehabt hätte, von der Luftverkehrs­gesellschaft, bei der er angestellt sei, bezahlen lasse. In Anbetrawt der geringen Restsumme hat der Staatsanwalt der Strafunterbrechung und damit der Freilassung Costes zugestimmt.

Aus aller Welt.

Ein neuer Hauptmaun vvn Köpenik. I Eine große industrielle Firma Berlins ist durch einen in der Verbrechergeschichte kaum Über- bietbaren Gaunerstreich um eine hohe Geldsumme geschädigt worden. Die Firma hatte zwei Kas­sen boten zu einer Bank in die Nähe des Halle- schen Tores geschickt, die die Lohrigelder holen sollten. Als die beiden Kassenboten die Bank ver° I ließen, tuaten auf der Straße zwei Männer auf sie zu, die sich durch gefälschte Marken alsKrimi- nalbeamte auswiesen, gefälschte Haftbefehle vor. Men und die Kassenboten zwangen, mit ihnen den Weg ins Polizeipräsidium anzutreten. Sie beiden Kassenboten wurden in ein leeres I Z i m m e r im ersten Stockwerk des Polizeipräsi­diums geführt, wo die beiden falschen Beamten

I Auen die gesamten Lohngelder in Höhe von vielen I -taufend Mark abnahmen, in ein Nebenzimmer I gingen und sagten, die Verhafteten möchten warten. I Nachdem die Kassenboten mehrere Stunden I vergeblich gewartet hatten, schöpften sie Ver­dacht und mußten zu ihrem Schrecken feststellen, daß sie im fPolizeipräsidium Verbrechern in die Hande gefallen waren. Die Kriminalpolizei steht vor

I einem Rätsel, da die Täter im Polizeipräsidium I aufs genaueste Bescheid gewußt haben mußten, weil sie aus einer langen Zimmerflucht das einzige leer stehende Zimmer auswählten. Die Verbrecher haben außer gefälschten Haftbefehlen l und gefälschten Kontrollmarken auch gedruckte Ausweise vorgezeigt. Die Nachforschungen sind bisher ohne Erfolg gewesen.

Brandkatastrophen in Mittelschlesien.

Frankenstein. 1. Oft. (WTB. Funk- I sprach.) Mittelschlesien leidet gegenwärtig unter | fortgesetzten Brandkatastrophen, die zweifellos plan in ästig angelegt werden. Fast täglich I werden Scheunen mit Erntevorräten in Brand gesteckt, ohne dah es gelingt, dev Brandstifter habhaft zu werden. In Grost-Rossen > vernichtete ein Grohseuer die Scheunen und j Schuppen eines Gutes mit großen Erntevorräten.

Dom Schnellzug überfahren.

Breslau, 1. Oft. (WTB. Funkspruch.) Auf dem Bahnhof Altwasser ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Als der 'Bauarbeiter Hans > Wickel die Geleise des Güterbahnhvfes über­schreiten wollte, wurde er von einem he ran» brausenden V-Zug ersaht und so schwer I vorletzt, daß er auf dem Wege nach dem Kranken- | Haus starb.

Bahnverbindung MünchenMailand über den Fernpatz.

Rach einer Meldung derMünchener I Neuesten Rachrichten' aus Mailand hat sich ein Komitee gebildet, das bestrebt ist. die italienische Regierung für eine direkte Eisenbahn- Verbindung M ü n ch e n M a i l a n d zu interessieren. Die Bahnstrecke würde von Mün- I chen über Gar misch Partenkirchen nach I Germ oh führen und die dort bestehende Li­nie beanspruchen. Der Fernpaß solle durch einen Tunnel überwunden werden, von wo aus die Streck über Inst Landeck to eiter geführt wer- I Öen solle. Don hier aus solle die Linie über I Trafoi nach Sao Paolo und Bel Bi­st a l führen. Durch einen weiteren Tunnel solle das das P e r i o t a I und dann über Bergamo Mailand erreicht werden.

Kältewelle in Italien.

In Triest herrschte Dienstag eine Bora von '80 bis 100 Kilometer Windstärke, die mehrere Unglücksfälle verursachte. Ein Kutscher wurde von einem umgeworfenen Wagen ge­tötet. Mehrere Barken sind gescheitert. Die Zahl der Verunglückten wird auf 20 geschäht. In der römischen Campagna wütete ebenfalls ein (Zy­klon. Aus T o s l a n a werden größere Schä- I den an den Wein- und Oelbergen infolge plötz­licher Kälte gemeldet. Auf den Bergen von Piemont ist Schnee gefallen.

Kunst und Wissenschaft.

Neuerwerbungen des Hessischen Landesmuseums.

"Darmstadt. 28. Sept. In Öer Samm­lung der mittelalterlichen Skulpturen des Lan- desmuseums sind jetzt mehrere Reu» I ertoerbungen ausgestellt worden: darunter I iftein Steinkopf, der dem 13. Jahrhundert an- gefrört, und eine Maria mit dem Christuskind. wwie eine Terrakottaplastik, Johannes den | Saufet darstellend. Die lehgenannte Figur stammt I aus Babenhausen: dem Museum ist es auch ge­lungen, die zu einer Gruppe von Jüngern gc- I hörige Christusfigur zu erwerben: es handelt sich hier um eine Arbeit des 15. Jahrhunderts. Auch die Sammlung der kunstgewerblichen Gegenstände konnte um einige Stücke vermehrt werden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 1. Oktober 1925.

Die Ieppelin-Eckener- Werbervoche.

Der Reichsausschuh für die Zeppelin-Eckener- Spende teilt folgendes mit: Bekanntlich gehören die Tage vom 11. bis 18. Oktober dem Gedanken der Ueberfahrt des L. Z. 126 von Friedrichshafen über den Ozean nach Ame­rika, dem Gedanken des Grafen Zeppelin und der Erhaltung seines Werkes, der Werft in Friedrichshafen. Es handelt sich darum, gerade in dieser Werbewoche den Kampf um diese große Idee immer mehr ins Volk zu trogen: Deutschland, das stolz ist, der Welt den Be­weis erbracht zu haben, daß ein Luftschiff in öer Lage ist, alles bisher Dagewesene in öer Ueberqucrung großer Strecken zu schlagen. Die Zeppelinwerft in Friedrichshafen ist aber m Gefahr, ihre Pforten schließen zu müssen, wenn es nicht gelingt, dem Werk des Grafen Zeppelin neue Mittel zuzufüh­ren. Richt darum handelt es sich, was irrtüm- ! licherweise leider vielfach in den Vordergrund ge­stellt worden ist, ein Rordpolschiff zu schaffen: der Kernpunkt, dieses Kampfes um die Idee ist öer Ausbau unö öie V e-r wp l l k o m m- nung ö e S großen transozeanischen Verkehrsgedankens, ein Problem, das bisher Deutschland allein mit seinen Zeppelin» schiffen der Lösung zugeführt hat. Diesem großen Problem ist öie Zeppelin-Eckener-Werbewoche mit ihren vielseitigen unö umfangreichen Samm­lungen getoiömet.

(Hiesrener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 200 bis 220 Pfennig, Matte 40, Käse 70. Wirsing 12 bis 15. Weißltaut 7 bis 8. Rotkraut 15, gelbe Rüben 15, rote Rüben 10, Spinat 25, Römischkohl 10, Bohnen 25. Anter- Kohlrabi 6, Grünkohl 20. Feldsalat 80. Tomaten 40, Zwiebeln 12. Meerettich 40 bis 120. Rha­barber 20, Kürbis 6. Pilze 40, Kartoffeln 4V2, Falläpfel 5, Aepfel 8 bis 25, Birnen 20 bis 30, Zwetschen 25, Brombeeren 45. Hagebutten 25, Weintrauben 60, Preiselbeeren 55, Gänse 120 bis 130, Rüsse 35 Pfennig: das Stück: Blumen­kohl 10 bis 100 Pf., Endivien 15 bis 20, Ober- Kohlrabi 5 bis 10, Lauch 5, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 20, Radieschen (Bund) 10 Pf.

Bornotizcn.

Lageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße,Um eines Weibes Ehre". Astoria-Lichtspiele:Rollende Räder Rasendes Blut". Gießener Schwimmverein, 81 L> Uhr, Hotel Köhler: Generalversammlung.

Lichtbildervortrag. Wir erinnern unsere Leser an den morgen (Freitag) 8.30 Ähr abends im Physikalischen Institut stattfinden­den Vortrag von Professor Amelung aus Rom über neuere Funde in Italien u^d Tripolis.

recht besitzen, um öie neue Verfassung, so wie sie abgefaßt und vom Ministerrat be­gründet wurde, zu sanktionieren. Gleich­zeitig mit dem Auflöfungsdekret richtet die Re­gierung eine Botschaft an das Volk, in der u. a. erklärt wird:

Die Rationalversammlung hat seit längerem das Vertrauen öer Ration verloren. Die Reuwahlen werden in vollkommener Freiheit, aber im Rahmen der neuen Staatsform des Landes ftattfinöen. Die Regierung hofft, daß diesem aufrichtigen unö loyalen Programm kein Widerstand entgegengesetzt werden wird. Sie fühlt sich in moralischer und materieller Hinsicht stark genug, um auf jeden Fall ihr Programm im Interesse der Riche unö Wohlfahrt öes Landes durchzusehen. Ihre bisherige Tätigkeit und ihre Vergangenheit verbürgt dafür."

2. U. Bon der Landesuniversität. - Der neue Rektor Pros Dr. meö. Bürker hat (beute die Dienstgeschäfte des Rektorats über- I nommen.

** Die Reichsindexziffer für öie Lebenshaltungskosten ist nach den Fest­stellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats September mit 144,9 gegen 145,0 im Vormonat nahezu unverändert geblieben.

** Das 3. Ziel öer städtischen Son - der st euer farm bis zum 9. ds. Mts. noch ohne Deitreibungskosten bezahlt werden. Nachzügler mögen diesen letzten Termin nicht versäumen.

** Goldene Hochzeit. Geh. Kirchenrat D. Georg Schlosser und Frau Maria geb. Rend- torff, feiern morgen, 2. Oktober, in Frankfurt a. M. ihre goldene Hochzeit. Dem weitaus größten Teile der Gießener Einwohnerschaft ist das Jubel­paar bekannt. Schlosser, der am 25. April 1846 in I Darmstadt geboren wurde, kam 1873 als Pfarrvikar I nach Gießen. Im Jahre 1877 wurde er hier zweiter Pfarrer, nachdem im Jahre 1892 die Einteilung in vier Kirchengemeinden vollzogen war, Pfarerr der Matthäusgemeinde und im Jahre 1904 als Nach­folger des Pfarrers Dr. Naumann, dem damals wegen Krankheit ein Vikar beigegeben wurde und der zwei Jahre darauf in den Ruhestand trat, erster Pfarrer, als solcher Vorsitzender des Gesamtkirchen- Vorstandes und des Pfarrkollegiums. Bei vielen der hiesigen Familien erfreut sich das Jubelpaar großer freundschaftlicher Verehrung.

** Dienstjubiläen. Verwaltungsinspek­tor Wilhelm Muhl begeht heute, 1. Oktober, sein 25jähriges Dienstjubiläum bei der hiesigen Stadtverwaltung. Der Jubilar erfreut sich bei seinen Kollegen unö in weiten Kreisen der Bür­gerschaft großer Wertschätzung. Sein 25jäh- riges Dienstjubiläum feiert ebenfalls heute der Expedient Heinrich Pages bei der Lackfabrik Wilhelm Zurbuch G. m. b. H. Don der Geschäfts- | leitung unö den Mitarbeitern wurden dem Ju­bilar herzliche Ehrungen bereitet.

"Personalien. In den Ruhestand ver­setzt wurde die Lehrerin am Lyzeum und der Studienanstalt i. @. zu Gießen Julie Lass er t auf ihr Rachsuchen vom 1. Oktober ab; der Forst- wart der Kommunalforstwartei Birklar Johan­nes Engel zu Birklar auf sein Rachsuchen. Ernannt wurrde die Lehrerin an der höheren Bürgerschule Schlitz Lina ® ö r lad) zur Lehrerin an öer Studienanstalt i. E. in Gießen mit Wir­kung vom 12. Oktober 1925.

** Geschäftsjubiläum. Aus ein 25° jähriges Bestehen kann heute die Schneiderei unö Tuchhandlung von Wilhelm Engelhardt. Plockstrahe 6, zurückblicken.

Landkreis Gictzcn.

1) Li ch, 30. Sept. Die Obsternte öer Stadt L i ch touröe versteigert. Der ziemlich umfangreiche Obstbaumbesih der Stadt hat nur wenige Bäume mit gutem Behang aufzuweisen. Für diese wurden bis zu 25 Mk. geboten. Die Käufer dürften im allgemeinen auf ihre Rech­nung gekommen sein. Zwei Einbrecher versuchten dieser Tage frühmorgens in das Wohnhaus des Bäckermeisters Karl Christian Lotz mittels Leiter einzudringen, wurden aber durch das Hinzukommen eines jungen Mannes gestört unö suchten unverrichteter Sache das Weite.

t Grünberg, 30. Sept. Aus der jüngsten Gemeinberatssitzung ist u. a. zu berichten: Das Ministerium hat angeregt, öie Sonder- steuer von 60 auf 80 Pf. für je 100 Mk. ab 1. Sept, zu erhöhen. Diese Heraufsetzung würde für die Gemeindekasse eine weitere Einnahme von 3293 Mk. bedeuten. Die Angelegenheit wurde dem Finanzausschuß überwiesen. Der Reichfinanzverwal- tung wurde der Platz der Höfetränke als

Parteien und Schulgesetz.

Der Innenminister Schiele, der sich des sozialdemokratischen Staatssekretärs in der Haupt­fache deswegen entledigte, um dem Entwurf des Schulgesetzes eine Form zu geben, die mehr den Wünschen feiner Partei entspricht, stößt nach den Aeußerungen, die aus den verschiedensten politischen Lagern kommen, so gut wie über­all auf Widerstand. Die Deutsche Volkspartei übt namentlich in Süddeutsch- lanö heftige Kritik, auch die Parteifreunde Schieles sind nicht ganz zufriedengestellt wor­den, Demokraten und Sozialdemokra- t e n sind dagegen, auch das Zentrum kann sich für den bekanntgewordenen Entwurf nicht er­wärmen, ebenso kommen auch aus dem Reichs­rat Stimmen, die dem Schulgesetz nicht freund­lich sind, kurz, es sieht so aus, als ob der Reichsinnenminister überall mit seinem Schul­gesetzentwurf den Stuhl vor die Tür gesetzt erhält. Demgegenüber mag zur Beruhigung daraus hin» gewicsen werden, daß es sich hier um einen uoch keineswegs fertigen Entwurf handelt, der durch Indiskretionen der Deffent- lichkeit bekannt geworden ist. So bedauerlich die vorzeitige Veröffentlichung auch sein mag, das Reichsinnenministerium erkennt aber doch aus der Stellungnahme der Parteien, wo es den Entwurf abändern muß, um ihn einiger­maßen annehmbar zu gestalten. Vorläufig dürf­ten aber noch Wochen ins Land gehen, bis die Vorlage dem Reichstag zugeht, so daß eigentlich JHt &t°$ Ursche -u ernster Beunruhigung

Preußischer Landtag.

B e rlin 30. Sept. Der Landtag begann öie Einzelaussprache zum Wohlfahrtshaushalt.

Abg. 11 e r-Breslau (Soz.) bringt zur Sprache, daß auf dem Schlosse Oels die Tochter eines Lokomotivführers widerrechtlich zurückge» halten werde Der Vater, der sich auf das Schloß begeben wollte, sei für irrsinnig erklärt unö interniert tooröen. (Große Erregung links.) Die Staatsregierung müsse dafür Sorge tragen, öap im Reiche das Irrenschutzgeseh so rasch wie möglich verabschiedet werde.

Abg. Quast-Faslern (Dtschnat.): Ein Irrenschutzgeseh ist eine alte Forderung unserer Partei. Was in öer Oelser Bevölkerung qe» i glaubt toeröe, sei eine Wahnidee, der auch der Abg. Müller-Breslau verfallen zu sein scheint.

Die Politik der Labour Party.

London, 1. Oft. (TU.) In öer gestrigen '-Tagung der englischen Arbeiterpartei in Liver­pool wurden die politischen Richtlinien der Par- I tei in einer Reihe von Entschließungen nieder­gelegt. Die zahlenschwache Opposition des linken Flügels wurde mit erdrückender Mehrheit über­stimmt.

I 3n der ersten Entschließung setzt sich öie I Arbeiterpartei zum Ziel, den nationalen Wiederaufbau und die Sozialreform auf parlamentarischem Wege durch Er­weiterung öer Kontrolle der nationalen Hilfs­mittel zu sichern. Eine weitere Entschließung legt den Standpuickt öer Arbeiterpartei in der 21 r - beitslosen frage fest.

Die Arbeitslosigkeit könne nur durch gesetz­liche Verschmelzung her wirtschaftlichen Hilfs­mittel des Landes mit den Industrieunternehmen, I die für das Allgemeinwohl und nicht um den Gewinn Einzelner arbeiten müßten, behoben wer­den. Eine weitere Entschließung fordert Maß­nahmen für öen engeren politischen unö wirtschaftlichen Zusammenschluß Großbritanniens, Inöiens. öer Dominions unö öer übrigen Teile öes britischen Reichs. Die Siedlungsmöglichkeiten im Britischen Reich sollen überprüft unö die Auswanderer zweckmäßig aus­gebildet werden. Ferner fordert die Entschlie­ßung die Monopolisierung der Le­bensmittel unö Rohstoffeinkäufe in öen Dominions zur Stabilisierung öer Preise. Eine andere Entschließung entwickelt ein System für I die Erweiterung öer InlanÖerzeu- j gung von Rahrungsmitteln und für die ilnterftüöung des britischen Ackerbaues.

Die Opposition versuchte, durch heftige Reden und Ausfälle Öen ruhigen Fortgang Öer Tagung zu beeinträchtigen, konnte jedoch den scharfen Gegenangriffen der Redner der gemäßigten Rich­tung nicht standhalten. Macdonald, der be­sonders heftig angegriffen wurde, verurteilte aufs schärfste die Taktik des linken FlügÄs. Er brachte eine Entschließung ein, die dasii tfeintritt, daß öie öffentlichen Dienste immer mehr nativnali- ficrt werden. Die Industrie müßte in jeder Weisse gefördert werden und ihre 2IrbeitSbeöinqungen mühten so eingerichtet sein, daß alle Arbiter vorwärts kommen könnten Macdonald erklärte, daß die Resolution, im Hinblick auf die 'Bergbau- frifc der ganzen Ration den Weg offenbaren solle, den eine künftige A r b ei t er reg i e r ung zur Klärung innen- und außenpolitischer Pro­bleme gehen werde. Der nationale Ausbau könne nur nach und nach auf sozialistischer Grund­lage unter Beachtung parlamentarischer Methoden erfolgen. Auf die Einwendung von feiten der Extremisten, daß das Programm Macdonalds ein liberales und kein sozialistisches sei, fragte der ehemalige Kolvnialminister Thomas, ob es nicht richtig fei, sich den Umständen an - I zupassen. Die Versammlung nahm schließlich den Antrag Macdonalds an.

Französische Offensive in Marokko.

Paris. 1. Olt. (W.T.B. Funkspruch) Die französischen Truppen haben die Höhen von Bui- dar und Taramara erreicht, die die 2llhu° cemas-Ducht beherrschen. Während des Vor­gehens der spanischen Truppen haben die Kreu­zerParis" undMetz" die Küste von Lllfrau zwischen Mhucemas und Melilla beschossen, lieber Einzelheiten der Operationen berichtet Havas: Der Kampf, der in den ersten Stunden des Vormittags begonnen habe, fei außerordent­lich wichtig, denn er diene dazu, die Basis für die künftigen Operationen festzustellen und den französischen Truppen zu ermöglichen, die An­höhen zu besetzen, die das ganze Kampfgebiet von Kiffane bis zum Djebel Aknut beherrschen. Die jüngsten Instruktionen, nach denen der Geg­ner von den Anhöhen und Berrgausläufern ge­faßt werden soll, hätten glückliche Erfolge ge­zeitigt und würden auch weiter befolgt Dadurch seien die Truppen in der Lage, dem Gegner, der nach Rorden durch die Täler und über die An­höhen zurückflute, zu beherrschen. Drei Brigaden unter dem Kommando eines Divisionsgenerals, bestehend aus 40 Bataillonen mit Unterstützung von 20 Batterien, nahmen an der augenblick­lichen Operation teil.

Vormittags 8 llhr erreichten öie von öer Basis von Kiffane vorswßenden Truppen die Anhöhen von Ker kor, nördlich von Kiffane, auf dem rechten Ufer des Wedschauja. Sie stießen auf lebhaften Widerstand des Feindes, der sich hier verschanzt hatte. Artillerie nahm die Hauptpunkte Öer feindlichen Stellung unter Feuer. Der französische Vormarsch geht in Rich­tung Djebel Uefnun unter dem Schutz von Ar­tilleriefeuer weiter vor. Kerkor selbst ist be­reits besetzt. Ebenso der Djebel Ajal, auf dem linken Ufer des Wisert. Die Einheiten in der Mitte rüden auf Ammusch vor. Die Riftruppen ziehen sich nach Rorden zurück. Marschall Pe- tain und General Raulin, die in Kifsone an­genommen sind, wohnten den Kämpfen bei. Diese werden wahrscheinlich zwei Tage lang dauern. Rach einer kurzen Einstellung der Operationen wird alsdann entsprechend den Umständen Öie Lage ausgenutzt werden. Wie ÖerTemps" mitteilt, sind bei diesen Operationen die fran­zösischen Truppen zum ersten Mal auf nicht unterworfenes Gebiet übergetreten.

Auflösung der griechischen Nationalversammlung.

Athen, 1. Oft. (WTB. Funkspruch.) Das heute vormittag auf Grund eines Beschlusses des MinisterratS veröffentlichte Dekret des Präsi­denten der Republik löst die Rationalversamm­lung auf und erflärt, daß das Datum der Par- kam-ntSw-ihlen durch ein IpäteresDekret Abg. Dr. Böhm <DI,ch. Dpt., bedauert innerhalb der un Erlab vvm M Juni lestgel-gt-n dan au« allenkundig politischen Motiven un~ Srift s-stg-seht wecken wird. D>e neue Kammer bewiesene Behauptungen, wie die über wird für öie Dauer von zwei Woch^ Revision?- I Oels, hier weiter getragen würden.